Nr 13
Eichener Anzeiger
Erscherm tSglich mü Ausnahme be9 GonntagL.
General-Anzeiger für Oberheffen
Uhr
eine ähnliche
Donnerstag, 1(5. Januar 1913
Reichsamt seien 3 u Aktion, Er beweist
163. Iahr^anft
buch und Arber Fall
Punkten, bie Arbciferverhälf niste in ber Binnenschiffahrt, in ber Hausindustrie, in ben Waschanstalten, bann mit ber Nachtarbeit in ben Backereien unb ber SonntaflSruhe im Handelsgewerbe. Diese Unfruchtbarkeit zeifte sich vor allem barin, bas; bie Zahl ber Verordnungen, bie ber Bunbesrat auf Grund beS § 104e ber G.-O. erlassen kann, in ber letzten Zeit sehr gering, baß im letzten Jahre überhaupt keine solche Verorbnung ergangen ist.
Bezüglich ber Binnenschiffahrt erscheint, wie ich im Vorjahre schon gesagt habe, cs zweckmäßiger, nicht eine generelle Regelung für alle Stromgebiete zu treffen, sondern ström- gebietsweise porzugehcn. Hierüber haben Verhandlungen mit den betreffendem Bundesregierungen stattgefunden. Auf Grund diese-
daß ein e i n s e h c n
baut Abg. Fi'cher die Darstellung auf, daß das des Innern und die Reichörcgierung unfähig einer selbständigen sozialpolitischen sondern abhängig von der preußischen Regierung, unsere Unfruchtbarkeit mit einigen fünf bis sechs
Die „Lietzener Lamtlienbliitter" werden dem .Anzeiger' otermal wöchentlich betgelegl das „Kreisblati für den Kreis Gießen' «roeirnai rvöchentlich. Die ..Lanvwirtichastltcden dctt» fragen" erscheinen monatlich »wennal.
entgegenzuhalten, daß unsere Industrie, unsere Handwerks- Handelskammern fast einmütig einen verstärkten Schutz der beitswilligen fordern. Der Staatssekretär kann sich aus Lektüre ihrer Berichte besser informieren, als es bisher der
Geschäftsordnung des Reichstags läßt es nicht zu, Kundgebung hier herbeizuführen.
Aber man muß es aussprechen, Mann, der so auftritt, wohl selb st
tRotanonßbrud an» tiertag oei «r0 hl'scheo UniDerludtd - Buch, unb *5temötudeceL W. Gange. Gießen.
Redaktion. Expedition und Druderet: Schul» strage 1 Erpeüilron und Verlag eaM 6L Äebafnoiue^llä. Lel.-Ad^ AirzetgerGtetzen.
wurde, so bleibt verhältnismäßig wenig übrig. Denn wesentlich auf diese Korrespondenz, die einen ganz anderen Gegenstand behandelt, ' '
müßte, daß für i h n im Deutschen Reichstage kein Platz ist. (Lebhafte Zustimmung.! Die Entwicklung ber Verhältnisse in Elsaß-Lothringen erfüllt jeden Vaterlands- freund mit ernster Sorge. Ein Teil meiner Parteifreunde hat damals auch für die elsaß-lothringische Verfasiung gestimmt. Aber ick weiß nicht, ob die Väter dieses Gesetzes besondere Freude über feine Entwicklung empfinden werden. Jedenfalls ist es dringend erforderlich, an der Hand eines zuverlässigen und vollständigen Materials diese wichtige Frage zu besprechen. Sie berührt bie Interessen des ganzen Reiches. Wir werben beim Etat des Reichskanzlers den Wunsch zum Ausdruck bringen, daß uns möglichst bald dieses Material vorgclegt wird, damit wir noch in dieser Session darüber beraten können.
Nun zu den Rednern des Hauses, zunächst den Sozialdemokraten. Ich befasse mich mit ihnen zuerst, weil sie die stärkste Fraktion sind, nicht aber, weil der Inhalt ihrer Reden den Vortritt bedingt. Die Sozialdemokraten haben wieder in ihrer höhnischen Art unsere ganze Sozialpolitik in den Staub gezogen. Man kann sie auch nicht mit Engelszungen zu einer objektiven Würdigung ber Verhältnisse veranlassen.
Die sozialen Gesetze, die unter dem jetzt unter uns sitzenden Staatsseretär Graf Posadowsky zustande gekommen sind, darf man üicht lächerlich machen, wie es die Sozialdemokraten tun, denn sie erfüllen große ideale Aufgaben. Die neuen Gesetze verlangen aber Zeit, um sich einzuleben. Jedenfalls sind wir weiter in ber sozialen Versicherung
als bie republikanischen Staaten. Eine Versicherung gegen Arbeitslosigkeit haben wir schon in großem Umfange auf Kosten ber Arbeitgeber, nämlich für bie gesamte lanbwirtschaftlicke Arbeiterschaft bes CftenS. Es ist eine Tatsache, baß der gelernte Inbustriearbeiter bester lebt und sich bester ernährt als der kleine Handwerker und Bauer. (Sehr richtig! rechts.! Ein Schutz der Arbeitswilligen ist eigentlich selbstverständlich. Selbst die Arbeitgeber sind schließlich auch Menschen. Das Interessanteste an den Ausführungen des Grafen Westarp war mir. daß auch bie republikanische Schweiz Bestimmungen zum Schutz ber Arbeit hat. und ebenso Amerika. Dem Abg Müller-Meiningen ist
Mb. Deutscher Reichstag.
91. Sitzung, Mittwoch, den 15. Januar. Am Tische des Bundesrats: Dr. Delbrück.
Präsident Dr. Kaempf eröffnet die Sitzung um 1 15 Minuten.
gewesen zu sein scheint. Es ist überzeugend bargetan, daß wir weitere Maßreaeln verlangen muffen.
Es braucht dazu keiner Ausnahmegesetzgebung; wir wollen nur einen besseren materiellen Schutz der Arbeitswilligen. Wir wollen abwarten, mi' bei fcanbe*5iao sich dazu äußern wird. Die Liebens- toürbigfeifer des Abg Fi'cker will ich nicht erwidern, nur bie Verdächtigung ,daß das Reic ügerickst immer ein Instrument der Regierung sei. weste ick zurück. Der Abg. Dr Muster-Meiningen hat bii preußische Wahlreform eine große deutsche Frage genannt. N.u->, vor einigen Jahren, als Herr v. Oldenburg hier das baverische Wahlrecht abfällig besprach, protestierte ber bäuerische Gesandte sehr entschi-den baaeaen. (Zuruf des Abg. Müster-Me!' ningen- es war noch .'was anderes dabei!) Das mag sein, ich erinnere an das Wort Bismarcks- die preußischen Verhältnisse f - n ■ wie eine Wolljacke, zuerst kratzt sic ein wenig, dann fi'fi't man sich darin *‘efir wobl. (Heiterkeit.)
Sckon Bennigsen bat gesagt, daß die Herren aus Süddeutsch- land über Preußen mitreben. ohne es zu verstehen. Dr. Müller- Meiningen sollte sich dock ins Abgeordnetenhaus wählen lasten bann hätte er bie richtige Legitimation- Ein preußisches Cber- landescurickt wird sich vielleicht seine eminente Krift auch nickt entgehen lasten (Heiterkeit.) Wenn er sich auf den Prinzregenten in der Wablrechtsfrage beruft, so provoziert er das Zentrum ge- radezu sich in anderen Dingen, wo der Regent feiner Meinung ist. sich auf ihn zu berufen Mi. dem Kampf gegen bie Sozialdemokratie möge sich der Staatssekretär doch reckt eingehend beschäftigen. Wenn die Sozialdemokratie unser Volk aufrütteli so daß es sich auf sich selbst besinnt und die bürgerlichen Parteien sich zusammenfinden, so wird ihr Vorgehen auch zum Segen für unsere anderen Arbeiter werden. (Bravo! rechts.)
Aba. Irl (Str.)-
Wie kommt Herr Müller dazu, uns Wetterle an die Nockschöße zu hängen. Wetterle ist nicht Mitglied des Z e n t r u m s. Herr Dr. Müller-Meiningen sollte an die Nase seines eigenen Parteifreundes Blumenthal fassen. Was Herr Müller-Meiningen über ben Erlaß bes bayerischen Kriegsmtnt- sters gesagt hat, paßte gar nickt zu seinem sonstigen scharfen Vor- gehen. Also heraus, Herr Müller, mit biefem Spaltpilz! Der Redner spricht über ben Schutz bes selbständigen M11 - telstandes. Der Reichstag ist dafür, er hat kein-» Schuld, wenn nichts geschieht; aber die verbündeten Regierungen haben mit wenigen Ausnahmen nichts in der Sache getan. Immer heißt es nur- ..Erwägungen schweben." Müßen wir dem, immer war- ten bis es zu spät ist? llcberall hat man sonst Vorbeuaungs- mittel. Nur der Mittelstand muß warten. Gewiß, Staats- hilse tut es nicht allein. Gerade für ben gewerblichen Mittelstand gilt bas Wort: Arbeiten und nicht verzweifeln! — Aber man darf ben Mittelstand doch nicht geradezu als Aschenbrödel be- handeln.
Die Regierung betont immer ihr Wohlwollen, aber die Gesetze, die dem Mittelstand zu gute kommen sollen, werden von
den Beamten nicht immer in richtiger Weise angewendet. Die Marine- unb anbere Verwaltungen, die Lieferungen brauchen, sollten sich an b i c Handwerker direkt wenden. Diese Bestrebungen werden von hoher Stelle unterstützt. Deshalb sollten Beamte, die nicht so verfahren, bei Beförderungeii und Auszeichnungen übergangen werden. Es ist kein Wunder, wenn auf Handwerkertagungen. wie in Würzburg, einmal kräftige Worte dagegen gesagt werden, deswegen brauchen die Regierungsvertreter nicht gleich empfindlich zu werden. Auch wir müssen einen energischen Schutz ber A r - beitswilligen verlangen. Wie viel Arbeiter müssen ihre Stelle verlassen, weil sie nickt einer sozialdemokratischen Organisation angeboren wollen. (Hort, hört! unb sehr richtig! im Zentr.) Dieser Terrorismus schabet nicht bloß ben Arbeitern, fonbern auch dem Handwerk selbst (Sehr richtig! im Zentr.)
In einem Fall mußte ein verheirateter älterer Geselle, ber Meister gewesen war, so seine Arbeit verlieren, weil er nicht den freien Gewerkschaften beitreten wollte. Zum Schutz der Arbeits- lvilligen ist nicht ein Ausnahmegesetz nötig. Wir bitten um balbige Vorlage einer Gewerbegesetznovelle bezüglich ber Hanb- Werker im Sinne ber Denkschrift des letzten Handwerkskammer- tages. Dringend notwendig ist bie Einführung bes zweiten Teils des Gesetzes zur Sicherung der Baufordc- mngen. Der Gewerbestand muß endlich bie Bebeutung ber Kreditgenossenschaften erkennen unb darauf bringen, daß diese Genossenschaften sich noch mehr zusammenschließen Wenn ber Bunbesrat nicht endlich einmal weniastens unsere drin- genbi‘t*,n Forderungen erfüllt, dann können wir nicht glauben, daß cs ihm ernstlich darum zu tun ist, den Mittelstand vor dem Untergang zu bewahren.
Präsident Dr. Knemps
macht ben, Rebner nachträglich darauf aufmerksam, daß es parlamentarisch unzulässig ist, lvenu auch bedingt, ein Mitglied des •vaufes als u n ehrlich zu bezeichnen, wie es der Redner gegenüber den gestrigen Ausführungen des Abg. Dr. Müller-Meiningen getan hat.
Der Etat für Das Mitsamt des Znnem.
(Dritter Tag.)
Abg- ftrfir. v. Gnmp (RP.):
Namens meiner Freunde habe ich zunächst u n f e r c r Ent - rüstung über das Auftreten des Reichstags- abgeorbneten Wetterle Ausbruck zu geben. (Lebhafter Beifall.) Nach zuverlässigen Mitteilungen hat Wetterle auf französischem Boden die Nevanchegesinnung der französischen Bevölkerung in einer Weise aufge egt. wie es d i e s ch l i m m st e n französischen Chauvinisten nicht hätten tun können. (Zustimmung.) Auch die Genossen Wetterles im elsaß-lothringischen Landtag haben bereits ihre Empörung unb Mißbilligung zum Ausbruck gebracht, und zwar auf Anregung unseres Partei- freunbeS Höfel, dem wir dafür besonderen Dank schulden. Die
posten stehens für ein untaugliches Mittel zur Bekämpfung der Uebelstände ansehe, deren B o r h a ii d ' n s e i n ich mit Ihnen anerkenne. Der Terrorismus, der ben Arbeitswilligen und ihrer Familie bas ganze Leben beib'ttert, wirb nur zum ganz kleinen Teile burch die Ltreikposten auggeübt. Größtenteils sind es zahllose andere Leute, Spaziergänger, zum Markte fahrende Frauen. Kinder, es geschieht in den Werkstätten, auf den Korridoren in den gemeinsamen Waschräun'en in den Konsumvereinen unb Restaurants, ganz ab- gefehen bavon. daß es überaus schwer ist, ben Tatbestanb des Streikpostenstehens einwanbsfrcr festzustellen. Daraus folgt, daß man die Erscheinungen, zu denen auch bie Belästigung der Arbeitswilligen durch die Streikposten gehört, wirksam nur bekämpfen kann durck eine systematische Aendernng unserer Strafbestimmungen aber Beleidigungen. Kör- perverletznungen nsw. An der Ausarbeitung dieser Bestimmungen wird gearbeitet und ich halte es nicht für richtig, sie, herausgerissen aus dem System, einzeln hier- zur Verhandlung zu bringen.
Wie auch immer der Reichstag zusammengesetzt fein mag, würde hier ber Versuch scheitern, eine Einigung über die wirksame Ausgestaltung dieser Materie zu erzielen. Ich bin nach wie vor der Meinung, daß wir indirekt mit den besonderen Bestimmungen des § 153 Strafgesetzbuch auskommen, um Aus- sckreitlingen von Streikposten während eines Streikes zu verhindern. Das bestätigen die Vorgänge im Ruhrcevicr. Ich habe nach Prüfung ber zahlreichen Strafverfolgungen aus Anlaß bieses Streikes ben Eindruck gewonnen, daß alle diese Fälle, auch wenn ein Verbot des Streikpoitenstehens bestünde, zur gerichtlichen Verantwortung gezogen worden wären. Es sind etwa 2000 Anklagen erhoben worden (Hört! hört! b. b. Soz). und es hat sieh in vielen Fällen in ganz überwiegendem Maße um Ausschreitungen von Streikenden gegenüber Arbeitswilligen gehandelt. während umgekehrt eine verhältnismäßig geringe Zahl von Ausschreitungen Arbeitswilliaer zur Kenntnis gekommen sind. Charakteristischerweise bezog sich ein großer Teil der 93er» nrteilungen auf Jugendliche.
Sie beteiligten sich an allen linternehmungen gegen Arbeitswillige, aber niemals als Beauftragte einer Gewerkschaft. Sehr zahlreich sind auch bie Verurteilungen von Frauen, ungefähr 400, die in der Regel auch nickt Streikposten steben, sondern mehr als Franciireurs verwendet luerben. Schwere Vergehen sind verhält-' nisinäßig selten vorgekommen, abgesehen von einzelnen Fällen Die fcfiloeren Vergehen waren ber Hauptsache nach Widerstand geger- die Staatsgewalt gegen Beamte unb Militär. Alle diese Delikte sind hervorgerufen durck den Schutz, ben Militär unb Polizei den Arbeitswilligen angedeihen I-ff»n mußte. Charakteristisch für die Schwierigkeit der Bekämpfung dieser Streiks unb ihrer Nebenerscheinungen ist der Umstand, daß in diesen Fällen ein großer Teil der Arbeiterschaft entschlossen ist, die Arbeit nicht niederzulegen, und daß dieser arbeitswillige Teil von ©treifenben allseitia rücksichtslose Behand'una erfährt.
Ich habe cs abgelehnt, burch ein besonderes Gesetz das Streikpost en steh en zu verbieten, weil es erfolglos sein würde. Aber gerade die Vor- aängc im Ruhraebiet beweisen dock, daß diejenigen reckt haben, die behaupten, daß in erhöhtem Maße Klagen über Belästigung ber Arbeitswilligen laut werden, nicht bloß seitens der Arbeitaeber. Behörden und Beamten, sondern in aanz außerordentlich hohem Maße von feiten ber durch die Be- ■ äffjmnmen betroffenen Arbeiter selbst. Im voriaen Frühjahr ist fein Tag berganneu. wo nickt Stöße von Depeschen bei mir eingegangen sind, die um S ch u tz gegen bie Ausschreitungen ber Streikenden baten. (Hört, hört! reckts. — Unruhe bei ben Soz.) Wo Rauch ist. ist auch Feuer, unb wir haben bie Pflicht das Feuer zu löschen. Und Sie (zu ben Soz.) haben nicht das- Recht, über scharnna.-heri'cke Tendenzen bei Re- nierttng unb Arbeitgebern zu klagen, wenn wir solchen Uebel- ständen unsere Aufmerksamkeit zuwenden. Noch eins, wenn der Ruf nach Beschränkung der Koalitionsfreiheit immer stärker in diesem Hause ertönt, so hat das einen sehr einfachen Grund: Niemand wird nnaeariffen und gibt Anlaß zu Beschwerden, der das ihm zustebende Recht in einer Weife ausübt. die nickst den Reckten anderer, ber Freiheit und dem Selbßbestiinmungsrcchf, der Gesundheit und dem Leben anderer zu nabe tritt.
(Sie können wohl a r ck bciIhren Leuten dahin wirken, daß sie sich in Fornien bewegen, die die Freiheit u u d e r e t 1 ch f a (t a f! e it und nicht za h l - t c i c6 a K o i flirte mit den Staat sgcsetzen herbeiführen. T^ntiNi.ibe kein Mensch in diesem Hause au' den Gedanken kommen, das Koali- tionsrecht beschränken zu wollen (Lärni unb Lacken bei den Soz. lebhafter Beifall) Ick möchte das dock bei dieser Gelegenheit mit allem Nachdruck seststellen. (Lacken bei ben Soz.) Tie Polizei war nötir und - ßte in immer stärkerem Maße ber- beigerufen werden, infefoe der fortgesetzt sich steigernden Klagen. (Lärm bei den Soz ) E« ist wieder einer ber Fälle, von dem man mit Fug und Recht sagen kann, daß das Haliptbindernis für eine gesunde unb normale Fortfü^-una unterer Sozialpolitik bei Ihnen (zu den Soz.) li nt, in ber Art. wie Sie Ibr vermeintliches Reckt vertreten und wie Sie Ihr vermeintl-ches Recht verquicken mit utopischen politischen Forderungen. (Zustimmung rechts, Lärm bei ^en Soz )
Ich komme nun zu ben Ausführungen bes Abg. Fischer zur Sozialpolitik im allgemeinen. Ich lvar darauf gefaßt, baß man ber Regierung Untätigkeit vorlverfen würbe, aber die Begründung dieses Vorlvurfs hat mich eigentlich enttäuscht. Wenn man aus seinen Ausführungen das pikant« Moment ausscheibet, baß ein Teil ber Korrcsponbenz zwischen mir unb bein preußischen Minister des Innern dabei verwendet
Sfoafssk'krc'fär Dr. Delbrizck:
. Fck >vill heute nur über dic Sozialpolitik sprechen. Jur diesem Gebiet hat besonders inline Rede vom 10. Dezember Mittelpunkt ber Erörterungen gestanden Tiefe Rede aber batte nur b*>n Zweck, bie Grenzen des K o a l i t i o n s r e ch t e s unb der Gültigkeit des Reichsvereins- gesetzeö festzulegen. 9J?cinc juristischen Ausführungen sind bisher nicht widerlegt worden. Gegenüber Dr. Müller-Meinigen hebe ich ausdrücklich hervor, daß sich meine Auffassung von ben ßiren« xen be*- Gültigkeit bes Reichsvereinsgesepes ausdrücklich deckt mit der Auffassung, die er in einem Kommentar zum ReichSvereins- gesetz nicbcrgelegt fiat. (Hört! hört! im Zentrum.) Richtig ist daß ick mich in meiner damaligen Rede nicht auf die Kon- seq uenzen eingelassen habe, die sich daraus für die Chefs der einzelnen Reichsressorts und für bie Bundesstaaten etwa ergeben könnten. Das war nicht meine Absicht unb ist nicht meine Aufgabe.
I ch habe immer nur h1 c Grunbsätze feftgu- legen, nach eten bie R. ickSgcfetze in ben Bun - desstaaten anzuwenden sind Wie das im einzelnen flu geschehen fiat, ist S"cke der einzelnen Bundesstaaten. Ich brauche nur einzufchr ifen 'nenn grundsätzliche Abweichungen von der Auf- fassung bes Reichskanzlers vorliegen. Das gilt auch für bie Hcmb- fiakmng burch b>e Chefs der einzelnen ReichSressortS Diese Hand- finbung wird a^b’Jt durck die Verantwortlichkeit des unmittelbar beteiligten Resiortschefs. Es ist unzutreffend, wenn mir der Abg Fischer borgeta-rnen fiat meine Ausführungen hätten eine Verneinung des K oalitii'nßrechtes bedeutet ja. sie hätten das Koalitionsreck' mit einem Scklaae vernichtet. Das Gegenteil ist der Fall Ich habe nur die Grenzen festgelegt, die für daß Koal'tionSrecfit bestehen und auch die Grenzen für daS Koalitionsrecht der Beamt.m und Staatsarbeiter habe idf keineswegs ungünstig gezogen Auch für diese Staatsarbeiter und Beamte soll das Koalitionsrecht an f i d) nicht beeinträchtigt fein. Aber um ber ewigen Streiterei über dieses Koalitionsreckt iv unterem beiderseitigen Interesse ein Ende zu macken h> ick ver 'uckt einmil sestzulegen. wo die Grenzen gezogen sind Damii ko-imen mir viel weiter, als wenn von Ihrer (nach links) Seite immer versucht wird, ü b e r b i c f e Grenzen hinaus »in Koalitionsrecht z u konstruieren, das nickt besteht.
Dieser Versuch ist auch deshalb zu beklagen, weil dadurch die Regierung in der Behandlung dieser Frage in eine K a m p f st e l l u n a gedrängt wird, und weil aus der dauernden Abweiflina unberechtigter Angriffe eine gewisse Unfreundlichkeit ans unseren Aenßerungen beransgelesen werden kann, die nickst beabsichtigt ist. Ferner aber wird daß Streben nach einer liberalen freundlichen und entgegenkommenden Handhabung der fraglichen Bestimmungen sicher nicht gesteigert, wenn hier fortgesetzt der Vorwurf erhoben wird, daß die Handhabung in einer das Reckt und die guten Sitten verletzenden Weise geschieht. Auch meinen Ausführungen über b i c Enzyklika habe i ch nichts h i n z u z u f ü g c n. Ich habe nichts zu ä n b e r n unb nichts in Abrede z u stell em. (Hört, hört! links.) Was ick gesagt habe, ist auch in. keiner Weise widerlegt worden. Nun hat Dr. Müller- Meiningen gestern weitgehende Konfeauenzen auf kirchenpoliti- fchem Gebiet gezogen. Er hat aber selbst hinzngefügt. daß nach feiner Ansicht ich wohl selbst an diele Konsequenzen nicht gedacht habe Das ist richtig. l.Heiterk''itJ
Es fehlte für mich jede Veranlassung, solche Konsequenzen zu ziehen, und ich ziehe sie auch heute nicht. Ia, ich lehne ihre Berechtigung fiter» mit ausdrücklich ab. Dr. Müller-Mmningen fiat dann von unseren Verhandlungen mit der Kurie gesprochen. Es ist nicht üblich, von derartigen diplomatifchen Verfiandlungett ohne Z u - stimm ung deß anderen Teils Mitteilungen zu machen. Es genügt mir auch die Feststellung, daß mir in dem Gewerkschaftsstreif vermittelnd eingegriffen und tu Rom zugunsten der interkonfessionalen christlichen Gewerkschaften gernirFt haben, unb zwar schon, bevor die Enzyklika erlassen war. Wir sind der Ansicht, daß die Enzyklika ben Wilsen der Kurie erkennen läßt, ben katholischen Arbeitern ben Beitritt zu ben christlichen Gewerk- schaffen nicht zu erschweren, f o baß bas Fortbestehen ber christlichen Gewerkschaften in ber bisherigen S o r nt gesichert erschein*.
lieber die Frage des Lchtttzes der Arbeitswilligen habe ich mich bereits im vergangenen Jahre eingehend geäußert und st--lle zur Verme'dung von Mißverständnissen ausdriicklick fest, daß das was ich damals gesagt habe, auch heute noch meine Meinung unb die der sonst beteiligten Ressorts insbesondere aber auch des Herrn Reichskanzlers ist Ick habe erklärt und tvieberhole es, baß ich ein Verbot bes Streik-
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