Ausgabe 
27.5.1913 Erstes Blatt
 
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Athen, 26. Mai. Wie amtlich 'bekannt gegeben wird, betrugen die Verluste der Griechen in den Kämpfen mit den Bulgaren am Pangäusgebirge an Toten drei Offiziere und 5 0 Soldaten und an Verwun­deten 3 Offiziere und 134 Soldaten.

Die serbisch-bulgarischen Beziehungen.

t Sofia, 26. Mai Der serbische Gesandte Spal- cikovitsch hat gestern die amtliche Erklärung ab­gegeben, das' Serbien eine Revision des serbisch- bulgarischen Vertrages wünsche. Wie an kom­petenter Stelle verlautet, wird die bulgarische Regierung darauf antworten, daß Bulgarien unbedingt auf der Ein­haltung des Vertrages bestehe und eine Revision des Ver­trages ablehne.

Das bulgarische Heer.

Saloniki, 25. Mai. Die bulgarischen Militärbehör­den haben die M oh am e dauer in den Gebieten von Serres, Drama, Kavalla, Demi, Hissar, Dedeagatsch und AdriaOopel aufgefordert, in die bulgarische Ar­mee einzutreten. Tie Mohamedaner gaben, nach­dem sie sich beraten hatten, die Erklärung ab, der Militär­pflicht in der bulgarischen Armee unter der Bedingung Nachkommen zu wollen, daß sie nicht gezwungen würden, gegen Glaubensgenossen zu kämpfen.

Deutsches Reich«

Eine Ausweisung aus Elsaß-Lothringen.

Pariser Blätter wissen vou brr in Kolmar erfolgten Aus­weisung des französischem Schriftstellers Reg amen aus Elsaß- Lothringen zu berichten. Das Verbot des Aufenthaltes im Lande gegen den Schriftsteller ist bereits im Jamiar dieses Jahres verfügt worden. Es scheint ihm aber jetzt erst bekannt gemacht worden zu sein. Die Eheleute Fredoric und Ieanne Rsga- incv sind bekanntlich die Herausgeber einer ganzen Reihe von sehr deutschfeindlichen Werken.

Der Abgeordnete Erzberger bezeichnet die Nachricht, daß er und Bass ermann dem Reichskanzler eine R e i ch s v e r mögens st euer an- geboten hätten, als freie Erfindung.

Die neuen Steuern in Frankreich.

Eine Note des französischen Finanzministeriums drückt aus, es sei ungerecht, den Landbesitz zu stark mit Steuern zu belegen und neue direkte Steuern zu verlangen, während bereits die Einkommensteuer vom »Senate beraten werde. Die durch die Teuerung der Lebensmittel hervorgerufene Krise verhindere, daran^ zu denken, die Lebensmittel mit neuen Abgaben zu betasten. Der Finanzminister hält es für das wichtigste, an Steucrobjekte heranzugehen, die augenblicklich am meisten einbringen. Von den 200 Millio­nen Mehreinnahmen, die er zu erzielen wiinscht, gedenke er 170 Millionen durch eine Berichtigung der Steuern au fzu bringen.

Aus dem St euer ent Wurf des FinanMinisters Du­mont seien hervorgchobcn die Erhöhung der Alkohol- und Absinthaxe, welche zusammen 36 Millionen Franken be­tragen soll, ferner die Erhöhung verschiedener Gebühren­steuern, darunter auf Handelsesfekten (Erträgnisse 22 Mill. Frankenh der Versicherungstaxe (4,8 Mll. Franken), der Erträgnissteuer auf Wertpapiere, Losgewinnste und Rück­zahlungsprämien (28 Mill. Frauken), der Uebertragungs- gebührcn auf Iuhaberwertpapiere (17 Millionen), 'Erhöhung der Stempelsteuer bei der Ausgabe ausländischer Wert­papiere von 2 auf 3 Prozent (15 Millionen), Erhöhung der Gebühren bei Immobilien besitz wechsel (51,3 Millionen), ferner eine 20prozentige Taxe tfom Reingewinn bei Kohlengruben, falls der Reingewinn 1,50 Frank per Tonne übersteigt (9 Millionen), Fabritationssteuer auf elek­trische Lampen (1,5 Millionen) und schließlich eine Taxe von 10 Centimes auf jeden Meter kinematographi- scher Films (5,5 Millionen).

Ein politischer Mord in China.

Aus Schanghai wird gemeldet: General Hsu. Pao - san, der als Tiger Hsu allgemein bekannt ist, wurde durch lerne Bomb e getötet. Der General war ein treuer Anhänger Puanschikais und wurde von den Radikalen des Südens b^efonders gehaßt.

Ans Stadt nnd Land.

Gieße»'., 27. Mai 1913.

** Tageskalender für Dienstag, 27. Mai. Stadt­theater. Gastspiel der Tanzkünstlerinnen Geschwister Wiesen- t h a l. w5)ie Sore* undDas Schwert des Damokles." Anfang 8 Uhr.

Oeffentl. Vortrag desAllde ntschen Verbandes. Dr. med. F. Siebert- München: Rassenqedanke und moderne Weltanschauung. Abends 81/« Uhr in Steins Garten.

* Da die Reichsversicherungsanstalt für Angestellte die Bildung von Ortsausschüssen durch die Vertrauensmänner und deren Ersatzmänner ungeordnet hat, hat sich nunmehr auch für den Landkreis Gießen ein Ausschuß gebildet. In den Vorstand des Ortsaus­schusses, der das Bindeglied zwischen Versicherungsanstalt und Versicherten darstellt, wurden Brauereibesitzer JH-- ring-Lich als 1. Vorsitzender, Wertmeister Stroh- Grünberg als 2. Vorsitzender und Buchhalter Otto-Lich als Schriftführer gewählt. Wer bei der Reichsversicherungs- irnstalt einen Antrag aus Einleitung eines Heilverfahren.s usw. einreichen will, nimmt zweckmäßig die Hilfe der Ver­trauensmänner oder des aus ihnen gebildeten Ortsaus­schusses in Anspruch.

"Jnvalidendank. Ein Militär-Konzert gum Be sten des Jnvali dendank findet am Donnerstag abend in Steins Garten statt.

** Konzertverein. Für das Tenor-Solo im Re­au i em voir Bcrlioz, das bekanntlich am Mittwoch in der St-adtkirche zur 2lüfsührung gelangt, ist Herr Konzertsänger Lud­wig Rüge aus Berlin gewonnen worden. Herrn Rüge geht der Ruf eines ausgezeiämeün Oratoriensängers voraus, dessen Vortragskimst und reiche, klangvolle, in allen Lagen gut auc- gegliäume. Stimme gerühmt werden. Sie besitzt namentlich die Mühelose SdöIk, die diese so glanzvoll geschriebene Partie er­heischt. Durch die freundliche Mitwirkung des B a u c r s ch e n Gesangvereins erfahren die Männerstimmen eirw ganz b" trächtliche Verstärkung, wie sie erforderlich ist gegenüber den N.'b n vrchestern mit ihren Posaunen, Tubabläst-rn und Pauken, die nach der Absicht des Komponisten ihre Fanfaren nach den ver­schiedenen Himmelsrichtungen hinaussckmettern sollen.

** Jungdeutschland An den Einweihungsfeier- liichkeiten des Stadions tu Berlin wird auch eine *!?lb- Ordnung des Jungdeutschlandbundes teilnehmen Aus Hessen 'ist hierzu für jeden Bezirk ein Jugendlicher (ins­gesamt 7) durch das Los bestimmt worden Für den Bezirk Gießen-Stadt fiel dieses aus den vom Ortsgewerbeverein vorgeschlagenen Zimmerlehrting Friedrich Zutt. Die Ab­fahrt ist auf dk.N 6, Junh die Rüchährt auf be.n 10. Juni festgesetzt. , '

** Baugenossenschaft. Am Samstag abend hielt im Saal der Herberge zur Heimat die Baugenossen­schaft des Evgl. Arbeitervereins ihre Hauptver­sammlung ab. Der Vorsitzende des Aufiichtsrats, Dr. Krausmüller, wies nach Eröffnung der Versammlung darauf hin, daß vor wenigen Tagen der seitherige Vor­sitzende, Sparkassen-Direktor Döring, in den Ruhestand getreten und von Metzen verzogen sei. In längeren Aus­führungen würdigte er die grotzen Verdienste, die Herr Döring, der Gründer der T-augenossenschaft, und seit ihrer Gründung ihr Vorsitzender, sich in den nahezu 20 Jahren ihres Bestehens um sie erworben habe. In uneigennütziger, selbstloser Weise habe er auf diesem weiten Gebiet sozialer Fürsorge sich einen so großen Teil seines Lebens betätigt. Vom schönsten Erfolg sei sein Wirken gekrönt gewesen, das zeigten die zahlreichen Mietwohnungen am Wetzlarer Weg und die schmucken Einzelhäuschen in der Landmannstratze. Im Anschluß daran erstatte Rechner Haas den Jahres­bericht und berichtete über das Ergebnis der Jahresrech­nung 1912 der Genossenschaft und der Elisäbeth-Kleinkinder- schule. Die Ergebnisse sind erfreulich. Als Nachfolger für Herrn Döring wird Kaufmann Louis Wolff zum Vorsitzen­den der Genossenschaft gewählt. Die Wahlen für den Auf­sichtsrat ergaben die Wiederwahl des ausscheidenden Vor­sitzenden, Dr. Krausmüller, sowie die Neuwahl von Oberpostschassner i. P. Volpert und Kaufmann Karl .Löttgen für ein verstorbenes Mitglied und den zum Vorsitzenden gewählten Herrn Wolff. Der Vorsitzende teilte noch eine Entscheidung des Bundesrats mit, nach der die Genossenschaft auf Grund ihrer im letzten Jahre geän­derten Satzungen von der Bezahlung der Wertzuwachssteuer bei Verkäufen befreit sei, dagegen wegen eines mehrere Jahre zurückliegenden Grundstückverkaufs nicht befreit wer­de»» könne. Oberbibliothekar Dr. Heuser stattete dem Vorstand und Aufsichtsrat den Dank der Genossenschaft ab für ihre Tätigkeit im verflossenen Jähr.

Der Kreis-Ziegenzuchtverein Gießen hält am Donnerstag, 29. Mai, nachmittags, seine Haupt­versammlung in Grünberg im .Hirsch" ab.

** ßit dem Bericht über die Sitzung der Stadtverordneten teilt uns Stadtv. Dr. Ebel mit, daß nicht er, sondern Stadtv. Eichenauer sich über die Auf­führungen in einem hiesigen Kinematographen beklagt..

Landkreis Gießen.

Garbenteich, 25. Mai. Das H a s s i a b e z i r k fest des Bezirks Gießen wurde heute hier in Ver­bindung mit dem 37. Stiftungsfest des Kriegervereins ab­gehalten. Zu dem Feste hatten sich 36 Kriegervereine aus den Bezirken Gießen, Lich und Butzbach eingefunden, so daß sich ein langer Festzug durch das geschmückte Dorf bewegte. Sehr schön'war der Triumphwagen der Germania. Auf dem Festplatz sang der GesangvereinViktoria" einen Be- grüßungschor. Der Vorsitzende B rieg el begrüßte die Gäste, die Festrede hielt Bezirksvorsteher Lehrer Ta ab. Die vom Kaiser verliehene Fahnenschleife übergab Regie­rungsrat Welcker-Gießen. Fräulein E. Heller über­reichte namens der Jungfrauen einen Fahnennagel und Herr Mohr für dieViktoria" einen Fahnengurt. Pfarrer H e pd in g gedachte der großen Zeiten von 18131815 und 1870/71. Den Schluß des Festaktes bildeten Chöre der GesangvereineLiederblüte" undFrohsinn".

? Lang-Göns, 26. Mai. Am Samstag nachmittag hielt Kreis-Feuerwehrinspektor Loos von Gießen eine Be­sichtigung unserer Feuerwehr ab. Es wurde ein Brandangriff gemacht, der sehr gut verlief. Herr Loos ließ die Führer zusammenrufen und sprach sich sehr lobend über die sehr guten Leistungen aus.

Dau bringen, 26. Mai. Der hiesige Ziegen­zuchtverein will am 27. Juli eine Verlosung veran­stalten. Es kommen reinrassige Ziegen und Lämmer, sowie Haushaltungsgegenstände zur Verlosung. Die Feier beginnt an» Ziegenpark wie voriges Jahr. Alle Kleintierzüchter werden eingeladen.

g. Großen-Linden, 26. Mai. Der im letzten Winter gegründete SchützenbundKrofdorf-Gr.- Linden - St ein d o r f" hielt gestern hier sein 1. Bundes­schießen ab. Jeder Verein stellt fünf Bundesschützen, die je 3 Schüsse abzugeben haben. Als erster mit 143 Ringen ging der Schützenverein Krofdorf hervor, zweiter mit 143 Ringen war Großen-Linden und mit 111 Ringen Steindorf. Es umren drei Geldpreise vorgesehen, nämlich: 1. Preis 15 Mark, 2. Preis 10 Mark und 3. Preis 5 Märk mit je einer künstlerisch ausgeführten Urkunde. Die BeteiliHUng an dem Vereinsschießen war sehr lebhaft. Auch lnerin wurde, 13-Ringscheibe, auf 100 Meter geschossen. Es gab 15 Werkpreise, wovon Krofdorf 6, Großen-Linden 5 und Steindorf 4 errang.

w. Muschenheim, 26. Mai. Beigeordneter Hein­rich Eifer wurde einstimmig zum Bürgermeister gewählt. Der Gegenkandidat Heinrich Decker VI. zog seine Kan­didatur zurück. Von 158 Wahlberechtigten mochten 132 von ihrem Wahlrecht Gebrauch, drei Stimmen waren un­gültig.

Kreis Büdingen.

X Nidda, 26. Mcri. Auf der Rückreise von seiner zweitägigen Wanderung durch den Vogelsberg traf gestern oer Rin n ' sche Männer chor von Wetzlar in Krafts Garten zu längerer Rast ein. Der Männergesangverein Sängerkranz hatte sich zur Begrüßung eingefunden. Ab­wechselnd trugen beide Vereine gutgeschulte Chöre vor und trennten sich mit dem Wunsche:Auf frohes Wiedersehen 1914". -- In der verflossenen "Nacht lam es auf dem Marktplätze zwischen einigen hier beschäftigten Monteuren für elektrische Anlagen und hiesigen Burschen zu Streitig­keiten, wobei auch von Revolvern Gebrauch gemacht wurde. Ein junger Schreiner von hier erhiell einen Schuß in den Unterleib.

/< Bad Salz Hausen, 26. Mai Gestern fand das erste Mititärk o n zert, ausgefübrt von der Kapelle des Gießener Regiments, im Park statt. Ein ausgewähltes Programm wurde fein ausgcführt. Viel Beifall fanden die beiden Stücke Tie Völkerschlacht bei Leipzig (15 einzelne Stücke, von der Reveille im Lager bis zu dem9hm danket alle Gott" und 2. der Naturfreund 20 einzelne Melodien, die das Leben im Wald vom Tagesanbruch bis zumGute Nacht", dar­stellten' Unter den hier weckenden Kurgästen befindet srch Freiherr von Hehl zu Herrnsheim aus Worms.

Kreis Schotten.

8t. S ch o t t c n , 24. Mai. Gemeinderatssitzung. An­wesend: Bürgermeister Kromm, Bcig.^Zinser, die Gemcinderats- mckglieder Hofiwann, Merski, Pröscher. Schlitt, Schlörb VIII., Weitz, Zeunges und Schlörb V. Auf die Eingaben der beiden größten Verbände deutscher Handlungsgehilfen erklärt sich der Stadt- rorstand grundsätzlich mit der Einführung des 1-Uhr- Ladenschlusses an Sonntagen einverstanden, wenn eine gleiche Regelung auch in den Nachbarstädten erfolgt und die hie- 1 figen Ladcnbesitzcr damit einverstanden sind. Es soll zunächst

eine Versammlung der Interessenten ei-nberusen werden. Vom Kreisamt wird die Errichtung eines städtischen Schlachthauses angestrebt. Nachdem der Stadtvorstand von der kreisamtlichen Verfügung und dem Gutachten des Kreis- voterinäramtes Kenntnis genommen, entsvinnt fick über diese Frage eine lebhafte Aussprache. Man ist allgemein der Ansickt, daß dieses Gutachten die Verhältnisse allzu kraß hingestellt lucke: so sei es in Wirllichkeit nicht, man müsse gegen diese Ausführungen Stellung nehmen. Der gute Ruf der Schottener Fleisch- und Wurstwaren sei auch ohne Schlachthaus immer noch vorhanden und man brauche dessen Verlust nicht zu befürchten: die Metzger würden für seine Erhaltung und Erweiterung das ihre tun. Ein guter Beweis dafür, daß hier gute Waren hergestellt würden, sei die Tatsache, daß alle einmal hier tätig gewesenen B'amten von Schotten Fleisch- und Wurstwaren beziehen. Tie Metzger bitten in einer Eingabe den Staotvorstand, gegen die Errichtung eines Schlachthauses zu stimmen, da die meisten von ihnen im Besitze konzessionierter Schlachthäuser oder Schlacktstatten seien und sie in der Errichtung eines Schlachthauses große Ausgaben erblicken, die unbedingt zu einer Verteuerung der Fleisch und Wurstwaren führen müssen. Durch den großen Unterschied in der Zahl der Schlachtungen im Winter und Sommer bedingt die Errichtung eines Schlachthauses dahier nicht unerhebliche Aus­gaben, die den vom Kreisamt angenommenen Betrag von 15 000 Mark doch wesentlich übersteigen dürften. Die Beschafiung des Baukaoitals ist nach den seither gemachten Erfahrungen schon sehr schwer: ferner hat die Stadt Schotten zunächst nock nötigere Aufgaben zu erfüllen: cs wird nur an die Erweiterung der Kanali­sation, die Kanalreinigungsanlage, die Herstellung von Wegen, Straßen und Fußsteigen, Finanzamtsneubau, Erbauung einer Rektorwohnung und die große Renovierung der Stadtkirche hin- gewiesen, welche Projekte sehr große Summen erfordern und die Schuldenlast der Stadt Schotten ganz bedeutend erhöhen. Von einem in der Sitzung anwesenden Metzger wird mitgeteilt, der frühere Kreisoeterinärarzt Dr. Scheibet habe ihm gesagt, Schotten brauche noch lange kein Schlachthaus zu bauen, da müßten erst andere, größere Städte, wie Nauheim, Butzbach und Friedberg, wo die Verhältnisse ebenso liegen, Schlachthäuser bauen. Tie durch die neue Polizeiverordnung geforderten Einrichtungen würden die Metzger Herstellen und der Stadtvorstand habe dann gar keine Ur­sache^ sich mit der Errichtung eines städtischen Schlachthauses zu beschäftigen. Die Abstimmung ergibt einsttmmige Ablehnung der Errichtung eines Schlachthauses. Wegen Herstellung d e s im vorigen Jahre zurückgestellten Fußsteigs bezw. Platten­belags vor dem Schlittschen Anwesen in der Bahnhofstraße sollen zunächst über die Art und die Kosten der Befestigung des Platten­belags an der Grundstücksseite Erhebungen angestellt werden. Als Hilfsfeldschützc, dessen Dienstteit vom 1 April bis 31. Oktober bestimmt ist, wird Heinrich Lauser gewählt. Die durch den Tod des Ochsen Wärters Georg Straub II. frei- gewordene Stelle wird dem Johannes Schaub übertragen., Der­selbe wird auch zum Nachtwächter anstelle des verstorbenen Christian Stein gewählt. Der vorgelegte und im einzelnen erläuterte Voranschlag der höheren Bürgerschule für 19 14, abschließend mit 23845. Mark und einen städ­tischen Zuschuß von 6400. Mark vorsehend, wird genehmigt.

Kreis Friedberg.

tn. Langenhain, 25. Mai. Allmählich Irirb die bereits berichtete Belästigung des hochbetagten Pfarrers Jakob-vwsky durch nächtliche'Besuche unerklärlich. Nack>- dem die vergangene Woche ruhig verlaufen war, wurde dem Pfarrer in der Nacht auf Sonntag wieder ein Besuch adgestattet. Zwischen 12 und 1 Uhr schwang sich ein Mann über die Gartentür und gab, als er sich von zwei in der Waschküche verborgenen Wächtern-bemerkt sah, einen Schuß ab, so daß die Wächter sich nicht aus dem Versteck hervor- wagten. Der im Pfarrhause schlafende PollKeidiener öffnete erst die Haustüre, als der Eindringling wieder den Rück­weg über den Gartenzaun genommen hatte. Es luiire Zeit, daß die Gendarmerie dem Unfug ein Ende macht denn nach und nach glaubt unsere Bevölkerung; daran, daß es im Pfarrhausespukt", weil die Untaten immer in der Mitternachtsstunde ausgefuhrt werden.

O st heim, 25. Mai. Ein Ei n'b ru chs d i eb st ahl wurde im Hause des Bürgermeisters Gatzert verübt. Der Dieb stahl eine goldene Uhr und ein Fahrrad. Als er beide Sachen in Friedberg verkaufen wollte, wurde er verhaftet.

Starkenburg und Rheinhessen.

rm. Darmstadt, 26. Mai. Ein schweres Un- glück ereignete sich heute mittag auf dem Truppenübungs­platz. Die reitende Batterie des Feld-Artillerie-Regiments Nr. 25 war zu einer Uebung anSgerücft; plötzlich ging das Pferd des Einj.-Freiw. I. Rühle aus Elberfeld, der seit dem Herbst seiner Militärpflicht genügt, mit seinem Reiter durch nach dem nahen Wald. Dort verlor R. den Halt, stürzte und imirbe eine Zeitlang geschleift. Er erlitt dabei schwere Verletzungen am Kopf, so daß er nach dem Garnifons- lazarett gebracht werden mußte, wo er nach kurzer Zeit starb, ohne das Bewußtsein wieder erlangt zu haben. Die Eltern des jungen Menschen kamen hetite abend hier an.

rm. Darmstadt, 27. Mai. Der 21 Jahre alte Student Wilhelm Finjaver hat sich, nachdem er einen Brief von zu Hause erhalten hatte, in der Wohnung eines Freundes erschossen. Die Sache ging so rasch, daß der am Tisch zeichnende Freund den Selbstmord nicht verhindern konnte.

/^Traisa, 26. Mai. DaS goldene Jubiläum deS Gesangvereins .Eintracht" fand am Sonntag in Verbindung mit einem GesangSwettstreit statt. Am Wettstreit nahmen 18 Vereine teil. Das Wettsingen fand in zwei Stadtklassen und drei Landklafien statt, die 6. Klasse bildeten, die noch nicht preisgekrönten Vereine. Nach den Gesangs­vorträgen der teilnehmenden Vereine fand abends die Preis­verteilung statt. In der 1. Landklasse erhielt den Ehrenpreis und 1. Preis mit 240 Punkten der Gesangverein .Eintracht"- Klein-Linden.

m. Offenbach, 26. Mai. Aufsehen erregt daS Ver­schwinden deS Bataillonsschreibers des 2. Bataillons deS Infanterie-Regiments 168, Feldwebel Lindemann. Die bisherigen Feststellungen haben ergeben, daß Lindemann in der Nacht zum Freitag vom Frankfurter Hauptbahnhof in der Richtung nach Metz abgefahren ist. Der Deserteur soll über größere Barmittel verfügen und einen umfangreichen Brief­wechsel mit Italien und Frankreich geführt haben. Ob der Verrat von militärischen Geheimnissen mit seinem Verschwinden zusammenhängt, ist noch nicht festgestellt. Tie Militärbehörde bewahrt strengstes Stillschweigen. Lindemann ist 30 Jahre alt, ledig und stammt aus Hanau.

Kreis Wetzlar.

Hohensolms, 26. Mai. Nachdem die Schutt- massen von dem Brande auf dem Fürstlichen Hofgut entfernt sind, kann der Wiederaufbau auf den alten Grund­mauern in Angriff genommen. Sonstige Neubauten sind für dieses Jahr nicht vorgesehen. Maurermeister Roth baut die Schule in Königsberg.

r. Mudersbach, 26. Mai. Die Straße Groß- Altenstädten-MuderSbach ist jetzt auSgebaut und auf