Ausgabe 
27.1.1913 Erstes Blatt
 
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Schließlich mußte der Sultan

vor.

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und der frühere

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zum Minister der Direktor des

genIVnverBeysnach geben.

Der frühere Minister des Innern Zinanzminister wurden verhaftet.

M u k h t a r Bey wurde endgültig des Acußcrn ernannt. Hassan Mi,

en abgebrochen und der Waffen ü n d i g t werden.

beriet darauf auf der Pforte über die Frage, ob Krieg Frieden und über die Antwort auf die Note der Mächte.

Nenn Opfer des Umsturzes.

Konstantinopel, 25. Jan. Wie erst gestern

Die Entsendung englicher Schiffe.

London, 26. Jan. Das Reutersche Bureau meldet aus Malta: Die SchlachtschiffeKönig Edward VII." und New Zcalandia" erhielten Befehl, nach dem Osten &u gehen.

Alemdar" und Djevad, der Geschäftsführer desJkidarn", find Verhaftet würden. Der Journalist Nour Eddin. nach

leben sichren und in einer Art von wachenr Traumzustand Dinge begehen, die ihrer Natur und Erziehung zuwider lausen, und bc- Ixtnbelt in diesem Sinne die Geschichte eines kranken Staats- (hier Recht:- > anwalrs, der bei Tage ein arbeitsamer und würdiger Über­treter seines Standes ist, um nachts in Gemeinschaft mit schweren Verbrechern verwegene Einbrüche zu begehen. Das Stück knüpft also mit seiner Hervorkelrung stark und unmittelbar nnrfcnber Gegensätze und der Darstellung nervenpeitsckumder Vorgänge stoff­lich ganz stilgemäs- au die-1 mge Filmdramatik an. Gleich­wohl wird man nicht behaupten können, das; der an sich dankens­werte Versuch überzeugend gelungen wäre. Tas Kinostück baut sich, was eigentlich nicht erst zu beweisen war, eben auf wesent­lich anderer Voraussetzung als das gesprochene Drama auf und tot seine eigenen künstlerischen Gesetze. Man wird sie respek tieren müssen, soll anders die so erstrebenswerte Reform des Kinos lieh out aussichtsreicher Balm we terentw ckeln. DaS Filnidrama, das den stampf gegen den Filmfchund unserer Tage siegreich bestellen null, mutz, wie diePost" sehr richtig'bemerkt, eigens für tos Llchtsp,eltl/eatergedichtet" sein, eine neue, bodenwüchsige Eorm unterer Dramatik darstellen. Dies wäre die künftige Auf­gabe, nicht dramatische Ereignisse unserer- Bühne für die Wieder­gabe im Kino zubearbeiten". Deshalb mußte auch Bassermann enttaiychen. Es luar gewit- fesselnd, die tadellos eleganten Ma­nieren und trefflichen n.imisckien Künste dieses Schauspielers ein­mal in der etoraktenstiseton Spiegelung einer Lichtbildaufnahme ut beobachten, aber herüber hinaus ist es ihm nicht .gelungen Teilnahme für seinen Helden in uns zu ermetfen. Hier fehlte das gesprochene Wort, für das die erläuternden Begleiterscheinungen aus der Leimvand nur einen unvollkommenen Ersatz boten, der dann auch mehr als einmal eine ungewollte Heiterkeit im Publikum auslüste.. In Summa, ein gutgemeinter Versuch, dessen Ver dienstlichleit in den Lehren liegt, die man aus ihm ziehen wird.

EineP r i v a t a u f s ü h r u n g" des P a r s i f a l in Monte Earlo. Trotz des Verbotes des Fürsten von Monaco der die geplante öffentliche Missührung des Parsisal in der Mont. Earlo-Oper untersagt hatte, dauern bic Prvlxm, wie der Eorrierc della Sera zu melden weiß, unverändert fort. Man wird jetzt einePrivatemfführung" veranstalten, zn der selbst die Press, keinen Zutritt erlangen soll. Zu her Mifführung sollen alle ien Leute eingelüben werden, die bezahlte Plätze vorausbestellt hatten

Sofia, 26. Jan. Mle Informationen in Rogierungs- lrcisen bestätigen, baß die Regierung entschlossen ist, die weitere Entwickelung der Ereignisse in Konstantinopel ruhig abzuwarten und den Großmächten eventuell weitere Schritte zur Förderung des Friedensschlusses zu überlassen. Erst wenn das neue türkische Kabinett die Mtretung Adriauopels verweigern füllte, würden die Ve r h a n d l u n

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i h n nicht s e lb st empfing, sondern die Verhandlungen über die Bildung des neuen Kabinetts nur durch die Ver­mittlung der Würdenträger führte. Der Sultan schlug zunächst die Umbildung des Kabinetts unter Kiamil Pascha mit Mahmud Schenket als Kriegsminister und später die Ernennung Ferid Paschas oder Achmed Mukhtar Paschas d e n V o r s ch l ä -

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dem gleichfalls gefahndet wird, konnte entfliehen. Andere kompromittierte Journalisten halten sich verborgen.

Als Beweis dafür, daß der Staatsstreich der Türken rolllommen überraschend gekommen ist, veröffentlicht das .Neue Wiener Tagb-latt" eine Depesche aus Konstantinopel nach welcher zwischen dem gegenwärtigen Sultan und seinem Bruder, dem ehemaligen Sultan Abdul Hamid, in der Nacht vor dem Putsch in dem Palais Dolrna-Bagdsche eine Aussöhnung stattgefunden hab'.

In der Frage der endgültigen Besetzung des Portefeuilles des Aeußern ist nod) keine Ent­scheidung getroffen. 'Der Berliner türkische Botschafter, de gegenwärtig als Bevollmächtigter zu den Friedensverhand- luugen in London weilt, lehnte das Anerbieten, das Mini­sterium des Aeußern zu übernehmen, aus Gesundheitsrück­sichten ab. Die auf die Note der Mächte zu erteilende Ant­wort wird kaum vor Montag erteilt werden.

Die Botschafter in Konstantinopel statteten am Samstag nachmittag dem neuen Großwesir einen Besuch ab. Einige Botschafter besuchten auch den Exgroßwesir Kiamil.

Der Belagerungszustand bleibt aufrechterhalten, allerdings in bedeutend gemilderter Form. Eine Kund­machung des Militärkommandanten von Konstantinopel hebt das Verbot des nächtlichen Straßenverkehrs auf.

Ein Kammcrherr des Sultans verhaftet.

Konstantinopel, 26. Jan. Der zweite Kammer­herr des Sultans, Reschid Bey, der sich bis heute in dem Palais verborgen hielt, wurde gestern nachmittag in dem Augenblick verhaftet, als er angeblich infolge Er­mächtigung des Sultans in Begleitung eines Adjutanten einen rumänischen Eildampfer besteigen wollte, um über Konstanza nach 'Europa zu flüchten. Er wurde in das Ge­fängnis des Kriegsgerichts übergeführt. Es verlautet, daß Hakki Pascha, dem das Portefeuille des Aeußern an­geboten wurde, sich Bedenkzeit bis Montag erbat, um sich über die diplomatische Lage zu orientieren.

Die Delegierten in London.

London, 25. Jan Die Delegierten der Bal - kattstaaten sind heute zusammengekommen, faßten je­doch noch keine endgültige Entschließung. Sie vertagten ihre Verhandlungen auf morgen, da sie immer noch die Instruktionen ihrer Regierungen abwarten.

Die Haltung Rußlands

Die Petersburger Telcgraphen-Agentur ist zu der Er­klärung ermächtigt, daß das russische Geschwader im Schwarzen Meer in Sewastopol vor Anker liegt. Die Blätterineldungeu von einem Erscheinen im Bosporus seien unrichtig.

Die offiziöseRossija" schreibt:

Ungeachtet der neuen Lage in Konstantinopel änderte sich die Haltung her Mächte .gegenüber dem Balkankrieg, die in der der Pforte überreichten Kvllektivnore zum Ausdruck gebracht mürbe, nicht. Die russische Regierung i st sich mehr als je d e r N o t w e n d i g k e i t b e w u ß t, d e in Krieg ein Ende zu machen und wird kc i n e M ü h e scheu e n, um dies Ziel zu erreichen. Wir haben Grund zu der Annahme, daß ganz Europa einmütig dasselbe Ziel verfolgt. Es erwartet von dem neuen türkischen Kabinett, welches das Vertrauen der Mächte braucht, denselben vernünftigen und versöhnlichen mit den Lebensinteressen der Türkei übereinstimmenden Geist, den jüngst das Kabinett Kiamil Pascha an den Tag legte, das so unerwartet hon dem Schauplatz verschwunden ist.

Bedrohliche Haltung Rumänicus.

Bukarest, 26. Jan. Da die bulgarische Regierung das Ausmaß der Rumänien zu gewährenden Kon­zes s i o n e n bisher amtlich in Bukarest noch nicht mit- teilte, ist der rumänische Gesandte in London Mischu beauf­tragt worden, dem bulgarischen Delegierten Danew mit­zuteilen, daß die rumänische Regierung diese amtliche Mitteilung dringend erwarte.

liehen Begriff der Freiheit als Freiheit v o m Gesetz (Räuber, Kabale und Liebe, auch noch Fiesko), vom Konventionellen hat er sich durchgerungen zum allgemein menschlichen Begriff der Freiheit (GedichtDie Nhinitlcr"): frei durch Vernunft, stark durchs Gesetz! Schiller sah, baß der Zustand der Arbeits­teilung vorübergehend sein müsse. Das Ziel der Kultur ist viel­mehr eine innere Einheit und Harmonie der mensch­lichen Kräfte, wie das griechische Altertum sie gehabt hat. Doch wußte Schiller wohl, daß die Idee der Menschheit damals auch noch viel enger war, und erst im Laufe der Geschichte sich erweitert hat zum Gedanken einer allgemeinen Menschheit. Besonders Kant und Schiller toben diese Idee einer all­gemeinen menschlichen Sittlichkeit gekannt und pro- tagiert. Weil vor hundert Jahren in unserem Volke solche sittlichen Werte vorhanden waren, darum war es wert und fähig, sich von der Fremdherrschaft zu befreien. Die zahl­reiche Zuhörerschaft dankte burch lebhaften Beifall. Der zweite Vortrag: Prof. Dr. Messer über Fichte wird nächsten Frei- ; tag ftattfinben.

D i e Schiwettläufe des Gießener SchiklnbS, die gestern und heute auf dem Hoderodßkopf abgehalton werden 'ollten, mußten wegen des am SarnStog mittag emgetretenen TauivetterS in letzter Stunde verschoben werden. Die Läufe finden bei günstiger Witterung am nächsten SamStag und Sonntag statt.

** Uuterhaltuugsabend des Guttempler- ; ordens. Einen wohlgelungenen vsfenen Abend hat die LogeHassia" desInternationalen Guttemplcrardeus (I. £. G. TZ zur Bekämpfung des Alkoholisrnus" veran­staltet. Ein Mitglied hielt an der Hand von Tabellen einen Vortrag überAlkohol und Verbrechen". Erschreckend sind die Zahlen, die von Autoritäten aus diesem Gebiete festgestellt sind. Geschieht doch die Hälfte der Haus- friedensstörungen, drei Fünftel der Körperverletzungen, drei Viertel der Falle von Widerstand gegen die Staatsgewalt und mehr als drei Viertel von allen Sittlichkeitsverbrechen unter dem Einfluß der Altoholgenusfes. Wird doch ferner die größte» Zahl aller Verbrechen im Wirtshaus und an Zahl- und Sonntagen begangen, an denen ja erfahrungs­gemäß am meisten Alkohol getrunken wird. Der größere Teil des Abends war fröhlichen Gesprächen gewidmet, gemischt mit guten Deklamation en und dem Gesänge alter schöner Volkslieder.

** Der Fremdenverkehr im abgelaufenen Ka­lenderjahr stellt sich nach den amtlichen Feststellungen des Polizeiamts in deit Hotels und Gasthäusern auf 62513 Logiergüste gegen 63 309 im Jahre zuvor. Tie Frequenz ist also im letzten Jahr um 796 Fremde gesunken. Will inan den Einfluß feststellen, den die Viehmärkte auf diesen Verkehr ausüben, so muß man den Fremdenverkehr der Herberge zur Heimat und des Gewerkschaftshauses außer Betracht lassen, da deren Gäste meistens arbeitsuchende Wanderer sind. Zieht man diese Gäste in den letzten fünf Jahren von dem Fremdenverkehr ab, so ergeben sich für die letzten vier Jahre (für die uns' die amtlichen Ergebnisse zur Verfügung stehen) solgende Zahlen: 1909 = 56190, 1910 - 52 996, 1911 - 46 761 1912 - 46 796. Als Ver­gleichsjahr wegen des Znfldsses von (Msten, die durch die Viehmärlte dem Gastwirtsgewerbe gebracht werden, ist 1909 und 1910 heranzuziehn. 1909 fanden die Märkte das ganze Jahr hindurch statt, während sie im letzten Vierteljahr 1910 ausfielen 1911 fanden keine Märkte und im letzten Jahre nur sehr wenige Vieh Märkte statt. Zahlen­mäßig haben die Märkte 1909 verglichen mit 1911 also rund 10 000 Fremden unserer Stabt gebracht, die hauptsäckp lich den Gastwirten, den Metzgern und Bäckern ufn>. Be­dienst gebracht haben. Wenn man die Zahl der in den Hotels eingekehrten Gäste betrachtet, so ergibt sich, daß ihre Zahl von Jahr zu Jahr gewachsen ist. Es handelt -ich bei. ihnen hauptsächlich um Geschäftsreisende Die Statistik ergibt für sie eine Vermehrung um 25003000 Personell, so daß der Ausfall au Fremden durch ba3 Nichtstattfinden der Viehmärktc mit 12000 bis 13000 nicht zu hoch ist.

** Landwirts chastska mm er. Unter dem Vorsitz bc5 Geh. Regierungsrats Haas sand eine Sitzung des Vorstandes der Landwirtschaftskaminer in Darmstadt statt. Die Stelle eines juristischen Hilfsarbeiters wurde Rechtsanwalt Me.sel übertragen. Wegen des Erlasses eines M il ch st r a s g ese tze s steht der Vor­stand aut dem Standpunkt, daß die Angelegenheit durch Reicks' gesetz iher Regelung zu finden hat Zur Besprechung der Frage wurde ein Sonderausschuß eingesetzt. Die Sortenanbau- v ersuche sollen in seitheriger Weise weitergeführt und besonder? auch auf Versuche mit 'Fitttergewäckscn ausgedehnt werben. 99egen der Sammelstclle des Pflanzenschutzdienstes ist im Laufe des Frühjahrs eine gemeinschaftliche Besprechung und Jnstruktions- erteiiung beabsichtigt. Der Hengsthaltungsgenossen- schaft Maar wird ein Zuschuß von 250 Mark bewilligt. Der Neuvachtung einer Weide für den Landwirtschaftskammer-Aus schuf; Rheinhessen in der Gemeinde Heppeicheim in Rheinhessen wirb iiigeftimmt.

wahr und ganz ernst, daß dieBewahrung her Einig­keit" das wich tigfte bei den Entschließungen der ein- aelncn Macht fei? Wenn wir dem Taktstock des Staats­sekretärs Grey überall genau folgen, wird die Harmonie ja freilich hergestellt Es ist aber doch kaum ein Zufall, daß Blätter verschiedener Richtung in der Kritik des Bathmannschen Handelns übereinstimmen. So hat das Berliner Tageblatt" mit bemerkenswerter Entschiedenheil es getadelt, daß die deutsche Unterschrift unter der Drohnote der Möchte stand, und auch heute spricht das Blatt wieder von derschwächlichen und schwankenden" Orientpolitik der deutschen Regierung. DieNordd. Allgem. Ztg." stellt aber auch die erfreuliche Forderung fest, daß keine Zwnngs- maßregetn gegen die Türkei in Frage kamen. Wenn aber Rußland an dem festhält, was es in der offiziösenRossija" verlauten läßt, bann ist die Einigkeit wieder gefährdet. Es ist erfreulich, daß dieNordd. Allgem. Ztg." die Neu­tralität gewahrt wissen will, und wenn die Regierung in diesem Sinne für die Einigkeit der Mächte tätig sein will, wollen wir's begrüßen. Ein dunkler Punkt ist dann freilich diediplomatische Einwirlüng". Es steckt, wie man aus der Regierungserklärung heiter herauslesen dürfte, nichts dahinter. Mau erkennt heute unschwer, daß die Fassung der gemeinsametr Note der Großmächte ein Kompromiß darstellte. Tie Note ist aber auch eine der vielen europäischen Spiegelfechtereien, die wir seit der Fest­legung des Status quo auf dem Balkan seit ein paar Mo­naten erlebt haben.

Wir erhalten folgende MÄdungen:

Konstantinopel, 24. Jan. Tie gestrigen Ereign sse er­regen fortdauernd in der Stadt ungeheures Au sehen. Eine Menge von Mehreren tausend Köpfen füllte am Nachmittag die Straßen von Stmnbul, die zur Pforte führen, um den neuen Scheich uel Islam vorüberziehen zu sehen. Mle jrmgtürkischen Journalisten, frühere Deputierte und Beaukte, die wegen Preßvergehen gefangen gesetzt worden waren, sind freigelassen worden. An den Mittel­punkten des öfientlick>en Verkehrs erscheinen wieder die bekannten jungtürkischen Gesichter, die seit langem verschwunden waren. Das neue Kabinett fett sich ganz aus hervorragenden Mit­gliedern des jungtürkischen Komitees zusammen. In dem Kabinett ist auch ein Christ, Postmünster Osman, und ein Armenier. Um 7 Uhr abends leisteten die Minister den Eid. Ter Ministerrat

" Wegen SittlichkeitSverb rechens verto

ii Untersuchungshaft genommen wurde gestern <f T»! lohnet von hier.* ,

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**. Post und Verdingungswesen. Hinsichtlich des Verdingungswesens weist das Reichs-Postamt in seinem neuesten Amtsblatt darauf hin, daß zahlreiche Perbandstage der Vertretungen des gewerblichen Mittelstandes sich in neuerer Zeit mit dem von Reichs- und Staalsbchvrdeu beobachteten Ver­fahren der Vergebung von Leistungen und Lieferungen befaßt haben. Schon dies zeige die große Bedeutung, die das Ver­dingungswesen für Gewerbe und Handwerk gewonnen hat. Des­halb hätten es auch die bei der Vergebung von Leistungen und Lieferungen beteiligten Reichs-Post- und Telegraphenbehörden als vornehme Ausgabe zu betrachten, den Bedürfnissen des Gewerbes, insbesondere des Handwerks, gerecht zu werden, soweit es irgend möglich. Ebensowenig wie rein fiskalische Interessen es recht­fertigen könnten, Rechte und Pflichten zum einseitigen Vorteile der auftraggebenden Behörde festzusetzen, ebenfotocnig dürfe auch sonst ein Verfahren eingeschlagen loerden, das billige Forde- rimgen des Gewerbes und des^ Handwerks unberücksichtigt laßt. Es müsse in Anspruch genommen werden, daß alle bei der Ver­gebung von Leistungen und Lieferungen beteiligten Beamten sich damit vertraut machen, welche allgemeinen Wünsche hinsichtlich dieser Vergebungen in ben beteiligten Kreisen bestehen. Die Handelskammern, Handwerkskammern, Innungen usw. wären gewiß gern bereit, hierbei unterstützend mitzuwirkem (toro, besonders sei auch dahin zu streben, daß sie die kleineren Ge­werbetreibenden und die Handwerker einzeln oder in Liese- rungsverbänden, wie es bereits bisher in einigen Fällen mit gutem Erfolge geschehen sei am Wettbewerbe bei öffentlichen Ausschreibungen von Leistungen und Lieferungen beteiligen. Ferner seien auch zu elektrotechnischen Jnstallationsarbeiten, nxnn irgend angängig, Handwerker oder Handwerkervereinigungen heranzuziehen. Tas Reichs-Postamt erwartet, daß bic beteiligten Beamten ber Reichs-Postvernmltung sich bemühen werden, zur Lösung der wichtigen Aufgabe, ben gewerblichen Mittelstand zu kräftigen und insbesondere das Handwerk leistungsfähiger zu machen, durch genaue Beachtung der Vorschriften über die Ver­gebung von Leistungen und Lieferungen und der dieserhalb sonst ergangenen Verfügungen beizutragen Das Postamtsblatt bringt sodann noch nähere Bestimmungen über bic Arten ber Ausschrei­bung, bie VerdingungSanschläge, die Fristen für die Ver.-rags- erfüllung, die Bekanntmachung ber Ausschreibung, bic Zuschloa- crtcilung und bie Fassung, Inhalt und Ausführung ber

Aus Stadt und Cante

Gienen, 27. Januar 1913.

** Tageskalenber für Montag, 27. Jan. Stadt- t h e a t e r Feslvorüellung zu Kaisers (Geburtstag: Uraufführung »In eiserner Zeif. Vater!. Schansplel von Th. Btrt. An° lang lx/a Uhr.

In Audienz empfangen mürbe vom Graß- Herzog am Samstag u. a.: Prof. Dr. Olt von Gießen.

Stabttheater. ES fei darauf hmgewiesen, baß die morgige VolkSoorslellung die überhaupt letzte Auf- sühmng derFünf Frankfurter- ist

** Freie Studentenschaft. Am Freitag fand ber erste Vortrag bcs angekünbigten Zyklus statt. Pros. Dr. Kinkel sprach über Kant-Schiller. Es >var richtig, diese beiden an den Anfang zu stellen, wenn gezeigt werden sollte, welches bic Geister waren, die die Ideen in das Volk genwrfcn hatten am denen das Befremngswcrk ruhte. Zugleich toben diese Manner aber auch gezeugt, daß die innere Befreiung des Volkes eine unendliche Aufgabe ist. Kant ist ber geütige Urheber ber Bewegung. Im Mittelpunkt seiner Philo­sophie steht ber Gedanke der Freiheit. Kant Hal auf5 stärkste auf bie Vorstellungen bcs Volkes gewirkt. Bedeutende Staat- männer Stein und Hardenberg) haben fick mit Stolz seine schiller genannt, hervorragende Vertreter der Rheologie ber Rechtswissenschaft, der Naturwissenschaft, der Philologie ber Kricclswisseiisctoft haben von ihm gelernt. Ter Popularphilo- wphie bet Zeit Kants gegenüber beburfte es einer Vertiefung - bie Philosophie mußte in bas Gemüt bcs Menschen, und lie mußte zu ber fruchtbaren Arbeit ber exakten Wissen- | cftaftcit Aurürfgefübrt werben Tie Rückkehr bes Menschen m 'Lne Person: Bestimme dich aus dir selbst! so faßt Schiller die Philosophie Kants zusammen. Nicht ist ba gemeintsich auökben , tote ber Philister bies Wort heute versteht A l l - £m c i u wertvolle Werte setoffen. Ter Gjeift schafft bic Wirk- 'Ikett aus sich heraus, bic Welt wirb ihm zur Aufgabe Aber auch fern eigenes Scl bst wirb bem Menschen zur Auf °

M md)t am ben Instinkt verlassen. Erst wer uch stets für_ bie Allgemeinheit ovicrt, kann sein wahres Selbst erkennen. Auch am bem ästheckischen Gebiete müssen all- VSClUU/utl^ Werte geschaffen werben. Tas geläuterte Fuhlen bes Genies ist im ÄunfhverF enthalten. Kein anberer tot Mont besser ventanben wie Schiller, ber ba« alles an uxmbte aus das konkrete Mmschenleben. Von ieinem ursprüng-

fintiert werben konnte, sind bei der blnügenSzenevor bem Saal des Ministerrates neun Personen getötet worden. Gestern vormittag wurden aus der Pforte neun Särge kftrausgetragen. Die Opfer sind au^er Rasim Pascha seine beiden Adjuttrnten Nafis und Salih, ferner ein Diener des Jüstizministers, ein solcher der Porte und ein Sekretär, angeblich auch der Hauptmann Kiais Jsli Tewfil und der Tragoman Nedschib. Tas neunte Opfer ist unbekannt; es soll ein früherer jung'ürkycher Abgeord­neter sein, der den Kriegsminister erschossen hat. Man er­zählt, Enver B c y hätte zuerst durch einen Diener seine Karte in den Ministerratssaal hineingesandt und um Zutritt gebeten. Da die Minister ihn nicht empfangen wollten^ tarn es zu einem Tumult, wobei ein Adjutant des Kriegs­ministers zuerst gefeuert habe. Darauf erschien der Kriegs­minister in der Tür des Saales, um sich nach der Ursache des Tumults zu erkundigen. Die Eindringlinge drangen in den Saal. In diesem Augenblick fielen Schüsse und Nazim Pascha brach tödlich getroffen zusammen. Die in den Saal gedrungenen Jungtürten wollten in der Erregung des- Mo­ments, wie behauptet wird, auch den Großwesir töten, der ihnen bittend e n t g e g e n g e g a n g e n und so fein Leben' gerettet haben soll. Die früheren Minister des Innern und der Finanzen werden noch gefangen gehalten.

Neber das Erscheinen Enver Beys im Sultans- palaste verlautet, daß infolge des Einschreitens der Hof- chargen, die das schlimmste befürchteten, der Sultan

Weuh'chl \\[ DiedrMw nutzen, butä der deutjchei diesmal fer Karl von $ düngen, zu

Der Fe gefeiert we gelungen, eignissen d gleichzeitig dieses Jahi Wäum d werden wii . Gi in der hey .mm Zeil [, Mgen am besondere $ heute in übli kand aestern ländischen F, nant" in eine ilehen ließ . Die milit Hf °urch die Lick We, March Anlage b W- hier t Wenstreich S88 ÄS

1 eÖQnc N-und ^llesdienft Spbc ab. 1 l^erkorpsi h» b,e Man- linb^ roi*6'

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