Aus Stadt und Land.
Lieben, 23. Juli 1913. Schutzabtornmcn bei Submissionen — kein Verstoß wider die guten Sitten.
In einer Entscheidung, die dem Schutz der Unternehmer vor ben Preisdrückereikn des Submissionswesens günstig ist, gibt das Meick^sgericht Ausführungen, die dem sittlichen ^THDfinbcn der tveitesten Kreise ourchaus entsprechen und als berechtigte Rechts- «grundsätze den Untergerichten als Richtschnur zu empfehlen sind.
Ten Ausgang der Streitigkeiten bildete einSubmissions- a ns sch reib en des staatlichen Wasserveri'orgungsbnreaus in M ü n ch c n um den BaucnNrnirs und Kostenanschlag zu einer i18asserleitung für die Gemeinde Türkheim Zu diesem Ausschreiben waren neben anderen Firmen auch die streitenden ^ar/cicn ein^claden. Tie Klägerin hatte mit 16 anderen Firmen 'bereits ein wgenanntes „S chutza b k ) m m e n" getroffen, wonach sich die anderen Finnen zur Abgabe höherer Gebote verpflichten, um abwechselnd einen 'zumeist durch freie Wahl) be- fftimmten Unternehmer zu schützen. Ter Beklagte war dreiem Schutzabkommen anfang-' nicht beigetreten, ging aber dann mit' der Klägerin einen ähnlichen Schutz ein: er sicherte der Klägerin Schutz durch ein höheres Gebot zu und liest sich dafür den >-chutz ’-ber Klägerin in einer anderen Bau fache versprechen. Nachdem -aber die Klägerin mitgeteilt hatte, das-, sic sich mit einem Gebote «von 138010 Marl uni den Bau der Türkh-imer Anlage bewerben boerbe, reichte der Beklagte anstatt des zugesicl-ertcn höheren Ckbotö ein solches von nur 119542 Mark ein; er erbteü oafur auch die Arbeit übertragen. Nunmehr verlangt die Klägerin 15 000 Marl als Schadensersatz, weil der Beklagte arglistig gehandelt und ihr das Gebot heransgelockt Habe, um niedriger bieten zu können. Sie hat ihre Klage auf die §§ 138 und 826 BGB gestützt.
Tic Klage ist vom Landgericht und Oberlandesgericht M u n- chen abgewiesen worden Und zwar hat das Oberlandesgericht angenommen, dast die Klägerin durch den Abschlust dcs „Schutzes/ selbst unehrlich gel)andelt habe und sich deshalb nicht auf die Unehrlichkeit des Beklagten berufen könne Tiefem Urteil tritt das Reichsgericht, das das oberlandesgerichtliche Urteil aufgehoben bat, mit folgenden Entscheidungsgrü nden entgegen : Weder ans a 254 oder aus § 138, noch aus § 81 / Satz 2 BGB. lästt sich ein allgemeiner Rechtsschutz wie der von dem -OberlandeSgericht vorangestellte herleiten. Ter wegen einer unerlaubten foanblung Belangte wirb nicht schon deshalb haftfrei, -weil dem Verletzten ebenfalls eine sittenwidrige Handlungsweise Hur Last fällt. Ter Senat kann aber auch nickt als bargetan anerkennen, dast die Klägerin durch das Schutzabkommen gegen die guten Sitten verstosten hat. Ten bekannten, auch vom Ober- landeSgcricht hervorqehobenen Mistständen ocs Submissionswesens ist auch, seitdem nicht mehr das Mindcstgebot, sondern das annehmbarste Gebot berücksichtigt nnrb, nicht durchgreifend abge- Ibolfen worden. Teshalb haben die in ihrer wirtschaftlichen Existenz bedrohten Unternehmer zu dem Mittel der Gründung von Schutzvereinigungcn fltgriiren. Tiefe der roirtfcfxifttirben Not und dem Selbsterhaltungstri. b entsprungenen Sch'.itzvercinigungen find infolange nicht als sittlich verwerflich anzusehen, als die etwaige Täuschung nicht als Mittel benützt wird, um zum Schaden des Verdingenden unangemessene Preise ourch.zu setzen. Wird ein Werk nur im Wege der öffentlichen Verdingung vergeben, so bleibt, wie die Verhältnisse fick tatsächlich cntwr fielt haben, den Bewerbern, die die Zerrüttung ihres Gewerbes durch ein einsichts- und schrankenloses gegenseitiges Ueberbieten hin!anhalten wollen, nicht viel anderes übrig, als sich vorher über die Preisgebote zu verständigen. Neben dem Streben des Verdingenden, zu möglichst niedrigem Preise die Werklicserung zu erlangen, ist eben auch Vas des Unternehmers nach einem auskömmlichen Lohn für seine Leistung zu berücksichtigen Auf. diesen Richtlinien bewegt sich die RcchtSspreckung des Reirhsgerichts. Tas Abkommen mit dem ^Beklagten verstiest daher nur dann gegen die guten Sitten, wenn sich die Klägerin damit zum Schaden der Gemeinde Türkheim einen unangemessenen Geschäftsgewinn sickern wollte. Ta- Lei kommt, sofern der Beklagte ein Schleu'oergdbot eingereicht hat, .nickst in Betracht, dast die Gemeinde tatsächlich zu weit geringerem Preis eine Wasserleitung erbitten hat. Tenn auf die Schädigung Iber Gemeinde wäre die Klägerin nur ausgegnngen, wenn sie unter der Teckung des „Schutzes" ihrer Mitbewerber einen über- ffetzten Preis gefordert hätte. B e wei s v f 1 i cht i g ist nicht, wie das Oberlandesgerickt meint, die Klägerin, sondern der B c k l a g t e, der, um den Folgen seines eigenen Verhaltens zu entgehen, behauptet, daher zu beweisen hat, dast die Klägerin sittenwidrig verfahren fei. — Infolgedessen ist die Sache zur weiteren Feststellung an das Oberlandesgericht zurückverwiesen worden.
weide zu bieten, hat da" Blumenhaus Dietz heute und morgen eine größere Auswahl, übte 50 Sorten, der edelsten Rosen im Schaufenster ausgestellt, die sämtlich in unserer heimischen Provinz gezüchtet sind. Das Schaufenster gewährt mit dieser Rosenausstellung, bei der jede einzelne Sorte mit Namen angegeben ist, einen schönen Anblick.
" Das Wetter ist nicht mehr ernst zu nehmen, denn c§ ist nun so beständig geworden, dast man mit völliger Ge- wistheit für den nächsten Tag Regenfälle voraussetzen kann. Die Wetterdienststellen sind ebenso verzweifelt wie die Ferienreisenden, und alle Hoffnungen auf ein paar trockene, sonnige Tage gehen allmählich verloren. Wir geben unseren Lesern deshalb den folgenden, für den ganzen Sommer gültigen Wetterbericht: Beständig unbeständig, strichweise geringer Regen, meist Niederschläge, Temperatur unter mittel, nachts kalt, langsam aufklärend, Hagelschauer, westliche Winde. — Nun mag sich jeder das ihm Zusagende herauSnehmen.
Landkreis Gießen.
X Großen-Lin den, 22. Juli. Dem Schüler Paul Otto Form hals wurde heute durch Hauptlehrer Bach ein Buch überreicht, das ihm auf Anordnung des Ministeriums für mit Mut auSgefiihrte Lebensrettung von der Kreisbehörde zu geeignet worden ist.
Kreis Schotten.
f. Schotten, 22. Juli. Kreistag. Unter dem Vorsitz des Kreisrats Dr. Kranzbühler fand,am 14. d. M. im Rathaussaal eine außerordentliche Sitzung des Kreistags des Kreises Schotten statt. Aus den Beratungen und Beschlüssen entnehmen wir folgendes: 1. Satzungen für bie am 1. Jan. 1914 ins Leben tretenden Krankenkassen (öligem. Ortskrankenkasse und Lanbkrankenkasse). Die vom Kreisamt (Versicherungsamt) Schotten entworfenen Satzungen wurden ohne besondere Debatte angenommen. 2. Die Wahl der Vorstandsmitglieder und der Ersatzmänner, sowie- der Ausschuß Mitglieder für die Lanbkrankenkasse konnte mangels geeigneter Vorschläge nicht vollständig vollzogen werben. Der Kreisausschuß wurde ermächtigt, die Wahl zu ergänzen. 3. Beteiligung des Kreises bei der Er weiterungdesSägewerksderFirmaHim mels- bach in Eichelsdorf. Wie seinerzeit berichtet, war eine Erweiterung des Werkes beabsichtigt. Die Erweiterung soll aber nun in bedeutend größerem Umfange ausgcführt werden, als früher geplant. Tie Firma hat zu diesem Zwecke etwa 80 000 Quadratmeter Gelände angekauft. Die Ankäufe sind nach längeren sehr schwierigen und unter wesentlicher Mitwirkung des Großh. Kreisamts Schotten stattgefundenen Verhandlungen zu Ende geführt worden. Mit den Vergrößernngsarbeiteu, für die die Firma etwa 250 000 Mk. aufwenden wird, ist bereits begonnen, und es soll ein im Großherzogtum Hessen einzig dastehendes Werk erstehen. Diese bedeutende Erweiterung des Werkes erfordert auch eine erweiterte Verlegung der Kreis st raße Eichelsdorf—Ulfa. Deren Kosten werden etwa 3000 Mark betragen, die zu je 1 3 durch die Firma Himmelsbach, die Gemeinde Eichelsdorf und den Kreis Schotten getragen werden sollten. Die Gemeinde Eichelsdorf hat aber in Anbetracht der von ihr im Interesse der Erhaltung des Werkes in Eichelsdorf gebrachten finanziellen Opfer (etwa 18 000 Mark), die nicht allein ihr, sondern auch ihren Nachbargemeinden und schließlich dem ganzen Kreis Schotten zugute kämen, um die Ueber- nahme des auf sie entfallenden Kostenanteils auf den Kreis nach- gesucht. Der Kreistag hält es denn auch für voll und ganz gerechtfertigt, diesem Gesuch zu entsprechen. 4. Wahl eines Mitglieds zum Provinzialtag. Das seitherige Mitglied, Gr. Bürgermeister Ühromm, Schotten, wurde wiedergewählt. 5. Anstellung eines O b st b a n t e ch n i k e r s. Ter Ober- hessische Obstbauverein will den Obstbautechniker Koch, der feitber ■ in feinen Diensten stand, speziell für die Kreise Alsfeld, Lauterbach und Schotten anstellen. Der Kreis Schotten hätte aufzubringen zum Gehalt 300 Mk. und an Tagegeldern usw. etwa 200 Mk., zusammen also 500 Mk. Da die Beteiligung des Kreises Schotten an der Anstellung eines Obstbautechnikers mit dem Sitz in Alsfeld seinen obstbaulichen Interessen nicht voll und ganz entspricht, wollte sich der Kreistag für eine etwaige günstigere Lösung der Frage freie Hand behalten und bewilligte deshalb den angeforderten Betrag nur für die Dauer von drei Jahren.
Kreis Friedberg.
L. Friedberg, 22. Juli. Die Heidelbeerernte in unseren nahen Wäldern, namentlich am Winterstein, fällt
** Bahnpersona 1 ien. Verliehen wurde die Stelle des Vorstandes eines Eisenbahn-BetriebSamteS dem hessischen NegierungSbaumeister des EisenbabnbaufacheS Sieben in Saarbrücken. Einberufen zur Beschäftigung im Staats- eisenbahndienste ist der hessische Regierungsbaumeister deS MaschinenbaufacheS Zwilling bei der Eisenbahndirektion in Altona. Ernannt wurde AuShelfer Keller in Gießen zum Eisenbahngehilfen. Die Prüfung bestanden Schaffner Heiche in Gladenbach zum Zugführer, die HilfSschaffner Feld in ar in Gedern und Gauß in Grebenhain-Crainfeld, Brehm und Hitzel in Oberroden zum Schaffner. Belohnungen erhielten Lokomotivheizer PeterS in Usingen für Abwendung einer BetriebSaefahr, Balbach in Grävenwiesbach, weil er durch entschlossenes und tatkräftiges Handeln daS Uebersahren eines Kindes verhütete.
" Liebig - Musen m. Dem unbekannten Gießener Spender von 600 Mark für daS Liebig-Museum sagt der Arbeitsausschuß aus diesem Wege herzlichsten Dank. Am Donnerstag, den 24. Juli, nachmittags ßi/4 Uhr, findet im Liebig-Laboratorium die dritte Jahresversammlung der Ge- sellschaft statt, wobei Geh. Medizinalrat Sommer einen Vortrag über .Liebig vom Standpunkt der Familienforschung und Vererbungslehrehält. Alle Freunde des Museums sind dazu freundlichst eingeladen. Nach der Sitzung gesellige Zu- samnienkunft im Gatten deS Liebig-LaboratoriumS.
« ^ie bilden Singvögel-, bnS berühmte,
überall gern aebortc V oka l- D o p p e l -Q u a r t e t t Dom W theatey Stuttgart, die eine große Kvnzert-Tonrns durch Teutichland -und Oesterreich unternehmen, werden sich auch bei uns in CteiuS harten am 24. Juli 1913, abends 81', Uhr, mit cmev Auslese von Cuartetteu von Mo art, Haydn, TIenbelSiohn. Lortzing rc und die ihrem Element anpassenden schwäbischen Volksliedern, angetan in ihrer iatt'en'rohen LandeSti acht, hören lasten. Ihr Motto: „Volks, lieb, Volkslied, holdseliger Klang-, bürgt allen ScmaeSireunden für einen genußreichen Abend In dieser Art sangen die Schiväbi chen Singvögel vor der Kaiserlich deutschen Botschast in Wien am f. Juli 1911. Der Botichailer sandle folgendes AnerkennnngS- schreiben: »Dem Vokal-Dovvcl-Quartett .Siuger- bestätige ich hiermit gern, daß seine mit künstlerischer Vollendung aus der Kaiser liehen Botschaft vorgelragenen Lieder meine volle Anerkennung und Zufriedenheit gesimden haben. Namentlich haben auch die in so vortrefflicher weise zum Vortrag gebrachten Herz und Gemüt er- jreuenden Volkslieder tn schwäbischer Mundart allgemeinen Beifall gesunden und mitti und meine Gäste herzlich edteut*
— Rosen-AuSstellung. Die Roscnzüchter in der Provinz Oberhcffeu, in der Gegend um Bad-Nauhenn, haben fid) durch ihre hervorragenden Kulturen einen Weltruf er- HPtnben und versenden ihre Produkte weit über die Meere. Ulm nun den zahlreichen Verehrern und Kennern der Königin unter den Blumen im Rosenmonat, der sich m diesem Jahre bisher allerdings Mecht angeleficn hat, eine besondere Augen-
yiescs Jahr reichlich auS. Dennoch kostet der Liter 40 Pfg. — Die Seminaristen sind von der Alpenreise zurückgekehrt. — Die Großh. Handelskammer hat ihre diesmalige Sitzung in'Butzbach abgehalten.
r. Bad-Nauheim, 22. Juli. In der heute nachmittag cck,gehaltenen Sitzung der Stadtverordnetenversammlung wurde folgendes verhandelt: Ter Vorsitzende Bürgermeister Dr. K a i) | c r bringt ein Schreiben der .Hebammen des Ortsver- bands Friedberg-Bab-Nauheim, in dem für die gewährte Beihilfe zum hessischen Berbanostag gedaitkk wird, zur Kcmtttris der Versammlung. — Ter Voranschlag der E r n st - Ludwig- Schule in Höhe von 56 200 Mark wirb genehmigt. Stadtv. Kissel regt an, das; die Stadt zu dem bekannten Antrag Henrich, die Gemeinden zwecks Entlastung der Staatskasse, zu den Beiträgen für die höheren Schulen stärker heranzuzieheu, Steilung nimmt. Tarmstadt, Mainz, Fttebberg, Gießen ufw. hätten sich gewehrt, auch Bad-Nauheim müsse Vorgehen, da sonst eine jährliche Mehrbelastung von 4000 Mark in Aussicht ftänbe. — An einigen Schornsteine n des neuerbauten Grand-Botels fehlen Standbretter und Leitern, der Besitzer hat ein Befreiungsgesuch eingereicht. Tie Versammlung tthnt die Besürwvttuug des Gesuchs ab. — Tie Wirtschaftsrechnung der neuerbauten Sprudel- Apotheke wird mit 65 712 Matt genehmigt. Gegenüber dem Voranschlag sind 4000 Mark erspart. — Für die in diesem Jahr zum erstenmal eingeführten Automobil Omnibus? ährten hat bas Polizeiamt ein Fahrten und Preisverzeichnis ausgearbeitet. Tie Versammlung hat nichts gegen diese Satzung ein» zuwenden — Für die in der Altstadt beschäftigten städtischen Arbeiter soll auf dem Grundstück Brunnenstraße 8 eine Wellblech!) ü 11 e zum Preise von 560 Matt ausgestellt werden. Tie Lieferung der £>üttc wird an die Firma Gebrüder Achenbach in Weilburg an der Sieg vergeben. — Gestern nachmittag spielte im Konzerthaus der Schachmeister Mieses aus Leipzig gegen 16 Herren ein Simultanspiel. Dreizehn Partien gewann der Mttster, nvtbrcnb Lehrer Hamann uno ein Kurgast, Herr Hufnagel, den Meistersvieler besiegten. Tie brittc Partie, mit Prof, ll r st ad t -Gießen, mußte nach hartnäckigem Kampf als unentschieden beendet werden.
Strri5 Wetzlar.
0 Wißmar, 22. Juli. Auch hier hat sich eine Mehrheit für eine Zusammenlegung der Felder ergeben. Wißmar bat eine der größten Gemarkungen des Kreises, nämlich über 1400 Hektar, wovon 690 Hektar Wald sind. Auch für die Einführung des elektrischen Lichts ist Stimmung vorhanden
Gictzcucr Strafkammer.
... - C9C" Biehseuchenvcr^VbVnd'
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2: ^rU.19’3 bin,rr i»™ Tnnim brr Main- Winer-Bahn plötzlich niebergcfommcn, bat das K.nd
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würbe daS Kind von Vorübergehen^u, btc durch ihren
aufmerksam wurden, gefunden und in ärztliche Behandlung gebracht, >o daß es am Leben erhalten werden konnte. Aubaltsvunkte dafür, daß die Mutter den Tod ihres Kindes herbettühren wollte, haben sich nicht ergeben. Sie ist ht?cr nach $ 22, 1 2tGB. tthuldtg unb wirb in bie daselbst in Abs. 2 für Eltern vorgesehene Mrnde,t- ftrafe von sechs Monaten Gefängnis verurteilt.
Tie Mutter bestohlen haben soll der Taglöhner I. B. in B. Allerdings und ^atzeugen nur die Mutter unb der Bruder des Angeklagten. Wenn beide auch unbeeidigt blieben, so wurden ihre Angaben dock durch anöerwcitc Feststellungen genügend unterstützt. Das Gericht kam daher tn beiden dem Angeklagten zur Last gelegten Fällen zur Verurteilung. B. entwendete beide Male aus einer verschlossenen kvmmode zehn Mark. Tas erste Mal mustte er erst ein Stück Leiste mit dem Messer wegschnciden, um die Zunge des Schlosses freizulegen und weg- drücken zu können. Er erhält für einen schweren unb einen einfachen Tiebstahl eine Gesamtgeiängnisstrase voi' fünf Monaten.
Wegen Rückfalldicbstahls wird die Händlerin M. S. unter Zubilligung mildernder Jim* .stände zu drei Monaten zwei Wochen Gefängnis verurteilt. Trotz ihres Leugnens wird sie für überführt erachtet, in B. N. etwa zwölf Paar Strümpfe, einen Tamenrock und ein weißes Tischdeckchen, die nachher bei ihr gefunden wurden und die sie von einer Unbekannten gekauft haben will, entwendet zu haben.
Univcriitäfysllacbrtcbtciu
— Ter Alttestarneuller Prof. vr. theol. et phil. (rrnft Sellin in fR o ft o cf hat den Ruf an die Universität Kiel als Nachfolger von Prof A. Klosiermann angenommen.
— Für daS Fach der inneren Medizin habilitierte sich iu Marburg Dr. med. Fritz Loening mit einer Antrittsvorlesung über .Neuere Anschauungen über die Pathogenese des Ulcus peptienm."
— Ter Assistent Dr. Otto Haupt an der Technischen Hochschule zu Karlsruhe erhielt für das Wuitersernester 1913'14 einen Lehrauftrag zur Abhaltuug des Unterrichts in Arithmetik, Algebra, ebener und sphärischer Trigonometrie.
— Au die Kölner Akademie für praktische Medizm sind soeben vier Professoren berufen worden: Zum Professor für Chirurgie als Nachfolger des Geh. Mebizinalrats Prof. Bardeu heuer wurde der Leipziger Vrivatdozeut und Oberarzt an der bortigen chirurgifche« Klinik Dr. med Paul Frangenheim (geb. 1876 zu Bochum) ernannt. — Tie Professur für Pathologie an Stelle von Prof. Fores wurde dem Proscktor am Krankenhanse Charlottenburg-Westend und Leiter der stabt, bakteriologisckeiz Untersuchmigsanstalt in C h a r l o 11 c n b n r g SBvof.J?r. Albert Dietrick übertragen. Dr. Dietrich (geb. 1873 zn Schweidnitz), ivar früher a. o. Prsfeffor in Tübingen. - Atif den Lehrstuhl der Physiologie (an Stelle des Professors Dr. Secmnnn) wurde der o. Profesior der allgemeinetr und erperinientellen Pathologie an der deutschen Umucrfität in Prag Dr. Ewald Heinrich Hering berufen. — Tte Leitung deS nett zu erricktendeu hygienisch baktetto- logischen JnstittttS wurde dem Privatdozenten und ersten Assistenten am hygienischen Institut und Untettuchuilgsamt für ansteckende Kraufln'itcu der Universität Kiel Prof. Dr. Reiner Müller übertragen. Dr. Müller ist 1879 zit Petz, Rbeinvroviuz, geboren.
Wegen einer Reklamemarke ins Gefängnis
B. Mainz, 23. Juli. Wegen Versuchs des Straßenraubs wurde gestern vor der Feeienstrafckam' mer in Mainz ein 12 jähriger Junge aus Nierstein zu einem Tag Gefängnis verurteilt. Ter Jumge hatte auf der Straße zwischen Nierstein und Schwabsburg einem anderen Jungen Neklamemarken zu entreißen versucht. Deshalb war er des Versuchs des Straßenraubs angcklagt. Der Verurteilte wird der bedingten Begnadigung empfol)4en.
Wir sind der Ueberzeugmtg, daß der Junge bei seiner Begehrlichkeit nach den Neklamemarken gewitz nicht daS Einsehen gehabt hat, daß er sich damit des Versuchs des Straßenraubs schuldig mackst. Nach dem Bttck- staben des Gesetzes mußte er aber bestraft werden. ES ist uns aber unfaßlich, wie sich jemand wegen cuier solchen Lapalie an die Gerichte wenden kann.
Sport®
Fußball. Zu dem am vergangenen Sonntag auf dem Trieb ausgctragenen Wettspiel des Vereins für Bc wegungsspiele und des Sportvereins „Merkur" wird uns mitgeteilt, daß es nicht eine „zusammengesetzte", sondern die vollständige 1. Mannschaft des Vereins für Bewegungs spiele war.
wandern und Reisen, väder.
*Nordfecbad Büsum. 9)lan schreibt un8: Ein stuck art. SB. H. hat auf freier Seehundsjagd 9 Seehunde (Prachtereinplare) an 3 Jagd tagen mit nach Hanfe gebracht. Man sieht, wie nicht nur Kurfuchende, sondern aurt) Sportsleute in unserem schönen Büsum auf ihre Rechnung kommen. Im ganzen dürften bisher 65 Seehunde geschoßen worden sein.
Ein Raub der Zavanerin.
Eine m y st e r i ö s e E n t f ü h r u n g s g e s ch i ch t e, welche längere Zeit die Kriminalpolizei von B c r l i n - S ch o n e b e r g in erfolglosen Nachforschungen beschäftigte, hat nunmehr ihre Aufklärung gefunden. Tie 15jähttgc Agnes Gardist i, bie in Batavia auf Java geboren ist, befand sich seit eiiiiger Zeit in einer Pension eines Herrn Holste in der Telmolderstraße in Berlin-Wilmersdorf. Ihr Vater war vor einigen Jal".^.i gestorben, und ihre Mutter halte sich mit einem Londoner Großkanfmann namens Menke, einem gebürtigen Deutschen, der auf Java ausgedehnte Besitzungen hat, von neuem verheiratet.
Eiide Juizi vor. Jahres wollte nun die Mutter ihr Kind wieder abholen und begab sich in die Holske'sche Pension. Dort wurde ihr jedoch bedeutet, daß sie zunächst die noch ausstehenden 3000 Mark bezahlen solle. Da der Pensionspreis stets pünktlich bezahlt worden war, so verweigerte Frau Menke die Zahlung der geforderten Summe. Um nun zu dem Geldc zu gelangen, griff Holzke zu einem recht eigentümlichen Mittel. Er erklärte nämlich, daß er das Kind nicht eher heraiisgeben würde, als bis die 3000 Alk. gezahlt seien. Frau Menke erwirkte darauf am 27. Juni am Amtsgericht Charlottenburg eine einstweilige Verfügung, durch die Holzke verurteilt wurde, das Kind herauszugebeil. Holcke hielt aber das Mädchen seitdem verborgeft, sodaß die Mutter sich veranlaßt sah, die Kriminalpolizei um Hilfe zn ersuchen. Die zuständige Schöneberger Kriininalpolizei liahm auch mehrere Haussuchungen vor, die jedoch ergebnislos verliefen. Wie jetzt fcftgtfteQi ist, ist die Kriminalpolizei bei der ersten Haussuchung hinlers Licht geführt worden. Das Kind befand sich nämlich bei den beiden Töchtern der Holzke'schen Eheleute im Bett und die Polizei hatte mit Rück- sicht auf die Tochter die Ha»issuchung auf diese Räume nicht alis- gedehnt.
Ta mich die weiteren^ Nachforschungen der Polizei ohne jeden Erfolg blieben, übertrug die geängstigstc Muster die Angelegenheit dem aus den Assairen Pfeil und Garrison bekannten Detektiv ® raget am 11 Juli. Am vergangenen Freitag bekam Gräger nun die Nachricht, daß eine Ansichtspostkarte eingelaufen fei, aus der hervorging, daß die Verschwundene mit der einen Tochter des Holzke m Probstzella gewesen sei. Er begab sich deswegen sofort nach Probsttella und ermittelte dort, daß die Beiden in der Nacht von Mittwoch zu Donnerstag voriger Woche, also vom 16. zum 17. Juli, auf dem Bahnhof Probstzella gesehen ivorben sind. Tie Mädchen waren mit dem Berliner Schnellzug ur.chtS 1 Uhr dort eingetroffen unb sind kurz vor 3 Uhr •ruh mit einem Personenzug in der Richtung Stockheim weiterge,ahcen. Tie beiden tu der Nacht allcinrelsenden Mäd- I waren dem Bahnversonal allgemein aufgefallen, so 1 nur dadurch die Feststellungen überhaupt »nöglich waren. Ta


