Zh T __7^.
;u5* bhV*n. 19h
"ex G4. D -»/
6utiurtto fiu D »/ «Urlg/fcUHlO, /l
NNde.
C' 6e$a8eiim5! he.
Wabe.
tV'Ärfr1* Iler. ^khwabe.
"»S’ÄÄ*«- 1 er ®emembe
WK- ■ '**'« Wlifa S”it: $**llnge,, MwT' ™ 4te"£<4”’b' *tols()eiiner ^Mhlqttmer. itn A.“! *"“««• l’" bei btin $iamt j,b„
eHonStmierlen wiidlich«,
,n 3o6annes|aal
? Uhr: Bibelstunde
rer BechtolSheimer. laqS 4 Uhr: 2?etjamm(ung 'meinbe
g her konfirmierten weid' ni )ohannes|aale.
tt'lrinstraße 38) veranstaliel jeben Tienstaq abenb eine eine Surnftunbe und jeden lelnbenb.
öüler höherer Sebt- aal, und zwar jeden Nill- 4, jeden Tamstaq um 6 Uh: lien für tzchülerinnen e-gemeinde jeben Tienstag
lesbtenH
iar, nachmittags 1/12 W:
uar, nachmittags IX Ufr. gel 'inte.
Januar:
L um S W' Türgenh-'t
!\ntag Teragejima: beit zur hl. Beicht.
Dtefit
x bl. .Qomnumton. predigt.
!leb«daran! Andacht fit M^eS AaiserS, vormittag?
ttefuck
"®efit mit Predigt, lebe mit Predigt.
Gold
Nr. 22 Erstes Blatt (65. Jahrgang Montag. 21. Januar (9(5
Der Siebener »vzeiger Ä --y A BeznaSvret»:
erscheint tätlich, außer Ry Agfflk «a ^F monatlich75 Vs., viertel-
Sonntags. - Beilagen: | . A A. Ak A A Jk ▲ "Wt W A ▲ ▲ A A A A jährlich btk. 2.2V. durch
viermal roöebenfhcl' M ^xX W A&X Ubhole- u. Zweigstellen
SiebenerZamilienblätter, W MM M | B 7 M MM MM MW MU B J M MM monatlich 66 Pf.: durch
aveunalivöcbentl.KteiS: KL^ W BJr |$M&. «8 Jjr W W W z W W W B B Ä^F B B B flz B dieVost Mk. 2.—viertel-
blattsürdenllreisSiehen M W W M WM W W II / | O Hf H B B gä< K jährt, ausscht. Beitellg. (Dienstag imd Freitag)-, M fcJ refflk, M W W^, W W M B H HÄ Bk gj 'M B W. B Zeilenvreis: lokal IbPf^
zweimal monatl. Land- M M 'W W W W* W B ®L W wh< M BUB Ar auswärts 20 Pünuiq.
wirtschaftliche Seitsragen " W M iE W V ^F B “ Vl| ” Chefredakteur:A Goetz.
Fernfprech - Anschlüsse: Ä. Jy Ab Verantwortlich s»",r den
für die Redaktion 112, politischen Teil: August
eSSBr Seneral-Mzeiger für Gberhessen »LML ’7K™S Rotationsörucf und Verlag »er vrnhl-schen Unw.-Vnch- und Steindrnckerei R. ränge. Redaktion. Expedition und Drudcrci; Schulftratze 7. ®.^“ür »m
bis vormittags 9 Uhr. Bübingen: Fernsprecher Nr. 269 Geschäftsstelle Bahnhofstraße 16a. Anzeigenteil: 'h. Beck.
Die heutige Nummer umfahr 10 Setten
Die hessischen Domänen.
Aus D' a r m st a d t wird uns geschrieben:
Um den Landständen in Zukunft ein Mitbestimmungs-- recht beim An- und Verkauf von Grundeigentum, das zum Domänenbesitz des Großherznglichen L>auses gehört, zu sichern, hat der Finanz-ausschuß der Zweiten Kammer, wie kürzlich berichtet, einen Antrag beschlossen, worin die Regierung um Vorlage eines Gesetzentwurfes ersucht wird, durch den das Domanialvermägen des Großherzoglichen Familien-Ei-gentums in Staatseigentum überführt wird. Dieser Antraig ist von außerordentlich großer Tragweite, nicht nur deshalb, weil dadurch der ganxe rechtliche Bestand des Domanialvermögens verändert wiro, sondern auch dadurch, daß schwerwieg-ende Eingriffe in die Rechte des Großh. Hauses erfolgen sollen. Um die Tragweite dieses Antrags völlig zu würdigen, ist es notwendig, auf die Entstehungsgeschichte der hessischen Domänen näher einzugehien.
Die Domänen in Hessen bilden das Krongut des Großh. Hauses, und in Zeiten, in denen das konstitutionelle Systetn noch nicht ausgebildet war, war Krongut, d. h. Hausgut des Regenten, und Staatseigentum desselben. Aus den Erträgnissen dieses DomänenMtes bestritt der Landesherr nicht nur ferne eigenen Ausgaben, sondern es wurden aus ihm auch zum größten Teil die Staatsausgaben gedeckt. Es befanden sich deshalb die Domänen im tatsächlichen Eigentum des Landesherrn, als Chefs des regierenden Hauses. In diesem ursprünglichen. Verhältnis finden wir jetzt noch die Domänen in einzelnen Mittelstaaten, z. B. Schaumburg-Lippe, Anhalt u. a., wo der Landesh.'rr persött- lich als Chef des Fürstenhauses Eigentümer der Domänen ist, aus denen er aber auch noch für die Bedürfnisse des Staates Beträge mt die Staatskasse äbführt. Die Einführung der Verfassungen drängte zur Klärung des Verhältnisses zwischen Landesherrn und Staat hinsichtlich dieser Domänen, insbesondere in solchen Staaten, die nicht noch andere Einnahmeguellen besaßen, sondern auf die Einnahme aus den Domänen angewiesen waren. Im Großherzogtum Hessen wurde der Ertrag der Domänen bereits vor der Verfassung vom Jahre 1820 nicht bloß zu dem persönlichen Aufwand des Regenten, sondern auch zur Bestreitung der Landesbedürfnisse verweiidet. Es waren in Hessen namentlich die Staatsschulden auf die Domänen radiziert. Dementsprechend erfolgte in der Verfassung vom Jahre 1820 die Regelung hinsichtlich der Domänen in der Weise, daß ein Drittel der sämtlichen Domänen an den Staat abgegeben wurde, um mittelst allmählichen Verkaufs zur Schuldentilgung verwendet zu werden; die übrigen zwei D ritte i l e sollten das schuldenfreie unveräußerliche Familien-Eigentum des Großherzoglichen Hauses bleiben. Die Verwaltung dieser Zweiorittel der Domänen sollte jedoch durch den Staat erfolgen und auch zur Bestreitung der Staatsbedürfnisse verwendet werden. Die erste Bestimmung dieser Einkünfte war aber eine feste Abgabe an den Regenten zur Bestreitung der Bedürfnisse seiner Lebenshaltung und seines Hofes (Zivilliste). Die allmähliche Abtragung der Schulden war bis Anfangs der 4Oer Jahre erfolgt und der Landtagsabschied von 1841 regelte deshalb in erneuter Weise das Verhältnis des Domanialvermögens, an der grundsätzlichen Festlegung der Verfassung wurde jedoch nichts geändert.
Es wurde ein Fonds gegründet, aus dem die An- und Verkäufe für das Familieneigentum des Großh. Hauses bewerkstelligt werden sollten. Die Ankäufe, die mit Mitteln dieses Fonds betätigt wurden, erhielten wiederum den Charakter der Domänen.
An der Verwaltung dieses D o m ä n e n - A k q u i s i - tions-Fonds haben die Landstände keinerlei Mitwir- kungsrechh. und der vom Ausschuß der Zweiten Kammer gestellte Mtrag bezweckt in erster Linie, ein solches Recht zu erhalten. Erwägt man, zu welchen Ankäufen in den letzten Jahrzehnten Bestandteile dieses Fonds verwendet wurden, so wird man die diesem Antrag zugrunde liegende Tendenz als berechtigt anerkennen müssen. Die Erträgnisse der Domänen, sowie die Zinsen des Doinanial-Akqu.- sitionsfonds fließen in das Budget, während die Verwaltung aller Domanialgüter zu Lasten der Staatskasse erfolgt. Wurden nun ohne Mitwirkung der Landstände 2>,2 Mill. Mark in den W einb an d o m ä nen ohne Mitwirkung der Stände festgelegt, so ist es sehr bedauerlich, daß dieses enorme Vermögen nicht nur keine Erträgnisse für die Staatskasse liefert, sondern daß zur Bestreitung der Bedürfnisse der Weinbaudomänen-Verwaltung nach dem Voranschlag für das Jahr 1913 noch ein Zuschußbetrag von 67 000 Mark erforderlich ist. W e n n w e i t e r O e d l a n d im Vogelsberg zur Beforstung angekauft^ wird, bei dem auf Jahrzehnte hinaus auf einen Ertrag überhaupt nicht gerechnet werden kann, so wird man auch das nicht zu rechtfertigen vermögen, zumal die Aufforstung selbst durch Staatsmittel aus dem Budget erfolgen muß. Hierzu kommt weiter, daß die Anleihen unseres Landes doch auch ein Vermögen voraussetzen, das nicht nur in Eisenbahnen und Staatsgebäuden bestehen darf, sondern auch ertragreichen Grund und Boden aufweisen soll. Da auf die Domänen die Schulden des Landes mit radiziert sind, so trägt es wesentlich zur Erhöhung des Staatskredits bei, wenn das Wesen der Domänen dadurch verändert wird, daß sie in das Staatseigentum übertragen werden.
Aus allen diesen Erwägungen tvird man wohl nicht umhin können, die Grundtendenz des Ausschußantrages als durchaus berechtigt anzuerkennen. Es erscheint jedoch auch notwendig, daneben auf die Bedenken einer solchen Umwandlung aufmerksam zu machen. Der Landesfürst ist nach dem gegenwärtigen Verhältnis der Domänen als Chef seines Hauses immer noch der Eigentümer der Domänen. Wenn er auch über sein Eigentum, da es unveräußerlich ist, nicht verfügen kann und deshalb sein Recht eigentlich nur noch auf ein Hoheitsrecht beschränkt ist, so ist doch das landesfürstliche Haus dürch den Grund und Bodeit mit dem Land untrennbar verbunden. Wird nun dieser Grund und Boden in das Staatseigentum übergeführt, so wird der Landesfürst gewissermaßen zum Beamten des Staates, dem er fein Grundeiig en tum zur Bestreitung staatlicher Bedürftnsse überlassen hat. Weiter ist noch zu bedenken, daß als Besitz des Großh. Familie neigentu ms auch z. B. eingetragen sind in Darmstadt das Residenzschloß, das Alte Palais und der Großh. Marstall, das Jagdschloß Wolfsgarten, Schloß Romrod in Oberhessen und sonstige Besitzungen, die der Großherzog für die Bedürfnisse^ feiner Familie benötigt. Wenn nun die Ueberführung aller dieser Gebäude in das Staatseigentum erfolgt, so würde der Landesherr in diesen ihm überlassenen Staatsgebäuden nur ein Wohnrecht besitzen. In dieser Richtung wären zweifellos, wenn der Antrag zu näheren Verhandlungen mit der Regierung und lder Krone führen sollte, im Interesse
der Unabhängigkeit des Landeshierrn bestimmte Vereinbarungen zu treffen. Wenn das Kammerplenum den Antrag des Ausschusses zur Besprechung stellt und die Regierung sich darauf einzugehwr bereit erklärt, so würden für die nächste Zeit in unserem Großherzogtum interessante Auseinandersetzungen hinsichtlich des Domanialgutes zu erwarten sein. Wir wollen hoffen, daß das vielleicht unbewußt in dem Antrag liegende radikale Bestreben durch vernünftige Vermittelungsvi^rschläge einen befriedigenden Ausgleich erhalten möge!
Der Abbruch der Verhandlungen?
London, 26. Jan. (Meldung» des Reuterschen Bureaus.) Tie Delegierten der Balkanstaaten haben beschlossen, die Verhandlungen abzubrechen.
Wie das Reuter'sche Bureau erfährt, haben die Balkan delegierten ein Komitee eingesetzt, dem je ein Vertreter der Delegationen angehört, um ein Schreibe n aufzu setzen, das der türkischen Mission überleben werden soll. In diesem Sck^reiben soll der türkischen Mission der Beschluß der Balkandelegierten, die Verhandlungen ab» zubrechen, mit geteilt werden. Es ist unbekannt, wann das Schreiben überreicht werden soll, aber die Ueberreichung wird wahrscheinlich morgen (Sonntag) stattfinden. (Das Reuzer-Telegramm ist vom 26. Januar datiert.)
Bis zur Stunde liegt noch keine Meldung darüber vor, ob die Delegierten der Balkanstaaten eine Mitteilung in dem obigen Sinne der Türkei tatsächlich überreicht haben. Es könnte sich aruch um eine Einschüchterungstaktik handeln, zumal man darin ja von den Großmächten das beste Beispiel hatte abgucken fönueit. Zwischen Lipp und Kelchesrand, schwebt der finj’tcrrt Mächte Band. Man füllt den Leidenskelch für die Türken wieder mit der sauersten Arznei, und — läßt ihn bann eine Weile stehen. Vielleicht wird die offizielle Kündigung des Waffenstillstandes doch erst dann stattfinden, wenn die Pforte ihre noch ausstehende Antwort abgegeben hat. Auch Rußland hat den gefüllten >tmg noch neben sich stehen und scheut sich, ihn an die Lippen zu führen; in Armenien sind die Truppen des garen noch nicht einmarschiert. Das gibt der amtlichen „Norddeutschen Allgem. Ztg." Mut zu folgender Erklärung:
Soweit die neuen Ereignisse in Konstantinopel von der europäischen P r esse mit Ernst und Einsicht gewürdigt werden, tritt überall der Gedanke hervor, daß w i ch t i g st e für die weitere Verhandlung der Orientwirren sei die Bewahrung der Einigkeit unter den Großmächten zur Fortsetzung ihrer gemeinsamen Arbeit und zur Wiederherstellung d^s Friedens. Dazu gehört vor allem das Festhalten an der bisher beobachteten Neutralität. Tatsächlich besteht fein Grund zur Annahme, daß einzelne Mächte das Konzert verlassen wollen, um in die Einwilligung der Dinge im Orient nach eigenem Ermessen einzugreifen. Für das gemeinsame Auftreten Europas kommen Zwangs- maßregeln gegen die Türken nicht in Frage. Sie würden mit den Grundsätzen der Neuttalität nicht im Einklang stehen und könnten bedenkliche Folgen haben. Es bleibt im Interesse der Einigkeit unter den Großmächten nur das Weitergehen auf dem Wege gemeinsamer diplomatischer Einwirkung, um neue Feindseligkeiten zu verhüten oder, falls dieses unmöglich sei, sie örtlich und zeitlich -einzuschränken.
Zuerst also ein Rüffel: >es gibt Zeitungen, die nicht „mit Ernst und Einsicht" die Dinge würdigen. ?lber warum sollte man so ganz unempfindlich fein gegen den Humor, der, vielleicht unfreiwillig, häufig aus dem Türspalt bei den Londoner Vereinbarungen herauslugt? Ist es denn
— Zwei namhafte Berliner Kunstgrößen, Paul Lindau, der Dichter, und Mbert B a s s e r m a n n, der Schauspieler, haben jetzt den Weg zur Filmdramatik gefunden. Jener Hot deir jedenfalls interessanten Versuch gemacht, sein bekanntes Schauspiel „Der Andere" in ein modernes Kinostück zu vertvandeln, dieser ist als gefälliger Helfer unter die Filmdarsteller gegangen, indem er für das Schauspiel auf der stummen Leinwand die Hauptrolle des „Rechtsanwalts" (eigentlich Staatsanwalts) Tr. Hellers übernahm, ein Experiment, das seinen Ursprung dem löblichen Ziele verdankt, bem Filmdrama der Zukunft einen neuen, künstlerisch wertvolleren Inhalt zu geben. Für die Wahl von Lmdaus Zweiseelenstück sprach sicher manch gewichttger ®ninb. ut durch eine Aeußerimg Hippolyte Taeines angeregt, daß -Nenschm mit übermüdetem Gehirn bistveilen ein seltsames seelisches
t i o n gebildet. Polarfahrer Theodor Lerner (Frankfurt), der Spitzbergen sechsmal durchforschte, zeichnete in längerem Vorivage ein Bild der Inselgruppe und schilderte den bisherigen Verlauf der Schröderschen Reise. Er forderte zur sofortigen Hilfe die Ausrüstung einer Schiffsexpedition auf, die versuchen soll, zwisckien Grönland und dem Ostlandeis die Nordspite Spitzbergens zu erreichen, inn dann die einzelner Lager der bedrohten Forscher zu erreichen. Tie Kosten der Reise veranschlagt er auf 50 000 Mark. Wenn von Berlin aus nicht bald Maßregeln ergriffen würden, dann solle Frankfurt allein die Mittel aufbringen. Demgegenüber betonte der Meteorologe Dr. Linke (Frankfurt), daß die vorgeschlagene Schistsexpedition von Norden her nur ein Spiel mit Menschenleben s e i und die Berliner Zentrale sieb hierzu nicht verstände. Geheimrat Hergesell (Straßburg) äußerte sich schriftlich dahin, daß die norwegischen Fachleute es für ausgeschlossen batten, jetzt durch das Treibeis zu Schiff vorzudringen. Der gleichen Meinung ist Professor von Dry- galskh (München), der als frühesten Termin einer Schiffsexpedition den Juli ansieht und dann mir von der Adv-entybay auch nach Norden Vordringen will. Im übrigen beurteile man in Norwegen di e Lage der Expedition bei weitem! nicht s o ernst al s hier, wo die deutsche Presse die Sache vielfach aufgebauscht habe. Gras von Zeppelin ließ durch Kapitänleutnant Glund (Friedrichshafen) erflären, daß man vorerst kein Schiff entsenden, sondern von M>ventybat) auf dem Landwege Vordringen solle. Erst weim dieser Weg feUschlagc, möge man von Trornsö eine Schiffsexpedition ausrüsten, jetzt aber solle man sofort die Pläne zur Rettung ausarbeiten und nach Tronffv senden. Für die Expedition stellte der Gras 10000 Warf zur Verfügung. Die Ausrüstung mit den erforderlichen Medikamenten übernehme Apotheker Szamatvlski (Frankfurt). Der Hilfsausschuß tritt in den nächsten Tagen bereits mit einem Aufruf an die Oeffentlichkeit.
und manchmal fühlt man sich schon versucht, zu zitieren: „Die Komposition mußte ganz und gar mit großen oder kleinen Sekmid-- und dergleichen Allorden durchsetzt fein, die ohne Vernunft und Absicht angemenbet wurden, außer wenn man diesem Harmonie- Stil die Wsicht beilegte, dem Ohr so oft als möglich unangenehm zu fein. Diese Musiker fanden an dissonierenden 9Lfforben eben solchen Geschmack wie manche Tiere am Salze und an stachlichen Pflanzen." Das schrieb gewiß ein alter Reaktionär! Nein: das schrieb einer der kühnsten Balmbrecher der neueren Musik — kein Geringerer als Berlioz! Darum braucht nun aber die ältere Komposilionsweise keineswegs als „Schlaglwum, als un- uuigängliches Muster zu blinder Nachahmung, kurz als Brett, mit dem die Well vernagelt ist, hingestellt zu Iverden" (Liszt). Die Kunst ist uns kein „Speicher voll getrockneter Früchte", b-e man einfach zu bewachen und zu bewahren hat, sondern ein lebendig grünendes und treibendes Fruchtfeld. Lassen wir die Saat also getrost in die Halme schießen — mögen immerhin taube Schößlinge und Unkraut dazwischenwachsen, wenn sie sich nur wicht allzu breit machen!
Tie Leistungen der Aussützrenden: Redner (Violine), H e g a r (Violoncell) und Irautmann (Klavier) standen wieder auf bedeutender künstlerischer Höhe: bei der Schlußnummer schien eine kleine Ermüdung platzzugreifen: eine Klaviertaste erwies sich als nicht stimMfeft. Besonders hervorheben möchten wir die warme und sckpoungvolle Wiedergabe der mit Schwierigkeiten reich bedachten Sonate von Karg-Elert.
Eine freundliche Abwechslung brachten die durchweg auf den Ton anmutiger Heiterkeit und Lebensfreude gestimmten Vorträge der geschätzten Konzertsängerin Frl. Carola Hubert aus Köln. Mit glockenreiner, tvohlgesckmlter Stinrme, packendem Vortrag und tadelloser Aussprache sang sie mehrere Lieder des Altmeisters Schubert, die es reichlich verdienten, öfter auf den Programmen zu; erscheinen: welch reizendes «eines Meisterstück an Erfindung ist z. >B. das Liedchen „An die Laute". Eine angenehme Ueberrasckung boten auch die Lieder von Julius Weismaun, der in der UcberfüHe der neueren Liederkomposition sich Beachtung zu verschaffen wußte. Er sackst in den heute gehörten vier Liedern nicht durch Neuheit und Geistteichheit zu verblüffen, sondern läßt sich mit Erfolg genügen, durch frische Natürlichkeit zu erfreuen. Das volkstümlich anmutende „Sonnenlied" mußte wiederholt werden. §>err Professor Trautmann begleitete die Gesänge in seiner feinsinnigen und wirkungsvollen Weise. * P-
Deutsche hilse für Spitzbergen.
Frankfurt a. M., 26. Jan. Unter dem Vorsitz des Direktors Professors Dr. zur Straßen (Frankfurt a. M.) hat sich heute hier ein Hilfsausschuß zur Rettung der im Innern Spitzbergens eingefchlossenen Schröder-Stranz-Expedi-
Gietzener Konsctfvercim
6. Konzert. 2. Kammer rnnsikabend.
Gießen, 26. Januar.
In anregender Mischung von älterer und neuester Musik führte uns das heutige Programm von Mozart über Schubert und Smetana zu.zivei hier noch kaum bekannten Tondichtern der neuesten Zeit. — Smetana (1824—1884) ist eine echte Musiker Natur von national-böhmischem Gepräge: trotz seiner schweren Lebensschichale (er wurde taub und starb im' Irrenhaus) strömt er über von.Klangesfreude und gemahnt in natürlichem Melodien und Formen-Reichtum ost an Fr. Schubert: Von den 8 Opern Smetanas ist „Die verkaufte Braut" auch in Deutschland heimisch geworden. Seine symphonischen Dichtungen und Kammermusikwerke verdienen mehr bekannt zu werden. Sem G-moll-Tno war vielleicht die erfrischendste und am unmittelbarsten hackende instrumentale Gabe des ganzen heutigen Mends. Weit schwerere Kost bot Karg-Elert. Seine Schaffensart und speziell seine heute erstmals Tyier gehörte Sonate für Klavier und Violoncell sind sckwn von anderer Seite in diesen Blättern näher analysiert worden, — teilweise wohl auf Grund eigener Angaben des Künstlers über feine Intentionen; inwieweit es ihm gelungen ist letztere in klingende Wirklichkeit umzusetzen, wird nach erstmaligeni Hören schwer zu sagen sein; eine gewisse Zerrissenheit, ein Allzuviel an modu latorischer und rhythniischer Würze, eine einseitige Betonung des „Geistreichen" teilt er mit den meisten Modernen. Doch ist anzuerkennen, daß er melodische Ruhepunkte nicht ganz verschmäht und sich auch nicht darauf kapriziert, ohne innere Notwendigkeit die historisch gewachsenen Kunstformen zu zerbrechen. Am eindrucksvollsten fanden mir den 2. Satz der Sonate. .
Dcerkwürdig, wie nach solch scharf gewürztem Genutz dav liebliche und fonnenschone E-dur-Trio von Mozart — man erschrecke nicht über die ketzerische Offenheit! — ftellenweye etwas abgeblaßt und konventionell kühl erschien. Es hat eben leine zwei Seiten, das Programm aus so verschiedenen Ingredienzien zu mischen: zweifellos gewährt es einen Vorzug, nach mühjamer zu genießenden Neuheiteii noch beliebtes und bewährtes Altes als leichtbekömmlichen Abschiedstrank zu kredenzen; die Schattenseite ist, daß man sich mit einem gewissen schmerzhaften Ruck aus der finen künstlerischen Welt herausreißen und auf eine gang anders geartete einstellen muß — wobei leicht Beide zu kurz kommen.
gestatte man noch ein paar Worte allgemeiner Stellung- Afl-' 1 dem Kampfgeschrei zwischen alter, neuer und aller- Kub. Vo ^usik: Wir sind durchaus für lebendiges Fortschreiten •*i ‘>cn mir solches nicht schon ohne weiteres im Forcieren
-j. 1iVt auffallenden Sprüngen. Es sind viele Seiten- n;l 'juge dabei, die auf Abwege, oder zu mcksts fuhren


