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27.5.1913 Erstes Blatt
 
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Berlin,

ndfaden

treibungHerr Wachtmeister" freundlich zu stimmen und erzählt sich mit begeisterten Nachbarn von dec Dienstzeit. Ein sonnen st ich macht sich bemerkbar, kann aber königstreue (Ge­hirne, die den Strahl der monarchischen Gnade, Stärke für Kriegervereine, gewöhnt sind, nicht lähmen. Im Gegenteil, der Paroxismus der Fiirstenliebe tritt ein. Die dritte Fürstlichkeit! Wohlgenährte Familienväter durchbrechen ju­belnd die Absperrung, kinderreiche Mütter stürzen auf die Automobile junger Prinzen, Jungfrauen hängen am Spritz­blech S. K. H. des Kronprinzen, Kindermerdc nunter Ge­schrei hochgehalten, damit sie den bekannten Eindruck fürs Lehen bekommen, Säuglinge liegen achtlos in einem Winkel, alles schreit, tobt, stößt den andern zurück, lallt Hochrufe, stammelt Jahrhundertvhrasen, ist bereit, sich überfahren oder von einem Iolizeisäbel durchbohren zu lassen, nur um diese Menschen ganz,

Hessen, der Erbprinz von Sachsen-Meiningen und Prinz Heinrich von Preußen sind heute nachmittag vom Lehrter Bahnhof abgereist.

Eine Vorstellung im Kgl. Opernhause.

Berlin, 26. Mai. Im Königlichen Opernhause wurde heute abendKertyra" in der bekannten Besetzung unter der Leitung von Tr. Besl gegeben. Die Vorstellung fand auf allerhöchsten Befehl statt. In der großen Hofloge erschien der Kaiser in englischer Feldmarschallsuniform mit der Königin von England, die eine blaßrote Robe trug, der König von England in der Uniform dar 1. Gardedragoner mit der Kronprinzessin, die hellblau gekleidet war. Tas Festspiel Lauffs und Hülsens mit der antiken Feierlichkeit des ersten Bildes, in dessen Schlußalkorde ja eine Andeutung unserer (und der eng­lischen) Nationalhymne hineintlingt,'mit dem zweiten Teil, bei1 das muntere Treiben auf dem heutigen Korfu und die Herrlichkeiten des Achileion rot eher gibt, schien dem König und der Königin sehr zu gefallen. Ter Kaiser mag wohl die Vorgänge auf der Bühne durch persönliche Korfioter Erinnerungen vielfach erläutert haben.

Prinz Ernst August zum Rittmeister befördert.

Ter Kaiser hat den Prinzen Ernst August, Herzog zu Braunschlveig und Lüneburg, zum Rittmeister befördert.

hat warten müssen. Das Stück, das den Mosesstvff zum Gegen­stände hat, stammt aus den zwanziger Jahren des vorigen Jahr­hunderts; Chateaubriand hatte es int Salon der Recamier vvr- gelesen und es dann auch der Comedic Franyaise übergeben. Die Aufführung ward schon vorbereitet, aber im letzten Augen­blicke befürchtete Chateaubriand einen Mißerfolg und deswegen zog er sein Werk zurück.

> Für dieBebauung desrechtsseitigen Havel­

ufers, das dem Grünewald gegenüber liegt und bei den Dör­fern Cladow rind Gatow schon recht stattliche Villenkolonien der Berliner aufzuweisen hat, wird, wie die zbunstchronik berichtet, von dem Kreisaussckuß von Osthavelland ein Ideen Wett­bewerb ausgeschrieben. Die deutschen Arckntekten sollen die Grundzüge eines Bebauungsplanes^ ,sür das Gelände entwerfen. Der Wettbewerb ist mit drei großen Preisen von 12 000, 9000 und 6000 Mk. ausgestattet, und 6000 Mk. stehen für Ankäufe zur Verfügung. Als Frist ist der 1. November dieses Jahres festgesetzt. Im Preisgerickü sind Baumeister Geftrich in Gatow, Geh. Baurat Prof. Eftrecke-Berlin, Baumeister Robert Guthmann in Neu-Cladow, Prof. Bruno Möhring-Beclin, 0kl). Reg.-Rat Muthesius in Nikolassee und Prof. Richard Petersen in Berlin.

Düs Schicksal der Tempel von Philae. Den Bejürchtungen für das Schicksal der berühmten Tempel von Philae, die seit der Vollendung des großen Nildammes von Assuan alljährlich im SomMer unter Wasser gesetzt werden, trat in der jüngsten Versammlung des Egypt Exploration Fund, die in der Royal Society in London tagte, der durch seine arck-äo- logischen Forschungen bekannte Kapitän H. G. Lyons in einem interessanten Vottrage entgegen. Schon vor der Vollendung des Nildammes wurde das Bedenken geäußert, daß die berühmten Bauwerke von Philae durch die regelmäßige Unterwassersetzting beschädigt rind schließlich zerstört werden müßten. In den er {tat Jahren wurden bei der Schließung des Sperrwerkes die Tcm- pelbauten auch teilweise überscl?wemmt. Die Befürchtungen aber wuchsen, als vor einigen Jahren sich herausstellte, daß der Wasser­bedarf der Lcrndwirtschaft noch größer war, als die durch den (Damm von Assuan gewonnenen Wassermeugen. Man mußte infolgedessen den Assuan-Damm erhöhen, wodurch wiederum der Wassersptegel des Staubeckens erhöht wurde: und in diesem Jähre warm die Tenrpel von Philae zum ersten Male bis hinauf zu den Spitzen der Säulen und Pfeiler vollkommen unter Wasser gesetzt. Aber dank der getroffenen weitgehenden Maßnahmen

Die nächste Botschafterkonserenz wurde diesmal auf Freitag, nicht, wie üblich, auf Donners­tag vertagt, um Sir Edward Grey Gelegenheit zu geben, von dem am Mittwoch abend zurückerwarteten König Georg Mitteilungen übkr die von dem Herrscher bei seinem Be­suche in Berlin geführten Gespräche und gewonnenen Ein- * drücke betreffs der Balkankrftc und der internationalen Lage im allgemeinen zu erhalten.

In diplomatischen Kreisen Londons ist man der Zu­versicht, daß Edward Grey namens der Mächte noch in dieser Woche, wahrscheinlich vor. der nächsten Botschafter- Konferenz, den Schritt, der dem Kriegszustand ein Ende bereitet, herbeiführen werde. Man erwartet, daß der Zar in dem Zwist der Verbündeten ein den Weltfrieden wah­rendes Wort sprechen wird.

Laut einer Nachricht aus Bukar e,st hat der Zar das ^chiedsrichteramt zwischen den Balkanstaaten v!b gelehnt, weil diese sich seinem Urteil nicht be­dingungslos unterwerfen wollten.

Die griechrfch-bulgarischen Kämpfe.

Salouiki, 26. Mai. Nach hierher gelangten Meldun­gen sollen dieBulgaren die griechischen Stellun­gen vor SochoS angegriffen und die Griechen Zurück ged rängt haben. Die Verluste der Griechen sollen gering sein.

Arrrrst, Wissenschaft rrird Leben.

Prof. Erich Schmidts Nachfolger. Der Ver­treter der neueren deutschen Sprache und Literatur an der Uni­versität Leipzig, Geh. Hofrat Dr. Albert Köster, hat einen Ruf nach Berlin als Nachfolger von Prost Erich Schmidt erhalten habe. Präs. Köster ist am 9. November 1862 zu Ham lurg geboren. Am Johanneum vorgebildet, studierte er anfangs Jurisprudenz in Tübingen und Leipzig, seit Ostern 1883 Ge­schichte, hauptsächlich mittelalterliche, und Hilfswffscnschaften in Leipzig, besonders bei Arndt und Maurenbrecker und pvomovierte 1887 mit einer Dissertation über die Wormser Annalen. Von Ostern 1888 ab widmete sich Köster dem Studium der Germanistik in Berlin als Schüler von Erich Schmidt, Weinhold, Ed. Schrö­ter und Andreas Heusler. Mai 1892 wurde er, als a. o. Pro­fessor nach Marburg berufen, wo er ein neugeschaffcn.es Extra- erbinariat für deutsche Literaturgeschichte übernahm. Hier blieb Köster sieben Jahre. Inzwischen lehnte er einen Ruf nach Zürich els Nachfolger Berchbolds ob, folgte aber einem solchen 1899 als Ordinarius auf Rudolf Hildebrands Lehrstuhl, der vier Jahre verwaist war. Neben mehreren größeren Werken und Ausgaben Veröffentlichte er eine große Zahl von Aufsätzen und Kritiken.

Di e Einweihung das neu erbauten physi- ?alisch-rad io logisch en Instituts in Heidelberg sand am Sonntag in feierlicher Weise statt. Direktor Gottlieb begrüßte die Vertreter der Regierung und den Prinzen von Sachsen-Weimar, gedachte dankend des Stifters der radiologischen Abteilung, Kommerzienrats Fleischer-Wiesbaden und würdigte die Fortschritte der Physik in den letzten Jahren. 5>er Kultus- nnnister überbrachte die Grüße der Regierung sowie deren Glück­wünsche zum neuen Bau, der den Anfang bilde von der Ab­wanderung der Universitätsinstitute über den Neckar. Der Stadt Söeibefbcrg galt fein Dank für das weitherzige Entgegenkommen. Ter Direktor des neuen Instituts, Geheimrat Lenard, faßt nochmals den Dairk zusammen, der der Regierung und der Stadt fiir die Förderung des Baues gebühre unb hielt hierauf einen Wortrag über ultraviolettes Licht, elektrische Lichteffekte und ^athodenstrahlen. Ein Ründgang durch den Neubau beschloß die Feier. '

kf. Eine Uraufführung von Chateaubriand. Am Ddeonttzeater in Paris wird demnächst eine Tragödie von Chateau­briand gegeben werden, die volle 73 Jahre auf ihre Uraufführung

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Lager von ca- AM iortiert m ben ph Murnern.

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zum Schutze der Monumente haben sick nach den Ausführungen Lyons alle Befürclstimgen als unberechtigt erwiesen. Wenn von einem Schaden gesprochen werden kann, handelt es sich allen­falls um eine Beeinträchtigung des Landschaftsbildes, keines­wegs aber um einen Schaben in archäologischer Hinsicht. Die Regierung hat vor Schließung des Stauwerkes die Fundamente der Tempel von Philae verstärkt, betoniert und .zum weiteren Schutze mit einer stark mit Cel getränkten Schicht umgeben, so daß eine Verringerung der Stabilität der Bauten vermieden ist. Gewiß werden durch die jetzige Erhöhung des Wasserspiegels die gemalten Kapitelle Schaden erleiden, aber die Widerstandsfähig­keit der Vattten selbst, steht außer Frage und ist durch die vor­genommenen Verstärkungen nur noch gesteigert worden.Die Hempel sind heute so stabil wie nur irgend ein anderes Bauwerk in Aegypten/'

Ein Plan zur Bergung der Leiche des Kapi - t_ä n Scott Der kanadische Polarforscher Alexander Scott ist an die Royal Geographica! Society in London mit dem Plan herangetreten, eine Expedition zn unternehmen, um die irdiscl-en Ucberreftc Scotts und seiner Gefährten dem antarktischen Eise zu entreißen sund ihnen in ihrer Heimatserde eine letzte Ruhestätte zu bereiten. Mexander Scott, der in Polarreisen und Schlitten- expeditionen über eine reich? persönlich 'Erfahrung verfügt, hat sich bereit crflärt, alle Kosten des Unternehmens zu tragen, wenn ihm ein Schiff zur Verfügung gestellt rofrb, um ihn unb seine Gefährten bis zur Tisbarriere des Roßmeeres zu bringen -Ich macke diesen Vorschlag, weil ich stets ein Bewunderer Seotts und seiner Gefällten war und weil es meine feste Ueber- zeugung ist, daß man ihre irbifto Ucberreftc bergen sollte Ich würde etwa 40 Hunde ans Alaska, Schlitten und 5 oder 6 Gefährten mitnehmen, die mich auf arklischm Reisen bereits begleitet haben: im Sommer könnte die Ausreise stattfinden und bereits tm Herbst würde die Eisbarriere erreicht sein. Dann wäre es durchaus möglich, die Leickren zu bergen und die Seit würde auch ausrcichen, um der Notwendigkeit einer Ucberwin- terung zu entgelten." Heber die Annahme des Vorschlages ist ein Entsckstuß noch nicht getroffen.

Professorin d er Musik. Der Lehrerin deS Solo­gesanges am Kgl. Konservatorium der Musik in Leipzig, Frau Marie Hedmont, geb. Kacerowskv, ist vom König von Sachsen der Titel Professorin der Musik verliehen morben.

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»irlfadßn darüber gebreitet liegt. Erneutes heftiges Zurückgedrängtwerdcn. HU ( Die Hühneraugen erreichen unter den Fußtritten die Fasson von

nl/ctrickp etC.I Fünfmarkstücken. Die zweite Fürstlichkeit! Das Hurra Hingt

DKdW luitv j schon etwas heiser, aber unentwegt begeistert. Man kauft sich ein Glas Bier, versucht den Schutzmann durch die lieber=

3obren war ich müde au, batte häufig wadm !^ovnchmer;enu.iedc -m Arbeiten und sum verloren. Der Arzt es sei ein oeralMs re asenteiden, p. Tmwttaabeii im itjcnber ÜebenöM'.se. ituL Rat nonE ich ichhorster flark- dei Stsrkquellc Mn^ManglM'8ch leiici rdion nacb eini rlaschen suhlte ich mich nzanöercrSlenich.Dk bionücrung wurde leb ,ö schmerzlos und ro Sem. Ich trinke ta inibclieBttättlitbM e io roohV xmb» to« heute.,

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lilbmaer, A.M;. fli u. E. Roll. I:h

Das Interesse der Berliner.

Wiederholt hat die sozialdemokratische Presse es be­klagt, daß bei Gelegenheit patriotischer oder militärischer Festtage in der Reichshauptstadt, bei Fürstenbesuchen und hohen" Geburtstagsfeiern das Berliner Publikum so ganz und gar die demokratische Selbstbeherrschung verliere. Selbstverständlich ist daran etwas Wahres. Niemand wird es als ein Zeichen von Würbe und Bildung ansehen kön­nen, wenn die Schaulustigen hochgestellten Persönlichkeiten gar beharrlich und eng auf den Leib rücken. Auf der andern Seite ist es aber erfreulich, daß die Liebe des Volkes für fein Heer bei solchen Anlässen alle Eisriuden staatsfeindlicher oder staatsnörglerischer Gepflogenheiten durchbricht, und es zeigt sich da, daß im Ernstfälle die deutschen Antimilitaristen vergeblich zum Sammeln blasen würden. Selbstverständlich haben die letzten Monarchentage den leitenden Genossenkreisen viel Aerger bereitet. Da groß und klein feierte, mußten sie im Hintergründe sich herumducken, denn es wäre doch arg gewesen, wenn etwa der Abg. Liebknecht oder sonst eins der Häupter einmal unter den Zuschauern entdeckt worden wäre, und sei es auch nur, daß sie ganz zufällig dabei gestanden hätten. Aus dieser Stimmung heraus hat der Vorwärts nach­folgende Epistel veröffentlicht, die sehr lustig zu lesen ist und allen Teilen Spaß machen wird. Zuerst die üblichen Angrisfe auf das monarchische Gepränge, dann folgende Zeilen:

Aber das Volk geht uns etwas an, die wir seinesgleichen sind, und feine Blamage ist in einem gewissen Sinn unsere Blamage. Unb das Volk, die guten Berliner, hat die Hochzeitstage reichlich ausgenützt, um sich nach allen Richtungen gründlich zu blamieren. Dieses Volk hat noch mehr getan: es hat ftch einer ganz gewöhn­lichen Geschichtsfälscku ng schuldig gemacht, indem es rings um die leickseligen Fürstlichkeiten ein Heer gebeugter Rücken wogen ließ, so daß -die hohen Herrschaften mit Befriedigung konstatieren konnten, das umfangreiche Hinterteil sei immer noch vorhanden, dem traditionell Fußtritte zu versetzen sind, während von einem Kopf bet all den in Ehrfurcht gekrümmt Ersterbenden nichts zu bemerken war. Wenn heute ein Politiker sagt, das Volk sei mit irgendeiner Handlung Wilhelms II. nicht einverstanden, so wird der Reichs­kanzler am besten daran tut?, ein schallendes Holmgelächter zu erheben und als Gegenprobe einen Fürsteneinzug zu arrangieren: dann werden die guten Bürger von Berlin am Potsdamer Platz, am Brandenburger Tor und Unter den Linden mit .Hurrarusen ibstimmen, und der Herr. Reichskanzler wird feine Majorität haben.

Diese guten Bürger! Am frühen Morgen zogen sie mit belegten Stullen aus. An derFeststraße" suchten sie ftch einen Lagerplatz, inmitten Gleichgesinnter, ließen sich drei Stunden lang von Sckmtzleuten hin und her drücken, bis die erstL Fürstlichkeit kam. Hurra! Hurra! Hurra! Pause. Das Frühstück wird verzehrt. Ein Polizeigaul fährt den Patrioten mit dem Schwanz übers Gesicht, kann aber das Leuch ten nicht wegwischen, das noch von einem Blick deS Fürsten

ganz in der Nähe zu sehen, die sich Hoheiten nennen, von einem Wall von tausend «Lchranzen und Drohnen umgeben sind und auf die schweißigen, in Begeisterung verdummten Gesichter rings um ihr Auto mit huldvoll lächelnder Verachtung blicken!

Das was bei solchen Anlässen als wirklich unwürdig auch von nattonalen Seiten gerügt werden kann und muß, ist aber noch deutlicher bei einem gau^ besonderen Anlaß in die Erscheinung getreten. Der Kaiser hat bekanntlich veranlaßt, daß der Brautschmuck seiner Tochter öffentlich ausgestellt wurde, und man hat dieser Verfügung gerne zustimmen mögen, da der Geldertrag für wohltätige Zwecke verwendet werden soll. Nun ist die Geschichte nach den letzten Berichten aus der Reichshauptstadt aber arg aus­geartet.Man kommt zu schauen, man will am liebsten sehen," diese alte Wahrheit hat sich in geradezu verblüffen­der Weise wieder bewährt. Man könnte dieses Kapitel

Das Interesse der Frauenwelt uherschreiben. Obgleich die Berlinerinnen es gewiß nicht so intensiv ernst genommen haben, wie etwa Frau Pank- hurst (die übrigens jetzt lvieder verhaftet worden ist, weil sie gegen die Bedingung der .Haftentlassung verstoßen hat), so ist der neue Skandal, so muß man es wirklich nennen, sehr arg.

Berlin, 26. Mai. Der Andrang des Publikums namentlich an Damen, zu den im Kunstgewerbemuseuni ausgestellten Hoch­zeitsgeschenken nebst dem Brautkleid unb dem Brautschleier der Prinzessin Viktoria Luise war beute so stark, daß gegen 6 0 Schütz­te u t e vordem Portal a u f g e st e l l t und sowohl vor dem Kunstgewerbemuseum als vor, dem gegenüberliegenden Abgeord­netenhaus eine Sanitätswache eingerichtet werden mußte. Durch das D r ä n g e n u n b Stoßen der Menge wurden mehre re O hnma cht s an fälle verursacht, jedoch .sind ernstere Unfälle nicht zti verz-eickcncn.

Berlin, ,27. Mai. Auch heute früh war der Andrang zum Kunstgewerbemuseum, wo die Hochzeitsgeschenke zur Be- sichtigmrg ausgestellt sind, sehr stark. Lange vor 10 Ubr hatten Tausende von Schaulustigen Aufstellung ge- n o mm e n.

Schließlich erhalten wir noch folgende Trahtmcldung:

Berlin, 27. Mai. Tie Ausstellung der Hochzeits­geschenke tm Kunstgewerbemuseum ist um einen Tag verlängert wordcm. Die Blätter drücken den Wunsch aus, es möge nicht wieder zu solchem Gedränge kommen und zu so be- dauerlick)en Auftritten wie gestern. Auf Wunsch der jungen Her­zogin von Braunschweig und Lüneburg sind der Blumen- taselschmuck und die Blumenangebinde von den Hochzeitsseier- lichkeiten den Krankenhäusern überwiesen worden. Am Mitt­woch trifft das neuvermählte Paar, wie derBerl. Lokalanz." meldet, im Jagdschloß Auerbach im Almtal ein.

Eigentlich hatte man der beschämenden Vorkommnisse wegen dieAusstellung" gleich schließen sollen!

Das englische Königspaar in Neustrelitz.

Neustrelitz, 26. Mai. Mittags um 12.30 Uhr langte das Königspaar von England hier an. Am hiesigen Haupt­bahnhofe waren anwesend: das Großherzwgspaar, die Grvß- herzoginwitroe, der ErbgroßherKvg, sowie großes Gefolge. Die Begrüßung der fürstlichen Herrschaften war von überaus herzlichiml Charakter, besonders auf dem Gesichte der nun- rnehr 91jährigen Grostherzoainwitwe Augusta Carolina be­merkte man die herzlichste Freude. Nach Vorstellung der beiderseitigen Gefolge ging die Fahrt nach dem groß­herzoglichen Residenzschlosse. Die Truppen der Garnison, die Schulen und die Korporationen bildeten Spalier: das Publilum brachte lebhafte Kundgebungen dar. Um 1 Uhr 15 Min. fand Frühstückstafal im Gelben Saale statt. Der Großherz^og brachte auf die Majestäten einen herzlichen Trinkspruch aus und gedachte besonders des heutigen Ge­burtstages der Königin. Um 3.50 Uhr geleiteten die Groß­herzoglichen Herrschaften den Besrtch zum Bahnhof, wo um 4 Uhr die Abfahrt nach Berlin erfolgte.

Berlin, 26. Mai. Tas englische Königspaar traf um 6 Uhr auf dem -Stettiner Bahnhof ein und begab sich

nach dem Schloß. Ter Kaiser, die Kaiserin, die Groß-- Herzogin Luise von Baden und die Prinzen Oskar und Joachim speisten abends bei den englischen Herrschaften. Tas Königspaar reift morgen nachmittag 5.35 Uhr vom Lehrter Bahnhof über Vlissingeu nach London ab.

Der König überwies der Stadt Berlin den Betrag von 10000 M k. für wohltätige Zwecke.

Berlin, 26. Mai. Die Kön igin von England begeht heute ihren Geburtstag. Das Kaiserpaar er­schien gegen 9s/4 Uhr Äur Beblückwünschung. Um 10.30 Uhr reiften der König und die Königin voElTugland mit Ge­folge und Ehrendienst nach Neustrelitz, um den Tag am Hofe von Mecklenburg-Strelitz zu verleben. Das Kaiser­paar geleitete seine hohen Gäste vom Schlosse bis zu den Automobilen.

Die Abreise des Großherzogs von Hefien.

26. Mai. Ter Groß Herzog von

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Erstss Blatt WZ. Jahrgang Dienstag, 27. Mai 1913

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