Malerfaks sollen die e'rforb>rlid)en Vorsckrislen für den Rhein er- lassen Werder. 2 q? @eeb über d i e Herrn arbeit ist erst am 1. April 1912 ergar.gn und erfordert in seiner Durchfüb- runfl eine ganze Reihe vor. Lorbereitungen Die §§ 3 und 4. die auf Grund einer allerhöchsten Verordnung erst später in Kraft gesetzt werden sollen, können erst dann in Kraft gesetzt werden wenn wir über d'< Anträge auf Besrr- ng — eS liegen bis setzt 16 solcher Anträge vor — beschlossen haben. Die Anregungen h"ir die Bildung von svachausschnssen neben zweckmäßig von den Bundesstaaten au« B-i mb ist r°r ei" Antrag au? der Konfektionsindustrie in Berlin eingeoangen den ick sofort an Preristen abgegeben habe. Der preussische §>andelßminister wird wahrscheinlich mit einer nicht unerheblichen Anrahs von Antränen aus Bildung von Fachausschüssen an den Bundesrat b>"'antreten; in den neuen Etats sind hierfür schon Mittel eingestellt.
Verhältnisse in der Zigarreubansindustrie sollen in dem- seloen Sinne aerenelt werden, wie dies fein ’raeit in d^m s^efetz- enftourf für die Tabakarbeber Vorgelegen bat. In der Einschränkung der Nacktarbeis und Cenntags- arbeit in b-e n B ä ck e r e i en find wir schon an die Grenze des Möglichen gegangen sowohl mit R>"'cknckt auf die Interess-'n des Betriebes wie der Konsumenten W'r können zur Zeit nickt weiter geben. Wenn ein G-werbmnspektor auf Grund feines Bezirkes die^ Möglichkeit der Beseitigung der Nachtarbeit bebanvt-t bat. so müssen dort eben die Verhältnisse aanz besonders liegen. Erft wenn sich unfeve bisherigen Bestimmungen eingebürgert haben, können wir generell mit Einschränkungen weiter Vorgehen. Der Entwurf über d i c Sonntagsruhe liegt dem Bundesrat sckon vor. Ick habe schon erwähnt weshalb er noch nickt vergeleat werden kann. Von mehreren Seiten ist eine Regelung der Arbeitsverbältnisse in der Großeisen, i n b u ft r i c verlangt worben.
Mir haben uns bamit erst in der Verordnung von 1908 befasst und es wäre voreilig, wenn wir setzt fchon etwas ändern wollten an d'efer Verordnung, ebe man ihre praktischen Wirkungen recht übersehen kann. Die Verordnunn bat anck indirekt sckon zu einer Vermin der u n a bet Ueberarbeit geführt. beim die Betriebsleiter sagten, fie hätten bei ihren Ermittelungen zu ihrem Erstaunen gefunden, bass weit mehr N'ber- arbeit geleistet wurde, als sie selbst für anaezeigt hielten. Tatsächlich ist nur eine reaelmässjae zehnstündige Arbeitszeit fest- gestellt worden, die durch längere Vaufen unterbrochen wird, während im Ausland bis vor kurzem meist eine zwölfstüntziae Arbeitszeit ohne Pausen bestand. Cb eine Verlängerung der Mindestruhezeit und der Pausen stck erin-mUcken lässt, kann ick beute nickt sagen, wir werden uns iedenfalls damit befassen. Es ist im vergangenen Jahre von der äussersten Linken beklaat wor- ben, dass so wenig Bundesratsverordnunpen auf Grund des § 120e der Gewerb-ordnung ergangen finb. Das ist boch nickt ganz zutreffenb. Wir haben einen grossen Teil der schwebenden tragen durch solche Bundesratsverordnungen geregelt .und sind nickt in der Lane, in iebem ^ahre neue Betriebszweige herauszusinden, bei denen eine solche Regelung notwendig Ware.
. Mischer hat ja schliesslich auch nur das fehlen eines
Gesetzes über die Regelung bcv Sonntagsruhe i m H a n d e l s g e »v e r b e beklagen können. Das wundert mich gar nicht denn wir haben auf dem Gebiete der Sozialpolitik eine so ftarfc gesetzgeberisch? Tätigkeit entlastet, dass hier eine g e
i f f e R u h e notwendig ist. Wir haben das Gebiet der sozialen Versicherung bis zur äussersten Grenze ausgedehnt, wir haben sogar die Angestellten bineingezogen. Es ist ja möglich, dass un Laufe der Jahrzehnte bei veränderten wirtschaftlichen Ver- haltnissen die Gebaltsgrenz n geändert werden können aber vorläufig ist ein gewisser Abschluss gefunden. Es ist nickt berechtigt, das Mass der sozialen Fürsorge zu messen an der Zahl der Bun- besratsverordnungen, die auf Grund des § 120 ergangen sind. Es ist ein Vorteil, dass solche Dinge nickt nur durch den Bundesrat, sondern durch die Landeszentralbehörden, durch Polizeiverordnungen und dergleichen erledigt werden können, und das ist geschehen.
Man kann tatsächlich nicht behaupteu, dass der Bundesrat unfruchtbar sei auf sozialpolitischem Gebiete und noch we-. Niger behaupten, dass die Bundesstaaten ihn hinderten, auf sozialpolitischem Gebiete seine Tätigkeit zu entfalten. Dass bei den Bundesstaaten gelegentlich andere Auffassungen als bei der Zentralstelle des Reiches in Erscheinung treten, liegt in der Natur der Dinge, ebenso häufig kommt es aber vor, dass Bundesstaaten geneigt finb. weiterzugehen, als es uns an der Zentralstelle möglich ist. Es ist schwierig, auf Grund des § 120 e der GO. komplizierte und vielseitige Industriebetriebe wirksam zu fassen. Es werden dauernd Beschwerden geführt, dass, wir nicht genug zum Schutze der Arbeiter in der chemischen Industrie tun. In der chemischen Industrie gibt cs eine ganze Menge Betriebe, die verhältnismässig ungefährlich finb, einzelne finb zweifellos mit besonderen Gefahren für die Arbeiter verbunden, und für diese speziell ist das Erforderliche auf Grund des § 120 e veranlasst. Für eine Reihe anderer Betriebe find Anweisungen ergangen, weil jeder Versuch, da generell vorzugehen, an der Eigenart der Betriebe scheitert. Ich glaube, dargetan zu haben, bass wir in der Fortentwickelung und Weiter-' fübrung unterer Tätigkeit auf sozialpolitischem Gebiete nicht nachgelassen haben. Auf ein intereffantes Moment möchte ich noch Hinweisen. 1
In den Vereinigten Staaten hat sich aus Anlaß' der letzten Präsidentenwahl eine neue Partei gebildet, und bae> Programm dieser neuen Fortschrittspartei in Nord-, amerika fordert unter anderem: Verbot der Kinderarbeit,' Maximalarbettsiag von 8 Stunden, Fürsorge für den Fall einer1 Krankheit und Arbeitsunfähigkeit der Arbeiter, besondere Fürsorge für die Heimarbeiter, Beseitigung des Unwesens auf dem Gebiete der Stellenvermittlung. Massnahmen zur besseren Verteilung der Arbeiter innerhalb der verschiedenen Distrikte des Staates, also eine Regelung des Arbeitsnachweises, ferner einen Ausbau der Koalitionsfreiheit und schließlich ein selbständiges Arbeitsamt. Sie werden zugeben müssen, dass die Mehrzahl dieser Forderungen bei uns. wenn nicht erfüllt, so doch in Angriff genommen sind und erfolgreich weitergeführt werden. In dem republikanischen Nordamerika ist auf dem Gebiet der Arbeiterfürforge vieles noch n'ckt geschehen, was wir in nuferem angeblich rüditän- bigen Deutschland feit langem haben. Diese ganze sozialpolitische Gesetzgebung bei uns ist zudem garnicht aus Ihrer Initiative entsprungen, sondern die Initiative dazu ist von der Reick sregierung ausgegangen. (Lachen bei den Soz.)
Die Regierung ha. die ersten sozialpolitischen Gesetze im Kampfe beinahe gegen alle Parteien des Reichstags durchführen müfse>- und es 6a* eine panne Weile gedauert, bis Sia lzu den Soz.) hdi entschlossen haben, an diesen Gesetzen mitzuarbeiten. Der Vergleich, den ich eben mit Amerika gezogen habe, sollte in uns allen das Bewuhtst'ii stärken, dass wir allen Anlaß haben, mit unseren h e i m i ' ck e n Verhältnissen zu- frieden zu fein. Es zeigt dass un*hr konstitutioneller Staat, der den alten Staatsgev^nken der obrotutcn Monarchie in sich ausgenommen bat, und damit die Vorstellung, daß es für jeden Staat ein hohes Maß sittlicher Pflickte'i zu erfüllen gibt, besser gearbeitet hat, als das klassische Land der Demokratie, die Vereinigten Staaten. Sie erschweren nur die Entwicklung bei uns, wenn Sie imn er geneigt sind das Id.al imi Ausland zu suchen und das Ausland aus Kosten Ihres Vaterlandes zu loben und zu umschmeicheln.
Zum Schluss noch eine kurze Bemerkung'. Ich will hier in diesem Hanse ke.ne Kritik üben an dem Verhalten eines M'tgltedes, aber i ch dank? allen denen, di- so entschlossen und tapfer gestern und beute ihre A b .. e i g u n g gegen ein Treiben Ausdruck gegc- en haben, wie wir es erlebt haben. (Lebhafter Beifall.)
Abfl. b Graefe CKons.):
Ich habe den Mut, als Vertreter meiner Partei den gestrigen Ausführiingen des nationalliberalen Redners über die Mittel- standspolitik entgegenzutreten. Es ist eigenartig, daß ausgerechnet ein Mitglied der Parte' uns die Mittelstands- freundschaft abspricht, für die wir auf diesem Gebiete vorbildlich
gewesen sind. Wir haben zu einer Zeit die Mittelstandsfrage tm Sinne des Handwerks und des kleinen Gewerbes bereits vertreten, als die Nationalliberalen noch für das freie Sviel der Kräfte sich begeisterten, als es bei ihnen noch hiess, das kleine Handwerk führte in jeder Großstadt einen aussichtslosen Kampf gegen die moderne Entwicklung. Die nationalliberale Partei hat das erkenne ich gern an, einen Damaskusweg gemacht, aber doch noch nickt die Station erreicht, wo es nicht nur die Zustimmung zu gesetzlichen Maßnahmen gilt, sondern eine Betätigung des Willens mit allen Mitteln. Und einen anderen Tamaskuswea sind sie noch nicht gegangen: Bismarck hat einmal gesagt: Tas gehässigste aller Monopole das ist die politische Einstckt die einzelne Parteien stck bcileaen. Wir können dem Staatssekretär auch nicht imponieren, indem wir uns geaenseitia das /Tb»hr^,fir*n.
Wir erwarten damit den Eindriick. als ob es un5 auf das Agitatorische ankäme, und vielleicht ist darauf die Erfolg- kü’gfeit gerade in diesem Hause zurückzuführen. Ich gebe daS Ecko nickt zurück, dass Ihre Vorwürfe gegen uns verdiente: vielmehr begrüße ich Sie jetzt mit neckloser Freude als unsere Mitarbeiter. Der Redner zählt einige Hauvtrnittelstands- forberungen auf: Befckränkuna der Wanderlager. Abgrenzung von Fabrik und Handwerk und Heranziehung der Industrie zu den Kosten der Lehrlingsausbildung und vor allem Regelung des Sub- missionswesens- gewiss sollen hierbei die Hauvtarbeit die Verwal- tiingsmaßnahmen in den Einzelstaaten tun, aber anck die Reicks- Verwaltung muss mit autem Beispiele in ihren Reicksbetrieben vorangehen. Auch bei § ifX) q der Gewerbeordnung sind erfreu- lickerweife die Nationalliberalen jetzt unsere Freunde geworden; seine Beseitigung ist draussen im Lande eine allgemeine Forderung, und anck der Freisinnige, Herr Doormann. hat neulich in der „V o s s i s ck e n Zeitung" in diesem Sinne gesprochen. Aber ick habe bei den Herrn Freisinnigen den Eindruck eines mehr' väterlichen Wohlwollens. Sie standen den Forderungen des Handwerks ablehnend gegenüber und begründeten das damit, das Handwerk irre sich, die Freisinnigen verständen das besser: und sie freuen sich, wenn hier und da ein Einspänner sich findet, der sich ihnen anfchliesst; er ist ihnen bann die Autorität, so wie der Agrarier Wendorff.
Ter Redner betont fein: restlose Übereinstimmung mit den Forderungen für die Fortbildungsschule, fordert weitere Massnahmen gegen den Hausserbandel. das Zugab-wesen. das Ausverkaufs- Unwesen, in dem sonst verzüglich bewährten Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb. Den Vorwurf dass unsere Freundschaft für die Arbeiter hin'er der für die Arbeitgeber zurückstehen tragen wir ruhig mit u ser.m guten Gewissen Die soziale Arbeiterfür- sorgegef-tzgchung ist in erster Linie zurückzuführen auf meine politischen Freunde. (Lacki bei den Soz ) Aber die Arbeiterfürsorge ist für uns nicht die einzige soziale Fürsorge. In diesem Augenblick — da iibei behebt (Smmüti fett — ist Der Mulelflund in der gefährdesten Sage, und danach richten wir unsere Mittel- standspolitik ein. Wir treiben reine Mittelstandspolitik. Im lauen Bad des Hama-Bundes wird die weisse Lilie des Mittelstandes nicht aufblühen. (Lebh. Beifall rechts, Lachen links.)
Abq. Dr. Tvormnnn
tyrtir. v. Gamp Hal das Treiben des Abg. Wetterle in Verbindung gebracht mit der elsass-lothringscken Verfassung und dieses Auftreten einen schlechten Dank für das dem Reichsland gewährte Geschenk genannt. Was bat das Treiben Wetterles überhaupt mit der Verfassung zu tun? (Sehr richtig! links.) Heber den Hanfa-Bund werden wir uns mit den Konservativen niemals verständigen. Tie sozialdemokratische Verurteilung unserer ganzen Sozialpolitik in Bausch und Bogen machen wir nicht mit. Wir erkennen an. was geleistet ist. wenn wir auch im einzelnen Wünsche haben. Die freien Gewerkschaften haben ja zweifellos einen grossartigen Aufschwung genommen und sie wollen jetzt durch die neue ..Volksfürforge" weitere Kreise gewinnen. Das Band, das alle Mitglieder umschliesst, soll noch enger werden. Es ist aber zweifelhaft, ob angestckts der niedrigen Beiträge diese Versickerung die richtige Form hat und ob die Unkosten nicht zu hoch sein werden. Wenn es trotzdem gelingt, mit dieser ..Volksfürsorge" Gutes für die Arbeiter zu erreichen, so würden wir uns freuen. Wir sind für die Einbeziehung der Berufskrankheiten in die Unfallversicherung. Wegen der hohen Kosten, empfiehlt sich aber vielleicht die Schaffung einer Zusatzversickerung. Für eine der wichtigsten Fragen Balten wir die reichsgesetzliche Regelung des Wohnungswesens.
Aba Cchwgsmck rWofD:
Die Graefeschen Angriffe weifeii wir zurück. Der Paragraph des Reichsvereinsgefetzes über den Gebrauch fremdländischer Sprachen wird von der preussifcken Regierung gegen die Litauer in einet Weise ansgelegt. die wir nicht billigen können. Hoffentlich wird die Reichsregierung Preussen anhaften, gegenüber den Litauern und anderen königstreuen Volksstämmen etwas entgegenkommender zu verfahren: wir müssten sonst ernstlich eine authentische Interpretation des Vereinsgesetzes In diesem Sinne verlangen. (Beifall bei den Natl.)
Abg. Kurzawski (Pole):
Alle polnischen Vereine, selbst Rosenkranzvereine. Serben als politisch bezeichnet. Beamte macken stck gegenüber den Bolen der gröbsten Missbräuche ihrer Amtsgewalt schuldig: Re überschreiten bewusst ihre Befugnisse und fetzen stck über das Gesetz hinweg. Anck die volnifck-n B-rufsvereine der Arbeiter werden als politische verfolgt und schikaniert.
Sogar gegen die Handlungsgehilfen und landwirtschaftlichen Vereine geht man in dieser Weise vor. Tie krassesten Eingriffe erfolgen auf dem Gebiet des religiösen Lebens. Dagegen legen wir lauten Protest ein.
Abg. Dr. Werner-Giessen fVirk'^. D<ifl.)'k
Es ist bezeichnend für unsere jüdische Presse, dass sie aus der Tatsache, dass ich gestern bei meinem Namensaufruf nicht im Saale war, alle möglichen Folgerungen gezogen hat. Es sprach gestern gerade der polnische Redner', von denr ich nicht annehmen konnte, dass er nur so kurze Aussüh-rungen machen würde, und hinter mir stand Dr. Arend auf der Rednerliste, von dem ich nicht wusste, dass er inzwischen gestrichen war. So kam cs, dass ich im Augenblick, als ich aujgerufen wurde, nicht im Saale war.
Ich wende mich nun zu den von uns vorgelegtcn Resolutionen. Wir ersuchen den Reichskanzler, darauf hrnzuwirkeu, dass die gewerbliche Schaustellung von Angehörigen fremder Rassen in Zukunft durchweg verboten werden. Bei der Abstimmung über die Mischlinge in unseren Kolonien hat sich innerhalb der national liberalen Fraktion ein erfreuliches Verständnis für die Notwendig leit der Rassenreinheit geezigt, und ich darf.deshalb annehmen, daß sie dieser unserer Resolution zustimmen werden. Wir verlangen weiter, dass durch Gesetz festgelegt wird, daß die Verwendung nichtdeutscher Gescl)äftsbezeichnungen nur in genügend 6egrüni>etcr Ausnahmesällcn gestattet wird. Wir können in der Beziehung sehr viel von den Tirolern lernen, wo sich alle Geschäftsleute bemühen, sich bei ihren Firmenschildern nur der'deutschen Sprache zu bedienen. In Rumänien und Italien ist aus die Verwendung einer nicht in der' Landessprache abgefassten Firmenschrift cinr kleine Steuer gelegt Es liegt im Interesselos erwachenden deut leben Bewusstseins, dass auch diese unsere Resolution 'zur Annahme gelangt.
In einer weitere« Entschliessung verlangen wir disiErrichtung eines Reichsamts für deutsche Sprache. Die Herren aus den an Deren Fraktionen, die mit uns diese Resolution unterzeichne haben, halten sic für eine völkische Notwendigkeit. In der Vossi scheu Zeitung ist am 10. Llpril v. I. eine durchaus berechtigt- Kritik des Gesetzentwurfs über die Beseitigung des Branntwein kontingents erschienen. Ta heisst es u. a.: Tin Aus länder, der in Berlin weilt, um deutsche Verhältnissc feitner zu lernen, wird sicherlich ein Jahr gebrauchen, uni diesen Gesetzentwurf zu verstehen. — Tie von uns gewünschte oberste Stralbehördc soll vor allem einmal unsere Gesetzentwürfe slu Dieren. Tarin finden sich oft die merkwürdigsten Ausdrucke, die nicht dem deutschen Gefühl entsprechen. Tie Franzosen habe, ja ihre Akademie, die bei ihren grossen Fehlern, die sie für
die weitere Entwicklung der französischen Literatur begangen hak, doch dazu beigetragen hat, die sranzösische Sprache aus die Höhe zu bringen, die alle Kulturvölker bewundern. _ ■
Eine weitere Liesolution von uns betrifft die fortgesetzt im Steigen begriffene Naturverfchandelung durch Plakate und Bretter- rcklamc, die unbedingt verboten werden sollte. Ich möchte den Reichstag bitten, auch dieser Resolution znzustimmcn. Etwas mehr Fürsorge sollte dem römisch-germanischen Museum in Mainz zugewandt werden, das den Zweck hat, den Entwickelungsgang unserer älteren deutschen Kultur zu veransckmulickcn. Vergangenes Jahr l)aben wir eine Ucbcrsetzung der jüdischen Religions- bücher angeregt. Es ist heute soviel die Rede von Jesuiten. Man hält ihnen vor, was einer vor Jahren einmal gesagt hat. ^Las ist ganz recht. Aber dann muss auch einmal amtlich ieftgcitclh werden, was in den jüdischen Religionsvorschriften enthalten ist. Tarin wird sich manches finden, das sich nicht mit der christlichen Weltanschauung decken kann. Tie jüdischen Gelehrten und selbst Rabbiner beschäftigen sich nach ihrem eigenen Geständnis mit kabalistischcn Forschungen. Ich komme nun aus wirtschaftliche Fragen. Die Notwendigkeit eines Schutzes der Landwirt- chast ist ost schon betont worden. Tie innere Kolonisation ist äusserst wichtig. Die fortschrittliche Linke vertritt das Interesse des Großkapitals und der Grossbanken, für den Bauernstand hat sie nur Versprechungen. Tagegen tritt sic für den Abbau der Zölle ein, die Aushebung des Fleischbeschaugesetzes und andere Forderungen, die dem Bauernstand schaden müssen. Wir find nicht absolut Gegner des Großgrundbesitzes, aber wir wünschen keine Verehrung der Fideikommisse, vielmehr eine Vermehrung der Bauernstellen. Damit treiben wir nationale Politik. Tas ist bereits durch die Arbeiten der Ansiedlungskommission seftgestellt. Ein bäuerliches Anwesen liefert bcffercn Ertrag als der Großgrundbesitz. Der Maiszoll kommt für unseren Bauern gar nicht in Betracht. Man lege einen Bauen: auf den Tisch des Hauses, der sein Vieh mit Mais füttert. (Schallende Heiterkeit.) Die Beunruhigung wird in den Mittelstand nur durch die Politik der Freisinnigen getragen. Wir wollen gar kein Ausnahmegesetz gegen das Großkapital, aber cs soll nicht in dieser Weise begünstigt werden. Von hoher Stelle wird das Recht des Mittelstandes mit Füßen getreten. Katzenstein kann dieser hohen Stelle fröhncn, Kempinski bezieht von hoher Stelle Kacheln, Wertheim ist der Verkauf dieser Kacheln übertragen und die Synagoge in der Fasanenstraße kann sich hohen Besuches rühmen. Ich bedauere das im Namen des deutschen Vaterlandes und des deutschen Volkes, das uns einen Bismarck und einen Zeppelin geschenkt hat.
Präsident Dr. Kämpf: Die Aeusserung, dass von hoher Stelle die Interessen des Mittelstandes mit Füssen getreten werden, ist derart, dass ich sie nicht scharf genug rügen kann.
Abg. Werner: Tann die Warenhäuser mit ihren Ramschwaren und ihren schlechten Geschäftsgewohnheiten sollten, unter dem Gesetz des unlauteren Wettbewerbs einfach verboten werden. Leider beteiligen sich an solchen Geschäften mit ihren grünen, weißen und blauen Wochen und sonstigem Schwindel auch An- 1 gehörige des Adels. Namen wie Fürst Donnersmarck und Fürsten-1 berg sind an solchen nicht cinwanbfreicn Geschäften beteiligt. Der I Hansabund und die ihn stützenden Banken sind verantwortlich für I die Kassecvalorisation des Staates Sao Paulo. Denn die deutschen | Banken sind es gewesen, die es diesem Staate ermöglicht haben, die Preise des Kaffees künstlich zu erhöhen. In unserem wirb schaftlichefl Leben wird es erst wieder besser werden, wenn der Gedanke des grossen Besähigungsnachweises durchgcführt ist. (Lachen links.) Lachen Sie nur, das wird Ihnen schon heimgezahlt werden. Gegen die Konkurrenz der ausländischen 21 erste sollte auch einmal Front gemacht werden. Auch unter der Rechtsanwaltschaft ist ein übles Anreissertum eingerissen. Nicht gleichgültig sollte die Regierung an der Art der Tätigkeit der sozialdemokratischen Konsumvereine vorübergehen, die nur eine Waffe in der Hand des Proletariats sind. Der freisinnige Abg. v. Payer hat sich einmal mit scharfen Worten gegen die Sensationspresse gewandt. Dabei fehlte nur der Name dieser Presse. (Rufe: Die Wahrheit! — Heiterkeit!j Das Berliner Tageblatt und die Ullstcinpresse sind es, die jedes deutsche und christliche Empfinden verhöhnen. Ich erinnere nur daran, daß der Ulkredakteur Mehring wegen unerhörter Bcichnnp- fung der katholischen Kirche bestraft worden i)t. Dickes Blatt scheut sich nicht, die schönsten Worte des christlichen Evangelmms in den Staub zu ziehen. Was die Antwort der Regierung au, meine Anfrage wegen dieser Presse betrifft, daß diese Angelegenheit die Einzelstaatcn angehe, so verfahrt die Regierung dabei nach dem Wort: Was man nickt deklinieren kann, das sieht man als ein Neutrum an. Wir müssen eben eine reichsgesetzliche Regelung dieser Materie haben. Gegen das Ueberhandnehmen der Aus- länder an unseren deutschen Hochschulen muß endlich etwas geschehen. Wir brauchen nicht nur einen Grenzschutz für Tiere, sondern auch für den deutschen Menschen. Notwendig ist ein reichsgesetzlickes Verbot des Schachtens. 90°/o der Schlachthoss tierarzte haben sich gegen das Schächten ausgesprock-en. Das betäubungslose Schächten ist ein Flecken auf unserer Kultur. Auch wir missbilligen die Ausführungen Wetterles aufs schärfste. Tas tun auch seine eigenen Parteigenossen. Man sollte ihm mit einem kleinen Donnerwetterle auf den Kopf kommen. Die Volkspartei hat bei den Handelsverträgen die Interessen des Anstande vertreten. (Unruhe. Präs. Dr. Kaempf ruft den Redness zur Ordnung!) Tie Sozialdemokraten haben kein soziales Verständnis für die Bedürfnisse der Slrbeiter. Tic Aufhebung der Zölle auf Fleisch bedeute die Vernichtung des deutschen Bauernstandes. Durch willkürlich vom Zaune gebrochene Streiks werden die Handwerker und der Mittelstand ruiniert. Das Ausland hat den Vorteil. Die deutschen Arbeiter müssen hungerii. (Beifall bei der wirtschaftlichen Vereinigung.)
Weiterberatung Donnerstag 1 Uhr.
Schluß 71/4 Uhr.
kirchliche Nachrichten
Israelitische Religionsgemeinde.
Gottesdienst in der Synagoge (Süd-Anlage).
Samstag, den 18. Januar 1 8:
Vorab end: 4.45 Uhr.
Morgens: 9.00 Uhr.
Nachmittags: 3.30 Uhr. Schrifterklärung.
Sabbatausgang: 5.50 Uhr.
Israelitische Religionsgesellschaft.
(Sottesbienft.
Sabbatseier am lv. Januar 1913*.
Freitag abend 4.35 Uhr.
Samstag vormittag 8.30 Uhr.
Samstag nachm'ttag 3.30 Uhr.
Sabbat-AuSgang 5.50 Uhr.
WocI enaottesdienh ^'ornen? 7.00, abends 7.00
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Meteorologische Beobachtungen der Station Siehe» - - - ■ " ■ 1 ■ r
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