Ausnahme von frtoeten, dienen zur Fürsorge für bedürftige Veteranen. .
Die Beratun g der Wehrvorlage wird im Budgetausschuß des Reichstags am Mittwoch der nächsten Woche beginnen. Man hofft, die Beratung der Wehrvorlage bis zu Beginn der Pfingstferien fertigzustel- len. Ob der Budgetausschuß die Steuervorlagen teilweise in den Pfingstferien beraten wird, ist im Ausschuß noch nicht entschieden. Eine Aussprache über diesen Punkt soll nach Beendigung der Beratung der Wehrvorlage erfolgen.
In der Sitzung des Bundesrats wurden am gestrigen Donnerstag den zuständigen Ausschüssen überwiesen: die Vorlage betreffend die Ausführung der Paragraphen 366 und (367 des Versicherungsgesetzes für Angestellte, der Entwurf einer Bekanntmachung betreffend Uebergangsbestimmungen zur Reichsversicherungsordnung, die Vorlage betreffend Wanderung der Vorschriften über die Besetzung der Seefischerei-Fahrzeuge mit Schiffsfühvern und Maschinisten und der Entwurf von Bestimmungen für die Vornahme einer Zwischenzählung der Schweine in den Jahren 1913 und 1914. lieber die Vorlage betreffend den Veredelungsverkehr mit Palmöl zum Reinigen und Bleichen wurde Beschluß gefaßt. Zustimmung erteilt wurde dem Entwurf von Bestimmungen zur Aenderung der Vorschriften über das Strafregister, der Uebereinkunft zwischen Deutschland und! Rußland zum Schutze von Werken der Literatur und 'ber Kunst und der Ergänzung des Entwurfs des Haushaltetats für die Schutzgebiete auf das Rechnungsjahr 1913.
Dem Reichstag ist folgende Entschließung der Wgg. Wlaß, Bassermann, Behrens, Hitze nnb Trampezinskv zugegangen: Der Reichstag wolle beschließen, den Reichskanzler zu ersuchen, anzuordnen, daß die Verwaltung des Reichsheeres bei der Vergebung von Lieferungen, die ganz oder teilweise in der Hausarbeit hergestellt werden können 1. Berufsorganisationen und Genossenschaften und Hausarbeiter Und -Arbeiterinnen zu berücksichtigen, 2. solchen Lieferanten den Vorrang zu geben, die für die in der Hausarbeit hergestellte Wbeit mindestens die von den Berufsorganisationen und Genossenschaften den Hausarbeitern und -Arbeiterinnen gezahlten Löhne nachweislich zahlen, oder mit diesen Organisationen Tarifverträge vereinbart haben, ober deren für die Hausarbeit gezahlten Löhne von dem zuständigen Fachausschuß als angemessen bezeichnet werden.
Die Hochzeitsgäste in Berlin.
Das Berliner „Tageblatt" will aus Rom erfahren haben: Die Nachricht, daß der König und die Königin von Italien die Absicht haben, der Hochzeitsfeier am kaiserlichen Hofe beizuwohnen, wird von verläßlicher Seite bestätigt.
Die Königin der Niederlande in Karlsruhe.
Am Donnerstag mittag trafen in Karlsruhe die Königin der Niederlande mit ihrem Gemähl, dem Prinzen Heinrich, zu einem kurzen Besuch der Großherzvglichen .Herrschaften ein. Gegen "4 Uhr kehrten die Gäste, vom 'Großherzogspaar und der Großherzogin Luise zum Bahnhof geleitet, wieder nach Hohemark zurück.
Ausweisung ausländischer Arbeiter.
Aus Kassel wftd gemeldet: Zahlreiche, im Kreise W r'tz e n - hausen beschäftigte ausländische Industriearbeiter sollen ausgewiesen werden. Heber die Gründe der Ausweisung wird an zuständiger Stelle Stillschweigen beobachtet, jedoch wird behmiptet, daß politische Gesichtspunkte nicht maßgebend seien. Ein großer Teil dieser ausgewiesenen Arbeiter soll ftch ihrer Militärpflicht 'dadurch zu entziehen versucht haben, daß die Leute fortgesetzt ihre Arbeitsstellen wechselten und zum Teil selbst andere Namen annahmen. Infolgedessen sind an die zuständigen Stellen in Berlin viele Reklamationen auswärtiger Regierungen eingelaufen.
Die Schuldigen in Nancy.
Ans Nancy wird gemeldet: Die zwei städtischen Schutzleute, die -auf dem Nancher Bahnhof den Dienst versahen, als die Deutschen den Zug nach Metz bestiegen, schritten erst -ein, als die Manifestanten in das Abteil der Deutschert eindrangen. Da die Schutzleute es unterlassen hatten, ihren Vorgesetzten den Fall zu melden, richtete der Zentralkommissar von Nancy an den Bürgermeister das Ersuchen, die beiden Schutzleute zu bestrafen.
Von einem Leser unseres Blattes ist uns folgendes Schreiben Angegangen: -
Von einem Freunde aus Paris erhielt ich eine Ansichtskarte folgenden Inhalts: Rechts steht ein französischer Infanterist, sckweidig und tadellos in Uniform, Haltung nnb Bewaffnung ; links ein deutscher Soldat, ein Z err bil d, das recht erheiternd loirft. Dünne Anne und Beine, eingefallene Brust, aufgedunsener Bauch und dicker Kops, das ist die Gestalt dieses Musterdeutschen. Seine Bewaffnung und Kleidung ist nicht minder schön. Zu einem grünen Jägerrvck trägt er Reithosen und Sckwürschuhe, neben dem Gewehr den schweren Kavallerieschleppsäbel, als Kopfbedeckung einen verbeulten Helm der Gardereiter. Aber es steht auf der Karte auch ein Gespräch dieser beiden Vertreter zweier Völker, selbstverständlich in französischer Sprache. Der Derttsche sagt: Wir haben soviel Soldaten, soviel Luftschiffe, soviel Unterseeboote usw. Der Franzose antwortet: „Bitte die Karte wenden und gegen das Licht halten!"
Befolgt man diesen Rat so erscheinen lateinische Buchstaben, und es ist z«u lesen: „Morde pour le roi de prusse!"
Nun eine Frage: „Gibt es in Deutschland Karten, die solche Gemeinheiten enthalten gegenüber ber französischen Nation? Wir glauben nicht, daß ein deutscher Drucker auf seine Rechnung käme, der solche Karten herstellte, denn er fände feine Käufer dafür.
Die französischen Behörden lenken ein«
Paris, 17. April. Wie das Theaterblatt „Comoedia!" meldet, haben die Behörden beschlossen, das im Nancyer Tingeltangel gesungene Spottlied auf Zeppelin in sämtlichen Theatern und Tingeltangeln an der O st grenze zu verbieten. Ferner sei auf Anordnung des Ministers des Innern die Aufführung des Schauspiels „Coeur de francaise" in Lnneville,Verdun und Nancy untersagt worden, da während der Aufführung dieses Stückes im Nancyer Theater beim Erscheinen der deutsche Uniformen tragenden Schauspieler von den Besuchern lärmend demonstriert wurde.
Die „Metzer Zeitung" veröffentlicht die Schilderung eines Metzers, der zu den am Sonntag in Nancy Mißhandelten gehörte. Diese Darstellung zeichnet sich durch Anschaulichkeit und Klarheit aus und hält besonders die Erlebnisse der beiden beteiligten Gruppen auseinander, was die französische Presse, und auch ein Teil der deutschen, nicht getan hat. Der Bericht lautet:
Es waren zwei Gruppen, die völlig getrennt oonün- anber am letzten Sonntag Nancy besnclften. Tie eine Grctppe bestand aus z w ei Thüringer Kaufleuten, die andere aus fünf in Metz w o h n c n b e n Personen, und zwar aus zwei Damien und drei Herren. Von dieser Meter ^Gesellschaft waren eine Dame und ein Herr Einheimisäi-Lothringer und der Herr hatte sich sogar in Nancy zwei Jahre lang studienhalber aufgehallen. Unser Gewährsmann, der zu der Metzer Reisegesellschaft zählte, führte aus, daß sie nachts zwischen 12 und 1 Uhr das Cafe Lorraine betraten. Sie hatten vorher
kein Varietee oder Konzerthaus besucht, hatten auch bisher keinerlei Rekonters gehabt. Im Cafe Lorraine, das viel von Studenten besucht zu werden pflegt und das dicht besetzt war, wurden sie alsbald durch unflätige Zurufe belästigt, auf die sie -aber nicht reagierten, da-sie erkannten, daß infolge einer «in Nancy ftattgefunbenen Poincarefeier die Gemüter stark erhitzt waren. Zudem Ivar es schon mit Rücksicht auf die beiden! lan- weseuden Damen geboten, über diese Anrempelungen hinweg- zugehen. Von einem1 Tisch wurde ein mit allerhand Schimpfworten befreiter Zettel wie „Choucroutefresser" usw. tzsrübergereicl-t. Der !zur Metzer Gruppe gehörige Lothringer zeigte diesen Zettel dem Wirt, der ihn bat, das Betragen der Radaubrüder nicht ernst nehmen zu tvollen. Daß das Betragen der Gäste nicht einwandfrei war, geht daraus hervor, daß ein Nancyer Herr, der an einem anderen Tische saß, zu der Metzer Gruppe herantrat und seinem lebhaften Bedauern darüber Ausdruck gab,, daß sie in Nancy ohne jede Veranlassung belästigt würden. Es sei mich festgestellt, daß es zu irgendwelchem^ Rekonter in dem Lokal selbst nicht tarn. Um 1 Uhr trat die in Nancy stehende Polizeistunde in Kraft. Das Lokal wurde geräumt, und die M^er Gruppe begab sich zunr Bahnhof, nm mit dem 2-Uhr-Zug nach Metz zuruckzutchren. Dock), die Mehrzahl der Easeöcsucher hatte sich inz-wischen in eine immer wachsende deutsch-feindliche Erregung hineingeredet und drang nun auf die Micher Gruppe ein. Obwohl die Lothringer Dame und der einheimische Hexr in bestem Französisch die Menge aufzuklären und zu. beruhigensversuchten, gingen alsbald die Nancyer zu Tätlichkeiten über. Die Dame n_ als auch die Herren wurden gestoßen, getreten, geschlagen und an gespuckt. Ta es ja doch aussichtslos gewesen wäre, sch auf der Straße der Menge gegen» über zur Wehr zu setzen, zog man es vor, den Bahnhof Zu erreichen, da man annahm, hier in Sicherheit zu sein. Doch dies bestätigte sich nicht. £ynt Gegenteil. Tie Menge wuchs hier beträchtlich und die Bahnbeamten, Polizisten, Offiziere und Soldaten sahen lachend zu, wie die deutsche Gruppe fortgesetzt in ber ordinärsten Weise beleidigt und mißhandelt wurde. Schließlich wurde ihnen gestattet, den Bahn- wagend besteigen nnb zwei Dragoner und ein Kürassier beauftragt, sich zum Schntze vor das Kupee z u st e l l e n. Doch die Soldaten kehrten sch an die Anordnung nicht und beteiligten sich an den Ausschreitungen. Die Menge drang mit den Soldaten in den Bahnwagen ein und es spielten sich eine Stunde lang, bis zuM Abgang des Zuges, die unglaublichsten Dinge ab. Das Betragen dieser über 200 Personen zählenden Menge kann man nicht anders kennzeichnen als das einer plötzlich verrückt gewordenen Horde. Es ließe sich ein dickes Buch schreiben über alles das, was sich hier abspielte.
Plötzlich ertönte auf dem! Perron ein lautes «Gejohle und die rmtner rasender werdende Menge stürzte sich auf zwei neue Opser. Es 'mären die beiden Kaufleute aus Thüringen. Alles schrie: „Das sind die deutschen Offiziere, die unsere Arm'ee verhöhnt habenDiese Kaufleute hatten das Kasinorestaurant besucht, in dem' u. a. auch das Stück „Ulan Fritzle" gegeben wurde, und wo es schließlich zu ebient Ren- fonter Tarn.
Ueber diesen Zwischenfall berichtet die Metzer Zeitung: Die Thüringer Kaufleute müßten sich am Bahnhof die unglaublichsten Dinge gefallen lassen. Nachdem man sie durch Schläge zu willenlosen Menschen gemädit hatte, die schließlich alles über Üch ergehen ließen, sloang inan sie, französische O ffiziere S-u grüßen, sie mußten sich ferner auf die Knie roe rfen und Abbitte leisten, wlihrenddemj nünt ihnen Schinken b r o tc und Wur ft'tunter deut Gaudium der rohen Menge indem Hals schob. Tas sind nur einige Episoden aus den Vorgängen am Bahnhof.
Der Staatssekretär hat im Reichstage die von der Metzer ^okalbehörde mit den Beteiligten anfgenommenen Prv-tlot'olle erwähnt, die der deutschen Botschaft in Paris zn- gestellt werden sollen. Angesichts dieser haarsträubenden Schilderungen wäre es doch vielleicht angebracht, so meinf die „Kreuzztg." mit Recht, diese Protokolle zu v e r öffentlichen, damit die durch ihre Presse irregeführte öffentliche Meinung in Frankreich sieht, was sich in Wirklichkeit zn- getragen hat, und demgemäß auch ans eine entsprechende Sühne vorbereitet wird.
Nancy, 17. April. Die amtliche Untersuchung des Zwischenfalles ist beendet worden. Staatsrat Ogier ist heute nachmittag mit dem Bericht nach Paris zurückgekehrt. Die heute vernommenen Zeugen, namentliche die Bahnhofs- beamten, wiederholten ihre bereits gemachten Aussagen. Sie erklärten, nicht gesehen zu haben, daß die Deutschen geschlagen worden sind.
Metz, 17. April. Ans den Erzählungen der bei den Vorfällen in Nancy beteiligten Deutschen geht hervor, daß die Annahme, einige von ihnen seien gezwungen worden, im Wartesaal niederzuknien, auf einem Irrtum beruht.
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Aus Stadt uuH Land.
Gießen, 18. April 1913.
Aus der Sitzung der Stadtverordneten.
Die gestrigen Beratungen der Stadtverordneten wurden durch 'ine üblichen Mitteilungen des Oberbürgermeisters' sehr friedlich eingeleitet, und unsere Stadtväter waren freudig erregt, als sie erfuhren, daß der unbekannte Spender durch gewöhnlichen Stadtbrief, an den Oberbürgermeister persönlich adressiert, wieder 2000 Mk. ein gesandt hat zu einem Denkmal für Ludwig V., den Begründer unserer Hochschule. Herr Mecunr hat auf diesem Wege bisher rund 12000 Mk. erhalten. Die Universität hat guch bereits Mittel für diesen Zweck, und, wie das Stadtoberhaupt einmal vernommen hat, soll auch vor einigen Fahren das Ministerium für das Ludwigsdenkmal in Gießen einen Staatszuschuß von 40000 Mk. in Aussicht gestellt haben. Darauf teilte Beigeordneter Keller, der Vorsitzende der städtischen Baukömmission, in der er aber kein Stimmrecht besitzt, die Beschlüsse über die vorliegenden Baugesuche mit. Herr Photograph Uhl will den vor feinem Hause in der Frankfurter Straße befindlichen Auslagekasten der Neuzeit entsprechend umgestalten und damit zugleich den Eingang zu seinem Anwesen mit einem Ueberbau aus Eisen und Glas versehen lassen. Das Gesuch liegt schon seit Monaten bei der Bürgermeisterei. Die Baudeputation schlägt vor, den Antrag Uhl abzulehnen, weil durch dessen Ausführung eine unzulässige Bebauung des Vorgarten- gelündes eintreten würde. Ob dieses Beschlusses trat eine eisige Kälte ein.
Totenstill war es, als Stadtverordneter H a b e n i ch t das Wort erhielt, er erklärte, er habe die Ausfi'chrungen des Beigeordneten Keller zum Antrag Uhl im einzelnen zwar nicht vernommen, er iviffe aber doch, worum es sich handele. Im weiteren ging er dann der Baudeputation, unterstützt durch seinen Kollegen Winn, in der ihm eigenen Art, aber doch scharf zu Leibe. Beide Redner, und besonders Stadtv. Winn, erklärten, daß sie auch der unver- änderten Durchführung der geplanten Fassade des ehemals Rathschlagschen Hauses zugesttmmt hätten, und daß es bedauerlich sei, wenn die Durchführung schöner und origineller Haus- und Laden fronten, wegen einzelner Kleinigkeiten unmöglich £emad)t würde. Herr Winn, der selber der Baudeputation angehörte, machte aus seiner Ansicht kein Hehl und wies darauf hin, daß in allen Städten erlaubt sei, an ben Geschäftshäusern Schaukästen anzubringen und zwar
in einer Tiefe bis zu 20 Zentimetern, die beim Bau dev Geschw. Aro'n z. B. gar nicht einmal verlangt worden seien. Das Mas Photograph Uhl aber plane, finde man in Frankfurt a. M. in den vornehmsten Villenstraßen dutzendweise ausgeführt. Stadtv. Habenicht bemerkte noch sattrisch, daß sich im Plenum der Versammlung vier Mitglieder der Baudeputation für die Erteilung der Bcruerlaübnis an Uhl ausgesprochen hätten, und cs daher merkwürdig wäre, wie die Kommission zu einem ablehnenden Beschluß gekommen sei.
Der kräftige Vorstoß bvachte zu Wege, daß das Gesuch Uhl gegen den Antrag der Kommission genehmigt wurde. Die Aussprache, die allerdings im Interesse einer reinlichen Klärung der Meinungen recht gründlich geführt wurde, nahm allerdings 5/< Stunden in Anspruch, ftir den Stadtv. Vetters viel zu lange, der die Sache an die Baudeputation zur nochmaligen Prüfung verwiesen haben wollte^ Wogegen aber von allen Seiten und besonders von den Mitgliedern der Kommission lebhafter Widerspruch erhoben wurde. Stadtv. Petri erklärte als Mitglied der Kommission offen, daß sich diese wiederholt und lange mit dem Baugesuch Uhl beschäftigt habe, und man würde selbst jetzt, nachdem man sich einmal festgelegt habe, doch nicht anders beschließen. (Als ob ein Umfall etwas Neues^ wäre!)
Ein Antrag des Stadtv. Simlö n wegen Anlegung eines Spielplatzes am Aülweg rief ebenfalls eine heftige Redeschlacht hervor, bei der aber weiter nichts heraus kams, als daß der Zlntrag, diesen Platz sofort zu schassen, abgelehnt wurde, nachdem der Oberbürgermeister zum Schluß der Auseinandersetzung einen Plan vorlegte und erklärte, daß in dieser Gegend ein Spielplatz vorgesehen sei. Wäre das zu Anfang der Aussprache mitgeteilt worden, dann hätte ntait wohl über den Antrag Simon weniger Worte gemacht, allein schon in Rücksicht auf die lange Tagesordnung, die wichtige Punkte enthielt.
Als die Tagesordnung des öffentlichen Teils der Sitzung erledigt war, kamen wiederholte Anregungen einzelner Stadtväter, die noch in aller Oeffentlichkeit besprochen werden sollten, aber man mußte sich bescheiden oder auf ein anderes Mal Vorbehalten, weil nach einer Erkläritng des Oberbürgermeisters in der nichtöffentlichen Sitzung noch wichtigere Punkte erledigt werden mußten.
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* * Der Großherzvg empfing den Pfarrer Hartmann von Egelsbach und den Pfarrer Göckel von Ober- Ofleiden.
* * Ernennung. Der Großherzog hat den Regierungsbaumeister Eugen Berck aus Darmstadt zum Betriebsleiter der technischen Werke der Badeanstalt Bad-Nauhttm vom 1. Apttl 1913 an ernannt.
* * St euer Personalien. D er Großherzog hat am 16. April d. F. den Finanzamtmann bei dem Finanzamt Darmstadt I, Christian Weisel zu Darmstadt, vom 1. Mai i>. I. ab zum Vorstand des Finanzamts Schotten, den Steuerkontrolleur Finanzassessor Alfred Kröll zu Lauterbach vom 1. Mai b. I. ab zum! !Finanzamtmann des Steueramts Lampetthttm ernannt.
* * Erledigt ist die Stelle je eines Finanzcrmtmanns bei den Großh. Finanzämtern Darmstadt I und Bingen; die Stelle des Finanzamtsgehilfen bei Großh. Finanzamt Darmstadt I; die Stelle des Forstwatts der Forstwatttt Langd, Oberförsterei Eichelsdorf.
** Die völkerkundliche Ausstellung in der alten «Klinik hatte bis Twente über 8000 Besucher aufzuweisen! Auch in den letzten Tagen, bis zum 23. d. M, wird der Zustrom nicht abnehmen, und wenn vornttttags die Schülerscharen sich durch die Räume und Gänge wälzen, so haben in den Nachmittagsstunden von 3 Uhr an die Erwachsenen die beste Gelegenheit, in zwanglosen Gruppen bei den fremdländischen Schaustücken zu verweilen. (Sine gute Führung und Erklärung ist überall vorhanden, und die Gewandtheit der hiesigen jungen Damen, die Gegenstände vorzuweisen und ihre Beoeutnng zu erläutern, hat nattttlich mit jedem Tage zugenommen. So war es ein wirkliches Vergnügen, einmal zuzuhören, wie eine dieser freiwilligen'Lehrerinnen einer ländlichen Schülerklaffe etwa die Fetischgeheimnisse der Eingeborenen von der Goldküste auseirranderzusetzen wußte, wobei vor der Originalhütte des Fettschpriesters alles Zubehör ausgebreitet wurde. Das ist wirklich ein Unterricht, der den Schülern nicht nur große Freude macht, sondern von dem auch lebendiger Nrchen ausgeht. Solche anschauliche Belehrung müßte weitgehend ausgenützt werden. In den oberen Klassen würde der Ausstellungsbesuch den besten Aufsatzstoff abgeben. Es ist ja ein Stück Kulturgeschichte, was uns da vorliegt, und die allmählichen Fortschritte der primittven Völker tftlben viel Gemeinsames. Wer lehrte die Karnerunneger die Arbeit der Weberei, wie kommt es, daß ihre Musittnstrumente, von der ^einfachen Felltrommel bis zur (Gitarre und zum Xylophon den deutlichen Bau der Erzeugnisse des Europäers tragen, in wcklche Rückständigkeit ihr musikalischer Sinn auch hineingeboren sein mag! Eine kleine Schmiede aus Kamerun stellt uns vor ähnliche Betrachtungen. Der Neger ist gewiß nicht in die chemischen Geheimnisse eines Verbrennungsprozesses üingeweiht, wie trefflich hat er aber der Erfahrung abgelausscht, daß ein mit dem Fach in Tätigkeit zu setzendes Gebläse fernem Stein Herd erst die Vollendung gibt! Die Handfertigkeit der Neger ist auch zu künstlerischen Erfolgen fortgeschritten. Kunstvoll aus einem Stück Holz geschnitzte Schemel zieren die Hütte des Wohlhabeirden, in der auch Gegenstände mit nur dekorativem Zweck nicht vergessen sind, z. B. ein aus Holz geschnitztes Krokodil. Mit unserer gegenwärtigen Kö-lvnial- entwrckelung stehen alle diese Dinge im engsten Zusammenhang. Die letzten Tage haben uns ja Meldungen darüber gebracht, daß das deutsche Forschen und Vordringen in Neu-Kamerun auch mit blutigen Kämpfen verbunden war. Und ist cs da rttcht von höchstem. Interesse, eine Anschauung darüber zu gewinnen, in welcher Lebenssphäre diese Eingeborenen füfy bewegen? So erfahren wir auf der Ausstellung in der alten Klinik, wie sie in ihreir Kanoes das Wasser beherrschen, und ein großes, hübsches Modell lehrt uns, tvie sie auf Hängebrücken die Flüsse übersetzen. Die Ausstellung hat also gleichermaßen eine wissenschaftliche und eine prakttsche Bedeutung. Die Leiter des Unternehmens sind überein gekommen, auch solchen Schülern mit dem lbilligeren Eintrtttsgeld von 20 Pfg. entgegenzukommen, denen bisher die Gelegenheit fehlte, in eorpore die Ausstellung zu besuchen, sofern sie sich zu kleineren Gruppen zusammenschließen wollen. — Von der Leitung der Aufstellung erhalten wir iwch folgende Nottz:
Die Ausstellung hatte auch gestern guten Besuch, besonders morgens von Schicken, die sich nicht abhalten ließen, trotz Negenwetters von auswätts zu erscheinen; mittags ließ der Besuch nach; von Gießen selbst erhofft die Ausstellung noch immer stärkeren Besuch. Die Ausstellung wird am nächsten Mitt- wocy abend geschlossen. Bes-onders günstig ist ein Besuch am Samstag, wo nachmittags gar keine Schulen da sind und eine gründliche Besichtigung der hochinteressanten Gegenstände aus China, Indien unb Afrika stattfinden kann. Bis heute betrug/ die Zahl der Besucher etwa 8000.


