Ausgabe 
19.2.1913 Erstes Blatt
 
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ftrirb, au-gedehnte Erörterungen hervorruft. Die große Rede des Finanzministers, mit der der heutige Tag eingeleitet wurde, wenn man von einer Erklärung des Abg. Ulrich, die er im Namen seiner Fraktion machte absieht, brachte einige ganz interessante Zahlen, die be­sonders die Beachtung derjenigen sinden werden, die sich mit der technischen und sinanztechnischen Seite des Ke­rn einschaftsvertrages beschäftigen wollen. Einen größeren «reis von Interessenten aber wird der Schluß der Rede deS Finanzministers sinden, der sich mit der Revisions­frage selbst befaßt. Er betonte, daß in dem Vertrage eine Revision nicht vorgesehen sei, und daß also nur von einem freiwilligen Eingehen des anderen Teiles ge'prochen werden könne. Schon sein Amtsvorgänger habe ja betont, daß einer Revision nicht Dorschub geleistet werde durch eine vertiefte öffentliche Erklärung. Ter Minister zitierte dann auch ein Wort des Zentrumsabgeordneten Molthan, der erklärt habe, daß die Aussiihrungen über die Revisions­frage nur den Wert akademischer Erörterungen besäßen. Mit erhobener Stimme rief dann Dr. Braun den Abgeordneten die Warnung zu, nicht durch ein unkluges Verhalten unsere wirtschaftlichen Interessen zu erschüttern. Und dem Vor­wurfe eines unklugen Verhaltens würde man sich aus­setzen,wenn das Verlangen geeignet wäre, eine Situation zu schaffen, die dazu führen könnte, das Gemeinschafts- Verhältnis zeitweise ober gar dauernd aufzulösen oder auf der anderen Dertragsseite den Wunsch zeitigen zu lassen, daß das Teilungsverhältnis gegen bisher zum Nachteil von Hessen geändert werde". Weiter erklärte der Minister, daß es für ihn unter allen Umständen ausgeschlossen sei, dem Ersuchen der Zweiten Kammer zu entsprechen, solange er sich dadurch im Widerspruch mit dem anderen Hause befände. Die Rede des Ministers wurde mit tiefem Schweigen aufgenommen.

In der nun folgenden Aussprache sprachen besonders die Abgeordneten Henrich (F Vp.) und Molthan sZZ gegen die Ausführungen des Ministers in der Revisions­frage. Abg. Molthan suchte und fand besonders scharfe Worte, mit denen er seinen Standpunkt für die Revision, vertrat Wenn der Minister so sagte er eine vor Jahren von ihm ausgesprochene Ansicht hier anführe, und wenn er (Molthan) heute anders denke, so sei das eben ein Zeichen dafür, daß er sich zu einer bester en Erkenntnis durchgerungen habe, was er aber leider von der Regierung nicht behaupten könne. Das Recht, über diese Angelegenheit überhaupt zu reben, werde sich die Kammer durch den Minister nicht verkümmern lassen.

Nicht auf dem Gebiete der Tagesordnung lag eine Be­merkung des Präsidenten Köhler, die Beachiung und seitens der Abgeordneten Befolgung verdient: durch die in letzter Zeit so häufigen Unruhen des Hauses sei der stenographische Dienst sehr erschwert. Auch der Journa­listen rings auf hohem Balkonc nahm sich der Präsident an, die durch die störenden Unterhaltungen der Abgeord­neten einen besonders schweren Stand hätten. Humor­voll wies der Präsident auf die schönen Wandelgänge int Hause hin, die sich für Privatunterhaltungen vorzüglich eig­neten. Der Präsident Köhler erfüllte durch diese Bemerkung tlicht nur einen Wunsch der Kammerstenographen, sondern auch der Presse. Er sei bedankt für diese Tat.

Tie Ausbildung der Qenbarmen.

)( Darmstadt, 18. Febr. Seit Aufhebung der Gen- darmerie-'Distrirtsrommandos in Gießen und Mainz werden die zur Gendarmerie eintretenden Unteroffiziere in halb­jährigen Einstellungsterminen am 1. April und 1. Ok­tober zur Ableistung einer sechsmonatigen Probedienstzeit einberufen und durch das Gendarmeri tommando in Darm­stadt ausgebildet. Vor dem 1. April 1911 erfolgte die Ein­berufung der erforderlichen Probisten sofort beim Aus- fd}eiben der Gendarmen aus dem Gendarmeriedienst zu jedem beliebigen Zeitpunkt. Die Ausbildung geschah bei demjenigen Distriktskommando, wo durch den Nachschub ausgebildeter Probisten auf auswärtige Stationen Stellen frei tourben. Diese Ausbildung hatte den Vorteil, daß immer genügend ausgebildete Gendarmen vorhanden waren, um eine Station beim Abgang eines (Gendarmen sofort neu zu besetzen. Anders verhält es sich mit der neuen Einrichtung. Durch die halbjährige Einberufung kommt es häufig vor, wie es gerade jetzt wieder der Fall ist, daß eine Anzahl Gendarmeriestationen, wo in der Zwischen­zeit Gendarmen aus dem Gendarmeriedienst ausgeschieden sind, nicht sogleich wieder besetzt werden tonnen, da die erforderliche Anzahl ausgebildeter Probisten nicht vor­handen ist. Wenn auch das neue Verfahren in Bezug auf die Ausbildung der Leute seinen Vorteil haben mag, haben aber die betreffenden Stationen durch den verminderten Polizeidienst und der auf der Station allein anwesende Gendarm schwer zu leiden, der, um den Patrouillenbezirk nicht zu vernachlässigen, mehrere Monate allein den dop gelten Dienst versel-en muß, was bei einem ausgedehnten Bezirk und bei schlechter Witterung eine Gefahr für seine Gesundheit mit sich bringt. Man sollte bei derartigen starken Abgängen, die ja größtenteils vorauszuseben sind, auch eine Ausnahme machen und nach Bedarf Probisten zu außergewöhnlichen Terminen einstellen, damit nicht auf Kosten anderer Gendarmen Ersparungen im Staatshaushalt gemacht werden.

D>e Verhaltniffe der nicht festangestellten StaatSdienftanwarter.

(rm) Tarrn ft ab t, 18. Febr. Die Abg. Wolf-Sta- decken und Genossen beantragen in der Kammer, die Großh. Regierung zu ersuchen, alsbald einen Gesetzentwurf vorzulegen, nach welchem alle dauernd Beschäf tigten, jedoch nicht festangestellten Staatsdienstanwär­tern, nach zehnjähriger-, einwandfreier Betätigung im Staatsdienst, im Falle dauernder Arbeitsunfähigkeit, Un- alücksfäNen im Dienst, oder im Sterbefakle der R echte der festangestellten Beatmten in Bezug auf Pension unb Hinterbliebenen Versorgung teilhaftig werden.

Aus öen Reichztagzauzschüssen.

'' Berlin, 18. Februar.

Dar Zentrum uud die Tage«- und Meffegelder.

$u Beginn der Sitzung des Budgetausschusses wurde die E n t - fchließung des Zentrums, welche die Tages- und Messe-Gelder nur bei Dienst auf daher See, aber nicht bei Dienst im Hafen gewähren will, zurückgezogen. Dafür brachte das Zentrum einen Antrag ein, der nach längerer Aus­sprache gegen die Stimmen der Nationalliberalen und eines Fott- schrittlers in folgender, abgeänderter Fassung angenommen wurde- Nur Offiziere, Fähnriche, Seekadctten, Aspiramen, Deckofftziere unb Beamte, welche an Bord Dienst tun, haben Anspruch auf Derpflegunaszulagen. Sogenannte blinde Tafelgelder dürfen nicht gezahlt werden. Die für die Zuständigkeit der Derpflegungsgelder gültigen Vorschriften sind jährlich mit dem Reichsbaushaltsetat vorzulegen.

Der Zentrumsderichterstatter begründet den Antrag. Ein svzialdemokratifcher Redner gibt ferner Verwunderung äsruhcr Ausdruck, daß vielfach auch iu der Presse di.- '«einund

geherrscht habe, als wurde seine Partei dem Antrag Erzberger zugestimmt haben. Das fei nicht der Fall Diese plötz­lichen Sparsamkeitsanwandlungen des Zen trums seien seiner Ansicht nach mit größter Dor ii cf) t aukzu nehmen. Selbstverständlich wolle seine Partei die Zahlung blind er Taielgclder nicht, aber es sei bis fett noch nich: mnrnal der Beweis dafür erbracku, daß solche Tafel gelder gezahlt werden. Wenn Ersparnisse gemacht iverden, so rühre das doch nur davon her, daß insbesondere verheiratete Offiziere von ihrem Recht der Teilnahme am Essen nicht Ge­brauch machen. Der neue Antrag Erzberger sei wenig begründet, er sei deshalb wohl auch bedeutungslos.

Auch andere Parteien, die Dolkspartei und die Na­tiv nalltberalen, wenden sich gegen den Antrag des Zen­trums, dem jede eingehende Begründung sehle. Er stoße größten- teils offene Türen em. Ein Redner der Dolkspartei wendet sich insbesondere gegen die Versuche des Zentrums, eine über­triebene Kontrolle durchzusühren, die nur Verärgerung schaffe.

Gegen diesen Vorwuri wendet sich Abg. Erzberger, in­dem er glaubt, einen Widerspruch zwischen der ctatrecht- lichen Aussassung Eugen Richters und der heutigen Haltung seiner Partei feststellen zu müssen. Die beiden Anträge des Zentrums stimmten übrigens durchaus miteinander überein. Wenn allerdings die Ersparnisse der Messe so klein seien, wie mitgeteilt worden sei, so möchte er keinen Nachdruck aut die Rechnungserstattung legen, die Aufzählung der besonderen Ersparnisse in den Etatnachweiseti. Von sozialdemokra­tischer Seite wird noch einmal aut die Bedeutungslosigkeit des Zentrumsantrags verwiesen. Ebenso könnte Herr Erzberger mit anderm Wortlaut beantragen: Silberlöfsel dürfen nicht gestohlen werden.

Staatssekretär v. Tirpitz betont, daß cs auch den Ab­sichten der Marineverwaltung entspreche, daß sogenannte blinde Ta fei gelber keineswegs bezahlt werden dürfen. Tic Vor­sorge, dies auf dem Verwaltungswege zu verhindern, sei bereits im weitgehendsten Maße getroffen. Auf Anfrage präzisierte Staats­sekretär v. Tirpitz unter lebhafter Bewegung der

Das Zentrum läßt weiter erklären, daß es sich nicht um gegen dcn Antrag des Zentrums habe, er hielte jedoch eine Aus­dehnung der Kontrolle nicht für zweckmäßig.

Tas Zentrum läßt weiter erklräen, daß es sich nicht um eine Aktion zu Ersparniszwecken handle, sondern der Antrag bezwecke die gesenliche Festlegung der bestehenden Vorschriften.

Ter Direktor des Schatzamts, Herz, tritt der Au sfassung entgegen, als o b d i e geltenden Be­stimmungen ohne Mitwirkung des Reichstags ge­ändert werden können. Er verweist auf den §3 der Besoldungsordnung, in welchem das sestgcstellt sei, welche Zu­lagen gezahlt werden können. Es sei also eine Aenderung des Tispositivs keineswegs notwendig, um die Rechte des Reichstags zu wahren. Die Teukschrist vom Jahre 1911, die als ein Be standtcil des Etatgesetzes gelten müsse, enthalte hierfür ausreichende Bestimmungen.

Gegenüber dieser Erklärung weist das Zentrum auf bjc große Tragweite dieser Auffassung hin. Set 25 Jahren habe man erstmals eine Behauptung dieser Art ge­hört.. Es sei aber vom Standpunkt der Zentrnmspartei nur wünschenswert, weil für alle Zukunft solche Tcnkschristen als ein Teil des Etatgesetzes betrachtet werden. Diese h o ch e r s r e u l i ch c M i 11 e i 1 u n g, d i e man politisch nicht hoch genug bewerten könne, müsse ausdrücklich in das Protokoll aus­genommen werden. Der Reichstag werde also in Zukunst auch da mit zu unterscheiden haben, wo bisher die Verwaltung ein Vorrecht der Kommandogewalt sestgestellr habe. Der Vertreter des Reichsschatzamts bestritt dem gegenüber das Recht einer so weitgehenden Auslegung feiner Ausführungen. Er habe nur ausdrücklich auf den 8 3 des Besoldungsgesetzes hingewiesen, der fcstlegc, in welchen Fällen Zulagen gezah't narben'fönnett. Reise­gebührnisse für Offiziere u. a. in. sei eine ganz andere Frage.

Von nationalliberaler Seite wird wiederholt der An­trag des Zentrums als überflüssig bezeichnet, zudem als Irre­führung, da in ihm von der Verpflegung die Rede fei, während bisher nur Berpslegungszulagcn gewährt werben. Die Annahme bes Antrags würde eine weitergehenbe finanzielle Der pflichtung des Reiches in sich schließen, was auch vom Bertrcker des.Reichsschatzamts bestätigt wird. Staatssekretär v. Tirpitz weist darauf hin, daß ein Widerspruch zwi'chen Marineverwal- tung und Reichsschatzamt nickst bestehe. Er selbst hielte sich an die Ausführungen der in der Debatte mehrfach erwähnten TenF schritt gebunden, die ja 1911 auch im .Reichstage geprüft, und besprochen worden sei. Einer Aenderung in bezug auf dendritten Tag" bei Abwesenheit vom Bord könne er ohne weiteres nickst zustimmen, sei aber bereit, diese Frage zu unteilucfjcn.

Tcm entsprechend wird aut konservativen Antrag das Wortfreie Verpflegung" ersetzt durchVerpflegungszulage". Ein konservativer Vertreter stellt die Zustimmung seiner Partei in Aussicht, allerdings unter dem Vorbehalt, daß feine Partei die Streichung des dritten Tags nickst aus dem. Antrag folgere.. Nach­dem noch einmal der Staatssekretär des Rcichsinariueamts um eine Frist gebeten hatte, um die ganze Frage von der Verwaltung neu prüfen zu lassen, int übrigen aber keine Einwendungen erhob, wurde der Antrag des Zentrums mit der erwähnten Ab­änderung angenommen, die Wortedienstlich cüigefdurfte" werden gestrichen und statt befien gesagt:nu r" Cffijiere, Fähn­riche usw. haben Anspruch auf eine Verpflegungszulage, i o - genannte blinde Tafelgelber dürfen nicht gezahlt werden. Das WortSogenannte" ist eingefügt worden. Ter Schlußsatz des Antrags wirb nicht geändert. Tic Annahme des Antrags er­folgt mit den Stimmen bes Zentrums, der Konservativen, der Sozialdemokratie und eines Teils her Volkspartei: der Abg. Dr. Hecksch^r stimmte dagegen.

Die Volkspartei beantragt eine Entschließung, die ein stimmig angenommen wird und sich auf eine Eingabe desGesamtfischervcreinsandciKielerFörd e stufst. Ter Reickslanzler wird um 'Erhebungen ersucht über die Er­schwerung des Erwerbes unb bic dadurch entstandene Entschädigung der alteingesessenen Fischer ^an der Kieler Förde, die diese durch die Marineanlagen, dnrck) Schießübungen, durch Baggerung und Ablagerung von 'öiggcrffiit in und vor der Kieler Förde erlitten haben und eine Einstellung von Mitteln in Pen nächstjährigen Etat zu einem billigen und zweckmäßigen Ausgleich dieser Schädigungen.

Ter Staatssekretär erklärt, daß. die Marineverwaltung stets aus dem Srandpuntc gestanden habe, den berechtigten An- sprndcn der Fischer nach Möglichkeit gerecht zu werben. Bc- sonbere Mittel hierfür in den Etat einzusteklen, werde er für den nächsten Etat in Erwägung nehmen.

Morgen soll der Marineetat erledigt und mit her Beratung des Kolonialctars begonnen werden

Ter WahlprnfungSau^schnß erklärte die Wahl des Abg. Tr. Hegen scheibt Rp, Roten­burg-Hoverswerda) für gültig. Bei der Prüfung der Wahl des Abg. v. M r ö di e r ton)'., Salzwedel), des früheren Präsi­denten des preußischen Abgeordnetenhauses, kam cs noch zu keiner Entscheidung.

Ein Ansschustbeschlnß übet die Konkurrenzklausel.

Der Ausschuß für die Konkurrenzklausel kam heule zur Bc- fchlußfaffung über den grundlegenden $ 74 a Er lautet nunmehr:

Ein Wcttbcn'erbsverbot ist nur zulässig zum Schutze eines wichtigen geschäftlichen Interesses des Prinzipals ge-icn Vcr roertung wesentlicher Geschäfts und Betriebsgeheimnisse, sofern der Handlungsgehilfe während seiner Beschästigung Einblick in dieselbe tat. In der Vereinbarung muß sich der Prinzipa' verpflichten, für die Dauer der Beschränkung eine Entschädigung Zu zahlen, d,e mindestens den Betrag der vom Handlungsgehilfen im letzten Jahr empfangenen Bezüge erreichen muß Ist der Gehilfe durch bas Kon kurrcnzklamUvcrbot zum Wechsel des Geschäftszweiges oder zur Verlegung )eines Wohnsitzes in einen anderen Ort gezwungen, «.erhobt ) i ch die Entschädigung um ein P i e r t e 1 Die Vereinbarung ist insoweit unverbindlich, a >-- Beschränkung

unter Derücknchtianng der o ernährt en Entick>äd'<runa unb tm Ver­hältnis zu berechtigten geschäftlichen Interessen desBriruiDcte nach Ort, Zeit oder Gegenstand eine unbillige Erschwe- runa bes Fortkommens des Gehilfen enthält. Die Beschränkung darf nicht auf einen Zeitraum vo-r mehr als einem Jahr v-rn der Becnblaung des Tienß- Verhältnisses erstreckt werden. Tie Bereinba'-una ist nichtig, ttvni die den, Handlunnsaebilien »nüchmben jährlichen vertragsmäwaer Leistungen den Betrag von 3 0 0 0 Mark nicht übersteigen Un berührt bleiben die Vorschriften des Bürgerlichen Gesetzbuchs über die Nichtigkeit von Rechtsgeschäften, die gegen bii- guten Sitten ver stoßen."

Tie Remerungsvertrcfter machten verschiedene Bedenken gt(, tend, die zwischen bet ersten und der zweiten Lesung gtM^ werden müssen, wenn die Fa''''tng für bic oerbünbeten '"Regie rungen annehmbar werden sollte.

Pctifjcbef Heid».

Die Reise n a di Gmunden.

Zu der Meldung über die Reife des K a i s e r b a a n; mit der Prinzessin Viktoria L u i c nach Gmurchq sagt ein Berliner Telegramm berKölnischen Zeitung" Nach unseren Erkundigungen bürste ber Kaiser nich» fahren. Tagegen scheint es sich zu bestätigen, baß die Kaiserin mit dem Brautpaar in nicht zu ferner Zeh einen Besuch in Gmunden abstatten wirb.

Geaen ben fiitiberhanbel.

Ter Staatssekretär bes Innern erte-Tt auf eine Anfnrqc Nr. 26 des Abgeordneten Dr. Werner (Gießens folgend: schriftliche Antwort:Es ist ber Reichsleitung bekannt, baß in ber Tagespreise unb in Broschüren von Zeit z, Zeit B"ßauptungen über einen angeblich, teilweise sogar mit Duldung ber Behörden, betriebenen Kinb erhandel ausgestellt werben. Erkundigungen bei ben in Betracht kommenden Bundesregierungen haben ergeben, daß fohfrrt Fällen, soweit das Inland in Frape kam und soweit es bei den verschiedentlich viele Iahe zurückliegenden angeblicher Vorgängen nach Sage der Sache irgend möglich war. aenar nachgeforscht ist. Nach den Grmitthmgen der Behörden: haben die Angaben sich entweder als auf höchst u u tu« , verlässige Informationen beruhend, als völlig unkontrollierbar ober stark übertrieben her­aus gestellt. In den vereinzelten FäNen, in denen der Nachweis wirklicher Mißstände, wenn auch nicht in ben. behaupteten Umfang, erbracht würbe, sinb von ben Be» Hörden die erforderlichen Maßnahmen erarifsen worden. ! Insbesondere ist and) bic'igc Aufmerksamkeit ben so« genannten Adoption s zentralen zugewenbet, bi lebiglich zum Zwecke bes Gelbverdienens die Vermittln«, von Pflegestellen für nnehffiche Kinder sowie den Nacknvetz solcher Personen, die clternlo'e und andere >rinber an Kindel Statt annehmen wollen, durch Inserate beforacn. Hi-'rbc-. gelangen uifter Umständen nicht einwandfreie Mit­tel zur Anwendung. Gegen berent iche Erscheinungen auf ! diesem Gebiete ist, soweit eine Handhabe hierzu geboter I war, mit Nachdruck eingeschritten, Bei dieser Sachlage bebarf es eines Eingreifens der Rcichslcitnn^ nicht, zumal es sich um Vorgänge handelt, deren Prüsuwr und Verfolgung ber Zuständigkeit der Einzelstaaten unter- liegt."

Ausland.

Ter Präsidenten wechsel in Frankreich.

Aus Pans wirb gemelbet: Ministerpräsident Bri« anb erschien am Dienstag nachmittag um zwei Uhr in bettI PrivatwohnunH Poineares. Poincan- nahm baraiif vni' Briand im Prasibentenwagcn Platz, während die Trupym bic militärischen Ehren erwiesen. Eine große Menge hi beite Poinearc als Präsident der Republik zu. Die Sta­tionen setzten sick) auf bcin ganzen Wege bis zum Elysä . fort, wo Fallieres, umgeben von allen Ministern unb ben Präsibenten des Senats unb der Kammer, Poinearf empfing und ihm die Machtbefugnisse bes Präsibenten über­gab. Hierbei beglückwünschte Fallieres ben neuen Präsi- beuten unb feierte Poinecri> als hervorragenden Mann, der sein ganzes Leben dem Dienst ber Republik wibniete. Poincare' bankte, inbem er Fallieres als treuen Diener ber Republik unb ber Demokratie feierte, besten sicheres, klarsehenbes, patriotisches Urteil er oft bei Regierungs« berahingen kennen lernte. Gegen 3 Uhr verließ Pvincarc bas Elysee, nm sich nach dem Mthaus zu begeben, wo btt Empfänge stattfanben.

Aus Stadt und Tand.

Gießen, 19. Februar 191&

Akademischer Sport in Gießen.

Wie stellt sich der junge Mann, der vom geregelten SchulletN kommt, die akademifche Freiheit vor?

Welche Freuden erwartet er? WaS wird die alnro mater ber civis acabcmicus bictat außer dem Studium im engeren Sim außer der geistigen Anregung auf dcn versdnedenen Gebiet«! ber Wissenschaft? Kurz, was gibt ihm das Studentenleben?

Die vielen, die sich diese Fragen stellten, beantworteten fr nach ihrer Veranlagung. Im allgemeinen verbindet ein nick zu nüchtern Veranlagter mit dem Begriff des Studentenlebent eine ganz bestimmte Vorstellung: Die Studentenlieber erzähl«' davon, poetische Berichte über die alte Burschenherrlichkeit, bd Ansehen deralten Studenten", über färben und wasfenfreudig« Trink- und SangeSlust Keiner wird diese historisch berechtig^ Farbe im bunten Bilde Gicsu'ns txnraffcn wollen Gerade ä Gießen: wenn auch Gießen schon langst nicht mehr das Raus und Saufnest ist, wie es der alte Magister Lauckhard schtlbett

Aber wer mit bicsen Vorstellungen zur Universität kommt wirb leicht enitäufdit. Es stimmt ui vielem nicht mehr garo

jitr Wirklichkeit. Es genügt nicht mehr bei dem Gefühl bei Veranttvortung, bas bic zukünftigengeistigen Führer der Nation haben müssen Die LeistungSsähigketl auf geistigem Gebiet muf burd) bic Grunblagc eines abgehärteten widerstanbssähigen Körper' gehoben werben. Unb so beginnt and) bei und sich neben bn eben geschilbcrten Form bes akademischen Lebens eine zweite sie einzubürgern, bei welcher der junge, sich noch cntwickelnoc Körp« zu seinem Recht kommt: die gcmeinschaftlichcn Lcibesübungin-T- der akademische Svort im Sinne der Ausbildung eines kraftigenH ausdauernden, schönen Körpers.

Andere Hochschulen sind uns darin vorausgegangen. Glän zendc Veranstaltungen an verschicdcncn Universitäten haben br Allgemeinheit gezeigt, wie hoch dort die Ergänzung ber geistige, Ausbildung der Studenten durch bic körperliche geschätzt nnrr Auch Gießen hat sich schon im vorigen Sommer in Darmstadt mutig und erfolgreich mit ben älteren Organisationen ber Heida- berget unb Darmstädter Hochschule gemessen Im kommender Sommer wollen auch die Gießener Studenten >lonnmlitonen au! Heidelberg, Marburg und Darmstadt zum Wettkampfe cinlader und hoffen noch mehr Siege in Läufen, Spielen, Turnen, Schwim­men unb -Rudern davonzutragen. _

Ein Fußballwettspiel einer akademischen Mannschaft Darm stadts gegen eine der Gießener Lanbesuniversitat ist schon nn dieses Semester geplant. Es ipirb am 23. Februar nachmittag! um 2Vj Uhr auf dem Sportplatz aus der Hard: itattfinbet

Für Gießen ist bies das erste akabemifckx FußballwettfMC überhaupt. Freunde und Gegner dieses Spiels, bas Ausdauer Gewandtheit und c-seisteLoegenwart crfori>ert, haben also »u®

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Abt «inbrftrfu braunen bi< ein unb fta würbe, foni zwei Leute u»i 10 Uhr bain wiedei 'bneii aefabi würbe» nhe die wirklich« , W. 2 Ntzuna.) Iietgeorbn. nächst teilt «ilhelm h "°!lk nach gericht Als T.^echnune und ber B uerÄlstach ^kichzeitig orbnung be Porung tnr werben. . je auch b

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