k ' ’’
;tn und Lieferung
anz-Kegeldach).
1911 108
j Ende
. 109
12 .
il-Konto cüefonbs >ebsrückloge enommenc
2167.62
1610.29
700.- 2012.43 1654.34
Ä68
Mcdiioren gewinn
marbeitm
Lieferungen zunl ir die Gemeinde itn werden:
IHMciieranlage. )fn im Bureau des t zur Einsicht offen, astlbst Mn Er- chMä).
^en, portofrei und jehen bis Samstag, bei mir einzurcichcn.
ikstraße).
üM 5-'^ Uhr. on Lungenkranken cn. vl. chrnc in Heilstätten, e Angehörigen zur
Voit.
*w«ia
^h,iM
'un!chdn. Sautfarbi* ^6tburd)Chlor2. «ns. Lrhiiuitztz
«DCtlaW5
)rbnetcn-^‘^(jCt<oflL W,?„f S *4 -StzZ-S
mau lffldfii,l|,,rS;f1Ycn
-m A" ö>'-K Vlabnuno Bnf,
Passiva K
550.—
Pren^isehe)
°Herie
^tterie beginnt «in
1!
2~Ti(T- or° Ml).- Klasse
durch dipr .. . , nerinGSn:1M LeqlePRicker-Bche .handl-
ttiilUS
W* ,6 V
li 1913.
eyer. D'/:
Dtjffllitr 191?.
165. Jahrgang
Erster Blatt
Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten,
die Negierung und die
Reichstag seiner Ausgabe gerecht ge-
l
0
li*
■C., !k.. iec
vorgeschriebene snmbolische Handlung vornimmt, indem er der Maibraut den Gürtel löst. Zur Sühne fällt Wolfbrand im Gottesgericht, Ingigcrd will sich von einem hohen Felsen berab- stürzen. Da kommt Wotan und entführt sie. Dies ist die Handlung des Stückes, das weiterhin noch den Mehrwert des germanischen Götterglaubens als Stammcsreligion gegenüber der fremdländischen mrdcutschcn Lehre Roms betont.
Kann nun in dieser dramatischen Handlung die, Rolle der Maibrant von einer jungen Dame der Gesellschaft, sei 'sie nun Schauspielerin oder Dilettantin, gespielt werden? Einer Sckiau- svielerin wird man es wohl ohne weiteres erlauben: bei einer Dilettantin trägt man Bedenken, weil „Zuschauer mit unzureichendem künstlerischen Urteil" daran Anstoß nehmen könnten. Sind aber, so fragen, wir, solche Zuschauer fähig, die feine gesellschaftliche Unterscheidung zwischen dem, was sich für berufsmäßige und dem, was sich für nicht berufsmäßige Künstlerinnen schickt, zu treffen? Und liegt überhaupt das Problem der „Mar- braut" so, daß ein solches Anstoßnehmen mit irgend welck>en Gründen zn rechtpn^igcn wäre,?, Der ZonWt, an dyu die Wachraul,
das Ganze werde der Nation zum Heile dienen, nickst bestätigen wird
Tie „Deutsche Tageszeitung" bewegt sich auf demselben Geleise. Auch sie hebt die Bedenken der Steuer- gesetze über Gebühr hervor und meint:
Wer diese und noch andere ähnliche Erscheinungen unbefangen betrachtet, der wird zugebcn müssen, daß das Reich sich auf einer abschüssigen Bahn befindet. Ein parlamentarisch regiertes Deutsches Reich ist völlig unmöglich: und die allmähliche Schwächung der Stellung und der Rechte der Einzelstaatcn ist eine Gefährdung des Reichsgedankens und der Reichs- zn kunft. Solange das'Reich besteht, sind wohl noch nie von einem Bundesstaate und seinem Fürsten so scharfe, tiefgehende Bedenken gegen einen Entschluß des Bundesrates geäußert worden, wie in diesen Tagen. Das ist ein gefährliches Zeichen der Zeit.
an, welche Gesichtspunkte man bei einer solchen Tätigkeit maßgebend sein läßt, ob die Motive der künstlerischen Betätigung oder des wissenschaftlichen Studiums reine und edle sind oder andere. — Und was nun in der bildenden Kunst erlaubt ist, warum soll das nicht unter entsprechenden Aenderungen auch in der darstellender^ und redenden Kunst erlaubt fein? Wenn der Dramatiker <^8., wie oben gezeigt, sittliche Zustände früherer Zeiten frei behandeln darf, muß man den Darstellern und Darstellerinnen doch natürlich auch das Reckst zugestehen, solche Stücke künstlerisch zu verkörpern. Selbstverständlich darf hier kein öffent sicher Anstoß erregt werden, aber hier, muß man sich eben auf das Taktgefühl von Dichter und Darstellern verlassen und im übrigen den Satz sich zu eigen machen, daß die Unsittlichkeic erst da anfängt, wo die Kunst aufhört, wo außeräfthetische Momente in Frage kommen iman sehe z. B. unsere modernen Opercttew. Es soll nun gezeigt werden, daß bei dem, vorliegenden, Stuck, der „Maibraut", dies letztere in keiner Weise der Fall ist. Wir geben kurz den Inhalt wieder:
In einem Heiligtum des Rheingaus soll nach altgermanischem Brauch das Maifest begangen werden, das darin seinen Höhepunkt findet, daß eine reine Heiligtumsmaid sich einem edetn, vom Volk erwählten Manne für eine Nacht vermählt. Ingigerd ist nun diesmal als Maibraut erwählt worden, Wolsbrand, der sie liebt, als der Mann, dem sie angehören soll. Bei den Beiden aber ist die Leidenschaft zu stark und glühend, so daß sie den Tag des Festes nicht erwarten. Durch einen Feind der Liebenden wird ihre Schuld verraten, gerade als Wolfbrand beim Feste die
Nr. 152
Der Eichener Anzekaer erscheint täglich, außer Sonntags. - Beilagen: Biennal wömenllich EiehrnerFamiUenbiälter; zweimal wöchenll.Ureis- bldt für fren Kreis ©iefoen (Dienstag und Freitags; zweimal monatl. Land- wirlschaftliche 5eitfragcn Fernsprech - Anschlüsse: für die Redaktion 112, Verlag n. Expedition 51 Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen.
Möge int nächsten Tagnngsabschnitte des Reichstages die Regierung die Kraft ffnden, diese Abwärtsentwicklung zu heben. Das ist unser lebhafter Wunsch. Wird er sich erfüllen?
Etwas werden die Konservativen der neuen Lage schon Rechnung tragen müssen, denn das Zentrum rückt auch schon leise von ihnen ab. Wir meinen, die stolze Einmütigkeit der großen Mehrheit des Volkes dem Ausland gegenüber ist dock) auch etwas wert. Die „Tägl. R^undsch." hat nicht ganfr unrecht, wenn sie schreibt:
Das Ausland hat erfahren, daß ölle Parteizerrissenheit, und alle demokratische Uebernörgelei es nicht verhindern kann, daß sich das deutsche Volk, sobald seine Sicherheit und Wehrhastigkeit in Frage steht, zu einigen weiß und ohne Erschütterung seiner Volks- wirtsckxlft eine Milliardenlast aus 'sich zu nehmen bereit ist, wenn di? Erhaltung des Friedens und feiner Machtstellung es erheischt. Für dieses große Werk muß man dem Reichstage und allen, die an seinem Zustandekommen mitgeholfen haben, danken; es schafft uns das Fundament für eine weitere gedeihliche Entwicklung und eine feste Schutz wehr gegen die Gefahren, die uns hedrohcn. Für die Heeresvorlage war, sobald sich die Regierung nur endlich >n ihrer Einbringung entfckstossen, sofort Stimmung,und Verständnis im Volle vorhanden, da die nationale Presse und der Wehrverein vorgearbeitet flattert. Es zeigte sich wieder einmal, wie wenig das demokratische Geschrei der Berliner Asvhaltpressa eigentlich bedeutet, und wie wenig ernst auch die ablehnende Haltung der klerikal eit und freisinnigen Presse zu nehmen ist, wenn nur einmal Ernst gemacht wird.
Die „Norddeutsche A l t g e m e i n e Z e i t u n g"
schreibt:
Nach vollständiger Erledigung der großen Ylufgabe ging der Reichstag gestern in Ferien. Bon dem Augenblick an, wo die Reichsregierung mit der .Weh-rvorlage hervortrat, bekannte sich das deutsche Volk mit fester Entschlossenheit zu der Vorlage. Nock) niemals war eine große Heeresforderung von einer so starken einmütigen Volksstimmnng getragen. Ter Reichstag sah deshalb leinen Weg klar vor sich, und er hat ihn in mühevoller Arbeit, namentlich in langwierigen Verhandlungen der Budgetkommission, bis zum Ende verfolgt. Tie Reichsregierung hat die,Freude, die Wehrvorlage in vollem Umfange Gesetz werden zu sehen. Wir begrüßen es besonders im Interesse der Gr eu z pr o - vinzen, daß es gelungen ist, auch die Bewilligung der umstrittenen Kavallerieregimenter durc^usetzen. Weit schwieriger als die Erledigung der Wehrvorlage toar die Feststellung der Kostendeckung. Auch hierbei hatte der Reichstag eine feste Stütze in der Opfer Willigkeit des Volles, die sich ohne Ueberschwang, aber klar und kraftvoll bekundete. Ter Gedanke der Wehrbeiträge wurde sofort mit fast einmütiger Zustimmung ausgenommen, und nicht umsonst sind die Erinnerungen unserer Geschichte aufgerufen. Sie kräftigten überall den Entschluß, auch in der Hergabe materieller GiUer VL den Vätern nachzutun. Wenn der Reichstag bei der Deckung der lausenden Ausgaben sich von den Vorschlägen der Regierung entfernte, wu chs do ch das Kernstück eines Be si tz st e ue r ko m pr o m i s se s aus dem Regie rungsentwurfhervor. Gewiß bestanden vom Standpunkte der Einzel st aaten schwere Bedenken gegen die Beschlüsse des Reichstages, aber angesichts der Gröse der Ausgabe mürben sie zurückgestellt. Tas Ziel, für die Durchführung der allgemeinen Wehrpflicht finanzielle Vorsorge zu treffen, ist erreicht und so dars man auf das Gesamtergebnis der schwierigen Verhandlungen über das Wehrgesetz und die Deckung seiner Kosten mit Befriedigung blicken. Es ist ein gutes Stück Arbeit getan, möge es dem Vaterlande zum Segen fein!
Die Pariser Preße.
Paris, 1. Juli. Die hiesige Presse erblickt in der endgültigen Annahme der deutschen Wehrvorlage ein überaus bedeutungsvolles Ereignis. Mehrfach wird die Langsamkeit, welche die französische Kammer bei der Beratung des Gesetzes über die dreijährige Dienstzeit an den Tag legt, der patriotischen Begeisterung des Deutschen Reichstages gegenübergesteltt. So schreibt der „Figaro" in einem „Ein Beispiel" betitelten Artikel:
Die Annahme der Wchrvsrlage.
Bei der neuen parteipolitischen Lage, die durch die Abstimmung über die Wehrvorlage und ihre Teckung her- beigeführt worden ist, ist ein näherer Einblick in die Aenße- rtrugen der Presse doch noch von einigem Interesse. Tas Regierungsblatt, die „Nordd. Allg. Ztg." läßt in einem froh gestimmten Artikel über das Gelingen des großen Werkes die Finger ganz weg von den Verschiebungen auf dem parteipolitischen Schachbrett, und es scheint fast, als gönne die Regierung den Konservative ihre nicht zu bestreitende parlamentarische Niederlage. Tie Haltung der Konservativen ist wirtlich nicht mehr recht begreiflich. Durch ihre Vorwürfe gegen die Regierung, die nicht fest genug geblieben sei, mehren sie nur im Volke die Heb Erzeugung daß sie als privilegierte Partei sich eine Herrscherrolte anmaßen, die ihnen nicht zukommt. Der Eindruck verstärkt sich beim Lesen ihrer füllenden Zeitungen. Ta ist kaum ein Wort von freudiger Genugtuung über die nationale Einstimmigkeit, sondern es geht gleich im Nörgeltou über die Deckungsbeschlüsse her. Die „Kreuzzeitung" legt ihre Mißstimmung schon in die Ueberschrift ihres Leitartikels, die sie mit einem Fragezeichen versieht: „Der Nation zum Heile?" Nach der „Kreuzztg." stellen die Konservativen das Parteiinteresse über das Interesse des Reiches an einer starken und ausreichenden Wehrmacht Das Blatt hebt nämlich also an:
Tas große Werk ist beendet! Tie Wehrvorlage ist angenommen, die Dockung ihrer Kosten bewilligt. Präsident Tr. Kaempf rühmte in feinen Schlußworten den festen Willen des Reichstages, der ihm gestellten Aufgabe in würdiger und vor der Kritik der Geschichte standhaltendcn Weise gerecht geworden zu sein, er rühmte auch die „peinlick)« und planvolle, klare Initiative", die der Reichstag wie kaum je zuvor entwickelt habe. Wir brauchen es erst nicht noch ausdrücklich auszusprechen, daß
Amuchmcmb Willen riotaüonrdruü und Verlag der Vriihl'lchen llniv.-vuch- und Steindruckerei n. Lange. Redaktion, Expedition und SruSerei: Schulstratze 7. Land": E.Heß; für beit bis Geschäftsstelle Büdingen, Bahnhofstraße 16a. Wfrnteii: v. Beck.
Alles ist so gegangen, wie die deutsche Regierung cs wollte, so rasch und so vollständig, wie sie es roünfd)tc. Dec Reich?.ag hatte zuerst Miene gemacht, der Regierung eine Kleinigkeit abza- feilschen; er hat aber schließlich die sechs Kavallerie-Regimenter bewilligt. Man begreift die Freude und den palriottfckfen Stolz, die sich des deutschen Reichstags bemächtigten, als diel es denkwürdige Gesetz verwirklicht war. Der Reichskanzler hat fiat in paffenden Sätzen, die wie ein Triumphschrei klingen zum Dolmetsch dieser Gefühle gemacht, und was der Reichskanzler nicht sagen konnte, das schreibt die „Kölnische Zeitung": -.Viele iiungsvolle Wege öffnen sich uns in Ai ien und A f rika Die Tatkraft und die Gcfchicklichkett, nut der wir diese neue Gelegenheit ergreisen werden, werben zeigen, ob die außerordentlichen Opfer, die sich Deutschland srenrnllig auferlegt, nützlich waren oder nicht." Das ist die tiefe Bedeutung diefe^ Militärgesetzes, das ist der Geist und die Hoffmmg Deutfmlanb^ am Tage nach der Annahme dieser Vorlage. Es ist überslumg, hier auf den so peinlichen Gegensatz zwischen Reichstag und dem ; Palais Bourbon hinzuweisen. Aus der einen Seite Eiit,chlo,senheit Disziplin und Opjerwilligkeit, auf der andern die Tatsache, daß die Regierung und die Mehrheit der Kammer durch cm Häuflein Demagogen im Sck)ach gehalten werden. Werden imferc Abgeottrn^ ten diese Lektion verstehen, werden sie endlich suhlen, Dato bcu> ~(uto in wachsender Verachtung die Ohnmacht des Parlaments wahr-
Sittliches und Unsittliches in Uunst und Leben.
Es wird uns geschrieben:
In der Samstagsnummer des „Gioßener Anzeigers" fand sich eine Notiz abgedruekt, die Herr von Wolzogcn der Frankfurter Zeitung" hatte zugehen lassen, und die von seinem Weihcspiel „Die Maibrant" handelte. Verschiedene darin enthaltene Ungenauigkeiten sind in einigen anschließenden Bemerkungen des Herrn Tr. Bernb eck richtiggestellt worden Da diese Auseinandersetzung möglich war, ist zu befurchten, daß 'im Publikum Unklarheiten über den Charakter des Stuckes und vor allem der Titelrolle bestehen: es erscheint daher Nicht unangebracht, etwas hierüber zu sagen, anfchlierend an einige Worte über das Verhältnis von Kunst und Sittlichkeit int allgemeinen. — Man tut Unrecht, Kunstwerke nach dem an sich natürlich ganz berechtigten Maßstabe gegenwärtiger Sittlichkeit zu beurteilen Probleme der Sittlichkeit können und muffen natürlich auch Gegenstand künstlerischer Behandlung werden: denn es kann ja, und dies hat unsere Zeit wohl emgefchen, kein Gebiet des Lebens geben, das der Kunst fremd ist Soll a^r bei der Behandlung solcher Fragen die Kunft unbedingt als Vorkämpferin der bestehenden Moral auftreten? Würde man hier ,ia lagen so käme dies einer außerordentlichen Verengerung des Gebietes künstlerischen Schaffens gleich. Tic Kunst nimmt ihren Stoff aus beit verschiedensten Zeiten, aus den verschiedensten Kultur- perioden. Nun ist der Begriff der Sittlichkeit, zum Mindesten der der Sitte, zu verschiedeneii Zeiten ganz verschieden. Wollte nun die Kunst daraus feine Rücksicht nehmen, w musste sie entweder auf Stosse ans solch andersartigen Kulturperwden ganz verzichten, oder sie nach unseren heutigen Grundsätzen behandeln. Beides entspricht aber keineswegs mehr unicrcm modernen Kunstempfinden. — Auch bei den bildenden Künsten ist es bekannt, Haß sic oft Stoffe wählen müssen, deren Verkörperung im Leben, ^speziell im heutigen Leben, unmöglich fein wurde Tas Nackte in der Kunst z. B. findet bei vernünftigen Menschen nicht den geringsten Anstoß mehr, während man es im Leben mit Recht entschieden zurückweiscn würde. — Wie nun die Kunst im allgemeinen eine kühnere und freiere Stellung gegenüber dem Sittlichen einiiehmeu muß at£ das Leben des Alltags, so muß auch der einzelne Künstler im Interesse seines Berufes cm Gleiches tun. Kann man cs z. B. einer Malerin, oder einer, die es werden will, verargen, wenn sic die zu ihrer dlusbildung dringend notwendigen Aktstudicn in Gemeinschaft mit männlichen Kollegen betreibt? Auch der nicht künstlerische Beruf kann eine scheinbare Mißachtung gegebener Sitten verlangen. Wird man es z. B. der jungen Medizinerin übel nehmen, wenn sie die Scn- tionäübungen an Leichen vor stimmt? M kommt eben ganz darauf
Wir über die Art, wie der . ...
worden ist, anders denken. Wir konnten uns auf ein der Partei des Präsidenten sehr nahe stehendes Blatt berufen, als wir die Tätigkeit des Reichstages bei den letzten entscheidenden Verhandlungen als reichlich oberflächlich und nicht gerade sehr wundervoll schilderten. An anderer Stelle geben wir heute noch ein Zeugnis gleichen Inhalts aus demselben Parteilager wieder. Wickstiger ist, daß nicht nur die Form, wie der Reichstag seiner Aufgabe gerecht wurde, sondern auch bi** Richtung, in der er ihre Lösung suchte, Icrum ber Kritik der Geschichte stanbhaiten dürfte. Tiefe frrirb schon die Initiative des Reichstags, die der Präsident aus seinen Parteianschaunngen lscraus so schön rühmte, nach dem Geist unserer Verfassung, die keine parlamentarische, sondern eine konsÜtuttonell-monarchische ist, allerdings als peinlich empfinden, wenn auch in anderem Sinne, als der Präsident ihn mit diesem Werke zu verbinden schien. Sie wird aber auch an dem sachlichen Ergebnis dieser Initiative sehr erhebliche Ausstellungen zu machen haben, und wir befiirchtcn, daß sie das Urteil des Reichskanzlers,
zugrunde geht, ist überhaupt fein im engeren Sinne sittlicher, sondern ein rein religiöser. Sie hat nicht als Iungfiau, sondern als Heiligtumsmaid gefehlt: das, was sie tut, wäre nach ben damals geltenden Normen einer jeden freien Jungfrau erlaubt gewesen. r ,
Unserer Ansicht nach lag al,o kern sachlicher Grund vor, von einer Ausführung der „Maibraut" in der geplanten Werse abzilschen. 8. s-
*
— Brandgräber bei Groß-Gerau. In Berkach wurde gegenüber der Kirche auf dem „Heidenstück" ein r ö m i s ch e r Friedhof entdeckt. Bis jetzt würben 20 Graber geöffnet, von benen 17 keinerlei Spuren von irgendwelchen Verletzungen auf- mieten. Es handelt sich um Brandgräber, die sieh alle in geringer Entfernung nur über einen Spatenstich tief unter der Erde befinden. Bei ben meisten Gräbern sanden sich Gefäß- trümmer, zum Teil auch recht gut erhaltene Schalen und Säfuben. Tie Weitcrgrabittigen wurden jetzt eingestellt, um nach der Ernte volleiidet zu werden.
Mittwoch, 2.M 1913
Beznqsvke inonatlich7ö Li., vierteljährlich Mk. 2.20: durch Abhole- il Zweigstellen monatlich 65 Pf.: durch dic Lost Ack.2.— viertel- jährl. auSschi. Benellg. ZeilenvreiS: lokal 15Ps., auswärts 20 Pfennig. Chefredakteur: A Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil: August Goetz; für „Feuilleton", „Vermischtes" und „Gerichtssaal": R. Neu-
— Ter Rhein-Mainische Verband für Volksbildung, mit dem Sitz in Frankfurt a. M., versendet seinen Jahresbericht für das Gesck)äftsjahr 1912/13. Darnach hat der Verband setzt in 280 Orten Arbeitsvcrbiirdungen Tie Zahl der angeschlofsenen. Körpiwschaften bettägt 240, die der dem Verband unmittelbar angeschloffenen persönlichen Mitglieder o82. Tie kör per schast lichan Mitglieder verteilen fick auf die einzelnen Staaten folgendermaßen: 123 fti H e s sen , 98 in Preußeu, 11 in Baden, 7 in Rheinbanem und 1 in Oldenburg. Der Verbaue Ijat zahlreichen Orten Redner und Künstler vermittelt, Lehrmittel lhauptsächlich Lichtbüder, lediglich gegen eine Abnützuiigsgebühr Aur Verfügung gestellt, dic Veranstaltung von Tiskussions- um Leseabenben angeregt, Vorbilder von Uni er baltungsver a lisch l tu n g n getroffen, zahlreichen Orten zu neuen Bibliotheken verhalfen ooe, die Enveitcrung bestellender Bibliotheken unterstützt. Er wa im ausgesetzt im Kampfe gegen die Schuiidliterattir tätig. Es/wurd wie int Vorjahr von Frankfurt aus wieder eine Arbeiterreife nm. England unternommen. Die geistige Jugendpflege, die jetzt in Vordergrund des Tagesinteresses steht, würde von dnch ange schlossenen Vereinen, wie bisher, wciterbetrieben. Der wahres bericht bringt gerade aus diesem Teil der Vevband-oarteit an eingehende Zusammenstellung dessen, was in den em ■ "tuen prti geleistet wird. Interessenten erhalten den Jähresteri.! !, iPfote bc von Professor Tr Theobald Ziegler auf der !'i'ten Jahres Versammlung gel>altenen Vortrag über Bildungsideat und Prar^ des Rhein-Miainischen Verbandes kostenfrei von der .GcPyatts stelle in ^Frankjurt a. W,. Stfftstraße 3L
nimmt ? _____
Die Fortdauer des Ballmkampfes.
Offiziell ist der Krieg noch nicht ausgebrochen: es fehlt aber nicht mehr viel daran. Die Feindseligkeiten dauerten, wie die Serben melden, am gestrigen Dienstag auf der ganzen Linie fort. Im serbischen Parlament hat die Re- aierung wieder alle Schwld auf die Bulgaren geschoben und angekündigt, die serbischen Soldaten wurden sich der Angriffe enthalten, wenn sie aber angegriffen wurden, hätten sie Befehl, sich zu wehreu. Aehnlick)« Erklärungen geben die Bulgaren ab, nur mit dem Unter,chted, daß rn ihren Meldungen eine herausfordernde Freude über angeblich errungene Siege gegenüber Serbien und Griechenland liegt. Aus Athen ist eine außerordentlich scharfe Note nach Sofia gerichtet worden, die kaum noch einen Hoffnungsschimmer darüber aufkommen läßt, baili dieTstrtge noch friedlich geordnet werden.
Wir erhalten folgende Meldungen:
Belgrad, 1. Juli. Amtlich wird gemeldet, daß die Nachricht, die Feindseligkeiten seien heute inorgen unter- brock>en worden, auf einem Irrtum berühr. Die Kampw werden im Gegenteil heute vormittag mit großer Heftigkeit fortgesetzt. Der Kampf wird auf der g a n z e n F r o n t g e f ü h r t. Die serbischen Twippen, bte von den an greifenden bulgarischen Truppen aus der Defensive gedrängt wurdew, rückten in der Richtung Jstrp und Kotschana vor. Eine bulgarische Kompagnie wurde bei einem Angriff der serbischen Truppen bei ^ro- gerob von der serbischen Infanterie mit dem Bajonett zurückgeschlagen und umzingelt, worauf sie sich ^^Belgrad, 1. Juli. Im Laufe des Vormittags trafen keine ausfiihrlichen amtlichen Berichte über die Vorgänge auf dem Kriegsschauplätze ein. Nach Privatberichten wurden die Bulgaren auf der ganzen serbischen Front zuruckgeschlagen.
Belgrad, ). Juli. Ter Minister des Innern gab namens der Regierung in der Skupschtina die Er- tTänmg ab, daß auf Grund der amtlichen Berichte die bulgarisch en Angriffe sich auf die gesamte serbische Front erstrecken und einen großen Umfang annahmen. Es bandle sich demnach nicht mehr um lokate Plänkeleien, sondern um die Eröffnung f r i c g e r i-


