Drittes Blatt
163. Jahrgang
Rk. 65
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Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.
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Kreis Wetzlar.
Braunfels, 14. März. Auf Antrag des Verschöner- ungsvereins hat die Kgl. Eisenbahndirektion genehmigt, daß die Sonntagsfahrkarten von Gießen und Wetzlar nach Braunfels zu denr bisherigen Fahrpreise wahlfreie Gültigkeit nach Braunfels oder Braunfels-Obcrn- dorf haben.
Die Eisenbahn haiger-Gusternham.
In das Eisenbalmanleihegesetz, ist die Herstellung der Eisenbahn Haiger-Gusternhain ausgenommen worden. Die 'Begründung lautet:
Die Bahn von Haiger <nt der Strecke Gießen—Köln nach tznrsternhain soll den von ihr durchzogcnerr Landstrich besser cr>
Hessen-Nassau.
io. Hanau, 14. März. Zur Feier des hundertjäh^ rigen Bestehens der O ber- Rc alschu l e farrd heute mittag ein akademischer Festakt in der Jo Harrn iskirche statt. Erschienen waren Vertreter des Konsistoriums, des Provürzial-Schulkolle- giums und der Universität Marburg. Die Festrede hielt O6cr-= realschuldirektor S chmrd t. Ehenuüige Schüler der Anstalt über- reiästcn eine Stiftung von 20 000 Mark zur geistigen mtb körperlichen Förderung der Schüler. Es tourtet verschiedene Orden,' verliehet.
Die „chiehener Familienblätter" werden dem .Anzeiger" vierinal wöchentlich beigelegt, das „Lreirblatt für den Ureis Gießen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen 3eit- fragen" erscheinen monatlich zwennal.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul» straße 7. Expedition und Verlag: 51.
Redaktion:«^112. Tel.-Adr.-AnzeigerGteßen.
Dienstag, 18. März 1913
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UniversitätS - Buch- und Steindruckerei.
R. Lange, Gießen.
-nberg-Bräi ien vorzüglichen _ md Süd-Wen en Preisen.__l?
Aus Stadt und (and»
Gießen, 18. März 1913.
** Lehrerurlaub für Leipzig. Tie s2ßbte ititng für Schulangelegenheiten des Ministeriums des Innern gibt den ihr unterstellten Behörden bekannt, daß den Lehrern, die an dem vom 12. bis 16. Juli in Leipzig statt stnb enden 12. Deutschen Turnfest teilnehmen wollen, der hierzu erforderliche Urlaub zu gewähre:: ist, sofern sich dies ohne erhebliche Störung des Unterrichts ermöglichen läßt und aus dem Besuche ein Nutzen für den Lehrer zu erwarten ist.
** Das Husaren-Regiment „König Humbert von Italien" (1. Kur Hess.) Nr. 13, das längere Zeit in Hofgeismar, Frankfurt a. M.-Bockenheim und Mainz in Ganrison gestanden hat, begeht vom 15. bis 17. August in Dietenhofen die Feier der hundertjährige n Wiederkehr des Stiftungstages des Regiments. Für die Feier ist folgendes Programm festgesetzt: am 15. August: Begrüßung oer Gäste, Kommers; am 16. August: Parade des Regiments zu Pferde, anschließend Parademarsch der ehemaligen Angehörigen des Regiments, Reiterfest, Festessen bezw. Festlichleiten innerhalb der Eskadrons; am 17. August: Besuch der Schlachtfelder bei Metz. Alle, die an der Feier teilnehmen wollen, werden gebeten, dies dem Regiments- Geschäftszinrmer bis 15. April d. Js. unter genauer Angabe der Adresse mitzuteilen. Mitglieder eines Vereins ehemat. 13 er Husaren können die Anmeldung an den Vorstand ihres Vereins richten.
schließen. Sie liegt in ihrer Llusdehnung von 16,7 Kilometer im Tillkreis (515 Quadratkilometer, 51000 Einwohner) des Regie rungsbezirks Wiesbaden. Ihr Verkehrsgebiet umfasst rund 60 Quadratkilometer mit 6000 Bewohnern <auf 1 Quadratkilometer 100 Bewohner) und folgenden Ortschaften: Haiger (2200 Einwohner), Flammersbach (300 Einwohner), Langenaubach (800 Einwohner), Aiedenbach (400 Einwohner), Erdbach (400 Einwohner), Breitsckeid (900 Einwohner), Rabenscheid (300 Einwohner), Gusternhain (400 Einwohner). Die Bevölkerung treibt teils Land' wirtscl)ast, teils ist sie in gewerblichen Betrieben tätig. Auch uchen zahlreiche Arbeiter ihren Lebensunterhalt in den^Berg- und Hüttenwerken der weiteren Umgegend sowie im Kreise Siegen, wobei sie, je nach Lage des Arbeitsplanes und des Wohnortes, täglich oder wöchentlich, soweit tunlich uMer Betmhnng der Bahn, nach Hause zurückkehren. Das Gebiet ist gebirgig: im nördlichen Teile schluclsteurcich läuft es int Süden und Südwesten in die hügelige Hochebene des Hoheit Westcrwaldes aus. Der Ackcrbotet — leichter Lehmboden — ist von guter Ertragfähigkeit, bedarf jedoch der Zuführung künstlicher Düngemittel. Angcbaut werden zumeist Weizen, Roggett, Gerste, -Hafer, Erbsen und Kartoffeln. Die Wiesen liefent Heu und Futterkräuter. Jnr Durch- chnitt wird jedoch nicht so viel geerntet, als zur Ernährung der Bevölkerung notwendig ist: cs müssen deshalb Mehl, Getreide, Hülsenfrüchte und Futtermittel cingesührt werden. Zur Ausfuhr gelangen nur Kartoffeln, Heu und Stroh. Die Waldungen enthalten neben Eichen und Erlen nberroicgenb Buchen- und Nadelhölzer und weifen gute, znM Teil vorzügliche Bestände aus. Die Viehhaltung ist nicht unbedeutend. Ein größerer Harrte über Haiger hinaus, wo mehrere Viehmärkte abgehalten werden, wird indessen nicht betrieben. Ausschlaggebend für die künftige Entwicklung des Landsttiches sind die in großen Mengen vorhandenen, zum Teil wertvollen Bodenschätze, welche schon jetzt zur Anlage größerer industrieller Werke geführt haben. Bergre.chtlich verliehen sind 18 6 Gr ub en selb er, in der Hauptsache auf Eisen, außerdem auf Mangan, Kupfer, Blei, Zink, Schwefelkies, Ton, Braunkohlen und Schiefer. Auch Basalt ist in großen Ablagerungen anzutreften. Ausgedehnte Kalksteinlager finden sich bei Langenaubach. . Sie werden fast ausschließlich von der Gewerkschaft Constanze ausgebeutet, die in ihren von der Gemeinde gepachteten Brücte: etwa 70 Mann beschäftigt und die gewonnenen Kalksteine — jährlich etwa 44 000 Tonnen — mittels einer schmalspurigen Privatanschlußbahn der Station Haiger zur Verfrachtung nach den Hochosenwerken der näheren und weiteren Umgebung zuführt. Die übrigen zahlreichen Kalksteinbrüchc in der Gemeinde Langeitaubach sind, da der Bau weiterer Gruben- oder Drahtscilbalpten durch Vertrag zwischen der Gemeinde iind der Gewerkschaft Constanze auf Jahrzehnte lstnaus ansgcscl-lossin, der Gewerkschaft gegenüber infolge der höhnt Achsftachten bis zur Bahn nicht wettbewerbsfähig und werden deshalb nur ganz vereinzelt abgebaut.
Tic in der Umgegend von Breitscheid gelagerten Tone haben Veranlassung zu einer nicht unbedeutenden Industrie gegeben. Neben 12 selbständigen kleineren Töpfereien ist dort die „Wester- Wälder Toitindustrie", A. m. b. H. ansässig, die den in ^großer Mächtigkeit und Reinheit anstehenden weißen plasttscheit Ton in rohem Zustande verseitdct, und in der am Orte bestehenden Fabrik, die je nach der Geschäftslage 120 bis 200 'Arbeiter beschäftigt, zu Schamottetoaren und -steinen verarbeitet. Roherzeugnissc unb Waren werden mittels einer 5,5 .Kilometer langen Drahtseilbahn, die jedoch nur ein unvollkommenes Beförderungsmittel barstellt, dem Bahnhof NilHerdre.ssclndors zugeführt. Tort kommen jährlich 11 000 Tonnen Ton- unb Schamottewaren zur Befrachtung. Tie Zahl der kleineren Töpfereien in Breitscheid ist infolge der un- günftigen Verlehrsverhältnissc gegen früher bedeutend zurückgegangen: in Gusternhain ist dieser Erwerbszweig aus dem gleichen Anlaß bereits ganz zum Erliegen gekommen. Von gewerblichen Anlagen sind außerdem zu nennen: in Haiger ein Hochofcmverk (70 Arbeiter), Fabriken landwirtschaftlicher Maschinen (190 Arbeiter), 2 Zementfabriken (35 Arbeiter), 1 Kupfcrwerk (10 Ar- beiier), mehrere Gerbereien (35 Arbeiter), 1 Leimfabrik (45 Arbeiter), 1 Dampfzicgelei (30 Arbeiter), 1 Schieferbcrgwerk und kleinere Granit- und Terrazzowerke: in Flammersbach 1 Basatt- steinbruch (35 Arbeiter): in Langenaubach die Brauukohlengruben der Westerwälder Tonindustrie, Marrnörbrücte und 1 Zementfabrik der Gewerkschaft Constanze, kleinere Basaltbrüche, 1 Erdfarbcn- fabrik und 1 Erdsarbenmühle: in Breitscheid die Braunkohlen- gruben der Westerwälder Tonindustrie. Bei Gusternhain wird zurzeit nur ein kleinerer Steinbruch ausgebeutet, doch harren hier große Mengen von Basalt, Ton und Braunkohlen, von dem die letzterer: in früheren Zeiten schon in erheblichem Umfange abgo baui wurden, ihrer Erschließung. Von Kleinbetrieben sind in der Gegend noch vorhanden: 1 Dämpfsägcwcrk, 1 Holzschneiderci, 1 Dampfmühle mit Molkerei und mehrere Mahlmühlen. Das Gebiet wird im Norden, Osten und Süden von den Staatsbahnlinien Gießen—Köln—Deutz und Herborn—Westerburg berührt und von zahlreichen, in gutem Zustande befindlichen Straßen durchzogen. Letztere weifen aber starke Neigungen auf und sind infolge der auf dem Welsterwalde herrschenden ungünftigen Witterungsverhältnisse nicht das ganze Jabr hindurch benutzbar. Auch sind die Entfernungen bis zu 'den nächsten Stationen l'o groß, daß ein lohnender Absatz der Massengüter nicht möglich ist. Tic vorhandene:: kleinen Wasserläufe sind für eine Verkehrs vermitt- fung nicht geeignet, kommen vielmehr nur als Betriebskraft für gewerbliche Anlagen in Betracht.
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberheffen
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** Preisg ekrönte H'und ezüch ter. Ans der internationalen Ausstellung von Hunden aller Raffen, die am 16. und 17. d. M. in Frankfurt stattfand, erhielten folgende Gießener Züchter Preise: Karl Volt für Dobermann-Pinscher fünf 1., einen 4., zwei Ehrenpreise. Fritz Schreiner- für Dachshunde zw u 1., drei 2. .zwei 3., einen Ehrenpreis. August Schwan für Schnauzer zwei 1., zwei 2., zwei 3., einen Ehrenpreis. Ernst Memann für Boxer fünf 1., zwei 2., einen 5., einen 6., zwei Ehrenpreise.
Kreis Schotten.
()La ubach, 15. März. Dem Jahr cs-b er i ch t des Gymnasiums F ri e d ericianunr ist zu entitehmen: Die Zahl der Schüler betrug am >15. Mai 1912 101, die Gesamtzahl im Laufe des Jahres 113 und am Schlüsse des Schuljahres 103 Schüler Von den Schülern warm: 96 evangelisch, 5 katholisch und 1 israelitisch. 33 Schüler waren aus Laubach, 51 aus anderen hessischen Orten und 17 aus nicht hessischen Orten. Tie Reifeprüfung l-aden am 19. September 1912 4 Schüler, am 13. Februar 1913 7 Schüler und 1 Schülerin bestanden. Einschließlich des Direktors Prof. Dr. Müller sind 16 Lehrkräfte vorhanden. Oberlehrer Prof. Dir. Karl Metzelt mürbe nach 37 jähriger Tätigkeit am hiesige:: Gymnasium in den Ruhestand versetzt. Oberlehrer Prof. Albrecht Kullmann wurde nach fünfzehnjähriger Tätigkeit an der Anstalt zum Oberlehrer an dem Gymnasium zu Bdnsheim ernannt. Das Schuljahr 1913/14 beginnt Montag, 31. März, mit der dlufnahme- prüfung, der Unterricht beginnt am 1. April.
)( Laub ach, 14. Mär^. Der neue Eisenbahn- f a h r p l a n bringt auf der Strecke H n n g c n - M ü ck e die Einlegung zweier Züge, abends 5,08 ab föungen, in Mücke 6,38, und zurück ab Mücke 7,20, Hungen an 8,34. Beide Züge haben direkten Anschluß an die Strecke Gießen— Fulda. Ter Zug ab' Mücke 7,20, Hungen an 8,34 bringt Anschluß an den Zug: Hungen ab 8,52, Gießen an 9,48, der Strecke Gelnhausen—Gießen. Touristen, die den Oberweid besucht haben, gibt dieser Zug: Station Laubacher Wald ab 7,53 Gelegenheit zur Heimfahrt.
Kreis Friedberg.
L. Friedberg, 14. März. Heute fand int Hotel Trapp die Schlußfeier der S ch i l l c r s cb n l e lhöherc Mädchcnsckrulc) statt. Die Feier war Erinnerungsfcier an das Jabr 1813. Eingeleitet biirdr die Ouvertüre zi: Eginont folgten Chöre und Vortrag, die sich auf das Befreiungsjahr 1813 bezogen. Eine Lehrerin hielt eine Ansprache, in die sie die Entwicklung Deutschlands voi: 1806 bis zum heutigen Tag brachte. Zum Schluß entließ der Direttor die Abiturienten. - Um dieselbe Zeit fand in der Turnhalle des Lehrersemiirars die Abschiedsfeier der Muster schule statt. Auch hier wechselten Gesänge mit De kl am ati onen ab. Ter Hauptlehrer hielt die Ansprache an die entlassenen Schüler, während Lehrer R e u n i n g in einen: Vortrag, einen Rückblick auf die Zeit vor 100 Jahrei: gab.
? Bad-Nauheim, 14. März. Zu einer nationalen Erinnerungsfeier an die Zeit vor 100 Jahren gestaltete sich heute die ans allen Kreisen stark besuchte Schulfeier' unserer Stadtschule, die mit der Konfirmandencntlasfuilg verbunden war. Int Mittelpunkt der Veranstaltung stand das vaterländische Schulfcstspiel „T h e o d o : K ö r n c r", durch das der Freiheitsheld in seinen besten Dichtungen zu Wort kam. Deklamationen wechselten mit whlreichcn Darbictungei: des Schülerchors, der unter der Leitung von Lehrer Diehl u. a. einige der packendste::, von K. M. v. Weber in Musik gesetzten Körnerschci: Schlachtgesänge mit viel Beifall trefflich zu Gehör brachte. Der Leiter der Schule, Oberlehrer Kredel, hielt eine vaterländi f ch c A n spräche über die Zeit vor hundert Jahren, die mit der Mahnung an die Konfirmanden schloß, stets zu bedenken und stolz darauf zu sein, daß sie Deutsche seien. Ter Schülerchor „Mein Vaterland" von M. Mangold beschloß die erhebende Gedenkfeier.
--Bad-Nauheim, 17. März. Durch das Entgegen kommen der Stadtverwaltung und der s^ck;nlbehörde war es auf einen Antrag des Stadtv. Kissel hin in dieseni Winter ermöglicht worden, an unserer Stadtschule erstmalig U n t c r r i ch t in der Stenographie nach Gabels- berger zu erteilen. Der Unterricht'sand zweimal wöchentlich statt und wurde von einem Lehrer der Stadtschule erteilt. Es beteiligten sich daran 19 Knaben und Mädchen der Ober- klasse, in deren späterem Beruf die Kenntnis der Kurzschrift von Vorteil sein kann. Ta die Stadtverordneten die Mittel bewilligt hatten, war der Unterricht für die Schüler kosten^ los. H e t: t e n u n legten die Schüler durch eine Prüfung Zengins von ihrem Können ab. Ein Wettschreiben schloß sich an, das ein gutes Ergebnis zeitigte. Es wurden 60 Silben in der Minute geschrieben. Jedem Schüler konnte ein Preis zugedacht werden.
h. Wölfersheim, 17. März. Der Maler Weiß hier erhielt auf Grund seiner vorzüglichen künstlerische:: Leistungen j^n Berechtigungsschein als „Künstler-Einjähriger".
ft Vilbel, 16. März. Im Anschluß an einen gut- besuchten Lehrgang für Helferinnen in: Dienste des /(Roten Kreuzes" fand hier durch Sanitätsrat Dr. Maley die Gründung eines Zweigvereins von: Noten Krenstatt. Ebenso ist die Bildung eines „Frauenvereins vom Noten Kreuz" in Angliederung an den hessischen Aliee-Verein in Vorbereitung.
politifd^c Tagesschau.
Die bayerische Staatszeitung unb die Wehrvorlagen.
Die „Bayerische Staatszeitung" widmet in ihrem Montagsartikel den kommenden Wehrvorlagen eine eingehende Rücksck>au, in der sie schreibt:
Sett zwei Wochen befdjäftigt sich die öffentliche Meinung Deutschlands mit der Vermögensabgabe. DcMsclstand hat bei biefen Erörterungen wahrliastig nicht schlecht abgcschnittcn. Es ist Pflicht und Freude, dieses festzustellen. Kein irgendwie cn:ft zu nehmender Widerspruch hat sich gegen den Gedanken erhoben, die int Interesse unserer Weltstellung unumgänglicher: Kosten einer außerordentlichen Wehrvorlage durch außerordemlichc, mlsschlicß- lich vom Besitz zu tragende Beiträge aufzubringen. In: Gegenteil, biefer Gedanke der Reichsleitung hat überall in deutschen Landen verständnisvolle Zusttmnrm:g gefüllter, nicht zuletzt in den Kreisen, in denen sich Besitz und Vermögen verkörpern. Mit der verstandesmäßigen Anerkennung der Notweiwigkeit, daß eine außerordentliche Maßregel außerordentliche Mittel erheische, verband sich warmes vaterländisches^ Empfinden. Aus allen Betrachtungen, Sie die bürgerliche Presse Deutschlands der Vermögensabgabe wid- .mete, sprach die Bereitwilligkeit der Bevölkerungsklassen, deren Anschauni:gen diese Presse vertritt, sich einmütig zu den: großen Opfer zusanrrnenzuschließen, das Dentschlaiw nach lieberjeugung ber berufenen Stellen auf sich nehmen muß. Diese Geschlossenheit her Zustimmung aus allen bürgerlichen Kreisen des Reiches hat ihren Cckndruck auf das Ausland nicht verfehlt. Zaghafte Gemüter hatten gerade nach dieser Richtung hin eine ungünstige Wirkung der in Aus sicht genommenen Vermögensabgabe befürchten zu müssen, geglaubt. Sie sahen Deutschlands finanzielles Ansehen gc- sährdct, seinen Kredit erschüttert, das Geständnis eigener Leistungs- unsähigkcit vor einer ganzen Welt des Neides abgelegt. Tic so -achten, haben sich grünölid: darüber getäuscht, wie l-och die Volks- nnb Finanz kraft des Deutschen Reichs im' "Ausland tatsächlich ein- geschätzt wird. Die fremden Völker wissen ganz genau, was Deutschland mit seiner rastlosen und unerschöpflichen Arbeitskraft, mit seiner die gesamte Kulturwclt an sich ziehende:: Industrie, mit seinem zäh unb machtvoll sich durchsetzenden Handel wert ist. Sie haben daher, wie dies die Aeußerui:gcn ihrer Presse erfeunen lassen, die Vermögensabgabe, die Deutschland sich für Rüstungs- tzveckc aufcrlegcn will, durchaus nicht enva als Ausfluß einer irgendwie gearteten Schwäche, fonbern als Merkmal kraftvoller 'nationaler Betätigung gedeutet. Und sie haben damit Recht gehabt. Tcr Gesetzentwurf, durch den der patrioüsck)e Gedanke einer einmalige:: Vermögensabgabe zu außerordentlichen Rüftnngszweckcn in die Sprache nüchterner Begriffe und Taffachcn umgesetzt werden soll, wird in Bälde bem deutschen Volk unb seiner parlamentarischen Vertretung vorlicgen. Keine ■ ber beteiligten Parteien aber möge -vergessen, das; bei der Erörterung dieser Fragen das Ausland auf uns schaut, und daß die achimngsvolle Ausnahme, der der Gebaute der deutschen Vennögcnsabgabe bei den anderen Nationen legegnet ist, rasch einer unserem Ansehen abträgHd)en Beurteilung Platz machen müßte, wollten Krämer- ober P h i l i ft e r ge i st ■m ausschlaggebende:' Stelle in: deutschen Volke zu Wort kommen. Wenn Deutschland diese wahrhaft großen Opfer auf sich nehmen milk, bann kann und barf es sic nur wiirbig auf sich nehmen. Diese «Opfer mögen der deutschen Volkswirtschaft, den deutschen B::ndes- staaten, dem einzelne:: Deutschen schwer fallen, aber sie müssen gebracht werden, in der Ueberzcugung, daß sie die stärkste Bürgschaft dasiir bieten, daß uns der Friede und damtt das Fclb für die Betätigung deutscher Arbeit, deutschen Handels und deutscher Znduftrie gesichert bleibt.
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Zu dem Kampfe der Theater gegen die Kinos hat jetzt auch, wie uns aus Berlin geschrieben wird, die Regierung Stellung genommen. Bekannt ist das Vorgehen des Präsidiums des Deutschen Buhnen-Vereins gegen die Auswüchse des Kinowesens, den: eine Denkschrift des Verbandes deutscher Kinematographentheater gegcnübersteht, die die Forderungen des Bühnen-Vereins in sehr lebhafter Weise bekämpft. Wie es scheint, haben die Forderungen des Bühnen-Vereins' im allgemeinen den Sieg davon- qetragen, bei die Regierung sich mit den meisten dieser' Forderungen einverstanden erklärt hat und über einzelne der Forderungen gesetzgeberische Maßamhmen vorbereitet. Zn letzter Zeit haben über diese Fragen an den zuständigen Stetten Erwägungen stattgefunden. Tic Regierung läßt sich bei ihren Erwägungen nicht von irgendeiner Vorein- genonlmenheif gegen die Kinos tragen, sondern läßt den berechtigter: Wunsche:: derselben volle Berücksichtigung an- -gedeihen. Sie will gesetzgeberische Maßnahmen auch nur -ht einigen Fällen ergreifen und ^die übrigen Mißstände -auf dem Verwaltungswege beseitigen. In erster Linie wird ?die Einführung der Ko n z es s io ns p flich t für Kine- matographontheater geplant: eine diesbezügliche Vorlage Jftririb dem Reichstage im April zugehen. Nach Einführung Iber Prüftrug der Bedürfnisfrage für Kincmatographen- iheater wird es möglich sein, dem Ueberfluß dieser Theater mtgegenzutrcten, die Notwendigkeit größerer oder kleinerer Theater nach den örtlichen Verhältnissen z.u beurteilen und i der Entwicklung der Kinematographie gesunde Bahnen zu ■ Werfen. Tie baupolizeilichen Anordnungen für Kinos sind erst in letzter Zeit geprüft und verschärft io orten: air diesem Gebiete werden Neuerimge:: vorläufig nicht vorgenommen werden. Die Vorschriften, bcnei: die Theater ' unterworfen sind, können in derselben Schärfe für Kinos nicht erlassen werden. Auch auf den: Gebiete der Film- »etrsur sind irgendwelche gesetzgeberischen Maßnahmen nicht *• geplant. Was hier nötig erscheint, ist im Vcnvaltungs- j vege geschehen. Tie meisten Films werden in Berlin ge- Drüft; die hier frssigegebenen Films können ohne weiteres { iberalt in Deutschla: । aufgeführt werten, ohne daß den Ortspolizeibehörden das Recht genommen ist, ihrerseits selb- . ifänbig die Films nochmals zu prüfen. Die Mißstände auf dem Gebiete des Plakatwescns haben die Auftncrksam- 1 feit der Behörde schon wiederholt erregt. Es ist geplant, hier eventuell gesetzgeberisch einzuschreiten. .Hierbei soll ber Schutz ter Jugend besonders in den Vordergrund gekeilt werde::. Zu dem Vorschläge, einen Filmstempcl na- , -nentlich auf ausländische Films zu legen, hat die Regierung bisher keine Stellung genommen. -


