Ter Festtag btach an. Noch blauer als am Vortag strahlte her öimmcl. Die Berge des gewaltigen Felsenrundes der Göß hoben sich mü wunderbarer Marheit vom Simmel ab. 'Das blendende Weift des in diesem ^ahrc besonders reichlich liegenden Schnees verbreitete ein saft allzu starkes Licht. DaS Schwarzgrau des Urgesteins verlor sich nach der Tiefe hin in dem Weiftgrau des Gerölls, das hinwiederum stufenweise von dem blumen gesprenkelten Grün der Almen bedeckt wurde. Wer in der Hütte übernachtet hatte und nun der feierlichen Handlung harrte, dem wurde die Zeit nicht lange. Die Pracht und Herrlichkeit, die sich an einem solchen Tag auf unserem Hüttenplatz zeigt, läßt sich nicht so rasch ausgenießcn.
Von allen Seiten strömten nun Scharen von F e st g a st c n herbei. Die meisten kamen von der unteren Kohlmayralm herauf, viele von der Grazer Nachbarhütte die Scharte herunter auf dem neugdbauten Weg der Sektion Gmünd. Aber auch auf den Bergen rührte es sich. Die Gletscher der Hockwlm schienen lebendig gc> worden zu fein. Immer neue Wandertrupps sah man von der Hütte aus auf dem Trippkees rechts und links von den Steinernen Maudlu auftaudjen, schwarze Punkte, die man mit dem bloßen Auge kaum sah. Eine besondere und allgemeine Aufmerksamkeit fand eine Gesellschaft von sieben Personen, die die steile Schneerinne abftiegen, die unmittelbar von der Spitze auf den Gletscher herunterführt, ein nicht ungefährlicher Abstieg. Sie gingen offenbar mit der allergrößten Vorsidst, denn sie schienen fast Nicht vom Fleck zu kommen. Unten machte man sich Sorgen über ihren Abstieg, sie kamen aber unversehrt an, wie denn der ganze Tag auch in dieser Hinsicht glücklich verlies. Außer einigen Hautabschürfungen beim Abfahren über den Schnee gab es keine Verletzungen.
Die Stunde der f e i e r 1 i che n Eröffnung war gekommen. Die Festteilnehmer versammelten sich vor dem Eingang der Hütte, auf dessen Vorbau stehend der Vorsitzende der feiernden Sektion, Herr Prof. Hedderich, das Wort zu folgenden Ausführungen nahm:
Sehr geehrte Feftaenossen! Im Namen der Sektion Gießen des Deutschen und Oesterreichischen Alpenvereins entbiete ich ' Ihnen herzlichen Gruß und kräftiges Bergheil. Sie alle, die Sie die Güte hatten, unserer Einladung zu folgen und sich heraufbemühten, um unseren Ehrentag mitzufeiern, seien Sie auf das herzlichste willkommen geheißen!
Es war in der Psiugstwoche des Jahres 1911, an einem wunderbaren Frühlingstage, als auf dieser Stelle drei Män- n e r standen, die damit beschäftigt waren, das großartige Panorama auf photographische Platten zu säubern, um es im Bilde zu Hause vorführen zu können. Es waren der Vorsitzende, der Schriftführer und der Kassenwart der Sektion Gießen, die auf die Suche gcfdndt worden waren nach einem geeigneten l.H üt t en platze. Heiter strahlte die Sonne auf uns herab, jungfräulicher Sdjncc bedeckte die Berge ringsum, wild losend stürzten die Bäche 51t Tal: über uns' zog ein mächtiger Geier seine Kreise, im Innern vielleicht erbittert über die, die es wagen konnten, in fein ödes Heiligtum einzudringen, und auf dem Winterleiten stand ein Gamsbock und schüttelte bedenklich den Bart ob des frechen Treibens der Menschen. So gerne wir nun auf die berechtigten Gefühle dieser Tiere Rücksicht genommen hätten, so haben wir uns bennofd) durch die bezaubernde Schönheit der gewaltigen Landschaft hinreißen lassen zu dem Ausruf: „Hier lasset imS Hütten bauen, hier ist gut sein!" Und damit war der Gießener Hüttenplatz gefunden.
Zwei Jähre sind seitdem dahingegangen, zwei Jahre voller Mühe und Arbeit. Heute nun sehen wir das Werk vollendet vor uns stehen, größer und großartiger, als wir es uns damals hätten träumen lassen. Stolz darf beim Anblick dieses Hauses heute jeden Gießener erfüllen, und Stolz empfindet audj meine Brust: aber bei mir, dar ich kennen gelernt habe, welche Unsumme von Arbeit und Opfertvilligkeit dazu gehört, ein alpines Untertünftshaus wu bauen, bei mir wird dieses Gefühl zurückgedrängt durch ein stärkeres und edleres Gefühl, das Gefühl der Dankbarkeit allen denen gegenüber, die zur Erstehung dieses Werkes mit beigetragen haben. Und 'so erblicke ich heute meine schönste Aufgabe darin, allen denen zu danken, die sich in irgend welcher Weise Verdienste darum erworben haben.
Dank vor allem den Herren im Hauptausschuß ' d e s G e s a m t v e r e i n s! Dank für die reiche Unterstützung sowohl wie für das Wohltvollen, das sic unserem Unternehmen entgegenbrachten! Wir wagen den Schluß daraus zu ziehen, daß wir ganz im Sinne des Alpenvereins ein alpines Heim an echt alpiner Stelle erstehen ließen. Dank aud) den Behörden, die in liebenswürdiger Weise unsere Bittgesuche befürwortet haben: so der k a i s e r l.-k önigl. Be zirkshauptmannschaftin Spittal, so dem g rä fl. L 0 d r 0 ns ch en Waldamt in Gmünd, so der Gemeindevertretung von Malta. Dann will ich hier noch einmal öffentlich danken dem Besitzer des Gößkars, Herrn Kohl m a h r in Gmünd. Selbst angehaucht vom Geiste des Alpinismus, hat er uns alle jene Gerechtsame hier eingeräumt, die &ur Existenz eines alpinen Unterkunftshauses notwendig sind. — Heil und Dank den lieben Schwestersektionen, die uns heute durch Vertreter hier beehren; besonderen Dank aber den Nachbarsektionen, dic uns so liebevoll in ihrem Arbeitsgebiet ausgenommen haben. Mit offnen Armen empfing uns der König des Ankogelgebietes; möge er stets so gnädig zu uns herüberschauen von seiner stolzen Arnoldhöhe. Mcht weniger freudig empfing uns der Vorfitzendeder Sektion Graz, Herr Dr. Ott. Hat er sich doch bei der Generalversammlung in Koblenz dermaßen für unsere Sache begeistert, daß ihm ein Mahnruf wegen fttuhestörung drohte. In ruhiger, aber ebenso liebenswürdiger Weise empfing uns Herr Direktor Aich inger, der Vorsitzende der Sektion Villach, die wohl die .ältesten Ansprüche auf die Erschließung der Hochalm- gruppe hat. Dank auch den 9?ad)bam auf der Nordseite der Hochalm, den Osnabrückern, und einen ganz besonderen Willkommengruß der Sektion Rudolstadt, die beschlossen hat, die Gießener Hütte in großmütiger Weise durch Wegbauten zu unterstützen. — Und wo bleibt Frid 0 K 0 rdvn? wird sick) mancher im geheimen fragen. Oh, ich habe ihn nicht vergessen und werde ihn nie vergessen. Es wird wohl kaum eine Dankrede hier zu Lande gehalten werden können, ohne daß sein Name rühmlichst dabei genannt werden müßte. Wär er es doch, der burd), sein warures Herz für feine heimatlichen Berge und durck) seine glühende poettsckne Sprache uns in das schöne Märntnerlanb gelockt hat: war er es doch, der uns bei unsrem ersten Hiersein die Zusage gab, uns mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Und wahrlich, er bat sein Wort gehalten, wie es eine so kerndeutsche Natur nur halten kann. Heil ihm und Dank seiner Sektion Gmünd, die einen für uns so wichtigen Weg zu unserem Hause gebaut hat. —
Aber auch in d i e Heimat zurück führt mich mein Tankgefühl bcimJMnblid der Gießener Hütte. Denn, verehrte Anwesenden, wenn Sie bedenken wollen, daß dieses stolze Haus im Werte von über 30 000 Kronen vollendet steht ohne einen Schuldschein und ohne einen Gutschein darauf, und »venu Sic bedenken, daß die Mittel aufgebracht tvurden von einer Sektion von nur 130 Mitgliedern, so werden Sie tvohl verstehen, daß in Gießen so mancher weilt, dem Dank gebührt für feine Opserwilligkeit. Ich kann sie nicht alle mit Namen aufführen, die edlen Spender; sie haben alle gleich gern gegeben, und so fasse ich sie auch alle zul- sammen in meinen Tankesworten, von dem, der die Zeichenliste mit 2000 Mark eröffnete, bis herab zu den Spendern einzelner Ausschmückungsgegenstände. Auch die Herren Stadtver. ordneten, die wohl einsahen, daß hier im Kärntnerland etwas vorgeht, was der Stadt Gießen zur Ehre gereichen muß, haben es sich nicht nehmen lassen, einen ansehnlichen Beitrag zur Gießener Hütte zu bewilligen, und ich bitte den anwesenden Bettreter der Stadt Gießen zu Hause berichten zu wollen, daß ich an feierlicher Stelle nod) einmal der Spende dankend gedachte.
Haben die bis jetzt Enm'chnteil das Unternehmen ideell und pekuniär nntersttitzt, so gebührt dock) astch ganz besonderer Dunk denen, die wirklich Hand angelegt und durch ihrer Hände Fleiß zur Vollendung des Werkes beigetragen haben. Da habe ich «uiiächst zu erwähnen unser hier anwesendes Mitglied, Herrn A r di i t e I ten M eher, der um so liebenswürdiger gegen mich wurde je mehr Pläne ich von ihm verlangte; tat er es doch als Mitglied ans retnent Interesse für die gute Sache. Da habe idi gant besonders zu danken dem Bauunternehmer Joses Pacher für seine mühevolle Arbeit, ©inen harten Kamps hatte er zu
kämpfen gegen die Unbilden der Witterung während der zwei Jahre, und gar manchesmal stieg er zu Tal mit sorgenschwerer Miene. Heute, wo er da§ Haus vollendet vor sich, sieht, wird er hoffentlich seinen schönsten Lohn darin finden, daß er sich sagen darf, daß er seine Pflicht getan und einen Bau hingestellt hat, der dazu beitragen wird, feinen guten Ruf als Bauleiter weiter über das Land zu verbreiten. — Zuletzt, aber deshalb iricht weniger Herzlid) sei allen Arbeitern gedankt, die unter so schwierigen Verhältnissen treu ausgehalten haben bei ihrer Pflicht.
So haben sid) Hunderte liebevoll bemüht um die Gießener Hütte, und nun ist es Ehrensache für sie, sid; all dieser Liebe würdig zu erweisen. Ich darf milch wohl als ihr Dolmetscher aufwerfen; denn sie hat mir während der wenigen Tage meines Verweilens in ihr durck) manche Anzeichen zu verstehen gegeben, was fie fein möchte. Und so kann ich in ihrem Namen verkünden: Die Gießener Hütte will sein ein starker Eckpfeiler urdeutschen Wesens; die Gießener Hütte will fein ein trautes Heim für alle, die herauf- kommeu, um Erholung zu suchen und die Großartigkeit der Natur zu genießen; sie hüll Obdach bieten denen, die mit Seil und Steigeisen von den Bergen herabsteigen, um ihre müden Glieder auSzuruheu und zu neuen Taten zu stärken; die Gießener Hütte null sein der Stolz der Sektion, die sie erbaut hat, und sie will leben allezeit zu Ehren des Deutschen und Oesterreichi -1 chen Alpenvereins. Als würdiges Glied ivill sie sich ein- reiben in die starke Kette, mit der der mächtige Verein die Ostalpen umspannt; seine zielbewusste Kulturarbeit will sie fördern bdfen, denn nur ihm und seinen Bestrebungen verdankt sie ihr Dasein. Möge dieser mächtige Verein wie seither so immerbar blühen und gedeihen, und in diesem Sinne, hochverehrte Anwesenden, bitte ich Sie, mit mir einzustimmen in den 9hif: Der Deutsche und Oesterreichische Alpenverein hock), hoch, hoch!
Begeistert stimmte die Menge, die diese meisterhaften Aus- übrungen an vielen Stellen durck) laute Heilrufe unterbrochen hatte, in das Hoch ein. Darauf sprack) Herr Direktor Nafe aus Wien, der Vertreter des Hauptausfchusses, der Sektion Gießen feine Anerkennung und Glück!wünsck)e zur Vollendung der Hütte aus, die er „ein Juwel, ein Schmuckkästckxm, ein Meisterstück der .Hüttenbaukunst" nannte; der Gesamtverein könne stolz darauf ein, sie in den Kranz Iber übrigen Hütten einzureihen. Seine Rede klang in ein .Hoch auf die Sektion Gießen aus. Nun be- tieg Herr Frido Kordon, der .Vorsitzende der Sektton Gmünd, den Vorbau, brachte .ben Dank und die Glückwünsche seiner Sektton dar Und übergab gleichzeitig den neuen Gmünder Weg von der Gießener Hütte bis zur Dössener S ch a r t c dem allgemeinen Verkehr. Sein Heil galt der Freundschaft der Nachbarfekttonen, worauf wiederum namens des Hauptausschusscs Herr Direktor Nafe den Gmündern für den Wegbau dankte, und die Sektion und ilften verdienten Vorfitzenden hochleben ließ.
Dann sprachen die beiden Vertreter der Sektton Graz, Herr Pvof. Sieger und &err Oberbuchhalter Wagner, und überreichten als Geschenk ihrer Sektton ein Nebelhorn, wie es in alten Zeiten die Wirte der Tauernhäuser besaßen und bei ungünstiger Witterung von Zeit zu Zeit blasen mußten. Auch Herr Kordon überrcidüe eine Reihe von Bildern zur Ausschmückung der Hütte als Geschenk der Gmünder Sektton.
Sodann teilte das älteste Mitglied unserer Sektton, Herr Renttrer Kühn, 'einen Beschluß der Sektion mit, nach dem dem 1. Vorsitzenden, Herrn Prof. Hedderich, für seine Verdienste um den Hütten bau dadurch eine Ehrung zuteil werden soll, daß ein Platz in der .Umgegend der Hütte nad) seinem Namen benannt und mit einer Ehrentafel versehen werde. Er überreichte Herrn Pros. Hedderich eine Ehrenurkunde, durch die iljut dieser Beschluß zur Kenntnis gegeben wird.
Die Feier endigte mit der Ueberreichung des Schlüssels toion Jetten des Bauunternktzmers Pacher an den Vorsitzenden der Gießener Sektion, der ihn wiederum dem Hüttenwart Andreas Klampfer er aus Malta übergab mit der Mahnung, das Haus allezeit in treuer Verwahrung zu halten.
- Die Sektion 'Gießen hatte schon vor der feierlichen Einweihung alle Feftteil nehmer mit Speisen und Getränken bewirtet; nun spendete sie Kaffee und Kuchen, dem eifrig zugesprochen wurde. Man aß und tränt in den Gastzimmern und im Freien; denn !die Hütte konnte nicht alle Teilnehmer fassen. Daß die Versorgung einer so großen Menge mit Speise und Trank so glatt vonstatten ging, dafür gebührt insbesondere ben Gmünder Damen dank, die sofort nach ihrer Ankunft mit Zugriffen.
Gegen zwei Uhr begann der Abstieg nach dem Pflüglhof, der manchen Tropfen Schweiß kostete. Von dort fuhr man in Kutschen und 'S teil wagen nach Gmünd hinunter, wo die Feft- tei(nehmet in ihre Quartiere begleitet wurden.
Abends 9 Uhr begann die Festf e ier i m Gasthaus H10 finger, die gleichfalls außerordentlich zahlreich besucht war und durch einen reichen Flor von 'Tarnen verschönt wurde, unter denen sich auch solche reichsdeutscher Sektton en, aus Gießen, Darmstadt und Magdeburg, besandeu. 'Der Gmünder Männergesangverein, die Gmünder Streichmusik, sowie eine eingeborene Solosängerin erfreuten die Anwesenden durch ihre Darbietungen, die ben Abend einlcitaten Und die Reden unterbrachen.
Die Reihe der Reden eröffnete auch hier Herr^Prof. Hed- d eri d), der die Vertreter des Haupt au sschusses, der Stadt Gießen, Gmünd Und Malta, sowie per Einzelseittonen begrüßte. Fast vollständig hatten fid) die Vertreter der Nachbarsettionen cin- gefunben. Die beiden Vertreter von Graz waren wieder erschienen, aus Villach war Herr Aidstnger gekommen, der hier auch den Hauptcmsschuß vertrat, aus Hannover Herr Arnold mit mehrer n Sekttonsgenossen, aus Spittal Herr Kunstm-ühlenbesitzer Brückmann, ans Mallnitz Herr Oberlehrer Lackner, von der Sektion Mölltal Herr Straßenmeister Köppl, aus Winklern Herr Dr. Mschbachcr, aus Klagenfurt Herr Oberlehrer Ober- lerdmcr, aus Wolfsberg Herr Inspektor Meyer, vom Gau Karawanken Herr Musealkustos Proßen, von der Wiener Sektion Austtia Herr' Franz Kellner', v-on der akadem. Sektton Wien Herr Dr. Defner und Herr Karl Witzeisberger, aus Baden bei Wien Herr Schriftsteller Pavikowsky, ans Darmstadt Herr S a n i t ä t s r a t Dr. B r ü d n c r, ans Magdeburg Frl. Kläre Schede, von der Sektton Warnsdorf Herr Franz Paul, von der Sektton Küstenland Herr Dr. Verdansky, ans Hagen Herr Prof. Wcstertrölkc. Uebcraus zahlreich waren auch die fckmftlichen Grüfte der Schwestersektionen aus dem Reid) und Oesterrrich, sowie die von Einzelpersonen, die der Sektion Gießen oder Gmünd angchörten, dem Feste aber nicht beiwohnen Founten. Von den gleichfalls cingelabcncn Gieße nerTouri ft envereinen war ber !V 10 gesenkt ub durch seinen 1. Vorsitzenden, Herrn Zahnarzt Jäger, vertreten, nnb der Zweig verein Gießen des RS id g c l 5 b e r g e r Höhenklubs hatte einen warmen Drahtgruß geschickt. Auch Herrn Maier-Höffern, den Sekretär des Kärntner Landesverbandes für Fremdenverkehr, durfte Herr Professor Hedderich begrüßen. Seine Begrüßungsrede schloß mit einem Hock) auf die beiden verbündeten Monarchen von Derrtsch- land und Oesterreich.
Herr Stadtverordneter Eichenauer-Gießen begann die Reihe der Erwiderungen. Er begrüßte namens der Stadt Gie^n die Gießener Sektion und sprack) ihr den herzlichsten Glückwunsch aus zur Eröffnung der neuen Hütte. Dieser Glückwunsch ergebt um so freudiger, führte der Redner etwa aus, als wir hier in Kärnten ausgenommen werden von einer treudeutschen Bevölkerung, und um so herzlicher, »veil uns hier die Herzen aller derer entgegenschlagen, die mir uns Freude empfinden an der stolzen Alpenwelt. Inmitten der Wunder dieser großartigen Natur fühlen wir Gießener uns l>eimisch, in diesen Borgen »düngen un sine Herzen höher, wo uns in ben Farben Kärntens entgcgenflatteni die rottveißen Farben unseres eigenen engeren Vaterlandes. Der herzliche Empfang der Einwohnerfchaft von Gmünd und des ganzen schönen Tales bewegt uns tief) und mir, als dem beauftragten Vertreter ber Stadt Gießen, ber allen hessischen Universitätsstadt, liegt die ehrenvolle -Ausgabe ob, Ihnen allen zu danken namens unfercr Stadt Vertretung und unserer Einwohnersdiaft für all das Schöne, nms Sie uns an dem heutigen Abend bereiten, unb für die tatkräftig? Unterstützung, die Sic unserer Sektton bei der Errichtung unb bei ber Einweihung ihrer neuen Hütte haben angedeihen Lassen. Möchten die Bande zwischen uns immer inniger werden und daraus ein reicher Segen erblühen für unsere beiderseitigen Städte und
für das deutsche Volkstum. Die Staatskunst unseres großen Kanzlers Bismarck hat c8 verstanden, nach den schweren Kämpfen, die zur Begründung des Deutschen Reiches führten, dem österreichischen Brudervolk wieder die treue deutsche Bruderhand zu reichen und uns zu verbinden zu einem innigen Freundschaftsbündnis. Diese treue deutsche Bruderhand feftzuhalten, sei unsere Iwhe Aufgabe, unb immer beseele uns unseres großen Dichters Wort: „Wir wollen sein ein einig Volk von Brüdern, in keiner Not uns trennen unb Gefahr". Mit einem dreifackxn Heil auf bie Stadt Gmünd und das Kärntnerland schloß die mit starkem Beifall ausgenommene Ansprache.
Direktor Aichinger sprach darauf namens des Hauptausfchusses des Deutschen und Oesterreichischen Alpenvereins, Herr Maier-Höffern namens des Kärntner Landesverbandes für Fremdenverkehr, Herr Geheimrat Prof. Dr. A r n 0 l d im Namen aller Vertreter ber Schwestersekttonen. Der letztere überbrachte dabci auch die Grüße des 1. Vorsitzenden des Gesamt- vereins, des preußischen S t a a ts m in i ft e r s Epz. v. S v d 0 w, mit dem er zwei Tage vorher in Mallnitz zusammen- getroffcti 'roar Und der sein Bedauern aussprechen ließ, daß er an den Einweihungsfeierlichkeiten nicht teilnehmen konnte, wie er gerne gewollt hatte, weil er zu gleicher Zeit den Verein in Trient vertreten mußte.
Darauf wurden noch manche launigen Ansprachen gehalten und humoristtsche Vorträge bargeboten, bis die späte Nacht die Teilnehmer trennte. Heute morgen hat es nun noch einen feuchtfröhlichen Frühschoppen i»n Gasthof Kohlmaper gegeben, wo von Prof. Hedderick) gespendete Rhein- und Moselweine nickst nur bie an sich leicht entflammbaren Kärntner Herzen, sondern auch bie härteren hessischen in die heiterste Stimmung versetzten. Ihr Berichterstatter hat sich diesen Genuß „verkneifen" müssen, um Ihren neugierigen Lesern möglichst rasch die hiesigen Ereignisse mitzuteilen, aber er hat beim Mittagessen mit einem gewissen Behagen, die durch die Weinlaune näher gebrachten deutschen Männer verschiedener Stämme und ihre Verbrüderung beobachtet unb fid) dabei im geheimen ben Wunsch ausgesprochen, daß dies Gefühl auch die Probe ernster Gefahr, falls sie kommen sollte, bestehen möchte. Nun haben fast alle fremden Feftteilnehmer die Mauern des alten Städtchens verlassen, sind hinuntergefahren an den lieblichen Millstättersee, um noch einmal eine gemein» fame kurze Rast zu mad)en; dann »vird .die Eifenbvhn sie nach versdstedenen Plätzen entführen. Sickwrlich nehmen sie von den Festlichkeiten gelegentlich der Einweihung unserer Hütte, von ber Hütte selbst und ihrer großartigen Umgebung, von der Pracht und Herrlichkeit der hiesigen Gebirgswelt, von dem biederen, kernigen Sinn der Kärntner Bevölkerung die besten Erinnerungen mit. Wir, von her Gießener Sektton, dürfen deswegen hoffen, daß mancher von ihnen wieder kommt und daß alle ihre Freunde und Bekannte anregen werden, einmal die Reise in das Gebiet der Gießener Hütte zu unternehmen.
hauptversammlunq des Zentralverbande; für handel und Gewerbe.
~ Leipzig, 27. Ang.
Bei der heutigen Schlußsitzung des Deutschen Zentralverbandes für Handel und Gewerbe sprach Ernst Wolters (Hannovers über die De t a il h a n d e l sb e r u f s g e n 0 s s e n s ch a f t. Er teilte mit, daß Ende des Monats eine Vorstandssitzung in Berlin stattfinden werde, auf der die Vorbereitung für die demnächst stattfindenden Detaillistenwahlen zur Detailhandelsberufs- genossensdMft getroffen werden sollen.
Hierauf sprach Janssen (Barmen) üher „Bildung einer Zentralstelle «oder eines Nahrungsmittelbeirates beim Kaiserlid»en Gesundheitsamt zur Vorbereittiug ber. Entwürfe unb Verordnungen von Festsetzungen über Lebensmittel". Er empfahl schließlich folgende Entschließung, die angenommen wurde:
„Die Hauptversammlung des Deutschen Zentralverbandes für Handel und Gewerbe erwartet vom Vorstand, daß, er zur Be- fd)lcunigung der bei ber Regierung geplanten Reform der Nal>- rungsmittelgesetze und deren Ucbcrtoadtung nochmals einwirkt. Die Versammlung bestätigt, daß die Eingaben des Verbandes aus dem Jahre 1909, sgdaun aber and) die Entschließung des Doutsck^en Handelstages vom 19. Februar 1913 die meisten Wünsche der Nahrungsmittelinteressenten enthalten. Die im Bortrage cm- gebeuteten Forderungen, besonders der Schutz des Nahrungsmittelverkäufers vor .Härten bei Ausführung der Bestimmungen, fallen in einer erneuten Eingabe den Behörden unterbreitet werden."
Ebenso fand folgender Antrag Annahme:
„Der Verbandstag wolle beschließen, den Verbandsvorstänb zu beauftragen, bei den zuständigen Stellen dalftn zu lvirken, daß sämtliche zum Verkauf in Deutschland bestimmten gepackten Waren mit Angaben von deutschen Maßen und Gewichten versehen sein müssen."
Zu dem Thema „Gegner und Schädlinge des' berechtigten Handels" und zwar zu dessen erstem Teil „Kathedersozialismus und der reguläre Detail handel "sprack) zunächst an Stelle des erkrankten Berichterstatters Nientimp (Bock)um) Dr. Ehrhardt. In dem verlesenen Vorttag wird zunächst des längeren auf den Evangelisch-Sozialen Kongreß in Hamburg eingegangen, der für die K0nfumvereinsbewegnng Propaganda gemacht habe. Es wird bedauert, daß die Professoren der Nationalökonomie, so häufig sozialistische Ideen verfechten und dadurch für die Sozialdemokratie Propaganda mack>en.
Zum zweiten Teil, „Die neuzeitliche Entwicklung der Warenhäuser", sprach Pfannkuchen (Barmenh der einen Antrag vorlegte, in dem empfolflen wird, daß a) zunächst durch Ergänzung des Gesetzes gegen ben unlauteren Wettbewerb gewisse Warenhaus- prakttkeu noch mehr verhindert werben, b') daß die Besteuerung der Warenhäuser in Einklang gebracht wird nrit der steuerlichen Belastung des regulären Kleinhandels, c) lieber die Ausdehnung ber Warenhäuser als Aktienunternehmen soll der Oeffentlichkeit und ben Behörden mehr Aufklärung zuteil werden."
Hierzu begründete Saufen (Barmen) folgenden weiteren Antrag: „Der Zentral verband wird beauftragt, der Einrichtung von Verkaufshäufern der Wohliahrtsvereine und gemeinnützigen Körperschaften große Aufmerffamkeit zu widmen und bei Gelegenheit durch Eingaben an die in Frage kommenden Behörden und Verbandsleitiingen einzufchreiten, gegebenenfalls innerhalb der Vereine des Zentralverbandes und anderen befreunbeten Tetaillisten- Verbänden Selbsthilfe anzuwenden."
An diese drei Vorträge knüpfte sich eine lebhafte Aussprache.
Die Anträge wurden angenommen.
Zum Punkte „Reform der Gewerbesteuer für den Detailhandel" legte Dr. Lohmann (Duisburg-Meiderich) folgenden Antrag vor:
Der Zentralverband wolle beschließen: Sowttt eine Aufhebung der Okrocrbeftcuer, insbesondere in den preußischen Gemeinden, nicht zu erreichen ist, verlangt der Verlmndstag eine Ausgestaltung ber Gewerbesteuer in der Richtung, daß der Detailhandel von ber Gewerbesteuer in benv Maße entbunden oder entlastet wird, als er den betr. Gemeinwesen keine Lasten aufbürdet oder deren Einrichtungen nicht in besonderem Maße in Anspruch nimmt. Er betont, daß, sotveit dies der Fall ist, nur in geringem Maße nachgewiesen werden kann, und er verlangt dementt'prechend Steuerfreiheit oder eine angemessene Steuerminderung. Ganz entschieden nimmt er Stellung gegen jede vom Staate erhobene Getverbe- l'teucr, da sie eine Doppelbesteuerung darstellt, die mit ben Steuer» Prinzipien unb der Steuergerechtigkeit pickst in Einklang zu bringen ist. Der Zentralverbanb wird beauftragt, eine Untersuchung über die tatsächlichen Verhältnisse anzustellen, um auf Grund dieses Materials posittve Vorschläge für eine Reform vorlegen zu können. Insbesondere wird er beauftragt, dem Vorschlag einer Gewerbe- umsatzftcuer für ben Detailhandel näherzutreten.
In der Aussprache erklärte Syndikus Dr. Rocke (Hannover), mit dem Antrag könne man grundsätzlich einverstanden sein, es könne aber gefährlich fein, den Verband Wort für Wort auf einen derartig wichtigen Antrag feftzulegen. Er beantrage dahe^ die .Versammlung wolle befchiießen, dem Antrag grundsätzlcch


