Ausgabe 
17.1.1913 Drittes Blatt
 
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Durch das Entgegenkommen des SchahFekrelärs Ein ich in der Lage, dem Handwerksblatt diesmal einen Zuschuß von 10 000 Mark zu gewähren. (Beifall.)

In meinen Ausführungen über unsere Wirtschafts' Politik kann ich mich sehr kurz faflen, weil bei der großen Mehrheit des Hauses absolute Einigkeit in der Ae- crlennung der gegenwärtigen Wirtschaftspolitik besteht. Ich habe schon bei früheren Gelegenheiten ausgeführt, daß unser Streben nur sein kann, unsere bisherige Wirtschafts­politik ohne Schwanken fortzuführen und für das Jahr 1917, wo unsere meisten Handelsverträge ablaufen, die geeignete Grundlage für die Fortsetzung dieser Politik zu schaffen. Tie Politik der Rcichsbank hat namentlich in den letzten schweren Zeiten von 1911 und 1912 die allgemeine Billigung gefunden. Die Börsenkrisen der letzten Zeit hängen weniger mit den Börsen- Verhältnissen selbst als mit der Kreditgewährung der Banken zu­sammen. Wir schenken diesen Vorgängen die ernsteste Aufmerk­samkeit, wollen aber gesetzgeberische Eingriffe veroieiden, so lange cs geht. (Beifall.)

Abg. Dr. Pieper (Zentr.)s

e Die Negierung darf nicht dabei stehen bleiben das Bnhnen- ivesen gesetzlich zu regeln, sondern sic muß auch das Kinemato- graphenwcscn hincinzichen. Während die Schmutz- und Schund­literatur zurückgegangen ist, hat sich bei uns ein Bilder- sch u n d schlimmster Art eingenistet. Fast noch schlimmer als die Vorführungen sind die Reklamen der Kinematographentheater, die durchweg auf die niedrigsten Instinkte der Menschen spekulieren. Die Bilder müssen bei dem Gesetz gegen die Schund- und Schutzliteratur ebenfalls getroffen werden. Die Abänderung des Handelsgesetzbuches bezüglich der Konkurrenzklausel mutz durch Abänderung der Gewerbeordnung auch auf die tcch- Milchen Angestellten ausgedehnt werden. Tie Vorschriften für die Handlungsgehilfen und technischen Angestellten müssen auch aus die Burcaukräste der Rechtsanwälte ausgedehnt werden. Erfreulich ist, daß nach den Ausführungsbestimmungen zum Heim­arbeitergesetz die Gcwcrbeaufsichtsbeamten ihre Verfügungen ohne Mitwirkung der Lrtspolizeibehörden erlassen können. Dies muß auch für ihre Verfügungen auf Grund der Gewerbeordnung gelten, namentlich bei den hohen Anforderungen, die heute in Preußen an die Vorbildung dieser Beamten gestellt werden. In Hamburg hat man ihnen dies Recht schon cingeräumt.

Die Nachtarbeit muß nach Möglichkeit eingeschränkt werden. Die Entschließungen des Bundesrats auf die Beschlüsse des Reichstags zeigen in diesem Jahre ein etwas freundlicheres Gesicht als früher. Wir werden dem Verbot des S t r e i kp o st c n st c h e n s nicht z u st i m m e n. Die Aus­wüchse können durch die jetzigen Gesetze schon hinreichend bestraft werden. Will man, wie Graf Westarp, die Menschenansamm­lungen Verbindern, müßte man entweder das Streiken überhaupt verbieten ober bei jedem Streik den kleinen Belagerungszustand verhängen. Das Verbot des Streikpostenslchens wäre ein .Klassengesetz gegen die Arbeiter. Gegenüber den Tarifverträgen von Bedeutung für das ganze Reich mutz das Rcichsamt des Innern dieselbe Stellung einnehmen wie die Gewerbcgerichtc nach dem Gewerbcgerichtsgesetz für ihren Bezirk. Dem Woh- nungselcnd mutz mit aller Energie entgegengetreten wer­den; seine Wirkungen machen sich schon bei dem Geburtenrück­gang bemerkbar.

Redner begründet zum Schluß eine Resolution des Zentrums, welche die Vorlegung einer Denkschrift über die Ergebnisse der Arbeiterschutz- und Arbeiterversicherungsgesetz- gebung fordert,

Abg. Lützel (Notl.) :

Durch die Gelegenheits-Gesetzgebung, wie die Bäckerei- Verv r d u u i: g , wild das Handwerk geschädigt. Wir müssen eine andere Anwendung dic,er Verordnung verlangen und vor allem eine einheitliche im Reiche. Eine Besserung im Handwerk wäre nur zu erreichen durch eine gründliche Umgestaltung unseres B > l d u n g s w e s e n s. Die Vorbereitungskurse zur Meisterprüfung scllten im ganzen Reiche eingeführt werden. Der Redner erörtert im weiteren das Programm seiner Parteisreunde in den M i t t c l st a n d s f r a g c n , in Ergänzung dec Ausfüh­rungen der Abgg. Kölsch und Schwabach.

Abg. Dr. Oertel (Kons.):"

Ich habe von der Kommandi-rungstätigkeit der Junker, die der Abg. Hoch behauptete, noch nichts bemerkt. Wenn wir wirk­lich das Oberkommando hätten, würde manches ganz anders außschen. Und Sie auf der äußersten Linken würden manche anderen Empfindungen haben. Mat hat uns sogar für das, Jahr 1808 verantwortlich gemacht. Damals gab's noch keine konservative Partei. Junker gab's, aber sie bilden keine Ge­meinschaft, so daß man den einen nicht für den anderen verantwort- lich machen kann. Es gab ja ai'ch Junker auf der Linken.

Air d'r Hetze gegen Marschall haben wir uns nicht be­teiligt, und der einzige Junker v. Lützow, der dabei beteiligt war, wurde von den echten Junkern abgeschüttelt. DenP o st" - Ar­tikel gegen den Kaiser haben wir mißbilligt. Auch die Frei» konservativeli waren dabei nicht erbaut. Unsere Resolution gegen das Streikpostenstehen ist kein Vorstoß, sondern ein R ückzug gegen das Vorjahr, weil wir Politiker filib, die mit den gegebenen Faktoren rechnen. Wir hofften, für diese abgemilderte Resulution mehr Verständnis zu finden, allerdings vergeblich. Wir haben sie cingcbrocht, weil alle bürgerlichen Parteien darin einig sind, daß etwas geschehen muß gegen den Terrorismus, der geradezu himmelschreiend ist. Wir engherzigen, einseitigen Agrarier (Hört hört! links) in Gänsefüßchen (Heiter­keit) erkennen an, daß die Industrie unter dem Terrorismus außerordentlich schwer leidet. Wir sind zu kluge Rechner, um aus Wahltaktik der Großindustrie Zugeständnisse zu machen, denn sie verfügt nicht über zahlreiche Wählerstimmen. (Zuruf: Aber über GeIdl) Wir sollen Söldner des Großkapitals sein? Tas sagt man besser von einer anderen Partei. (Sehr gut! rechts.) Wir bekämpfen die Auswüchse des Großkapitals.

Dr. Müller-Meiningen würde es mir übel nehmen, wenn ich stillschweigend an ihm vorübergehe. Ich möchte das nicht haben bei unseren zarten Beziehungen. (Heiterkeit.) DerVor­wärts" hat gerühmt, daß Dr. Müller bei seiner Polemik gegen die Konservativen glückliche Momente gehabt habe. Ich gönne ihm diese warme Anerkennung seines hohen Gönners von ganzem Herzen. Leider hat er uns nicht erzählt, wer zuerst den guten Gedanken von der Dämpfung im Wahlkampf gehabt hat Vielleicht sind sich beide Teile auf halbem Wege cntgegengekommcn, bis sie sich dann liebevoll in die Arme sanken. Tic Liebe w'rd vielleicht nicht allzu lange 6c» stehen bleiben. Dr. Müller hat mit dem Brustton der lieber» zeugung, der ihn so gut kleidet, erklärt, daß die Volkspartei nicht von der Sozialdemokra'.ie abhängig sei. Dr. Müller hat dann den Spieß umgedreht, darin >si er Meister, und er hat dann mit der Zungenkrast, die ihm fast so stark zur Verfügung steht, wie mir selbst (Heiterkeit), behauptet datz die Konservativen mit den Sozialdemokraten zusammengeganj-cn seien.

Er hat sich dann so hingestellt, (Dr. Oerkel stellt sich breit hm und steckt die Daumen in die Armlöcher der Weste große Heiterkeit rechts) ich Ditte mich nicht für einen verkappten Antisemiten zu halten und hat uns ein Techtelmechtel m l t den Sozialdemokraten vorgeworfen. Wenn je ein Parteifreund mit den Sozialdemokraten paktieren würde, so wäre ich der erste, der mit klarer Entschiedenheit einen Strich zöge zwischen einem derartigen Vorgehen und unseren Grundsätzen (Beifall rechts), die Konservativen haben niemals nut der Sozialdemokratie paktiert. (Beifall rcchlS, Lachen links.) ES ist mir sogar nicht angenehm, wenn wir mit ihnen hier verhandeln müssen. (Lachen bei den Soz.) Herr Delbrück meinte, die Sozialdemokraten seien milder geworden. Daö erinnert mich an fein Wort von derritterlichen Kampfes- weise". (Sehr richtig! rechts.) Ich habe von beiden nicht« ge­spürt. Die Sozialdemokrat, n sind eine republikanische Partei, die nicht auf dem Boden der Verfassung steht und grundsätzliche Gegnerin der Monarchie ist.

Das Deutsche Reich ist aber infoiucit Monarchie, als der preußische König an der Spitze des Reiches steht. Daher gibt cs für uns gegenüber der Sozialdemokratie nur den Kampf b i s zum äußersten Taö gilt besonders wegen ihrer Stellung zum Krieg. Vom wütendsten Marxisten bis zum sanftesten poma­disierten Revisionisten wollen.sie den Krieg , mit allen möglichen

Mitteln verhindern. Wenn man fragt: Mit welchen Mitteln, dann schweigt des Sängers Höflichkeit. Zwischen einer bürger­lichen Partei und der Sozialdemokratie kann irgend welches Pak­tieren nicht stattfinden. (Beifall rechts.) Gegen diese Logik kann auch Dr. Müller nichts einwenden. Freilich, er macht ein in­differentes Gesicht. (Heiterkeit rechts.) Tas ist in diesem rz-all schon sehr viel. (Dr. Müller: Sie langweilen mich!) Ich ver­gelte Gleiches mit Gleichem. (Heiterkeit rechts.)

Nun Herr Hägy. Er meinte, man könne über Herrn Wetterle nicht urteilen, ehe nicht der Wortlaut seiner Aeußerungen vor­liegt. Es sind aber schon Tage ins Land gegangen seitdem. Wa­rum sorgt Herr Wetterle nicht für den genauen Wortlaut? Richt nur c i n französisches Blatt hat über die Vorträge Wetterles be­richtet, sondern mehrere, die auch in der Sache übereinstimmen.

Die Entrüstung des Hauses und aller Parteien bis zu den Sozialdemokraten über das Verhalten Wetterles war völlig be­rechtigt, wenn er sich wirklich so ausgesprochen hat. Hat er es nicht getan, dann mußte er für Aufklärung sorgen. In seinem Blatt wurde erklärt, datz noch 50 Vorträge in Frankreich erfolgen sollen. Vielleicht ist das nur ein bißchen französische Ueber- treibung. Aber wir müssen damit rechnen, daß er Nachfolger findet. Mir kommt es nicht nur darauf an, was er gesagt hat, sondern darauf, datz er jetzt überhaupt über deutsche und elsaß- lothringische Verhältnisse in Frankreich gesprochen hat. (Leb­hafte Zustimmung.) Schon diese Tatsache genügt, um die herbe Kritik zu verstehen, die fein Auftreten hier im Reichstage ge­funden hat. Ich weiß nicht, wie er das mit den Aufgaben her Stellung und der Würde eines deutschen Abgeordneten vereinigen kann. (Lebhafter Beifall.) Hägy hat die Rede harmlos genannt. Sein Auftreten war keineswegs harmlos. Jetzt ist Wetterle indenHaushalts- aus schuß der elsaß-lothringischen Karniner ge­wählt worden. (Hört! Hört!)

Ich verstehe nicht, wie die Parteifreunde des Wetterle, falls sie auf dem Standpunkt Haegys stehen, diese Wahl zu diesem Zeitpunkt haben vollziehen können. (Sehr richtig!) Ich hoffe, Herr Haegy hat Einfluß auf Wetterle. Viel helfen wirds nicht, denn er gehört zu den Herren, die die Gewohnheit haben, in die Binsen zu gehen. Ich würde ihm raten, den Wetterle zu einem Frühstück einzuladen und ihm zu sagen: Lieber Freund, wenn du weiter noch Vorträge in Frankreich halten willst, dann sage_ das, was ich hier im Reichstag gesagt habe dann sage, daß die Elsaß- Lothringer keinen französisch-deutschen Krieg mehr wünschen. (Sehr gut!)

Ich verstehe es auch nicht recht, iaie ein Abgeordneter des Deutschen Reiches das hiesige Bureau einer französischen Zeitung vertreten ka n n, die auf dem Standpunkt de» Herrn Iau res steht. Ich stütze mich nur auf Zeitungsnachrichten. Vielleicht kann Dr. Weill sie als unrichtig Nachweisen. (Dr. Weill (Soz.): Ich habe keinen Anlaß dazu.) Da denkt man freilich alles mögliche.

Tie Privatgeschäfte eines Reichstagsabgeordneten gehen uns nichts an, gewiß; aber in der jetzigen Zeit das Bureau einer fran­zösischen Zeitung zu leiten, erfordert ein M a tz von Takt, politischer Klugheit und vaterländischem Sinn, das ich Herrn Tr. Weill von Herzen wünsche. Ter Staatssekretär hat unsere Resoliltion mit freundlichen Worten abgelehnt. Er meint, der Reichstag nimmt sie doch nicht an. Nun, die Zeit lvird kommen, wo auch der Reichstag eines besseren be­lehrt wird.

Sie verweisen, Herr Staatssekretär auf die Strasrechts- reform. 1919 soll sie kommen, andere sprechen von 1922. (Zuruf: 1972.) Jawohl, vielleicht 1972. (Heiterkeit.) Nun, dann wird das Volk die bedenkliche Auffassung haben, datz die Negierung nicht ben Mut, nicht die Macht unb nicht den Willen hat, diesen bedenk­lichen Zuständen entgegenzutreten. Deshalb bebmiere ich auf. richtig die Ausführungen be§_ Staatssekretärs. Weil das leider den Eindruck niacht, daß der ^Staatssekretär und der Reichskanzler in dem bevorstehenden unvernieidlichen Kampf gegen die Soz'al- demokratie nicht den Mut und die Entschiedeiiheit zeigen wird, die dringend notivendig sind. (Zurlife vom Zentr.) Daß dieser Kampf die Aufgabe der Zukunft ist, meine Herren vom Zentrum, habe ich in Ihren Zeitungen oft überzeugend gelesen und hat Trimbaru erst neulich in einer Versammlung unzweideutig dargelegt. Die Väterlichen Ermahnungen des Staatssekretärs an die Sozialdemo­kraten verfangen nicht. Ihr Lachen hat ihm das gezeigt. Mit väterlicher Erziehung ist hier nichts mehr zu tun. (Die Sozial­demokraten rufen: Knute! Lärm.) Dazu sind Sie jetzt noch zu unschuldig. Dr. Oertel spricht sodann über Mittelstands- Politik.

Wir können die Staatsordnung nur ausrechterhalten, wenn wir eine mutige und kräftige, gesunde und kraftvolle Mittel­standspolitik treiben, nötigenfalls auch mit Rücksichtslosigkeit, sonst sind wir dein Ruin nahe (Huh, Huh bei den Soz.), treiben hinüber in das uferlose Meer des sozialdc moratischen ZukunftS- staates. (Unruhe bei den Soz, lebhafter Beifall rechts.).

Persönlich bemerkt

Abg. Dr. Weill (Soz.):

Auf die liebenswürdige Anfrage deö Abg. Dr. Ccrlel stelle ich mit größter Bereitwilligkeit fest. Ich war bisher der Kor­respondent derSnimanite", des von meinem Freunde Jaures geleiteten sozialistischen Blattes, ich bin cs noch und werde es auch bleiben. (Bravo bei den Soz.) Diese Tätigkeit als Mit- arbeitet des sozialdemokratischen Zentralorgans Frankreichs sieht keineswegs im Widerspruch mit meinen Pflichten als Mitglied dieses Hauses. Denn oieHumanste" verfolgt sei ihrem Bestehen mit großer Ruhe und Entschlossenheit gerade die Politik, die Dr. Oertel den Herren Wetterle unb Hägy als mustergültig empfohlen hat. (Sehr wahr! bei den Soz.) Eine Politik der Versöhnung und der Verständigung zwischen den beiden großen Nationen. Ich habe durch diese Tätigkeit bewiesen, daß ich ganz unabhängig von den vermrtlich sehr wohlgemeinten Ratschlägen des Dr. Oertel die politischen Eigenschaften besitze, die zur Führung meines Amtes nötig sind. (Beifall bei den Soz.)

Abg. Dr. Werner-Gießen (Rp.):

Die Behauptung des Abg. Hoch, datz ich in einem Warenhaus eingekauft habe, weise ich als ganz gewöhnliche Verdächtigung zu­rück. (Präsident Kaempf rügt diesen Ausdruck.)

Abg. Dr. Haegy (Elsässer) k will die Vorwürfe, die gegen den Abg. Wettcrlö erhoben sind zu- rückweisen, wird aber vom Präsidenten unterbrochen; er könne für diesen keine persönliche Bemerkung machen.

Abg. Dr. Haegy (Elsässer):

Dann stelle ich in meinem Namen fest, daß Herr Wetterle mir Zwei Exemplare ,einer Rede geschickt hat, die ich im Hause verteilt habe.

Abg. Gros Westarp (Kons.):

Ich stelle fest, daß ich als Polizeipräsident c8 niemals ver- sucht habe auch nicht durch meine Untergebenen, mir Schriftstücke auf eine Weise zu verschiffen, wie sie der Abg. Fischer sich ver­schafft hat. (Zuruf bei den Soz.: Weißer Rabe!)

Frcitag 1 Uhr: Kurze Anfragen, Weilerberalung.

Schluß 6% Uhr.

21115 Statt und Land.

Dießen, 17. Januar 1913.

"Ordensverleihungen. Ter König von Preu­ßen bat den u ad) benannt en Offizieren die Erlaubn zur An­legung der ihnen verliehenen nichtpreußischen Orden er­teilt: des Komturkreuzes zweiter Masse des Hessisd)en Ver­dienstordens Philipps des Großmütigen: dem Oberst, n v M tt Iler, Kommandeur der 31. Felbarttlleriebrigaoe; des Ritterkreuzes zweiter Klasse desselben Ordens: dem Ober­leutnant v. Groote im 3. Ostpreußischen Fcldartillcrie- reflinicnt Nr. 79.

** Versammlung von Augenärzten. Am Sonntag, den 19. ds. Mts. findet in der Universitats- Augenktintt eine Versammlung der hessischen und hessen- nassauischen Augenärzte statt; damir soll die Gründnna einer gleichnamigen Bereinigung verbunden werden 2(n

die Besichtigung der neuen Augenklinik schließt sich eine wissenschaftliche Sitzung mit Vorträgen und Demonstra- Honen an.

" Reichsgrundungsseier. In der morgen abend in 3tcins Garten stattsindenden R e i ch s g r ü n d u n g s k e i e r wird Der Bancrschc Gesangverein einen Vortrag bringen:AinAnimcr- iee", von Langer;Sein S-Bube, von Sauer; .Deutscher Ehren- orcis", von Meth^essel und .Zaiüenslreich", von BiU6. Frau K Lerch (Sopran) wird singen: .Ja, Du bist mein", von Heymann; .Rezitativ und Largo aus Sersecs fuv Sopran und obligater tziolme, von Händel (Violini'olo Herr Franz Bauer jun,) unb .Mignon, kennst du das Land!" von Thomas. Herr Dtorflutl)' .Tenor) hat ausgemählt:DaS Fischermädchen", von Schubert, .Waldesgespräch' und .Frühlingsnacht", von Schumann, .Laus der Welt", vvn Grieg, .Ich denke ost an's blaue Meer", von Wein- lartner, und .Freude soll in deinen 'Werten sein', von Schillings, oerr Hahn (Pianist) wird spielen:Ballade G-mo!l von Brahms, arcaiolc A-moll von Rubinstein, und Tarantella" von Liszt. Der großen Reichhaltigkeit des Abends wegen wird pünktlich begonnen werden.

Landkreis Gießen.

h. Steinberg, 16. Jan. Der Gesangverein Eintracht" begeht Samstag abend die Feier seines 14jährigen Stiftungsfestes intgrünen Baum". Lin überaus reid)haltiges Programm, das fid) aus Theater stücken, Gesangs- und Kvnzertvorträgen zusammensetzt, wird ',nr Verschönerung der Feier beitragen. Tie Musikkapelle sieht unter Leitung des Bereinsdi igenten Gg. Burger.

LiNdeUstrN 1 h, 16. Jan. Am Sonntag feiern der Gesangverein >m) der K r i e g e r v e r e i n ihr Winter- vergnügen mit Gefangsvorträgeu, Tyeater und Ball.

n. Lich, 16. Jan. Eine rohe Tat vollbrachte ein Landwirt in Bettenhausen, der feinen Baier auf der Straße zu erstechen versuchte. Vater und Sohn, letzterer ebenfalls Familienva.er, leben schon längere Zeit jt Feindschaft und nicht zusammen. Als am Samstag jer Großvater am Hause üoibeiging, riefen ihm die Enkel­kinder zu, er solle doch hereinkommen, was er and) tat. In zwischen kam and) der Sohn, der seinem Barer das Haus verboten hatte, nad) Hau,e und fing Spektakel an. Der alte Mann eilte fort unb sein Sohn lief ihm auf die Orts- siraße nach, wo er ihm mit einem Messer leb ens- gefährliche Stiche beibrachte. Der Baler wurde in oie Klinik gebracht und der Sohn in Haft genommen.

Kreis Lauterbad).

i. Herbstein, 16. Jan. Am kommenden Sonntag .1 b c n d findet wieder im Saale des Deutschen Hanfes ijicr ein ösfentlicherreligiöser Vortragsabend statt. Im Mittelpunkt steht diesmal die große KernfrageDie Gegenwart und) Wesen, Wahrheit u n d Wert des d) r i ft l i d) c ii Glaubens und des ch r i st l i ch c n Glaubensbekennt­nisse s". Die von allem kirchlichen Schematismus freie, kon sessioneil unbefangene, religiös warmherzige und wiffenfchastlich objektive und ticigründige Art, wie der Vortragende, Pfarrer vjc ö b u 5 von Udenhausen, das Thema behandeln wird, kann jedem ernst denkenden uuo tiefer gerichteten Menschen in unserer an religiösen Irrungen und Wirrungen leidenden Zeit geistige An­regung, Belehrung und Versöhnung bieten, einerlei, aus welchen, religiösen und kirehlichen Standpunkt er nud) sonst im Leben stehen mag. Der Vortrag lvird wirksam unterstützt werden burd tiinsigerechte deklamatorische, gesangliche und musikalische Dar- biehuigeit einiger Mcisterschöpfungcn aus dem reichen Schatze religiöser Dichtung und Musik. Reben dem Redner des Abends, der auch seine wohlbekannten gesanglidien Gaben ivieber, für einige Solostücke ans dem Oratorium Elias von Mendelsohn, aus bem Evangelimanii u. a. zur Verfügung stellen will, wird ein gemischter Ehor für gefängliche Unterhaltung sorgen. .Tie Deklamationen haben junge Glieder der evangelischcir Gemeinde Herbstein übenwinmen, und die Musik ist wieder in die auf Klavier unb Geige bewährten Hände deS Amtsrichters Wap/ gelegt. Er wird diesmal durch Herrn Direktor Reue nb or sf^ Hochivaldhausen auf dem Klavier unb durch einige andere Herren der Durerschule mit Violine und Eello unterstützt werden. Pro gramme werden int Saale ausgegebeu werden. Eintrittsgeld wird nicht erhoben, doch werden freiwillige Gaben zur Deckung der Kosten gern angenommen.

Startentmrg und Rhein Hessen.

b. Mainz, 15. Jan. In der heutigen Sitzung der Stabtverorbneten lief eine Beschwerde der Handels­gärtner gegen die S t a d t g ä r t u e r e i ein, die am Aller- icclentag durch Schmückung von Gräbern den Gärtnern Konkurrenz bereitet habe. Die Beschwerde soll geprüft wer­den. Das Gewerrschaftskartell ist um Einführung der Ar- bcitslosenunterstützung für den Winter eingekommen. Der Oberbürgermeister tcLtc dazu mit, baß nach einem Berichte des ftäbt. Arbeitsamtes bic Arbeitslosigkeit nicht solchen Umfang angenommen habe, baß stäbtische Hilfe notwenbig sei. Die sozialpolitische Deputation solle die Eingabe prüfen. Stablv. Adelung fragte wegen der Straßenräuberei an, wobei sich ein Schutzmann, der von einem der Ueberfallenen auf der Wache antelephoniert wurde, recht unsad)gemäß ver­halten hatte. Auch lvcgen der Schneereinigung und dem mangelhaften Betrieb der Straßenbahn fragte Stadtv. Ade­lung. Bon der Bürgermeisterei wurde nachgewiesen, daß die Polizei bei ben nächtlichen Ueberfällen alles getan hätte, was in ihrer Macht staub, allerbings habe der Schutzmann sich reckst uiigc)d)iät benommen. Es wird jetzt eine ständige Nachtwache für Kriminalbeamte eingerichtet und auch der Polizeihund verwendet. Am Sonntag morgen 10 Uhr feier vier der Hauptkinien der Straßendayn in betriebsfähigem Zustande gewesen. Der Schnee in den Fahrstraßen unb auf den Bürgersteigen sei mit Hilfe von 315 Arbeitern so rasch als mögrid) weggebracht worden. Stadtv. Schäfer wurde zur Beratung des Verwaltungsberichts als Vorsitzen-, der unb Gewerberat Falk als dessen Stellvertreter ge­wählt. Die Bestimm urigen über die Gehälter bet Lehrer würben auf ben Stabtteil. Mainz-Kostheim ausgedehnt. Tie (£md)tung neuer Parallelilassen an der höheren Mäd­chensdiule wurde beschlossen, es sollen drei akademisch ge­bildete Lehrer angestellt werden.

Kreis Welzlar.

= Wetzlar, 16. Jan. Die Bereinigung ehemaliger 80er Wetzlar hält am Sonntag, 19. ds. Mts., im Hotel ft altto aff er ihre Bierteljahrs-Beriammlung ab. Hierzu wer­den die Kameraden von Gießen unb Uingegenb eingeladen. Die Jubiläumsfeierlichkeiten für bas Regiment sollen am 7., 8., 9. unb 10. Juli in Wiesbaden und Homburg v. d. Hohe ftattfinben. Das Regiment legt den größten Wert darauf, baß unbedingt alle ehemaligen 80er sich ben bestehenden Vereinigungen anschließen und an den Feierlichkeiten teil nehmen. Um die außerordentlich schwierigen Vorberei- tungen zu solch einer Feier mit ihrer in viele Tausende gehende Tettnehrnerzahl in gehöriger Weise treffen zu kön­nen, ist es unumgänglid) notwendig, daß das Regiments sobald wie moglid) weiß, mit wieviel Festteilnehmern es rechnen muß. Es ist oeshaib geboten, baß alle Kame­raden, bic teilnehmen wollen, sich vorher bei einer in der Nähe bestehenden Vereinigung unter Angabe von Kom­pagnie unb Jahrgang baibigit anmelben. Anmelbungen von einzelnen Personen nimmt das Regiment nicht an, sondern gibt sie an die nächststehenbe Vereinigung weiter,! von ber bann vor ber Abreise zur Feier bie Quartierscheine, Festkartenbücher usw. an bie Einzelmikglieber ausgegeben