Nr. <70
Zwetter Blatt
163. Jahrgang
Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.
das?, in bauernbündlcrischen Kreisen darauf fyingcarbeitet werde, eine abermalige Hinausschiebung der B^soldungs- reform in die Wege zu leiten. Tie wirtschaftliche Vereinigung ist schon deshalb für die Erledigung der Besol- dungsvorlagc auf diesem Landtag, damit sie iricht von irgend einer Partei als Wahlparole verwendet werden kann.
Tie „Gießener Zavnlienblätter" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, daS „Krcisblatt für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Tie „randwirtschaftlichen seit- fragen" erscheinen monatlich zweimal.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul« straße 7. Expedition und Verlag: 51.
Redaktion:^8A112. Tel.-Adr.: AnzeigerGießen,
Landwirbeltiere ohne Lunge.
Daß altes, was da atmet im rosigen Licht, der Lunge zürn Leben bedürfe, ist eine Anschauung, die uns nach allem, was wir von Biologie wissen, selbstverständlich geworden ist. Und doch gibt es Wirbeltiere gleich uns, die Luft atmen, genau rote wir, und doch keine Spur von einer Lunge haben. Aus diese wundersamen Landwirbeltiere macht Wilhelm Bölsche in dem demnächst erscheinenden neuesten Hefte von lieber Land und Meer (Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart) in einer iMeressanten natur- wissenschastliclren Plauderei aufmerksam. Es sind die Mitglieder einer Lurchfamilie, der Gattung Spelerpes, deren einziger in Europa lebender Vertreter der „braune Höhtensalamander (Spelrpes fuscsu) in Italien ist. Alle seine Genossen von der engeren Gattung wie einem sich anschließenden größeren Kreise wohnen sonst in Nord- und SiDafrika. Irgendein Ürweltsweg muß ihn in unvordenklichen Zeiten bis in unsere Regionen .gefoifct haben. Bei diesem ganzen Geschlecht von mehr als einem HaD-
Heues von Cer Ecschlechtrbestiinmung.
Knabe oder Mädchen? Dieses Problem gehört zu denen, die die Menschen am meisten beschäftigen und jede Mitteilung darüber, einerlei, ob es sich um Ergebnisse wissenschaftlicher Forschungen oder unwissenschaftliche Sensationsnachrichten handelt, wird sicher in den weitesten Kreisen erörtert. Ist nun die Frage der Geschlechtsbestimmung seit den Tagen, wo die Schenksche Theorie die Well in Aufregung versetzte, der Lösung näher gebracht? Gewiß, und zwar um ein gutes .Stück: ja so weit, daß man annehmen tann, daß sie in nächster Zeit wahrscheinlich gelöst werden wird.
Der Wiener Biologe Paul Kammerer setzt den gegenwärtigen Stand der Frage in einem Büchlein, das soeben unter dem Titel „Destimmnug und Vererbung des Geschlechts bei Pftanze, Tier und Mensch" im Verlage von Th.odor Thomas in Leipzig erscheint, in knapper Form, streng wissensck^aftlich und dabei doch allgemein verständlich auseinander. Bis vor wenigen Jahren tappte man bei der Frage nach der Geschlechtsbestimmung noch im Dunkeln, und manche Versuche, z. B. die eigentümlichen Be- sttahlungen mit farbigem Licht, durch die Flammarion bei Raupen das Geschlecht beeinflussen tonnte, machten die Frage noch unklarer. Gegenwärtig stimmen die meisten Forscher darin überein, daß das Geschlecht vererbt wird, in .dem Sinne, daß es als erbliche Eigenschaft irgend einem anderen Rassenmerkmal verglichen werden tann. Von w.lchen Faktoren die Geschlechtsbestimmung abh.ingt, Hal man auch mit .Hilfe der Statistik untersuchen wollen, aber auch hier sind die Ergebnisse zum Teil recht widersprechend. Nach einigen Autoren soll sich das Geschlecht der Kinder '. B. nach dem Alter der Eltern oder nach dem 'Altersunterschiede zwischen Vater und Mutter richten, nach anderen soll bei Ehen ohne großen Altersunterschied des Geschlecht des schwächeren Teiles der Eltern für den größten Teil der Kinder maßgebend sein. Es ist statistisch sestgestrllt, daß nach Ereignissen, die eine große Zahl der männlichen Bevölkerung Hinwegrassen: z. B. Kriege, und Auswanderungen, die Knaben- geburten zunehmen usw. Alles, was sich aus der Statistik ableiten läßt, ist nach Kammerer folgendes: es gibt unleugbar Einflüsse, die das normale Geschlechtsverhältnis zu verschieben imstande sind, und zweitens kann man als sicher annehmen, daß der Ernährnngs- ober Reisezustand der Keimpwdukte mit der Bestimnrimg über das Geschleckt etwas zu tun hat. Die als abgetan betrachtete Schenksche Theorie kommt demnach, wenn auch nur in gewissem Sinne, wieder zu Ehren. Am Meeresringelwurm (Dinophilusi, sind z. B. verschiedene Versuche über die geschlechtsbestimmenden Ursachen gemacht worden. Bei ihm gibt es in ein und demselben Eierstocke größere Gier, aus denen Weibchen werden, und Heinere, aus denen sich Männchen entwickeln. Massen erzielte nun bei gemäßigter Zimmertemperatur dreimal sovrele Weibchen wie München, in Kältekulturen mehr als viermal soviel Weibchen, und in Wärmekulturen war die Verteilung der Ge- schlecÄkr ungefähr gleich.
Mittwoch, 25. Juli W
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schea Universitäts - Buch- und Steindruckerei.
9L Lange, Dießen.
hundert verschiedener Arten müßte man eigentlich ein paar kräftig entwickelte Lungenflügel vermuten. Tann die verwandten Tiere, wie Feuersalamander und Teichmolch, sind zwar darin Amphibien, daß sie als freie Kaulquappen im Wasser mit fischhaften Kiemen kWasserlust atmen können, aber ivenn sie als reife Geschöpfe aufs Land gehen, haben sie so gut Lungen zu freier Lnftattnung wie nur irgendein Säugetier oder wir Menschen selber. Um so überraschender muß nun die Kunde klingen, daß die Anatomen beim genauen Zergliedern der Spelerpesarten auch nicht daß allerkleinste Substanzzipfelchen gefunden haben, das auf eine Lunge gedeutet werden könnte.
Es ist sonst ein vielgestalttges Völklein: manche dieser Mlche klettern hoch auf Bäumen, andere können weite Sprünge voll- sühren: manche haben einen Greifschwanz, an dem sie ftkh eine Weile schwebend erhalten, noch andere führen lange Zähne zur Wehr: die einen leben streng auf dem Lande, wie der italienücffc Döhlensalamander, andere gehen auch ins Wasser. Allen gemein ist aber der Verzicht aus jedes besondere Atmungsorgan. Schaut man einem solchen lungenlosen Salamander eine Weile zu, so gewahrt man mit Befremden ein unablässiges schnelles Schwingen der Kehlhaut, das eigentlich auf eine sehr heftige Lungenarbeit schließen ließe. Aber der geheimnisvolle Lurch atmet nicht vom Mund in den Lungen schlund, sondern er atmet mit der Mundhöhle selber. Schon hier treten die Blutgesäße zum nötigen Gasaus- tauid) unmittelbar heran. Und dies Atmungsseld breitet sich dann über die gesamte äußere Körperfläche bis in die entlegensten Ausläufer. Tas Tier atmet mit der Außenhaut des Körpers, und zwar sind es merkwürdigerweise besonders die Zehen, die oft durch ein sehr starkes oberflächliches Blutnetz am erfolgreichsten diesem Zwecke dienen.
Eine Erklärung sür das einzigartige Phänomen läßt sich finden, wenn man diese wunderbarste „Anpassung" auf ursprüngliche Verhältnisse zurückführt, wie sie gerade bei dem italienischen Höhlensalamander sich noch beutlich erkennen lassen. Diese Molche müssen lange Zeit Weber völlig au( dem Trockenen noch völlig im wirklichen Wasser gelebt haben. An feuchten Grottenwänden kletternd, erhielten sie ehren immer* währenden seinen Sprühregen auf Maul und Haut, der die ja stets ein wenig vorhandene Atmung der äußeren Haut durch die beständige Reizung außerordentlich verstärkte. So haben denn diese Molcke, nachdem sich eine regelrechte Hautattnung bei ihnen entwickelt hatte, die Lunge nachträglick wieder abgeschasst. Denn zweifellos gehört zur gesamten Organisationshöhe des echten Molches auch der ursprüngliche Besitz einer Lunge in reifem Zustand.
Jedenfalls ist uns dadurch in dem unendlich reichen Haushalte der Rattir eine Tiergattung beschert worden, die hauptsächlich mit dem Gaumen und den Fingerspitzen atmet.
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— Kurze Nachrichten aus Kunst und Wissenschaft. Der bekannte medizinische Historiker und Serualwrscher Jivan Bloch in Berlin ist zum korrespondierenden Ehren- mitgiiebe der Royal Society of Lorchon ernannt worden.
Wichtiger, als Versuche an niederen Tieren sind nauirlich die an höheren, besonders an Wirbeltieren, unö das Interessanteste, was auf diesem Gebiete bisher entdeckt worden ist, sind wohl die Ergebnisse der Versuche R. HertwigS an Fröschen. Hertwig hat dafür gesorgt, daß die Froscheier in verschiedenem Reisezustande befruchtet wurden, so daß Eier desselben Tieres in Abständen von 6. 18, 24 usw. bis 96 Stunden befruchtet wurden. Den Ausfall dieser Versuche mit frühreifen, reifen und überreifen Eizellen drückt Kammerer in den Worten aus, daß von Befruchtung zu Befruchtung der Ueberschuß an Männchen immer großer wird, bis zuletzt, bei 72- bis 96stündigen^ Intervallen ausschließlich Männchen zur Entwicklung gelangen. Frühreise und überreife Eier entwickeln sich zu Männchen, während die Weibchen desto mehr vorherrschen, je genauer das Ei sich zur Befruchtungszeit aus dem Höhepunkte seiner Reife befindet. Mit anderen Worten heißt dies, ein Männchen entsteht jedesmal, wenn der Keim sicv unter möglichst ungünstigen Bedingungen befindet, die ihm gerade noch erlauben, sich zu entwickeln, kurz an der Grenze der Entwicklungsmöglichkeit, Weibchen dagegen entstehen bei der besten Entwicklungsmöglichkeit. Der Unterschied zwischen frühreifen, Vollreifen und überreifen Eiern beruht auf dem Verhältnis des Zellkerns zum Zelleib: bei unreifen und überreifen Eiern ist der Zellkern ungewöhnlich groß, in vollreifem Ei besteht der Hauptteil der Zelle aus dem eigentlichen Zelleib. Tas Verhältnis zwischen Zelleib und Zellkern hängt aber von Außen - bebingungen ab: ungünstige chemische unb Temperatureinflüsse, Hunger unb Kälte, bewirken, baß der Zelleib verhältnismäßig zu klein bleibt, Wärme, Licht, Abwesenheit von Giften, kurz alle Einflüsse, bie den Stoffwechsel fördern, lassen den Zelleib verhältnismäßig stark anroack-sen. Tie weibliche Zelle und die weiblich bestimmte Keimzelle ist somit in letzter Linie die besser ernährte Zelle, unb guter Ernährungszustanb wirkt mittelbar tveibchenbestimmend, ebenso der schlechte Ernährungszustanb männ- chenbeftimmenb.
Gießener Altzeiger
GeneM-Anzeiger für OderheW
Die Regelung der Krankenversicherung der Handlungsgehilfen und -Gehilfinnen beschäftigt die beteiligten Kreise gegenwärtig auf das eingehendste. Mit dein 1. Januar 1914 tritt die Reichsversicherungsordnung in ftraft; damit hören die bisher den freien Hilfskassen auf Grund des § 75a !deS Krankenversicherungsgesetzes zustehenden Rechte auf. Rach den neuen gesetzlichen Vorschriften können sie aber als Ersatzlassen zugelassen werden. Ein Teil der Kassen und zwar solche, die weniger als 1000 Mitglieder zählen, müssen mit dem 31. Dezember 1913 eingehen. Für manche der bestehenden Kassen ist es aber überhaupt unmöglich, den neuen gesetzlichen Bcstim- mungen sich anzupassen, und so hat beispielsweise die Kran- kenlasse des Kaufmännischen Verbandes für weibliche Angestellte bereits auf ihrer Generalversammlung beschlossen, daß sie mit dem 31. Dezember 1913 zu bestehen aufhört. Es ist natürlich für die kaufmännischen Angestellten nun von Bedeutung, daß ihnen auch weiterhin die Möglichkeit verbleibt, sich einer Krankenkasse des Berufsvereins anzu- schließen. Neue Ersatzkassen werden nicht zugelassen und unter den bestehenden Krankenkassen ist die älteste die des Vereins der Deutschen Kaufleute, Sitz Berlin, und diese hat auf ihrer Tagung am Sonntag, den 20. Juli, beschlossen, als Ersa'tzkasse weiterhin zu arbeiten. Es wird damit für männliche und weibliche kaufmännische Angestellte alfo weiterhin eine Krankenkasse verbleiben, wie sie bisher als freie Hilfslasse bestand. Infolge der Bestimmung, daß V3 des Betrages für die Ortskrankenlasse seitens der Arbeitgeber an die Ortskrankenkasse gezahlt werden muß, auch wenn die Angestellten der Ersatzkasse angehören, was bisher nicht der Fall war, und dieser Beitrag zu Vs der Ersatz- kasse von feiten der Ortskrankenkasse wieder zugeführt werden muß, wird die Kasse des Vereins der Deutschen Kaufleute für die Folge ihren Mitgliedern diesen Betrag auf den Beitrag in Abzug bringen. Somit ist die Versicherung in der Ersatzkasse des Vereins der Deutschen Kaufleute außerordentlich viel vorteilhafter wie bisher. Ta die Kasse bereits jetzt den Reservefonds in der gesetzlichen Höhe besitzt, den sie erst am Schluß des Jahres zu haben brauchte, die Kasse also in denkbar besten Verhältnissen sich befindet, war es den Vertretern der Mitglieder möglich, eine Reihe von Mehrleistungen in der gestrigen Generalversammlung zu beschließen. Da alle Bestimmungen in Uebercintonmieh mit der staatlichen Aufsichtsbehörde getroffen sind, ist die Anerkennung der Kasse als Ersatzkaffe sicher gestellt.
Ab 1. Januar 1914 ist ja auch der Kreis der Versicherungspflichtigen erweitert, da alsdann alle Personen mit einem Einkommen bis zu 2500 Mck. versicherungspflichtig sind. So ist also für diese Kreise auch die Frage von Wichtigkeit, daß für sie eine Ersatzkasse besteht. Schon heute werden für die Mitglieder solcher Kassen, die sich auf lösen werden, wie auch bisher Nichtversicherte Anmeldungen zum Beitritt entgegengenommen. Drucksachen für weitere Auskunft versendet die Geschäftsstelle der Krankenkasse des Vereins der Deutschen Kaufleute, Berlin S. 14, Alte Jakobstraße 811.
Der Stand der hessischen vcsoldungrrcsorm.
Darmstadt, 22. Juli. Die nun seit mehr als fünf Jahren und besonders noch bis in die jüngste Zeit hinein so scharf umstrittene Besoldungsvorlage ist nach der heute abyehaltenen bis zum Nachmittag ausgedehnten Beratung der „Wirtschaftlichen Vereinigung" der zweiten Kammer nun wirklich auch in Sommerferien gegangen und zwar unter recht günstigen Auspizien. Nachdem nämlich in, der letzten Fraktionssitzung der Nationalliberalen als einstim- mige Deinung zum Ausdruck gekommen war, daß die Be- svldungsreform unter feinen Umständen länger hinausgeschoben werden dürfe, sondern aus jeden Fall im kommenden Herbst vor Beginn der neuen Voranschlagsberatung von der zweiten Kammer erledigt werden müsse, ist auch die Versammlung der 30 von den 58 Mitgliedern der Kammer umfassenden „Wirtschaftlichen Vereinigung" zu einem ähnlichen Beschluß gelangt, lieber das Ergebnis dieser Be- ratung wurde folgende Meldung ausgegeben:
„Die Wirtschaftliche Vereinigung der zroeitcn Kammer hat heute die Berichte von drei Mitgliedern des Finanzausschusses über den Stand der Beratungen der Besvldungsordnung entgegcn- genomiucn und die Haltung dieser Ausschußinitglieder gebilligt. Sie hält einmütig an den Richtlinien vom 4. Juni d. I. fest und betont ausdrücklich, daß die notwendige und mögliche Vereinfachung der Staatsverroallung zu beschleunigen ist. Die „Wirtschaftliche Bereinigung" erstrebt nach wie vor die Verabschiedung des Besoldungsgesetzes im Sinne der von ihr gefaßten Richtlinien noch in diesem Landtag uüd ist bereit, der Erledigung jede Förderung angedeihen zu lassen."
Diese recht vorsichtig gehaltene Entschließung bedarf nach verschiedener Richtung hin der Erläuterung und Ergänzung. Es ist an sich erfreulich, daß die Versainmlung, in der 22 Mitglieder zugegen waren, der .Haltung der drei Fman^ausschtls.initglieder — es waren die Abg. Brauer, Dr. Weber unb Best — zugestimmt haben. Denn diese — zwei Bauernbündler und ein Nationalliberaler — waren im Finanzausschuß sehr eifrig tätig, eine schleunige Verständigung über alle Tifferenzpunkte herbeizuführen. Das „einmütige" Festhalten an den Richtlinien vom 4. Juli d. I., die in dem .Hauptbestreben nach einer möglichsten Gleichstellung der Gehaltsbezüge der Beamten in Stadt unb Laub gipfeln, könnte allerdings zu mancherlei recht ernsten Bedenken Veranlassung geben. Es wirb uns aber auf bas bestimmteste versichert, daß diese Richtlinien, so bestimmt sie. auch in ihrem Wortlaut sind, doch eben nur Richtlinien sein sollen, die als Grundlage für die endgültige Verstän- digutig in der zweiten Kammer bienen werben. Auf diese „Richtlinien" werden wir in einem weiteren Artikel noch näher eingehen. Für heute sei nur der letzte Satz der obigen Entschließung einer näheren Erläuterung unterzogen. Es heißt darin, daß „noch in diesem Landtag" die Verabschiedung des Besoldungsgesetzes erstrebt werde. Uebereinstimmend wirb uns berichtet, daß in der Versammlung ausdrücklich die Notwendigkeit betont wurde, die Vorlage im kommenden November oder Dezember in der zweiten Kammer fertigzustellen unb zwar ohne jebe Steuererhöhung. Die Bezeichnung „noch in diesem Lanbtag" könne auch kaum etwas anderes bedeuten, da ja der gegenwärtige 35. Landtag mit dem Sommer 1914 zu Ende geht und die Frühjahrstagung, wie alljährlich, mit der Voranschlagsberatung ausgefüllt zu werben pflegt. Die Versammlung habe sich jebenfalls einmütig für eine Verabschiedung in den Herbst- mon aten ausgesprochen. Diese Feststellung erscheint uns um so wichtiger, als noch kürzlich wieder aus Beamtenkreisen — unb leider auch in einem großen außerhessischen Blatte — bie Befürchtung zum Ausbruck gebracht wurde,
Arbeiterbewegung.
Ter Streik der deutschen Werftarbeiter.
Hamburg, 22. Juli. Die Vorstände der auf den Sceschiffswcrften vertretenen gewerkschaftlichen Zentralverbände erlassen eine längere Erklärung, in der sie aussührcn, daß durch Bersckuloen mehrerer Mitglieder die Beioegung schon jetzt auf einem Punkt angelangt ist, aus dein sie nicht, mehr zu Ende geführt werden kann. Deshalb könnten .die Vorstände die Beranttvorlung für den Ausgang der Bewegung nicht übernehmen. Da die Statuten der gewerkschaftlichen Zentralverbände ihren Mitgliedern in allen Fällen, in denen die Streiks ohne Genel-- migung der Vorstände eingeleitct worden sind, die Zlnterstützung verweigern, werden auch keine Streikunterstützungen gezahlt.
Bremen, 22. Juli. Ueber die Streikbewegung auf den Weserwerken berichtet die „Weserzeitung": Eine von etwa 400 Arbeitern besuchte Versammlung beschloß gegen 12 Stimmen, daß die Angehörigen des .Holz^trbciterverbaTckes, die aus der Werft A k t i e n g e s e 11 s ch a s t „W c s e r" beschäftigt sind, den Anweisungen des Verbandsvorstandes solgen und die Arbeit nicht nicderlegen. Dem Entschluß unterwarfen sich auch die Holzarbeiter der Atlaswerke. Dü Zahl der Aus st ä n- d i g e n in den Atlaswerken mit Ausschluß der Meister, Lehrlinge und Holzarbeiter, die Weiterarbeiten, beträgt etwa 1600. Aus der Werft Altiengcsellsck)aft „Weser" werden morgen, wenn die beschlossene Arbeitsniederlegung unter dlusschluß der Holzarbeiter erfolgt, etwa 4000 Mann ausständig. Zusammen beträgt die Zahl mit ben Ausständigen auf der Werst „Vulkan" in Vegesack 8600. Aus Bremerhaven wird gemeldet, daß die Arbeiter der Werften Geestemünde und Lehe, sowie des technischen Betriebes des Norddentschen Lloyds in gestern abend abgelyaltencn Versammlung, e. zu keinem endgültigen Entschluß darüber gekommen sind, ob sie sich dem Streik anschließen sollen oder nicht. Besotldcrs die Arbeiter des technischen Betriebs des Norddeutschen Lloyds verhalten sich ablehnend. Auf allen Werftbetrieben der „Untcrroefer" wurde heute normalerweise gearbeitet. Am Donnerstag wollen sich die Arbeiter versammeln, um über ihr künftiges Verhalten zu beschließen.
Stettin, 22. Juli. Die städtischen Hafenarbeiter, Kranführer und Hilfskranführcr des Freihafenbezirks drohen mit Streik, wenn der Magistrat nicht ihre Wünsche erfüllt: Durchführung des Neunstundenarbeitstages und Erhöhung der Lohnsätze unter Bezahlung der Feiertage. Heute vormittag sand im Rathause eine Besprechung des Oberbürgermeisters und der näcbftbcteiligten Dezernenten des Magistrats mit den Vertrauensmännern der Arbeiterschaft statt, in bet der Oberbürgermeister darauf hinwics, daß die städtische Finanzlage zurzeit die Erfüllung der Wünsche unmöglich mache und daß erst im September, wenn die städtischen .Körperschaften unb Kommissionen wieder zusammentreten, darüber verhandelt werden könnte. Er würde dafür eintreten, daß bie Beschlüsse, wenn sie den Wünschen der Arbeiter entsprechen, Wirkung vom 1. August erhalten sollen. Der Oberbürgermeister empfahl den Arbeitervertretern, ihre Kameraden zur Besonnenheit und Ruhe zu ermahnen, da durch den Bruch der friedlichen Beziehungen zur Stadtverwaltung kein Vorteil zu erzielen sei. In zwei großen öffentlichen Versammlungen werden die Arbeiter heute abend zu diesen Ausführungen Stellung nehmen und darüber schlüssig werden, ob sie die Vorschläge des Magistrats annehmen ober nicht.
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London, 22. Juli. Der Streik der Hafenarbeiter in Hüll ist beigelegt worden. Die Arbeitgeber haben die Forderung auf Lohnerhöhung angenommen, aber nicht die Forderung auf Verminderung der Arbeitszeit. Die Arbeiter haben diese Bedingung angenommen und wollen die Arbeit heute wieder ausnchmen.
Barcelona, 22. Juli. Fast sämtliche Gießereiarbei- t e r sind in den Ausstand getreten. Auch eine Bewegung unter den Färbereiarbeitern wird gemeldet.
en früh emtreffend:
»Hr-Mim -lO-'pfünbig, Pfund 22 Psg. im Ausschnitt, Pfund 28 Psg. N«’S# »fündig, Pfund 40 Psg.
sischkotelctts 35 M (* d. 45 w
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Pst. NM.. I0M1.-M.
st- gelb!, 10 Pst. «5 » ige, «eiße, 10 Pst. " »
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