Spitze des hrieber gebildeten feierlichen Zuges nach der Schwarzen Adler-Kammer, wo die Ordensmäntel abgelegt wurden.
Die Betriebseinnahmen der preußisch-hessischen Staats ei senbahnen
haben im Monat Dezember 1912 gegenüber dem gleichen Monat des Vorjahres 4,9 Millionen Mark gleich 10 20 Proz. im Personenverkehr, 9,6 Millionen Mark gleich 7,88 Proz. im Güterverkehr, insgesamt mit Einschluß der Mehreinnahmen aus sonstigen Quellen 14,7 Milnonen Mark gleich 8,08 Proz. mehr betragen. Die Zahl der Sonn- und Festtage sowie der Werktage war in beiden Jahren gleich.
Der Zentralausschuß der Fortschrittlichen Volkspartei
setzte die Beratung über Organisation und Finanzfragen fort und nahm dann einen Bericht des Abgeordneten Wie- mer über die Reichspolitik entgegen. Es warm nach der Präsenzliste anwesmd 25 Reichstagsabgeordnete, fünf Mitglieder des geschäftsführenden Ausschusses, die nicht dem Reichstag angehören und 51 sonstige Mitglieder des Zentralausschusses.
Der Krankenkassen st reit in Halle a. Saale ist soeben, wie uns der Verband der Aerzte Deutschlands schreibt, durch Urteil des Reichsgerichts zugunsten der eingesessenen Aerzteschaft endgültig entschieden worden. Der Krankenkassenverband hatte bekanntlich 1913 die eingesessene Aerzteschaft von der Kassenpraxis ausg.'schaltet und auswärtige Aerzte hcrbeigezogen. Diese Versorgung der Kassen erklärte die Aufsichtsbehörde nach langem Zuwarten für völlig unzureichend, entzog den Kassen das Selbstverwal- tungsrecht und schloß einen Vertrag mit der eingesessenen Aerzteschaft ab. Der Krankenkassenverband verweigerte diesem Vertrag die Anerkennung und focht ihn bei Gericht an, er wurde in allen drei Instanzen abgewiesen, das Reichsgericht erklärte durch Urteil vom 17. Januar 1913 den Vertrau mit Ausnahme eines unwesentlichen Punktes für zu Recht bestehend. Die finanziellen Folgen für den Kassenverband sind sehr schwerwiegend, er muß nunmehr die von ihnl verweigerte Auszahlung des der eingesessenen Aerzteschaft zukommendeu Honorars für mehr als zwei Jahre nebst Zinsen, nachholen, außerdem die ganzen Prozeßkosten aus drei Instanzen tragen; die Gesamtsumme beläuft sich nach vorläufiger Berechnung auf 150 000 bis 200 000 Mark._________________________________________
Ausland.
Vom Panamolanal.
Huinphrch, der im Rcpräsentantenhause zu Washington ein Gesetz einbrachte, daß alle amerikanischen und ausländisck>en Schisse, welche Kombinationen und Konferenzen angehören, von der Benutzung des Panamakananls ausgeschlossen werden, erklärte, es sei durch die Zeugenaussagen in der Untersuchung yegen den Schiffahrtstrust vollständig erwiesen, daß die ausländischen Schiffe, die den amerikanischen Handel betrügen, jeder Beschuldigung schuldig seien, die gegen sic erhoben wäre. — Oberst Goethals erklärte im Marinekomitee des Repräsentantenhauses, daß eine Garnison von 2 5 000 Mann notwendig sei, um den Panamakanäl zu schützen. Die gegenwärtigen Pläne sähen nur 8000 Mann vor. An beiden Endpunkten sollten Garnisonen errichtet werden. Die Erklärung, daß der Kanal schwerlich gehalten werden könnte, wenn die Vereinigten Staaten die Hrr- schoft über das Meer verlieren ivürden, erregt großes Interesse.
Aus Stafct und Land.
Gießen, 20. Januar 1913.
Rcichsgrürrdungsfeier.
Den 42. Geburtstag des Deutschen Reiches würdig zu begehen, hatte die Ortsgruppe Gießen des Alldeutschen Verbandes, wie fett Jahren, eine Feier veranstaltet, die sehr stark besucht war und von der treuen, patriotischen Gesinnung der Gießener Zeugnis gab. Nachdem der Vorsitzende des Vereins, Privatdozent Dr. v. Liebig, des Landesfürsten gedachte und auf den Großherzog ein Hoch ausgebracht hatte, erfreuten die mitwirt'enden Künstler durch ihre musikalischen Darbietungen alle Festteilnehmer, der Baucrsche Gesangverein imter Leitung des Herrn O. Görlach, und die Solisten leisteten vorzügliches. Die Auswahl und die Vorträge der Chöre durch die stattliche .Sängerschar entsprachen voll den gehegten Erwartungen und fanden lebhaften Beifall. Als erster Solist erfreute Herr L. Marguth (Tenor) die Zuhörer durch seine herrlichen Lieder: DaS Fischermädchen, Waldesgespräch und
die Wissenschaft wie für die Praxis ist dieser Fortschritt von gleicher Wichtigkeit. Denn man kommt durch diese Bewegungsbilder in die Lage, den plmi'iologischcn Vorgang der Herzzusammenziehung direkt vom Bilde abzulesen, und ebenso krankhafte Störungen, wie sie auf nervöser Grundlage und nach Klappenfehler entstehen, zu erlernten und zu analysieren. Gleicherweise werden sie das Studium der Wirkung der Herzmittel wie Digitalis und Stropl^antus erleichtern.
— Gin neues blutstillendes Mittel. Dr. med. Anton Fon io, Assistent an der chirurgischen UniversitätsNinik (Direktor Prof. Dr. Theodor Kocher) in Bern hat ein neues schnellwirkendes Blutstillungsmittel erfunden. Es beschleunigt außerordentlich die Gerinnung des Blutes und ist in größeren Mcngett herzustellen und steril in Ampullen aufzubewahren. In der Praxis hat es sich sehr bewährt, denn u. a. konnte die Operation einer blutenden Geschwulst ohne irgend eine Unterbindung durchgeführt werden.
— Wieland und die Kinder. Eine wenig bekannte hübsche Episode aus dem alten Weimar, in der Wieland sich nicht nur als ein guter Beobachter des kütdlickien Gefühlslebens, sondern auch als überlegter Pädagoge erwies, wird in den „Stunden mit Goethe" nncbcrgcgcbcn. Ein junger schlesischer Student, der Kandidat Dietmar, weilte in Weimar, und auf einem Spaziergang durch die Xaftanicuallee nach Belvedere, nahe bei Goethes <otadtgarten, sah er aus den Stufen eines Hauses einige kleine rotbäckige Mädchen und Mltaben lustig schmausen; sie verzehrten mit weißem Käse belegte Brotschnitten. Ter junge Kandidat nähert sich den Kindern, begrüßt sie unb will sie aus die Probe stellen: er fragt sie, ob sie ifrn vielleicht etwas von ihrem Brote abgeben möchten. Sofort brach einer der Knaben von seinem Brot ein tüchtiges Stück ah'mrd reichte es dem jungen Fremden, der es dankend nahm und nun auch verzehrte. Während er aß, trat ein Mädchen aus der HauStür unb sagte dem Kandidaten, ihr Vater ersuche ihn, in sein Zimmer zu kommen. „Wer ist Ihr Vater?" „Der Hofrat Wieland." Dietmar folgte sofort der Aufforderung. Wielaird empfing den jungen UnbC' kannten in seinem Zimmer und begann sofort: „Verzeihen Sie, daß ick mir Ihren gütigen Besuch ausbitte. Sie haben mir Veranlassung dazu gegeben." Und dann erzählte er, wie er von seinem Fenster aus gcicbcn habe, nric Dietmar sich mit den Kindern unterhielt. Er hatte die Szene mit dem Käsebrot beobachtet und angenommen, daß der junge Herr, der mit den Kleinen so fröhlich plauderte, ein Kinderfreund sein müsse. „Auch ließen Sie sich von ihrem Käsebrot etwas mitteilen und haben es wirklich genossen. Gewöhnlich bittet man sich von so kleinen Kindern etwas aus, trm ihre Gutmütigkeit zu untersuchen, und gibt cs ihnen dann zurück. DaS sollte nie geschehen Dadurch verwöhnt man die Jugend, denn sie rechnen daher immer auf die Rückgabe,"
FrühlingSnacht, denen dann später noch Lauf der Welt, Ich denke oft ans blaue Meer und Freude soll in deinen Werken sein, folgten. Als Meister auf dem Piano zeigte sich wiederum Herr I. Hahn von hier, der schwierige Musikwerke von Brahms, Rubinstein und Liszt großartig zu Gehör brachte. Beiden Künstlern wurde reicher, wohlverdienter Beifall gezollt und sie gewährten eine Zugabe. Zu Ende des ersten Programmteiles erfolgte die von Professor O. Altendorf gehaltene Festrede. Der Redner verstand es, in eindrucksvollen Worten die Ereignisse bei Gründung des deutschen Reiches klar zu schildern. Er gedachte in dankbarer Anerkennung unseres großen Bismarck, dessen Lieblingsidee in dem Zustandekommen eines geeinten deutschen Reiches verwirklicht worden ist. Die durch die Festrede hervorgerufene Begeisterung sand in dem, nach dem Kaisertoaste angestimmten Liede: „Es braust ein Ruf" ihren vollen Ausdruck. Ter interessante politische Rückblick auf 1912, gehalten von Herrn Dr. v. Liebig, fesselte ungemein und brachte für jeden Zuhörer eine klare Einsicht in die jetzigen Verhältnisse der Weltpolink. Ein für Sopran und Pioline gesetztes Rezitativ und Largo aus Lerxes von Händel fand ungeteilten Beifall, ebenso die Lieder aus Mignon und Ja, du bist mein,J)orgetragen von Frau Lerch, die tvegen ihrer klangvollen Stimme und ihres zu Herzen gehenden Vortrags hier geschätzt ist. Mit dem Zapfenstreich von Rille schloß der offizielle Teil der Veranstaltung, dem sich ein Kommers anfchloß.
•• In Audienz empfangen wurden am Samstaa vom Groß Herzog u. a.: Schulrat Andres, Kreis-Schul» infpeftor in Lauterbach, Baurat Hechler von Gießen, Kammecherrn Freiherrn Schenk zu Schweinsberg- Wal d ers h a u s e n, Lehrer Seip von Nidda und Professor Dr. SieverS von Gießen.
** Ordensauszeichnung. Der König von ^Preußen hat lt. „Prcuß. Staatsanz." dem Hauptmann Frerherrn Schenck zu Sch wer ns berg im Infanterie-Regiment von Wittich (3. Kurhessischen) Nr. 83 die Erlaubnis zur Anlegung des Ritterkreuzes 2. Klasse des Hessischen Verdienstordens Philipps des Großmütigen erteilt.
** Aus d e m Militär-Wochenblatt. Bubbecke Lt. int Leibgarde-Jnf.-Regt. (1. Hess.) Nr. 115, wurde auf sein Gesuch zu den Reserve-Offizieren des Regiments übergeführt.
** I u n g b c u t s ch l a n d und d i e D e u t s ch e T Urne r s ch a s t.' Man schreibt unS: Zwischen dem Bunde Jungdeutschland und der Deutschen Turnerschaft ist vereinbart worden, daß crlle Unterverbände und Vereine der Deutschen Turnerschaft von nun an zugleich auch körperschaftliche Mitglieder des Jungdeutfchlanobundes find, ohne daß es nach einer Anmeldung des betreffenden Vereins zur örtlicher Organisation des Bundes Jungdeutschland bedarf. Ferner geben der Jungdeutschlandbund und die Deutsche Turnerschaft seit Anfang dieses Jahres gemeinsam eine neue „Wochenschrift für Jungdeutschlands Jugend" unter dem Namen „I u n g d e u t f ch l a n d p o st" heraus, von welcher Probenummern von den Geschäftsstellen des Jungdeutschlandbundes uni) der Deutschen Turnerschaft abgegeben werden. Dieser enge Zusammenschluß, der so zwischen dem Jungdeutschlandbund und der Deutschen Turnerschaft vollzogen ist, ist im Interesse einer einheitlichen Arbeit an Deutschlands Jugend freudig zu begrüßen unb wird der nationalen Arbeit an der körperlichen Ertüchtigung unserer Jugend sicher zu großem Vorteil gereichen.
** Das Wohltätigkeitskonzert des Kronbauer sch en Quartettvereins, das alljährlich im Laufe des Winters stattfindet, wird diesmal am 9. F e - bruar im großen Saale des Gesellschaftsvereins (Klubsaal) abgehalten werden. Neben stets freundlich aufgenommenen Chören des Vereins werden namhafte auswärtige Künstler, von denen bereits bestimmte Zusage vorliegt, dafür sorgen, daß musikalisch Wertvolles und Interessantes den Besuchern des Konzertes geboten wird. Näheres bringt demnächst der Inseratenteil.
•* Stadltheater. Zwei unserer bekanntesten Lultspiel- autoren, Franz v. Schönthan und Rudolf PreSber, sind es, die morgen nut der Novität .Der Retter in der 9t o t* zu Worte kommen. Tas Werk hat bei seinen bisherigen Aufführungen überall, z. B. in Frankfurt, starken Erfolg gehabt und bietet außerordentlich dankbare Rollen, die sich hier sehr gut besetzen ließen. Es wirken in größeren Ausgaben mit die Herren Goll, Volck, Kliemer, Norden, Dworkowski, Großer, Bruchwitz und Großer-Braun, sowie die Damen Scholz und Jüngling. Die Regie führt Direktor Steingoetter.
•’ D i e Schlachtungen im Dezember 1912 stellten sich im städtischen Schlachthofe ivie folgt: Großvieh 284 Stück (gegen 268 St. im Dezember 1911) Pferde 27 (21), Kälber 455 (466), Schafe 86 (83), Schweine 1035 (1063). Die Zahl der Schlachtungen im städtischen Schlachthof im 4. Vierteljahr der letzten fünf Jahre betrug:
Großvieh Pferde Kälber Schafe Schweine
1908
949
72
1750
349
3406
1909
1106
73
1987
485
^939
1910
894
63
1440
369
3053
1911
859
74
1456
350
3412
1912
833
78
1302
359
3207
** Kreisziegenzuchtverein Gießen. Ter Kreisziegenzuchtverein veranstaltet am 26. Januar, nachmittags 31/2 Uhr, in Ober-Hörgern im Gasthaus „Zur Post" einen Vortrag über Ziegenzucht. Redner ist Oeko- nomierat Weitzel-Lich.
** Fleis ch b e s ch a u e r - Kurs u S. Vom 1. bis 28. Februar wird durch Direktor Dr. M 0 d d e im städtischen Schlachthof ein Vorbereitungskursussür Fleischbeschauer abgehalten.
*• Besitzwechsel. Die Firma Hoch- und Tiefbau gese lisch ast m. b. H. vorm. H. Winn & Co. erwarb für Mk. 8500 die früher Büttner & Damm gehörige Sandgrube in der Marburger Straße. — Der Bretzelbäcker C. Schmidt kaufte für Mk. 7400 das Hans de§ Schuh- machermeisterS Magnus sen. in der Weidengasse.
' Von der Biebertal-Bahn. Infolge der letzten Schneefälle erlitten fast alle Züge der vorigen Woche Verspätung. Die Frühzüge ab Bieber, die meist von Arbeitern benutzt werden, fielen wiederholt au5. Die Wünsche nach einer Vollbahn ins Hinterland sind dadurch erneut wach geworden.
Kreis Alsfeld.
. 5 len s u na en, 18. Jan. Von schwerem Unglück
nrtr^ !?er junge Telegraphenarbeiter Seim. Nachdem er kürzlich zwei Tage nach seiner Hochzeit seine lange §rau durch einen Unfall verloren hat, traf ihn i^Ä^chst em schweres Mißgeschick. Er befand sich unterhalb Grimberg oben an einer Telegraphenstange. An der glatten Stange glitt er yus und stürzte auf den Boden. Wit schweren Verletzungen blieb er liegen. Durch da«
'Bogelsberg* bei Schotten
zu Gunsten des L e h r e r h e i m 8
Daehler wanderte be
den Betrag von 50 Mk. gespendet.
50 Jahren zum
ein hoher
jetzt
Dr.
Giessen.
reite als Siebzehnjähriger ans, besuchte nach ersten Male wieder seine Heimat und ist Siebziger.
die 28.
■«Wtscii,; 8&21eiQend
(Deut;
« Cxplos W- Bo üliischkn Damps tnd an Bord Explosion, mehrere Person Beschädigungen
h". Tie B Mensch schon eil als efimilve Falle sollte er rituellen Meise <1 alter Teiekiiv in nsihil er ein Hij „individuell" mifg buchers gekommen „[dimerer" Junge feine Briese zu kl «(fiten Tcke ein fl a nun eines Tagl vie die Briese forti
Kreis Friedberg.
L. Friedberg, 19. Jan. Nachdem Entlassungsprüfung beendet ist, findet am Lehrerseminar die mündliche statt.
schriftliche d. SL‘.. im
eine Steigeisen, das ihm auf den Kopf fiel, wurde ihm der Schädel gespulten, das eine Bein fiel aus der Gelenkpfanne. Auf einer vom Bahnhof in Grünbcrg herbei- geschafften Tragbahre wurde der Schwerverletzte zur Bahn und in die Klinik nach Gießen verbracht.
Kreis Schotten.
n Schotten, 19. Jan. Ein oberhessischcr Amerikaner, F. C. Daehler aus Portsmouth (Ohio), gebürtig aus Höchst a. d. Nidder, hat ,au5 Liebe zu seiner obrrhessifchen Heimat und in dankbarer Erinnerung an seine Schulzeit*
Oute lhre lieber tyombo ( A,ten Her
Dr.fi
Starkenburg und Rheinhessen.
M.Ofsenbach a.M.,l9.Jan. In der K ais e rh 0 f- aktienaffäre fanden am Samstag Vernehmungen statt, die von dem Landgerichtsrat Dr. H v 0 s - Darmstadt geführt nmrden. Das Beweisthema war, ob Oberbürgermeister Dr. Dullo bei der Anlegung von 500 000 Mk. städtischer Gelder in Kaiserhofatlien fahrlässig und besonders gegen die für die Stadt Offenbach bezüglich der Verwaltung städtischen Vermögens getroffenen Änrichttmaen gehandelt habe. Tic Zeugenvernehmungen nahmen den ganzen Tag in Anspruch.
Hessen-Nassau.
X. Hanau, 19. Jan. Die Typhusepidemie beim 1. Bataillon Eisenbahn-Regiments Nr. 3 ist in stetem Rückgänge begriffen. Schwer krank sind aUerdings noch eine größere Zahl Soldatem, die Zahl der Genesenden beläuft )id) auf etwa 90. Die als Bazillenträgerin erkannte Frau Lehr, die Kartoffeln für den verhängnisvoll gewordenen Kartoffelsalat geschält hat, ist gestern aus dem Landkranken- hause entlassen worden, wohin sie vor 4 Wochen auf Veranlassung des Kreisarztes gebracht worden war. Am 15. Februar sind 13 Jahre verflossen, seit die Familie Lehr (Mutter, zwei Töchter und ein Sohu) vom Typhus heim- aesucht worden ist. Der zehnjährige Sohn ist damals an der Krankheit gestorben, die Mutter und die zwei Töchter sind genesen. Im Verlaufe dieser 13 Jahre ist die Familie Lehr von einer schweren Krankheit nicht mehr heimgesucht worden.
(ßcrid)tsfanL
Koblenz, 17. .'-cm. Umfangreiche Unterschlagungen bat sich seinerzeit der Rentmeister der Stadt Koblenz, R a d e m a ch e r, 311 Schulden kommen lassen. Ter Angeklagte, der Hauptmann der L'anbivebr in, erneute sich des größten Ansehens und ge»ob den Rui großer Vertrauenswürdigkeit. Sein Webolt betrug zuletzt 6405 Mark. Wie er angab, halte er schon mit finanziellen Schwierigkeiten zu kampien, als er »ein Amt als Rentmeiner antrat. Um seine pekuniäre Lage zn vei bessern, aat er in der Lotterie gespielt und 10'00 Alk. Kir Voie ausgegeben. Als er von seinen Gläubigern bedrängt wurde, geriet er schließlich am die schiene Ebene. Er batte die Verwaltung der der Stadt Koblenz und den milden Stiftungen gebörenden Wertpapiere unter sich und benutzte diese Stellung zu allerlei Schiebungen. Bei den regelmäßig iviederkebrenden Revisionen verstand er es, die Revisionsbeamten zn täuschen, so daß anscheinend alles in bester Ordnung war Insgesamt beläuft sich die veruntreute Summe aus über 12ö 00 > 'Dlarf. Au' Grund der Beweisaufnahme l(miete der Spruch der Geschworenen auf Amtsunterschlagung, Diebstahl und Betr„
unter Zubilligung mildernder llmstände. Der GerirbtSbof berücksichtigte die Höhe der unterschlagenen Summe und verurteilte den Angeklagten zil drei Zähren Gefängnis.
Hildesheim, 18. Jan. Tic hiesige Strafkammer be- schästigt zurzeit der Millionenkon ku rs dem in April 1911 das angesehene Bankhaus Pistorius zum Opfer gefallen ist. Ter Zusammenbruch des Bankhauses erregte siincrzcit großes Aufsehen. Ter Inhaber halte Fühlung mit führenden katholischen Kreisen und dieser Umstand bewog zaplreiche Heine Geschäfts leiste, ihin ihre Ersparnisse anzuvertranen. Ter Zusammenbruch erfolgte, j weil die Firma im Kreditgeben sehr leichtsinnig.«war und außerdem | durch verfehlte Spekulationen in Goldminenaklien. Nachdem bet ’ Konkurs angemeldcl war, beschästigten sich ernflußreiche Kreise der # katholischen Geistlichkeit damit, einen anhergerichtlicheit Ver- I gleich herbeizuführen. Zu diesem Ziveae wurde eine Hilfs- |
Iciftung ringel eitet, zu der auch Kardinal Kopp insofern bei- steuerte, als er auf sein Guthaben von 400000 Mk. verzichtete. Außerdem wurden von Freunden des Bankhauses noch 900000 Mark aufgebracht. Aber auch dieser Betrag genügte nicht, unt das Bankhaus über Wasser zu halten und »der Konkurs nnirbe endgültig über die Firma verlangt. Die (Ermittelungen ergaben, daß eine Unterbilanz von etwa 2' k Millionen Mk. vorl>anden war. Ter Inhaber des Bankhauses I. H. Pistorius, Geheimer Kommerzienrat Theodor Piswrius, wurde von der- hiesigen Strafkammer wegen Konkursvergehens zu 1000 Mk Geldstrafe verurteilt. Der Staatsanwalt hatte ein Jahr Gefängnis beantragt. Tie Strafverfolgung gegen die beiden ehemaligen Prokuristen dieser Firma wurde bereits vor einiger Zeit eingestellt.
B-SU durch '
- w raMtrs'UM -ü ertrE,i geJiui SMS»?
r-xLt bcsor ui Kaimig
mch" <ociben aber dE @ilb(
2e Long
zu ort*.
ft da^ luihOi E r Weräaner W
norwegischer W und die Mannicha) toaren verloren.
ZlfilLÄicld, ausd haben. W « 1
bittere W
i «15 sein Auge plötz . I in der oben bcschi du Absender loiintt
Die Opfer Der Polarforschung.
An der traurigen Tatsache, daß die deutsche Spitzbergen- Expedition des Letltnants Schröder-Stran-z schiver gefährdet ist, läßt sich nach der aus Adventbai eingetroffenen Depesche des Kapitäns Ritscher, Führers des Expeditionsschiffes „Herzog Ernst", nicht mehr zweifeln. Hat sich in der iwrdischen Eiswüste eine neue Tragödie abgespielt? Haben sich den zahlreichen Opfern, welche die Polarforschnng im Laufe der Jahrhunderte gekostet bat, neue hinzugesellt? Bange Fragen sind es, die jeder gern verneinen möchte.
Gerade die Nordpolarexpeditionen sind, weit zahlreicher als die Südpolarexpeditionen, sehr verlustreich gewesen. Unermüdlich hat die furchtbare Eissee ihr Reich gehütet und manchen Wagemutigen unter ihrem weißeit Lcichentuchc begraben. Unsägliche Anstrengungen und Entbehrungen, Kälte, Hunger, Krankheiten und tückische Unglücksfälle ivaren Begleiter der Expeditionen. Aber trotz drohenden Verderbens folgte das Meitschenherz immer aufs neue dem lockenden Trange, das Geheininis des Pols zu lösen. Wer das Buch der Expeditionen ausschlägt, blickt in einen Kamps von wahrhaft antiker Größe.
Von drei zur Aufsuchung einer nordwestlichen Durchfahrt int Jahre 1553 ansgcsandten Fahrzeugen unter Führung von Wil- longhbp, Gesferson, Durfooth und Chancellor kehrte nur der letztere zurück, die anderen gingen zugrunde Wenige Jahrzehnte später, im arktischen Winter 1596—1599, bebrofftc der Tod die Expedition des Holländers Barents: die Kälte mar so schneidend, daß die Teilnehmer des kühnen Unternehmens in dickster Pelz« lleidung dem Erfrieren nahe waren und ihnen die heißesten Getränke in menigeit Augenblicken zu Eis erstarrten. Unter bat Expeditionen der Folgezeit, beiten von Hubson, Bvlot und Bassin, Roß, Paren unb Kane, hat ber Tob sich ebenfalls manches Opfer geholt. Toch bte furchtbarste Tragöbie bietet das Schicksal ber Frank- linXSrpebttion. Am 19. Mai 1845 segelten die Schisse Erebus und Terror mit Franklin, ben Kapitänen Cropier unb Fitzjames und einer Bemannung von hundertachtuitddreißig Personen von England ab, am 26. Juli würben bie Schiffe in Melvillebai von dem Wal- fischjänger Tanner angesprochen, unb bann waren sie für immer verschollen. Tie ausgefanbten zahlreickMt Hilfsexpeditonen fanben Lebende nicht mehr vor, wohl aber 1850 auf ber einsamen Beeck-ey-^


