Ausgabe 
18.10.1913 Erstes Blatt
 
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nt jwinbcnau m Sicherheit hrar, gelang die Erstürmung des äußeren (yrimmaischen Tores. Schon bei dieser Gelegenheit er fuhren die Franzosen eine Probe von der Fürsorge ihres Abgottes. Die aus dem äußern Tor Verjagten wurden näm­lich gemäß seiner Anordnung nicht in das innere Tor hin- gitgelaffen, so daß sie auf die elendeste Weise zwischen zwei Feuern umkamen. Bald darauf eine noch stärkere Probe: ein gewaltiger Donner! und die Elsterbrücke, der letzte Weg aus der «tadt über die Elster, flog in die Luft infolge unzulänglicher Anordnung von feiten des Kaisers, lange be­vor der Rest der Franzosen sich gerettet hatte. Tausende fan- oen in den Wellen ihren Tod. 12 000 kampffähige Soldaten uno 23 000 Verwundete lieferte der Egoismus Napoleons so noch den Verbündeten aus.

Es war das Finale der gewaltigen Oper, die die Welt drei /Lage in Spannung gehalten hatte. Wer ist ihr Held gewesen? Aus dem Markte Leipzigs umarmte Kaiser Alexan­der den Marschall Vorwärts:Mein lieber General von Blücher, Sie haben das Beste getan! Sie sind der Befreier Deutschlands!" Der Alte aber erwiderte einfach und schlicht: Kaiserliche Majestät, Sie erlauben mich wohl, aber ich hab' bloß getan, was meine Schuldigkeit war. Meine braveii Truppen, jawoll, die haben viel mehr getan, viel mehr!"

wie die Völkerschlacht begann...

Bon einem, der dabei gewesen.

Ein Freund unseres Blattes stellt uns ein interessantes Gc- schichtsdokument über den Beginn der Völkerschlacht bei Leipzig zur Verfügung, .nämlich den Bericht des Hunsrücker Dorfschul lehrers Johann Jakob Röhrig, der als Sergcantmajor unter Napoleon kämpfte. Röhrig hatte, als die meisten Rheinländer, durch Hunger und Elend getrieben, der französischen Fahne den Rücken kehrten, die Armee Napoleons nicht verlassen. Dieser deutsche Kämpfer mir französischer Seite (sein Enkel, Marl Röhrig, ist heute Pfarrer in Potsdams schreibt:

Als der Morgen des 16. Oktober 1813 über die Ebene von Leipzig hereinbrach, sah man nichts als Himmel und Soldaten aller Waffengattungen. Man sah sclwn an den Auf­stellungen, daß es ein heißer Tag werden würde, und daß mancher sein letztes Hemd anhatte. Wir kamen den Oesterreichern gegen­über zu stehen. Der Kaiser Napoleon stand etwas linkerhand vor uns auf einer kleinen Anhöhe mit dem Perspektiv in der Hand, wahrscheinlich, um die feindlichen Stellungen zu beobachten, und sein Schimmel neben ihm. Auf einmal hieß es:Aur armes!" (An die Gewehre!") Von allen Seiten her ertönte der Ruf:Bive l'Empcreur!" In demselben Augenblick, es mag wohl gegen 9 Uhr gewesen sein, gingen alle vor uns befindlichen -Batterien los, so daß die Kugeln wie Hagel fielen oder vorbei zischten. Der Kaiser kam auf seinem Schimmel ungesähr fünfzig Schritte links an uns vorbei gesprengt, und zwar in einem solchen gestreckten Galopp, wie ich noch nie ein Pferd lausen sah. Die Kanonenkugeln schlugen links und rechts, vor ihm und hinter ihm Ün den Boden, so daß ihm der Grund über dem Kopse zusammenschlug. Mit der Rechten hielt er den Zügel und mit der Linken den Hut auf dem Kopfe fest. Jeden .Augenblick glmibte man ihn getroffen, aber er galoppierte unversehrt hin durch. Ob zum Glück oder Unglück für Europa, dies Urteil über­lasse ich jedem feinem Belieben oder seiner Ansicht nach zu fällen. Jetzt kam Aöurat, der König von Neapel, unten heraus- gesprengt, und zwar in seinem Stutzgalopp, den Zügel in der Rechten, die Linke herabhängend und schüttelnd, dazu reinTral dal dera de dam deral" singend. Er sprengte vor unseren Bat­terien die Front entlang, und nun gings auch von unserer Seite los. Wir standen im Karree in einem entsetzlichen Kugelregen, imb in Zeit von 15 Minuten hatte das Bataillon an Toten und Verwundeten wenigstens hundert Mann. Eine Granate fiel mitten in das Karree und deckte einem Offizier den Schädel ab. In- zwisehen kam eine Kanonenkugel der Länge der Kompagnie nach zu uns und schlug Gewehre und Beine entzwei. Der Kommandant hielt mitten im Karree zu Pferde und rief jedesmal, wenn eine Kugel vorbeifuhr:Garde ä l'eau!", zu deutsch:Gib acht aufs .Wasser?" So rufen sie nämlich in Paris, wenn sie Wasser oben herausschütten.

Dann rückten wir hinab in ein Wiesenthal, unfern einem Dorfe, ich glaube, Wachau hieß es. Vor uns eine steile An­höhe, hinter uns ein Bach. Die Granaten kamen über die Anhöhe herüber, flogen aber über uns hinweg. Mein Voltigeur Heinen, bei Bonn zu Hause, ein überaus braver und reinlicher Bursche, hatte einen schönen Apfel. Er schnitt ihn durch, reichte mir die Hälfte mit den Worten:Hier, mein lieber Sergeantmajor, den wollen wir noch zusammen essen, wer weiß, ob wir diesen Abend noch da sind." Der Apfel war noch nicht gegessen, als eine Kanonenkugel das Tal abwärts d»r Front nach flog und fünf .Voltigeurs auf dem linken Flügel im dritten Gliede die Köpfe wegschlug, unter denen auch mein guter Heinen war. Weil ich nun hinter ihnen stand, war ich dergestalt mit Gehirn und Blut -bespritzt, daß ich fast nicht aus den Augen sehen konnte. Den ganzen Nachmittag ging es sehr hitzig her. Wenn man den Kanonen­donner, das Knattern der Tirailleurs, das Zerplatzen der Gra­naten, das Chargieren und Gemetzel der Kavallerie anhörte und ansah, sowie den Pulverdampf, so hätte man glauben sollen, es hätte an diesem Tage fein Mann übrigbleiben können. Es ist mir jetzt noch unbegreiflich, daß ein doch sonst so kluger Feldherr, mic cs der Kaiser war, uns so dem Hunger preisgeben konnte. Es wäre ganz gewiß ein anderes Leben in der Armee gewesen, wenn hinreichende Lebensmittel vorhanden gewesen wären. Und dock kann, wer es nicht gesel)en, sich keine Vorstellung davon machen, welcher Enthusiasmus sich unter den halbverhungerten und matten Soldaten kundgab, wo sich der Kaiser in Person zeigte. War alles entmutigt, und er kam geritten, so wirkte seine Gegenwart wie ein elektrischer Schlag. Alles schrie aus Herzensgründe:Vive l'Empereur!" und ging blind ins Feuer. So wurde es nun Abend. Wir sollten jetzt noch ein Dorf, das von den Oesterreicheru be­setzt )Pitr, mit Sturm nehmen Es gelang uns auch, nach vieler Anstrengung, aber unser Divisioiiögeneral Rochaml>eau wurde dabei tödlich verwundet. Die Oesterreicher standen in Massen hinter dem Dorf. Kartätschen und Flinteukugeln kamen wie Schloßen gefallen. Wir nahmen das Dorf und verloren es aber­mals. Bei unserem letzten Zurückziehen bekam ich eine matte Fl in len kugel in den Fuß. Wir Tratten jenen Abend ebensowenig, um unseren Hunger zu stillen, wie den ganzen Tag über Wie viel Mann wir cm diesem 16. Oktober in der Korn vag nie oder im Bataillon verloren haben, kann ich mich nicht mehr entsinnen

ES war der Beginn der großen Völkerschlacht bei Leipzig.

3n Leipzig während der Völkerschlacht-

Die Nacht des 17. Oktober senkt sich kalt, stürmisch und regnerisch herab, Rund nm Leipzig herum, in zwei gewaltigen Kreisen, die Wachtfeuer! Aus brennenden Dörfern steigt rote Lohe in den Nachthimmel empor. Durch die Tore ber Stadt ununterbrochen die Züge des Grausens, die Transporte der Ver­wundeten! Die Lazarette können sie nicht mehr fassen. Man legt sie auf die Straßen. Wimmernd und fluchend liegen sie da, ihre blutenden Wunden sind noch unverbunden, fein Stroh kann ihnen zum Lager, kein Bissen ihrem Hunger gereicht werden. Es fehlt den Bürgern selbst am nötigsten. In den Bäckereien darf nur für die Truppen gebacken werden. Der Bürger wird von Wachen mit aufgepslanztem Bajonett von den Bäckerläden zurückgetrieben, und als endlich einige geöffnet werden, entsteht um die wenigen Brote, die noch übriggeblieben sind, eine Schlacht. Eine bange Nacht! Noch grauenvoller geht der Bringen ans. Gegen 10 Ufa fällt zwischen Probstheida und Zuckclhausen der erste iKaiwnenschuß. Vormittags 11 Uhr aber erbebt die Erde und zittern die Häuser vor dem Donnern der Geschütze.

Von den höheren Häusern aus kann man die Schlacht ver­folgen. Mer cs wagen sich nur wenige auf die Dächer hinauf, da bereits von allen Seiten Granaten und Kanonenkugeln ein schlagen und da und dort bereits zünden. In den Straßen

Züge an Züge, die Napoleon dem Feinde entgegenwirft, Kuriere und Adjutanten mit eiligen Botschaften. Gegen Abend wälzt sich derselbe Trupp wieder zurück. Durch die Grimrnaische Vorstadt und die Promenade zieht sich eine ununterbrochene Reihe von Bagage und Munitionswagen, zwisckum denen sich kleine Ab­teilungen von Kavallerie und Infanterie flauen. In der engen Ranstädter Vorstadt ist das Gedränge unbeschreiblich groß. Erst gegen 9 Uhr schweigen die Geschütze. Kurz daraus erscheint Na­poleon mit seinem etab in der Stadt und übernachtet im Hotel de Prüfst. Ununterbrochen bis zum anderen Morgen dauert der Rückzug der Franzosen. Mit Kanonendonner beginnt der 19. Ok­tober, der Dienstag. In kleinen Trupps kämpsen die französischen Reserven unter Macdonald und Ponjatowsky gegen die andringen­den Sieger. Gegen 9 Uhr morgens löst sich alle Ordnung auf. 3n der größten Eile sucht jeder dem Verderben zu entfliehen. Lauter und immer lauter kracht der Geschützdonner der Ver­bündeten. Die Fahrwege sind zu enge. Planken und Barrieren werden niedergerisscn, Reiter setzen über das Fußvolk hinweg, Kanonen sprengen ohne Rücksicht über die Verwundeten und -toten. Alles, was französisch ist, wird in wildem Tumulte fort- Gerufen Auch die Kranken und Verwundeten, die zum Teil schon seit Tagen ohne Pflege auf den Gassen liegen, müssen fort. Mit Gewalt werden viele aus den Lazaretten in das Gedränge der Fliehenden hinausgestoßen. Ein Anblick des Entsetzens! Die Zögernden und Wankenden werden mit Kolbenschlägen vorwäns getrieben. Grautoff erzählt in seinen Erinnerungen, daß vor seinem Hause zwei dieser Armen niedergestürzt seien. Aber gleichgültig schritten über sie Pferde und Menschen hinweg.Schon am anderen Tage waren sie so zertreten und zerfahren, daß man kaum noch eine Spur von ihnen sah, und ihr zermalmtes Gebein unter dem hoch ausgehäuften Gassenkot tief begraben blieb." Als letzter der Verwundeten verläßt General Latour-Maubourg durch das Ran­städter Tor die Stadt. Von Minute zu Minute wächst der Schrecken und die Gefahr. Gegen 11 Uhr erscheint Napoleon in Begleitung Murats. Er hält auf dem Markte und geht zum König von Sachsen. Die Unterhaltung ist nur kurz. Bald sitzt er wieder zu Pferde und verabschiedet sich mit einem lauten und ruhigen Adieu, Messieurs!" von dem Stabe der sächsischen Armee. Dann reitet er im Schritt die Haidestraße hinauf. Murat hält in der Linken außer dem Zügel seine offene Tabaksdose, aus der er im Reiten fast ununterbrochen schnupft. Das Getöse und der Schlachten­lärm innerhalb der Stadt ist so 'groß, daß man von der Erplo- sion ber 'Elsterbrücke kaum etwas merkt.Ich war in jenem Augenblicke," schreibt Grautoff,in einem Haufe kaum fünf Mi­nuten weit von jener gesprengten Brücke: dessen ungeachtet hörte ich nichts von der Erplosion. So groß war der Tumult unter den Fliehenden, so laut krachte des Feindes,und Freundes Geschütze."

Um 12 Uhr sind bereits mehrere preußische Jäger auch über die innere Stadtmauer gestiegen und versolaen die fliehenden Franzosen. Diese werden von Gasse zu Gasse bis ans Ranstädter Tor, zurückgedrängt, wo sie nicht weiter können, und sich ergeben müssen. Plötzlich ertönt durch die Straßen der Stadt das Horn der preußischen Jäger: es wird Sammlung geblasen. Welches Wunder bewirkt dieser wohlbekannte Ton! Aengstlich halten sich die Bürger während des Sturmes in .den Erdgeschossen ihrer Häuser versteckt, jetzt aber reißt sie mit einem Schlage Jubel und Freude an die Fenster, auf die Gassen. Man herzt und begrüßt die Jäger wie Freunde, man bringt ihnen das letzte, was man Sit eisen und zu trinken hat, hinaus. Ein allgemeiner Jubel ergreift die Bevötterung. Nach einer Stunde erscheinen auch die Monarchen von Rußland und von Preußen durch das Grimmaische Tor. Anspruchslos und freundlich, mit geringem Gefolge, reiten sie durch die Stadt. Die Freude steigert sich zur Begeisterung. Aus allen Fenstern flattern die Tücher, in den- Augen erglänzen Tränen. Etwas später erscheinen der Kaiser Franz und der Kron­prinz von Schweden, nicht weniger freudig begrüßt. Und nach ihnen reiten die Helden des Tages, Blücher und Bülow, Schwar­zenberg und Barclan de Tollh, und wie sie alle heißen, herein. Vor den Wohnunaen der Monarchen auf dem Marktplatz halten sie. Der letzte französische Kommandant der Stadt, General Bertrand erscheint mit entblößtem Haupte und übergibt, mitten unter den Generalen des verbündeten Heeres, dem russischen Kaiser seinen Degen. Aber der Kaiser reicht ibn zurück und klopft dem tapferen Mann freundlich auf die Schulter. In unbeschreiblichem Jubel jauchzt die Menge auf. K. F.

Dar Völkerschlachtdenkmal.

Ernst Moritz Arndt schrieb 1814 mit Bezug auf das einst der Leipziger Schlacht zu errichtende Wahrzeichen: Das Denkmal muß draußen stehen, wo soviel Blut floß; es muß so stehen, daß es ringsum von allen Straßen ge­sehen werden kann, auf welchen die verbündeten Heere zur blutigen Schlacht der Entscheidung Herzogen. Soll cs gesehen werden, so muß es groß und herrlich sein, wie ein Koloß, eine Ppramide, ein Tom in Köln." Und dieser Anregung ist der Schöpfer des Denkmals, Professor Bruno Schm i tz', gefolgt. Als eine kolossale Pyramide, aber nicht in jener leblosen Massigkeit der Pharaonenmälcr, sondern sinnvoll gegliedert und architektonisch reich belebt, erhebt es sich vor den Toren Leipzigs inmitten der Ebene, auf deren blutgetränkten Gefilden vor hundert Jahren die Entschei­dung fiel, am Ende der prächtigen, breitenStraße des 18. Oktober".

Tie terrassenförmig ansteigende Anlage umfaßt in einem mächtigen Vorhofe ein Riesenwasferbccken, in dessen 12 000 Quadratmeter großer Fläche das $au<;e dahinter ansteigende Monument sich spiegelt. Zu ihm empor führt eine breite Freitreppe, liebet ihr türmt sich in einer Höhe von 91 Metern der wuchtig anstrebende Granitbau. Seinen Fuß schmückt ein 60 Meter breites, 25 Meter hohes Relief: die sinnbildliche Darstellung des siegreichen Befreiungs­kampfes, gefrönt von dem in Riesenlettern eingehauenen Gott mit uns". Entworfen ist dieses Relief, dessen kriege­rische Darstellung die Riesengestalt St. Michael» beherrscht, von dem inzwischen verstorbenen Prof. Behrens. Das ge­samte übrige Bildwerk stammt von Prof. Metzner. Das stufenförmig aufgebaute, sich in seinem mittleren Teile nach oben verjüngende, quadratische Monument trägt eine runde Kuppel. Sie hat die Form einer .\ltone, ringsum bewacht von zwölf schwertbewehrten Wächtern, Kolossal­figuren, zu deren Häupten die 100 Quadratmeter große Plattform den Abschluß des Denkmals bildet.

In das Innere führen zunächst breite steinerne Trep­pen, dann nach obenhin schmälere Wendeltreppen, neben denen auch ein Fahrstuhl die oberen mit den unteren Teilen verbindet. Ter Jnnenraum entsprächt wieder der Anregung Ernst Moritz Arndts: man kann ihn als eine stracks emporgedehnte Tomkuppel bezeichnen. Ihr gibt Metz- ners von stärkstem Ausdruck beseelte Plastik den Charakter einer Ruhmeshalle, die der Trauer um bie Gefallenen und patriotischer Erhebung an ihrem Heldcntodc dient. Den Boden bildet eine runde, schwarze Steinplatte aus geschliffe­nem Granit: das Sinnbild des Massengrabes; acht Pfeiler, jeder die erschütternden Züge einer öVe Meter hohen Schick- salsmaske tragend, flankiert von je zwei auf ihre Schilde gestutzten trauernden Kriegern, umgrenzen diese Krypta, schwere Ketten schließen die Lücken, lieber diesem in düste-, rem -tämmer gehaltenen Grunde erheben sich auf einer breiten Galerie vier sitzende Riesenfiguren, jede 91, > Meter noch, emubitber der sieghaften Kräfte des deutschen Volks, tnms: Religiosität, Opferwilligkeit, Heldenmuk und Treue Hoch oben aber, in der 60 Meter hoben Kuppel, nerfimvi bildlichen viele Züge kreisender Reiter Deutschlands nimmer ruhende Wehrhaftigkeit und Wachsamkeit. Gelblich gebroche­

nes Licht füllt den zu feierlichem Schweigen zwingenden, mächtigen Raum.

Aber auch die Bautechnik hatte bei der Ausführung des Werkes gewaltige Aufgaben zu lösen. Das Baumaterial besteht aus Beton und Granitporphnr. 100 000 Mubikmeter Beton und Steinblöcke im Gesamlinhalt von 15 000 Kubik­metern, darunter einzelne Blöcke im Gewicht von 360 Zent­nern, sind in dem fertigen Werke enthalten. Am 18. Oktober 1898 erfolgte der erste Spatenstich, fo daß am diesjährigen Tage der Weihe genau 15 Jahre an dem Bau gearbeitet worden ist.

Napoleon; Zlucht.

Tie Völkerschlacht war geschlagen, das Heer Napoleons zer­trümmert, Europas Schicksal entschieden: Napoleon mußte aus Leipzig fliehen. Am 19. Oktober vormittags gegen 11 Uhr brach er mit seinem ganzen Hauptauartier auf und l?gab sich mnächfr nach Markranstädt, und mitten in der Nack t gina die Flucht von dort weiter. Napoleon war im Wagen (so erzählt Cbeleben) und immer von marschierenden Truppen umgeben: bie vielfachen Reihen gestatten nicht, schnell zu fahren Er mußte mehrere Male stillhaltcn. Tie Nacht war finster, das fliehende Heer nur in geringer Entfernung von Jnfanterieposten gedeckt, die Reiterei vorausgesendet.

Als er an ein hart vor Lützen befindliches Biwak französischer Truppen gelangte, welelzc rechts und links an der Straße standen, so ward, während Napoleon lange Zeit anbatten nruFte, um bie Züge bei Lüden Vorbeigehen zu lassen, in diesem Lager unaufhörlich Marsch geschlagen unb geblasen, Wachtfeuer wurden unterhalten, es ertönten halb auf diesem, bald auf jenem Flügel Trompeten und Trommeln, ohne daß man eine Hauvttzvwegung gewahr ward, nrahrscheinlich, um die jetnblidK Reiterei cifau- schrecken. Endlich, nach langem, sruchtlosem Harren, und nach­dem der König von Neapel selbst zu Pferde gestiegen war, um am Eingänge der Stadt, wo ein entsetz! lcfas Gedränge war, Ordnung zu schassen, konnte Napoleon weiter und durch Lützen fahren. Die blutigen Umgebungen von Starsiedel und Kaja sahen ihn mit einer zusammengeschmolzenen, abgchungerten und fast aufgelösten Truppe vorüber,uefan, deren Taten ihn wenigstens bis über die Weichsel sühren sollten.

Der Morgen graute: Napoleon stieg aus, beschaute mit dem kleinen Fernglas die benachbarten Erhöhungen und ging alsdann in einem schlichten grauen Uetvrrcrf, gesolgt von dem ganzen Generalstabe, stumm und nachdenkend aut der Straße fort. Wie ein Leichen?,ua bie Pferde am Zügel führend zog alles dahin. Bei tem Hohlweg von Rippach, wo Bessiöres am I. Ma» blieb, warb Halt gemacht. Napoleon verschaffte sich hier noch den Genuß, eine Kolonne von 4000 5000 österreichischen Kriegsgefangenen, den Ertrag der letzten 8 Tage, mit dem er seine Berichte aus zuschrnücken gedachte, vorüber;iehen ;n sehen. Ebenso führte bie alte Garde immer die in ber Schlackt von DreSben erbeuteten österreichischen Fahnen mit sich, welche bei der Rückkefa nach Frankreich glänzen mußten. Doch außer dieser K?üigemveibc ge­währte der Fackelzug wenig Erfreuliches für ihn. Die Ordnung war zwar bei Anbruch des Tages einigermaßen in bie Kolonne zurückgekehrt, aber bas bunte Gemisch ber zerstückelten Korps mußte für ihn höchst empsindlicl sein. In Weißenfels' ivurbe nach kurzer Rast die Saale überschritten, bei Freyburg die Un­strut. Napoleon brachte den Nachmittag am liier am Wachtfeuer zu und sah, wie seine ermatteten Soldaten regellos in größter Schnelligkeit vorübereilten. Napoleon war in diesen Tagen ganz herabgestimmt und saft sanftmütig, so daß er es gern zu hören schien, wenn jemand über bie letzten, für ihn so ungültflieben Begebenheiten unb deren Ursachen sprach Er ging langsam am Wachtfener umher, horchte auf die Kanonade, starrte die Borüberziehenden an und erregte durch seinen Gleichmut daS Interesse der Umgebung. Ein armseliges, nur ein Stübchen enthaltendes Lusthaus im Weinb,wge diente ihm unb Bert bi er zur Ruhestätte: alle übrigen biwakierten zwischen den Mein­pfählen. Es fehlte an Raum, an Futter, an allem: bie Nacht war kalt.

Weiter und weiter ging bie Flucht, auf ben (nifgeivcidjtcn, fast grunblofen Wegen, int (Gebiete der saale und Unstrut, im schweren Lehmboden Thüringens, bis sästießlich Eckartsberga erreicht lvar: abermals wurde kurze Zeit gerastet und am 23. Ok­tober war Napoleon, um Va3 Ufa in der Nacht vor den Toren Erfurts. Den 23. und 24. Oktober brachte er dort im Palais zu. Man sah ihn nur selten am Fenster: er ärgerte sich über den Zustand der vorbeimarschierenden Truppen, melcbe heißhungrig über bie wenigen Lebensrnittel herfielen, bie sie aus ben Magazinen empfingen. Es war ein Elenb, biese Zerrissenen unb Ausgehunger­ten an kommen zu sehen.

Napoleon erkannte nun beit Verlust, ben er beim Rückzug erleiden mußte, und entgegnete auf die Bemerkung, baß durch die gemachteu Verteilungen in Erfurt die Truppen ein wenig in Ord­nung kämen, voll Unmut: MaiS ce fallt des . il s'ew vowt au diable, je perds jusgu' au Rhin 80 000 Hommes, de ectta mnnfarc." (Aber das sind £)...., sie laufen zum Teufel, ich verliere auf diese Art bis an ben Rhein SC1000 Mann>.

Enblick, am 25. Oktober um 3 Ufa morgens brach er int Wagen nach Paris auf, von neuen Hoffnungen erfüllt: er glaubte, bis zum Mai ein neues Heer von 250 000 Mann am Rhein zu haben . . .

Gießen, 18. Oktober.

** Als Einleitung zur Jahrhundertfeiei? bot sich heute morgen den Spaziergängern auf den Straßen Gießens ein ungewöhnliches Schauspiel dar. Eine Fahnen- kompagnie des Infanterie-Regiments, die aus sämtlichen Kompagnien zusammengestellt worden war, in Parade­uniform unter Führung des Herrn Hauptmann Wehr- beim zum Kirchgang aus. Sie faheu schmuck aus, die jungen Krieger, die zu Gott danken wollten für bie Großtaten der deutschen Streiter, die Deutschland vor hundert Jahren von der Fremdherrschaft befreiten Die neuen Fahnen waren mit Lorbeerkränzen festlich geschmückt. Der Zug war nur klein, aber er hinterließ einen nach­haltigen tiefen Eindruck aus alle, denen ein deutsches Herz in der Brust schlägt. Im Anschluß darau fand Regi­mentsappell auf dem Hofe der Zcughausl'aserne statt.

** D c r E i l b o t e n l a u f b u r ck ben Gau Hessen nahm folgenben Verlauf. Uebernabmc in Obern>orf 9.32 Uhr (8 Mi- unten Verspätung 9,24), in Wetzlar 9,50, in Gießen 10,33, in Grünberg 11,31, in Ruppertenroth 12,00, in Alsselb 1,00, in Lauterbach 1,50, in Landenhauscn 2,13 9 Minuten Verspätung'. In Lanbenhausen übernahm der 7. Kreis den Lauf bis Fulda, wo der Anschluß an den Hauptlauf Don Gcavelotte erfolgte. Der Lauf durch den Gfau Hessen wurde ohne jeden Unfall unb mit der größten Pünktlichkeit erledigt trotz den großen Steigungen und des Gefälles., Der von Gauturnwart Will vorher anS- gearbeitetc Plan würbe bis auf bie Minute eingehakten. Dabei waren recht schöne Leistungen zu veneichnen Ern Turner von Burgsolms lief 29 Kl. Geschwinbigkeit bei 200 Meter. Dieses war lüobl die beste Leistung. Ein Turner vom M T.-B. Gießen brachte es sogar auf 34 Mim., aber nur bei 100 Meiern unb bergab. Ein Schüler von Alsfeld erreichte 28 Klm. bei 200 Metern. Die Durchschnittsleistungen lagen zwischen 20 unb 22 Kilcmotcrn.

Die Feiern in Hessen.

Ruttershausen, 17. Okt. Wie vor 50 Jahren, so wird auch in diesem Jahre der Jahrhundertfeier am 18. Oktober abends ein Freudenseuer auf dein Altenberge, von dem be­kanntlich eine weite Aussicht ist, zum Himmel lencklen. Tic Krieger­vereine von Odenhausen, Salzböben nnb Ruttershausen haben dankenswerterweise den schönen Gedanken zur Ausführung ge­bracht. Tie Schulen und manche Freiwillige werden sich an>chlief?en.

Nidda, 17. Okt. Tie Jahrhundertfeier hat heule mit einer Schulfeier der hofaren Bürgerfckmlc begonnen. Nach vaterländi­schen Gesängen und Deklamationen hielt Lehrer Brill einen Bor-