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27.1.1913 Erstes Blatt
 
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Nr. 22 Erstes Blatt (65. Jahrgang Montag. 21. Januar (9(5

Der Siebener »vzeiger Ä --y A BeznaSvret»:

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wirtschaftliche Seitsragen " W M iE W V ^F B Vl| Chefredakteur:A Goetz.

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für die Redaktion 112, politischen Teil: August

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Die heutige Nummer umfahr 10 Setten

Die hessischen Domänen.

Aus D' a r m st a d t wird uns geschrieben:

Um den Landständen in Zukunft ein Mitbestimmungs-- recht beim An- und Verkauf von Grundeigentum, das zum Domänenbesitz des Großherznglichen L>auses gehört, zu sichern, hat der Finanz-ausschuß der Zweiten Kammer, wie kürzlich berichtet, einen Antrag beschlossen, worin die Re­gierung um Vorlage eines Gesetzentwurfes ersucht wird, durch den das Domanialvermägen des Großherzoglichen Familien-Ei-gentums in Staatseigentum überführt wird. Dieser Antraig ist von außerordentlich großer Tragweite, nicht nur deshalb, weil dadurch der ganxe rechtliche Bestand des Domanialvermögens verändert wiro, sondern auch dadurch, daß schwerwieg-ende Eingriffe in die Rechte des Großh. Hauses erfolgen sollen. Um die Tragweite dieses Antrags völlig zu würdigen, ist es not­wendig, auf die Entstehungsgeschichte der hessischen Do­mänen näher einzugehien.

Die Domänen in Hessen bilden das Krongut des Großh. Hauses, und in Zeiten, in denen das konstitutionelle Systetn noch nicht ausgebildet war, war Krongut, d. h. Hausgut des Regenten, und Staatseigentum desselben. Aus den Erträgnissen dieses DomänenMtes bestritt der Landesherr nicht nur ferne eigenen Ausgaben, sondern es wurden aus ihm auch zum größten Teil die Staatsausgaben gedeckt. Es befanden sich deshalb die Domänen im tatsächlichen Eigentum des Landesherrn, als Chefs des regierenden Hauses. In diesem ursprünglichen. Verhältnis finden wir jetzt noch die Domänen in einzelnen Mittelstaaten, z. B. Schaumburg-Lippe, Anhalt u. a., wo der Landesh.'rr persött- lich als Chef des Fürstenhauses Eigentümer der Do­mänen ist, aus denen er aber auch noch für die Bedürfnisse des Staates Beträge mt die Staatskasse äbführt. Die Ein­führung der Verfassungen drängte zur Klärung des Verhält­nisses zwischen Landesherrn und Staat hinsichtlich dieser Domänen, insbesondere in solchen Staaten, die nicht noch andere Einnahmeguellen besaßen, sondern auf die Einnahme aus den Domänen angewiesen waren. Im Großherzog­tum Hessen wurde der Ertrag der Domänen bereits vor der Verfassung vom Jahre 1820 nicht bloß zu dem persön­lichen Aufwand des Regenten, sondern auch zur Bestreitung der Landesbedürfnisse verweiidet. Es waren in Hessen namentlich die Staatsschulden auf die Domänen radiziert. Dementsprechend erfolgte in der Verfassung vom Jahre 1820 die Regelung hinsichtlich der Domänen in der Weise, daß ein Drittel der sämtlichen Domänen an den Staat abgegeben wurde, um mittelst allmählichen Verkaufs zur Schuldentilgung verwendet zu werden; die übrigen zwei D ritte i l e sollten das schuldenfreie unveräußerliche Familien-Eigentum des Großherzoglichen Hau­ses bleiben. Die Verwaltung dieser Zweiorittel der Do­mänen sollte jedoch durch den Staat erfolgen und auch zur Bestreitung der Staatsbedürfnisse verwendet werden. Die erste Bestimmung dieser Einkünfte war aber eine feste Ab­gabe an den Regenten zur Bestreitung der Bedürfnisse seiner Lebenshaltung und seines Hofes (Zivilliste). Die allmähliche Abtragung der Schulden war bis Anfangs der 4Oer Jahre erfolgt und der Landtagsabschied von 1841 regelte deshalb in erneuter Weise das Verhältnis des Do­manialvermögens, an der grundsätzlichen Festle­gung der Verfassung wurde jedoch nichts geändert.

Es wurde ein Fonds gegründet, aus dem die An- und Ver­käufe für das Familieneigentum des Großh. Hauses be­werkstelligt werden sollten. Die Ankäufe, die mit Mitteln dieses Fonds betätigt wurden, erhielten wiederum den Charakter der Domänen.

An der Verwaltung dieses D o m ä n e n - A k q u i s i - tions-Fonds haben die Landstände keinerlei Mitwir- kungsrechh. und der vom Ausschuß der Zweiten Kammer gestellte Mtrag bezweckt in erster Linie, ein solches Recht zu erhalten. Erwägt man, zu welchen Ankäufen in den letzten Jahrzehnten Bestandteile dieses Fonds verwendet wurden, so wird man die diesem Antrag zugrunde liegende Tendenz als berechtigt anerkennen müssen. Die Erträg­nisse der Domänen, sowie die Zinsen des Doinanial-Akqu.- sitionsfonds fließen in das Budget, während die Verwal­tung aller Domanialgüter zu Lasten der Staatskasse erfolgt. Wurden nun ohne Mitwirkung der Landstände 2>,2 Mill. Mark in den W einb an d o m ä nen ohne Mitwirkung der Stände festgelegt, so ist es sehr bedauerlich, daß dieses enorme Vermögen nicht nur keine Erträgnisse für die Staatskasse liefert, sondern daß zur Bestreitung der Be­dürfnisse der Weinbaudomänen-Verwaltung nach dem Vor­anschlag für das Jahr 1913 noch ein Zuschußbetrag von 67 000 Mark erforderlich ist. W e n n w e i t e r O e d l a n d im Vogelsberg zur Beforstung angekauft^ wird, bei dem auf Jahrzehnte hinaus auf einen Ertrag überhaupt nicht gerechnet werden kann, so wird man auch das nicht zu rechtfertigen vermögen, zumal die Aufforstung selbst durch Staatsmittel aus dem Budget erfolgen muß. Hierzu kommt weiter, daß die Anleihen unseres Landes doch auch ein Vermögen voraussetzen, das nicht nur in Eisenbahnen und Staatsgebäuden bestehen darf, sondern auch ertragreichen Grund und Boden aufweisen soll. Da auf die Domänen die Schulden des Landes mit radiziert sind, so trägt es wesentlich zur Erhöhung des Staatskredits bei, wenn das Wesen der Domänen dadurch verändert wird, daß sie in das Staatseigentum übertragen werden.

Aus allen diesen Erwägungen tvird man wohl nicht umhin können, die Grundtendenz des Ausschußantrages als durchaus berechtigt anzuerkennen. Es erscheint jedoch auch notwendig, daneben auf die Bedenken einer solchen Umwandlung aufmerksam zu machen. Der Landesfürst ist nach dem gegenwärtigen Verhältnis der Domänen als Chef seines Hauses immer noch der Eigentümer der Domänen. Wenn er auch über sein Eigentum, da es unveräußerlich ist, nicht verfügen kann und deshalb sein Recht eigentlich nur noch auf ein Hoheitsrecht beschränkt ist, so ist doch das landesfürstliche Haus dürch den Grund und Bodeit mit dem Land untrennbar verbunden. Wird nun dieser Grund und Boden in das Staatseigentum übergeführt, so wird der Landesfürst gewissermaßen zum Beamten des Staates, dem er fein Grundeiig en tum zur Bestreitung staat­licher Bedürftnsse überlassen hat. Weiter ist noch zu be­denken, daß als Besitz des Großh. Familie neigentu ms auch z. B. eingetragen sind in Darmstadt das Residenzschloß, das Alte Palais und der Großh. Marstall, das Jagdschloß Wolfsgarten, Schloß Romrod in Oberhessen und sonstige Besitzungen, die der Großherzog für die Bedürfnisse^ feiner Familie benötigt. Wenn nun die Ueberführung aller dieser Gebäude in das Staatseigentum erfolgt, so würde der Landesherr in diesen ihm überlassenen Staatsgebäuden nur ein Wohnrecht besitzen. In dieser Richtung wären zweifellos, wenn der Antrag zu näheren Verhandlungen mit der Regierung und lder Krone führen sollte, im Interesse

der Unabhängigkeit des Landeshierrn bestimmte Verein­barungen zu treffen. Wenn das Kammerplenum den An­trag des Ausschusses zur Besprechung stellt und die Re­gierung sich darauf einzugehwr bereit erklärt, so würden für die nächste Zeit in unserem Großherzogtum interessante Auseinandersetzungen hinsichtlich des Domanialgutes zu er­warten sein. Wir wollen hoffen, daß das vielleicht un­bewußt in dem Antrag liegende radikale Bestreben durch vernünftige Vermittelungsvi^rschläge einen befriedigenden Ausgleich erhalten möge!

Der Abbruch der Verhandlungen?

London, 26. Jan. (Meldung» des Reuterschen Bureaus.) Tie Delegierten der Balkanstaaten haben beschlossen, die Verhandlungen abzubrechen.

Wie das Reuter'sche Bureau erfährt, haben die Bal­kan delegierten ein Komitee eingesetzt, dem je ein Vertreter der Delegationen angehört, um ein Schrei­be n aufzu setzen, das der türkischen Mission überleben werden soll. In diesem Sck^reiben soll der türkischen Mission der Beschluß der Balkandelegierten, die Verhandlungen ab» zubrechen, mit geteilt werden. Es ist unbekannt, wann das Schreiben überreicht werden soll, aber die Ueberreichung wird wahrscheinlich morgen (Sonntag) stattfinden. (Das Reuzer-Telegramm ist vom 26. Januar datiert.)

Bis zur Stunde liegt noch keine Meldung darüber vor, ob die Delegierten der Balkanstaaten eine Mitteilung in dem obigen Sinne der Türkei tatsächlich überreicht haben. Es könnte sich aruch um eine Einschüchterungstaktik handeln, zumal man darin ja von den Großmächten das beste Bei­spiel hatte abgucken fönueit. Zwischen Lipp und Kelches­rand, schwebt der finjtcrrt Mächte Band. Man füllt den Leidenskelch für die Türken wieder mit der sauersten Arznei, und läßt ihn bann eine Weile stehen. Vielleicht wird die offizielle Kündigung des Waffenstillstandes doch erst dann stattfinden, wenn die Pforte ihre noch ausstehende Antwort abgegeben hat. Auch Rußland hat den gefüllten >tmg noch neben sich stehen und scheut sich, ihn an die Lippen zu führen; in Armenien sind die Truppen des garen noch nicht einmarschiert. Das gibt der amtlichen Norddeutschen Allgem. Ztg." Mut zu folgender Erklärung:

Soweit die neuen Ereignisse in Konstantinopel von der euro­päischen P r esse mit Ernst und Einsicht gewürdigt werden, tritt überall der Gedanke hervor, daß w i ch t i g st e für die weitere Verhandlung der Orientwirren sei die Bewahrung der Einig­keit unter den Großmächten zur Fortsetzung ihrer gemeinsamen Arbeit und zur Wiederherstellung d^s Friedens. Dazu gehört vor allem das Festhalten an der bisher beobachteten Neutralität. Tatsächlich besteht fein Grund zur Annahme, daß einzelne Mächte das Konzert verlassen wollen, um in die Einwilligung der Dinge im Orient nach eigenem Ermessen einzugreifen. Für das ge­meinsame Auftreten Europas kommen Zwangs- maßregeln gegen die Türken nicht in Frage. Sie würden mit den Grundsätzen der Neuttalität nicht im Einklang stehen und könnten bedenkliche Folgen haben. Es bleibt im Interesse der Einigkeit unter den Großmächten nur das Weiter­gehen auf dem Wege gemeinsamer diplomatischer Ein­wirkung, um neue Feindseligkeiten zu verhüten oder, falls dieses unmöglich sei, sie örtlich und zeitlich -einzuschränken.

Zuerst also ein Rüffel: >es gibt Zeitungen, die nicht mit Ernst und Einsicht" die Dinge würdigen. ?lber warum sollte man so ganz unempfindlich fein gegen den Humor, der, vielleicht unfreiwillig, häufig aus dem Türspalt bei den Londoner Vereinbarungen herauslugt? Ist es denn

Zwei namhafte Berliner Kunstgrößen, Paul Lindau, der Dichter, und Mbert B a s s e r m a n n, der Schauspieler, haben jetzt den Weg zur Filmdramatik gefunden. Jener Hot deir jeden­falls interessanten Versuch gemacht, sein bekanntes Schauspiel Der Andere" in ein modernes Kinostück zu vertvandeln, dieser ist als gefälliger Helfer unter die Filmdarsteller gegangen, indem er für das Schauspiel auf der stummen Leinwand die Hauptrolle desRechtsanwalts" (eigentlich Staatsanwalts) Tr. Hellers über­nahm, ein Experiment, das seinen Ursprung dem löblichen Ziele verdankt, bem Filmdrama der Zukunft einen neuen, künstlerisch wertvolleren Inhalt zu geben. Für die Wahl von Lmdaus Zweiseelenstück sprach sicher manch gewichttger ®ninb. ut durch eine Aeußerimg Hippolyte Taeines angeregt, daß -Nenschm mit übermüdetem Gehirn bistveilen ein seltsames seelisches

t i o n gebildet. Polarfahrer Theodor Lerner (Frankfurt), der Spitzbergen sechsmal durchforschte, zeichnete in längerem Vorivage ein Bild der Inselgruppe und schilderte den bisherigen Verlauf der Schröderschen Reise. Er forderte zur sofortigen Hilfe die Ausrüstung einer Schiffsexpedition auf, die versuchen soll, zwisckien Grönland und dem Ostlandeis die Nordspite Spitzbergens zu erreichen, inn dann die einzelner Lager der bedrohten Forscher zu erreichen. Tie Kosten der Reise veranschlagt er auf 50 000 Mark. Wenn von Berlin aus nicht bald Maßregeln ergriffen würden, dann solle Frankfurt allein die Mittel aufbringen. Demgegen­über betonte der Meteorologe Dr. Linke (Frankfurt), daß die vorgeschlagene Schistsexpedition von Norden her nur ein Spiel mit Menschenleben s e i und die Berliner Zentrale sieb hierzu nicht verstände. Geheimrat Hergesell (Straßburg) äußerte sich schriftlich dahin, daß die norwegischen Fachleute es für ausgeschlossen batten, jetzt durch das Treibeis zu Schiff vor­zudringen. Der gleichen Meinung ist Professor von Dry- galskh (München), der als frühesten Termin einer Schiffs­expedition den Juli ansieht und dann mir von der Adv-entybay auch nach Norden Vordringen will. Im übrigen beurteile man in Norwegen di e Lage der Expedition bei weitem! nicht s o ernst al s hier, wo die deutsche Presse die Sache vielfach aufgebauscht habe. Gras von Zeppelin ließ durch Kapitänleutnant Glund (Friedrichshafen) erflären, daß man vorerst kein Schiff entsenden, sondern von M>ventybat) auf dem Landwege Vordringen solle. Erst weim dieser Weg feUschlagc, möge man von Trornsö eine Schiffsexpedition ausrüsten, jetzt aber solle man sofort die Pläne zur Rettung ausarbeiten und nach Tronffv senden. Für die Expedition stellte der Gras 10000 Warf zur Verfügung. Die Ausrüstung mit den er­forderlichen Medikamenten übernehme Apotheker Szamatvlski (Frankfurt). Der Hilfsausschuß tritt in den nächsten Tagen bereits mit einem Aufruf an die Oeffentlichkeit.

und manchmal fühlt man sich schon versucht, zu zitieren:Die Komposition mußte ganz und gar mit großen oder kleinen Sekmid-- und dergleichen Allorden durchsetzt fein, die ohne Vernunft und Absicht angemenbet wurden, außer wenn man diesem Harmonie- Stil die Wsicht beilegte, dem Ohr so oft als möglich unangenehm zu fein. Diese Musiker fanden an dissonierenden 9Lfforben eben solchen Geschmack wie manche Tiere am Salze und an stachlichen Pflanzen." Das schrieb gewiß ein alter Reaktionär! Nein: das schrieb einer der kühnsten Balmbrecher der neueren Musik kein Geringerer als Berlioz! Darum braucht nun aber die ältere Komposilionsweise keineswegs alsSchlaglwum, als un- uuigängliches Muster zu blinder Nachahmung, kurz als Brett, mit dem die Well vernagelt ist, hingestellt zu Iverden" (Liszt). Die Kunst ist uns keinSpeicher voll getrockneter Früchte", b-e man einfach zu bewachen und zu bewahren hat, sondern ein lebendig grünendes und treibendes Fruchtfeld. Lassen wir die Saat also getrost in die Halme schießen mögen immerhin taube Schöß­linge und Unkraut dazwischenwachsen, wenn sie sich nur wicht allzu breit machen!

Tie Leistungen der Aussützrenden: Redner (Violine), H e g a r (Violoncell) und Irautmann (Klavier) standen wieder auf bedeutender künstlerischer Höhe: bei der Schlußnummer schien eine kleine Ermüdung platzzugreifen: eine Klaviertaste erwies sich als nicht stimMfeft. Besonders hervorheben möchten wir die warme und sckpoungvolle Wiedergabe der mit Schwierigkeiten reich bedachten Sonate von Karg-Elert.

Eine freundliche Abwechslung brachten die durchweg auf den Ton anmutiger Heiterkeit und Lebensfreude gestimmten Vorträge der geschätzten Konzertsängerin Frl. Carola Hubert aus Köln. Mit glockenreiner, tvohlgesckmlter Stinrme, packendem Vortrag und tadelloser Aussprache sang sie mehrere Lieder des Altmeisters Schubert, die es reichlich verdienten, öfter auf den Programmen zu; erscheinen: welch reizendes «eines Meisterstück an Erfindung ist z. >B. das LiedchenAn die Laute". Eine angenehme Ueberrasckung boten auch die Lieder von Julius Weismaun, der in der UcberfüHe der neueren Liederkomposition sich Beachtung zu verschaffen wußte. Er sackst in den heute gehörten vier Liedern nicht durch Neuheit und Geistteichheit zu verblüffen, sondern läßt sich mit Erfolg genügen, durch frische Natürlichkeit zu erfreuen. Das volks­tümlich anmutendeSonnenlied" mußte wiederholt werden. §>err Professor Trautmann begleitete die Gesänge in seiner feinsinnigen und wirkungsvollen Weise. * P-

Deutsche hilse für Spitzbergen.

Frankfurt a. M., 26. Jan. Unter dem Vorsitz des Direktors Professors Dr. zur Straßen (Frankfurt a. M.) hat sich heute hier ein Hilfsausschuß zur Rettung der im Innern Spitzbergens eingefchlossenen Schröder-Stranz-Expedi-

Gietzener Konsctfvercim

6. Konzert. 2. Kammer rnnsikabend.

Gießen, 26. Januar.

In anregender Mischung von älterer und neuester Musik führte uns das heutige Programm von Mozart über Schubert und Smetana zu.zivei hier noch kaum bekannten Tondichtern der neuesten Zeit. Smetana (18241884) ist eine echte Musiker Natur von national-böhmischem Gepräge: trotz seiner schweren Lebensschichale (er wurde taub und starb im' Irrenhaus) strömt er über von.Klangesfreude und gemahnt in natürlichem Melodien und Formen-Reichtum ost an Fr. Schubert: Von den 8 Opern Sme­tanas istDie verkaufte Braut" auch in Deutschland heimisch geworden. Seine symphonischen Dichtungen und Kammermusik­werke verdienen mehr bekannt zu werden. Sem G-moll-Tno war vielleicht die erfrischendste und am unmittelbarsten hackende instrumentale Gabe des ganzen heutigen Mends. Weit schwerere Kost bot Karg-Elert. Seine Schaffensart und speziell seine heute erstmals Tyier gehörte Sonate für Klavier und Violoncell sind sckwn von anderer Seite in diesen Blättern näher analysiert worden, teilweise wohl auf Grund eigener Angaben des Künstlers über feine Intentionen; inwieweit es ihm gelungen ist letztere in klingende Wirklichkeit umzusetzen, wird nach erstmaligeni Hören schwer zu sagen sein; eine gewisse Zerrissenheit, ein Allzuviel an modu latorischer und rhythniischer Würze, eine einseitige Betonung des Geistreichen" teilt er mit den meisten Modernen. Doch ist anzuerkennen, daß er melodische Ruhepunkte nicht ganz verschmäht und sich auch nicht darauf kapriziert, ohne innere Notwendigkeit die historisch gewachsenen Kunstformen zu zerbrechen. Am ein­drucksvollsten fanden mir den 2. Satz der Sonate. .

Dcerkwürdig, wie nach solch scharf gewürztem Genutz dav liebliche und fonnenschone E-dur-Trio von Mozart man er­schrecke nicht über die ketzerische Offenheit! ftellenweye etwas abgeblaßt und konventionell kühl erschien. Es hat eben leine zwei Seiten, das Programm aus so verschiedenen Ingredienzien zu mischen: zweifellos gewährt es einen Vorzug, nach mühjamer zu genießenden Neuheiteii noch beliebtes und bewährtes Altes als leichtbekömmlichen Abschiedstrank zu kredenzen; die Schatten­seite ist, daß man sich mit einem gewissen schmerzhaften Ruck aus der finen künstlerischen Welt herausreißen und auf eine gang anders geartete einstellen muß wobei leicht Beide zu kurz kommen.

gestatte man noch ein paar Worte allgemeiner Stellung- Afl-' 1 dem Kampfgeschrei zwischen alter, neuer und aller- Kub. Vo ^usik: Wir sind durchaus für lebendiges Fortschreiten *i>cn mir solches nicht schon ohne weiteres im Forcieren

-j. 1iVt auffallenden Sprüngen. Es sind viele Seiten- n;l 'juge dabei, die auf Abwege, oder zu mcksts fuhren