Ausgabe 
21.11.1913 Zweites Blatt
 
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Nr. 274

Zweites Blatt

163. Jahrgang

Eichener Anzeiger

Erscheint tüyllch mit Ausnahme de? Sonntags.

General-Anzeiger für Vberheffen

Eretzener §amili«nbl3tter" werden dem «Anzeiger^ viermal wöchentlich beigelegt, da» Krdsblatt ffir den Kreit Eiehen" zweiinal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Seit- fragen" erscheinen monatlich zweimal.

8reitag, 21. November (913

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'scheo Universitäts - Buch- und Steindruckerei.

R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul« strahe 7. Expedition und Verlag: 5L

Redaktion:SE112. Tel.-Adr.:AnzeigerGiehew

Sitzung der Stadtverordneten.

K. B. Gießen, 20. Nov.

. Anwesend waren die Herren Oberbürgermeister Mecum, die Beigeordneten E m m c l i u S und Keller, und die Stadtvcrord^ neten Helm, Heichelheim, Schafsstndt, Plank, Friedberger, Vetters ^ann, Urstadt, Wimmenaucr, Eichenauer, Helfrich, Petri Huhn, Dabemchi, Faber, Löbcr, Haberkorn, Helm, Simon, Winn, Orbig und Sommer.

Bor Eintritt in die heutige Verhandlung fand die Auslosung wrn S ch u ld Verschreibungen der Anleihe von 1901 statt, -öon den Schuldverschreibungen waren 80000 Mark angekauft Morden, so daß diese der Auslosung nicht bedurften.

Darauf wurde die Sitzung kurz vor 4' ... Uhr von Oberbürger­meister Mecum eröffnet. Er teilte zunächst das Ergebnis der ^tadtverordnetenwahl mit, soweit es vorlag. Es fehlte uvch em Bezirk, der bei den für drei Jahre Gewählten ausschlag­gebend sein wird. Tann sprach der Oberbürgermeister im Namen -der Stadtverwaltung allen denen, die an der Wahl durch AuH- rechnen der Stimmen und Feststellung der Gewählten mitgearbntet yaben, seinen Dank aus.

Stadtverordneter Petri nahm Veranlassung, den Stadt­verordneten Eichenauer zur Verlobung seiner Tochter zu beglück­wünschen!

Darauf machte Oberbürgermeister Mecum einige Mittel - lungen: In einem Schreiben bedankte sich die Vorsitzende der hiesigen Ortsgruppe des Allgenieincn Deutsckren Frauenvereins, Minna Naumann, für den Begrüßungsabend, den die Stadt­verwaltung der Tagung des Allgemeinen Deutschen Frauenvereins gewidmet hatte. Der Ausschuß für die Oberhessische Gewerbe- aiisstellung bedankte sich für die Ueberlassung der Ausstcllungs- Läume.

Der Oberbürgermeister wandte sich dann gegen die Aus­führungen, die der zur Stadtverordnetenwahl aufgestellte Kandidat Zorn in der letzten Wahlversammlung der liberalen Parteien gegen die Armenpflege gemacht hatte. Oberbürgermeister Mecum meinte, der Redner habe ohne Zweifel die Gießener Stadtverwal­tung dabei im Auge gehabt. Als Oberbürgermeister fühle er sich verpflichtet, denfrivolen Angriff" auf die Redlichkeit der Herren und Damen, die Zeit und Arbeitskraft, ost auch Geld, bei der «Ausübung ihres Ehrenamtes als Armenpfleger opfern, mit aller Entschiedenheit zurückzuweisen.

Auch Stadtverordneter Habe nicht sah sich genötigt, die genannte Versammlung nochmals zur Sprache zu bringen. Der Reallchrcr Haggenmüll er hatte nämlich erklärt: Wie ver­laute, beabsichtlge eine der Stadt unterstellte Kasse die Be­leihungsgrenze von 60 auf 50 Prozent herabzusetzcn. Dies kann sich nad) der Meinung des Stadtverordneten Habenicht nur auf die Bezirkskasse richten, weshalb ihn die Verwaltung der Kasse beauftragt hat, derartiges öffentlich als falsch zurückzuweisen. Weder dem Vorstand noch dem Aufsichtsvat ist von einer Herab­setzung etwas bekannt.

Dann kam der Oberbürgermeister auf die Gießener Bahnhofsfragc Hu sprechen. Er hatte eingehende Erkundigungen an maßgebender Stelle der Eisenbahnverwaltung eingezogen und eine befriedigende Antwort erhalten. Dem Gerede, daß jetzt Güterzüge aus Gießen in Lollar und Wetzlar rangiert würden, entbehre jeder Grund und eine dahingehende Aenderung wäre ebenfalls nicht geplant. Die Behauptung, daß eine Reihe von Beamten von Gießen weg­genommen sei ober in Zukunft weggenommen werden solle, sei ebenfalls ganz haltlos. Es sei auch das Gerücht verbreitet, der preußische Landtag habe große Summen zum Umbau des Gießener Bahnhofs bewilligt, die nicht verwandt worden seien. 2luch das sei nicht rid)tig, von einer großen Sunttne könne nicht die Rede sein und das Geld, was bewilligt sei, habe man für die Instand­haltung des Bahnhofes gebraucht. Unwahr sei auch die Behauptung, daß bereits ein Entwurf zum Bahnhossumbau gemacht und an den Minister für öfscntlickie Arbeiten weiter gegeben worden sei, man aber den Plan fallen gelassen habe, weil der Grunderwcrb zu teuer sei alles während man die Stadt noch gar nicht be­fragt hätte. Es sei fein Entwurf hergestellt worden, sondern eine Heine Skizze hätte Vorgelegen mit der nicht näher bezeichneten Bemerkung, der Plan würde 10 Millionen Mark kosten. Mit diesem Bildchen habe man nicht viel Anfängen können. Allein richtig sei es, daß die Absicht für das Jahr 1914 bestehe, acht bis zehn neue Gleise anzulegen: die dazu nötigen Mittel sollen für den Etat 1914 angefordert iverben.

Stadtverordneter Urftadt, der ebenfalls genaue Erkun­digungen im Ministerium zu Darmstadt eingeholt hat, brachte auch in Erfahrung, daß von einer Versetzung des Personals von !Gießen nad) Wetzlar nichts bekannt fei. Im Gegenteil habe man dort versprochen, im Interesse Gießens tätig zu sein. Man könne also vorläufig beruhigt fein.

Baugcsuchc.

Man schritt dann zu dem nächsten Punkte der Tagesordnung, .der den beabsichtigten Umbau des der Freimaurer-LogeLudewig zur Treue" gehörigen Hauses G a r t e n st ra ß e Nr. 1 betraf, jO soll ein Anbau nach der Ost-Anlage hin gemacht werden, ein Bauplan liegt jedock) noch nickst vor, da die Baudeputation die Meinung der Stadtverwaltung hatte abivarten wollen: es besteht nämlich die gesetzliche Vorschrift, nach der eine bestimmte Große der Vorgärten in der Ost-Anlage einzuhalten ist. Die Deputation befürwortete das Befreiungsgesuch. Die Stadtverordnetenversamm­lung gab einstimmig ihre Zustimmung.

Das Gesuch nach einer baulickien Veränderung Vergröße­rung an der Scheuer des Wilhelm Seipp im Alten Feld wurde ebenfalls von der Baudcputation bcftirwortet. Die Versamm­lung erklärte sich auch hier damit einverstanden.

Der Bebauungsplan für die Straße von der Stein- Nach der Dammstraße war nicht neu. Ein Plan, den das Kreis- -amt abgeschickt hatte, war in der Bürgermeisterei nicht angekommen. Es mußte daher auf Grund einer Pause verhandelt werden. Ter Plan wurde genehmigt. Bei dieser Gelegenheit wies der Ober- Ibürgermeistcr darauf hin, daß die in der Presse vielfach bekämpfte >Verlegung des Eichamtes dorthin notwendig gewesen sei, weil Hort viel leichter Wasser zu beschaffen sei als in der alten Klinik, die auch viel zu groß gewesen sei.

Darauf kam der Bebauungsplan für die Schwarz- lach und die Enteignung von Gelände zur Beratung. Die Forderunoen der Anwohner beliefen sich für den Quadratmeter aus durchschnittlich 7 Mart, Pfaff forderte 25 Mark. Zur genauen Feststellung des eigentlichen Wertes zog man die Meinung von Sachverständigen ein. Der eine schätzte das Gelände auf 4200 Mark, der andere auf 2186 Mark! Der Oberbürgermeister Machte den Vorschlag, die Enteignung noch nickst vor-,unehmen, da keine Notwendigkeit dazu vorliege: zumal die Anwohner ihre zuerst gestellten zu hohen Forderungen auch jetzt noch auftecht er­halten. Tie Versammlung schloß sich seiner Am'ickst an.

Die Aufteilung des Troßschen Geländes kam sodann zur Sprache. Der Troßsche Konkurs hat sehr viele Leute in arge Bedrängnis gebracht, weshalb der Plan entstand, die Stadt möge das Gelände austeilen. Tie Baudeputation hat empfohlen, die Straße auszubauen, wenn der Grund und Boden Unentgeltlich an die Stadt abgetreten wird und wenn für die Un­kosten noch ein Abkommen mit den Interessenten getroffen wird. .Es soll nämlich die Summe für Wasser- und Lichtanlagen vor­

her hinterlegt werden, damit die Stadt keine Ausgaben zu tragen bat. Die Stadtverordneten Vetters und Plank sprachen sich gegen diesen vom Oberbürgermeister gestellten Antrag aus, wäh- renb Stadtverordneter Heichelheim nichts dagegen emznwem den hatte, da die Stadt nicht das mindeste Risiko dabei zu tragen habe.

Nack, weiterer Aussprache brachte der Oberbürgermeister zur Kenntnis, daß der Vorschlag von einem einzelnen Gläubiger aus­ginge, nicht vorn Gläubigerausschuß. Stadtverordneter Habe^ nicht hält cs daher für richtig, die Angelegenheit so lange ruhen zu lassen, bis der Gläubigerausschuß an den Oberbürgermeister berangetreten sei. Stadtverordneter Heichelheim stellte baraus- hin den Antrag aus Vertagung, ba bie Sache noch gar nicht geklärt sei.

Diesem Anträge wurde z u g e st i m m t.

Verschiedenes.

Tie Ueberlassung eines Bauplatzes an das landwirtschaft­liche Institut in Erbpacht wurde genehmigt. Ebensalls der An­schluß der Zcmentsabrik von Sack und Jugharbt in Heuchel­heim an die Ueberlanbzentrale und der Anschluß ber Gailschen Dampf ziegelei an das Elektrizitätswerk.

Tie Verlmndlung über Beschwerden der Viehhändler inegen des Vormarktes und der Beibringung von Ursprungszeugnissen und über eine Befestigung des Viehmarktplatzes wurde vertagt.

Mit einer Verlängerung ber schon bestehenben Gleisanlage der Firma Bänninger erklärte sich die Versammlung einver­standen. Die Firma hat eine jährliche Aiierkennungsgebühr von 3 Mark zu zahlen, lieber einen Gleisanschluß an der M a r g a * rethenhütte wurde mit der Eisenbahn ein neuer Vertrag ab­geschlossen, wobei aus den Erwerb eines Teiles der Eisenbahngleise verzichtet wird.

Punkt 16 der Tagesordnung, welcher, die Gaszuleitung zum Hause Seltersweg Nr. 67 betraf, wurde nachträglich genehmigt. Die Gaszuleitung hat einen Straßenaufbruch im Gefolge. Die Rechnung 1912/13 und Voranschlag 1913/14 der Lober-Stiftung mußte ausfallen. Das Gesuch des Wilhelm Schultes um Er­laubnis zum Schankwirtschaftsbetrieb im Hause Walltorstraße Nr. 6 und ein Gesuch um die gleiche Erlaubnis von Wilhelm Schmid, Ostanlage Nr. 15, wurden bewilligt.

Schluß der Sitzung 6 Uhr.

An»

rb. Die Stadtverordnetenwahl in Darmstadt Die am Donnerstag erfolgte amtliche Feststellung des Ergebnisses der Stadtverordnetenwahl bestätigte im wesentlichen die gestern mitgeteilten vorläufigen Wahlergebnisse. Für bie Sozial- oemokratie gestaltet Jid) der Ausgang der Wahl noch ungünstiger insofern, als der gervählte Schlosser Schönberger, der als dritter ber Gewählten zu ben Sozialdemokraten gerechnet wurde, tatsäch­lich Kandidat der freisinnigen Volkspartei war und mir mit auf den sozialdemokratischen Wahlzettel übernommen wurde. Es find somit 7 Fortschrittler, 6 Nationalliberale und 2 Sozialdemokraten (statt der erwarteten 9) gewählt worben. Die Gesamtzahl der ab­gegebenen nationalliberalen Zettel betrug 3293, die Zahl der freisinnigen Zettel 968. Die Zahl ber sozialdemokratischen Zettel ist von rund 3700 vor drei Jahren diesmal auf rund 3400 zurück- gegangen, trotzdem die Zahl der stimmberechtigten Wähler von 14 060 auf 15 382 gestiegen ist und auch die Wahlbeteiligung stärker war. Bei der Stadtverordnetenwahl im Jahre 1904 stimm­ten nur 53,7 Prozent, im Jahre 1907 57,4 Prozent und 1910 59 Prozent, während diesmal die Wahlbeteiligung auf nahezu 66 Prozent gestiegen ist.

Ans Stadt und Land.

Gießen, 21. November 1913.

** Krankenversicherung. Befreiung der Dienst­boten von der Versicherungspflicht. Nach § 418 der Reichs­versicherungsordnung wird auf Antrag des Arbeitgebers un­ter bestimmten Voraussetzungen von der Krankenversiche­rung befreit, wer an den Arbeitgeber bei Erkrankung Rechts­anspruch auf eine Unterstützung hat, die den Leistungen der zuständigen Krankenkasse gleichwertig ist. Diese Bestimmung trifft nach § 435 der Reichsversicherungsordnung and) für Dienstbotenzu. Nach einer Vorbemerkung im Kommentar zur Reichsversicherungsordnung von Dr. Hoffmann gilt der § 435 aber nurfürdieinLandkrankenkassenund in landwirtschaftlichen Betriebskrankenkas­sen versicherten Dienstboten. Demgegenüber ist Landesrat Appelius Düsseldorf, der allgemein als hervor­ragender Sozialpolitiker gilt, der Ansicht, daß eine Befrei­ung auf Antrag des Arbeitgebers eintritt, für in der Land­wirtschaft beschäftigte Personen, sowie für städtische und länd­liche Dienstboten. Er stützt sich dabei auf den Kommentar von Düttmann und anderen zur Reichsversicherungsord- nung. Da hiernack; die Ansichten über die allenfallsige Be­freiung der städtischen Dienstboten verschieden sind, die Aufklärung dieser Frage aber für Herrschaft und Dienstboten von allgemeinem Interesse ist, wird die Rechtsberatungsstelle des Evang. Arbeitervereins Gießen, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, auf dem Gebiete der Arbciterversicherung auf­klärend zu wirken und deshalb in Sachen der sozialen Gesetzgebung an Jedermann unentgeltlich Auskunft erteilt, eine höchstinstanzliche Entscheidung herbeiführen.

**181.3 1815. Es wird uns geschrieben: Die Erinnerung an das Jahr 1813 ist in Gießen in mannigfacher Weise ge­feiert worden, durch Vorträge, künstlerische und sportliche Veranstaltungen. Tie Kenntnis der Ereignisse wurde dabei vorausgesetzt: die wichtigen Tage wurden auch jeweils im Gießener Anzeiger" ausführlich behandelt. Trotzdem wird es vielleicht tnanchem nicht unwillkommen sein, einmal im Zusammenhang die Ereignisse der Jahre 1813 1815 vor den Augen vorüberziehen zu lassen. Um dies in Wort und Bild zu ermöglichen, hat die hiesige Ortsgruppe des Altdeut­schen Verbandes Herrn Hofrezilator Neander (Hannover), zu einem Lichtbildervortrag über die Befreiungskriege ge­wonnen, der nächsten Freitag, 28. Nov., abends 8 Uhr in Stein's Garten ftatlfinden wird.

Studentische Unterrichtskurse. Vom 2. De­zember an finden im Universitätsgebände (Ludwigstraße) jeden Dienstag abend (8i/210 Uhr pünktlich) durch Herrn Franz Schnaß Vorträge über Friedrich Hebbel als Mensch und Dichter statt. Jedermann hat freien Zu­tritt; nur werden 50 Psg. Einschreibgebühren erhoben. Ausnahmsweise ist der erste Vortrag Montag, 24. d. Mt§.

Kreis Alsfeld.

w. A l s f e l b , 18. Nov. Zu Beginn der S t a d t Vorstands­sitzung gab der Vorsitzende eine Erklärung ab, die sich auf ben Inhalt eines Flugblattes der letzten Gerneinderatswahl bezog. Es sei in einem Flugblatt gegen die Stadtverwaltung der Vorwurf ei> hoben worden, bie Stadt Alsfeld habe das Wasser, das so vieles

Geld gekostet habe, an E u d o r fv e r s ch a ch e r n" wollen. Eine ter artige grobe Beleidigung des Stabtoorslandes müsse er mit Ettt- rüinnig zurückweisen. Im Anschluß an ein Schreiben des Lande swohnungsinspektors, in welchem dieser der Stadt eine tatkräftige Unterstützung des Wcmcinnüfcigen Bauvereins zur Besserung ber Wohnungsverhältnisse in Alsfeld empfiehlt und hierzu bestimmte Vorschläge unterbreitet, eutspinnt sich eine rege Aussprache über bie W o h n u n g s v e r lt n i sse für Minder­bemittelte in Alsfeld, in welcher allerseits eine Verbesserung ge­fordert wurde. Dabei kam zum Ausdruck, daß man .ben Be­strebungen des Gemeinnützigen Bauvereins spmpathisch gegen» über steht. Die Anregungen des Landeswohnungsinspetlors sollen »in dem zuständigen Ausschuß beraten und eingehend erwogen werden.. Zur Verwertung bei der Fe ldbereiuigung wurde der Ankauf eines weiteren Grundstücks genehmigt. .In der neu angelegten Volkmarstraße soll für ben Straßenteil vom Eingang der Junkerngartenstraße bis zur Altenburger Straße eine Vorgartenliiiie von 4 Metern Tiefe festgelegt werden. Von verschiedenen Stadfvorstandsmitgliedern wird lebhafte Klage über die schlechte Beschasfenheit der Ortsdurchfahrten geführt, bie vor Schmutz starrten. Die Kreisverwaltung müsse angegangen werden, für Abhilfe Sorge zu tragen. Der Stadtvorstand hält eine bessere Instandsetzung ber im Zuge der Kreisstraßen gelegenen Ottsdurchsahrten für dringend notwendig und beschließt, daß die Alsfelder Kreistagsabgeordneten bie Angelegenheit im nächsten Kreistag zur Erörterung bringen sollen. lieber die In­standsetzung des Turmes d e r W a l p u r g i s k i r ch e war nachträglich auf Anregung aus dem Stabworstand heraus ein Voranschlag vorgelegt worben, der sich auf 6000 Mark beläuft und der eine gründliche Instandsetzung des völlig verwahrlosten Turmes und ber Türmerwohnung vorsieht. Der Stadtvorstand hat sich nach vorgenommener Ortsbesicktigung von der Notwendig­keit der Arbeiten überzeugt und genehmigte den Voranschlag in Höhe von 6000 Mark. Dabei wird zur Bedingung gemackst, daß Mehrkosten durch Stehenbleiben des Gerüstes über den 1. De­zember 1913 hinaus nicht bewilligt werden.

Kreis Büdingen.

i. Ober-Widdersheim, 20. Nov. Bei der Wahl eines Bürgermeisters siegte der Landwirt K. Eifer I. mit 62 Stimmen. Der Gegenkandidat Heinrich Schäfer er­hielt 58 Stimmen.

e. F a u e r b a ch bei Nidda, 20. Nov. Schon lange besteht in der Einwohnerschaft unserer 460 Seelen zählenden Ge­meinde der Wunsche, eine direkteVerbindung mit her Stadt Nidda zu erhalten. Der Fuhrwerksverkchr geht meist über Wallernhausen, die Strecke beträgt etwa 7 Kilometer. Diese Straße hat beträchtliche Steigungen. Wohl führt eine direkte Verbindung nach Nidda, jedoch ist dieser Weg bei ungünstiger Witterung fast gar nicht gangbar. Vor einiger Zeit fand durch das Kreisamt Büdingen eine Ortsbesichti­gung statt und wurde die Bausumme auf etwa 48 000 Mark festgesetzt. Jede beteiligte Gemeinde soll einen entsprechenden Zuschuß leisten. Zu dem Bau einer Straße können mehrere in der Nähe liegende Basaltbrüche ausgebeutet werden, die vorzügliches Material liefern. Man hofft mit aller Be­stimmtheit auf die Ausführung des Projektes.

8 Leidhecken, 20. Nov. Durch die heftigen Rege n- g üsse der letzten Tage hat die Horloff die Wiesen zwischen hier und Reichelsheim überschwemmt. Nächsten Montag versteigert die Obcrförsterei Bingenheim in der dortigen Ge­markung eine Anzahl Grundstücke mit einem Flächeninhalt von 70 hessischen Normalmorgen.

Kreis Lauterbach.

R. Stockhausen, 20. Nov. Für den verstorbenen Bürgermeister Eichenauer fand heute die Neuwahl eines selbstänbigen Bürgermeisters statt, die seither mit ber Ge­meinde Schadges zu einer Bürgermeisterei orreinigt war. Man hatte drei Kandidaten ausgestellt und mit Spannung erwartete man das Ergebnis, da jede der drei Parteien ihren Kandidaten als Sieger aus der Wahlurne hervorzugehen glaubte. Die Wahlbeteiligung war deshalb sehr groß; von 177 Stimmberechtigten haben 160 Wähler ihre Stimmen abgegeben. Es erhielten Kaufmann Hch. Konr. Wienold 103, Landwirt Heinrich Eichenauer, Sohn des verstorbenen Bürgermeisters, 30 und Landwirt Heinrich Hansel II. 27 Stimmen. Wienold ist somit zum Bürgermeister gewählt worden und die Befürchtung einer Stichwahl hinfällig. Die Bürgermeisterwahl in Schadges findet am 27. Nov. statt.

Kreis Friedberg.

L. Friedberg 20. Nov. Der Friedhofskapellenumbau wie bie Erbauung des Krematoriums ist nicht so rasch vollendet wor­den wie man erwartete. Doch wird bis Ende des Jahres die Arbeit vollendet sein und das Gelände seinem Gebrauche über­geben werden. Am Totenfest findet in unserer zum erstenmale in elektrischer Beleuchtung strahlenden Stadtkirche eine geistliche Musikausführung statt. . Bei der Vergebung einer Schreiner- arbeit, die ctiva 400 Mark einbringen konnte, reichten mehrere Meister Angebote ein. »Tas Höchstgebot betrug 390 Mark, das niedrigste Angebot 250 Mark. Bei einer solchen Arbeit also 140 Mark Unterschied!

r. Bad-Nauheim, 20. Nov. In der heute nach­mittag abgehaltenen Stadtverordnetenversamm­lung gab der Vorsitzende, Bürgermeister Dr. Kayser, eine Einladung zu der am Montag, den 24. d. Mts., in der Ernst-Ludwig-Schule stattfindenden öffentlichen Groß­herzogs-Geburtstagsfeier bekannt. Der Lohn für Holzarbeiter wird, wie folgt, festgesetzt: Stammholz 1.80 Mk., früher 1.50 Mk., Scheiter und .Knüppel 1.60 Mk., früher WO Mk., Tagelohn von 3.30 Mk. auf 3.50 Mk. Tie Versammlung beschließt, daß die Stadt dem Verein hirschgerechter Taunusjäger als beitragsfrei.es Mitglied beitritt und künftig in den Pachtbedingungen für städtisches Jagdgelände die Bedingung ausgenommen wird, daß auf Rotwild nur mit Kugeln geschossen werden darf. Stadtverordneter Breidenbach hatte irrtümlich von einem schon in städtischen Besitz überaegangenen Grund­stück Aepfel versteigern lassen. B. erbietet sich, an die Stadtkasse 12 Mark zu zahlen, womit die Versammlung einverstanden ist. Die Versammlung ist einverstanden, daß dem Vorschlag des Ministeriums entsprechend, das Holz aus den städtischen Waldungen an die Holzgroßhandlung von Gebrüder H imm e ls b a ch verkauft wtrd. In Frage kommt Stamm- und Nutzholz 3., 4. und 5. Klasse. Holz 2. Klasse soll unter die hiesigen Gewerbetreibenden usw. zur Versteigerung kommen.

-t. Groß-Karben, 20. Notz. Zu dem Unfall in Groß-Karben wurde noch folgendes ermittelt: Der Ver-