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trag über die Schlacht bei Leipzig, in dem er eingehend den ganzen Gang der Schlacht schilderte.
r. Ävmberg, 18. Okt. Die Hundertjahrfeier wird auch in amferem Städtchen nicht unberücksichtigt vorübergehen. Mittags Ü^kt von 12 bis 121 Uhr Glockengeläute statt. Nachmittags werden, sämtliche Schulen sich zu einer allgemeinen Feier an der Frreüenseiche versammlen, wo Lehrer Mayer die Ansprache halten wird. Abends 7 Uhr stellen sich sämtlickx Vereine zu einem Fackelzuge am Rathaus auf, von wo aus sich der Zug durch die Oberstraße nach dem hohen Berg bewegt. Hier wird ein Freubenfeuer abgebrannt. Pfarrer Praetorius hält die Festrede. Dann geht der Zug zurück nach der Stadt durch die Unterftraße nach dem Frankfurter Hof, wo ein allgemeiner Bier- TommerS stattfindet.
Bildet, 16. Okt. In der Sitzung des Gemeinderats ^var u. a. der Antrag auf Gewährung von 80 Mk. zu der Hunde r t i a h r f ei e r auf der Tagesordnung. Sämtliche Vertreter der sozialdemokratischen Partei stimmten dagegen. Die Vertreter der bürgerlichen Partei, die in gleicher Anzahl wie die sozialdemokra- ckltche Partei im Gemeinderat vertreten ist, stimmten dafür. Großh. Bürgermeister Mühlschwein gab den Ausschlag und so wurde der Antrag angenommen. — Am Samstag findet im Saale „Zum Pfau" eine Versammlung statt, in welcher Herr Rom. Gö Her «us Frankfurt a. M._ über das Thema: „Wahrheit über 1813" referiert. — Das Grosch. Ministerium der Justiz in Darmstadt bat verfügt, daß am 18. l. M. die Amts- und Landgerichte geschlossen sind.
m. Offenbach, 18. Okt. Zu einer mächtigen, unverlösch- lichen Kundgebung gestaltete sich die gestern abend in unserer Stadt abgehaltene Vorfeier zu der Jahrhundertfeier. Choräle, die von den Türmen der Stadt herabgeschmettert wurden, leiteten ®fl« M ein. Gegen y29 Uhr setzte sich der Fackelzug, der sich in der Kaiserstraße ausgestellt hatte und an dem sich neben zahl- 1x10)611 Bürgern 105 Vereine beteiligten, unter dem Glockengeläut und lebhaften Böllerschüssen in Bewegung. Unter den Klängen non 8 Musikkorps gings hinaus nach dem Biebererberg, wo sich unter dem mächtigen Scheine des Freudenseuers der Festakt abspielte. Ein überwältigender Eindruck bot sich dem Beschauer, der sich noch erhöhte, als der geräumige Platz von den 5000 Fackelträgern aus der mitsolgenden Menge gefüllt war. Weihevoll erklangen unter dem leuchtenden Flammenmeer die von der Regimentskapelle gespielten Weisen „Nun danket alle Gott", wonach Eisenbahnvorsteher Grimm in begeisterter Ansprache das Hoch auf den Kaiser und Großherzog ausbrachte. Nach dem gemeinschaftlich gelungenen Liede ^Deutschland, Deutschland über olles", und nachdem die letzten Akkorde des Liedes „Großer Gott wir loben dich" verklungen waren, hielt Pfarrer H o f m e y e r die ergreifende Festansprache, in der er in treffenden Worten der großen Zeit gedachte und ein getreues Bild von der Erhebung des deutschen Volkes erstehen ließ. Sein Hoch galt dem deutschen Vaterland.
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Die Feiern im Reich.
Leipzig, 17. Okt. Erzherzog Franz Ferdinand bon Oesterreich traf heute abend nach 8 Uhr hier ein. Zum Empfang waren erschienen der König von Sachsen in öfter- reich. Dragoneruniform, Prinz Johanit Georg in österreich. Infanterieuniform, der Kronprinz und Prinz Friedr. Christian. Der König begrüßte den Erzherzog, der sächsische Gardereiteruniform trug, herzlichst. Die Fürstlichkeiten schritten unter den Klängen der österreichischen Hymne die Front der Ehrenkompagnie ab und nahmen den Vorbeimarsch entgegen, hierauf fuhren der König und der Erzherzog, von Ulanen eskortiert, nach dem königlichen Palais, wo der Erzherzog Wohnung nahm.
Leipzig, 17. Okt. Heute vormittag um 10 Uhr begann die Einweihung der Russischen Kirche, wozu außer den in Leipzig anwesenden Russen eine größere Anzahl gelade- mer Gäste erschienen war.
Leipzig, 17. Okt. Heute vormittag überreichten Ober-, 'bürgermeister Dittrich und Stadtverordnetenvorsteher Rothe -in den Geschäftsräumen des deutschen PatriotenbunHes Kam- merrat Thieme, dem Bundesvorsitzenden, feierlich den Ehren- Dürgerbricf der Stadt Leipzig.
Breslau, 17. Okt. Heute vormittag wurde in der -Vortragshalle der Jahrhundert-Ausstellung die Wander- Ausstellung des Vaterländischen Frauenvereins, die in acht 'Gruppen einen Ueberblick über das Wirken, die Bedeutung und die Aufgaben der vaterländischen Frauenvereine in Krieg und Frieden gibt, durch die Erbprinzessin von Meiningen eröffnet.
Der Eilbotenlauf.
Stuttgart, 16. Okt. Die Urkunde der deutschen Tur- nerjchaft für den heute nachmittag beginnenden Eilbotenlauf zum Völkerschlacht-Denkmal in Leipzig hat folgenden Wortlaut: „Zum 16. bis 18. Oktober 1913, als Wilhelm II. Deutscher Kaiser und Friedrich August III. König von Sachsen war, sind 35 000 Turner über 7000 Klm. in neun Haupt- und 23 Nebenläufen aus allen Gauen des deutschen Vaterlandes Leipzig zugecilt, um in Weitergabe von Hand durch die verschiedenen Läufer dem Vorsitzenden des deutschen Patriotenbundes Clemens Thiem eine Urkunde überbringen zu lassen, die die freudige Anteilnahme an der Vollendung des Völkerschlacht-Denkmals bezeugen soll." Die Urkunde ist unterschrieben von Andreas Bolze, Frankfurt a. M und Dr med. Ferdinand Götz, Geheimen Sanitäts-Rat, Leipzig- Lindenau Auf die Urkunde für den Eilbotenlauf, der von Friedrichshafen ausgeht, setzte Graf Zeppelin die Widmung: Auf dem Gelände des Luftschiffbaues Friedrichshafen dem -erfteu Läufer übergeben. Friedrichshafen, am 16. Oktober 1913 3 Uhr 30 nachmittags. Graf Zeppelin." Die Urkunde hat eine Eichenlaubumrahmung und trägt oben einen schwarzen Reichsadler in goldenem Felde unb' unten die Ansicht des Völkerschlacht-Denkmals.
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Petersburg, 17. Okt. Anläßlich der Hundertjahrfeier der Völkerschlacht bei Leipzig fanden heute bei den Regimentern welche an der Schlacht teilnahmen, feierliche (5ee^en^ messen für die gefallenen Offiziere und Soldaten stall.
Der Kiewer Ritualmordprozeh.
Kiew 17 Ott. Bei Eröffnung der Sitzung erklärte der Präsident - 'Ungeachtet des Umstandes, daß der Gerichtshof der Presse in jeder Beziehung entgegenkommt und bereit i)t bie ^teno* Gramme durchznseh n, berichtet eine Minner Zeitung Unzutremn- über die Vorgänge in. Gerichtssaal unb entstellt sogar die Bestimmungen des Gerichtshofes. Der Prandent ertlart daraus «uftnerlsam machen zu müßen, bau, bei fortgesetztem Erscheinen solcher Bericht - er zu seinem größten Bedauern genottgt sein werde Las Sk ravhieren zu unterlagen. Auf Antrgg des VertEg^s Gruftnberg wurde die Erklärung des PrafibeNten in 1>Ol(C^m^1r!fer1'n ^Berlmde der Verhöre macht der Verteidiger tyruf nT ra darauf aufmerksam, der. Zeuge Wassilij Tsckeber- nnP TtX hnr hem Untersuchungsrichter nichts von einer Vergiftung SÄnberXrd! «en gesagt, vielmehr erklärt, die ^nder Lütten sich an unreifen Birnen bem Magen verdorben, Der Gnst- euitf ch sagt ans, baß Engen Tsck-eberiak, nachdem Khm Ä ein VerlangeOi vor dem Tobe das Abendmahl reichte und ftch ent erneu wollte, ihn zweimal angerufen^habe Aus bte ^aae was er wolle, habe er nichts erwiderst. Darauf habe er versucht ^ben Knaben durch freundliche Worte zum Spreckien zu belegen vergeblich. Da hinter ihm die Mutter des Knaben ge- Nanden habe, sei es leicht möglich, baß sie ihrem Sohne Zeichen Machte Der Zeuge kennt Wassili) Tschebenak und halt ihn für
einen braven Mann unb emsigen Arbeiter. Die Mutter war durch die Krankheit ihres Sohnes betrübt und weinte oft.
Der Zeuge Galkin sagt: Juschtschinski wurde in der Vorstadt mit Arendars bekannt. Juschtschinskis Wohnung sei von einem 3nbeU- ausspivniert worden, der nach der Beschreibung Tscheber- jaks Schneerson gliche. Er, der Zeuge, l-abe Schneerson niemals gesehen. Nach den von Zeugen angegebenen Merkmalen ist Schneer- son brünett oder dunkelblond.
Aus Antrag des Verteidigers Grusenberg wurde eine Zeugenaussage verlesen, in der es heißt, Juschtschinskis Wohnung sei von einem rothaarigen Juden ansspioniert worden. In einer weiteren Aussage bemerkt der Zeuge Calkin, eine gewisse Kon Jena habe ihm erklärt, sie habe am 25. März Juschtschinski in Begleitung eines Mannes mit rotverbrämter Mütze, dem Aussehen nach ein Jude, gehen sehen. Der Zeuge Müller, der in der Fabrik Saizew angestellt war, sagte aus, daß Saizews Schwager Oettinger sowohl Ostern 1910 wie Ostern 1911 aus dem Auslande eingetroffen sei. Wie dies mit der Eintragung im Hausbuche, wonach, wie das Gericht feststellte, Oettinger am 3 Februar 1911 eingetroffen unb am 6. Februar 1911 abgereift ist, zu vereinbaren ist, kann sich der Zeuge nicht erklären.
Der elfjährige Z a r u z k i sagte aus, daß er mit den Kindern in dem Fabrikhof gespielt habe, solange kein Zaun da war. Dabei sei es vorgekommen, daß ein älterer Hausknecht sie vertrieb.. Befragt, ob Wera Tscheberjak ihn gelehrt habe, wie er aussagen solle, erwLverte Zaruzki, Wera habe ihn in Gegenwart mehrerer Zeugen geheißen, vor Gericht auszusagen, daß er mit Juschtschinski und anderen Knaben gespielt habe und daß B e i l i s die Kinder gepackt und Juschtschinski fortgeschleppt habe, während sich die anderen losrissen. Den Zeugen gegenübergestellt, behauptet Wera, Zaruzki nicht beeinflußt zu haben. Ziaruzki bestand auf seiner Behauptung. Wera blieb dabei, sie zu bestreiten. Der Staats- a n w a l t bat zu Protokoll zu nehmen, daß laut Zaruzkis Aussage das Gespräch mit Wera in Gegenwart anderer stattgefunden habe.
Die Mutter Juschtschinskis sagte aus, sie habe oftmals mit ihrem Enkel Schneersons Laden besucht. Bei der Konfrontation bemerkte Schneerfon, er habe Juschtschinski nicht gekannt. Die Zeugin habe seinen Laden vor vier Jahren besucht, nachher aber nicht mehr. Auf Zemislewskis Frage, ob Schneerson sich für den Leichenfund in der nahebei gelegenen Höhle sowie für den nuf die Juden fallenden Verdacht interessiert habe, verneinte Schneerson es. Der Verteidiger Zarudny gibt die Erklärung ab, der Sinn des Verhörs Schneersons sei klar. Er protestierte gegen die Bemühungen des Gerichts, die Mitschuld an dem Mord bei Personen, die nicht vom Gericht verfolgt seien und sich nicht der vom Gesetz vorgesehenen Mittel zu ihrer Rechtfertigung bedienen könnten, festzustellen, da dies zu einem Juftizsehler führen könnte. Der Vorsitzende erklärte jedoch, die Zeugen könnten ja Fragen, in denen ihnen gegenüber ein Verdacht ausgesprochen wird, unbeantwortet lassen.
Ans Sta-t nn- Land.
Gießen, 18. Oktober 1913.
** Ta g e s k a l e n de*r. Samstag, den 18. Oft. : Jahrhundertfeier: Fackelzug um 8 Uhr. Freudenieuer, Gedenkfeier auf dem Trieb, Konzert in der Liebigshöhe.
Sonntag, den 19. Oktober: Jahrhundertfeier: Jugend- fest, Wetturneu auf dem Trieb mittags 121/., Uhr bis nachmittags 51/., Uhr. Kommers in der Turnhalle des Turnvereins abends 73/"t Uhr.
S t a d t t h e a t e r: Abends ’/,8 Uhr: „Die Hermannsschlacht." Wiederholung des Prologs.
VorsteNungen des Zauberkünstlers B e l l a ch i n i im Kolosseum nachmittags VA Uhr und abends 8J4 Uhr.
Lichtspielhaus: Tätlich Vorstellung.
Union-Theater: Täglich Vorstellung. (Dienstagsund Samstags neues Programm.)
DbcrbeffifcbeS Museum und Gail'fche Samm- lunaen. Geöffnet Sonntag vormittags 11—1 Uhr unentgeltlich
Museum für Völkerkunde. Geöffnet an Sonntagen vormittags von 11—1 Uhr unentgeltlich.
Oberheffifcher Kunstverein. Die Ansstellnng ist täglich mit fllusnahme Samstags von 11—1 Uhr und von 3—5 Uhr geöffnet. Sonntags nnnnterbrochen von 11—3 Uhr.
Die Anlageinusik findet Sonntag vormittag 11 Uhr (nur bei gutem Wetter) statt. Spielplan: 1. Armeemarsch Nr. 7, I. Batl. Garde 1806. 2. Fest-Reveille über den Choral „Nnn danket alle Gott" von I. Golde. 3. Jubel-Ouverture von C. Al. v. Weber. 4. »Prinz Angust", Armeemarfch Nr. 10.
** Zum Fackelzuq heute abend find- bis jetzt etwa 700 Teilnehmer angemeldet. Der Zug wird infolge eines polizeilichen Wunsches folgende Straßen passieren: Os- waldsgarten, Neustadt, Bahnhofstraße, West-, Süd-, Ost- Anlage, Moltkestraße, Kaiser-Allee, Trieb.
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** D i e Verlegung der städtischen Aemter. Die Entscheidung ist gefallen, die städtischen Aemter kommen in die alte Klinik, so hat es die Stadtverordnetenversammlung in namentlicher Abstimmung beschlossen, aber es kann nicht zweifelhaft fein, daß sie damit etwas getan hat, was in weiten Kreisen der Stadt Mißbehagen und Verstimmung erregt. Man wird den Eindruck nicht so leicht los werden, daß die Bürgermeisterei einen Ueberrumpelungsantrag gestellt hat, um ihren Willen durchzusetzeu. Wohl aus dem Gefühl heraus, daß sie mit einer vollzähligen Stadtverordnetenversammlung nicht so leicht fertig geworden wäre, wie mit den vorgestern anwesenden 18 Herren. HerrLöber hat zweifellos im Sinne der größten Mehrzahl seiner Mitbürger gesprochen, und wenn er nicht wieder mit der leicht zu widerlegenden Behauptung gekommen wäre, daß durch die Verlegung der Bürgermeisterei das Walltor an den Ruin gebracht würde, wenn er überhaupt den Bogen nicht überspannt hätte, dann wäre er wohl leichter mit seiner Meinung durchgedrungen. Wie unsicher man im allgemeinen war, geht schon daraus hervor, daß von 18 Stadtverordneten 6 sich der Stimme enthielten und 5 gegen den Antrag waren. Der 7., der sich der Stimme enthielt, war ein Mitglied der Bürgermeisterei. Sehr richtig betonte Herr Huhn, daß die Zimmer in der alten Klinik viel zu tief seien, und deshalb nicht genug Licht hätten, um als Bureauräume verwendet zu werden. Der Oberbürgermeister ging zwar mit einem Lächeln darüber hinweg, aber was er dachte, verschwieg er klug. Auch die finanziellen Bedenken konnte er nicht eigentlich entkräften, so sehr er sich darum bemühte. — Es wird mancher) braune Schein mehr darauf gehen, als man bisher angenommen und angegeben hat. Daß inan ein nicht rentierendes Gelände verwerten will, ist selbstverständlich; es kann nicht einfach brach liegen. Aber wenn die Gründe zur Uebersiede- .lung wirklich so zwingend waren, dann hätte die Bürgermeisterei mit .Hilfe der Presse die Einwohnerschaft aufklüren können, ja aufklären müssen. Dann hätte man sich der besseren Einsicht wohl nicht verschlossen, und die Ueberrumpe- lung wäre nicht notwendig gewesen. Sie gelang durch die Beschwörung der kommenden Stadtverordnetenwahlen; man wolle einen unwürdigen Agitationsstoff entfernen, hinter dem die größeren Fragen verschwänden. Das war nur ein Schreckschuß, man fürchtete sich vor der künftig drohenden Opposition, aber es kann nicht zweifelhaft fein, daß die Bürgerschaft nun erst recht nach Männern Umschau hält, die sich nicht überrumpeln lassen, und durch ihre Regierung g c- g en den Willen der Mehrzahl der Bürger hat es die Stadtverwaltung fertig gebracht, daß die Verwendung der alten
Klinik im kommenden Wahlkampf erst recht eine Rolle spielen wird, eine recht erheblick)e sogar. Derartige Fechterknnststücko verblüffen wohl einmal, aber wenn man den Trick kennte bieten sie kein Interesse mehr. Und darin, daß in der Einladung zur Stadtverordnetenversammlung von Beschas- sung von Amtsräumen für die Stadtverwaltung die Rede war, anstatt von der Verwendung der alten Klinik können wir nur einen Trick erblicken. Ob es zudem >er Würde einer Stadtverwaltung entspricht, mit einer Versammlung von 22 Stadtverordneten, statt 36, die Bürgerschaft zu zwingen, darüber sind die Meinungen denn doch sehr geteilt.
'• Stadttheater. Nach bem schönen Erfolg der gestrigen Erstaufführung von Kleists „Herrnannschlacht^ sei auf die morgige Wiederholung des Werkes bei kleinen Preisen besonders hingewiesen. Auch der Prolog, den wegen Erkrankung von Frl. Sonntag-Blume in letzter Stunde ffrl. Ida Strack übernahm, wird am Sonntag nochmals wiederholt werden. — Am Sonntag nachmittag findet wegen den anderweitigen patriotischen Veranstaltungen keine Vorstellung statt.
"Silberne Hochzeit feiern am Sonntag Hilfs- schutzniann Hartmann und Frau.
Landkreis Gießen.
— Ebersta dt, 17. Okt. Unter bem Viehbestanb bcS Rechners Bö brich zu Eberstabt ist ein Kalb mit 5 Beinen zur Welt gekommen. Das fünfte Bein ist im Genick an- gewachsen, mit vollstänbiger Knie- unb Jußbilbung versehen, ist etwa 40 cm lang unb hängt um ben Hals herab. Das Kalb erfreut sich bester Gesunbheit.
Krcis Friedberg.
— Bad-Nauheim, 16. Oktober. Bis heute sind 3 4 3 8 6 Kurgäste angelommen. Bäder wurdcu bis heute 465 703 abgegeben.
(h) Vilbel, 17. Okt. Der neugewählte Bürgermeister Berg wurde gestern abend durch Kreisrat Freiherrn Schenk zu Schweiusberg in sein Amt eingefiihrt.
Starkenburg und Rhcinheffen.
rm. Darmstadt, 17. Okt. Prinz Heinrich von: Preitßen und dessen Sohu Prinz Sigismund sind gestern wieder von Jagdschloß Wolfs garten abgereist. Prinz Heinrich begab sich zunächst nach England.
rm. Darmstadt, 17. Okt. Der Kun st verein für das Großherzogtum Hessen wird am 8. November d. I. feine diesjährige Generalversammlung in seinem Ausstellungsgebäude in Darmstadt abhalten.
Hessen-Nassau.
[] Marburg, 17. Oft. Ein alter hessischer Volks- schullehrer, der 77 Jahre alte Kantor Friesleben in Winnen im Marburger Kreise, hat seit dem 1. d. M. sein Schulamt in jüngere Hände gegeben. Der Lehrerveteran, der am 3. Juli 1857 in den Dienst trat, hnt während dieser langen Zeit ununterbrochen in Winnen gewirkt. Bei seinem 50jährigen Jubiläum wurde ihm der Hausorden von Hohenzollern' und jetzt der Kronenorden 4. Klasse verliehen.
(h) Hanau, 17. Okt In der Distriktssparkasse zu Alzenau wurde bei einer unvermuteten Revision ein großer Fehlbetrag festgestellt. Der Rechner, Kaufmann Sang, wurde seines Amtes entsetzt. Der Fehlbetrag wurde durch Verwandte Langs gedeckt.
w. Wiesbaden, 17. Okt. Der Berliner Hosprediger Ohly wurde zum Generalsuperintendenten de§hiesigen Bezirks als Nachfolger des Wirkl. Geheimen Rats L. Maurer bestätigt.
Vermischtes.
* Ein heftiges, andauerndes Erdbeben suchte in Nicaragua die Städte Managua, M a s a y a und Granada heim. Die ausgeschreckte Bevölkerung verließ die Hauser unb schleckt im Freien. In Granada stürzte ein Haus ein.
kf. Bon der Weinnachlese in Frankreich. In gewissen Weingegenden Frankreichs hat sich von altersher der sonderbare Brauch der Weinnachlese bis auf heute erhalten. Wenn die Hauptweinernte eingebracht unb gekeltert ist, ziehen bie Armen in die Weinberge hinaus und suchen nach den zurückgebliebenen Früchten. Es ist nun Ueberlieierunq, daß der reichere Bauer bei der Weinernte sehr weitherzig verlahrt und immer Rücksicht aus bie Nachlese der Armen nimmt. Diese ist für bie arme Bevölkerung zu einer Art Bolksiest geworben. Sie suchen sich, so gut es geht, zu schmücken, sie fingen ihre alten Volkslieder, schießen Pistolen ab unb erhalten von den reicheren Bauern Wein, Brot unb Käse. Aber sie müssen von bet Behörde die Erlaubnis zu der Nachlese haben und dürfen auch nur in den Weinbergen der eigenen Gemeinde die Nachlese aussühren. Gelegentliche Uebergriffe haben schon zu sörmlichen Schlackten geführt. Tie Nachlese ist durch ein Gesetz, das gegen ihre Auswüchse gerichtet ist, geregelt. Es geht in seinen Anfängen bis aui das Jahr 1791 zurück.
kf. Ein Tabakverbot für Minderjährige in Japan. In Japan ist jüngst ein Gesetz angenommen worden, das allen Minderjährigen den Tabakgeniiß verbietet. Erst nach vollendetem 20. Lebensjahre dars der junge Javaner nunmehr Tabak rauchen. Das Gesetz sieht sehr strenge Besttasmuien im Uebertretungssalle vor; es dars sogar nickt einmal Tabak an Minderiährige vertäust werden, die im Auftrage ihrer Eltern den Kmckladen besuchen. Die Strafen bestehen in sehr empfindlichen Geldbußen, die zunächst den Eltern aickerlegt werden. Nützen sie llickts, so tritt im Wiederholungsfälle für ben Schuldigen Gefängnis- strafe ein. Was würde unsere Jugend zu einem solchen Verbote sagen?
* Trübe Ahnung. Der kleine Jacky erzählt in der Schule- baß sein Vater gestern ein ganzes Gebiß neuer Zähne erhalten habe. „Unb was wird denn nun mit den alten?" fragt ein Schulkamerad, worauf Jacky traurig dreinblickt und meint: „Ach wie ich Mutter kenne, werden die kleiner gemacht, und ich muß sie auftragen."
* Luxuskuren. „Von einem Bad ins andere haben mich die Aerzte geschickt. Aber vom Reisefieber bin ich nirgends kuriert worden."
Letzte Nachrichten.
Ein schwerer Fliege>runfakl.
Worms, 17. Okt. Die „Wormser Nachrichten" melden aus Kirchrode: Heute morgen i/28 Uhr stürzte das Flugzeug „G. 8613", von Darmstadt kommend, ab. Die^ Insassen, Oberleutnant Koch und sein Fluggast Maut he, sind tot.
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