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Der Gießener Anzeige« erscheint täglich, außer Sonntags. — Beilagen: viermal wöchentlich SiehenerKsmttienblärLer.' zweimal wöchenttzUreiL: blott färben Kreis @ie§en
Erstes Blatt (63. Jahrgang Mittwoch, (6. April (913
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MU General-Anzeiger für Oberhessen WM
für ^bte Tagesnummer Rotationrdruck und Verlag der Vruhl'schen Univ.-Vuch- und SteindruSerei N. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Zchulstratze 7. mr den bis vormittags 9 Uhr. vüöiNgrn: Kernsprecher Nr. 269 Geschäftsstelle VahnhsssLratze (6a. Anzeigenteil: H. Beck.
Die heAtige Nummer umsatzl 12 Seiten.
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ihn beziehen und den Eindruck erwecken müßten, als ob er sich gegen seinen verstorbenen Freund -Oscar Wilde nicht ganz ehrenhaft begonnen hätte. Der Times-Büch.rklub ist nrit angeklagh. weil er bei der Verbreitung jener Schrift initgewirkt hat. Die Angeklagten bestreiten die beleidigende Absicht und die Möglichkeit einer beleidigenden Deutung.
— Spuren einer Stadt aus dem Meeresboden ö st l i ch d e r I n s e l L e m n o s. Der griechische Marineminister teilt init: Der Schiffslentncmt Balopulos bat bei Beobachtung in fernem regelmäßigen Schiffsdienst ganz zufällig auf dem Meeresgrund östlich von der Insel Lemnos, aus dem Riff, welches auf der englischen Admiralitätskarte als Charos Bank bezeichnet wurde, in Tiefen zwischen 5 und 25 Metern alte Ruinen entdeckt, die gut sichtbar sind uud die Existenz einer Stadt von etwa 3 Seemeilen Umfang dartun. Der Marineminister hat eine wissenschaftliche Untersuchung der Stelle ongeordnet.
— Öcrfomer als Reformator des Films. Das Kinodrama zu reformieren und den Film auf eine künstlerische Höhe zu heben, hat flch der berühmte englische Maler Sir .Hubert v. Her komer zur Aufgabe gestellt. Ter Vierundsechzigjährige, der sich in einer Unterredung mit jngendlick-em Feuer über seine Ideen äußerte, wird seine Films, die er in eigener Fabrik bm stellt, in seinem eigenen Theater ansführen und selbst als Kino- schauspieler auftreten. „Theaterspielen ist, stets meine Haupt- leiden schäft gewesen/' sagte er, „intb in den Films, die ich crnf- führe, smd eine Menge prächtiger Rollen für alte Männer. Mein Ideal ist, Films vom rein künstlerischen Standpunkt im-5 dar - zustellen. Was ich will, ist weniger Realismus und mehr Kunst. Was man zumeist sieht, ist zürn Weinen. Ein'Künstler tut not, der hier eingreift. Ich werde jede Szene selbst arrangieren und .. r vieler auswählen. Ich habe schon von einiger: der
größten ^ckmispieler und Schauspielerinnen unserer Zeit die Zu stchenmg erl-alten ihrer Mitwirkung/'
— K u r z e Nachrichten ans Kunst und Wissenschaft. Die Konzert-Direktion Robinson u. Eo. in New Bork hat dein Kammermusiker L. Kümmel in Darmstadt angeboten, während der Sommermonate 1913 ein G astspiel als Corn et ä Pi ston-Vir tuv s e in Amerika zu geben. — Aus N othenb u r g o. T b r. wird uns geschrieben, daß das historische Festspiel „M e i st e r tr n n k" wie im vorigen Jahre mit darauffolgendem Festzug und Feldlager am Psiug st m-o n - tag den 12. Mai auf geführt werden wird.
nahmsweise gestattet wird, gehören auch die Offiziere der Reserve und Territorialarmee, die ehemaligen Offiziere und Zöglinge der Militärschulen."
Diese recht scharfe Maßregel war damals hauptsächlich gegen die verhetzende französische Agiiation in Elsaß,-Lothringen gerickstet. Bismarck benutzte nur den Belforter Skandal, -um sie ins Leben treten zu lassen und schlug so.zwei Fliegen mit einer Klappe. Erst im Oktober 1891 wurde die -Paßverordnung wieder aufgehoben. Es war eine echte Vergeltungsmaßregel. Das Völkerrecht kennt deren bekanntlich zwei, die Retorsion und die Repressalie. Heute,würde sich die Anordnung einer solchen Vergeltungsmaß- regcl stützen auf Artikel 31 des -EinführnngsgesetzeS zum deutschen Bürgerlichen Gesetzbuche: „Unter Zustintnurng des Bundesrats kann durch Anordnung des Reichskanzlers bestimmt werden, daß gegen einen ausländischen Staat sowie dessen !Angehörige und ihre Rechtsnachfolger ein Vergeltungsrecht zur Anwendung gebracht wird". Dieselbe Bestimmung befindet sich im Einsiihrungsgesek zur Zivilprozeßoichnung, in der Konkursordnung und in der Gewerbeordnung.
Hoffentlich muß in der Affäre von Nancy dieses schwere Geschütz des Vergeltungsrechts nicht auf gefahren werden. Die französische Regierung hat es in der Hand, eine rasche, glatte Erledigung des Zwischenfalls herbcizuführen. Die Pariser Presse ergeht sich freilich vorläufig meist noch in neuen herausfordernden Schreibereien. Es sei nur ein einfacher „Lomlfall", und dieser sei aufgebauscht worden. Dazwischen Aeußerungen verletzter Eitelkeit und neue Hetzereien gegen die deutschen Ausflügler, die den französischen Boden „überschwemmen". Kein Wort des aufrich'igen Bedauerns oder des Unwillens gegenüber den Ucb-ergriffen. Staatssekretär v. Iagow, der m der gestrigen Reichstagsfitz ung auf den Fall zu sprechen kam uud die sich mehrenden Ausschreitungen des Chauvinismus beklagte, hätte hinzufügen können, daß die Behörden uud die Presse in Frankreich Pöbeleien nicht nur dulden, sondern indirekt fördern. Es bleibt dabei, daß energisch Sühne verlangt anegocpF bM e(pjpväjoiuaoag icßo^. klnui usgavcn
sich in diesem Sinne geäußert.
Die französische Untersuchung, Paris, 15. April. Sicherem Vernehmen nach hat französische Regierung unverzüglich beson-
lcmd würde unmöglich ein Offizier so handeln, wie dieser und sein Benehmen nötigt zu einem traurigen Schluß auf Bildungsgrad und den Geist der französischen Offiziere." dieser Brandmarkung blieb es aber nicht. Denn als französische Regierung zauderte, aus eigenem Antrieb durch ftrafung der Schuldigen, Kassation des schuldigen Offiziers
Leuten zu handeln, die sich der Geschmacklosigkeit ihres Benehmens nicht bewußt waren.
Die chauvinistisclw Mittags-Zeitung „Paris Midi" veröffentlicht folgenden Bericht: Im Casino spielte man ein Stück, betitelt: „Fritz, der Ulan". Während einer Szene, wo ein deutscher Spion auftrat, wurden mehrere • Pfiffe laut, Und man beschuldigte die beiden Deutschen und bfebrei Damen, die sich in ihrer Begleitung befanden, daß sie gepfiffen hätten, doch wurde die Vorstellung nicht weiter gestört und die Sache schien erledigt. Nack- Schluß der Vorstellung folgten Studenten den beiden Deutschen und ihren Damen bis zur Lothringer Bierhalle. Ter Wirt, in dessen Saal die beiden Deutschen insultiert wurden, erzählte einem Berichterstatter desselben Blattes: Ich weiß nicht, _ob die beiden- Gäste Franzosen oder Deutsche waren, ich weiß nur, daß sie sich voll-, ständig korrekt benommen haben. Sie waren keineswegs betrunken und meine Ueberraschung war groß, als ich in den Saal hwei Studenten eindringen sah, welche die beiden Deutschen beschimpften. Ich veranlaßte die Studenten, das Lokal zu verlassen. Tie Studenten blieben vor der Bier- Halle stehen, hielten Ansprachen an die Vorübergehenden und riefen auf diese Weise eine Ansammlung hervor. Um 1 Uhr schloß ich die Bierhalle, und was weiter geschah, weiß ich nicht.
Der Stativ nsvor st and von Nancy erzählt: Zwei Herren Und drei Damen sanden sich im Wartesaal 2. Klasse ein. Ich. hörte auf der Straße einige Rufe: „Schmeißt sie hinaus, die gemeinen Preußen!" Ich ersuchte die jungen Leute, keinen Lärm' vor dem Bahnhof zu machen. Ms der Zug ankam, drangen sie auf den Bahnsteig und fuhren fort, d i e Deutschen zu beschimpfen, die mir sehr friedfertig zu fein schienen. Ich habe von einer Prügelei nichts gesehen, zum mindesten nicht auf dem Bahnhof.
Der P ol i z ei ko mmi ssa r erklärte demselben Berikhker- ftatfer: Man hat das Vorkommnis übertrieben und selbst entstellt. Zunächst waren die beiden Deutschen nur einfache Zivilisten. Die Kundgebung hat in Nancy kein großes Aufsehen erregt, sie beschränkte sich auf einige Vergeltungsmafiregeln,welche -die Studenten gegenüber Zuschauern ausübten, welche,mit Rücksicht auf ihre Eigenschaft als Ausländer nicht den entsprechenden Takt gezeigt haben. In der Tat haben sich die Deutschen erlaubt, unangemessene Bemerkungen über di e fran- zö fische Armee zu machen. Auf dem Bahnhof entstand eine Prügelei, ich weiß aber nicht, wer den Anfang gemacht hat. Es handelt sich nur um einen ganz gewöhnlichen lokalen Vorfall, welchen Man nicht übertreiben sollte:
Die Anfrage der deutschen Regierung.
Paris, 15. April. Eine Note der „Agence Havas" besagt: Der Sekretär der deutschen Botschaft, Gras v Wedel, erschien heute vormittag im Quai d'Orsay, um im Namen des deutschen Botschafters zu fragen, ob die französische Regierung keine genauen Auskünfte über den Zwischenfall von Nancy besäße. Der- Kabinettschef er- widerte, daß dem- deutschen Botschafter Frciherrn v. Schön bestimmte Nachrichten gegeben würden, sobald das Ministe- runir des Innern einen detaillierten Bericht erhalten habe, dessen Uebersendung von Nancy angelündigt sei.
Paris, 15. April. Ter deutsche Botschafter v. Schön hatte heute nachmittag mit dem Minister des Aeußern Pichon eine längere Besprechung über den Nancycr Vorfall.
Pichon teilte dem deutschen Botschafter die ersten Nachrichten mit, die der Ncinister des Innern erhalten hat und fügte hinzu, der Minister des Innern habe, um sich ausreichende Beweisstücke über den Zwischenfall und die Umstände, die ihn verursacht und begleitet hatten, zu verschaffen, bereits heute vormittag beschlossen, den Staatsrat Ogier, Direktor der Kontrollabteilung im Ministerium des Innern, nach Nancy zu entsenden. Dieser hohe Beamte solle eine Prüfung aller Tatsachen vornehmen; er werde heute abend 9 Uhr abreisen.
Dem Berliner „Lokalanzeiger" wird aus Paris geschrieben: Der Vorfall in Nancy wäre vielleicht vermieden worden, wenn der B ah nh o ss ko m mis sar auf seinem Posten anwesend gewesen wäre. Von den beiden Deutschen,
Entschädigung der Beleidigten und Verletzten diesen und Deutschland Genugtuung zu gewälwen — später sand sich einmal ein französischer Advokat zur Geltendmachung ihrer Entschädigungsansprüche vor französischen Gerichten — da führte Bismarck' mit Zustimmung des Kaisers Friedrich, am 22. Mai einfach den Paßzwang ein für alle ü b e r b i e französische Grenze nach Deutschland .zureisenden Auslän- ber, ohne Unterschied, ob sie auf der Durchreise begriffen sind, ober im Lande Aufenthalt nehmen wollen. Der Paß müß mit dem Visum der deutschen Botschaft in Paris versehen fein, das nickst älter als ein Jahr sein darf: Gcwerbe-Legitimationskarten für ausländische Handlungsreisende ersetzen den erforberticben Paß nicht. Ausländer, die einen regelmäßigen Paß nicht besitzen, find an der Weiterreise zu hindern und nötigenfalls über die Grenze zu führen.... Jeder Franzose ist verpflichtet, in jedem Orte, wo er länger als 24 Stunden Aufenthalt nimmt, s ich bei 'dem Bürgermeister, bezw. bei der Polizeidirekt i o n zu melden.... Zu denjenigen Militarpersonen, denen der Aufenthalt nach der neuen Paßordnung nur lwwZ Zus-
Der Schutz der Deutschen in Frankreich.
Zum Zwischenfall von Nancy teilt uns ein Mitarbeiter Mei intcreffernte gleichartige Fälle aus der Bismarck- ^eit mit. Unser Mitarbeiter schreibt:
Tie Schritte der deutschen Negierung in der Angelegenhest des deuksch-sranzösischen Zwischenfalles von Nancy gründen sich auf Art. 3 Ms. 6 der deutschen Reichsversassung: „Dem Ms- lande gegenüber haben alle Deutschen gleichmäßig Anspruch auf den Schutz des Reichs". Die Berechtigung des! diplomatisclien Schutzes tritt nach internationalem Brauch und Herkommen erst, bann ein, wenn die Anrufung der Gerichte oder anderer Behörden des Aufenthaltstaates vergeblich gewrsen ist. Also nur bei Rechtsweigerung, Rechtsbeugung oder Verschlepung des Verfahrens einerseits, bei unberechtigtem Vorgehen der Verwaltungsbehörden andererseits. Bismarck' hatte in zwei Fällen, die dem jetzigen von Nancy überraschend älmlich sind, Gelegenheit, den diplomatischen Apparat spielen zu lassen, und er hat jedesmal einen glänzenden Erfolg erzielt. Ter erste Fall: Cmde Juli 1887 wurde die damals seit 6 Jahren bestehende Pappenfabrik der Brüder Weisbach in EberMenil durch den Präfekten Sckmerb von Nancy geschlossen, aus keinem anderen Grunde, als weil die Pariser Hetzpresse die Besitzer als Deutsche denunziert hatte. Da durch wurden über 100 'und zwar'vorwiegend französische Arbeiter brotlos. Frankreich Mußte zu der freiwillig übernommenen Schmach der Brutalität seiner Presse und seiner Beamten aus diesem Anlaß, vor ganz Europa noch die eigene Demütigung hin- zufügen, daß seine Regierung nach kaum acht Tagen das Schließungsdekrit ihres Nancyer Präfekten wieder aufzuheben genötigt wurde.
Tas war also nach unter dem alten Kaiser Wilhelm I. Der zweite Fall, noch interessanter und ähnlicher, spielte in der kurzen Negierungszei! Kaiser Friedrichs III.: Am 4. April 1888 waren vier deutsche Studenten, die eine harmlose Ferienreise nach Belfort machten, von dem gebildeten! > Pöbel der Srodt mit den Rufen: ,,Stürme!_ Preußen!" verfolgt und mißhandeli nrorben. Die zu .Hilfe gerufene Polizei hatte sie vergebens zu schützen gesucht, und ein Offizier, den fie um Beistand gegen ihre Beleidiger und Bedränger baten, schrie sie höhnisch an: „Ach was. Sie sind Preußen, ©ie 'haben hier nichts zu suchen!" Daraus schlug die Menge auf fie ein und bewarf sie mit Steinen und Kot, so daß einer von ihnen eine Wunde und eine faustgroße Beule am Hinterkopf erhielt. Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" sagte bei Besprechung jenes Bonalles: Auf solche Roheiten französischer Pöbelhausen müsse jeder Frankreich besuchende Fremde rechnen. Neu sei nur das Verhalten des französischen Offiziers, in welchem Ihre deutsche Ausfafsung die beleidigten Studenten einen Retter sehen ließ. „In Deutsch
der e M a ß nannten getroffen, um die Unter su ch ung über die Vorfälle in Nancy, namentlich über das Berl>al- ten der Privatbeteiligten und der Behörde mit allem Nachdruck und in unbefangenem Geiste durchzufüh-ren. Weitere Maßvegetti hängen vom Gange und dem Ergebnis der Untersuchung ab. (
Eine Note der „Agence Havas" besagt: Nach dem ersten Bericht, den der O b e r k o m m i s s a r v o n dt a n c y an das Ministerium des Innern gesandt hat, soll sich der Zwischenfall, der ,zu einigen Bemerkungen in der Presse Veranlassung gab, wie folgt zugetragen haben:
Drei Deutsche wohnten von zwei Tarnen begleitet, am Sonntag abend irm IO12 Uhr einer Vorstellung im Casino bei. Einige Studenten machten ihnen gegenüber ein paar anzügliche Bemerkungen, und Pstsse ertönten von der Galerie. Der Zwischenfall blieb vom Publikum unbemertt. Die Fremden Verliesen das Casino, und kurz- vor 11 Uhr begaben sie sich in die Lothringer Bi er halle, wohin fünf bis sechs Studenten, die ihnen folgten, ebenfalls gingen. Hier laut es' -zu 'deut gleichen Zwischenfall wie im Casino. Ter Wirt bat die Studenten, sich ruhig z-u verhalten, was sie auch unverzüglich ohne Gegenrede taten. Ms die Fremden jedoch das Lokal verließen, folgten ihnen die Studenten wieder mit einer Schar von fünfzig Neugierigen bis zum Bahnhof und machten von neuem Witze mit ihnen. Das war gegen 1,30 Uhr. Ein Dutzend Leute ging auf den Bahnsteig mit und setzte dort die Kundgebungen bis zum Abgang des Metzer Zuges fort. Die drei Deutschen sind keine Osfiziere. Die vom Oberkommissar eingeleitete Untersuchring wird fortgesetzt, aber man kann schon jetzt sagen, daß der Zwischenfall übermäßig anfgebauscht worveir ist. Es scheint sich um das Vorgehen von etwas angeheiterten jungen
Kor! hagenbeck t
Kcnck Sagend eck, der Begründer des Stellinger Tierparks, ist, wie schon gemeldet, nach mehrjähriger schwerer Krankheit gestorben Zu denk alten Nierenleiden hatte nch die Wassersucht gesellt Karl Hagenbeck hatte nicht nur als Gründer dev Tierparks, sondern auch als Raubtierhändler mnen ut ernntw malen Ruf. Er -wurde, icic er in seinem Bucke Tieren und Menschen" sehr anschaulich schildert, am 10. x/unt 1844 m Sam Vurg-St. Pauli As Sohn eines Malers, der sem Geichast aus kleinen Anfängen zu großer Blüte brachte,, geboren. Vom Vater, der daneben auch einen Trerhandel betrieb hatte er die Liebe zur Tierwelt ererbt. Im! frühesten Knabenalter ifbon wurde er zu Handreichungen im väterlichen Geschäft herangezogen. ^n der -ersten Zeit besuchte der kleine Hagenbeck nur drei Monate iM Jahre eiiie^Elemeniarsehnle. Erst in seinen letzten Schullahren nahm er Sprachunterricht und das nur, weil seine spracht en nt niste dem vüterliehen Geschäft, das sich inzwischen immer mehr ausgedehnt und Beziehungen nach Frankreich und England ange- knüpft hatte, zugute tom-men sollten. Mit viel Vergnügen vstcgte Karl Hagenbeck von seiner ersten Geschastsreste zu erzählen, die er als BealÜter seines Vaters als Ujäljriger Knabe unternahm. Diese Reise führte nach Bremerhaven, wo der Vater von einem SlstpslKndler namens tzwrrels, einen großen WasckMrem zwei amerikanische Opossums, Asten und Papageien kaufte. -verTrans- bort auf bmr Deck einer Postkutsche gestaltete stch etwas schwierig, Ä bet wwft Sie eine gtoftige Gelegenheit mn,äu cnt> wischen Das Tier Machte einige Jahre lang die Lüneburger Heide unsicher und wurde dann erschossm.
Im Kriegsjahre 1866 übernahm Karl Hagenbeck das Tierge Wxfft auf dS1H71 Mrteiratetc er sich. Von den S Kindern seiner Ehe sind fünf am Leben, darunter zwei Sohne, iind Heinrich me jetzt beide Teilhaber der Firma sind.
Im Jahre 1874 versuchte sich Hagenbeck als erster mit Völker- aussteUunaen und er hatte Glück damit. Damals brachte er mit Är aus dreißig Tieren beshehendeti Renntterherde cme Lappen- Öic mit mul; Hamburg. Hagenb^ war auch der erste, der an die Stelle her bis dahin grausamen Tierdrestur eine rnilDcrc Art Se Im Frühling des Jahres 1892 trat cnn Masiensterbei, irn ^nrnnbeciscl -n Tierpark ein. Wie Hagenbeck IN seinem schon gemannten^Werke sagt, waren es zweifelsohne die Vorboten.der großen Choleraepidemie, uon der Hamburg m jenem Jahre hkiin- gksacht tmiri.-e.
Mitte der neunziger Jahre nahm der Tierhandel einen ungeahnten Aufschwung. H. wurde Mit der Lieferung für zoologische Gärten der ganzen Weit betraut. Sehr lebhaft beschäftigte er sich mit der Akklimatisierung, Züchtung und Kreuzung fremder Tierrassen. Ms sich in Hamburg Teilte rechte Gelegenheit mehr zum Erwerb geeigneter Grundstücke bot, ging Hagenbeck nach dem preußischen Stellingen hinaus, wo er eine Reihe von Grundstücken kaufte, die die Grundlage für den jetzigen Tierpark bildeten. Der Tierpark wurde am 7. Mai 1907 feierlich eröffnet, und schon im nächsten Jahre besuchte ihn der Kaiser zunr' erstenmal. Später gründete .Hagenbeck die berühmte Versuchsstation auf der Insel Brioni. Es ist Hagenbecks unbestrittenes Verdienst, daß er den gesäurten Tierhandel nach Deutschland hwüberzog, während früher England das Moiwpol hatte. Auch durch die Ausrüstung zahlreicher Expeditionen, die der Zoologie reiches Material lieferten, hat sich.Hagenbeck hervorgetan.
Seit 1891 ist er Offizier der französischen 9lkademie, und im Somstier 1911 wurde er gelegentlich eines Besuches, den er auf Wunsch des Kaisers in Kabinen abstattete, preußischer Kommerzienrat. Au diesem Titel bat er selber kaum Freude gefunden, beim ec hatte gar nichts von einem1 Kommerzienrat an sich, und seine Umgebung, die wohl wußte, daß es dem schlichten Wesen des alten Herrn widersprach, sich in -eine Rangordnung cinglicbcm zu lassen, nannte ihn auch nie bei diesem! Titel.
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Hk. Preisausschreiben. Die „Vereinigung Karlsbader Aerzte" in Karlsbad erläßt ein Schreiben mit dem Thema: „Die Behandlung der Diabetes mellitus mit besonderer Berücksichtigung der Balneotherapie". Es sollen 5000 Kr. zu 1—3 Preisen verwendet werden. Der Lftnlieserungstermin für die Arbeiten, welcher in jeder beliebige,. Sprache abgetönt fein können, ist der 31. Dezember 1913. Auskünfte erteilt die „Bereinigung Karlsbader Aerzte".
— Gin neuer Proz eß um Oscar Wilde. Aus London wird berichtet: Noch einmal wird das Lebensfchicksal Oscar Wildes die englischen Gerichte beschäftigen: vor dem High Court hat jetzt die Verhandlung in der Verleumduugsklage" begonnen, die Lvrd Alfred Bmze Douglas gegen Arthur Rausonie und gegen den Times-Bücherklub angestrengt bat. Ransome ist der Verfasser einer kritischen Studie über Oscar Wilde. Lord Alfred TduglaS erflärt, daß gewisse Ausführungen des. Buches sich auf


