Ausgabe 
16.4.1913 Erstes Blatt
 
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den Herren Teichmann aus Ilmenau und Heine aus Jglitz wurde der zuerst genannte für den Offizier desZ. 4", Brandeis, gehalten. Teichmann gab jedoch nicht zu, dieser Offizier zu sein.

Neue Hetzereien.

Paris, 15. April. Auch die Abendblätter beschäftrgen sich eifrig mit den Erörterungen der deutschen Blätter über den Vorfall von Nancy und behaupten, daß der Vorfall übermäßig a u f g e b aus ch t worden sei. DerTemps" meint, die deutschen Blätter sollten sich an die Höflichkeit erinnern, welche die französischen Behörden und die sran- zösische Bevölkerung gelegentlich des Zeppelin-Zw-ischenfalls an den Tag gelegt haben.

War vielleicht gewissen deutschen Pcrrteikreisen der hierdurch hervorgernsene gute Eindruck unbequem! geworden und wollten sie denselben verwischen? Wenit dies der Fall ist, dann hätten sie sich einen anderen Vorwand aussuchen müssen. In einem Tin­geltangel und in einem Bi er Hause ist zwischen einem halben Dutzend Franzosen und einigen jener zahlreichen Deutschen, die ohne Diskretion sonntäglich N a n c y überschwemmen, ein bedeutungsloser Streit ausgebrochen. Weder ein Offizier noch ein Beamter waren an dem Vorfall beteiligt, und zwar weder als handelnde Personen, noch als Zeugen. Diese nebensächliche Angelegenheit, r.nföfüid) welcher deutsche Blätter das französische Vock be- schimpsen und ernste Entschuldigung verlangen,-wird selbstvcrständ- lui) keinerlei Schwierigkeiten zur Folge haben. Aber die Art und Weise, wie die deutschen Blätter aus dieser Affäre Kapital schla- ,gen, muß festgenagelt werden.

Die nationalistischeLiberte" schreibt:

Kaum, daß Deutschland seiner vermehrten Wehrkraft sicher ist, brennt es schon darauf, sich ihrer zu bedienen, um uns zu behelligen und zu demütigen. Morgen wird Deutschland noch stärker, noch stolzer und noch ungeduldiger werden. Welchen Beleidigungen würden wir uns aussetzen, wenn wir unsere Militärkraft nicht bis auf die Höhe bringen, welche Achtung gebietet und den Frieden sichert! Deshalb müssen wir unverzüglich die dreijährige Dienstzeit wieder einführen.

Em zehntägiger Waffenstillstand.

Konstantinopel, 15. April. (Agence Havas.) Zwischen den Kriegführenden ist ein zehntägiger Waffenstillstand, von gestern mittag ab geltend, geschloffen worden.

Berlin, 16. April. Auf der hiesigen bulgarischen Gesandtschaft war bis spät abends' keine amtl icl; e Mit­teilung von dem Abschluß eines Waffenstillstandes ein­gelaufen; es sei aber möglich, daß ein Waffenstillstand zwischen dem Oberkommandierenden der bulgarischen und der türkischen Armee vor Tschataldscha vereinbart worden sei.

London, 15. April. Das Reutersche Bureau erfährt, daß, obwohl bis zum Abend noch keine amtliche Nachricht von dem Abschluß des Waffen st ill st andes eingetroffen war, man in amtlichen und diplomatischen Kreisen glaubt, daßderFriedensschlußbevorstehe und daß man annimmt, die FriedensdeleAierten würden sich in kurzer Zeit wieder in London versammeln.

Paris, 15. April. DerG aulois" will wissen, daß Bulgaren und die Türkei ein Abkommen unter­zeichnet hätten, nach welchen die beiden Mächte sich ver­pflichten, die Feindseligkeiten an der Tscha- t ald s ch a-Lin i e einzustellen. Es sei möglich, daß dieser Waffenstillstand durch Vermittlung Rußlands ab­geschlossen worden sei, welch letzterem bekanntlich die Mög­lichkeit eines Marsches der Bulgaren nach Konstantinopel einige Sorge bereitet habe.

Athen, 15. April. Nach einer Mitteilung aus guter Quelle werden die Besprechungen zwischen den Verbund et en über die Antwort auf die Note der Mächte in zwei bis drei Tagen beendigt werden, damit die Ant- roort noch vor Sonntag gegeben werden kann.

Serbisch-bulgarische Reibereien.

Saloniki, 16. April. Zwischen den bulgarischen und serbischen Truppen kam es anläßlich der Besetzung von Jstip zu einem Zusammenstoß. Die Bulgaren schicken sich an, Köprülü gewaltsam zu nehmen, falls sich die Serben nicht zurückziehen. In Serres wird eine ganze bulgarische Division erwartet.

Die bulgarisch-rumänische Frage.

Petersburg, 15. April. Das Ministerium des Aeußern bringt zur Kenntnis, daß die Mitglieder der Botschafter- konserenz wegen der bulgarisch-rumänischen Streitfrage sich darüber verständigt haben, daß keines ohne vorherige Zustim­mung der Konferenz der Presse etwas mitteilen würde. Folglich beruhten die Nachrichten, die darüber in den Zeitungen er­schienen sind, nicht auf der Tatsache, müßten vielmehr als Ver­suche angesehen werden, ein tendenziöses Licht auf die Arbeiten der Konferenz .zu werfen. Ohne auf die Tätigkeit der Konferenz einzugehen, beschränkt sich das Ministerium^ des Aeußern darauf, zu erklären, daß Rußland sich hinsichtlich der erwähnten Streit­frage Don Anfang an die Ausgabe gestellt hat, die Ansprück>e und Wünsche der einen oder anderen Partei zu fördern und eine gegenseitige V e r st ä n d i g u n g herbeizuführen. Dank dieser Haltung sei es der russischen Regierung gelungen, die ge­fährliche Spannung in den Beziehungen dieser einander benachbarten und religionsverwandtm.Stauten rechtzeitig zu beseitigen. In Anerkennung dieser versöhnlichen und un­parteiischen Haltung Rußlands hätten beide Parteien die Bitte ausgesprochen, daß die Konferenz in Petersburg stgttfinden möge.

Schneeftürme.

Belgrad, 16. April. Infolge heftiger Schneestürme ist hier und im Innern Serbiens eine vollständige Stockung des Verkehrs eingetreten.

Der Koffer in Homburg.

Homburg v. d. Höhe, 15. April. Der Kaiser besuchte heute nachmittag das Römeriästell Zugmantel und hörte am späteren Nachmittag den Vortrag des Chefs des Militärkabinetts, Genevaladjutanten Freiherrn v. Lynk- f er. Prinz Ernst August, Herzog zu Braunschweig und Lüneburg, machte heute der Königin der Meder lande auf Hohemark einen Besuch.

Ter WienerNeuen Freien Presse" zufolge soll der E r z h e rzo g th r o n s olger Franz Ferdinand in Vertretung des Kaisers an der Hochzeit der Prin­zessin Viktoria Luise teilnehmen.

Aus Hessen.

Vom Bittschriften-Ausschuß.

Tb. Darmstadt, 15. April. Der vierte Ausschuß der Zweiten Kammer hielt heute wieder eine Sitzung ab. Der Ausschuß beschloß, der Vorstellung der Vereinigung Binger Weingutsbesitzer zu entsprechen, wonach die Regierung um die Ernennung eines besondern Aus­schusses für die Reblausangelegenheiten ersucht werden soll. Der Vorstellung des Hebammenverbaudes, worin um Auf­nahme der Gemeindebeamtinnen in die Gemeinde-Fürsorge­kasse ersucht wird, beschloß der Ausschuß keine Folge zu geben. Tie Vorstellung des Gastwirts Heinrich Roden- yäuser, bett, die Nichtgewährung einer Wirtschaftskonzession,

wurde für erledigt erklärt, ebenso der Antrag Raab, betr. die Einreihung don Eberstadt in Setvistlasse D.

Deutsches Rev<H>«>

Ein französischer Offizier als Spion in Speyer verhaftet.

Am Samstag wurde in S p e y e r ein französischer Genieoffizier, ein Hauptmann, als er die Schiffs­brücke besichtigte, unter dem Verdacht der Spio­nage v e r h a f te t. Er befindet sich zurzeit noch in Hast. Der Festgenommene legte gegen seine Verhaftung Be­schwerde beim Reichsanwalt ein, der bisher noch nicht ent­schieden hat. Heber die Persönlichkeit des Verhafteten wird keine nähere Auskunft erteilt.

ALLKlEv.

Beduinen-Kämpfe der Italiener in Tripolis.

TieAgenzia Stefani" meldet aus Beughasi: General T 'Alessandro brach am! 13. d. M. an der Spitze einer mo­bilen Kolonne von InfaMerie, Kavallerie und Artillerie aus Beng- hasi auf, übertritt schnell die Linie unserer Forts und besetzte naMinander die Oasen Giok el Segfrivmnd Giok d Kibir. Darauf griff er das Lager der Benina-Beduincn an und nahm! es im Sturm. Tie Besinnen wurden zur Flucht'gezwungen, zerstreuten sich in die verschiedenen Richtungen und überließen unseren sieg­reichen Truppen ihr Lager, welches große Mengen von Munition, Lebensrnitteln und Vöaterial barg. Um 3V2 Uhr nachmittags wetzte unsere Fahne auf denk brennenden Lager. Unsere Verluste an diesem Tage betrugen vier Tote und 45 Verwundete. Der Feind ließ 50 Tote zurück: viele andere imb zahlreiche Ver­wundete wurden vom Feind mitgenommen. Fünfzig Beduinen wurden gefangen.

Der allgemeine Anrftand in Belgien.

Brüssel, 15. April. Nach den nachmittags vorliegenden Nachrichten streiken heute im Becken von Charlervi etwa 11000 Mann mehr. In Verniers beträgt die Anzahl der streikenden Leute 19 000 Mann; im Gebiete von Mons hat sich die Lage nicht geändert. Der Ausstand ist in den Bergwerken voll­ständig, in den Steinbrüchen wird eine leichte Zunahme der Ar­beitenden festgestellt. Dagegen behauptet Man, daß der Streik bis zum 1. Mai an dauern werde. Aus Louviere wird ge­meldet, daß nachmittags 3 Ufrr im Industriezentrum 22 800 Berg­leute streiten und 2200 arbeiten. In der metallurgischen In­dustrie streiken 19 000, es arbeiteten 1000. In den verschiedenen kleineren Industrien zählt man 4950 Streikende und 1550 Ar­beitende. Man nimmt an, daß die Kleinbahn vielleicht morgen den Betrieb wieder aufnehmen wird. In der Umgegend tum Lüttich lvird folgende Statistik verbreitet: Es streiken Berg­leute 30 000, metallurgische Arbeiter 29 000, Glashüttenarbeiter 1500, in den Steinbrüchen 4000, in den kleineren Industrien 500»

Im Senate zu Brüssel wurde heute der Präsident gefragt, warum er die Sitzung, die ursprünglich auf den 8. April anbe­raumt war, auf den 15. vertagt habe. Er erklärte, daß das Bureau seine Handlungen gebilligt habe. Es erfolgte darauf auf Veranlassung eines liberalen Senators eine kleine Erörte- '"'na, "-her das V 0 r a eh en der R e g i er un g in d e r Streikfrage. Der Ministerpräsident .erklärte, daß er den lweralen Bürgecmeinern bet ihrem Empfang vor den ersten An­zeichen des Generalstreiks keinerlei Versprechungen gemacht habe.

Nirche und Schule.

Das Befinden des Papstes.

Rom, 15. April.Giornale d'Jtalia" meldet: Der Papst Hot heule nachmittag ein lvenig geschlafen und etwas Kaffee, Milch und Fleischbrühe getrunken. Ter Papst drückte ferne Freude darüber aus, nach so viel Regentagen die Sonne wieder scheinen zu sehen irjib sagte, er hoffe, die Rückkehr des schönen Wetters werde ihm Besserung bringen. DieTribuna" schreibt: Der Papst wünscht aufzustehen. Er will wissen, was man über seine Krankheit sagt. Um 4 Uhr nachmittags wird bestätigt, daß die Besserung im Befinden des Papstes andauert. Der Papst ist fieberfrei.

Rom, 15. April. Die in dem Abendbericht festgestellte Verschärfung der Kranlheitserscheinungen des Papstes läßt von neuem befurchten, daß die Bronchien in Lung en- entzündung übergehen können. Auch diese Nacht wer­den Dr. Amici und der Neffe des Papstes Msgr. Parolini in den Gemächern des Papstes verbleiben.

Die Mcber-Nodaim Genosisnschastzftise.

bs. Darmstadt, 15. April.

Ter heutige achte Bertzandlungstag brachte besonders krasse Bilder über die Zustande, die in Mieder-Modau geherrscht haben müssen. Ter Zeuge Neff, beute der einzige Zeuge, war in den Jahren 1910 und 1911 Rechner in Nieder-Modau. Er übernahm das Erbe seines Vorgängers B e i in einem Zustande, der jeder Beschreibung spottet. Bei seiner Tätigkeit, Klarheit in die verworrenen Verhältnisse zu schaffen, erlebte er es, daß plötzlich von irgend einer Seite Zinsen an die Kasse abgeführt wurden, wo von einer Kreditgewährung nicksts in den Büchern zu finden war. Andere wieder waren weniger ehrlich und nutzten die Mißwirtschaft zu ihrem Vorteil aus. Sie haben hohe Kredite erhalten, von denen niemand etwas wusste und unterließen es daher, die fälligen Zinsen tzu zahlen. Eine ganze Reihe Hypotheken sind gleichfalls nicht eingetragen worden, lieber die Kreditgewährung berichtet der Zeuge, daß bei Feststellung der gewährten Kredite gefunden wurde, das der größte Teil dieser Forderungen in der Lust schwebte, daß also keinerlei Sicherheiten gegeben waren. Auch an stark verschuldete Personen, die leinen Pfennig besaßen, wurden ohne weiteres Kredite in Höhe von 10 000 unb 12 000 Mk. gewährt. Neff kam schließlich zu der Ueberzeugung, daß das so nicht weiter­gehen könnte unt> war genötigt, alle diese unsicheren Forderungen einfach abzuschreiben. Die Ilnterbilanz, die sich dadurch ergab, betrug über 800 000 Mk. Auch das Konto Adams mußte der Zeuge abschreiben, das mit etwa 400000 Mk. belastet war. Es hatte sich herausgestellt, daß Marn' völlig vermögenslos war.

Der Zeuge berickstet dann weiter über einen Verlust v 0 n über 4 1 0 0 0 M k., der int Jahre 1910 festgestellt wurde. Hier wurde auf Anordnung des Kommerzienrat Ihrig eben­falls Deckung dadurch geschaffen, daß die Vorstands- und Auf­sichtsratsmitglieder diesen Fehlbetrag einfach übernehmen mußten. Um aber noch zu einem Gewinn zu kommen, lautete die Urkunde auf 42 000 Mk. Vor f.: Welchen Eindruck hatten Sie von dieser Uebernahme? Zeuge: Ich habe mir das damals so erklärt, daß, wenn 'keine Einnahmen erzielt werden, der Betrag zu zahlen sei. Als der Zeuge aber die Zinsen bei den Vorstands- und Anfsichcs- ratömitgliebcrn einkassieren wollte, ist ihm gesagt ivorden, daß sie bei der Unterschrift niemals an eine wirklich.' Zahlung dachten. Es werden nun die Sicherheiten besprochen, die Adam für feine hohe Schuld hinterlegt hat. Dabei stellte es sich heraus, daß alle die Sicher l>citen Nieder-Modauer Eigentum waren. Weiter batte Adam ein Wechselkonto von 196 000 Mk. Beisitzer K 0 n - radi: Haben Sie dieses Wechselkonto für gut gehalten? Ter Zeuge sagt nun aus, daß er, \ba .auch für dieses Konto die Deckung fehlte, sich an Kommerzienrat I h r i g gewandt chabe. Tiefer habe ihm gesagt, daß das Wechfelkonto gehalten werden müsse, auch weml feine Deckung vorhanden sei.

Der Staats anwalt richtet an Beck die Frage, ob denn Adam als so reicher Maim bekannt gewesen sei, daß man ihm ein solches Vertrauen entgegenbringen konnte. Ter Angekl. Beck bejaht diese .Frage. Es wird ihm aber ein Brief vorgehalten, den er selbst an Ihrig geschrieben hatte, worin er vor einer zu weil gehenden Kreditgewährung selbst wartlt. Da der Brief vom Mnguft 1909 datiert ist, muß er alfo schon 1910 von der Vermögens lofigkeit Äldams gewußt haben. Än die Oefferttlichleit ist diese Tatsache aber nie gedrungen, da man die Ansicht nicht wider­

legen wollte, daß Adam vermögenslos fei. Man hätte sonst die Forderung abschreiben müssen. Der Zeuge berichtet bann weiter, daß der Verein ferner auch einen Zinsrückstand von 138 000 Mk. hatte. Er lZeuge) hat allein in einem Jahre 100 000 Mk. davon eintreiben können Vors.: Halten Sie cs für riesig, noch Dividend.' zu nerteilen, wo sich so hohe Verluste gezeigt haben wie 42 000 Mk. Und die.275 000 Mk. ? Hatten Sie nickst die lieber?,eugung, das man hier unter allen, stlmstäuden einen Gewinn herausreckmcn wollte? Eine bestimmte Antwort Tann der Zeuge hierauf nickst geben. Jetzt sei -.es ihm: aber allerdings klar, aus welchen Gründen dieseUebernahmen" erfolgt feien. Ver­teidiger, .Iustizrat H allwa chs, halt hier fest, daß dem Zeugen diese Ueberzeugirng erst jetzt gekommen sei. Damals sei er lZeugei wie mich jeder andere der Meinung gewesen, daß die Ur­kunden wirklich ernst gemeint waren.

Ter Zeuge schildert bann, wie sich die Dinge mehr und mehr zugespcht hätten. Im letzten Jahre besonders sei die Landwirt­schaftliche Genossenschaftsbank bestrebt gewesen, alle nur erreich­baren Werte von Nieder-Modau an sich zu bringen. Der Zeuge hat auch seine Bedenken dem Kommerzienrat Ihrig gegenüber geltend gemacht, der aber immer bestrebt gewesen sei, sie zu be­seitigen. Ein Dr. Fitting sei herumgereist, um zu beruhigen, ^cr Zeuge hat gegen dieses Verfahren Einspruch erhoben. Fitting habe ihm aber gesagt, daß er (Fitting) sich nicht in verantwvrt- jtajer Stellung befände. Wenn es zum Klappen käme, wäre er längst über alle Berge. Der Zeuge hat bann eine Einberufung Su einer militärischen Hebung wie eine Erlösung empfunden. Er war froh, aus all diesen Wirrnissen herauszukommen.

Der Zeuge wird dann über die Werbung neuer Mitglieder vernommen. Er bekundet, daß er bei her Einkassierung der Gelder, die an Nichtmitglieder verliehen worden waren, auf große Schwie­rigkeiten gestoßen fei. Ueberall sei ihm gesagt worden, man möge sie doch nicht ruinieren. Es sei aber seine Pflicht gewesen, diese Leute darauf aufmerksam 311 machen, daß Gelder nur an Mitglieder gewährt werden könnten. Daraufhin hätten sich viele entschlofsen, Mitglieder zu werden, weil sie nur so einer sofortigen Begleichung ihrer Schuld entgingen. Weiter sagt der Zeuge, daß er später gesagt habe, daß sie wegbleibeir sollten, als sich Fehlbeträge herausgestellt batten. Vors.: Haben Sie Leute veranlaßt, ein­zutreten, bei Verschweigung von Umständen, die sie veranlaßt hätten, nicht einzutreten? ,Sie können die Antwort verweigern, wenn Sie glauben, sich selbst tzu belasten. Der Zeuge behauptet, das nicht getan zu habem Er selbst sei ja derjenige gewesen, der gesagt hätte, als die Zustände unhaltbar geworden waren: Jetzt ist es genug, jetzt müssen wir Schluß machen. Der Vorsitzende fragt den Zeugen, ob er den Ausdruck:Je mehr Mttglieder desto weniger Schmerzen" gefrört habe. Der Zeuge bejaht das, weiß aber nicht, wer diesen Ausdruck gebraucht hat.

Der Zeuge soll nun aussagen, ob ihm bekannt fei, daß Ihrig die Brüder Perron veranlaßt habe, von einer Anzeige Adams ab- zufefren. Er bekundet, daß er dabei war, wie die Brüder Perron bei Ihrig waren, und ihm sagten, daß sie Adam an^eigm wollten. Jhmg habe aber gesagt, daß Adam der Genossenschaft große Dienste geleistet habe, und daß er von einer Anzeige absefren nriirhe. Dadurch würde auch die Genossenschaft sehr geschädigt werden. Weiter habe Ihrig gesagt, wenn es Tatsache fei, daß Adam auch amtliche Gelder (Gemeindekasse und Kirchenkasse) unterschlagen habe, bann werde ihn der Staatsanwalt schon freien. Der Angekl Ihrig bestreitet ganz entschieden, das gesagt 31t haben. Er gibt nur zu, gesagt zu haben, daß, wenn Adam Gemeindegelder unter­schlagen hätte, er vom Staatsanwalt geholt werden mürbe. Sie brauchten daher nichts zu tun.

Zum Schluß gibt der Zeuge noch an, daß Lldam auch an ihn noch frerangetreten sei, um Gelder -abzuheben. Er (Zeuge) habe ihm aber nichts gegeben.

Die Sitzung wird dann um V22 Uhr geschlossen. Fortsetzung morgen vormittag 81/2 Uhr.

Aus Stafct und

Gieße n , 16. April 1913.

** Tageskalender. Lesehallen - Verein. Per- gamon. Vortrag des Herrn Tr. Hepding in der Turnhalb der Höheren Dlädchenschule abends 9 Uhr.

*

** Ernennung. Der Großherzog hat dem Re­gierungsassessor Bruno Wolf Gießen den Charakter als Kreisamtmann verliehen.

* Erledigt ist die Stelle eines Bureatigehilfen bei dem Großh. Oberversichertlngsamt Darmstadt. Der Gehilfe muß die Prüfung für Kreisamisgehilfen und Kreisamtsbureau-- vorsteher abgelegt haben und in der Krankenversicherung be­wandert sein. Meldung bis spätestens 23. April bei den Ministerium des Innern.

** Au s dem Mili r rv0 ch e n b l a t t. v. Wegerer, Regierungs'baumerster, technischer Hilfsarbeiter bei der Jn- tend. 18. Armeekorps, etatsmäßig angesteü't. Geißler, Rc- gierungsbaumeister, technischer Hilfsarbeiter der ,Intend. 16. Armeekorps, in gleicher Eigenschaft zur Int end.' 18. Ar­meekorps versetzt. David, Militär-Intend. Sekretär von der Intendantur des 1'8. zu der Intendantur 'des 16. Ar­meekorps. Goehring, Militär-Intend. Sekretär von der Jntend. des 18. Armeekorps, zur Jn'tend. der 37. Division.

** Die Sammlungien unseres Museums haben sich seit der letzten Berichterstattung erfreulich ver­mehrt. Besonders sind Werkstätten-Einrichtnngen der aus­sterbenden Hausindustrie aus Oberfresscn erworben wvrden. Zu erwähnen sind: Eine mehrteilige Maschine zur Her­stellung von Beinknöpfeu aus Freienseen. Stecknadel-' maschine mit allein Zubehör aus Gedern. Groß? Flachs­breche mit Walzenctttlage. Alte Uhrmacherwerkzcuge, dar­unter eine Anzahl feinster Präzisionsinstrumente zum Schneiden der Räder usm. Schönes Porziellan und Fayencen verschiedener Manufakturen. Waffen mannigfacher Art. Stühle und Spiegel aus der Biedermeierzeit. In der Ge­markung Cberstadt wurde das Grab eines fränkischen Kriegers aufgedeckt. Man sand bei dem Taten nur das wohl erhaltene Kurzschwert und eine eiserne Fibel. Der Schädel war leider bei dem Setzen eines Grenzisteines seiner­zeit zertrümmert worden. Der Besuch des Museums aus allen Schichten der Bevölkerung ist sehr rege. Geben doch die Sammluitgen mit ihren fium Teil einzig in der Welt dastehenden Ausgrach.tngen dem Besucher ein anschauliches Bild der Vor- und Frühgeschichte der Provinz Oberhessen, sowie des mittelalterlichen und neuzeitlichen Kulturlebens ihrer Bewohner.

** In Bakofs Kammer-Lichtspielen fanden am 14. und 15. ds. Mts. Sonder-Vorstellungen für das hiesige Militär statt, die von acht Kompagnien besticht waren, um den deutschen MeisterfilmKönigin Luise", 2. Teil, mit seinen fesselnden Kriegsbildern aus Pretißens schwerer Zeit zu sehen. In der vorigen Woche wurdeKönigin Siiife*, 1. Teil, etrva 600 Kindern aus den Schulen der Umgegend, Heuchelheim, Großen-Linden, Leihgestern 2c., vorgeführt.

**Imperator-Vortrag. Wie uns mitgeteilt wird, wird der am Samstag angetündigte Vortrag über den RiesendampferImperator" bereits am Dienstag, 22. April und nicht am Mittwoch, 23., stattfinden. (Siehr auch die Anzeige in der heutigen Nummer.)

* Handwerk und Militär. Vereinbarungen vor Handwerkern imb Lieferanten mit der ausgesprochenen Absicht, die Militärverivaltung zu benachteiligen, haben zur Folge, daß die Militärbehörde diese Leute von den Lieferungen