Hofs borTxnraitntm und m den Wagen enthrangcn und demjenigen, als bet Unterchef in das Abteil gelangen konnte, in dem 'sich ibir denkschen Reiseirden befanden. Das ist ein Zeitraum' von ßtnei bis drei Minuten, worüber genaue Aufklärung nicht erlangt werden konnte.
In der Zusammenfassung ergibt sich, also: Kein Zioischenfall im Kasino, int lothringischen Bierhause Wortwechsel persönlicher Art Zwischen beit Gästen, der auch nicht einen Augen blick einen Mgefpitzten Charakter annahm, anfbem Wege.vom Bierhanse zum Bahnhof keine derartige Kundgebung, die die Ordnung störte und die Einmischung der Pol izei.be amten erforderte. Tie Vorgänge auf dem' Bahnhof haben jedoch einen ern.steren Charakter. Indessen ist zu bemerken, haft nach den gesammelten Aussagen kein Soldat an den Kundgebungen Teil genommen hat, und daß diese nicht aus Leute zu r üchzufüb^r en sind, welche den Deutschen folgten und in der ^5tobt mit ihnen diskutierten, sondern auf eine Zusammengewürfelte z we i'f e l ha f t c Bevölkerungsklasse, welche sich UM diese Zeit gewöhnlich auf dem Bahnsteige befindet. Tic Beamten der Ostbahngescllschaft vom Bahnhofsdienst taten, was in ihren Kräften stand, um den Schuh der deutschen Reisenden zu sichern. Wenn, dieser Schuh nicht ein wirksamer war, ist dies auf die geringe Zahl von Beamten >00 m Nachtdienst und auf den Umstand ZUrückzufübren, daß sie Zur Wahrnehmung ihres Dienstes auf dem verhältnismäßig ausgedehnten Bahnhossgebiete verteilt waren. Durch eine noch am Wend des 13. April vorgekominene Entgleisung war die Anwesenheit mehrerer von ihnen außerhalb des Bahnhofs notwendig. Ferner ist ZU bemerken, daß die Polizisten, welche auf demBähnhof wären, f i ch in ungenügender Weise betätigten. um die Ordnung und Achtung vor der Person zu schützen, weiter, daß in dem Zeitraum, während dessen die Deutschen ohne den Sdjufr der Beamten der Ostbahü waren, nur 2— 3 Minuten gedauert haben kann, daß für das wäh- renddieferZeitGeschehenekeinZeugnisbeschafft werden konnte.
Die Note schließt Mit der Mitteilung, daß der Minister des Innern beschlossen habe, die bereits gemeldeten Verfügungen zu erlassen.
Das Nachspiel von Nancy.
Maar schreibt Uns :
In Ihrer gestrigen Nr. 90, daselbst in der Abhandlung„Die Schuldigen in Naney" kann die transparente Inschrift der französischen Ansichtskarte nur heissen: „Mcrde pour le roi de prussc." (Ein Druckfehler hatte „Morde" gesetzt. D. Red.) Zur Hebersetzung dieses volkstümlichen Wortes muß man schon einige Kenntnisse in der aus tiefster Gosse hervorgeholten französischen Volkssprache besincn. Es ist eine Schmach für uns, wenn von Seiten unserer Behörden nichts getan wird, um derartige Machwerke zu unterdrücken. Eine nmh größere Schmach für uns ist es aber, daß unsere deutschen belletristischen Zeitschriften nicht müde werden, den französischen Geschmack, die französische .Höflichkeit, den französischen „esprit" in den höchsten Tönen zu besingen, wodurch sie doch nur die Eitelkeit unserer westlichen Nachbarn fördern und das deutsche Volk herabsetzen. Wer wie ich mehrere Jahre in Frankreich gelebt hat, der weiß, daß die landläufigen Vorstellungen über den Kulturstand in Frankreich stark übertrieben sind, und daß wir Deutsche nicht den mindesten Anlaß haben, uns Frankreich nachzuordnen. Im öffentlichen Verkehrswesen, Volksschule, Betätigung von Reinlichkeit jmb öffentlicher Gesundheitspflege, Gerichtsbarkeit und nickst zum letzten in der Arbeitskraft des einzelnen sind wir Frankreich unbedingt über, das sollte den süßlichen Lobeshymnen des französischen „esprit" gegenüber einmal klipp und klar ausgesprochen werden.
!Di« „NmL deutsche Mgemeine Zeitung" schreibt:
„Nach den Maßregeln, die die französische Regierung zur Korrektur der gegen deutsche Gäste in N a n e n verübten Ausschreitung getroffen hat, können wir l-offen, daß nun auch die Versuche französischer Blätter auiböreit, bic Vorfälle zu beschönigen, oder als deutscherseits künstlich aufgebauscht binzu- stelleu. Insbesondere wurde behauptet, daß ein von dem Wölfischen Telegravhenburean übernommener Bericht der „Lothringer Zeitung", dessen Angaben die Untersuchung des Staatsrats Ogier in den meisten Punkten bestätigte, in tendenziöser Absicht verbreitet worden sei. Wir erinnern daran, daß die erste Nachricht von der „Agenee Havas" stammte, die die Sache so darstellte, als ob die deutschen Gäste, anaeblich Offiziere, durch Verspottung der französischen Armee die schimpflichen Szenen provoziert hätten. Das wurde auch durch die französische Untersuchung Positiv widerlegt. Wenn die f r a n z ö s i s ch e P u b l i z i st i k aufrichtig wünscht, daß . solche Ausbrüche eines überhitzten Chauvinismus wie in Nancy vereinzelt bleiben, wird sie selbst durch ihre künftige Haltung viel dazu beitragen können.
Französische Presiestimmen.
Die von der Regierung in dem Nancyer Zwischenfall getroffenen Entschließungen werden von einem ansehnlichen Teil der Presse rückhaltlos gutgeheißen, von den konservativen und nationalistischen Blättern aber scharfgetadelt. Der „F i g a r 0" schreibt:
Das Land wird die von der Regierung mit ebensolcher Raschheit als Energie getroffenen Strafmaßnahmen einmütig billigen. Der Zwischenfall ist damit erledigt. Unsere Nachbarn, die nunmehr über die Einzelheiten der Ausschreitungen voUständig unterrichtet sind, werden in den freimütigen amtlichen Entscheidungen und der offenen Bekundung unseren Wunsch erblicken, zwischen zwei großen Nationen, die miteinander in Frieden leben Uwllen, jeden Änsck ein einer Herausforderung ober auch nur der Unhöflichkeit vermeiden zu wollen. Sie werden unseren aufrichtigen Wunsch anerkennen, ihnen wie allen anderen gegenüber den guten Ruf der Gastlichkeit zu erhalten, den die Völker uns stets zuerkannt haben.
Die radikale „L a u t e r n e" schreibt:
Die Regierung hat gut daran getan, die Fehler zu erkennen, die sich die Beamten in Naney zuschulden kommen ließen. Die Maßnahmen sind nicht unter dem Eindruck eines verächtlichen Einschüchterungsversuches getroffen worden. Trotz der Haltung gewisser deutscher Blätter hat die Regierung diejenigen bestraft, Vie durch ihre Pflichtverletzung die bedauerliche Kundgebung veranlaßt hatten. Der Zwischenfall ist nunmehr geschlossen. Wir kümmern uns wenig um die Erörterungen jenseits des Rheins, da wir unsere Pflicht getan haben.
Der „Petit Parisieu" schreibt:
Frankreich bat bewiesen, daß cs seiner traditionellen Höflichkeit und Gastlichkeit treu bleibt.
Der „Radien T" schreibt:
Wir sind überzeugt, daß die deutsche Regierung diese Lösung geziemend würdigen wird nnd wir hoffen, daß 'die alldeutsck>e Presse die Ungerechtigkeit einsehen wird, die sie dadurch begangen hat, daß sie ganz Frankreich mit den von einigen Schreiern begangenen Ausschreitungen solidarisch erklärte.
Die „Republique" sagt:
Hofsentlick wird Deutschland einsehcn, daß es in dieser Affäre von seinem Ansehen nichts eingebüßt hat. Frankreich ist über die Feststellung glücklich, daß kein Offizier und kein Beamter in direkter Weise in dieser albernen Geschichte kompromittiert wird.
Das ^rationalistische „Echo de Paris" schreibt unter dem Titel „Eine bedauerliche Lösung":
Die amtliche Mitteilung wird im ganzen Lande peinliches Erstaunen Hervorrufen. Die Strafmaßnahmen finden in dem Bericht keinerlei Rechtfertigung. Die öffentliche Meinung wird daraus den Schluß 'ziehen, daß für die Maßnahmen nur diplo rnatische Gründe maßgebend waren, deren Geltendmachung die Wurde Frankreichs nicht gestatten sollte. Man wird daraus Hinweisen, daß die französische Regierung nicht erst die Heber mittelung des Ergebnisses der deutschen Untersuchung obg entart cf habe, um ein zuschreiten. Aber was hätten die Deutschen auf Grund ihrer Untersuchung noch mehr verhangen können?
Tie „2i.br e Par ole" schreibt:
Man wird mist peinlichem Gefühl erfahren, daß die Regierung eingewilligt hat, Strafmaßnahmen zu treffen, die in keinem Verhältnis zu dem Zwischenfall steheir.
Die „Liberte" erklärt in einer Erörterung der gegen die Naneyer Beamten getroffenen Maßnahmen, Frankreich habe nunmehr das Recht, von Deutschland zu verlangen, daß cs in der Angelegenheit des in Speyer verhafteten Haupt m anns L e m e r f c ohne Verzug und ohne Vorbehalt eine ähnliche Gutgläubigkeit und Gefälligkeit an den Tag legte. Man könne nicht zugeben, daß der Zwischenfall von Speyer den Zwifchetrfall von Naney überdauere.
Der „Temps" schreibt u. a.:
Der Zwischenfall ist erledigt, aber in Deutschland dauert die franzosenfeindlichc Kampagne fort. Die Haltung der öffentlichen Meinung Frankreichs in dieser Angelegenheit war von Anfang an bis zu Ende tadellos und sie bat sich von den unziemlichen Treibereien der deutschen Presse nicht beeinflussen lassen. Ein deutscher Minister hat bedauerlicherweise Anspielungen auf unseren Chauvinismus gemacht. Dieser Chauvinismus hat unsere Kaltblütigkeit nictzt beeinflußt. Wird das genügen, uns Ruhe zu verschaffen? Wenn man die heutigen deutschen Blätter liest, so nniß man das bezweifeln. Diese halten es nicht für ausreichend, daß französische Beamte, die sich in verschiedenem Maße der Nach lässigkeit schuldig gemacht haben, besttaft werden. Einzelne Berliner Blätter verlangen nach den Ausdruck des Bedauerns und weitere Genugtuung. Man kündet uns an, daß der Zwischenfall nicht beendet ist. Auf 'diese neuerlichen Wutausbrüche antworten wir nur, daß der Zwischenfalls für uns abgetan ist. Aber wir können zwei Lehren aus der tsacbe ziehen. 1. Mögen wir über die Nachlässigkeit in unserem Berwaltungswesen Nachdenken, von her uns der Naneyer Zwischenfall ein Beispiel geboten hat, und die ohne den Zornausbruch der Deutschen fortbestehen würde. 2. Wir haben die öffentliche Meinung in Deutschland kennen gelernt. Unser Parlament wird zu entscheiden haben, ob Frankreich sich dahin entscheiden soll, Deutschland gegenüber um die Hälfte schwächer darzustehen. Es handelt sich da um keine Aufreizung, sondern um Feststellungen. Wenn die französische Regierung, anstatt die gerechtfertigte Genugtuung zu billigen, diese verweigert hätte, könnte der Ton der deutschen Presse nicht agrcs- sivcr sein. Deshalb drängt sich wohl die Frage auf, was nützt es, mit Courtoisie vorzugehen, wenn diese Courtoisie nicht erwidert wird. Anläßlich der verdächtigen Art des Zeppelin z w i s che n fa l l e s hat Frankreich von keinem Rechte Gebrauch gemacht, welches ihm der internationale Brauch gestattete, Verhaftung der Offiziere und Zerlegung des Luftschiffes. Es hat die Angelegenheit galant erledigt. Ebenso hat Frankreich durch die Lösung des Naneyer Zwischenfalles seine Gastlichkeit bekräftigt. Europa weiß dies und ist der Ansicht, daß die Nörgeleien und Chikanen nicht auf unserer Seite sind.
Das „Journal des Debats" schreibt:
Einzelne Berliner Blätter fordern die deutsche Regierung a'ckf, kn Paris den Ausdruck des Bedauerns zu verlangen. Das Berliner Kabinett wird dieser Forderung nicht entsprechen, denn es weiß, daß man amtlich Vas Bedauern nur ausdrückt, wenn Beamte in der Ausübung ihres Amtes im Spiele sind. Die Deutschen, die am Sonntag in Naney waren, batten keinerlei amtlichen Charakter und ihre Beschäftigung trug keinerlei Regierungscharakter an sich. Es kann deshalb zwischen beiden Regierungen von einem Ausdruck des Bedauerns keine Rede sein. In Frankreich hält in a n die getroffenen Maßnahmen für zu streng. Unserer Ansicht nach waren diese Strafen nachweislich notwendig, denn was in einer Stadt ’m Innern Frankreichs eine bloße Nachlässigkeit war, wird in Nancy zu einem schweren Fehler.
Verbot einer chauvinistischen Aufführung.
Paris, 19. April. Aus St. Dio wird gemeldet: (Sitte Thentertruppe wollte igeftcTit ein chauvinistisches Stuck „La Revanche" aufführen. Die Theaterzettel, die in der Stadt angeschlagen waren, waren mit einem Bilde versehen, das einen Streit zwischen einem französischen Soldaten und einem deutschen -Offizier darstellte. Jim Hinblick auf den Naneyer Vorfall verbot der Bürgermeister die ^Aufführung des Stückes.
*
~ Der Hauptmann Lemerle aus der Haft eutlaffen.
Speyer, 20. April. Der hier verkraftete französische Hauptmann Lemerle ist aus der Haft entlassen worden. Die Entlassung geschah auf die von ihm an den Reichsantvalt gerichtete Beschwerde, nicht weil seine Unschuld nach^ewiesen ist, sondern weil keine begründeten Verdachtsmomente vorliegen.
Preußisches Abgeordnetenhaus.
Berlin, 19. Avril.
Die heutige Sitzung galt zwar ausschließlich den Eisenbahn- VerlehrsverhälMissen der Stcidt Berlin, sie entbehrte aber doch in mancher Beziehung auch nicht des allgemeinen Interesses. Die Regierung hatte in dem Eisenbahnanleihegesetz von 1912 50 Milli0 nen zur Einrichtung elektrischer Zugsörderung aus den Berliner Stadt-, Ring- und Vorortbahnen geiorbert. Der Sonderausschuß hat beschlossen, die Regierung zu ermächtigen, zur Vorbereitung eines elektrischen Betriebes auf den Berliner Stadt- Ring- und Vorortbahnen unter vorläufiger Beschränkung auf die von den Stadt- und Ringbahnzügen befahrenen Strecken 25 Millionen zu verwenden.
Minister v. Breitenbach trat warm für die Vorlage ein. Er führte ans, die Verantwortung für den Betrieb auf der Berliner Stadt- und Ringbahn könne nur getragen werden, wenn alsbald der Betrieb geändert wird, und zwar könne nur durch die Elek- trisiernng Abhilfe geschaffen werden. Er wies dabei mit besonderem Nachdruck darauf hin, daß der Vorlage jede Grundsätzlichkeit fehle, daß sie keinesfalls der erste Schritt zu einer allgemeinen Elektrisierung der Staatseisenbahn sei.
So einleuchtend die Darstellung des Ministers, nicht zum wenigsten der Hinweis auf die zu erwartende Steigerung der Leistungsfähigkeit der Berliner Bahnen, auch war, der Abg. v. Pavpenheim (Kons.) wollte von der Vorlage und sveziekl der Elektrisierung nichts wissen. Er behauptete sogar, baß bic Ne- aiernna von einem großen Konzern einseitig beinslußt worben ist. Er befürchtet ferner Nachteile für bic Mobilisierung unseres Heeres, Störungen für ben Telegraphenbctrieb nnd andere mehr.
Daß die Heeresverwaltung keinerlei Bedenken hat gegen die Umwandlung des Dampfbetriebs in den elektrischen Betrieb, erklärte, klipv und klar der Oberstleutnant Groener vom Großen Generalstabc. Unterstaatssekretär Michaelis bekundete bas Einverständnis beS Finanzministers zu der Vorlage, unb bann erklärte der Abg. Schmiebing- Dortmunb (Natl.), daß seine Partei mit wenigen Ausnahmen für die Vorlage bezv. die Ansschuß- beschlüsse eintrete.
Dagegen konnte sich das Zentrum, wie der Abg. Dr. Wuer- mcling bekannt gab, für die Vorlage auch nicht sonderlich erwärmen, es will aber, großmütig, wie es nun einmal ist, der Regierung zunächst 9 620 000 M, zur Verfügung stellen. Für die Vorlage traten namenS ihrer Parteien ein die Abgg. Dr. Woyna lFreik.), Kreitling (Volksp.) und Hoffmann (Soz.). Dann vertagte sich bas Haus.
Die Nieder-Modauer Genossenschastskrise.
bs. Darmstadt, 19. April.
Als erster Zeuge wird heute der Lehrer Schuchmann vernommen, der seit 20 Jahren Mitglied des Vereins ist und die Stelle eines Vorsitzenden des Aussichtsrates seit 1906 bekleidet. Ms er sein Amt übernahm, galt Adam überall als ein ehrcnnxrtcr Mann. Der Zeuge wird dann über die Bürgschaflsurtunde über 300 000 Mk. befragt, bic sich bekanntlich später als ein Wechsel herausstellte. Er hat damals das Blankoformular unterzeichnet, weil ihm gesagt wurde, es handele sich nur um eine .formale Bürg
schaftsurkunde. Die Gestalt eines Wechsels habe die Urkunde erst später erhalten. Er habe sich bann geschämt, daß man ihn so überlisten konnte. Der Zeuge muß zugeben, daß er die Satzungen des Vereins lange Jahre nicht gekannt habe und auch über bic Pflichten eines Aufsichtsrates nicht informiert gewefen sei. Wie wenig der Zeuge als Vorsitzender des Aussichtsrates zu sagen hatte, geht daraus hervor, baß er weder verhindern konnte, daß trotz eines, Verlustes eine Dividende verteilt wurde, noch daß er ein Verjähren gegen Abam anheischig macken konnte, als sich herausgestellt hatte, daß 1908 Unterschlagungen vorgekommen waren. Die Zeitungsnotiz, die damals in einem Mainzer Blatte erschien, wurde einfach durch eine Gegennotiz beantwortet, im übrigen hieße es aber immer, man müsse jeden Skandal vermeiden. Auch Kommerzienrat Ihrig habe dem Zeugen gesagt, trenn er den Adam auzeige, sei dec Skandal da. Auf Ihrigs Veranlassung sei Adam nach seinem Abgänge als Rechner auch.Kontrolleur geworden. Lieber die Auszahlungen, die Bcck an Adam um diese Zeit machte, sagt der Zeuge, daß er den Eindruck gewonnen hatte, daß hier „abgekartete Sache" gemacht werde. 1 Auch dieser Zeuge bekundet, daß Beck stets sehr grob gewesen sei. Auf Vorhalttiugen habe er immer ein „böses Maul" gehabt. Davon, baß dem Adam geholfen werden müsse, wie Beck immer behauptet, ist dem Zeugen nichts bekannt.
Es wird dann zu der Aufstellung der Bilanzen übergegangen. Von Fälschungen war dem Zeugen w chts bekannt. Nun wird'das Prototoll der Hauptversammlung 1908 verlesen. Darin steht, baß "die voraussichtlich uneinbringlichen Posten von etwa 79 000 Mark als „sonstige Außenstände" einziitragen seien. Bors.: ' Was haben Sie sich denn dabei gedacht? Zeuge: Das habe ich alles dem Beck überlassen. Ich war ßaic. In diesem Protokoll ist weiter gesagt, daß ein Zinsrückstand von 300 000 Mk. vorhanden sei. Vor s.: Wie kam es denn, daß ein so unglaublich hoher Zinsrückstand cintreten konnte, der noch dazu unvcrzinst blieb? Zeuge: Davon weiß ich nichts. Vor s.: Ist Ihnen denn das alles gar nicht zum Bewußtsein gekommen? Zeuge: , Die Zahlen wurden damals so rasch verlesen, daß man gar nicht darüber Nachdenken konnte. Vors.: Ist denn auch den Leuten ’ von diesen hohen Ausfällen keine Mitteilung gemacht nrorben? Zeuge: Wir haben die dubiosen Forderungen nicht alle sür verloren gehalten. Bors.: Und wenn nur die Hülste oder ein Drittel davon verloren war, so,blieb doch immer noch ein großer Verlust. Zeuge: Der Vorstand hat immer selbständig ge- lmndelt. Wir waren nicht Herr in unserem Hause. Bezüglich der Verteilung von Dividenden war der Zeuge entschieden dagegen, daß eine Dividende verteilt wurde. Er wurde ober ük«r- stimmt. Er erreichte lvenigstens so viel, daß statt 10 Proz. nur 5 Proz. verteilt wurden. Die Vernehmung wendet sich nun dem großen Wechselverkehr zu. In dem Protokoll vom Januar 1908 heißt es, daß der Aufsichtsrat „mit Entrüstung" von dem hohen Wechselkonto Adams (90 000 Mk.) Kenntnis genommen habe. Vors.: Warum hat man denn das nicht beanstandet. „Mit Enttüstung" allein ist cs doch nicht gctän? Zeuge: Ich habe inich auf die Autorität Becks verlassen. Vors.: Hier bat ' sich immer einer auf den anderen verlassen. Wie kann ich mich denn bei solchen Zuständen noch auf eine „Autorität" verlassen? Zeuge: Kommerzienrat Ihrig hat auch immer gesagt, man sollte kein Aufsehen nach außen hin machen. Angkl. Ihrig: Herr Schuchmann ist mir als ein Mann geschildert worden, der immer schwatzt. Er kam immer zu mir, um zu klagen. Darauf habe ich ihm gesagt, die internen Angelegenheiten des Vereins gingen mich nichts an, er solle keinen Skandal machen. Staatsanwalt: Ich frage den Zeugen, hat der Herr Kommerzienrat es jemals abgelehnt, Rat zu erteilen ? Zeuge: Ich habe den Herrn Kommerzienrat als einen Freund und Berater angesehen.
Da es über die Art der Fragestellung zwischen dem Staatsanwalt nnd der Verteidigung zu einem kleinen Intermezzo kommt, ermahnt der Vorsitzende nochmals, wie icfyn früher, eindringlich die Parteien, ihm doch fein ohnehin schon schweres Amt nicht noch zu erschweren. Bei einem so großen Prozeß 'sei eine gewisse suggestive Fragestellung entschuldbar.
Heber die Wechselgeschäfte geht ans der VerboLdlung weiter hervor: der Aufficktsrat wandte sich energisch gegen die Einlösung der Wechsel. Kommerzienrat Ichig und der Rcchts- bcistand der Landwirtsch. Genossenschaftsbank, Iustizrat Kleinschmidt machten darauf aufmerksam, daß die Wechsel von zwei Vorstandsmitgliedern unterzeichnet wären, und daß inwlgcdesse.i die Einlösung durch den Verein zu erfolgen habe. Der Meinung des Zeugen nach hätte Ilwig es in der Hand gehabt, diese Wechselgeschäfte zu verhindern. Interessant ist auch, daß das Wechselkonto mehrfach seine Bezeichnung geändert habe. So hieß es einmal Adam und Ballmann, dann wieder nur Adam, ein andermal Adam und Roßmann usw. usw. Diese Aenderungen wurden einfach durch Streichungen vollzogen.
Zeuge Schuchmann wird dann über die 275 000 M?.- Hrkundc vernommen. Auch er mar der Ansicht, daß Zahlungen nicht zu leisten seien. MlerdingZ glaubt der Zeuge, daß viel' leicht später einmal, wenn sich der Betrag nicht „abrenten" sollte, zur Zahlung geschritten werden könnte. Der Hauptversammlung sei der Fehlbetrag nicht genannt worden. Von der Zedierung dieser Hrkimdc an die Genossenschaftsbank hat der Zeuge erst später Kenntnis erhalten. Der Zeuge hat auch die zweite II eher nähme im Betrage von 52 000 Mk. unterzeichnet. Damals habe 3Orig geäußert, die Vorstands- und Aufsickstsrats- mitglieder könnten das ohne Bedenken tun, da er noch in einem besonderen „Schächtelchen" 60 000 Mk. zur Verfügung habe. Beisitzer Konradi: Wenn dieser Betrag zur Verfügung stand, wozu brmichten Sic bann noch die Urkunde? Zeuge: Das ist eben eine unerklärliche Geschichte. Auf die Frage des Staatsanwaltes, ob ein Widerstand gegen die Maßnahmen Ihrigs überhaupt einen Zweck gehabt hätte, erwidert'der Zeuge: nein. Heber die Anwerbung neuer Mitglieder weiß der Zeuge keim beftimmten Angaben zu machen. Durch die Gründung der Ver» w-altungs- und Verwcrtungsgesellsckaft hoffte man von der LandR wirtschaftlichen Genossenschafts-Bank loszukommen und damit auch den hohen Zinsen. Auf die Frage des Verteidigers Neuschäffcr. ob sich der Zeuge auch an den Trinkgelagen beteiligt hätte, antwortet dieser, daß auch er dabei war. Er sei ein guter Klavierspieler, und habe so zur Hntcrhaltung beigetragen. Wer die Zech' bezahlt habe, wisse er nicht. Er jedenfalls nickst.
Der nächste Zeuge ist der Zirnmermeister "Mbarn Lorenz, her seinerzeit von Isaak und Roth Baugelänbe gekauft Ixittc. Er bat Mehrere Bauten ausgeführt, ohne einen Pfennig Geld zu besitzen. Er habe mit Pallmann einen Vertrag geschlossen, nadü dem 'er Nur feinen Namen geben sollte. Mit den Hänsern selbst sollte er aber nichts zu tun haben. Für bic StrohMaun-Tättgkcit bat der Zeuge 1000 Mark erhalten.. Der Zeuge hat «viele Klanko- formulare bet Pallmann .gesehen. Pallmann sei ein „robuster Bursch" gewesen, vor dem sich Adam gefürchtet habe. Er habe 'mehrfach geäußert: „Wenn ich bloß von dem schwarzen Kerl loskäme!" Der Zeuge ist seinerzeit von einem Konsortium, dem auch Pallmann, Isaak nnd Adam angehörten, saniert worden. Der Verteidiger Schöbler stellt sest, daß Isaak sich nur daran beteiligt habe, weil es hieß, wenn Lorenz fiele, dann gäbe H einen gesunden Antisemitismus! So sei Isaak gewissermaßen beigeschleift worden. Der Leuge bekundet auch, nur mit Pallmann zn tun gehabt zu haben. <
_ Auch der folgende Zeuge, Schrciuernicister Pfaff, war ein StrohMänu, der dem Baukonsortinm biente. Er bezog seine Gelder in der Hauptsache von Pallmann unb Isaak. Woher das Geld gekommen sei, wisse er nicht. Bei den Tvinkgelagen fei fcr auch zugegen gewesen.
Um 1/22 Uhr wird die Verhandlung bis auf Montag vormittag 81/2 Uhr ausgesetzt.
♦
Eine Anfrage in der Zweiten Kammer.
Der Abgeordnete Wolf-Stadecken hat in der Zweiten Kammer folgeu.be dringliche Anfrage eingebracht:
Ich frage hiermit nn: Hat die Großh. Regierung Kenntnis von der lehr mangelhaften Tätigkeit des Kommerzienrats Ihrig bei der hessischen landwirtschaftlichen Genoffenschaftsbank- Ist Großh. Regierung bereit, evtl, sofort nach Kenntnisnahme Seiner
2
tat Inhaber d E tai MbMrt dab^r' g^tag dnntea"
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W) in Dc- vac .)Q Person
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Drei* nur ö,W va- iaucmnild), bic M l Flasche lofteien, wmd mnsett, dermEmla
Tiefen Preisen ei qcmcht wurden. CS Beträge.
ein anderer, nn M ben Men Teü,em kassenguthabms her ii Tiegen öctzliert feine jein Kundenkreis ktiiic die solche Verluste le
Angchltts der er brachten, mi ,T,dam nur häufig die Einhal dem aud) geduldet, da der Feicrabnidstundc
Tas Jchnxrgcwic vr- mit srillschweigm W selbst vorqing, iii, um unerlaubte B Um zu Barmitteln. Nt Telephongestr yß Autofahrten mit
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Wein, bei
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