Ausgabe 
15.3.1913 Erstes Blatt
 
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dort großkalibrigen Geschützen beschossen aber nicht getroffen. Tao Kriegsschiff bombardierte sie­ben griechische Fahrzeuge, die sich im Hafen be­fanden. Eines davon sank, die anderen wurden schwer getroffen und mußten auftaufen.

Der Kampf um Lkutari.

Cetinie, 14. M ir; Amtlich Die montenegrinische Ne­gierung erklärte gestern alxmd in Erwiderung des von c»en Ver- tretern brr Grosm id,4e unt'^rnommenen Schrittes, für bi? gesamte Zivilbevölkerung Skntaris die Erlaubnis zum Verlassen der Stadt zu ertönten, sie habe b ' Beginn der Belagerung der Stadt den fremocn Konsuln alte Erleichterungen ungebeten, damit sie Die Stadt mit ihren Staatsang-.l.arigen ver­lassen könnten, dort habe das Konsularkorps es nicht für zweck mastig ober notwendig erachtet, drvon Gebrauch zu macheit. Tie Negierung sei bereit, dasselbe auch irrt zu tun. jedoch sei sie zu ihrem lebhaiten Bedauern aus militärischen und politischen^ Grün­den nid.r in der Lage, der gesamten Zivilbevölkerung 5hitarid das Belassen der Si.rdt zu gestatten.

Aus dem bulgarischen Parlament.

Sofia, 15. Mir- Zn der 2 obranje^ erklärte heute Ministerpräsident Gefchow, er hoff'', das der Triebe bald zu­stande kommen werde, jedoch roerbc Bulgarien nur ^eden schliessen, wenn die Bedingungen den Cofern entivr ichen. Tie Bez i e h ungenzuden Verbündeten hätten sich in letzter Zett durch ^Zwischenfälle, die unlergeordnete Organe hervorgermen halten, etwas verdun fett, aber die Negierung n seien über alle fragen einig. Das Bündnis, dessen Text geheim bleiben müsse, sei sehr test.

Aus Stadt tuifc (and.

Gießen, 15. März 1913.

LandeSbnß- und Bettag

In dem Jahre, dck wir die Zentenarfeier der Befrei­ungskriege begehen, ist die Lage des deutschen Volkes recht ernst. Tte Teuerung und der Umstand, daß das Vorwärts- kommen in allen Berufsständen erschwert ist, iüirfcn lähmend auch auf die Energie und Arbeitsfreudigkeil. Wie eine schwarze Wolkenwand am Fimmel, so stehl am Horizonte unseres Volkslebens die bedrohliche Erscheinung, die wir Geburtenrückgang nennen. Und wenn unsere Militär­verwaltung jetzt eine Heeresvermehrung fordert, wie sie in gleicher Ausdehnung in der Geschichte des neuen deut­schen Kaiserreiches noch nicht vorgekommen ist, so wissen wir, daß die Gestaltung der europäischen Politik das ver­langt Eins ist klar: Wir leben in einer schweren Zett und gehen einer noch schwereren Zeit entgegen. An unseren Landesgrenzen flirrt es von Waffen. Wohl beten wir mit den Frommen vergangener Tafle: Vor Krieg und Blutvergießen behüt' uns, lieber feerrc Gott, aber wir machen es mit dem Kriege nicht, wie es furchtsame Menschen mit dem Tode machen:' es darf in ihrer Gegenwart nicht davon gesprochen werden.

Zst unser Volk lriegsbereit? Zur Kriegsbereitschaft gehört nicht nur die militärische und, wie der vor kurzem dahingeschiedene Professor Biermer in seiner letzten Schrift betont hat, die finanzielle >rriegsbereilschast, sondern auch die moralische Rüstung Ist unser Volk moralisch kriegs­bereit? Sicherlich verfügt es über eine hochgesteigerte Kultur. Aber die Miltnr allein tut es nicht, sie braucht als Gegengewicht und Ergänzung die Gottesfurcht. Nicht die deutsche Kultur ist es gewesen, die im Jahre 1813 das Joch der Fremdherrschaft abgeschüttelt hat. Weder die ästhetischen Salons in Berlin noch die Eigenart der roman­tischen Kreise haben damals der Nation zur höchsten Äraft- entfaltung verhalfen, selbst Goethe stand abseits von dem großen Völferringen. Daß das deutsche Land frei vom Feinde wurde, verdauten wir dem aus Gottesfurcht und Gottvertrauen herausgeborenen Mute, der zuerst in Stein, Schleiermacher, Arndt und in dem jugendlichen Körner gelebt und sich dann dem geringsten märkischen Landwehr­mann mitgeteilt hat.

Die Zahl der tiefgründigen und großen Geister ist in unserer Zeit gering, aber allenthalben sind die Welt­verbesserer und Reformer an der Arbeit. Das beweisen einige Schlagworte: Kunsterziehung, alkoholfreie Kultur, Wohnungsresorm, Jugendpflege, Frauenstimmrecht. In diesen Bestrebungen mag viel Berechtigtes und Tüchtiges stecken, eins aber lassen sie im letzten Grunde vermissen, nämlich die Liebe zum Nächsten. Sie kennen keine Scho­nung der berechtigten Interessen des anderen, sie engen tri£ persönliche Fr. iheit immer mehr ein, es trifft deshalb auf sie das Wort des Apostels Paulus zu: Und hätte ich der Liebe nicht, so wäre ich nichts Niemals Hecken die Regierenden so viele freiwillige Mitarbeiter gehabt wie in unseren Tagen, unzählig sind die Petitionen, die an die Parlamente gerichtet nrerben und angeben, wie man die Volksgenossen mit Gesetzen und Verordnungen bedenken soll. Mer niemand will sich selbst reformieren, niemand will ein persönliches Opfer bringen. Wie war das Stunn- und Siegesjahr 1813 so reich an Opfern,heilig großen", nric Uhlcind gesagt hat Mit allen diesen Zeiterscheinungen hängt es zusammen, daß es unserem Volte in der Gegen­wart an Innerlichkeit fehlt. Es fragt sich sehr, ob heute noch das Dichterwort in Weitung ist: Ein Wunderborn das ltschc Herz, gar schwer ifts zu ergründen. Pflege einer verfeinerten Kultur, Verbreitung von Bildung, Lebens­reform, das sind Aufgaben vorzugsweise für glückliche Tage, aber in harten Zeiten überwindet nur das Volk, das da­neben auch reich ist an Gottesfurcht, Liebe und Opfermut Wenn nur diese Gedanken uns morgen durch die Seele gehen lassen und, was das Wichtigste ist, die Nutzanwen­dung auf uns selber machen, dann begehen wir den Landes büß- und Bettag in rechter Weise. H. B.

** Tageskalender Stobtth enter. Sonntag nach- mitten 81/. Uhr: , ?l n S eiserner Zeit': abends 7'/, Uhr:

intet Bl miet i:*.

Kau im B et ei ii. Vortran von Herrn Ctto Seipp- Darinftadl: lieber unsere Geldversassung. Abends 9 Uhr im Vereiushans.

R i n c in n t o a r o v h : Tänlich Vorstellung.

Bionra v b-L i ch t s v i e l e : Täglich Vornellung.

B a k o i - K .1 m ui e t - L i ch t s v i e l c: Täglich Vorstellung. Lichtspielhaus: Täglich Vorslellnna.

M n s c u m deö o b e r h e s s i s ch e n G e s ch i ch I s v e r e i n S. Geöffnet Sonntag Vormittage 111 Uhr unentgeltlich.

Ober hessischer K n n st v e r c i n. Gemäldeausstellung im Turmhaus am Brand. Geöffnet täglich (mit Ausnahme von Sanistagl von 111 Uhr, Sonntags von 118 Uhr, Mittwoch lachmittag von 3-6 Uhr.

Ordensangelegenheiten. Der König von Preußen hat dem Hauptmann von Zangen beim Stabe des 2. unterelsässtschen Feldarllllerie-Regiments Nr. 67 die grone zum Ritterkreuz 1. Klasse des hessischen Verdienstordens Philipps deS Großmütigen verliehen.

" LehramtSperfonalien. lieb ertragen wurde dem Echulamtsaspiranken Fcrd Jungk Iürseld e LehrersteNc an der Gemeindeschule zu Freibad

Ruhestandsversetzung. Ter Großhcrzog hat den Oberlehrer an dem Gymnasitim Fridericianum zu Lau­bach Professor Dr. Karl Wetzell auf sein Nachsuchen, unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste, in den Nicke- stand versetzt uYib demselben die Krone zum Ritterkreuz 1. Klaffe deS Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen.

Versetzt wurde der Steueranfseher Ludw. Blum zu Nidda an das Hauptsteueramt Worms.

Stadttheater. Wie schon erwähnt, wird der Autor desAndreas Hofer". Di Walter Lun ans Stuttgart, der Erstaufführung seines Werkes hier am^Montag bestimmt bei­wohnen. Tas Schauspiel hat außer in Stuttgart jetzt auch am Hoftheater in Meiningen sehr starke Wirkung erzielt und lieht in Altona und Essen in Vorbereitung Auch (Geheimrat Maner steig hat das Werk, wie der Verlag derLese" mitteilt, ^Tür Leipzig zur Erinnerungsfeier der Völkerschlacht erworben. Die hieiige Aufführung ist unter bet Regie von Direktor Steingoetter aufs sorgfältigste vorbereitet.

** Tie Ausstellung des Oberdeutschen Kun st Vereins, die seit acht Tagen neu ist und Werke von Daniel Greiner-Jugenheim und Karl Fries- Gießen aufweist, hat sich eines guten Besuches zu erfreuen. Berkaust wurden drei farbige ZeichnungenTorflinde", Torfstraße" und Weidenbäume von K Fries, sowie eine Bronze PlaketteKultur" von D. Greiner, die in hiesigen Privatbesitz übergehen.

** Tas Landgraf-Ludwigs-Gymnasium nebst Vorschule zu Gießen hatte im Schuljahr 1912 13 einen Bestand von 350 Schülern aufzuweisen, darunter 100 Borschüler und neun Schülerinnen. Von 'oen Schülern waren 302 evangelisch, 32 römisch-katholisch, 22 israelitisch und drei sonstiger Konsession: 299 Schüler waren aus Gießen, 46 aus anderen hessischen Orten, 13 aus nichthessiichen deutschen Orten und einer aus dem Auslanc». Tie Reifcprüsung haben bestanden am 2. August 1912 Erwin Schliepbake und Wilhelm Hunger, am 14 Februar 1913 Karl Taab Adolf Dörmer, Otto Hornberger, Rudolf Kulimann, Otto Kunkel, TheiK>or Landau, Ernst Leib, Kvnrad Löwe, Hch.^Müller, Karl Rahn, Karl Riegelmann, Will). Rupp, Ludw. Schmrhl, Wolfgang Schmidt, Ernst Schwabe, Albrecht Selbst, Paula Witter, Kurt Wigand und Arthur Wunderlich. Es studieren Heilkunde 7, Zahnheiliunde 3, Heilmittelkundc 1, Maschinenbau und Elektro technikl, evang. Theologie 4, klassische Philologie und Archäo­logie 1, neuere Philologie 1, Rechtswissenschaft 1, und einer wird Offizier. Es sind einschließlich des Tirektors Geh. Schulrat Dr. Wilh. Hensell 25 Lehrkräfte, darunter vier Religionslehrer.

** Tie Osterferien haben heute begonnen.

* Im Lichtspiel-Haus Schanzenstraße kommt bis Donnerstag ein Riesenfilm zur Vorführung. Es ist das neunaftige kinematographische Meisterwerk Menschen unter Menschen, bearbeitet nach Vittor Hugos berühnitem Roman Les Miserables". 250 000 Momentaufnahmen auf einem Film von 4000 Metern Länge waren notwendig, um das ganze Werk zu fassen. Tie Ausstattung, Darstellung u. Handlung ist tadel los. Die Niederungen des Gefühls werden neben einem mensch­lichen Heroismus gezeigt, mie ihn die Literatur der Viktor Hugo Evoche zu vlwherrlichen liebte. Vorwiegend ist das sentimentale Element, das in künstlerischer Noblesse sich gibt und eine starke Wirkung auf breitere Massen des Publikums verspricht.

Frühjahrs-Pferde markt zu Gießen. Am 2. April findet zu Gießen wieder Pferdemarkt mit Prä­miierung statt. Für die Prämiierung der Pferde stehen über 2000 Mk. zur Verfügung, darunter 300 Mk. aus Mitteln deS Landwirtfchaftskammer-Ausschuffes der Provinz Ober- Hessen An Preisen sind vorgesehen für Reitpferde 50 Mk., für Wagenschläge paarweise 210 Mk., für Arbeitsschläge paar­weise 360 Mk., für Arbeitsfchläge einzeln 245 Mk., für Arbeits- schlage im Besitz von Landwirten 225 Mk., für dreijährige Fohlen 200 Mk., für zweijährige Fohlen 160 Mk., für Zucht­stuten 500 Mk. Die Prämiierung liegt in den bewährten Händen der bisherigen Preisrichter. Mit dem Pferdemarkt ifl eine Verlosung von Pferden, Wagen, Fahrrädern, Näh­maschinen, HaushaltungS- und Gebrauchsgegenständen ver- bunden. Der 1. Gewinn besteht auS einem eleganten Mylord mit Pferd und silberplattiertem Geschirr, der 2. aus einem Jagdwagen mit Pferd und vernikeltern Arustblattgeschirr, der 3. aus einem Lauterbacher Wagen mit Pferd und kom­plettem Kummetgeschirr. Es folgen dann sieben wertvolle Pferde und Fohlen.

* Scharfe Konkurrenz gab es bei der Sub­mission zur Erbauung von zwei Beamtenwohnhäusern für den Eisenbahnfisttts. lieber 120 Geschäftsleute bewarben sich darum, von denen 67 auf M aurer , ;3 immer er», Schlosser-, Schreiner- nnp Tachdcckerarbeiten kamen.

* * Besitzwechs el. Frau Professor Höhl bäum Witwe verkaufte an Professor Tr. We ver ihr Anwesen Moltkcstraße Nr. 1 für 29 000 Mark

* * 3000 Mark wurden in der nichtöffentlichen Sitzung der Stadtverordneten für die Jahrhundertfeier des Kaiser-Wilhelm-Regiments bewilligt

* * Die Tierproduktion unserer Hühner ist im Januar und Februar bei rationeller Fütterung außer- ordentlich günstig. Bon einem Hühnerzüchter wird uns mitgeteilt, daß ihm 13 Italiener bisher 235 und 248 Eier, also durchschnittlich den Tag 8 Eier gelegt haben

* * Zusammenstoß. (Heftern nachmittag fuhren in der Walltorstraße ein L a st a n t o m o b i l und ein Wagen der elek­trischen Straßenbahn gegeneinander an. Tie Führer beider- Wagen fuhren, weil er fich um lleberfabrat einer Kurve handelte, an sich langsam und gaben sich benn^ auch, als sie die Gefahr bemerkten, alle Mühe, die Wagen zum Stehen zu bringen, und so kam es nur zu einem leichten Zusammenstoß. Am Lastauto und am Wagen der Elektrischen entstanden Heinere Beschädigungen.

Die erste Schnepfe wurde dieser Tage nn Gießener Stadtwald geschaffen.

Landkreis Gießen.

Großen L in den , 15. März. Im Beisein der Eltern fanb gestern nachmittag in unserer Schule die Entlassung von 18 Knaben und 20 Mädchen statt Die Handarbeitslehrerin Frau Dein behandelte die Näharbeiten, Hauptlehrer Bach die Deutfdien Schutzgebiete Gesang unter Leitung des Lehrer Blaß, und öKdichte verschönten die freier, die mit einer Ansprache schloß.

Lollar, 14. März. Die Gemcmderatssitzung am Ticns- lag, 18. März, abends. 8 Uhr, bat folgende Tagesordmmg: 1. Eingabe von verschiedenen Einwohnern der Daubringer- nnb Hauptstraße betr. Kanakisierun g 2 Okfutb der fr r e i - willigen Feuerwehr um Amchafmng von Ausrüstungs gegenständen. 3. Vergebung des Stammholzes 4. Be ratung über die Rechnun.g der G e m e i n b ejf r a n l e n p c r - sickernng für 1912. 5. Entwässerung bes Schulkellers.

Grünberg, 14. März. Ter Kaufpreis der Reu- mühle beträgt einschließstch 21 Morgen Land, lebendem und totem Inventar 44 000 Mk.

Kreis Büdingen.

Büdingen, 13. März. In der Nacht auj 12. März gegen 2l/s Uhr , brach in dem Hause K r o n e n g a s s e Nr. 5 freuet art. Tie in stnem Zimmer hn 2. Stock schläfert den >rinder der Eheleute Irl wurden durch deu slck anfam metutcii Rauch wach ruck weckt, ihre Eltern Man ent» t i'Uo.tz' ein.'- uhtii, defekten Schornstein

eine angrenzende Zimm erwand, die aus Holz und Lelrm bestand, stark angebrannt war. Ein Balken mar vott-- ständig und ein weiterer zu zwei Trittel durcktphlt Turch das energische Eingreifen der Hausbeiovhuer linrrbc die Stadl von einem großen Brand verschont: denn in dem alten Stadtteile grenzen viele 0>ebäubc unmittelbar an die Brandstätte Eine Alarmierung der Feuerwehren war nicht erfolgt.

Starkenburg und Rheinbeffen.

w. 91 ü i i e IS b e i m, 14. Mär^ Ter Schubmacker Eitel- bach gab beute nackt auf seine frrnu mehrere Aevolverichüffe ab und tötete s i ch dann selbst. Tie Fran ist schwer verletzt worben.

Hesskn-Raffau.

Marburg, 14. März. In der Hnitigcn Sitzung der Stadtverordneten wurde die Erhöhung des Zinsfußes bei der städtischen Sparkasse von 3> _ auf 33/ 0 bei Einlagett und von 4no auf 4' bei Hypotheken und Tarlehen beschloiseit. Ter Zinsfuß für F-austpfand- Darlehcnt soll je nach der Lage des Geldmarkts auf 5®*o und inehr erhöht werden. Die Universität bat im Süden der Stadt, am linksseitigen Ufer der Lahn, -in sog..Hirsen­feld" ein 22 000 Quadratmeter großes Gelände zwecks Er­richt ung von Spielplätzen für die Studetiten an­gekauft.

5ternickel-prozeh.

(Fortsetzung aus dem 2. Matt.)

Frankfurt (Oder), 14. März.

Die Verhandlungen im Sternickel-Vrozeß wurden heute vor- nuttQfl durch den Vorsitzenden, Landgerichtsbirektor Dr Wredc (Frankfurt a. Ost luicbcr ausgenommen Der Houptangeklagte Stcrnickel macht auch heute einen durchaus ruhigen und gefaßten Eindruck und unterhält sich vor Beginn der Berhandl,mq lauge und angeregt mit seinem Verteidiger Iustizrat Loeser Frank furt a. Ost. Hinter dem Gerichtstisch haben heute der Präsident des preußischen .Uammergerichts Geh. Justi n al Tr Heimr oth (Berlin) -er Generalstaatsanwalt des preumicbcn Kammergerichts Wirkl. Geh. Oberfustizrat Tv. Supver Berlin und ein Ber-^ treter der Oberstaatsanwaltscbaft Platz genommen.

Man hont den Prozeß am Samstag zu Ende führen zu können, zumal die weitere Beweisaufnahme sehr schnell vor sich gehen wird. Unmittelbar nach feiner Aburteilung wird August Ctemickel dann nach Hirschberg i. Schlei, überführt werden, wo am 4. April b. I. die Schwurqerichlsverhaudluug wegen des Mordes in der Plagwitzer Mühle ihren Anfang nehmen soll.

Die Verhandlung begann mit der nochmaligen Vernehmung des Kriminalkommissars Rasse (Berlin).

_ Ter nächste Zeuge ist der Postbote Kahl aus Ortwig. Sternickel habe ihm am Morgen des 7. Januar erklärt, die Herrschaften seien zur Hock-,eit und das Tienstmidchen sei nach Wriezen gefahren Sternickel erklärt diese Aussage für richtig.

Tem Zeugen Tachdecker Mickle» aus Ortwig hat Sternickel gesagt, die Herrschaft wäre verreist und käme auch in den nächsten Tagen nicht nach Hause.

Amtsdiener Schuster bekundet, daß St ihm erklärt habe, die Herrfchast sei sortgesahreu. Tas M idch. i. i nach Barnim gefahren. Später horte der Zeuge, daß zwei Leichen g sunden worden seien, und teilte dies im Borübergebeit Sterni.tel mit. Ob dieser dabei erschreckt gewesen sei. oder Dte KKnchtssarbe ge­wechselt habe, kann der Zeuge nicht bekunden, da er nicht vorauf geachtet bat.

Amtsvorsleher Schumann aus Ringeuwalde sagt aus, er habe am Mittwoch dem 8. Januar etwa um -! 11 br nachmittags die telephonische Nachricht erhalten, in einer abgebrannten Stroh» miete seien zwei Leichen gefiiudeu worden. B i der einen Lenin habe eine Quittung gelegen, die daraus binbeuh. daß es ,'ich um das Ealiessche Ehepaar imithelc. Er habe daher nadt £? rtmttf. geschickt und dem Boten sei gesagt »vorden, dt \v rrithaft« nf seien noch nicht zu Hause. Er habe ben Wachtmem r uluge Inn- geschickt, doch kam ckieser fünf Minuten zu 'vöt, ba^ Sternickel schon geflohen war. Er begab sich bann auch nach O rtwig und fand eine Menge Nachbarn vor dem Hause versammelt. Man habe die Minbcr wimmern hören Tas .Haus wurde geöffnet nnb man sand int Gange die Leiche des Dienstmädchens. Der Zeuge kannte Calies seit langem genau Ealies war in seiner Um­gebung außerordentlich geachtet und bekleidete verschiedene Ehren­ämter. Ter Gärtner Malchow von Ortwig ist am 8. Januar zu Ealies gekommen. Er sand nudt die Tür »erschlossen. Als er zum Gartentor hineingehen wollte, trof er Sternickel. der er klärte, die Herrfchast fei nicht zu Hause und werbe etitige Tage iortbleiben Später habe er dann den Wachtmeister Mlu.ie darauf aufmerksam gemacht, daß Sternickel in der Richtung nack Barnim zugegangen sei Wachtmei 'M baß ihm

am s Januar die Mitteilung gemacht worben sei, daß in einer verbrannten Strohmiete zwei Leichen gefangen worden seien, die wahrscheinlich die der Caliesschen Eheleute seien Tie sofort nn* gestellten Nachsorschuugen ergaben die Gewißheit, daß es fick tat­sächlich um die Caliesschen Eheleute bandle Er habe dann weitere Ermittelungen ungeteilt nnb sei um ' Uhr nachmittags nut "dem Gehöft angekommeu, wo er Sternickel getroffen habe, der auf Befragen erklärte, die .sjerrkbaften inen ;ur Hochzeit. Ter Zeuge ersuchte Sternickel, vorainugeben und ihn zu führen, sternickel öffnete da^' Haustor, schloß e> ober sogleich wieder, so daß der Zeuge draußen war. tpähreno sich - befand. Inzwischen sei St. geflohen, aber in Gäste diese fest' genommen worden. Ter Zeuge befördert« ibn bann zu Ortwig nad)bem er ihm ein Messer sowie 8 bis 9 Mark bares Geld abgenommen hatte. Unterwegs gestand er ein, bei Calies als Knecht bedienstet gewesen zu fein, er sei aber unschuldig, er habe unter dem Truck der Berliner gestanden. Diese wollten in den nächsten Tagen wiederkommen, um das ganze (Gehöft auszurauben und in Brand zu stecken.

Eine Zeugin ist nicht erschienen: sie soll ermittelt und zu morgen geloben n>crbcn.

Eine andere Prostituierte, Elisabeth K l e h in e r aus Berlin, bat die drei Mithelfer des Sk in einer Bierwirischaft in der Minnen Markussttaße in Berlin getroffen: sie habe sich ge­wundert, daß sie alle eine neueKluft" anhatten Willi 'tcrittn habe ihr auf ihre Frage erklärt, sie hätten im Overbruch bei einem. Bauern gearbeitet und gut verdient Er war oabei sticht be­fangen, sondern luftig und vergnügt, so daß sie sich nichts Schlechtes habet gedacht halt Um 12 Uhr nachts hätten sie sich wieder getroffen, aber sie hätten einen ganz verstörten Eindruck gemacht.

Auch zwei weiteren Zeugen, dem 0-elegenheitsarbeiter Finke aus Berlin und dem Meftingputzer W e i ß h a u v t haben sie gesagt, sie hätten bei einem Bauern im Oderbrnch gearbeitet und bort gut verdient

Der Zeuge Lehmann bekundet, daß Schliewenz und beide Kersten inebriath in seinem Lokal am Grünen Weg verkehrt hätten. Im Januar seien sie mit groren Paketen gekommen und Hätten at beten, sich umziehen zu büricu. Sie kleideten sich von Kopf bis zu Fuß neu ein. Sie erzählten, sic hätten sich in Hamburg an- heuern lassen und daraufhin i^eld bekommen Er, der Zeuge, habe zu seinen Gästen gesagt: die Treie geben lieber nicht nach Hamburg: wenn sic das Traufgeld weghaben, werben sie sich hüten, zu arbeiten. In einer der Taschen fand er einen Zettel, auf dem die Orte Freienwalde, Letschin usw. verzeichnet roaren. Er umcrndnele deshalb die Kriminalpolizei, und Willi Kersten ist bei ihm and) verhaftet roortk-n Ter Zeuge hat mit der Mriminalnoli.Ki die ganze Nacht hindurch die beiden Anderen ge sucht, sie aber nicht gefunden. Am Morgen sind diese wieder in sein Lokal gekommen, und da sei er barfuß zur Polizei gelaufen und habe sie verhaften lassen.

Ter Kriminal Wachtmeister Buchner Berlin hat den Willi I ihrftnt verhaftet, nachdem ihn der Gasttvirt Lehmann verstän- I büu bat.

Tamil war die 3rugent»ernehnunig vorläung beendet und ev 'werden