linter dem Gendvrmerieoffizicr Meligof. Die Entführung be£ Bischofs von Doiran, Folios, und der 30 Notabsen (darunter Paragianis, T. und G. Tzikmakis, Ch. uvd Em Psvmas, T. und G. Tzantznas, Monastiris, S. G. Anastesivu, V. Bartfos usw.) erfolgte am 11. d. M. durch die Arnree — wir befurchten, daß auch diese Leute massakriert m-urden. — Tie Majsakricrung der 200 Notablen von Serres (Direktor der Orientbank Stamulis, Gymnaficfldirektor Papapavlu, die Aerzte Chrysafis und FokaS) durch die bulgarische Armee geschah am 10. und 11. d. M. Die Plünderung und Verbrennung von Torana und Massakrierung ihrer Bewohner geschah am 14. d. M. durch die flüchtende bulgarische Armee. Die auf 70 Munitionsmagen entführten Habseligkeiten fielen nach-der Einnahme von Drama wieder in die Hände unserer Soldaten und »vurden den überlebenden Einwohnern zurückerstattet. Die Entführung der 27 griechischen Notablen aus Cavatta (Bischof Athanasios, des Tragomans beim französischen Konsulat Lekos, des griechischen Konsulats- beamten Candiotis, des Direktors der Bangue d Athenes, Dulzarides, des Ttrettors des Sanitätsdienstes Joannou, des Direktors der Firma Mrrratti, der griechische Tabak- Großhändler Bulides, Alexopul-os, Natsos, Harissiatzes, Ter- mintzis, Gebrüder Fessas, des Direktors-der Zeitung Simea, Zrflaß, des Sekretärs des Bischofs Papadopoulo, der Großkaufleute Pantzis, Zorbas, Economu, Antoniades, Val-ime- des, Temintsikis usw.) geschah durch die bulgarische Armee am 12. d. M. Ueber das Schicksal dieser Personen kann man leider nicht im Zweifel sein. Wo auch die fliehende bulgarische Armee vorüberkam, wurde alles verbrannt, ermordet, geschändet und zerstört.
Perlin, 16. Juli. Die bulgarische Gesandtschaft stellte folgendes Telegramm zur Verfügung: Vorgestern beschoß die griechische Artillerie das un- meit des Bahnhofes von Demir Hiss ar befindliche Lazarett, obwohl die Flagge des Roten Kreuzes gehißt war. Ein großer Teil der S anitätsmannschaft wurde verwundet, der R c st i st entflohen. Bon den im Lazarett befindlichen Kranken und Verwundeten ist ein großer Teil getötet worden. Das Schicksal der übrigen ist unbekannt.
Paris, 16. Juli. Ter Bürgermeister von Athen richtete an den Bürgermeister von Paris ein Telegramm, in welchem die b u l g a r i s ch e n Greuel- taten geschildert werden und das französische Volk aufgefordert wird, gegen diese Greuel Einspruch zu er- l,»eben. Der Bürgermeister von Paris versicherte in seiner Antwortdepesche die Bevölkerung von Athen der Sympathien Frankreichs und seiner Bewunderung für den Heroismus der Grieche
Konstantinopel, 16. Juli. Wie verlautet, haben die Türken in Rodosto nach dem Abzug der Bulgaren Armenier und angeblich auch Griechen massakriert. Tie Zahl der Opfer wird auf 40 angegeben. Tas armenische katholische Patriarchat hat der Pforte eine Beisch w e r d c n o t e überreicht, worauf die Pforte den Generalissimus aufgefordert hat, eine Untersuchung einzul-eiten.
Rumänische Nachrichten.
Bukarest, 16. Juli. Das Parlament ist heute zu einer außerordentlichen Session zusammen- ,getreten. Ter Ministerpräsident verlas eine Botschaft des Königs, her Balkautrieg sei neuerlich wider Erwarten aus- gebrochen, hervorgerufen durch die Haltung Bulgariens gegen seine eigenen Bundesgenossen. Tie Regierung habe geeignete Maßnahmen ergreifen müssen, um Rumänien angesick)ts der neuen Balkanlage die ihm gebührende Stellung zu erhalten.
Bukarest, 15. Juli. Der Agencc Noumaine zufolge verließ der König gestern abend im Sonderzuge Bukarest, um die längs der Donau konzentrierten Truppen zu besichtigen. Die Reise des Königs ist für sechs Tage berechnet. Unmittelbar vor der Abreise erhielt der König auf dem Bahnhofe ein Telegramm des Erbprinzen Ferdinand, daß sich der U e b e r g a n g der rumänischen Armee über die Donau auf das bulgarische User vollziehe, nachdem innerhalb 7i/2 Stunden eine große Brücke über die Donau geschlagen worden sei. Tie Regierung forderte die diplomatischen Vertreter Rumäniens im Auslande auf, den Mächten den Standpunkt Rumäniens bezüglich des allgemeinen Friedens und der Dobrudschagrenze mit- zuteilen. Diese Note der Regierung stellt genau die topographischen !Punktc für die Grenzbestimmung fest, um unnütze Verhandlungen izu vermeiden.
Bukarest, 16. Juli Blättermeldungen zufolge haben die Bulgaren bei Rustschuk drei Monitore, sowie zwei Kanonenboote versenkt, um sie vor der Eroberung durch die Rumänen zu bewahren.
Der Vormarsch der Türken.
Sofia, 16. Juli. Die türkischen Truppen betraten gestern 30 Mlometer diesseits der Linie Enos—Midia das Ge - bi e t von Bunar Hissar , ohne auf 'Widerstand zu stoßen, da das Land von Truppen entblößt ist. Die christliche Bevölkerung flüchtet vor Ausschreitungen der Türken.
London, 16. Juli. Ter Korrespondent des Reuter schen Bureaus in Konstantinopel erhielt, obwohl sich die amtlichen Kreise Zurückhaltung auserlegen, die p o s i t i v e Infor mati o n, daß die türkische Regierung entschlossen sei, bis Adria nopel Vorzug eh en. Außer materiellen Vorteilen, die durch eine kühne Bewegung in dem gegenwärtigen Augenblick zu gewinnen leien, würde die moralische Wirkung eines Erfolges in dieser Richtung die innere Lage sicherer gestalten, urrd die Stellung der Regierung festigen. Deshalb denkt man, daß das Menteuer wohl !gu Ivanen sei. Uebrigens meinen türkische Kreise, daß die Türkei selbst in dem wenig wahrscheinlichen Falle, daß die Mächte zur Aufrechterhaltung der Grenze Enos Midia einen Truck aus- füben sollten, aus die Auto nomieThraziens dringen könne. Indessen haben die Mächte bisher betreffend der Bewegung der itürkischen Truppen keine Mitteilung an die Pforte gerichtet. Türkische Kreise halten eine Intervention für unwahrscheinlich.
Sofia, 16. Juli. Ministerpräsident Tr. Danew teilte den Vertretern der Mächte mit, daß ein Telegramm des Gou- vernenrs von Kirkilisse meldet, die Türken hätten sich des Bahnhofs von L ule b urgas bemächtigt und rückten von Uzun— uCöprö vor. Ta new bat die Mächte, in Konstantinopel Schritte unternehmen, um den Marsch der t ü r k i s ch e n T r u p p e n aufzuha lten, da der Londoner Friedensvertrag zwischen der Türkei und Bulgarien endgültig sei.
Die Botschaftcrkonfcrenz.
London, 16. Juli. Die nächste Sitzung der Botschafter- Konferenz findet Montag statt. In der gestrigen Sitzung beschäftigten die Botschafter sich hauptsächlich mit der a l b a n e - »fischen Frage. Die Haltung der Mächte in der gegenwärtigen ,Balkankrise wurde nicht besprochen, aber man glaubt bestimmt, daß die Botschafter einstimmig den Grundsatz annebmen, nicht zu intervenieren, wie bereits in den Worten Greys ausgedrückt • ist. Obgleich die Konferenz in verschiedenen, vorliegenden Fragen keine Beschlüsse annahm, versichert man doch, daß die Meinungs- verschiedenbeiten unter den Botschaftern jetzt geringer alt» j?orl)er feien, und daß der Ansichtsaustausch sowohl tvähreitd der Sitzung der Konferenz wie außerhalb derselben die Hoffnung rechtsertigt, das; die Frage des albanischen Statuts uno der Grethe von Epirus gelöst werden kann, ehe die Botschafter im nächsten Monat ihren Urlaub antreten. Emer dringenden Erledigung bedarf die Frage der albanischen Gendarmerie, zumal 'bie serbischen und montenegrinischen Truppen jetzt abgezogen sind.
Während ein Teil der Botschafter es nur für unklug hÄt, Albanien völlig ohne Schutz zu lassen, ist ein anderer Teil dafür, daß die Gendarmerie unter den fremden Offizieren unverzüglich zu organisieren sei. Es werden Schritte unternommen, schwedische Instruktoren dafür zu gewinnen. Die Aufstellung des albanischen Statutes wird größere Schwierigkeiten bereiten als die Festltel- lung der griechisch-albanischen Grenze. Bon gewissen Seiten wird eine so strenge internationale Kontrolle Albaniens gefordert, daß die Unabhängigkeit des Landes dadurch illusorisch würde.
Man hat Grund zu glauben, daß Albanien, um unabhängig zu fein, an der Spitze einen Fürsten haben wird. —_ Was die Grenze von Epirus anbetrifft, so ist noch keine endgültige Lösung gefunden worden, doch hofft man auf eine Verständigung, die gleichzeitig dem Standpunkt der am meisten dabei interessierten Mächte entspricht und auch für Griechenlaitt» annehmbar ist. Wie man zu wissen glaubt, wäre Oesterreich nicht abgeneigt, den Vorschlag Greys anzunehmen, wonach die Grenze nach ethnographischen Grundsätzen bestimmt roerbeit soll, vorausgesetzt daß sie vom Kap Stylos ausgeht und Albanien dabei Kowitja erhält. — Oesterreich besteht darauf, daß die Mächte den Vev- lauf der Grenze im allgemeinen zu bestimmen haben, wenn auch hier wie in anderen Fällen eine technische Kommission die EinzÄ- heiten ausarbeiten muß.
Paris, 16. Juli. Nach einer offiziösen Mitteilung bemerkten die serbischen Delegierten in der heutigen Sitzung des Ausschusses für Geldreklamationen, daß sie angesichts der völligen Weigerung der türl'ischen Delegierten, erst eine von den Balkanstaaten erhobene Geldreklamation anzuerkennen, die Frage der Entscheidung in formellster Weise mit der Frage der Beteiligung an der türkischen Schuld verknüpfen, so daß diese Frage getrennt von den anderen geregelt werden könnte. Die Vertreter Deutschlands erhoben gegen diesen Standpunkt Einspruch und verlangten, daß diese Frage vor die für Freitag an beraumte Plenarsitzung der Kommission verwiesen werde.
Deutsches Uerch.
Balestrand, 16. Juli. Ter Kaiser begab sich heute mittag an Land zu einem Spaziergang in der Umgebung Balholms. Unter Glockengeläut wurde der auf einem Ausfluge abgestürzte Matrose vom Schiffe „Kotberg" beigesetzt. Tie anwesenden Schisse flaggten aus Halbmast. Nachmittags hörte der Kaiser einen kriegsgeschichtlichen Vortrag.
Berlin, 16. Juli. Der „Kreuzzeitung" zufolge ließ der Kaiser der Witwe des Grafen Kauitz-Podangen ein Beileidstelegramm zugehen.
Berlin, 16. Juli. Die „Rordd. Allg. Ztg. schrelbt: Einigen Blättern fiel es auf, daß wir in unfern letzten Rückblicken über die innere Politik den sozialdemokraliscl^n W a h l s i e g Zauch-Belzig nur statistisch behandelt haben und nicht ausdrücklich bedauerten. Unser Blatt bekämpft seit Jahrzehnten ununterbrochen und ohne Schwanken die Sozialdemokratie. Wir hörten auch nie aus, die Wahlunter st ützung zu bekämp- f e n , die der F r e i s i n n in steigendem Maße per Sozialdemokratie zuteil werden läßt. Ta wir das Wahlergebnis ebenso bedauern wie die der Sozialdemokratie gewährte Hilfe und ebenso mißbilligen wie die gesamte bürgerliche Pres^, soweit sie sich nicht im Schlepptau der Sozialdemokratie bewegt, so ist es selbstverständlich, daß diejenigen, die uns Kühle oder sogar zweideutige Haltung vor- wersen, ein ganz müßiges Geschäft betreiben.
Freiburgi. B, 16. Juli. In der Frage der Bürgermeisterwahl ist gestern zwischen dem Zentrum, den Nativnalliowalen nnb den Sozialdemokraten eine Einigung zustande gekommen. Danach werden die Parteien den bisherigen 2. Bürgermeister Riedel zum 1. und an seiner Stelle den Bürgermeister Tr. H ofner aus Ettlingen bei Karlsruhe wählen. Die Wahl eines Technikers, die von einigen Seiten betrieben wurde, ist damit bin fällig.
Ausland.
Bad-Ischl, 16. Juli. Tie Audienz des Grafen B e r ch- t old beim Kaiser dauerte zwei Stunden. Ter Minister bleibt bis morgen abend hier und dürste morgen aufs neue tn Audienz erscheinen. , . .
2 onc> on, 16. Juli. Wie offiziell bekannt gegeben imrb, hat sich Prinz Arthurvvn Connaught mit der Herzogin von Fise, einer Nichte des Königs, verlobt.
Paris, 16. Juli. Tie Regierung will alles aus- bieten, um das T r e i j a h r g e s e tz noch im Lause d. M. zu verabschieden. Sie ist der Ansickst, daß durch bie An na pme des Antrags auf Einstellung der Zwanzigjährigen alle Einwände gegen die noch zu beratenden Artikel wegsallen würden und das Gesetz am Samstag in der Kammer erledigt werden könne. Ter Senat hätte dann Zeit, um das Gesetz noch Var Ablaus des Monats durchzuberaten. Tie Kammer würde diese Zeit benützen, um den vom Senat abgeänderten Budaetentwurs für 1913 zu erledigen, so daß die Session am 31. Juli abends geschlossen werden könne — lieber die finanzielle Deckung der durch die Militärvorlage verursachten Ausgaben wird in Parlamentskreisen bemerkt, daß die Vorschläge des Finanzministers Dumont wenig Anklang gefunden hätten. Tie Kammer werde sich denn auch voraussichtlich damit begnügen, den Grundsatz ber Deckung anzunehmen und erst in der Herbstsession über die verschiedenen Steuerprojekte verhandeln. .
Paris, 16. Juli. Zu dem Na ne y er Vorfall wird gemeldet, daß der Obmann der Naneder allgemeinen Studentenvereinigung an die Blätter ein Schreiben gerichtet bat, in dem er seine Mißbilligung über die „unüberlegte Gebärde" eines Studenten ausspricht, für die man die gesamte Studentenschaft nicht verantwortlich machen könne. .
Washington, 16. Juli. Präsident Wilson forderte heute den Botschafter in Mexiko, Wilson, auf, zu einer Besprechung nach Washington zu kommen. Man nimmt an, daß diese Begegnung von Bedeutung für die Haltung der Union» floaten gegenüber der Negierung Huertas sein wird.
Shanghai, 15. Juli. Ter Zusammenstoß zwischen nord- und südchinesischen Truppen in Kiangsi erregt hier große Besorgnis. Man befürchtet, daß er der Beginn einer zweiten Revolution sein möchte.
Aus Stadt und Land.
Gießen, 17. Juli 1913.
22. Jahresversammlung des Krankenkassenvcrbandes für daS Großherzogtum Hessen.
Aufder 2 2. Jahresver sammln ugdesKran- ke ukassenverbandes für das Groß Herzogtum Hessen, die in Bensheim tagte, zeitigte die Frage, wie das Verhältnis zu A e r z t e n, Zahnärzten, Ten- tisteti und Apotheken si»ch gestalten soll, sehr lebhafte Erörterungen. Geschäftsführer Göbel-Mainz führte aus, daß Zahntechniker unter bestimmten Voraussetzungen bei den Krankenkassen für die Zukunft zuzulassen seien. Mit den Apotheken empfiehlt er vorerst keine Verträge abzuschließen, sondern zu warten, bis die Verordnung des Ministeriums erschienen sei. Die Apotheker seien wenig geneigt, den Kassen Entgegenkommen zu zeigen. Die gegenwärtig schwierigste Angelegenheit sei der Abschluß von Verträgen mit den Aerzteu. Tie Forderungen, die der Leipziger Be r b a n d der Aerzte stelle, sind als Ganzes genommen unannehmbar. Die Erfüllung würde den Ruin der Kassen bedeuten. Tie Ortskrankenkasse Mainz mürbe eine Mehrausgabe für Arzthonorar von 196 735 Mk. jährlich haben. Die bisher unter dem Vorsitz des Direktors des Oberversicherungsamtes gepflogenen, unverbindlichen Verhandlungen zwischen Vertretern der Krankenkassen und den Äerzteu haben kein Ergebnis zeitigen können, da den Vertretern die Vollmacht fehlte.
Nach ausgedehnten Verhandlungen wurde der Vorstand beauftragt, den Aerzten eine Pauschale von 4.50 Mk. steigend bis 5 Mk. je '.Nitglied und Jahr vorzuschlagen. Tie 'Familienbehandlung ist gesondert zu regeln. Tie geforderte Einteilung der Mitglieder in Gruppen ist abzulehnen. Zur Kassenpraxis sind sämtliche Aerzte zuzulassen, nicht nur die Mitglieder des Leipziger Verbandes. Tie Versammlung wünscht, daß ein Konflikt mit den Aerzten vermieden wird, da ein solcher nicht im Interesse der Kassen liegt, erklärt jedoch, daß die Kassen nicht über das Maß ihrer finanziellen Kräfte hinaus gehen können. Eine Herabsetzung der Leistungen oder eine Erhöhung der heute schon teilweise recht hohen Beiträge wurde die Folge sein, wenn hie Forderungen der Aerzte erfüllt werden sollten. Beides geht aber nicht cm, da die Krankenkassen in erster Linie für die Versicherten geschaffen worden sind und den Kassen durch die Reichsversicherungsordnung sowieso )d>on bedeutende Mehrausgaben erwachsen. Die Tagung erklärte einmütig, daß eine angemessene Honorierung der Aerzte im Interesse des Kranken iwtwendig ist, übertriebene Forderungen aber abgewehrt werden müssen. Es soll weiter mit den Aerzten verhandelt werden und dann soll sich eine im Herbst stattfindende außerordentliche Verba n d s v e r s a mm l u n g lediglich mit der Aerzte- angele genheit besckstiftigen.
Weiter wurde der Vorstand beauftragt, die mit dem „Verband der Krankenkassen und der Gemeinden als Trager der Krankenversicherung im GroßhmTzogtum Hessen" geflogenen Verhandlungen zwecks Bildung eines Zweckverbandes zur Durchführung aller wirtschast- li chen Fragen fortzusetzen und das Resultat der Verhandlungen der demnächst stattfindenden außerordentlichen Versammlung zu unterbreiten.
Amtmann Krapp-Darmstadt sprach über „Die Beziehungen der Armenfürsorge zur Krankenversicherung" und Neumann-Offenbach über „Die dreuorganisatioit der K ranke tikassen und die Wahlen zu den Versich erun gsbehörd en".
Wie aus dem Geschäftsbericht hervorgeht, gehören 31 Orts-, 2 Betriebs- und 2 Jnnungskrankenkassen dem Verband an. Tie Mitglieder,zahl dieser Kassen betrug am Schluß )es Geschäftsjahres bei einer Zunahme von 7926 insgesamt 115135. Tie Gesamteinnahmen betrugen 4 749 570 Mk., die Gesamtausgaben 4 447 457 Mk., das Gesamtvermögen Ende 1912: 2934132 Mk. An Reservefonds waren vorhanden 2 023 630 Mk., während 3 532 608 Mk. vorhanden sein sollen. Von den Kassen des Verbandes sollen am 1. Januar 1914 15 Ortskrankenkassen geschlossen werden, einige andere ft»er- den zu allgemeinen Ortskrankenkassen ausgestaltet. Es be- 'tehen zurzeit 897 Kassen, nach dem 1. Januar 1914 werden nur noch 129 Kassen vorhanden sein nnb zwar 23 allgemeine und 11 besondere Ortskrankenkassen, 14 L and trau ken- kassen, 74 Betriebs- und 7 Jnnungskrankenkassen. — Die nächste ordentliche Jahresversammlung wird in Bingen abgehalten.
** Tageskalender für Donnerstag, 17. Juli: Sech st e i ?l b o n n e in e n t s-K o n z e r t unlerer Regimentsmusik in Steins Garten Operetten-Abend. Abends 8J4 Uhr.
Zirkus Althoff: Abschieds-Vorstellung. Abends 81/« Uhr.
** Eisenhuth-Denkmal. Eine Ehrung des ehemaligen Leiters des hessischen Volksschulwesens, Geheimen Oberschulrats Tr. Eisenhuth, hat der Landes-Lehrerverein in Verbiirdung mit dem Katholischen Lehrerverein Hessens beschlossen, jn Alzey, wo Dr. Eisenhuth bis 1892 als Seminardirektor lvirkte, soll ihm ein Denkmal entstehen. Ter dem Seminar gegenüberliegende Botanische Garten soll es aufnehmen. Tas Denkmal soll aus einer Stein gruppe bestehen, die mit Pflanzen besetzt wird. Da die Geldsammlung die Kosten übersteigen wird, so gedenkt man noch eine Gisenhuth-Sttstung «einzurichten.
*♦ Ausschreiben. Tie Großh. Staatsanwaltschaft schreibt uns: Am 12. Juli l. Js. nachncittags wurden, wie schon wiederholt mitgeteilt, von unbekanntem Täter oder Tätern zwei Steine, von denen jeder etwa 12 Zentner schwer war, auf die Bahnstrecke Laubach—Freienseen, 270 Meter von dem Uebergang entfernt, wo die Straße Laubach—. Schotten die Bahnstrecke schneidet, niedergelegt, so daß der Zug ab Laubach 5.49 Uhr nachmittags gefährdet gewesen wäre, wenn die Steine nicht kurz vorher gefunden worden wären. Tie Kgl. Eisenbahndirektion Frankfurt a. M, hat für die Ermittelung der Täter 300 Mark ausgesetzt. Es ist nicht ausgeschlossen, daß zwei etwa 11jährige Jungen, die in der Nähe der betr. Stelle um 4 Uhr Erdbeeren suchten, als Täter in Betracht kommen.
• • Regat tapreise. Die bei der Regatta des Ruderklubs ,Hassia" am nächsten Sonntag zur AuSfahtt gelangenden Preise sind im Schaufenster des Tapetenhauses Otto Täubert, Seltersweg, ausgestellt.
• • Der Verband d eutscher Eisenbahn-Handwerker und -Arbeiter, Ortsoerein Gießen, feiert am SamStag und Sonntag sein 15. Stiftungsfest, bestehend ait§ einem Festbankett und Fahnenweihe im Kath. VereinS- hauS, Festzug und Sommerfest. Der Verband zählt jetzt 18 000 Mitglieder.
* * Beim 12. Deutschen Turnfest in Leipzig haben die vom Gießener Turnverein (1846) entsandten Mitglieder vorzüglich abgeschnitten: Die vom Gau Hessen vorgeführlen Ge- wandtheits-Ucbungen, an denen sich 5 Gießener Turner beteiligten, erregten bei dem zahlreich erschienenen Publikum außerordentlich großen Beisall.- Die schneidige Ausführung erregte besonders bei beit Ausländern großes Aussehen. Das glückliche Gelingen der Ucbungcit ist vor allem dem Gautumn-art Will-Gießen zu danken, der sich mit großer Liebe der Vorbereitung gewidmet hatte. Mit dem Prädikat gut wurde die vom Turnverein entsandte Musterriege gewertet, um deren Zusammenstellung und Einübung sich Turnwart Erb besonders verdient gemacht hat. Bon den Einzelwetturnern erhielt der Turner Rudolf Wenzel int Seck)skampf den 38. Preis, was bei der starken Konkurrenz als eine sehr gute Leistung zu bezeichnen ist. Auch der Fechter Adolf Noll hat sich gut gehalten, es steht jedoch nicht fest, ob er eilten Preis erhalten hat. Der Gießener Turnverein läßt es sich nicht nehmen, die Sieger heute abend bei ihrer Ankunft am Bahnhof. 9 Uhr 12 Min., festlich zu empfangen und wird zu Ehren der Heimkehrenden in der Turnhalle an der Nvrdcmlage einen Fest- kommers veranstalten.
** Viehweide in Gießen. Links der Rvdheimer Straße hat ein Viehhändler ungefähr 11 Morgen Weide zum Pachtpreffe von jährlich 1050 Mk. auf vorläufig fünf Jahre erstanden und läßt darauf crugeublicflich Kühe ostfriesischer Rasse weiden.
•• Selbstmordversuch. Der 22 Jahre alte Kaufmann G. H. von hier und die 20jährige A. T. von Eschwege machten im Philosophenwald einen Selbstmordversuch. Der junge Mann hat den Revolver anscheinend zuerst auf das Mädchen gerichtet und eS in der Gegend der Schläfe lebensgefährlich verletzt, um dann die Waffe auf sich selbst zu


