aufgefordort werden, ihre Ruhe zu bewahren. Wenn auch während zweier Szenen, nw die Schauspieler iu deutschen Uniformen auftraten, einige Zwischenrufe ertönten, so wurde die Ruhe doch nicht weiter gestört.
Paris, 18. April. Nach Blättermeldungen aus Nancy soll durch die Untersuchung festgestellt worden sein, daß an dem Auftritt auf dem Bahnhof keine Studenten beteiligt gewesen sind. Unter den Lewen, die die Deutschen beschimpften und bedrohten, sollen sich zumeist Apachen befunden haben, was damit zu erklären sei, daß das Bahnhofsrestaurant von Nancy das einzige, fast die ganze Nacht geöffnete Lokal der Stadt sei. Die städtische Polizei habe bei den Ruhestörungen auf denr Bahnhof nicht einschreiten können, da sie zwar den Ordnungsdienst vor dem Bahnhof besorge, aber das Bahnhofsgebäude selbst nicht betreten dürfe. W,
Der „Ternps" behauptet, daß am Montag zahlreiche Metzer Geheimpolizisten in Nancy eingetroffen seien, die versucht hätten, über die Vorfälle Auskunft zu erlangen. Tie etwaigen Ergebnisse dieser Nachforschungen können in keiner Weise die von den französischen Behörden durchgeführte Untersuchung beeinflussen, schon deshalb nicht, weil es sich um Vorkommnisse auf französischem Gebiet handelt.
Aus Anlaß des dish-er begannt gewordenen Ergebnisses der Untersuchung über den Ncmcyer Zwischenfall schreibt der „Figar^": '
„Man hat den Eindruck, daß nur die Vorgänge auf dem Bahnhof eine Bedeutung haben können, die Streitigkeiten im Kasino und in der Bierhalle verdienen keine weitere Beachtung. Wenn aber festgestellt ist, daß die fremden Reisenden, in deren Begleitung sich Damen befanden, verfolgt, int Wartesaal, auf dem Bahnsteig und ün Wag en Mell eine Zeitlang beschimpft und behelligt werden konnten, ohne daß die Polizeibeamten, noch die Schutzleute eingriffen, um diesem Skandal ein Ende zu machens dann braucht man nicht weiter zu suchen, denn ein so lches Benehmen wäre unver zei hl ich und die Behörde würde die Pflicht haben, einzugreifen. Es handelt sich um den guten Ruf der französischen Gastlichkeit und .Höflichkeit. Die schuldtragenden Beamten müssen bestraft und die Urheber der Ruhestörungen, falls sie ausfindig gemacht werden können, dem Gesetz entsprechend verfolgt werden. Damit wäre dann der Zwischenfall abgeschlossen. Die alldeutschen Blätter hätten nicht nötig, sich zu so bedauerlich heftigen Auslassungen gegen Frankreich hinreißcn zu lassen. In Paris allein leben über 100 000 Deutsche, die sich hier sehr wohl fühlen und nichts aitderes wünschen, als hier bleiben zu können. Wir freuen uns übrigens, daß ein beträchtlicher Teil der deutschen Presse durch vernünftige Erörterung den in Paris durch die Artikel der alldeutschen Zeitungen hervorgerufenen Eindruck zu verwisehen bestrebt war. Es liegt int Interesse beider Länder, die den Wunsch und die Pflicht haben, in Frieden zu leben, daß die Wiederholung solcher Vorfälle verhindert werde. Die französischen Behörden mögen darüber wachen. Der Takt des französischett Publikums und diskretes Benehmen unserer fremden Gäste werden das ihrige dazu beitragen."
Der allgemeine Ausstand in Ve!men.
Brüssel, 18. April. Sozialistische Deputierte und Senatoren fordern die Arbeiter auf, in Ruhe weiter zu streiken, denn ein erster Erfolg sei dadurch erzielt, daß die Kammer über das Problem, das den Stteik veranlaßt habe, berate. Vielleicht bringe die Karnrnersitzuny am Dienstag die Lösung; deshalb sei ein Beharren int Str et? erforderlich.
Ans Stadt nnd Land.
Gießen, 19. April 1913.
**Tageskalendcr. Liebigshöhe. Sonntag nachmittag 4% Uhr: Militär-Konzert von Mitgliedern der Regiments- musik (12 Herren, Berliner Besetzung).
B i o g r a v b-L i ch t s p i e l e: Täglich Vorstellung.
Bakoss Kammer - Lichtsviele: Täglich Vorstellung. Lichtspielhaus: Täglich Vorstellung.
Oberhessischer Kun st verein. Gemäldeausstellung tnt Turmhaus nm Brand. Geöffnet täglich (mit Ausnahme von Samstag) von 11—1 Uhr, Sonntags von 11—3 Uhr, Mittwoch nachmittag von 3—5 Uhr.
, Museum des oberhessischen Geschichtsvereins. Geöffnet Sonntag vormittags 11—1 Uhr unentgeltlich.
Museum für Völkerkunde. Geöffnet an Sonntagen vormittags von 11—1 Uhr unentgeltlich.
Anlageuiusik Sonntag mittag um 12 Uhr in der Süd- Anlage (nur bei gutem Wetter). Mustlsolge: 1. Fest-Ouvertüre über das Thüringer Volkslied von E. Lassen; 2. „Der Rosen- kavalier, Walzer von N. Strauß; 3. „Lockcnköpfchen", Intermezzo von C. Powell; 4. Frei weg! Marsch von C. Latan.
*
** Uebertragen wurde dem Schulamtsaspiranten Hermann Schäfer auö Alsfeld eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Obor-Lais, dem Lehrer Karl Nicolai zu Sellnrod die zweite Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Gonterskirchen.
** Frostschäden. Trotz gegenteiliger Meldungen haben die Weinstöcke in den freien Weinbergen im Rheingau und in Rhein Hessen durch den letzten Kälterückfall nicht gelitten, mit Ausnahme im „Rüdesheimer Berg", wo aber nur ein geringer Schaden entstanden ist. Tie Weinstöcke, die vor den Mauern und an den Planken stehen, und bereits 1—2 Zentimeter lange Knospen- .triebe zeigen, .haben Schaden genommen; doch ist dieser ganz unbedeutend.
Landkreis Gieften.
-b. Birklar, 19. April. Nächsten Mittwoch, den 23. d. Mts., findet hier Bürgermeisterwahl statt.
Kreis Alsfeld.
0 Storndorf, 17. April. Die 17jährige Elise M8leer übergoß sich gestern versehentlich mit einer Kanne heißen Kaffees Beine und Füße, wodurch es gefährliche Brandwunden erlitt.
Kreis Lauterbachs
-r. Lauterbach, 17. April. In der heutigen Gemeinde- ratssitznng wurden zunächst eine Reihe untergeordneter Pachtgesuche erledigt, ferner die Herstellung einer Uferein- faffung an dem lyartengelände an der Seebrücke, zu 350 Mk. veranschlagt, beschlossen, desgleickzen die Herstellung einer neuen Einfriedigung «Holzzaun mit Basaltsteinfundament) an der Straßenfront der Rockelsgasse an dem der Stadt gehörenden, vom Oberamtsrichter benutzten Garten, für 150 Mk. Weiter bauliche Veränderungen an einer städtischen Lehrerwohnung, veranschlagt zu 250 Mk. Tie Ufer man er am Alten Steinweg an Sttcktenoths Garten bis zur WichH.mSbrücke ist baufällig und werden für ersorderlielw Arbeiten 300 Mk. bewilligt; desgleichen wird die Fortführung der Ufer mau er am See beschlossen. Ter Verkauf eines Stückes Stadt in au er für 1 Mk. je laufender Meter, sowie der Ankauf einer 2400 Quadratmeter großen Wiese für 500 Mk. werden genehmigt. — Nach einem früheren Gemeindcratsbcschluß sollen die der .Stadt gehörenden Gn f ortmief en aufgeforstet werden, weil sie zu abgelegen sind und das Gras daher unvorteilhaft verkauft werden muß. Nach einem Sachverständigenurteil könnten die Wiesen aber durch Verbesserungen erheblich im1 Ertrag gesteigert tverden und der Vorsitzende legt daher der Versammlung nahe, ob man unter diesen Umständen nicht von einer 'Aufforstung Abstand nehmen soll. Aus der Versammlung heraus bemerkte ein Fachmann, daß man im Gegensatz zu früher neuerdings im allgemeinen mit de e Aufforstung zurückhaltender geworden fei und führte an, daß man z. B. in der Umgebung Lauterbachs bereits den Versuch gemacht habe, Kavallerieregimenter für die Grasnuttungen zu intcreffieren,
bte das Abernten durch eigene Mannschaften besorgen lassen. Es hrirb ferner angeregt, das Gros her >$nfortimefen der Land- ivirtfchaftskammer anzubieten, die vielleicht Verwendung für die in der 9iähe liegende Jnngviehweide habe. Bei dieser Gelegenheit bedauert der Vorsitzende auch bic schwache Benutzung der f° üittlstig gelegenen Jungviehweide. Es wurden dafür mannigfache Gründe angegeben, vor allem das Klima. Es wird beschlossen, die Aufforstung vorläufig iiidjt auszuführen und mit der Landwirt - schaftslarmner wegen der GrasnutzMg in Verhandlung zu treten. — Die Kanal gebühren sollen bis zur Fertigstellung der Hauptleitungen, welche in trief em Jahre zu erwarten ist, nicht erhoben 'werden, um den Grundeigentümem die Kosten der Anschlüsse etwas zu erleichtern. Die Gebühren werden erft üom 1. «April 1914 ab erhoben. — Ter- Mühlgraben wird gegenwärtig in Röhren gefaßt und zugeschüttet. Es sind sodann zwei Straßen- früge, ein oberer und ein unterer, anzulegen und durch eine ZwischeirMauer zu trennen bezw. zu stützen. Die Mauer soll aus Basalcsteinen mit einer Betonbekrönung ausgeführt werden. Tie Versammlung genehmigt die Arbeiten.
0 Wallcnrod, 17. April. Heute weilten einige Herren hier, darunter Kreisrat von Bechthold, um über die Errichtung einer elektrischen Lichtanlage zu beraten. Gleichzeitig machten die Herren der Nachbargemeinde Reuters einen Besuch, um über dieselbe Angelegenheit zu verhandeln.
Starkenburg und Rheinhessen.
rb. Darm stad t, 18. April. Einen auserlesenen Kunstgenuß bereitete gestern abend der Leipziger Professor Dr. Gotth. Henning den Freunden Richard Wagners durch die Vorführung^des „Parsisa'l", die zum Besten der Rtchard-Magner-iStipendien-Stiftung erfolgte. Einleitend brachte der Vortragende eine Anzahl vortrefflicher Lichtbilder von Bapreuther Büh nende'lprationen und machte dann nach einem kurz zufammengefaßten Ueb erblick über des Meisters Leben unh Wirken neben einer übersichtlichen textlichen Inhaltsangabe und Rezitationen das Publikum auch sehr eingehend mit der Musik zu „Parsiscll" bekannt, indem er hauptsächlich Motive meisterhaft vortrug.
Hessen-Nassau.
Wiesbaden, 18. April. Die Stadtverordneten beschlossen in ihrer heutigen Sitzung den Neubau eines Museums in der Kaiserstraße mit einem Gesamtkostenaufwand von 2i/2 Mill. Mark. Das alte Museum in der Wilyelmstraße ist mit dem dazu gehörigen Gelände bereits für 2 Millionen Mark auf Abbruch verkauft.
Ocreiii$iiad)nd)ten.
D i e Gießener frei iu. Feuerwehr hält am Montag, bell 21. April, im „Frankfurter Hof" ihre H a u v t v e r s a m m l u n g ab. Nach der neuen Satzung haben nunmehr auch die Ehren- mitOlieder Sitz und Stimme in den Verhandlungen.
Gießener Strafkammer.
Gi e ß en , 17. April. Heute vormittag verhandelte die Strafkammer gegen den Wirt Will». Pfeil zum „Vater Jahn" in der Ost-Anlage wegen Kuppelei. Die Anklage vertritt Staatsanwalt Trümpert, verteidigt wird der Angellagte von Jusiizrat Dr. Jung. Zur Verhandlung, für die zwei Tage vorgesehen sind, wurden 22 Zeugen geladen. Während der Verhandlung ist die Oesfent- l i ch k e i t ausgeschlossen. Pf. hat eine Kellnerinnen-Bedie- nung gehalten, unter deren Anleitung große Champagnerzechen gemacht wurden, so daß einzelne Gäste ein kleines Vermögen geopfert haben. Die Verhandlung beginnt mit her 2Ser* nehmung Pfeils, der teilweise geständig ist.
GerrchtssaaL«»
Wetzlar, 17. April. Vor der Strafkammer hatte sich der 15 Jahre alte Z i m m e r l e h r l i u g H e i n r i ch Rosen- kr'anz von Phllippstein wegen Mordversuche zu verantworten. Wie seiner Zeit nülgeteilt, hatte er das sünfj ädrige Söhnchen seines Pleisters, des Zunmermeisters Schäfer in Braunfels, in der Absicht, es zu töten, in den Hausbrunnen gestoßen, woraus es durch die Dazwischenkunst eines Straßenwärters von dem Tode gerettet wurde. Rosenkranz gestand hellte ohne weiteres seine Tat ein. Unter Berücksichtigung seiner Jugend erkannte der Gerichtshof auf eine Gefängnisstrafe von fünf Jahren.
Sitzung -er Stadtverordneten»
(Schluß.)
th. Gießen, 18. April.
Die Organisation der Krankenkasse in Gießen muß nach der Reichsversicherungsvorlage umgestaltet werden. Die sozialpolitische Kommission schlägt vor, von der Gründung einer Lcuidkrankenkasse abzusehen, weil dafür kein Bedürfnis vorliegt und die bestehende Ortskrankenkasse als solche weiter bestehen zu lassen, wonach auch Beschluß erfolgte.
Stadtv. Löber fragt an, ob die Jnnungskrankenkafse der Bäcker weiter bestehen kann. Der Beigeordnete Keller erklärt, daß dem nichts im Wege zu stehen scheine, wenn sich die Kasse als freie Hilsskasse organisiert. Stadtv. Sommer will wissen, wie es mit der sogenannten Klinikskasse kommen wird. Der Beigeordnete Keller bemerkt, daß diese Einrichtung mll dem 1. Januar eingeht.
Erinnernngsfeicr an 1813.
Stadtv. Ebel berichtet eingehend über die zwischen Stadt und Universität angebahnten Verhandlungen wegen einer gemeinsamen Feier. Beschlossen ist, das Fest am 8. Juni zu begehen und zwar durch einen akademischen Mt im Theater, bei dem der Rektor die Festrede hält. Abends ist ein Fackel- zug der Studenten geplant, und sowohl auf dem Seltersberg und auf der Höhe des Bismarckturmes sollen Freudenfeuer abgebrannt werden. In einem 2000 Personen fasseudeu Zelt soll unter Mitwirkung unserer Gesangvereine am Abend auch eine allgemeineFeier stattfinden. Die Stadt soll zu den gesamten Kosten 1050—1100 Mark beitragen und die Beleuchtung des Festzeltes übernehmen. Die Universität wird dann die übrigen Kosten, ca. 1500 Mark, decken. Die Versammlung stimmte diesem Anträge zu.
Märkte.
Tie MarttkoUttnission hot beschlossen, elften Tag 'vor Himmelfahrt, auch loenn an dem' Tage lein Viehmarkt stattsindet, einen Krämermarkt abhalten zu lassen, dagegen in diesem Jahre den Dicken-Mittwochsmärkt ruhen zu lassen, weil 8 Tage vorher und 8 Tage nachher ein Krämer in ar ct stattsindet. Der Antrag der Marktkommission wird von der Versammlung angenommen. Es werden ferner 1500 Mark gefordert und.bewilligt zur Errichtung einer transportablen Wirtsd)asishaUe für den Viehmarkt. — Ter erste Fettviehmarkt soll am 14. Mai d. I. abgehalten werden und darauf alle 14 Tage ein solcher hinter dent Sckstachthof statt- sinden.
Die Strahenkostcnbeiträge sirr die Müblstraße sollen nach einem von der Versammlung gefaßten Beschluß in der nächsten Si^mg öffentlich verhandelt werden.
Schanktflaubnisie
haben nachgesucht Philipp Rühl für Neustadt 31, Amadeus Espada für die Spanische Weinstube, Ecke Balmhofstraße unt> Wolkengasse, Karl Pfeil für den. Vater Jahn. Ost-Anlage, Friedrich Jörg für 'Asterweg 7, Karl Nebe für Schützenfttaß. 15, Löbor für das Automaten-Restauraitt, Seltersweg. Für die Anträge Pfeil und Nebe wird Mangels eines Bedürfnisses die Bedürfnisfrage verneint, die übrigen Gesuche über befürwortet.
Damit ist die Beratung der öffeirtlichcn Sitzung erledigt.
Vermischres.
* Bücher m a rb c r. In her Universitätsbibliothek zu Berlin wurde ein ungarischer Rechtsanwalt als Bücheri'.iarder feftgenonrmen. Ter Verhaftete, der in der jirriftifd)en Fakultät
immatrikuliert ist, Tjattc anS einer großen Reihe von Büchern wertvolle Blätter stcrausgeschnitten und ebenso ganze Bücher entwendet und die TitelbLäller mit dem Universitätssteinpel entfernt In feiner Wohnung wurden außerdem' Bücher gefunden, die aus ber Leipziger Universitäts-Bibliothek entwendet loorcn.
— Ein altrömischer Kirchhof bei Ulm. Die Ausgrabungen, die seit einiger Zeit von bau' historisckien Verein Ncu-Ulm östlich und südlich ber Stabt Ulm veranstaltet werben, habeu, wie in ber Kunstchronik berichtet wirb, zu einem' interessanten Ergebnis geführt. Bei bem Torfe Straf’ konnte em römischer Friedhof von 300 qm Flächeninhalt nach gewiesen, meroen. Tie römische Niederlassung, die dadurch festgestellt war, hat etwa vom Ende des ersten Jahrhunderts bis gegen die Mitte des dritten Jahrhunderts n. 'Ehr. gedauert. Wahrsck>einlich wurde die Siedelung durch den Menmnneneinsall von 233 n. Ehr. zei> frört. Abgesehen von einem Kinderskelett sanden sich über 100 Brandgräber vor, die einige Ausbeute an Kleinfunden ergaben. , . — Der Film im Dienst der Hygiene. Der gesundheitlichen Aufklärung, die bisher in den Schulen noch nicht in wünschenswerter Weise gepflegt wurde, ist ein mächtiger Bundesgenosse im Film erwachsen. Wie Prof. Dr. F. Kem fies in einem Aussatz der Um schart ausführt, liefert die Kinemato- gra^te die seit langem gesuchten Mittel, um die wichtigsten ^Giachen und Forderungen der Gesundheitspflege in volkstümlicher Weise den Schülern aller Arten, den jugendlichen Ar- bettern und selbst gebildeten .Streifen zu vermitteln. Tie ersten Versuche mit solchen Films, die auf dem Kino-Kongreß 1912 und dann in Berliner Kinos und Jugendvorstellungen vorgeführt wurden, erfreuten sich des größten Beifalls und natty nr, Interesses und dürsten als geglückt bezeichnet werdert. Als Berlptel sei der von Prof. Kem fies und Dr. Rientopf herausgebrachte Z a hnpf l eg c fi l m angeführt. „Tas Kind er- blrckt hier u. a. die Bakterien rind Spirochaeten der Vtund- höhle in lebendem^ Zustande, wie sie in einer ultramikroskopisch- ktnematographischen Aufnahme mit Tunkelfeldbeleuchtung sichtbar md. -^aß tägliche mehrmalige Reinigung erforderlich ist, um diese Menge die Gesundheit bedroherrder Lebewesen unschMich zu machen, leuchtet ohne weiteres ein. Ter Filmzahnarzt holt eine zwecknräßig gestaltete Zahnbürste herbei und fordert die kleine Patientin auf, ihre Zähne in feiner Gegenwart zu bürsten, pa sie von vorn nach hinten in horizontaler Richtung über sie hrnwegstteicht, lehrt er sie, dies zu vermeiden und in einem Kreise uon oben nach unten über die Zähne zu bürsten, wodurck) £?fr cme cintoanbfreie Reinigung gewährleistet ist." Ein anderer ck.ilm, „Schularzt und Schulrekrrrt", der als Belehrung in erster Lrme für dre Mütter bestimmt ist und die Bedeutung der Gym- rmstrk für die Hygiene betont ist von Prof. Kemsies zusammen mrt dem Charlottenburger Schularzt Dr. Borchard geschaffen worden. Neben der eigentlichen Filmhandlnng werden hier wichtige Kenntnisse durch die ^eingeschobenen erläuternben Texte vermittelt. Tie exakte 2(ussi'lhnmg gymnastischer Hebungen kann durch kmematographische Vorführungen sehr gut illustriert unb vorgemacht toerbeit. So haben z. B. Paths Fröres eine Tages- Übung eines Vereins junger Männer zu Stockholm! prächtig im Film totebergegeben.
kk. Unzerstörbares Holz. Holz, bas weder von Luit noch.Regen, noch von Grnnbivasser oder dem Meerwaffer angegriffen wirb, wächst in Britisch Gilyana und in Venezuela. Es yanbelt lieb um einen Baum (Neetanära roäirrei), dessen Holz naincut- lich in England verwendet wirb, ivo es als „greenhearl" bezeichnet >virb. Der „Ainerican Architect^ empfiehlt dieses Holz angelegentlich zu verschiedenen Zwecken rmd teilt folgendes darüber mit: der Baum wird etwa 35 9)1 et er hoch: die Krone setzt ziemlich hoch an und die Stämme sind gerade wie Mastbäunre; man kann daraus Balkeir von 40 Zentimeter im Geviert herstellen. Besonders zum Schiffbau und zu Küstenbauten soll das Holz ganz vortrefflich sein. Nach einem Forest Service Circular haben Balken ans solchem Holze über hundert Jahre unter Waffer gelegen und sind vollständig ge- und geblieben. In Liverpool in den Dockanlagen ist sehr viel olches Holz verwendet unb beinahe alle Schleusentore des englischen Bridgewaterkanales ftnb aus diesem Holze yergestellt worden. Nach den Aussagen der Fachleute ist das einzige an diesen Schleusentoren, was bisher jemals der Erneuerung ober Ausbesserung be dürft hat, nicht das Holz, sondern die Eifenleile! Im Jahre 1856 wurde das Canada-Dock gebaut, das bis 1894 Dienste tat. Alles, was daran ans Greenheartholz gebaut war, konrte im Jahre 1894 zum zweiten Male verwendet werden. Die Amerikaner verwenden dieses vortreffliche, Holz nun bei den Schleusen des Panamakanals. Das widerstandsfähige Holz ist aber nicht nur für Tockanlagen, Bauten am Wasser oder zu Schiffen verwendbar, sondern nud) für Zimmcrmannsarbeit, zu Holzvflasterungen, für Werkzeuge usiv. In den Tropen zeichnet es sich angeblich dadurch aus,'daß die Termiten es nicht zerstören, beim Schiffbau baburd), baß der Aohr-- wurin (teredo navalis) es nicht zerstört. Fahrzeuge aus diesem Holze brauchten also keine Kupicrplatten. Ter Schivere nach geht das Eichenholz dem Greenheartholz ziemlich nahe. Sein spezisisdws Gewicht beträgt 1,08 bis 1,23. «reine Bruchfestigkeit soll öic deS englisd)en Eichenholzes uni mehr als die Hälite übertreffen.
ff. Der Staubsauger alck Straßenreiniger. In London haben dieser Tage die ersten Versuche mit großen Staub- äugernasd-men zur Straßenreinigmig ftottgefunben, und es mag gleich, vorweg gesagt werden: sie Ijabcn sich glänzend bewährt. Eine der verkehrsreichisten Straßen war vierundzwanzig Stunden lang nicht gereinigt worden. Tann hatte man überdies den an- gesammelten Schmutz und Staub mit Wässer reichlich übergossen unb so eine regelrechte „Patsche" erzeugt, so baß die Versuche an die Staubsarigemaschinen nicht geringe Anforderungen stellten. Sie bewährten sich glänzend. Nur der Rinnstein ließ später nod) zu nrihrfd>en übrig. Llber zweifellos läßt sich die Maschine so vervollkommnen, daß audZ er mitgenommen werden kann. Weiterhin ward die Staubsaugemaschine zur Reinigung der großen Smithsield FleisdMarkthalle verwandt, wo der Sdpnutz bisweilen zehn bis fünfzehn Zentimeter hoch liegt. Auch hier bewährte ie sich vollauf. Die Londoner GrafschaftsverWallung wird fortan ausschlieUich die StcmbsangemaWnen zur Straßenreinigung verwenden.
* Französischer Witz. Der teure Arzt. „Ihre Fr cm ist bod) Arzt, nidst wahr? Warum lassen Sie sich denn nid)t von ihr behandeln?" „Ach, Herr Doktor, bas kommt mir zu teuer. Letzthin hatte ich einen Schnupfen und konsultierte sie. Da hat sie mir sechs Wochen Erholung an der Riviera verordnet — und ist mitgekommen." — Er hält Wort. Mieter: „Entschuldigen Sie, Herr Wirt, aber ich kann auch diesen Monai nicht zahlen . . ." „Ja, aber das haben Sie mir ja vorigen Monat and) fdjon gesagt." „Nun, da sehen Sie doch, daß ich Wort hatte, unb können zu mir Vertrauen haben." — Abge- ' d) I a g c n. „Borg' mir doch 100 Sous, mein Junge, wenn ich bis Sonnabenb lebe, gebe ich sie btr wieder." „Nein, mein Lieber, du wirst niemals bis Sonnabend mit 100 Sous leben." — Kindermund. „Papa, sag mal. Wenn man spazieren geht und ein Bein schläft einem ein — das ist dann doch wohl ein Schlafwandler?" — Aus dem Regen in die Traufe. Herr einer Gesellschaft zum andern: „Sagen Sie mal, wer singt denn da eigentlich so furchtbar falsch?" „Das ist meine Frau." „Oh . . . Vielleicht ist es aud) der Begleiter, der so falfd) spielt." „Sie begleitet sich selbst." — Moderne Musik. Herr im Konzert bei einem ultramobemcn Stück: „Diese Musik ist doch zu schrecLid)! Nicht einmal schlasen kann man, nxmn man ic hört."
Kleine Tageschronik.
Irr ber Nacht sind bei einem' Hausbrand in Schrintm (Provinz Posen» drei Frauen verbrannt.
Oberlwiprediger Dryander in Berlin feierte gestern seinen 70. Geburtstag.
In Herne wurde der Generaldirektor der Gewerkschaft Kon- ftemtin ucr Große, Bergafsessor Pieper, neben der Zechenbahn ber Schachtanlagen 4 und 5 als Leiche aufgeptnben. Neben ihm stand sein Pferb. Vermutlid) ist er während eines Morgcn- rittes von einem Schlaganfall betroffen wordcn.


