Ausgabe 
23.5.1913 Erstes Blatt
 
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französische Sprache nicht als eine fremde, sondern als Vokks- sprache ansehe. Unsere erste Anregung liegt also 15 Jahre zurück. Der heutige Antrag tangiert in keiner Weise die Verfassung. Tie nationalistischen Zeitungen gerieren sich wie französische Zeitungen in französischem Lande in der Absicht, das Volk dem Deutschtum zu cnt- fremden. Tie französischen Zustände und französisches Wesen werden als etwas unerreichbares hingestellt. Das muß sich die altdeutsche Bevölkerung gefallen lassen, daß Deutschland bet jeder Gelegenheit in den Kot gezogen wird. Die Jugend soll an ihrer eigenen £>eintat irre gemacht werden. (Leb­hafter Widerspruch des Abg. Wetter le.) Gegen diese zer­fetzende Tätigkeit müssen wir uns wehren. Sie werden daher begreifen, wenn wir diese Zeitungen gleichstellen mit der Presse des Auslandes. Der Redner ging dann cutf den Charakter des Nationalismus ein, oft von Zwischonrusen unterbrochen. Wohl sei der Nationalismus parlamentarisch tot, im übrigen aber lebe er noch. Es sei eine kleine, aber laute Gesellschaft int Lande, die die Jugend in schlimmster Weise bedrohe. Die Regierung habe die Pflicht, hier einzugrcifen, um dem Lande die Ruhe und den Frieden zu erhalten. Eines habe er bei der heutigen Debatte trotz aller Schärfe, mit der sich die Partei­redner gegen die Anträge der Regierung wandten, als erfreulich gefunden: die mannhafte Absage an den Nationalis­mus, wie ich sie bisher nicht gehört habe. .Hätte Ihr Vorgehen .allein diese Wirkung, so könnte die Negierung zufrieden sein. Wir hoffen, sagte der Redner weiter, daß die gesetzgebenden Faktoren des Reiches das Gesetz annehmen werden. Ich kann Sie ver­sichern, daß wir nicht die Absicht haben, sofort gegen die im Lande erscheinenden französischen Zeitungen vorzugehen. W i r werden ruhig abwarten, welche Haltung diese, Zeitungen nach dem Inkrafttreten des Gesetzes ein nehm en werden. Wenn sie sich des Bewußtseins der deutschen Zugehörigkeit besinnen, dann werde das ganze Gesetz gar nicht zur Anwendung kommen. Was das Vereinsgesetz betrifft, so glaubte die Regierung, der Reform vom Jahre 1908 zu­stimmen zu sollen im Vertrauen darauf, daß die elsaß-lothrin­gische Bevölkerung die freiheitlichen Bestimmungen des Gesetzes werde ertragen können. In dieser Beziehung haben wir uns getäuscht. Daran ist gleichfalls der Nationalismus schuld. Wenn wir für uns das Recht beanspruchen, gewisse Vereine aufzulösen, so hat dies seinen Grund darin, daß dort in Französisch Propaganda gemacht wird und man daraus ausgeht, die Jugend dem Deutsch­tum zu entfremden. Die elsaß-lothringische Regierung begehrt nicht leichten Herzens ein solches Machtmittel, sie kann aber das Land nur dann der Ruhe und dem Frieden entgegenführen, wenn sie Abwehrmaßnahmen gegen die deutschfeindliche Gesinnung er­greift. Es handelt sich hier keineswegs um positive Germanisa- tionspolitik. Gewerkschaften und sozialdemokratische Vereine wer­den nicht unter dieses Gesetz fallen. Daß unsere Anträge die Rückkehr zur Diktatur bedeuten, ist eine maßlose llebertrcibung. Auch kann von einer Bankrotterklärung der Regierung keine Rede sein, wenn sie der Ueberzcugung ist, daß sie eigene politisch? Befugnisse braucht. Dadurch wird auch die Berner Konferenz md}t im geringsten berührt. Unsere Anträge werden den euro­päischen Frieden nicht stören.

An diese Ausführungen schloß sich eine lange, sehr lebhafte Besprechung.

Zur Begründung der Anfrage des Zentrums führte der Mg. Hauß ans.-

Man sollte es nicht für möglich halten, daß dieselbe Regierung, die vor zwei,Jahren der Verfassungsreform zustimmte, heute nach Ausnahmegesetzen ruft. Der Selbsterhaltungstrieb und die Selbst­achtung hätten der Regierung gebieten trvüssen, diesen Weg nicht M gelten. Gin Volk kann in zwei Jahren nicht so geartet fein, daß man es jetzt mit einem Drahtzaun umgeben muß. Man muß vielmehr Elsaß-Lothringen dieselbe Freiheit gewähren wie den anderen Bundesstaaten, mit anderen Worten: Wir fordern die Autonontie.

Der Abg. Labroise (Lothr.) hob htzrvor, die elsaß^ lothringische Bevölkerung wünsche in Rnhe und Frieden zu leben und ihren gesunden Partiknlarismus ge­achtet zu sehen. Die Regierung wolle im Hinblick auf die unvermeidlichen Folgen davon absehen, einen neuen politischen Fehler zu begehen int Interesse des Landes und des Reiches.

P-eirotes (Soz.) führte aus:

Wir stehen vor der Tatsache, daß uns die elsaß-lothringische Regierung unter Kuratel stellen will. Ideen lassen sich aber nicht durch Ausüahmegesetze unterdrücken, lvie das Sozialistengesetz be- fviesen bat. Tie Regierung hat noch andere Mttel in der Hand, um Auswüchsen entgegenzutreten. Das Parlament steht geschlossen der Regierung gegenüber. Das sollte ihr zu denken geben. Sie treibt den Kriegshetzern hüben und drüben Wasser auf die Mühle und die fruchtbare Arbeit Von Berit wird auf das stärkste ge­stört. Und all dies, trotzdem 99 Prozent der elsaß-lothringischen Bevölkerung von den Nationalisten nichts wissen wolle.

Wolf (lib.) erklärte:

Es hat sich ein R i ß au f gc ta n zwischen der Regierung tinb dem Volk. Was die Regierung plant, widerspricht dem Geist und Sinn unserer Verfassung und wird nur zur Stärkung des Rationalismus beitragen. Im Reichstage werden die Anträge hoffentlich auf einen unentwegten Widerstand stoßen. Die Regie­rung macht sich keine Gedanken über die internationale Wirkung ihres Vorgehens, das wir um der Idee der Autonomie willen auf das energischste befäntbfen müssen.

Statthalter Freiherr Zorn von Bulach legte nochmals den Standpunkt der Regierung dar. Die schließlich von allen vier Fraktionen ein gebrachte und mit allen Stimmen gegen eine die deS Abg. W e 11 e r { e angenommene Entschließung hat folgenden Wortlaut: i

Tie Kammer nimmt Kenntnis von den Erklärungen der Regierung, sie mißbilligt aufs schärfste die Bestre­bungen aus öerbeifufrrung von Ausnahmebestimmun­gen bezüglich deS Preß- und Vereinsgesetzes und stellt fest, daß die zur Begründung derselben angefülyrtcii Behauptungen zum Teil unrichtig, zum Test übertrieben sind. Sie ist der lieber» Beugung, daß die friedliche Entwicklung unseres Landes durch den von der Regierung gewählten Weg der Ausnahme­gesetze e r n stl i ch g c st ö r t itrirb, und daß das elsaß-lothringische Volk in sich selbst Kraft und Willen hat, eine gesunde Entwicklung seiner politischen Verhältnisse allem nationalistischen Chauvi- niSnms gegenüber sicher 'zu stellen. Die Kammer spricht die be­stimmte Erwartung aus, daß gegebenenfalls der Reichstag eine Vorlage auf Erlaß von Ausnahmebestimmungen für Elsaß-- Lothringen zum Preß- unb Vereinsgesetz ablehnen werde."

Deutdches Reich.

Eine Anfrage im Reichstag über die B a gda dba hu.

Die Abgeordneten Liosching, Dr. M ü7le r -M e i- nin gen unb Fischbeck (Fo risch r. Volksp.) haben an den Reichskanzler eine kleine Anfrage gerichtet, ob der Reichskanzler bereit ist, Auskunft zu erteilen über die zwischen der Türkei, England und Deutschland abgeschlossene Vereinbarung, wonach Deutschland die Bagdad bahn bis Basra unter Zuziehung zweier englisck>er Mitglieder im lAufsichtsrat bauen Tonne und England der Bau Des Hafens von Basra und der Strecke Basra-Koweit unter englischem Protektorat über Kvweit zufallen würbe

Ausland.

Die allgem eine Altersversicherung in Schweden.

Der schwedische Re i ch . t a g nahm am Donners tag spät nachts nach lebhafter Aussprache den Regierungs- entwurf über die allgemeine Altersversicherung mit einigen von dem Ausschuß vorgeschlagenen und von der

Regierung gebilligten Aenderungen an. Der Gesetzentwurf sand bei allen Parteien günstige Aufnahme; er kam mit 111 gegen 28 Stimmen in der ersten .Kammer und mit 172 gegen 25 Stimmen in der zweiten Kammer zur Annahme.

Heer und Llstte.

DasMilitärwochenblatt" meldet die Beförderung des Prinzen Oskar von'Preußen, -Oberleutnants im 1. Garderegiment zu Fuß, zum Hauptmann.

Der Fortschritt der Zriedensaussichten.

Wie das Reutersche Bureau erfährt, werden ausge­zeichnete Fortschritte für den Abschluß des Friedens gemacht. Zwischen den Delegierten der Balkanstaaten und den türkischen fanden neue Konferenzen statt, um die grund­legenden Bedingungen des Friedensvertrages zu finden. Man glaubt nicht, daß die türkischen Delegierten sich ernst­haft der Ansicht der Verbündeten widersetzen. Es ist wahr­scheinlich, daß Europa gegen die vorgeschlagenen Abände­rungen keinen Widerspruch erhebt. Sämtliche Missiouen der Verbündeten hielten eine Konferenz ab, um über die Lage unter dem Gesichtspunkte der Ereignisse in den letzten Tagen zu beraten. Es wird auch hervorgeyoben, daß die Großmächte die Vorschläge betreffend die besonders Serbien berührenden Fragen genehmigten und daß Serbien von dieser Erklärung vollkommen befriedigt sei. Das Datum der offiziellen Versammlung der Delegierten ist noch nicht festgesetzt, doch wird wahrscheinlich die Entscheidung hier­über in einigen Tagen getroffen werden.

Die Absichten Essad Paschas

Der Berk.Lokalanz." meldet aus Durazzo: Essad Pascha, der auf seinem' von den abziehenden Serben zer­störten Familiensitz in Tirana weilt, hat die albanesischen Truppen teilweise entlassen. Bei ihm sind noch vier regu­läre türkische Bataillone und Artillerie. Ein siinftes Ba­taillon steht in Durazz-o. Die Truppen erwarten ihre Ein­schiffung nach Beirut. Essad Pascha, der nach Abzug der Truppen den türkischen Generalsrock ablegen will, scheint e r u st w il li g g cwi llt sich, zum Kön rg v on Alb a n ie n ausrlufen zu lafsen. Er besitzt reiche Mittel und würde sich jedenfalls im1 Norden des Landes reichen An­hang verschaffen können. Bei Dschakowa sammeln sich Tau­fende von Bergbewohnern, imt trotz Abratens Essads die serbischen Truppen anzugreifen.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 23. Mai 1913.

** Aus dem Militär-Wochenblatt. Oberst v. Behr, Kommandeur des Infanterie-Regiments Nr» 118, wurde mit der Führung der 32. Infanterie-Brigade beauftragt, und Oberstleutnant Munter, Kommandeur des 1. Jägerbataillons, zum Kommandeur deS Jnf.-Rcgts. Nr. 118 unter Beförderung zum Obersten ernannt.

** Die thevlogische Konferenz wurde gestern vormittag in Steins Garten durch ein vom Direktor v. Schöll-Friedberg gesprochenes Gebet eröffnet. Ms ersterRedner sprach Pfarrer Dr. 'D e ch e n t-Frankfurt a. M. über neuere Forschungen auf dein Gebiet der Frank­furter Krrchengeschichte. Der Bvrtrag gab eine reiche Belehrung über die vorhandene Literatur. 'Den zweiten Vortrag hielt Prof. Sic. Matthes- Darmstadt über: Die religiöse und pädagogische Berech­tigung der bekenptnis mäßigen Lehr stosse de,s Religionsunterrichts und deren zeitgemäße Behandlung. Im Unterricht müssen die Stoffe behandelt werden, die auf das Leben des Kindes Oou Einfluß sind, also Worte der heiligen Schrift, der Katechismen und der Kirchenlieder. ;Der Stimmungs- als auch der Lehrgehalt der Bekenntnisworte wird von Verstand und Gemüt am besten erfaßt, wenn er durch die Darstellung des konkreten Lebens veranschaulicht wird. Alle bckenntnismäßigen Stoffe können nach der historischen, der selbständigen oder der praktischen Methode behandelt werden, der 2. und 3. Artikel sollte jedoch mehr der historischen Behandlung Vorbehalten werden. Die 10 Gebote gehören nicht erst in die Oberklasse, sondern schon auf die Unterstufe, sonst bleiben sie nicht im Gedächtnis haften, das in der Ober­klasse zuviel mit anderen Stoffen belastet wird. Auch in den höheren Schulen müßte mehr Beziehung auf die Ge- nreindebekenntnisse genommen werden, damit die l>eran- wachsenden Gebildeten unseres Volkes nicht religiöser und kirchlicher Gleichgültigkeit verfallen, sondern dem Volke auch wirkliche Führerdienste auf religiösem und kirchlichem Gebiete leisten können. Reben dem Unterricht der Schule muß die religiöse Erziehung des Hauses, der Familie treten und hinter allen Worten und Ermahnungen muß das christliche Leben und Beispiel stehen. Dieses Leben aber muh der Religionsunterricht wecken und pflegen. An den mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag schloß sich eine ausführliche Aussprache, an der sich u. a. Professor Holzmann, D. Eibach, Prof. D. Schien, Pfarrer Lic. Gonrbel, Pfarrer Hermann-Nidda beteiligten.

Das Fronleichnamsfest begingen gestern unsere katholischen Mitbürger in althergebrachter Weise.

* Stadttheater. Bei dein Gastspiel am nächsten Dienstag tanzen die Geschwister Wiesenthal:Tanz aus Ma non* (Massenct),Dorfschwalbcn-Walzer* (uon Josef Strauß), Violetta-Polka (von Johann Strauß) und Walzer aus Faust (Gounod). Eingeleitet wird der Abend durch Otto Erich Hartlebens LustspielDie Lore*, beschlossen burd) den bekannten Putlitz'schen Schwank ,DaS Schwert bcS Damokles*. Die beiden Einakter werden vom Personal des Nauheimer Kurtheaters gegeben. Die Theaterkasse ist von Sonntag 11 Uhr ab zu den bekannten GeschäftSstunben geöffnet. Die Preise finb berart gestellt, baß sie unter ben sogenannten Operettenpreisen bleiben.

** Ihr 25jähriges Dienstjubiläum feierte gestern Fräulein Anna Henz im Hause des Spediteurs Lhnkrr, und zwar als fünfte Jubilarin. Sie wurde von der Familie Lynker und ihren Mitarbeitern reich beschenkt und am Abend fand eine ftente Feier statt.

** Die S ch l o s s e r V e r e i n i g n n g Gießen 1902 fort den hiesigen Druckereien das nachstehende Schreiben zu­gehen lafsen:

Gießen, den 21. Mai 1913.

Wie Ihnen wobl bekannt sein wird, l'inbet am 31. Mai unb 1. Juni ber II. Hessische Scklossermeister-Vcrbandstag in Gießen im Hotel Großberzog von Hessen statt. Bei dem vorigen Verbau ds- tag, welcher in Worms abgchattcii wurde, haben eine große Menge Finnen als Reklame verschiedene sehr schöne Andenken den ein schien Del ich enen zum Geschenk gemärt,t. Auch wir l>e ab richtigen eine solche Reklame vollständig kostenlos su überlassen. Es kommen hierbei zirka 120 Aktendeckel in Frage, d. h. also Umschläge, in welch? die gemachten Notizen und das erforderliche Briefpapier sich leder cinicgtit kann. Es ist auch zulässig, in geschmackvoller

Form Mitteilungen über die Erzeugnisse des Stifters zu bringen, daß es nicht als offene Reklame auSsißhl. und den Zweck des ganzen nicht cntfteHt. Ein Aufdruck, welcher die Begrüßung der einzelnen Teligierten bezweckt ist ebenfalls zulässig. Außerdem gebrauchen wir das dreifache an Briefpavicr, ebenfalls mit entsprechendem' Aufdruck, und 120150 Eßkarten, welche nummeriert rjerben müssen, mit dem Aufdruck: Eßkarte zum II. Hess. Scklosfcrmcister- Verbandstag in Gießen im Hotel Großberzog von Hessen. Ir­gendwelche Zahlung für diese Reklame hab en we- , der Sie an uns, noch wir an S i c zu leisten. Tic Ver­teilung wird von den dazu bestimmten Mitglieder erfolgen. Wir bitten um Ihre Nachricht, in wie weit Sic sich an der Sacke be­teiligen wollen, oder ob Sic in einer anderen Weise Ihre Firma vertreten möchten. Ihre Rückäußerung bitten wir bis zum.24. d. Mts., an ben dazu beauftragten Kollegen Herrn Heinr. Schön, Liebigstr. 65 gelangen zu lassen. Auch ist unser 1. Vorsitzende Herrn Schlossermeister Kreiling zu jeder Auskunft gerne bereit. I

Indem wir auf Ihr Wohlwollen rechnen, zeichnen wir mit aller

Hochachtung

Die Schlosservereinigung Gießen 1902.

I. Ä.: Kreiling. Schön.

Es ist ein sonderbarer Geschäftsgeist, der sich da aus- zubehnen droht. Solche Präsente sind allenfalls jahrmarkt­liche Lockinittel für Kinder, aber wird ein Verbandstag reeller Handwerker, die zu ernsten, beruflichen Erörterungen zusmnmenkommen, in seiner Mehrheit wirklich an solchen Beigaben Freude haben? Wir glauben nicht. Gerade das Handwerk ist doch mit Recht bemüht, in den wirtschaftlichen' Kämpfen, die es zu führen hat, bei Angebot und Nachfrage, gegen alle ungesunden Auswüchse scharf vorzugehen. Und sind die Uebelstände, die der Handwerker bei Arbeits - Ver­gebungen aus freier Hand, Submissionen oder Bazaren bekämpft, nicht gelinde gegen diese Vorschläge einiger Her­ren der hiesigen Schlosservereinigung? Man ist es leider gewohnt, daß i-.n\, Vereinsfestlichkeiten vielfach allerlei At­tentate gegen die guten geschäftlichen Sitten verübt werden, daß oft in der Geschäftswelt Anfinnen zirkulieren, die int Grunde auf nichts anderes als eine Bettelei hinauslaufen. Bei Festbüchern, mit Reklamen ausgestatteten Programmen und bergt, pflegt man es der Geschäftswelt und den Hand­werkern zu Überlassen, durch Aufgabe unnützer Reklamen die Kosten zu tragen oder gar noch die Vereinskasse zu bereichern. Daß derartige Reklamen vollständig zivecklos sind, wird sich auch der auf diesem Gebiete Unerfahrenste sagen müssen. Sie kommen doch fast ausschließlich nur den Festteilnehmern zu Gesicht und finden demgemäß nur ganz ausnahmsweise einmal Beachtung. 'Diesem Verfahren joll nun mit dem Vorschlag der Herren von der Schlosser- vereiniguiig die Krone aufgesetzt werden. Besonders charak­teristisch ist der Satz, daß für die Reklameweder Sie von uns, noch wir an Sie" Zahlungen zu leisten kstiben! Nun, die Druckereien werden auf dieses noble Ansinnen ja nicht hineinfallen; der Fall mußte nur deshalb einmal be- sprochen werden, um künftig, im Interesse aller Geschäfts­leute und Gewerbetreibenden, allen ähnlichen Versuchen nach Möglichkeit den Boden zu entziehen.

Kreis Büdingen.

Nidda, 22. Mai. In ben nächsten Tagen steht hier viel Verkehr in Aussicht. Am Montag, 26. Mai, unb ben 2. Juni wird ber Eisenbahn-Verein von Gießen unb Umgegend, jedesmal mit etwa 2000 Teilnehmern, mit Sonderzug hierher in Krafts Saalbau seine Ausflüge unternehmen. Dann folgt in dieselben Lokalitäten ber Eisenbahn-Verein Gelnhausen mit fast ebensoviel Mitgliebern. Der Eisenbahn-Verein Nibba bagegen fahrt am 28. Mai unb 4. Juni in zwei Abteilungen nach Wetzlar. Gegenwärtig finben in ber Gemarkung Nibba unb in ber Uiugegenb topographische Aufnahme n unb Höhen» Messungen unter Leitung bes Geometers 1. Klaffe Lohnes zu Darinstabt statt. Die Arbeiten für die Felb bereinigung nehmen guten Fortgang. In ben letzten Wochen hat ber Boniticrungs-Ausschuß fleißig gearbeitet. Fast täglich sah man ihn im Fekbe ben Wert ber Grunbsti'icke feststellen.

--- Wenings,21. Mai. Die Arbcitcnan unserer Was­serleitung, bic der Firma Lubwig Pons in Frankfurt für rund 52 000 Mark zur Ausführung übertragen wurden, schrei­ten rüstig fort. Der ctnxa 7 Kilonieter lange Röhren sträng ist nahezu fertig gelegt; gegenwärtig werben die Hausanschlüsse gemacht. Treten int Ort nicht noch unerwartete Hindernisse ein, so werben alle Arbeiten bis zur Heuernte beendet sein. Der an die Leitung angestossene, zur Gemeinde Gedern zählende Weiler Schönhausen hat bereits seit Pftngsten Wasser. Nach Beendigung ber Arbeiten erhält noch bas nahe Forsthaus W er- nings mit ber dortigen Jungviehweide Anschluß.

Kreis Friedberg.

m. Bad-Nau heim, 21. Mai. Nachdem die Stadtver­ordnetenversammlung die Erhebung einer Warrnhaussteuer be­schlossen hat, ist sie mit Wirkung vom 1. April 1913 in Kraft getreten Tie jetzt veröffentlick::cn Sätze lauten: Tie Waren- haussteuer wird nach dein im Kleinhandel erzielten Jahresum­satz des Unternehmens erhoben und beträgt bet einem Umsatz von 80 000 bis einst. 300 000 Mark 1>, °/o des Umsatzes, bei einem Umsatz von mehr als 300 000 bis einst- 400 000 Mk. 13'4 % des Umsatzes, bei einem Umsatz von mehr als 400 000 bis einst. 600000 Mark 2«o des Umsatzes, bei einem Um­satz von mehr als 600000 Mark bis einst 1 Million Mk 2* j °b des Umsatzes und bei einem Umsatz von mehr als^einer Million Mark 3 des Umsatzes. ?lllzuviel dürfte diese Steuer in Bad-Nauheim allerdings nicht cinbring-cn. Nächsten Sams­tag findet in der Turnhalle ber Verbandstag der hes­sischen Hebammen statt. Vorträge werden halten Medi­zinalrat Pros. Tr. Walther-Gießen, Jißrvf. Dr. Opitz- Gießen, der Tirektor der Hebammenlehranstalt, Med.-Rat Tr. Kup f c r b e r g-Mainz und die Geschäftsführerin der Vereint- gimg deutscher Hebammen, Frau Olga Gebauer-Berlin. Auf der Tagesordmcng stehen einige Anträge.

Starkenburg und Rheinhessen.

rm. Darmsta dt, 22. Mai. Der Generalarzt a. D. Dr. Ka pesser, geb. 1830 zu Jugenheim in Rheinhesien, der während be3 Feldzugs von 1870 Oberarzt beim 8. BnndeS- armeekorpS war unb seit langen Jahren in Darinstabt tvohnt, begeht am Sonntag sein 60jäh riges Doktorjubilänm. Er verbrachte fast seine ganze Dienstzeit beb ber hessischen Kavallerie.

Hessen-Nassau.

h. Brandobernbors, 22. Mai. Seit Wochen werden bic wilbreichen Forsten ber Umgegend in recht arger Weise uon Wilbbieben lieimgcsucht. Die Jagbvcrtvaltung hat beshalb eine hohe Belohnung auf bie Namhaftmachung der Täter ausgesetzt.

Ii. Friedrichsdorf, 22. Mai. Der Schüler Gerhard Stephan ist seit acht Tagen verschwunden. Er hat die Rückreise aus den Ferien von Witzenhausen hierher angetreten, ist aber noch nicht in seiner Anstalt eingetroffen.

h. Frankfurt a. M., 22. Mai. Nach längeren Bc- mühungen gelang e§ ber Kriminalpolizei, in ber Person deS