Ausgabe 
22.10.1913 Erstes Blatt
 
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ermächtigen. Die Staatsregierung sei erneut der Prüfung der Krage näher getreten, um denjenigen Gemeinden, die eine den Anforderungen der Staatsregierung entsprechende Versiche­rungseinrichtung schatten, staatliche Zuschüsse in Aussicht zu stellen. Der Minister fuhr fort: Die Staatsregierung sei be­reit, ungeachtet der Fortdauer der ungünstigen Finanzlage eine Gewährung staatlicherZuschüssezuden gemeind­lichen Arbeitslosenversicherungen in Aussicht zu nehmen.

(Eine endliche Aenherunq.

London, 21. Okt. DieW e st m i n st e r Gazette" schreibt:

Wir können den Stimmungswechsel in der Bal­kan frage ermessen, wenn wir die fast völlige Gleich- v ii l t i g k e i t, womit Oesterreich-Ungarns einseitige Intervention in Belgrad ausgenommen wurde, mit den erregten Protesten vor ein vaar Monaten vergleichen, als Oester­reich eine ähnliche Aktion in dem Skutarifalle plante. Diesmal sprach niemand von der Kriegsgefahr zwischen Oesterreich und Rußland. Die Panslawisten Rußlands geben kein Lebenszeichen, Frankreich allein scheint sich wegen der Serben und Griechen zu beunruhigen: aber schließlich fefrt Oesterreich nur die Entscheidung der Mächte betreffend Albanien durch, wenn seine Intervention Erfolg hat, haben wir anderen kein Recht zur Klage.

Wien, 21. Okt. Die Blätter nehmen die Mitteilung van dem vorbehaltlosen Einlenkcn Serbiens mit großer Be­friedigung auf. Sie betonen, daß in Oesterreich-Unaarn keine feindlichen oder unTmntbfidwn Gesinnunaeu gegen Serbien bc stehen und hoffen, daß endlich die Herausforderungen des Nach­barstaates g"shören und eine Zeit freundschaftlichen und wirt­schaftlichen Verkehrs beginnen möchte.

Aus fielen.

Vereinfachung der Staatsverwaltung.

rb. D a r m st a d t, 21. Okt. Der par lamen tarische Sonder-Ausschuß für die Vereinfachung der Staatsverwaltung hielt heute unter Vorsitz des Staatsministers Dr. v. Ewald am Vor- und Nachmittag zwei längere Sitzungen ab, die sich bis 6 Uhr abends aus­dehnten. Als Regierungsvertreter wohnten außer dem Staatsminister auch Finanzminister Dr. Braun, sowie Ge­heimrat Dr. B e ck e r und Ministerialrat Lorbacher der Sitzung bei. Zur Beratung standen zwei Punkte, die V e r - einfachung des staatlichen Kassenwesens und die Verstaatlichung des Gerichtsvollzieher- wesens. Die letztere war durch eine Vorstellung der In­teressenten an die Großh. Regierung angeregt worden. Diese hat daraufhin eine Denkschrift ausgearbeitet und dem Aus­schuß vorgelegt, worin sie die Verstaatlichung des Gerichts­vollzieherwesens a b l e h n t, da irgendwelche Ersparnisse von Belang dadurch nicht erzielt werden könnten. Sie stimmte aber einigen wünschenswerten Aenderungen im Ge­richtsvollzieherwesen zu, durch welche eine Ersparnis von> etwa 50 000 Mark erreicht werden soll, z. B. bei kleineren Gerichten Zusammenlegung der Stelle des Gerichtsdicners mit der des GcsangenwärterS usw. Der Sonderausschuß er­klärte sich im allgemeinen mit den von der Regierung ge­machten diesbezüglichen Vorschlägen einverstanden.

Zu einer umfangreichen Verhandlung gab die Frage des staatlichen Kassenwesens Veranlassung. Es lagen hierzu schon seit längerer Zeit zwei Anträge von Mitgliedern beider Kammern vor. Abg. Schönberger hatte unter ein­gehender Motivierung beantragt, die Kammer möge beschlie­ßen, die Regierung zu ersuchen, daß die Erhebung der Staatssteuern auf die Gemeinden übertragen wird und daß hie dafür seither bestehenden Dczirkskasscn aufgehoben wer den. Das Mitglied der Ersten Kammer, Fürst Isenburg- Birstein, wünschte in dem von ihm im Ausschuß gestellten jAntrac;, daß unter Gewährung bestimmten Vergütun- .gen die Gemeinden mit der Einziehung aller Staats Steuern und Gefälle beauftragt werden sollen und daß ferner zu dem Steuerveranlagungsverfahren statt der bisherigen akademischen Beamten mehr mittlere Beamte zur Verwen­dung gelangen möchten. Die Regierung hat auch zu den hier angeregten Fragen eine Denkschrift vorgelegt, worin sie in längerer Begründung besonders der Forderung entgegcntritt, daß die Staatssteuern von den Gemeindebehörden eingezogen werden sollen.

In der Aussprache wurde besonders darauf hin- gewiesen, daß es sich empfehle, mehr mittlere Beamte zu den Veranlagungsgeschäften namentlich bei der zweiten Klasse zu verwenden und daß die Veranlagungsbehörden nur mit einem akagemisch gebildeten Beamten als Vorsitzenden, ini übrigen aber mit mittleren Beamten besetzt werden möchten. Der Ausschuß beschloß nach eingehender Erörterung, einen aus fünf Mitgliedern beider Kammern bestehenden Unter- a u s sch u ß zu wählen, der die beiden Anträge und die Denk­schrift der Negierung nach den im Ausschuß gegebenen An­regungen näher beraten und formulieren und der nächsten Sitzung des Gesamtausschusses geeignete Vorschläge unter breiten soll.

Aus Stadt und Land.

Handwerkskammer zu Darmstadt.

Die Meistervrüfung haben vor der Prüfungskommission für die Provinz Obcrhessen im Frühjahr 1913 bestanden und dadurch die Befugnis zur Führung des Meistertitels in Verbin­dung mit ihrem Handwerk sowie die Befugnis zum Anleiten von Lehrlingen erworben:

V i n d i n g , Heinrich, Bäckermeister zu Ober-Bissingen: D e i ch e r t Adolf, Bäckermeister zu Gießen: Engel, Wilhelm, Bäckermeister zu Gießen: Hartmann, Ernst, Bäck erm ein er zu Groß-Felda: K r a me r , Wilhelm, Bäckermeister zu Vilbel: Kra­mer, Willy, Bäckermeister zu Vilbel: Lucke, Wilhelm, Bäcker meister zu Gießen: Schilling, Georg, Bäckermeister zu Vil­bel: Stein, Friedrich, Bäckermeister zu Klein-Linden: Muhl, tCto, Buchbindermeisicr zu Reichelsheim: Steuerwald, Georg, Buchbindermeister zu Gießen: Bolz, Wilhelm, Buchdruckernreister zu Gießen: Dornberger, Job., Buchdruckermeister zu Gie­ßen : M c l ck e r, Heinrich, Buc^>ruckermeister zu Gießen; Oe st e r reich, Robert, Buchdruckermeister zu Gießen: Rühl, Adolf, Buchdruckermeistcr zu Alsfeld: Straßburger, Aug., Buch­druckermeister zu Bad-Nauheim: Kröck, Wilhelm, Dachdecker- meister zu Gießen: Anacker, Anna, Tamcnfchncidermeisterin zu Gießen; Eichelmann, Frieda, Tamenschneidermcisterin zu Berstadt: Herr, Marie, Damenschneidermeisterin zu Gießen: Heyner, Anna, Damenschneidermeisterin zu Bad-Nauheim: K r e u t n e r , Margarete, Tamenschncidermeisterin zu Bad aNu- heim: Krieger, Johanna, Tamenschneidermeisterin zu Gießen: Landgraf, Marie, Tamenschneidermeisterin zu Vilbel;- ber , Marie, Tamenschneidermeisterin zu Gießen; Sailer, Marta, Tamenschneidermeisteiin zu Gießen: Rabenau, Minna, Tamenschneidermeisterin zu Gießen: Rätter, Frieda, Tamen- schneidcrmeisterin zu Als'eld: Schmidt, Lina, Tamenschneider­meisterin zu Butzbach: Sigmund, Sovhie, Tamenschneider­meisterin zu Nieder-Er'enbach: Spieß, Minna, Tamenschneider­meisterin zu Gießen: Uhr bahn, Karoline, Tamenschncidermei­sterin zu iLch: Bogt, Anna, Tamenschneidermeisterin zu Gie­ßen; Weinberg, Rosa, Tamenschneidermeisterin zu Lauter­bach; Werner, Minna, Tamenschneidermeisterin zu Gießen; Schmidt, Wilhelm, Elcktromechanikermeister zu Gießen; O t t e r b e i n , Christian, Feinmechanikermeister zu Gießen; Wurstius, Johann, Friseurmeister zu Alsfeld; Ranft, uLd- wig, Glasermeistcr zu Beuern: Römer, Ernst, Jnstallatcurmei- ster zu Gießen: Flecken st ein, Karl, Lackierermeister zu Gie­ßen: Kövvler, Wilhelm, Maler- und Weißbindermeiiter zu Vilbel; Krämer, Hans, Maler- und Weißbindermeister zu Butzbach; Rau, Karl, Maler- und Weißbindermeistec zu Gie­ßen: Gieß, Hermann, Maurermeister zu Giessen: Helfrich II, Wilhelm, Maurermeister zu Bingenheim: Menz II, Heinrich, Maurermeister zu iLndenstruth: Schaub, Friedrich, Maurer­meister zu Vilbel; Schäfer, Karl, Maurermeister zu Utphe; Grimm, Ferdinand, Mechanikcrmeisier zu Vilbel; Vömel, Heinrich, Mechanikermeister zu Vilbel; Betz, Anton, Messer- schmiedmcister zu Gießen; Georg, Wilhelm, Messerschmied- meister zu Gießen; Bender III, Philipp, Metzgermeister zu aLngsdorf; D a a b , Friedrich, Metzgermcister zu Hungen; Hein, Ferdinand, Metzgermeister zu Ober-Widersheim; Helm, Lud­wig, Metzgermcister zu Homburg; Henzel, Reinhard, Metzger­meister zu Büdingen; Heck mann, Karl, Metzgermcister zu Gießen; Kron er, Ph. Reinhard, Metzgermcister zu Vilbel; Löb, Adolf, Metzgermeister zu Vilbel: Nagel, Robert, Metz­germcister zu Gießen; Möller, Johannes, Metzgermcister zu Angersbach: Peter, Karl, Metzgermcister zu Weitershain; Reitz, Karl, Wilhelm, Metzgermcister zu Vilbel; Rosenbaum, Moritz, Metzgermcister zu Gießen; Schmidt II, Hermann, Metzgermeister zu Hungen; Schüler, Peter, Metzgermcister zu iLch; Wenzel, Gustav, Metzgermcister zu Vilbel; Bürk, Engelbert, Photographenmcister zu Gießen: Jen sch, Robert, Polsterer- und Tapeziermeister zu Lich; Hartmann, Karl, Sattler- und Tapeziermeister zu Alsfeld: Jüngel, Karl, Satt­ler- und Tapeziermeister zu Bellersheim; Pauly, Theobald, Sattler- u'nd Tapeziermeister zu Vilbel: Amcnd, Heinrich, Schlsseromeister zu Grünberg: Bender, Karl, Schlossenneistcr zu Steinberg; Ebcrsohn, Hermann, Schlossenneistcr zu Hun­gen: Faber, uLdwig, Schlossermeister zu Großenlinden; Ver­lach, Karl, Schlossermcister zu Stockheim: Hasselba ch. Ad., Schlossermeister zu Gießen: Hofferberth, Ehr., Schlosser- meister zu Vilbel: Klink, Wilhelm, Schlossermeister zu Düdels­heim : Le h r, Wilhelm, Schlossermeister zu Vilbel; Pfaff, Karl, Schlossermcister zu Gießen; Rettberg, Hennann, Schlosser- chlossermcimeister zu Nidda; Ruppel, Wilhelm, Schlosscrmci- ster zu Butzbach; Schmidt, Friedrich, Sckstofsermeister zu iLch; Schnabel, Georg, Schlossermcister zu iLch; Alles III, Kon­rad, Schmicdmeister zu Gambach; Arnold, Karl, Schmied- meister zu Altenbuscck; Kaltcnschnee, Heinrich, Schmied­meister zu Büdingen; Kehr, Karl, Schmiedmeister zu Heimerts­hausen; Koch, Otto, Schmicdmeister zu Melbach; Kuhwcde, Alfred, Schmiedmeistcr zu Burg-Gräfenrode; Pabst, Heinrich, Schmiedmeistcr zu Münzenberg: Paulus, Heinrich, Schmied­meistcr zu Altenbuscck: Ratz, Heinrich, Schmicdmeister zu Gre­benau ; Schäfer, uLdwig, Schmiedmeistcr zu eZll; Schaaf, Georg, Schmiedmeistcr zu Engelrod: Schimmel, Friedrich, Schmicdmeister zu Klcinlinden: Stumpf, David, Schmicd­meister zu auLterbach; Weber, Heinrich, Schmiedmci- ster zu Grünbcrg; Weber, Karl, Schmicdmeister zu Gießen: Wenzel, uLdwig, Schmicdmeister zu Fauerbach: Heibertshausen, Ludwig, Schneidermeister zu Lollar: Moller, Heinrich, Schneidermeister zu Augersbach; Nau­mann, Joh., Schneidermeister zu Büdingen; Oppenheim, Jam., Schneidermeister zu Gießen: S ch w ö b e l, Joh., Schneider­meister zu Weitershain: Schneider, Karl, Schneidermeister zu Gießen; Zeiß, Heinrich, Schneidermeister zu Holzheim:

seilen mitzuteilen, ihm die Zeugen zu benennen, unb die feste Zuversicht auszusprechen, daß er sie schleunigst an den Höch .sten Galgen hängen werde. Was abzuwartcn ist!

Was haben die Griechen tnx der ja nur kurzen Zeit nach der Beendigung des Krieges gegen die Türken aus ihren hinzu wonncncn Provinzen gemacht? Santi Quaranta samt dem um­liegenden Gebiet auf etwa 25 Kilometer hin ist eines der be­weiskräftigsten Beispiele, denn hier hat noch im März dieses Jahres die greulichste Ludenvirtschaft bestanden. Man denke sich einen .Hafenort, der die Ein- und Ausfuhr des ganzen nord­westlichen Epirus zu vermitteln bestimmt ist, mit Handelsmög­lichkeiten, die unter der richtigen Verwaltung hier einen groß­artigen Aufschwung nehmen müßten. Tie Grieckn'n haben in den eroberten Landestcilcn zunächst mir den niedrigen türkischen Zoll von 11 Proz. aitfj alle Maren bestehen lassen, und siche da, in den kaum sechs Monaten, da Santi Quaranta in grie­chischen Händen ist, haben sich die Zollcinnahmen auf monatlich rund 60 000 Trab in en gehoben, auf mehr als das Treifache der einstmals türkischen Einnahmen. Man braucht nur die eine ziemlich lange, gutgevstastcrte Hafenstraße entlang zu gelten, um fast vor jedem Hause große Wanmausspcicherungcn zu sehen. Eigentliche Wohnhäuser gibt eS hier noch nicht, sondern so gut wie ausschließlich Warenhäuser, will sagen Spcicherräume. denn die Unsicherheit für Leib und Leben war vor der Einnahme durch die Griechen so grvß, dotß frier nur aushielt, wer durch­aus mußte und wer uni hohen Handelsgewinnes willen den täg­lichen Gefahren der Brandsck-atziing durch die wenigen türkischen Beamten und die vielen <\u4 dem Innern Albaniens herein brechenden albanisckxen Räuber Trotz zu bieten den Mut hatte. Man sieht nock, beute feind einzige städtische Frau am Ort, denn es war bis in* ddn Marx: hinein nicht möglich, hier ein Weib den Sckieußlichkeiten der türkisch^albanischcn Barbarei aus­zusetzen.

Vollkommen Sirhcrlrcit .für Gut und Leben das ist die ungeheure Errungenschast der griechischen Eroberung in allen früheren Gebieten mit griechischer.Bevölkerung. Wirguten Eurv- bäer" können uns ja überbauet keine Vorstellung machen von dem Zustande, der in diesen Schreckensländern mit einem vcr- schleieniden Worte Unsick-crheit genannt wurde. In Santt Qua­ranta gab cs vor der Eroberung vier ganze türkische Gendarmen, die aber selbst durch ausgiebiges .Bakschisch trickst: zum Wider­

stande gegen die Herren albanesischcn Räuber aus dem Innern zu gewinnen waren. Der eine Friedensrichter, der jetzt in Santi Quaranta seines Amtes wallet und für bürgerlicksc wie straf­rechtliche Fälle von der griechischen Justizverwaltung eingesetzt ist, hat in_ den 6 Monaten seiner Amtsführung noch nicht einen einzigen Strafrcchtssall abzuurteilen gehabt. Und so wie in die­sem Hasen st ädtclum steht es in allen griechischen Dörfern rundum. Es ist für den reisenden Fremden tiesergreifend, die Freude der Landbevölkerung^ sich aussprechen zu hören, daß sie nun endlich, endlich die Sicherheit des nackten Lebens genießen. Diese Freude tröstet die Bevölkerung und den Fremden über das furcht­bare Elend, das uns in fiebern Dorfe des Bezirkes begegnet. Vicrundvierzig Dörfer, sämtlich griechische Dörfer, gibt es im engeren Bezirk von Santi Quaranta: nicht vierundvierzig Häu­ser, nicht zwanzig, stehen unverbrannt da. Mit einem Blick übersieht man vom Pferdcrückcn 5, 6 Dörfer an den Hängen der Vorbcrge, und überall schaut Himmel durch die ausgebrann­ten Mauern. Es wäre zum Weinen, wenn man nicht von diesen schwergeprüften Menschen selbst die freudige Hoffnung auf eine glückliche Zukunft des Landes aussprechcn hörte. Wen immer ich gefragt: Was tust Du, wenn Euer Land zu Albanien ge­schlagen würde? hat mir mit äußerster Leidenschaft, oft mit wutverzerrtem Gesicht geantwortet: Wir töten die Albanesen, oder mir lassen uns alle töten! Keiner denkt an Auswande­rung. hier auf diesem ihrem Boden wollen sic ausharrcn und sich, wenn es nottun sollte, bis auf den letzten Mann ver­teidigen gegen das albanesische Räubertum, selbst wenn es den TitelFürstentum Albanien" führte.

Nach der Sicherheit die Schule? Es ist ja in Eu- 5°.?^ luNgst nicht mehr unbekannt, mit welcher Liebe das grie­chische Volk sein Schulwesen pflegt. In diesem Falle handelt es sich natürlich zunächst nur um die Volksschule, und hierbei ist zu bedenken, daß der größte Teil der Volksschullehrcr seit einem Jahr bei den Fahnen steht. Selbst die 40- und 50- jobyigcn Lehrer die nicht mehr wehrpfftchttg waren, sind frei- willig zu den Waffen geeckt, wie beroi überhaupt ohne den ge* wattigen Zuzug der noch nicht oder nicht mehr dicnstpflickstiger, Freiwilligen das gneckstsche Heer, das eines Volkes von nur 2*/» Millionen vor dem .Kriege, niemals die ungeheure >vriegs^ stärke von etwas mehr als 250 000 Mann hätte erreichen können.

Gaub, Heinrich, Schornsteimcgermeister zu Homburg: Reich- wald, Hermann, Schornsteinwgermeisrer zu Lich; Feldmann, Karl, Schreinermeister zu Nieder-Gernündcir: Gan^, Karl, Schrcinermeister zu Engelrod; Glitsch, Friedrich, Schreiner­meister zu Lauterbach: Grün, Wilhelm, Schrcinermeister zu Ober-Widdersheim; Hartmann, W., Schrcinermeister zu Mün- zcnberg: Hcß, August, Schreinermcistcr zu Gießen; Fnghardt, Heinrich, Schreinermeister zu Gießen; K a m b c i tz , Karl, Schrci­nermeister zu Lich; Lind, Otto, Schrcinermeister zu Groß-Felda; Marburger, Hermann, Schrcinermeister zu Vilbel; Müller, Albert, Schrcinermeister zu Altenbuscck: Müller, Heinrich, Schreinermeister zu Wieseck: RcinhardZ, H., Schrcinermeister ;u Tauernhcim; Schäfer XI., Heinrich, Schreincrmellter zu Wie st'ck: Schmelz, Johann, Schreinermcistcr zu Stockhausen: S cb o m b e r , Johannes, Schrcinermeister zu Londorf: Seibel. Wilhelm, Schreinermeister zu Vilbel: Stotz, Friedrich, Schrciner- mcister zu Laubach; Vetter, Louis, Schrcinermeistcr zu Gießen; Wagner, Karl, Schreinermcistcr zu Gießen; Wasser, Fried rief), Schrcinermeister zu Rixfeld: Fran z, Heinrich, Schuhmacher- meister zu Holzheim: Jäger II., Wilhelm, Schuhmachermeister zu Holzheim: Diefenbach, Gustav, Schuhmachermeister zu Bernstadt: Kötter, Heinrich, Schuhmachermeister zu Nieder-Er­lenbach: Müller, Hermann, Schuhmachcrmcistcr zu Fauerbach; O st heim, Rudolf, Schuhmachermeister zu Heuchelheim b. Büdg.. Schmidt, Matthäus, Schuhmachermeister zu Vilbel: Schnell, Georg, Schuhmackrermeister zu oLllar; N e b h u t h, Wilhelm, Sei- lermcistcr zu Gießen: Müller, Karl, Spcnglcr- und Jnstalla- teurmcistcr zu Großen-Buseck; Schnabel, Karl, Svenglcr- und Jnstallatcurmeister zu iLch; W i ß n er, Adolf, Spengler- und In- stallatcurmeister zu Wieseck; Will, Wilhelm, Spengler- und Jn- stallateurmcistcr zu Vilbel; Hofmann, Anton, Steinhauermeist. zu bOer-Mörlen; Nickel, Wilhelm, Steinhauermeister zu Treis a. d. Ida;; Werner, Robett, Steinhauermeister zu Hungen; Aufdermauer, Joh. Jos., Stukkateurmeistcr zu Gießen; Berg, Heinrich, Tapeziermeister zu Wisselsheim; Kaiser, Jakob, Tapeziermcister zu Vilbel; D i e tz II, Heinrich, Wagner- meister zu Weitershain; K n a f, Heinrich, Wagncrmcister zu Büdingen; Löchel, Georg, Wagnermeister zu Nieder-Florstadt: S ch ä s e r, Heinrich, Wagnermeister zu Alsfeld; S u p p e s , udL- wig, Wagnermeister zu Eichelsdorf; Feuerbach, Wilhelm, Weißbindermeister zu Gießen; Fink, Karl, Weißbindermeister zu Klein-Linden; Herzberg er, Heinrich, Weißbindermeister zu Nidda; Kehr, Karl, Wcitzbindermeifter zu bOcr-Ohmen; Mar^ b u r g e r , Georg, Weißbindermeister zu Vilbel; Möser, Karl, Weißbindermeistcr zu Eschenrod; Werner, Wilhelm, Weiß- bindcrmeistcr zu Burg-Gemürrden: Bebling, Karl, Zimmer^ meister zu Heuchelheim; Schmidt, Heinrich, Zimmermeister zu Dortelweil.

Gießen, 22. Oktober 1913.

* * Tageskalender für Mittwoch, den 22. Okt.: Stadt­theater:Das Buch einer Frau." Anfang abends 7 Uhr.

Im Kolosseum werden, wie uns mitgeteilt wird, in nächster Zeit wieder Variöts-Vorstellungen gegeben werden. Tie zweite Vorstellung des Zauberkünstler? B e l l a ch i n i am Sonntag abend hatte übrigens einen außerordentlich starken Besuch zu ver­zeichnen. Auch die Oeien, die, wie wir schriebe», nachmittags nicht so recht ihre Pflicht tun wollten, sollen abends eine ganz erhebliche Wärme ausgestrahlt haben.

"Dic Schrecken des Krieges". Wie schon vor einigen Tagen gemeldet, findet am Donnerstag im neuen Saalbar um 8V« Uhr ein Vortrag des Kriegsberichterstatters Engen Reichs freiherrn von Binder-Krieglftein über dic lcnten kriege- rischen Ereignisse auf dem Balkan statt. Es dürfte sich empfehlen sich die Eintrittskarten bereits im Vorverkäufe bei Musikbdl Ernst Challier zu sichern.

.Lebendig tot" nennt sich der neueste Schlager iir Lichtspielhaus, der nach dem Roman von JuleS Marn .Roger Laroque^ von der bekannten Film-A.-G. Pathk FrßreS ausgenommen worden ist. DaS Stück ist ein echtes Sensationsstück, es fesselt trotz seiner sechs langen Akte von Anfang bis Schluß; daß eS auf künstlerischen Wert feinen Anspruch erheben kann, liegt auf der Hand. Es ist be­zeichnend, daß die Plakate, die für da? Drama Reklame machen sollen, zum Teil französische Aufschrift tragen. Sc weit sollte man doch nicht gehen, wenn daS Stück auch ii Frankreich spielt und von französischen Schauspielern dar. gestellt worden ist.

"Sprechstunde für Stotternde. Auf die am Freitag, den 24. d. MtS., im Hotel Schütz, Bahnhofstraße, ilattsindende Sprechstunde für Stotternde sei auch hierdurch nochnialS aufmerksam gemacht.

** Der Verband der Burcauangestell'ten in Deutschland, Bezirk Hessen-Nassau und Groß- hcrzogturn Hessen hielt am Sonntag in Hanau seine Br zirkskonsercnz ab. Nach den üblichen geschäftlichen Erledigungen verbreitete sich in längeren Ausführungen Göller (Frankfurt a. M. über die Verschmelzung mit dem Zenttalverband der Handlungs gehilfen. indem er warm für die Verschmelzung eintrat. Schließlich sprach sich die Bezirkskonfercnz für eine Verschmelzung aus. Die Besprechung über die Tienstordnung für die Kassenangcstcllten und die Pcnsionsftagc wurde Don der Tagesordnung abgefetzt. Die Versicherungsangestcllten und die Volksfürsorge behandelte Elbcrs (Frankfurt a. M'.) in längerer Ausführung. Es wurde fol­gende Entschließung angenommen: Der Bezirkstag hält eine besondere Agitation unter den Versichemngsangcstcllten für not­wendig. Ferner spricht sich der Bezirkstag dahin ans, daß die von

In Santi Quaranta gibt es eine wundervolle Zelt- und Hüttenschule für etwa 50 Kinder, die nicht nur unterrichtet, son­dern mich behaust, gclleidct und beköstigt werden. Die Kosten trägt ein aufopferungsvoller Wohltäter. Im Anschluß au diese Schule wird zugleich für die armen Md ärmsten Mütter bet Kinder durch Arbeit gesorgt: .sie spinnen urrd weben präckttgc weiße und farbige schwere Wolldecken, die szu guten Preisen auf dem Londoner Markt verkauft werden. In dem Dorfe Aliku sand ich ein Schulmeisterlein von höchstens 18 Jahren, der gleich den Männern seine Büchse führte; um ihn versammelt gegen 90 arme Kinder aus .den Dörfern des Umkreises, dar­unter Dutzende solcher, denen der Vater, der Oheim, die Mut ter von den albanesischen Raubmördern jetötet worden. Und alle diese Kinder schwangen ihre blauweißen Fähnlein und stimm ten in den Hochruf ihres Lehrerchgns ein: Es lebe Hella-! Es lebe König Konstantin der Siegreiche! Es lebe Ger­mania! Sito o Kaiser! Eduard Engel.

Ein neues Werk von Richard Strauß. Au. Wien wird uns geschrieben: Das Wiener Konzcrtlmus, das dem immer weiter sich auSdchncndcn Musikleben Wiens drei neue Räume verschiedener (hrößc auftut, wurde am Sonntag in feierlicher Weise eröffnet. Am 20. Oktober abends fand das erste der vier Festkonzerte statt, das die Uraufführung eines neuen symphonischen Werkes von Richard Sttauß brachte. Strauß hat dasFestliche Präludium" auf Einladung der Konzerthausgesell schäft eigens für dic Eröffnung des Konzetthauses geschrieben. Es ist ein Gelegenheitswerk, aber ein Gelegcnhcitswerk von Richard Sttauß. Dadurch ist der ganze Cboraktcr des Werkes gegeben. Bor allem der prachtvolle Orchcsicrklang in seinem festlichen (man;, die feine tbcmattsch-konttammkttschc Struktur, eine Anzahl geist­voller Einfälle im Bau, wie etwa der feierliche Beginn durch die Orgel allein, zu der erst nach scchszehn Takten das volle Orchester tritt: anderseits aber wieder dic eigentliche innerliche Leecc'der auf Bestellung gefertigten Arbeit. Nicht etwa, als ob das Werk oberflächlich konzivictt wäre, dazu ist Sttauß zu sehr rbrlttbrr, echter Künstler, aber scheinbar chemmtc der Zwang des einmal gegebenen Versprechens die Freude am eigenen Schaffen.

Dr. Johannes Brandt.