Nr. A
Der Gießener Anzeiger erscheint täglich, außer Sonntags. — Beilagen: viermal wöchentlich SießenerZamlllenbliitter.' zweimal wöchentl.Nreis- blatt fiirden Kreis Gießen (Dienstag und Freitagi; zweimal monall. £ano= wirtschaftliche Zeitfragen Fernsprech - Anschlüsse: für die Redaktion 112, ■ Verlag u. Expedition 51
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Anzeiger Gicßcu.
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Erstes Blatt
(63. Jahrgang
8amstag, (9. April (9(3
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Bezugspreis: monatlich 75 Pf., vierteljährlich Alk. 2.20; durch Abhole- iu Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch die Post Mk.2.— viertel- jahrl. ausschl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal 15Ps., auswärts 20 Mennig. Chefredakteur: A Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil: August Goetz; für „Feuilleton", „Vermischtes" und „Gerichtssaal": K. Neu-
NotatkonrdruS und Verlag der Vrühl'schen Univ.-Buch- und Steindruüerei N. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Zchulstraße 7. Lan^'^E.Heß^ür dm Büdingen: Fernsprecher Ur. 269 Geschäftsstelle Bahnhofstraße 16 a. Anzeigenteil: H. Beck.
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Die heutige Nummer umfatzt 24 Seiten, g—nuinriMnii.iiiiim ~
politifdyc Wochenschau.
Gießen, 19. ^tytiL brauchan Taum noch auf die Veröffentlichung der französisck-e-n Protobolle über Len Skandal von Nancy zu warten; Di» zwei beteiligten deutschen Gruppen haben inzwischen ihre Erlebnisse der Presse anvertraut, und an ihren Darstellungen ist kaum ein Zweifel erlaubt. Wir haben gestern die Tatsachen, soweit sie die fünf in Metz wohnenden Deutschen betreffen, mitgeteilt, und in der gestrigen Nummer der „Köln. Ztg." fanden wir die ganz diesem Bericht entsprechende Ergänzung in einer Einsendung der beiden Kaufleute C. Teichmann und Fritz .Heyne. Wir brauchen die lange Darstellung nicht wörtlich wiederzugeben; es genügt, daß sie, nicht die Metzer Gesellschaft, in dem Variete bei einem deutschfeindlichen Stück gehässige Kundgebungen hirnrehmen mußten, die sich in dem Cafe Lorrarne fortsetzten und am Bahnhof ihren Gipfelpunkt erreichten. Die erwähnte andere deutsche Gesellschaft tvar es, drei Herren und zwei Damen, die das Geleite der tosenden Menge bis auf den Bahnhof chatte, wo dann auch die beiden Reisenden aufgespürt und in unerhörter Weise belästigt und mißhandelt wurden. Wir geben das wichtigste Stück ihres Berichtes hier wieder:
Einige „Herren" — setzten sich in gewaltsamer Weise zwischen uns mit dem Rufe: Place pour la France! Wir standen auf und wandten uns an einen Bahnbeamten mit der Bitte um polizeilichen Schutz. Die Mengte umringte uns sofort, und man rief: Hier gibt es keine Polizei wie in Deutschland, wir sind hier im freien Frankreich, grüßen Sie das französische Militär! Bei diesen Worten wurde Herrn Teichmann der Hut vom Kopfe geschlagen und mit den Füßen zertrampelt. Wahre,rd dieser Szene versuchte Herr Heyne Polizei von außerhalb des Perrons zu holen, wurde aber durch bcn Beamten verhindert, durch die Sperre zu gehen. Es erschien sodann der Stationsvorstand, der uns durch den Gepäckraum in den schon bereitstehenden Metzer Zug geleitete. Das war jedoch von der Menge mcht unbemerkt geblieben, und die Leute folgten uns unter Gejohle und Gebrüll auf dem Fuße. Obwohl wir irns nun den Micken der Menge durch Stellen in den Seitcngang des Durchgangsznges zu entziehen suchten, hatte man uns doch bald entdeckt, und es drangen eine Anzahl der Menschen hinter uns her. Wir wurden nun gegen die Wand gedrückt, auf die Bant geschmissen, ins Gesicht gespuckt, gestoßen, geschlagen, der Schirm Teichmanns wurde zerbrochen. Heyne wurde der Hut auch hier unter den Rufen: Grüßen Sie das französische Militär! verschiedentlich vom Kopf geschlagen. Auch von außerhalb wurden wir durch das geöffnete Kupeesenster unter dem Beifallsgejohle der Menge geschlagen und angespuckt, währenddessen heulte und schrie die Menge auf dem Perron, d i e inzwischen riesig angewachsen war, und schleuderte uns Schimpfworte in Frannzösisch und gebrochenem Deutsch, als: sales Prussiens, sales boches, cochons, Schweine, sales officiers Prussiens, entgegen. Diese widerlichen Vorgänge im Küpce wiederholten sich eine halbe Stunde lang fortwährend unter den Augen des auf dem Bahnsteig befindlichen Publikums, unter dem sich auch Soldaten und Offiziere befanden. Wahrend dieser ganzen Vorgänge behaupteten die Krakeeler fortwährend, daß wir deutsche Offiziere seien, und speziell glaubte man in Tcichmann einen Offizier vom Zeppelin zu erkennen. Unsere Beteurung, daß wir Geschäftsreisende seien, fanden einfach keinen Glauben, ebenso blieben unsere Rufe durch das Kupeesenster nach Pvlizcr ohne
GberheUcher llunstverein.
GieHen, ,18. Avril.
M (Turmhaus am Braud ist gegenwärtig eine Reiche von Dildarn ausgestellt, die in ihrem wesentlichen Teile einen 'kleinen Kreis süddeutscher Künstler umfaßt und m ihrer tapferen Beschränkung auf wenige Bilder eine gute Uebersicht über das Schaffen der Schwarzwälder Künstlervereinigung bietet. Es sind keine gewaltigen Malerischen Probleme, die hier behandelt werden, ccher inr allgemeinen geht eine gute, ausgereifte -Technik mit einer feinen und liebevollen Naturbetrachtung m schönem 'Vereine Hand in Hand. Es ist eine starke, gesunde Kunst, die gar nichts Periöses an sich hat, sondern mrt offenen, frischen Sinnen den Schönheiten der heimatlichen Landschaft nachgeht, und weder die Auffassung noch die Ausführung mutet dem Beschauer ein schwieriges und anstrengendes' Einarbeiten zu. Was da ist, das ist stets ein <Stü|c£ Welt, durch ^das Ange eines Künstlers gesehen, und fast nirgends begegnet man einem vergeblichen Ringen nach dem Ausdruck oder einer Uebersparinung der Kräfte. So kommt es, daß 'diese Ausstellung eine merkwürdige innerliche Einheitlichkeit besitzt und über bedeutende Stimmungs
werte verfügt. _ . . o ..
Den breitesten Raum nimmt Max Frrtz-Lubben Mit einer schönen Auswahl von Bildern verschiedenster Technik ein die alle (in der Behandlung von Luft und Licht eine feine und sichere Hand offenbaren. Seine Oett bilder .aus Rügen firtb klare, sonnige Gebilde, aber die Pastellbilder Aus Meißen, Altes Städtchen am Main und vor allem Aden d am Hafen scheinen mir die Persönlichkeit des Künstlers am reinsten und treffendsten wie derzua eben. Auch unter den Aquarellen ist manches Möm und wertvolle Stück. - K. Biese, der durch mehrere SteiEickmnngen auch schon in werteren .Kreisen als ge» mütAe?Landschaftei bekannt ist, stellt eine Anzahl von Winterbildern ans, die des Künstlers Art in feiner schlichten OiröPc aufs beste offenbaren. Ern weites, weißes Feld, eine kleine .Hütte, sind ilM begehrenswerte Motive, und Z- vollendeter Meisterschaft holt er aus ihnen bite er- Trnbene Ruhe des Winters heraus. Man sehe nur,wie er ohne alle Tüftelei den Verlassenen Hof malt mit bemi leisen (vvldhanch der scheibenden Sonne, oder die mröße eines verträumten, sonnenlosen Winter- nackMittags auf dem Bild Winter stille. Auch das
Erfolg. Erst kurz, vielleicht eine Minute vor Abgang des Zuges erschien der Stationsvorsteher wieder und forderte unsere Angreifer in sehr legerer Weise, die ungefähr bedeutete: ,Nun hören Sie mal auf. Sie haben jetzt Spaß "genug gehabt," auf, den Wagen zu verlassen. Der Zug setzte sich dann unter Pfeifen. Schreien und Absingen der Marseillaise in Bewegung. Die älmlichen Vorgänge sanden zugleich in dem entgegengesetzten Teil des Zuges statt, wo die zuerst verfolgten drei Deutschen. Metzer Herren, mit zwei Damen Platz genommen hatten. Diese Herren erzählten uns dann später, daß sie von der Menge bereits auf der Straße angegriffen, angespuckt und geohrseigt worden seien.
Es heißt nun in beit französischen „Feststellungen^, die Bahnbeamten hätten nichts davon gesehen, daß die Deutsckwn geschlagen worden seien, und ferner ist heute eine Wolff-Meldung zu verzeichnen, wonach es sich nicht be- ftätigt, daß in Nancy und den andern beteiligten Städten jenes deutschfeindliche Stück „Coeur de Franyaise" verboten worden sei. Tie französische Regierung hat aber doch ein- gesehen, daß eine Sühne unumgänglich ist. und heute wi^d eine Note veröffentlicht, die wohl auch auf die französische Presse nicht ohne Eindruck bleiben wird. Danack) hat der Untersuchimgsbeamte, Staatsrat Ogier, beantragt, daß die beiden Polizeib eamten,"die am Bahnhof in 9tancy Dienst hatten, entlassen werden und daß überhaupt eine Referm der dortigen Polizei in die Wege geleitet werde. Auch einige Strafversetzungen in höheren Deamtenstellen sollen folgen. Das Wichtigste, der Bericht des Staatsrates über die tatsächlichen Vorkommnisse, liegt nur zum Teil in unseren heutigen letzten Nachrichten vor. Auf jefren Fall ist es bas Recht der deutschen Zeitungen, dem pöbelhaften Betragen der Nancyer „Patrioten'" die tiefste Verachtung zu zeigen. Es hat gar keinen Zweck, hier in diplomatischer Zurückhaltung zu versttlmmen, und man kann beut französischen Volle nicht eindringlich genug vorhalten, wie sehr sein guter Ruf in Gefahr geraten ist"! Und es ist nicht etwa jetzt die Aufgabe der deutschen Regierung, nach dem bißck>en Stirnrunzeln im Reichstage die Geschichte im Sande verlaufen zu lassen. Es ist öffentlich amtlich festzustellen, ob geschmäht, gespuckt und geschlagen worden ist, ob tatsächlich Beamte, Soldaten oder gar Offiziere dein Treiben gleichmütig zugeschaut haben.
Der Mißklang aus diesen Vorfällen ist um so schärfer, als jetzt ein amtlicher Bericht über die Landung des Z. 4 in Lnneville Einzelheiten ans Tageslicht bringt, die der französischen Bevölkerung wiederum ein unumwundenes Rohheitszeugnis aus stell en. Der Führer des Zeppelin-Luftschiffes, Kapitän Glund selbst ist es, der seine Zeugen-- schäft anbietet, und wir haben seinen Bericht, wie er ihn den „Leipziger Reuest. Nachr." zur Verfügung gestellt hat, heute an anderer Stelle wiedergegeben. Danach muß alle Anerkennung, die den französischen Behörden ob ihres Ent- gegenkommens gezollt worben war, zurückgezogen werden. „Das Verhalten der Militär- und Zivilbehörden", so schließt dieser amtliche Bericht — der eigentlich längst in der „Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" hätte stehen müssen — war Völker- und privatrechtswidrig und sehr unhöflich; das Verhalten des Publikums war flegelhaft." —
In der Tat, die deutschen Offiziere, die sich nur mit Mühe ber Tätlichkeiten des Pöbels erwehren konnten, haben bei i^ren französischen Kameraden eine merkwürdige Aufnahme gefunden! Die Verzögerung der Erlaubnis, mit Schneewetter, mit seinem lichtvollen .Hintergrund, Verschneit mit dem durchsichtigen Blauhimmel, wie ihn einzig der Winter bietet, sind von gleicher Eindringlichkeit.
Ganz anders wie Biese tritt I. Heffner dem Winter entgegen. Er findet in ihm nicht die erhabene, weltabgeschiedene Muhe, er sieht ihn in tausend Farben, die sich in guter Form zu einem lebendigem Weiß einen, zu ihrer vollen Wirkung aber eines ungewöhnlich großen Abstandes bedürfen.
Ein sicherer Zeichner ist C. Lieb ich, der eine Anzahl guter Federzeichnungen zu Hansjakobs „Schneeballen" ausgestellt hat. Die Beherrschung der Linie erweisen auch seine Oelbilder, saubere, brave Studien, in der Farbe aber all- zuglatt und allzusüß. Malerisch wesentlich gereifter ist L. Zorn, der seine .Motive mit kräftigen Strichen erfaßt und doch sorgsam' und zart hinsetzt, mie in dem Bild An der Breeg u. a. Ein gut durcl-gearbeitetes Bildnis eines Mannes und eine Blühende Wiese,, die voller Dust ist, hat W. Haller ausgehängt. An Thoma lehnt sich A. Schmidt in in seinem Genrebild Bauernmädchen cm, einer fleißigen uttb tüchtigen Arbeit, während er in dem Bildnis einer Dame eine geistig und farbig von feinstem Reiz, umftoffene Frauen- gestalt voll bestrickender Anmut geschaffen hat.
Rein akademisch ist H. O st h o f f in seinem großen Frühlingsbild A p r i l w e 11 e r, und auch seine im1 Treppenhaus aufgehängte Wa ldlandschaft entbehrt der Besonderheit. H. Tischler bringt ein Bild, Hinte r- zarten, bas wie aus einem Baukasten zusammengesetzt erscheint und trotz seiner großen Tiefe jeder Perspektive en trat. Auch jegliche Luft fehlt diesem' Bilde, das int ersten Augenblicke ein wenig verblüfft.
Vorwiegend mit der Behandlung ber Luft beschäftigt sich Spitznagel. Auf seinen scheinbar grob hingesetzten Bildern holt er mit ganz einfachen Mitteln, z. B. einem Zaun, 'eine überzeugende Tiefenwirkung heraus, wie int Seeblick, Nach dem Regen ober der B anrngrupp e. Eine Kirchenprozession im Freiburger Münster mit all ihren farbigen Reizen gibt Benz ganz charakteristisch wieder, aber das Gleichgewicht des Bildes leidet unter ber Leere des oberen Teiles, der die nackten Getvölbe enthält. Eine Anzahl kleinerer Bilder von Willroiberj zeigen den scharfen Mick des Künstlers für dos Typisch« eines Landstriches, während ein größeres mit geringen Mitteln eine dämmerige Flußlandschaft in behaglicher Breite
der deutschen Botschaft telegraphisch in Verbindung treten zu dürfen, war doch roeiter nichts als eine Schikane. Französische Offiziere und Zivilisten liefen durch das Schiff, rauchten, steckten Streichhölzer an und machten sich über die deutschen Luftschiffer lustig, die van den Wachtposten mit aufgepflanztem Seitengewehr gezwungen wurden, sich außerhalb des Luftschiffes aufzuhalten. Der Pöbel warf mit Steinen und suchte das Luftschiff zu zerstören, so daß es schließlich in gefährlicher Lage, ohne Abschied, den Rückflug antreten mußte.
Der Kapitän und die Offiziere haben in Berlin Bericht erstatten müssen. Die Dinge waren also dem Staatssekretär v. Jagow bekannt, als er sich über die Begebenheit in Nancy äußerte. Wir können uns nun wieder des fatalen Eindrucks nicht erwehren, daß- es unseren Diplomaten und Staatsmännern allzusehr an Offenheit und Mut gebricht. Auch ber Luneviller Fall war im A^ichstag zur Sprache gebracht worden, und Herr v. FaAow verriet von seiner Kenntnis der Dinge kein Sterbenswörtchen. Im Interesse erträglicher Beziehungen zn unseren westlichen Nachbarn dürfen wir eine nötige offene Auseinandersetzung nicht scheuen. Mindestens dürfen die Tatsachen nicht vertuscht werden! Das Auswärtige Amt hätte den Franzosen im Interesse ihres guten Rufes Gelegenheit geben müssen, auch die Luneviller Unerfreulichkeiten zu klären und die Schuldigen zu maßregeln. Es ist doch wohl keine 'Demütigung Frankreichs, wenn man es nach so unverzechlichen Nachlässigkeiten seiner Beamten und nach so unflätigem Verhalten eines Teiles seiner Bevölkerung sich wieder um die Gesittung bekümmern heißt.
Die Vefirafling öer Schuldigen in Nancy.
PariS, 18. April. (Meldung der Agence Havas.) Der Minister des Innern Klotz hat auf Grund des Berichts des Staatsrats Ogier und nach Besprechung mit dem Ministerpräsidenten folgende Strafmaßnahmen verfügt: Die beiden Polizeiagenten, welche sich Sonntag nacht auf dem Nancyer Bahnhof befanden, sind abgesetzt. Zweitens werden Maßnahmen zur Umgestaltung der Nancyer Polizei unverzüglich geprüft werden. Diese Maßnahmen werden im Interesse des Dienstes die Versetzung der beiden Nancyer Polizeikommissare zur Folge haben. Drittens, der Präfekt des Meurthe-et-Mo'-- s eile'-Departements erhält, weil er es verabsäumt hat, den Mimster des Innern aus eigenem Antrieb und unverzüglich über den Vorfall zu unterrichten, ein anderes Amt.
Eine Note der Agence Havas besagt: Der Minister des Aeußern P i ch o n empfing heute abend den deutschen Botschaftei Freiherrn v. Schön und teilte ihm die vom Minister des Jimern getroffenen Strafmaßnahmen mit. In hiesigen amtlichen Kreisen glaubt man, daß damit der Zwischenfall erledigt sei.
Paris, 18. April. Die Meldung, daß das Stück „Coeur de f ranyaise^ in Nancy und anderen Städten verboten worben sei, bestätigt sich nicht. Die Theater-Direktoren wurden lediglich von den Bürgermeistern vorgeladen und ihnen ans Herz gelegt, dafür zu sorgen, daß die Aufführung keine Ruhestörung veranlasse. Die Theater-Direktoren versprachen, vor Beginn des Stückes an das Publikum in diesem Sinne Ansprachen zu richten. £yn Nancy verlas der Direktor vor Beginn der Vorstellung einen Bries des Verfassers des Sttickes, in dem die Zuschauer
gemütvoll abschildert. Einige tüchtige Bleisttstzeichnungen und ein gutes geistvolles Bild von Hansjakob hat Hase- manu ausgestellt. Mit einer ganzen Anzahl von Radierungen, die in bent Verzicht auf alles unwesmtliche teilweise recht bedeutend sind, ist Th. Schück glücklich Vertreten, der mit leichter, sicherer Nadel arbeitet und starke Wirkungen zu erzielen vermag. Außerhalb^ dieser Gruppe sind noch mehrere andere Künstler vertreten, von denen Etta Richter mit ihrer: Tierplastiken die erfolgreichste fein dürfte. In ihren Arbeiten ist Kraft und Können; die Katze auf bem Kissen, Beider Arbeit, Ziegen- familie verraten eine sorgfältige Beobachtung unb liebevolle Durchführung. Ein wuchttg erfaßter Krieger in archaischem Stile und ein Akt in Ketten, beide im Treppenhaus, zeigen Sieferle als starken, formsicheren Plasttker, ber allerdings noch nicht zu selbständiger Gestaltung durchgedrungen erscheint.
Von dem verstorbenen K. Hummel ist eine ideale! Landschaft, der Garten der Ärmida, ausgestellt, die sehr sauber und technisch fast eintoanbfrei gemalt ist, aber die ganze Hohlheit ber Theatermaler ei in den 70er Jahren treffend belegt. k. N.
— Die Nati onalfeftkpiele des Deut scheu Schil-. lerbundes am Wermarrschen Hoftheater finden in diesem 's obre, mmt 23. Juli bis 10 Wffuft in drei WockenreilMl statt, und zwar: Goethes , Gotz von Berlrchmgen" ant 23. ßuli, 30. Juli 6 Aua • Kleists „Hermannsschlacht" am 24. Juli, 31 Juli 7 Ai.mch' Wilderrbrrlchs „Väter und Söhne" am 26. Juli/ 2* August 9. August: Schillers „Wilhelm! Teil" am 27 "vuli 3 Oh anft 10. August. Am Dienstag jeder Woche findet rin BcgrüßuK der für AnsMge spielfrei gelassen ist rin geselliger 'Abend statt. Außer den Schälen: unb führenden Lchrem Tonnen auch andere Lehrer höherer Lehrmfftalten und dst An. Sä1 L Mehrer und S«ei-, ferner die Mitglieder des Schillerbnndes, soweit ber Platz reicht, an den Festspielen tritt
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Nachrichten aus Kunst nnd Wissen- «v •!ri * $ Berlmer Biirgermerster Dr. Neicke bat im Magffttat wrgeregt, am 22. Mai, dem hundertjährigem G e > SMfftarb Wagners in den städtischen Parks össtmtlrche Konzerte mrt Darbiettingen Wagner-scher Musik voll, ständig kostenlos zu Ocranhnorten. — Die dritte in ter* "" tron ale Konferenz für Krcbs f o r s chn n g findet in Brussel vom 1. bis zum 5. August 1913 statt.


