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22.10.1913 Erstes Blatt
 
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248 (Erlies Blatt 163. Jahrgang Mittwoch, 22. SMober 1913

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wirtschaftliche Zeitfragen ^F W M ^F H V H O ^F ^F Chefredakteur: AGoey.

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^.r die Redaktion 112, polit. Teil: Aug. Goetz;

MM . General-Anzeiger für Gberheffen DZW

bis vormittags 9 Uhrl Rotationsdruck und Verlag der Vrühl'schen Ulliv.-Vuch- und 5teindruckerei H. Lange. Redaktion, Erpedition und Druckerei: Zchulstrahe 7. Anzeigenteil:' H? Beck!

Die heutige Nummer umfaßt 12 Seilen.

Tagcskalender aus dem Jahre 1813.

22. Oktobcr. Dänemark erklärt Preußen und Rußland den Krieg. Der in Leipzig gefangen genommene König von Sachsen wird nach Berlin gebracht.

Die in Leipzig gefangenen Dessen marschieren nach Reu- Ruppin, wo sie am 2. November ankommcn.

Dänemark erklärt Preußen und Rußland den Krieg. An demselben Tage wird der König von Sachsen gefangen _______nach Berlin gebracht.

Safonow bei Vethmann-hollweg.

An diesem Dienstag und Mittwoch weilt der russische Minister des Aegtßern Sasonow in amtlicher Mission in Berlin. Er wird vielleicht von Kaiser Wilhelm empfangen, jedenfalls aber mit dem Reichskanzler und Staatssekretär v. Iagow Konferenzen pflegen, nicht nur über die albanische Krage, sondern auch über wichtigere Dinge. Rußlands deutschfeindlichstes Hetzblatt, dieNowoic Wremja" hat sich bemüht, Herrn Sasonow einen unfreundlichen Empfang in der deutschen Presse zu bereiten. Es bestellte sich bei seinem Pariser Vertreter ein Sasonow-Jnterview, in dem sich die friedliche" 'Stelle findet:Sollte einmal in Petersburg Trommelwirbel ertönen, so stände Frankreich an Rußlands Seite". Dieser Ton kann natürlich Pariser Mache sein. Sa­sonow beobachtete stets in Worten und Werken eine weniger feindliche Haltung zum Dreibund als sein Vorgänger Iwolski, was sich bereits zu Potsdam bei der berühmten Kaiserbegegnung zeigte. Aber derselbe Minister Sasonow er­klärte doch auch im vorigen Fahre in der Duma, daß die Grundlage der russischen auswärtigen Politik unerschütter­lich die Allianz mit Frankreich bleibe. In feinen Pariser Konferenzen habe er sich überzeugt, daß die leitenden fran­zösischen Kreise ebenso wie Rußland feste Anhänger der Al­lianz seien und danach strebten, sie zu beiderseitigem Vorteil sowie zur Sicherung des europäischen Friedens auszunützen. Jene Erklärung bot inhaltlich dasselbe wie jetzt das uner­freuliche, im Ton so säbelrasselnde Pariser Interview. Was Deutschland betreffe, erklärte Sasonow vor der Duma, so halte Rußland an der alten traditionellen Freundschaft und guten Nachbarschaft fest, die es aufrichtig schätze. . . . Das war alles, und mehr hat Rußlands Aus'landsminister seit­dem ßür deutsche Ohren nicht gesagt. Dietraditionelle Freundschaft", wie Bis m a r ck sie sich dachte, verlangt aller­dings ein stärkeres diplomatisches Arbeiten, als bis jetzt zu vermerken war; sie sollte sich gründen auf die dringende Notwendigkeit eines Zusammengehens von Rußland und Deutschland. Sogar bei Abschlusses Dreibundes vergaß der erste Kanzler diesen, seinen Grund- und Kardinalsatz, nicht, indem er neben dieserstrategischen Stellung" sofort auch die Erneuerung des Dreikaiserbundes ins Auge faßte. &ie Bismarckschen Gedanken der deutsch-russischen Politik harren noch immer ihrer Wiederauferstehung und Verwirk­lichung. Beabsichtigt Herr von Bethmann Hollweg, diese schwierige Aufgabe in Angriff zu nehmen?

Der Reichskanzler und Herr v. Sasonow haben sich zum letzten; Male auf der Reede von Baltischport am 4. Juli 1912 gesehen und gesprochen. Herr v. Bethmann Hollwcg hatte da­mals lediglich einen Legationsrat vom Auswärtigen Amt -nitgenommen und stand drei gewiegten Auslands diploma- ten gegenüber, eben Herrn v. Sasonow, dem Ministerpräsi­denten Kokowzow und dem russischen Kriegsminister Su- chomlinow. Und es kam auch für Deutschland im vorigen Jahre nichts heraus. Die offiziöse PetersburgerRossija" sprach rückschauend nur wieder von dentraditionell-freund-» fchaftlichen Beziehungen" zwischen den Kaiserhäusern und den beiden Nachbarreichen, während das Auswärtige Amt

in Berlin in einer amtlichen Note zwar vielmehr Worte machte als das russische Blatt, sachlich aber auch nicht den kleinsten politischen Gewinn auf die Kreditseite des deut­schen Kontos buchen konnte. Es gedachte der Begegnung von Baltischportmit Genugtuung" und warum? Tie nichts sagenden Worte der nun mit Spannung erwarteten Begrün­dung find charakteristisch sowohl für die deutsch-russischen Be­ziehungen, wie für einen inhaltlosen Tiplomatenstil über­haupt:denn während sie (die Genugtuung!) einerseits die feste und dauernde Freundschaft zwischen Deutschland und Rußland bezeugt, bedeutet sie andrerseits auch einen be­redten Ausdruck der friedlichen Grundrichtung, welche die Politik beider Länder in gleichem Maße bestimmen."

Unterdessen hat Herr v. Sasonow nicht nur häufig in deutschen Bädern und Städten geweilt, sondern auch den vielbesprochenen Teeabend mit zwanzig Dumaabgeordneten abgehalten, dabei Rußlands Rolle auf der Londoner Bot- schaftcrkonferenz und die Ergebnisse des Balkankricgs be­sprochen. Sasonow hat ausdrücklich erklärt, die russische Dip­lomatie sei nicht gesonnen, die Dardanetlenfrage aufzurol­len; Rußland habe keine kriegerischen Verwicklungen zu fürchten; dem europäischen Frieden drohe keine Gefahr. War das die persönliche Ueberzeugung des Ministers? Gewisse Vorgänge und Pressepolemiken, die sich in den sechs Mo­naten seit jenem Teeabend abgespielt haben, weckten wieder manchen Zweifel, wer in Rußland Politik macht und was als offizielle Politik anzusehen ist. Hinter dem wohlwollen­den und stets dem Frieden das Wort redenden Minister macht sich immer wieder ein inoffizielles Rußland geltend, das, in undurchdringliche Kulissen versteckt, deutschfeindliche Gesinnungen pflegt und propagiert. An der Newa machen nach wie vor zwei verschiedene Richtungen Politik. Die Kriegspartei darf auch in Rußland nicht die führende Poli­tik machen. Wenn Herr v. Sasonow in seinen Berliner Kon­ferenzen die deutsche Diplomatie aufklären und beruhigen t!önnte, wäre wenigstens ein kleiner Gewinn dieser Tage zu verzeichnen.

Berlin, 21. Oft. Der russische Minister des Aeußern Sasonow ist, von Paris kommend, hier cingetroffen und bei der russischen Botschaft abgestiegen.

Berlin, 21. Oft. Der russische Aäinister des Aeußern Sasonow hat das Frühstück in kleinem Kreise beim Reichskanzler eingenommen. Heute abend fand zu seinen Ehren auf .der russischen Botschaft ein Diner statt, an dem 14 Personen teilnahmen. Unter den Geladenen befand sich der Reichskanzler, der Unter st aatssekretär im Auswär­tigen Amte Zimmermann und mehrere Mitglieder der Bot­schaft mit ihren Damen.

Sasonow l>at heute abend um 11 Uhr 30 Berlin verlassen und ist nach, Warschau abgereist. Zum Abschied waren u. a. auf dem Bahnhof Untcrstaatssekretär Zimmermann, der russische Bot­schafter Swerbejewhrnd die Mitglieder der russischen Botschaft.

Ministerpräsident Kokowtzow erkrankt.

Rom, 21. Oft. Der russische Botschafter K r u p i n s k i er­klärte einem Vertreter desGiornale d'Jtalia" Ministerpräsident K o k ow tz o w sei an einem ganz leichten Anfall von Rose er­krankt. Krupmski fügte hinzu, die Unterhaltung, die Kokowtzow mit dem Ministerpräsidenten G i o l i t t i und dem Minister des Aeußern Marquis di San Giuliano gehabt hatte, habe den Charakter größter Herzlichkeit gehabt. Kokowtzow habe davon den besten Eindruck gehabt.

Das Ausland und die Jahrhundertfeier.

Dresden, 21. Oft. Auf die von dem König von Sach­sen an die Souveräne Oesterreichs, Rußlands und Schwedens am Nachmittag des 18. Oktober gerichteten Telegramme sind nachfolgende telegraphische Antworten einge­gangen. Der Kaiser v o n O e st e r r e i ch sandte folgendes Telegramm:

Ties bewegt ob der Von Dir freundlichst an mich gerichteten Worte des Gedenkens, das Du mir an dem heutigen bedcutungs-

reichen Tage in sinniger Weise zu widmen die besondere Liebens­würdigkeit hattest, bitte ich Dich, meinen wärmsten und innig­sten Dank sowohl hierfür als auch für die von Dir mir und meiner Armee kundgetancnen Wünsche entgegenzunchmcn, welche ich aus ganzem Herzen erwidere. Sei versichert, daß es mir und meiner Wehrmacht zu erhebender Genugtuung gereichte, bei dieser glänzenden, stets unvergeßlich bleibenden Feier vertreten gewesen zu sein, um damit nicht nur der glorreichen Erinnerung an jene Helden, die vor einem Jahrhundert unvergängliche Lorbeeren an ihre Fahnen knüpften, rühmende Ehrung zu zollen, sondern auch jenen Gefühlen Ausdruck zu verleihen, von welchen ich und meine Armee für die verbündeten Für ft en Deutschlands und dessen Heer beseelt bin.

Das Telegramm des Kaisers v o n Ru ß l a n d lautet etwas kühler:

Ich bin tief gerührt durch die herzlichen Gefühle, die Eure Majestät mir ausdrückten anläßlich der Jahrhundertfeier der ruhm­reichen Schlacht bei Leipzig und der Einweihung unserer Kirche. Ich bitte Sie, den Ausdruck Weines aufrichtigsten Dankes für den wannen Empfang entgcgenznnehmcn, den Sie dem Großfürsten Kyrill und den Vertret".» meines Heeres zu bereiten die Güte hatten. Ich ergreife diese Gelegenheit, um meinerseits Eurer Majestät die freundlichsten Wünsche zu übermitteln, die ich für die Gesundheit und Ihr Glück, wie auch für die Wohlfahrt Ihres schönen Sachsenlandcs hege.

Der König von Schweden telegraphierte:

Für die liebenswürdigen, so wann empfundenen Worte war es mir eine besondere Freude, meinen Sohn sowie auch Vertreter meiner Armee zu der heutigen bedeutungsvollen hundertjährigen Erinnerungsfeier entsenden zu können. Für die fteundlichcn Wünsche für meine Genesung möchte ich noch meinen besonderen Tank hinzufügen.

Paris, 21. Olt. Nach einer Blättcrmcldung ließ die sächsische Regierung der französischen Regie­rung mittcilcu, daß die Gruft der in der Schlacht bei Leip­zig gefallenen französischen Soldaten fortan am 18. Oktober von der Leipziger Stadtvertretung geschmückt werden wird.

Berlin, 21. Oft. Der Erzherzog Franz Fer­dinand wird als Gast des Kaisers an der am 30. und 31. Oktober in Göhrde stattfindenden großen Hofjagd teitnehmen, zu der u. a. der Reichskanzler und der österreichisch-ungarische Botschafter in Berlin Einladungen erhielten.

Deutsches Reich»

Die Arbeitslosigkeit in Bayern.

In der Abendsitzung der bayrischen K a m m e r d e r A b- geordneten am Dienstag wurde die Anfrage Kassel- mann (Liberal) in Verbindung mit den Anträgen des Zen­trums und der Sozialdemokraten behandelt, welche von der R e g i e r u n g M a ß n a hm en wegen der herrschen­den Arbeitslosigkeit verlangt und die Einführung einer ArbeitslosenversicherungdurchdasReich bezw. Bayern fordert. Der Minister des Innern er- klärte namens der Staatsregierung, daß sie, um der Arbeits­losigkeit zu steuern, alles getan habe, was nach Lage der Ver­hältnisse geschehen konnte. Was die Frage der Arbeitslosen­versicherung betreffe, so müsse er erklären, daß an die Ein­führung einer reichsgcsetzlichen Arbeitslosenversicherung, die die verhältnismäßig beste und zweckmäßigste Lösung des Pro­blems zu ermöglichen scheine, in absehbarer Zeit nicht gedacht werden könne. Noch weniger werde '?$ möglich sein, das Bayern allein mit der Landesgesetzlichen Zwangsver­sicherung vorgeht, da Bayern kein selbständiges Wirtschafts­gebiet bildet. Zudem 'besinde sich die bat) e.r ische Indu­ft r i e in einer wenig günstigen Lage und habe ohnehin schon mit inißlichen Verhältnissen zu kämpfen. Dieselben Gründe sprechen dagegen, durch Landesgesetze die Städte zur zwangsweisen Einführung der Arbeitslosenversicherung und Heranziehung der Arbeitgeber für die Beitragsleistung zu

leisebilder aus Sem größeren Griechenland.

Aus Südalbanien.

Vierzigheiligen (Santi Quaranta), 13. Oft.

Für mich, der ich vor einem Menschenalter das damals noch sehr kleine Griechenland in der Kreuz und Quere durchwandert mrd den damalige Zustand des Landes mit Augenschcintreue in meinenGriechischen Frühlingstagen" festgehalten habe, ist cs ein im Tiefsten bewegendes Gefühl, jetzt in den Zeiten nationaler Hochspannung dieses Land wiederzusehen, von dem dieselbe Kurz­sichtigkeit wie einst gegenüber Italien alsdem Lande der Toten", so geringschätzig geurteilt hatte. Ich hatte das letzte Kapitel meiner ,Griechischen Frühlingstage" mit den begeistert hoffnungsvollen Worten eines noch heute lebenden gelehrten Griechen in Athen geschlossen:Ein Volk sind wir; eine Sprache reden wir; zu einem Gott beten wir; einen und denselben .Willen haben avir; den .Willen, als Nation LU leben, und wir werden leben *"

Ich schreibe dies in demRegierungspalast" von Santi Quaranta einem zweistöckigen Holzhäuschen, dessen Obergeschoß auf das Haus der ehemaligen Bürgermeisterei gesetzt lvurde. Die Bürgermeisterei war das einzige Gebäude, das von den geschlage- -cinen Türken und ihren unvergleichlich ichcutzlichen Spreßgeiellen, den Albanesen, unzerstört gelassen war, weil sie es bis zum letzten Augenblick als Behördenobdach brauchten Als die griechi­schen Kanonenboote diesen Hafenort zu beließen begannen, geichah die T-lucht in solcher Eile, daß zur nichtsnutzigen Zerstörung keine Zeit blieb Ueberall jedoch, nw die Albanesen, völlig unbe- Mliat durch die türkischen sogenannten Behörden, m den langen bangen sechs Monaten zwischen dem Ausbruche des Krieges und der Ucbergabe von Jannina an die siegreichen,griechischen grup­pen in diesem Bezirke baujen durften, haben sie gegen die grie­chische Bevölkerung tterisch, teuflisch gelvutel.

Ich habe gestern auf einem langen Ritt in die Berge fest- gestellt was die demnächst hier zu ermattende Kommission der 'Großmächte zur Grenzregulierung , zwischen Südalbanien und Nordevirus unzweifelhaft wird feststellen Mussen, wenn ste der offeiisichtlichen Wahrheit,die Ehre geben wckk Der ganze Bezirk von Santi Quaranta ist ,o gut wie ausschlieylich von Menschen griechischen Stammes, griechischer Sprack)e und griechi­schen Willens bewohnt, auch seit MMschengedenken nur von ihnen

bewohnt gewesen. Was ich aber bei meinem Ritt durchs Land, bei meinen Rasten in den Dörfern, z. B. in Wrioni, Aliku, Eimili, zu sehen unb zu hören bekam, ist so herzzerreißend, daß jeder Besucher dieses jetzt noch umstrittenen Bezirkes in seinem Gewissen verpflichtet ist, die Stimme der sonnenklaren Wahrheit und der reinen Menschlichkeit so laut wie möglich zu erheben, auf daß nicht durch Beschlüsse über, die Köpfe der eigentlichen Besitzer dieses Landes, der ureingesessenen Menschen Hinweg eine un­erträgliche Ungerechtigkeit begangen und eine unerschöpfliche Quelle der dauernden Beunruhigung für Europa und des schändlichsten Blutvergießens gegen Wehrlose ergraben werde.

Es gibt zwei amtliche Statistiken über die Bevölkerungsver­hältnisse in den umstrittenen Grenzgebieten Südalbaniens, eine türkische und eine griechische, und ich werde mich weiterhin auf sie zu beziehen haben. Stattstik ist gut, Augenschein ist besser, und ich bin int glücflicfjen Besitz beider Erkenntnisquellen. Die Wahr­heit des Augenscheins ist diese: ruhige griechische Bauern bewoh­nen diesen ganzen Bezirk, räuberische Albanesen aus dem Innern Albaniens, die zukünftigen Untertanen des Fürsten von Albanien, haben alle diese reingriechischen Dörfer des Bezirkes von Santi Quaranta verbrannt und Schandtaten gegen die un­glückseligen Dorfbewohner verübt, die es unmöglich machen, dieses jetzt von den Griechen befreite 'Gebitt wieder Albanesen aus­zuliefern. Es Handelt sich in diesem Falle durchaus nicht um die rein diplomatische Frage, ob dieser oder jener Landstreifen diesem oder jenem geordneten Staatswesen zugesprochen werden soll; sondern um eine Frage, bei der -es auf Tod und Leben geht: soll eine ruljige Bevölkerung, die den einhelligen Willen hat, mit ihren Stamrnesgenosseit, den Griechen, vereinigt zu bleiben, wiederum räuberisckum Schlächterbanden ausgeliefert wer­den, die von den früheren türkischen Machthabern nicht an Raub, Brand und Mord gehindert werden? Der Wille dieser jetzt aufatmenden Bevölkerung, auf ewig pngeteilt griechisch zu blei­ben, zwingt sich jedem Wanderer auf Schritt und Tritt auf. Enosis i thanatos!" steht auf jedem zerstörten oder aufge­bauten Hause in Santi Quaranta. Jedes Kind in den Gebirgs­dörfern bis auf die Kleinsten hinunter, die schon auf ihren Beinchen stehen, trägt sein blauweißes Griechenfähnchen und weigert cs dem Fremden, der es auch nur zum Besehen aus der Hand nehmen will. Aber noch viel ernstere Willenszeugnisse habe ich gesehen: Die Dorfbevölkerung der griechischen Grenz­bezirke ist eisern entschlossen, nicht wieder unter die Botmäßig­

keit der Mörderbanden zurückzukehren, die vor dem Einzuge der griechischen Truppen Hier geraubt und gemetzelt haben. $n allen Dörfern versammeln sich die Männer und die Jünglinge, ja schon die älteren Knaben, täglich unter der Leitung eines er­probten Schützen zu Schießübungen mit Büchse und Revolver. Tie Gewehre sind m«ist die von den Türken beim Abzüge aus Jannina abgelicferten Mauser, doch habe ich auch Gras- und Mannlicher-Gewehre im Gebrauch gesehen, und ich kann ver­sichern: diese Dörfler, deren fast jeder einen Vater, einen Sohn, einen Bruder durch die Bürger .des zukünftigen Fürstentums Albanien verloren hat, werden sich nicht wieder wie die wehr­losen Lämmer abschlachten lassen, falls das.Ungeheuerliche Wirk­lichkeit werden sollte, daß diese nordepirotischen Gebiete durch den irregeleiteten Willen der europäischen Großmächte an das albanesische Schlachthaus, genannt Fürstentum Albanien, aus- geliefert würden.

Unter der türkischen Herrschaft oder Scheinherrschast denn in Wahrheit hat hier niemals eine andere Herrschaft bestanden als die der albanesischcn Räuber unter dem Schutz oder doch der Duldung der türkischen Mndios oder Beys, war es der Ve- vötlerung des Landes, d. h. den Griechen, bei Todesstrafe ver­boten, Waffen zu tragen ober in den Häusern zu halten. Hin­gegen hatten die türkischen Behörden nicht das mindeste dagegen, daß die bis an die Zähne bewaffneten glbanesischen Banditen aus bem, Innern Albaniens das ganze griechische Land von Argyrokaftro und Koritsa bis nach Chimara und Santi Qua­ranta als eigentliche Herren .durchstreiften und überall Raub, Mord, Schändung und Brand verübten. Tie Namen der größten Missetäter, der Bandenführer, waren vor dem Kriege und sind jetzt überall hier in der Runde bekannt. Ich habe sie durch Befragung glaubwürdigster Zeugen sestgestellt. aber zugleich er fahren, daß diese Scheusale zur Zeit Hie Stützen der o^bane- sischcn Gesellschaft sind, hervorragende Mitglieder der Gendar­merie in Valona, dem Regierungssitze Seiner Exzellenz Ismail Kamal Bey, der in Südalbanien dieselbe seltsame Rolle spielt wie Seine Exzellenz Essad Pascha in Durazzo, dem vorläufigen Sitze der Regierung von Nordalbanien. Da ich vor einigen Tagen das Vergnügen hatte, der Valonaer Exzellenz, übrigens einem feingebildeten Manne, ehemals einem der Führer der iungtürkischen Parlamentspartei, vorgeftellt zu werden, so habe ich mir die Freiheit genommen, ihm in einem eingeschriebenen Brief die Namen der ihm unterstellten albanesischen Mordge-