Ausgabe 
20.2.1913 Zweites Blatt
 
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Hundertjährigen Tätigfeit oTS eine Organisation zur Be­kämpfung Andersgläubiger. Sie besorgt von der ihm vorgeschriebenen Tängkeit auf den, Gebiete des Unterrichts und der Erziehung eine schwere Schädigung unserer Jugend und erblickt in dem von der OrdenSsatzung geforderten unbedingten Gehorsam gegen Obere ein« schwere Gefahr für den Staat. (Sehr richtig! bei den X3p.)

Sie verschriebt sich der Einsicht nicht, dah die Aufhebung deS Jesuilcngcjetz^L dem Orden durch die Gewährung deS Schutzes deS § 166 Reichs st rafges.hbuche^ geradezu eine privi­legierte und bei seinen Tendenzen besonders bedenkliche Stellung verleihen wurde Si ocfürchtc' endlich, dah die durch die Auf­hebung des NeichsgesetzeS bedingte Verpflanzung deS Kampfes in die Einzelstaate» nicht zu einer Abschwächung, sondern zu einer Verfchärsung führen würde. Denn darüber besteht bei meiner, freunden volle Uebeuimiimmunp, daß auch nach etlvaiger Aufhebung des Jesuitengesetzes die Zuständigkeit der Einzelstaaten zur Regelung der Verhältnisse des Ordens aufrecht erhalten bleibt. Wir h"b^n einen b i e Feuftelluny dieses RechtSzust-nceS bezweckend n Antrag eingebracht, um jeden Zweifel auSzuschließen, und um dessen Annahme wir das ganze HauS bitten. (Lebb. Beifall links.)

Abg. v. Morawski (Pole) bedauert ebenfalls, daß dec Reichslanzler bei dieser wichtigen Frage nicht anwesend .st.

Abg. Dr. Merfrn-Oels (Rp.):

Wir bedauern, daß tou dies- Debatte zu einer Zeit haben mußten, m Der es fit, oLe itile unseres Volkes gegen die Feinde von innen und außen zusaminenzuichliefjen. Wir werden gegen die Aushebnna des Jesuilengesetzes stimmen. In keinem kionbe der Welt geht eS cen Katholiken so gut wie tn Deutschland Man bezeichnet daS Jesuitengesetz mimet als Aus­nahmegesetz, berrifd dabei aber, daß es auch ein Ausnahmegesetz gibt, welches daS Zen'rum nut ungern missen würde: die Be f r c i u n g der ( eistlichen vom M l l i t a r d »e n st. Di« evangelischen Gels lichen haben bekanntlich auf dieses Vorrecht ver­zichtet. Wil! ma cm günstiges Ausnahmegesetz, muß man auch ein ungünstiges in Kauf nehmen.

Abg. Graf Oppersdorfs (6. f. Fr.):

Der Jesuit ist in erster Linie Katholik und dann erst Mit­glied seines Ordens. Weiter muß man die Person des Jesuiten von seiner hilsSpriesterlichen Tätigkeit unterscheiden. Der Reichs- kauzler hat gesagt, eine geschichtliche Tatsache sei eS, daß sich das evangelische Volk von jeher gegen die Jesuiten gewandt habe mit Rücksicht auf die Erfahrungen der Geschichte. Man darf die Jesuiten von heute nicht für die Jesuiten vergangener Zeiten veranllvortlich machen. Heute vor etwas mehr alö hundert Jahren zog Napoleon durch das Brandenburger Tor ein, und 7 preußische Minister zogen es vor, anjiatt sich hängen zu lassen, ihm zu huldigen. Wollen wir dafür etwa unsere heutigen Mi° iiister und Staatssekretäre verantwortlich machen? In England und Holland, gewiß gut protestantischen Ländern, kennt man den Jesuitenkoller nicht, der nur eine Folge unferev ganzen Sch'i>iinleriichiS bis in die Universitäten hinauf mit all seinen GeschichtSlngeii ist. Tie Ausführungen des Grasen Praichma nn Abgeordnetenhause kann jeder Katholik unter« schreiben.

Abg. Mumm (Wirtsch. Vgg.) spricht über daS Verhältnis von Staat und Kirche. Der fozial- demokratische Redner behauptete, die Gläubigen werden sich nie­mals unter dem Kreuze zusammenfinden. Ich schließe in der Pas- sionözeit mit dem Wunsche, daß bad doch einmal geschehen möge.

Abg. Tr. Haegy (Els.):

Der Jesuitenorden ist nur ein bescheidener Ast am Baum des katholischen Kirchenlebens. Die Zulassung der Jesuiten würde daö möchte ich den Herren von der Rechten sagen den preiißi- scheu Sraat sicher nicht so erschüttern als es die Agitation gegen daS Dreiklasseiiwahlrecht tut Ebensowenig wie wir gegen den Evan- gelischen Bund ein Ausnahmegesetz verlangen, bürten Eie bad Ausnahmegesetz gegen die Jesuiten aufrechterhalten. Tie Jesuiten haben sich in Elsaß-Lothringen ein unvergäng- 1 i d) e 5 Denkmal gesetzt in be» Herzen des Volkes. Deshalb stimmen wir deni Antrag des Zentrums zu.

Damit schließt die erste Lesung und eS folgt sogleich die zweite Lesung.

Abg. Dr. Erdmann (Soz.)i wendet sich gegen den Antrag der Volkspartei, weil auch in den Einzetimalen Ausnahmegesetze nicht aufrecht erhalten werden sollen. Tr. Junck hat uns negative Politik vorgeworfen. Eine posilive Politik. Ivie sie Herr Junck meint und die zur Lebensmittel- Verteuerung führt, rn'chen wir allerdings nicht mit. Die Rational- liberalen wurden dem VollSwohl bester dienen, wenn sie unsere Politik imimadien wurden. Das Zentrum, das 15 Jahre lang regierende Partei war, hätte seine geliebten Jesuiten längst, wenn es dieselbe Energie darauf ve> wendet hätte, mit der eS die Erv- schaftsiteuer vckämpit hat. Nicht um des Zentrums willen stimmen lvir für die Aufhebnng des JejuilengefetzeS, sondern weil es ein Ausnahmegesetz ist.

Eine Wortmeldung erfolgt nidit mehr. § 1 des Zen« trUMSanttagS wird an genommen. Mit dem Zentrum stimmen die Polen, Sozialdemokraten und der Abg. v. Payer von der Volköpartei.

Bei § 2 begründet

Abg. Müller Meiningen kVp.)" ben Antrag i c i n e i Fraktion, wonach b Le lande-- rechtlichen Vorschriften über den Orden der Gesell­schaft Jesu unberührt bleiben. T efcn Antrag hat die Volks- Partei ergänzt durd, den Zusatz:soweit sic nicht mit den reich»- gejrtzlicheu Bejlimmuugen im Wideriprnch stehen". Dr. Müller madu auf die Erklärung der württembergischen Regierung auf- merksam Wir hätten gern, daß and: die anderen Bnndeßregie- tuiiflcii sich über ihre Stellung zu diesem Punkte ausspredicn würden: dann mürbe >dj ohne weiteres bcn Antrag zuruaziehcn. Wir mödilen aber and) gern vom Zentrum hören, wie es dazu steht; auch diese Erklärung, daß die landeSrechllichen Vorschriften, soweit sic nicht mit dem Rcichsgei'ctz im Widerspruch stehen, un­berührt bleiben, würde mir genügen.

Abg. Graf Westarp (Kons.):

Wir werden dein Antrag nicht z u st i m m c n. Er ist in feinen Folgerungen nidit nd't klar zu übe riehen. Soweit ec zu verstehen iji scheint er ctlvas Selbstverständliches zu sein; natür­lich sind wir sur Ausred-ierhaltung des LaiioeScechts, wo mit dem tllcid)Sred)t nicht in Kollision gerät.

Abg. Schulz (Np.):

A u ch w i r l e h n e n den Antrag ab, weil wir fürchten, daß et oi beicht das Gegenteil oesten herbeisührt. nxi6 veavsiwiigt wird. Mindestens ist eine Unklarheit in dem Antrag. Tas Zentrum würfe mit Recht behaupten: Im Reick»Sgesetz steht, das Jesuitengeietz wird ausgehoben; -S dars m keinem Lande der Jesuitenorden gebindert werden; das wäre ein Widerspruch mit dieser Bestimmung.

Abg. Gröber (8entr J:.

Der Antrag Ablaß entfalt etwas Richtiges ober Sell'st- derstäudliwes. oder etwas Unrichtiges und dann lehnen wir ibn ab. Es gibt zwei Möglichkeiten Erstens: die tandesrechtlichen Bcstimuiigen sine durch bas Jesuitengesetz formen ausgehoben worden, dann titkn sic dar die Aufhebung des Je,uitcngesetzes nicht von selbst wieder in Kraft. Zweitens: die lanbeSrechtlichen Vorschriften sind nur suspendier, danncelen sic von selbst wieder in Kraft. (Zi.uf Wer soll daS entichciden?) Tie Gerichtel (Zurus: Nein, tun!) Wir dürfen im Si.'ich-iag nicht eine beson­dere Genehmig'ng über allen möglichen landeSrecht- lichen Plunder aussprech,n W>r bieten nicht die Hand um Ausnahmegesetzen in den einzelnen Vaterländern im Reichstag noch ertra aut d>- B«ine zu helfen (Beisali ) Damm sind mit gegen diesen Antrag dr Fortschrittspartei. ^Beifall und Lachen.)

Abg. Dr. Junck (Notl.):

Wenn das ReichSgesctz beseitigt ist. jo sind die la.'dcSrcchi- lichen Bestimmungen damit nicht beseitigt. Ter Antrag ist eigent.

(id; etwas selbstverständliches. Wir werden aber für bett Antrag stimmen, weil wir seine Tendenz billigen, und weil wir unserer­seits die Hand bieten wollen, um diese immerhin ziveifelhafte Sache zu klären. Cb seine Fassung gerade günstig ist, mag dahingestellt bleiben.

Abg. Müller-Meiningen (Vv.):

Wir würden den Antrag gern zurnckziehen, wenn die Mehr- heikSparteien diese Selbstverständlichkeit auch ihrer'eiis auerren­nen wurden. Aber gerade dieses Herunidrücken deS Herrn Gröber ist so verdächtig.

§ 2 wird angenommen, der Antrag Ablaß wird gegen die Liberalen abgelebnt. § 3 wird ohne Aussprache pnpnwmmcn. Ta- mit ist die zweite Lesung erledigt. Auf Antrag Spahn (Zentr.) wird daS Gesetz dann in dritter Lesung obne Aussprache ange­nommen. Dafür stimmen mit d-m Z.iiKuin die Sozialdemokraten, die Polen und Elsässer, der Töne Hansten und die Fortschrittler Parier, Kerschensteiner und Braband.

Donnerstag 1 Uhr: namentliche Abstimmung über die Ost- marke nzulagc und P o st e 1 a t.

hessische Zweite Kammer.

bs. Darmstadt, 19. Februar.

Präsideitt Köhler eröffnet um 9.25 Uhr die Sitzung.

Es wird fortgefahrcn in der Beratung über Kapitel 10, Staatseisenbahnen.

Abg. Eißncrt So,;) erkennt an, daß sich auch andere Par­teien mit der Arbeiter-Lohnfragc beschäftigt haben. Er geht dann nut die Wünsche Offenbachs in der Eisenbahntrage ein. Wünscht die Schaffung eines Extraordmariuins zum Ausbau weiterer Bahnen. Er bespricht dann die B.'tcicbsun i her hei t in Oberroden und Dieburg und fordert Abhilfe. Dann wendet er sich gegen die beabiichttgten Umleitungen, wodurch Offenbach geschädigt werde.

Abg. Mergelt natl.) spricht seinen Tank tue di? Berück­sichtigung einiger Wunsche aus. Wünscht dann den baldigen Bau der Bahn Fürlh-RcickiclSheiin. _

Abg. Hartmann Soz ' äußert Sonderwünsche. Be­

schwert sim über die Uebersüllung der Züge.

Abg. Box Heimer \3tr.1 wünscht mehr Berücksichtigung des Ortes Lobstädt aut der Linie Frankfurt-Mannheim.

Abg. Köhler natl. bespricht die Anstellungsverhäliniue der H i l s s s ch a f fn c r. Schließt sich dem Wunsche des Abg. Mergelt bezüglich der Bahn FürthReichelsheim an. Wir haben großes Interesse an einer Odenwald-Ouerbahn, MilbenburgWorms. Als Zukuust.-di d ist g z ichn t tv rb.it daß wir große mächtige Linien haben, die dein internationalen Ver­kehr dienen, dem Verkehr durch ganze Reiche. Diese großen Linien können natürlich nicht an jeder Stalion halten. Es muß aber auch einem Verkehr Rechnung getragen werden, der mehr dem lokalen Interesse dient. Aus den hier geäußerten Wünschen ersehen wir, da'?, dem Verkehr unseres Landes immer nrh nicht so gedient wird, wie es eigentlich nötig ist, darum muß auch der A u t o in o b i l v e r k e st r gepflegt werden. Die clcltriirhcn Bahnen lassen sich nicht überall einführen, da sic zu hohe Kosten verur'achen durch Oberleitung, Schienen usw. Der Redner fuhrt zum Beweise dec Rentabilität der Automobil.'inicn die^Verhält- nisse in Bahern und Sachsen an. Er verliest einige Sätze aus Denkschristen dieser Skaiten hierzu. W un man angeführt hat, daN Automobile dem Güterverkehr nicht dienlich seien, so trisit dies nicht ganz zu. In Bayern besteht ein ausgedehnter Güter­verkehr mit Automobilstrecken. Auch unter Witterungsverhält' nissen leidet ein Automobilvcrkehr nur unwesentlich. Was die stärkere Beanspruchung der Kreissrasen anb.t is t. so dars man doch nicht vergessen, das' die Straßen doch dazu da sind, dem Verkehr zu dienen. Wenn Sie überzeugt sind, daß die Automobile brauch- bar sind, so wird sich die Frage auswersen: wer soll die Betriebe leiten? Bei Privatbetrieben muß man bedenken, daß es dem Unteniehmer nur auf die Rentabilität ankonnnt, und dieser haben sich die Verkehrsinteressen unterzuordncn. Es empfiehlt sich daher-, den Verkehr nickst ganz aus der Hand zu geben. Man must dabei auch berücksichtigen, daß Private nur da Aiitomobitverkehr ein richten, wo er zwar rentabel, ober nicht so unbedingt notwendig ist. Ich bin dafür, daß sich der Staat dieser Sache annimmt und zwar in Gemeinschaft mit den lokalen Verbänden. In Bayern haben sich 57 Interessenten aus den lokalen Verbänden beim ersten Ausi-ufe zur Beteiligung gemeldet. Wenn cs sich aber Herausstellen sollte, das' sich die Linie nicht bewährt, dann läßt sich einfach der Betrieb einstellcn, was bei einer Bahnanlagc, wo Gelände erworben werden muß, Schienen gelegt usw., nicht mög­lich ist. Auch für die Zwischenzeit, bis zum Bau einer Bahn, läßt sich ein Automobilverkehc einrichten. Was ich Ihnen hier angeführt habe, soll eine Anregung sein. (Bravo.)

Finanzmtnister Dr. Braun:

Ich mochte hervorheben, daß die Frage der Anstellung der Schaffner bereits vor einem Jahre beantwortet wurde. Wegen des Umsanges kann ich sie hier nicht wiederholen. Was die Auto frage angebt, die der Abg. Köhler in so ausgezeichneter Weise behandelt hat, so begegnen sich unsere Gedanken. Es besteht aber zwischen uns und Bayern insofern ein Unterschied, daß sich dort fast nur ©ommerlinicn befinden. Wenn die Linien aber ein Ersatz für Bahnen sein sollen, also auch für den Güterverkehr be stimmt sein sollen, so lann es sich nur um Iahreslinien handeln. D i e P o st l i u i e F r i e d b e r gR a m H a b t i t s hr ungünstig. Die ärmeren Gemeinden werden sich nur schwer zu einer Garantie entschließen können und verlangen, daß der Staat allein die Kosten trage. Auch die Wegnahme einer Linie bei einem un­rentablen Betrieb, wie der Abg. Köhler empfohlen hat, läßt sich nicht so ohne weiteres vornehmen.

Was die Linie R e i ch e I s h c i mF ii r t h angeht, so bart der Nichtbau nicht ant das Konto ber Gemeinschaft gebracht werben. Ich selbst habe dieser Linie widerstanden und widerstehe ihr auch beute noch. Ich bin bet Meinung, wir sollten Bensheim Lindenfels erst bauen und dann erst RcickielsheiniFürth- Dauernd lehne ick diese Bahn nicht ab. Der Minister kommt bann ant die Bahn Gammelhci mW o H l e n zu spreckstu. Darüber sei im Jahre 1909 ein Projekt ausgearbeitet worben, bas 328 000 Mark Kosten verursacht habe. Auch die Regierung bade das Be­streben, daß diese Bahn in den Gcmcinschaftsvcrtrag übernommen werde. Was nun d i c H i n t c r I a n b b a b n angeht, s o habe i ch eigentlich erst aus den .Ausführungen des Herrn Abg. Grünewald näheres erfahren. Ich Halte die Losung einer Verzweigung nach Wetzlar und Gießen durchaus für günstig. Was nun die Offenbacher VerkeHrsvcrhältnisse anlangt, so bitte ich mir zu glauben, daß wir nichts unversucht lassen, um von Offenbach jede Schädigung sernzuhalten. Bravo! bei den Soz.) Mit derselben Entsclnedenheit wie wir an dem StaatvDcrtra^c fest­halten, mit derselben Entschiedenheit werden wir auch die bes-- iüfhcn Interessen im Rahmen dieses Staatsvcrtrages vertreten.

Abg. K o r et!-Ingelheim (F. B.) erkennt dankbar die ge­gebenen Anregungen an. Bei der Eiscnbabndireklion Mainz besteht }er gute Wille, den Wünschen ber Arbeiter cntgegcnzukoimncn. Rn eine große Rentabilität des Äutomobilverkehrs glaube er nicht In Rheinhessen seble es an einer OstWest und Nord-südlinie. Main; und Bingen mühten entschieden besser an das Her; Rheinhessens angeicblosscn werden. Der Redner lammt auf die Revision Sfrage zu sprechen. Man soll davon ablassen, die Forderung als ein AgitationSmittel zu be­zeichnen . hier handelt es sich um ein Landesinteresse. Wir müssen das Recht haben, an einem wirtsckasilichen Vertrage Kritik zu üben. Die Regierung dars das nicht mit der Begründung ab­lehnen, daß sie dem Begehren der Zweiten Kammer nur mit Zustimmung der Ersten Kammer Nachkommen könne. Tic Er- (lärung des Finanzministers hat uns mit Befremden erfüllt.

Nach einer Panse spricht der

Abg. Kredel (Ntl.). 5r spricht Wünsche ans, die aber im einzelnen unverständlich bleiben.

Äbg. Lang »Ntl.) roünfü'.t für seinen Wahlkreis einige Ber kehrserleichtcrungen. Ter Redner tritt auch für eine Lohnerhöhung der Eisenbalmarbeitcr ein.

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Abg. Senßfeloer (Bdd.) stellt Forderungen für die Strecke GoddelauCöroß-<Kerau u. a.

?rbg. Schmitt iZtr.): Wenn man cen Vorzug hat, an 24. Stelle zu sprechen, kann man nicht wesentlich neues erwarten. Tie Stellung der Regierung ist bedauerlich. Tas Verlangen nach einer Aufllärung, wie es die Zweite Kammer stellt, ist berechtigt Versagt die Regierung, diesem Verlangen zu entsprechen, is sieht 03 (o aus, als sei die Regierung der Ueberzengung, daß durch ein solches Material die Meinung der Wegner des Vertrage- bestärkt werden würde. Ich hoffe, daß die Regierung sich zu einer anderen Ansicht durchringen wird. Das die (A u t o m o b i l linien angel:;, so gebe idi mich feiner großen Hoffnung über die Rentabilität bin. Aber Die Anregung des Abg. Köhler ist so wichtig, daß sie ernst geprüft werden muß. Geprüft muß auch die Frage der Benutzung ber ftreidH raßen werden; denn besonders da, wo Steigungen sind, werden die Straßen sehr stark abgenutzt. Ter Redner bringt dann Beschwerden vor übet| die Versetzung von Beamten aus Heidesheim. Ter Redner trittL dann für eine bessere Verbindung zwischen Main» und DöllV stein ein.

9(bg. Friedrich iBbd. unterstützt die von dem Abg. Box- Heimer geäußerten Vertekwswünsche bczuglid) Bobstadt.

Abg. Raab ^Soz. : Tie Regierung wird wohl nun an eilte Lohnerhöhung der Arbeiter denken, nachdem aus diesem Haufe heraus von allen Seiten diese Fordcning gestellt worden ist Er bk'pricht dann näher die Lohnverhältnisse. Der Redner tritt der Ansicht entgegen, als bitte die Eisenbahnarbritersckiaft aui ihr Streik- und Koalitionsrecht verzichtet. Tas sei ganz aus geschlossen. (Tas Haus bat sich inzwischen fast völlig geleert.)

Präsident Korell - Angenrod: Wenn ich Sie recht ver­standen habe, so hoben Sie der Eisenbahndirektion vorgeworfcn, sie verleite die Arbeiter zur .Heuchelei, wenn sie sie zum Vcr- zick t auf das Koalitionsrecht auffordere. Ich rufe Sie zur Ordnung.

Es liegt eine Entschließung Kohler und Genossen vor, die von der Regiernng eine Vorlage zum Ausbau des Automobil- betric'es fordert.

Präsident K o r e l l - Angenrod teilt mit, daß in der nächsten Woche wieder Nachmittagssit ungcn abgehalten werden müssen.

Schluß der Sitzung J.?2 Uhr Fortsetzung morgen vormittag 9 Uhr.

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Au; den Reichrtagsaurschüssen.

: Berlin, 19. Febr.

Tas (yrtraorbinariunt der Marine

In der heutigen Sitzung des Budgelausschuiies wurde zu­nächst eine vom Zentrum beantragte Entschließung an­genommen, die den Reichskanzler ersucht, im Reichshaushalt für 1914 eine Neuregelung der Bordabzüge in der Weise» vorzunehmen, daß ihre Abßusung ber Höhe bes Gehalts angepaht wird. Auf Anfragen crHärt Staatssekretär v. Tirpitz, baß

b i e alten Kanonenboote bereits so verbraucht sinb, baß eine (örundreparatur nicht ineho^ lohnt. Eine Vcrwenbung ber zurzeit nicht im Dienst bchnbliehen kleinen Kreuzer als Kanonenboote ist wegen ihres Tiefganges ansgcschlvssen, ganz abgesehen von beit erheblichen höheren In- biensthaltungskosten dieser ^chisssklasse.

Für den Bau der kaiserlichen Jacht

Ersatz H o b e n z o l l e r n wird im Ertraordinarium dcS Voranschlags als erste Rate für fünf Millionen angeiordert. Ter O)ci'amtanschlag beträgt zehn Millionen Mark. In den Erläutirungen zu diesem Titel heißt es: Tie in den Jahren 1890 bis 1892 gebaute JachtHohen zollern" ist verbraucht und nicht mehr sicher genug. Sic muß durch einen bcn höchsten Ansvrderungcn an Zchissssicherheit ent­sprechenden Neubau ersetzt werden.

Staatssekretär v. Tirpitz nnrift in eingehenden Ausführungen nach, daß dieHohenzollern" besonders im Hinblick auf die Vorgänge beim Untergang berTitanic" nicht mehr bcirienigen Anforberungen entspricht, bie an die Sicherheit und Schwimm- (ä big feit eines Schiiics nach dem heutigen Stand der Tcchii^ gestellt werden müssen Der Sozialdemotrat L e d e b o u r erhc^ Widerprsuch gegen diese Forderung Es könne sich nicht darum handeln, dem Kaiser als obersten Kriegsherrn ein Schiff zur Verfügung zu stellen, denn dafür seien ja in Die Flaggschifst besondere Wohnräume für den Kaiser eingebaut. Wenn der Kaiser aber ein Privatschiff bauen wolle, so solle er es auäi selbst bezahlen. Staatssekretär v. Tirpitz erwidert: Bei der kaiserlichen Jacht handelt es sich nicht um einen Privatbau für Privatzwecle, sondern um die bei uns wie anderSwo von ieber anerkannte Notwendigkeit, dem Staatsoberhaupt für feine repräsen­tativen und militärischen Ausgaben ein geeignetes Schiss zur^Vcr- sügung zu stellen. Auch als Oberkommandierender der Flotte bedarf der Kaiser eines solchen Schiifes zu militärischen Flotten bcsichllgungen, zur Leitung der Mariuemanöver. Tic Kaiserräume auf bcn Flaggschiffen seien nur für kurzen Aufenthalt bestimm!

Ein anderer Sozialdemokrat bestreitet deni Kaiser d e Fähigkeit, rin Manöver zu leiten. Der Kaiser babc teinerlei Examen dies» Art gemacht, er sei also nur Amateursahrer. Gegen diese Aus­führungen wendet sich der Staatssekretär Sowohl die N a t i o» naUibcralcn, als auch die Konservativen und die Volks Partei wenden sich gleichfalls gegen die Ausführungen der Sozialdemokraten und erklären die Bereitwilligkeit ihrer Partei, die Forderungen zn bewilligen Von nationallibc- i r a l e r Seite wird die Sozialdemokratie daran erinnert, daß in Frankreich sogar nicht beanstandet werde, baß frühere sozialistische^ Deputierte ohne jebe Militärausbildung Kricgsminister lucrbenl Ein Vertreter der Volkspartei hält ebenfalls die zur Ver ' fügungstellung eines Schiffes für das Staatsoberhaupt für not wendig, obwohl sich feine Freunde in pflichttreuer Prüfung aller Forderungen aui ihre Notwendigkeit von der Sozialdemokratie nicht übertreffen lassen. Im Kriegsfälle würde dieHohen zollern" auch als Kreuzer verwendet werden.

Tie Neubauforderung wird gegen bie Stim­men ber Sozialdemokraten angenommen.

Staatssekretär v. Tirpitz begründet die Steigerung dci Kosten beim Torpedoboots bau und macht im weiteren Der lauf vertrauliche Angaben über den

Torpedo- und Unterseebootsbau, sowie über die Entwickelung unserer Unterieebootsanlagen. Er­würbe geforbert, daß darauf gedrängt locrbc, daß für den Dienst aus Unterseebooten sobald als möglich nur noch Freuvillige em gestellt werden und daß sie vorher über die besonderen Gefahren mifgeklärt werden, die Damit verbunden feien. Der Staats fckretär machte weitere Mitteilungen über die artilleristisch Arniiemng unserer Schiffe, über die Kosten der iKriegsschiffbautcn insbesondere die Kosten der Panzerplattenbefchaffung Der Dienst aut den Unterseebooten stelle bei längeren kriegsmäßigen Ucbunger zweifellos aiißergewöhnliche Aniordcningcn an die Leistungsfähig- feit der Besatzung. Tics habe aber nach allen bisherigen Er f hr n c ci c d ernb n Schädigungen der Ge n he t u Folge Nach allen größeren Hebungen würben bie Leute untersucht, mar wolle mit einer solchen Staiiftil weitere Srfafmmgnt fammdn Diese Erhebungen find noch nicht aby?f(6(nffen.

Bon verschiedenen Seiten wurde de? Ansicht Ltusdruck gegeben daß die Kanonen- und Pan.zerplallensabriten immer noch ver bältnisuiäß.iq hohe Preise nehmen. Auch wurde über die Möglich feit der Schaffung eines R ei chs p a n z e r p l a t t e u w e r ke- gesprochen. Weiter nrurbc ber Staatssekretär auf die durch di Vergebung für das Reich drohende Gefahr berlB i l d u n g ci nc^ dentschen Schiffbau synbikats bingenhefm.

Bei bcn Forberungen des außerordentlichen Etats zur Bc schafftlug von Anlagen und Versuchen auf verk hrstechnischcm Gebiet

Dau von Luftschiffen,

Hallen usw., weist Erzbcrger, der für das ExtraorDinariim Berichterstatter ist, aus die große Bedeutung einer rich'igen Aus leie des Planes für Hallen und der Konstruktion der Hallen hm. ES müsse mit der Gefahr einer Zerstörung der Halle durch frembf Flugzeuge gerechnet werden. Hierzu erklärt der Slaats sckrctär, daß auch nach seiner .Ueberzengung der Hallenftoar« eine betontere Aufmerksamteit ;ugemcnbct loerbcn müsse. Er