Ausgabe 
14.4.1913 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Schüsse abgab. Die Schüsse verfehlten ihr Ziel. Der erste Schutz gegen den König s chwärzte den Handschuh seiner linken Hand. Gleich nach dem Drall richteten ülh Generale und GeneralsdabsoMiere, die den König wie gewöhnlich in seiner beflinuntten Gentfernum)1 ^begleiteten, ihre Pferde gegen die Menge und ritten ans bAbert Seiten der St ratze aus den Bürger­steig hinaus uud räumten so das Terrain, worin sie bald von Soldaten bei" Idinglichen Eskorte unterstillt wurden. Das durch die Sclchsse verursaärte Gedränge der Menschen verinehrte sich noch, als sich das Publikmü den Pferden gegenübersah. Mehrere Personen wurden nieder gerissen und mit Füßen ge­treten. Im ganzen sind elf Leute, meistens Frauen, ernstlich berieft worden.

Sobald der König sah, datz der Angreifer von Gendarmen und Polizeibeamten unschädlich gemacht worden war, richtete er sich in den Steigbügeln auf, begrüßte d i e Menge m i l i * türisch und rief mit vibrierender Stimme: Es lebe Spanien! Die Menge nahm den Ruf mit begeistertem Beifall auf. Auf die Fragen, womit die Umgebung auf Heu .König einstürmte, antwortete dieser, ohne die geringste Aufregung im Gesichte lächelnd: Meine.sHerren, es ist nichts! Tann schwang er sich wieder elastisch in den Sattel und ritt zum Palais weiter unter donnernden BeisallsInndgebnngen der Menge, die bis zur Ankunft im Palais nicht hrachlietzen. Äls der König in das Schloß eintrat, erwartete i lm die Königin, der er ganz h iter den Zwischenfall, der sich soeben abgespielt und ihn aufgehalten hatte, erzählte. Die Königin, die noch keine Kenntnis davon hatte, loctr sehr bewegt. Zehn Minuten später waren die beiden gratzen Plätze vor dem Palais schwarz von Menschen. Alle. Schichten der Bevölkerung waren von dem gleichen Wunsche getrieben, den König zu begrüßen, dessen Kaltblütigkeit die Nation vor einem Trauertage bewahrte. Der König zeigte sich dann auch auf dem Balkone imb wurde mit unbeschreiblichem Jubel begrüßt: bald wurden auch Hochrufe auf die Königin laut. Der König kehrte in seine Gemächer zurück, holte die Königin und erschien mit ihr zusammen auf dem Balkon. Bon neuem brach der Jubel los. Die Kundgebungen dauerten noch lange Zeit, nachdem sich der König vom Publikum verabschiedet hatte.

Während dann dem Täter, einem 26 jährigen aus Kata­lonien gebürtigen Zimmermann, von den Polizeibeamten Hand­schellen angelegt worden waren, versuchte die empörte Volksmenge, ihn zu lvnchen. Es kostete die Beamten große Mühe, ihn den Faustschlägen und den drohend erhobenen Stöcken zu entziehen. Sie mußten ihn deshalb in das nächste Haus bringen, von wo ihm ein Zellenwagen abholte und ins Ge­fängnis brachte. Nach den letzten Nachrichten wurden v i e r Verhaftungen vorgenommen: neben dem Täter und eines ihn begleitenden Menschen, der anscheinend französischer H"rknnit ist, ist noch ein Mann, anscheinenb ein Spanier, der einen Revolver in der Hand hielt, in der Nähe der Bank verhaftet worden. End­lich wurde eine Fran festgenommen, worüber Einzelheiten noch nicht vorliegen.

Der Tater.

Der Täter soll im Laufe des ersten Verhörs erklärt haben, daß ihm der Gedanke zu dem Anschlag gekommen sei, als er den König vorbeireiten sah. Da er die Waffe in der Tasche hatte, habe er sie gefaßt und von einer unwiderstehlichen Gewalt getrieben, habe er dann geschossen. Ter Mann, der in der Nähe der Bank ergriffen wurde, verweigert jede Auskunft. Ter dritte auf dem Platz des Attentats Verlfaftete, der ein französischer Lehrer sein soll, scheint in keinerlei Beziehung zu dem An­schlag zu stehen. Der Täter heißt Rafael Sanchez Megro, der Mann, der auf dem Attentatsplatze verhaftet wurde, heißt "Pedro Paz. Seine Nationalität ist nod) nicht festgestellt. Er spricht französisch, spanisch und portugiesisch gleich mit. Die fest genommene Frau soll die Geliebte des Tä­ters sein. Sie wurde in ihrer Wohnung verhaftet und er­klärte, sie kenne den Urheber des Anschlags seit acht Tagen. Von seinen Plänen habe sie nichts gewußt.

Madrid, 14. April. Ter Urbeber des Anschlags ist durch einen Säbelhieb- eines Polizeibeamten verletzt wor­ben. Er leistete einen derartigen Widerstand, daß vier Beamte ihn halten mußten. Er trug fer­ner einen Tischlermcißel und mehrere Patronen bei sich, die er fortzuwerfen versuchte, als er sich verhaftet sah. Ter Spanier, der vor dem Baukgebäude verhaftet wurde, ist freigelassen worden. Es ist ein pensionierter Hellebardier der königlichen Wache und ist als Ehrenmann bekannt. Er wurde festgenommen, als er herbeicilte, um dem König ^uzujubeln. Er trug leinen Revolver, hielt aber eine Hand in der Tasche seines Rockes.

Die Hoffnung der Großmächte.

Die etwas zweideutige Note der Großmächte ist nun­mehr den Ballanstaatcn überreicht worden, Und man hofft nun, daß diese sich endlich zum Frieden bequemen werden. -Ob die Verbündeten aber nicht gerade aus der unklaren

Spitzbergen-Expedition Staxrud ist folgender Trahtbericht vom 11. April aus Green Harbour (Spitzbergen) eingetroffen: Erhielt -Nachricht Advemlav, baß vier Norweger hier 5. April ange­kommen. Sie verließen bas Schiff in Treurenburg wegen Pro­viantmangels. Stave gestorben. Eberhard,,Möser, Tettmers ver­mißt, zuletzt gesehen in Wijbebap. Raabe, Rüdiger am Schifß Rüdigers Fuschlcut amputiert. Keine Nachricht von Schröber- Stranz bis zum 25. M irz am Sckstff. Gehen heute nacht norb< wärts. Suchen nach den Vermißten in der Wijdebay. Pflegen und führen nach Süd Rüdiger und Raabe. Suchen nach «Lchröder auf dem Nordoftland, nordwestlich einer Linie von der Dovebah nach Wahlenbergbah. Renntiere ziehen vortrefflich. Ritscher noch zu schwach, wirb nad) Green Harbour übergeführt.

, E i n neues M e i ft c r io e r f von Els Heimer i m Berliner Museum. Tas Kaiser Friedrich-Museum, das be­reits eine Anzahl guter Bilder des heute wieder so besonders ge­schätzten Adam Els heim er enthält, ist um ein Meisterwerk dieses Künstlers bereichen worden, über das Geheimrat Bode in den Amtlick>en Berichten aus den Königlichen Knnstsamm- hingen nähere Mitteilungen macht. Tas auf Kupfer gemalte 27,8 cm und 21 cm hohe Bildchen, das sich lange Zeit in Wiener Privatbesitz befand und bisher ganz unbekannt inar, nimmt unter den Werken des Meisters eine besondere Stellung ein, durch seine Helle sonnige Wirkung, die es von wettern fast modern, etwa wie eine Arbeit des österreichischen Vorläufers der Impressionisten Waldmüller, erscheinen läßt. Wundervoll ist die Licht- und Luft­stimmung, eines frühen Morgens gegeben; mit höchster Feinheit Ipiegeln sich Bäume und Wolken in dem stillen Wasser, das; man das. Werk saft doppelt zu sehen meint, und so entsteht em la nch ähnliches Bild von einer Wahrheit und Schärfe, wie es 'seit der Zeit der Eycks und Gian Bellini nicht gemalt war/' Die Arbeit stellt den,heiligen Christoph" dar. Tie Gruppe des als kräftig Kyoncn Jüngling gegebenen Christophorus mit bem Christkind ist sehr eigenartig und auffallend unter Els Heimers Figuren unh erinnert ui beit hastigen Bewegungen, den knit- lenschen Faltenwun und den starken -Verkürzungen unmittel bar an altere nordische Vorbilder Vielleicw hat'dem Künstler ein früher Holzschnitt ober eine Zeichnung Dürers vorgefchw-'bt

Kurze Nachrichten aus Kunst und Wisse n schäft. Ter erste Kapellmeister des Karlsruher .Hoftheaters Leopold Reichwein, hat sein E n t l a s s u n g s g e f u ch ein' gereicht, da er für Bruno Walter vom I. August als Kapell­meister der Wiener Hofoper verpflichtet worden i|t. In Ber­lin wurde die AusstellungDas Kind" durch Graf Eberhard v. Moltke eröffnet. Am Samstag vormittag rouruc bas neue Hygienische Institut in Posen feierlich feiner Bestim mung übergeben. Professor Wilhelm W undt Leipzig mürbe »um Ebren Mitglied der ^ivocrfität Moskau, gewühlt

Fassuttg Mut zu neuen Forderungen schöpfen werden, bleibt dahingestellt.

DieNorddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt: Auf die Vorbehalte, an die der Balkanbund die Annahme der europäischen Friedensvermittlung geknüpft hat, ist von den Großmächten eine gemeinsame Ant­wort beschlossen worden, die den Balkanregierungen durch die Gesandten der sechs Mächte in Form eines amtlichen Gesamtschrittes mitgeteilt wird. Aus dem Inhalt der Mit­teilung wie aus der Art der Ueberreichung werden die Empfänger von neuem entnehmen, daß die Mächte sich, bei allem Entgegenkommen, die Entscheidung über wesentliche Punkte der Friedensbebingungen nicht aus der Hand nehmen lassen und daß sie für die Ausführung Ihrer Beschlüsse einmütig zu sammen- stehe n. Nach den Erklärungen des Reichskanzlers und Sir Edward Greys und nach den vom russischen Mini­sterium des Aeußern veröffentlichten dankenswerten, über­all gut aufgenommenen Darlegungen ist die Geschlossenheit der europäischen Diplomatie sirr die Behandlung der ihr vorbehaltenen Fragen nicht mefyr anzuzweifeln. Auch die Ausgestaltung der internationalen Flotteniündgebung zu einer bis zur Drinmündung reichenden effektiven Bl ockade beweist, daß die Großntächte ihren Willen zu einem ge­meinsamen Handeln in die Tat umsetzen. In der alba- nesischcn Frage ist ein endgültiger Verzicht Monte­negros und Serbiens auf die Eroberung von Skutari noch niajt erkennbar, doch werden die diplomatischen Bemühun­gen fortgesetzt, um deu Angriffen ein Ende zu macken und Skutari, entsprechend dem' Beschluß der Großmäcyte, für Albanien zu sickern.

London, 12. April. (Reuter.) Die Botschafter- Vereinigung, die unter dem Vorsitz des Staatssekretärs Grey eine zweistündige Sitzung abhielt, hat sich auf Tonnerslag vertagt. Man nimmt an, daß den Haupt­gegenstand der Aussprache die Note bildete, welche die Mächte an die Verbündeten richten werden. Es wird er­klärt, daß keine positive Nachricht über die Haltung Mon­tenegros vorliegt. Trotzdem ist allgemein daS Gefühl vor­handen, daß die Möglichkeit bestehe, diese Frage zu lösen. Abgesehen von dieser Sache ist es die Ansicht mehr als einer verantwortlichen Stelle, daß die vorläufigen Friedensbedingungen in einer Woche unter­zeichnet werden können. Man hat in diplomatischen Kreisen geäußert, daß das feste und k.are Pronunziamento Rußlands, das in einem besonders geeigneten Augenblick gemacht wurde, die Wirtuug haben wird,' die Lage zu ver­bessern. Noch immer wird erhärt, offiziell sei nichts von den gemeldeten Ko m pe n s a t i o ns a n e r b i e t u n g e n an Montenegro beiannt, aber man nimmt an, daß Italien und Rußland mit Zustimmung der anderen Macht? Schritte in dieser Richtung yu tun im Begriff sind. Es ist nicht überraschend, daß biqc Schritte offiziell in Celinje unbekannt sind, da König Nikolaus vielleicht gewisse un­offizielle Schritte kennt, die seiner Regierung unbekannt sind. In diesem Zusammenhänge ist es bemerkenswert festzustellen, daß gestern abend aus Cetinje ein amt­liches Telegramm eintraf, daß Montenegro bereit s e i, j c d e n K o m p e n s a t i o n s v o r s ch l a g z u p r ü f e n. Als ein Anzeichen der Verbesserung der politischen Aus­sichten ist es zu betrachten, daß Grey London verläßt und Botschafter C a m b o n heute nach Paris reift.

Sofia, 18. April. (Agenee Bulgare.) Die Vertreter der Mächte überreichten heute abend deren Antwort. Die Antwort besagt: Die Mächte nehmen mit Befriedigung Kenntnis von der Geneigtheit der Verbündeten zur Ein- stellung der Feindseligkeiten, und antworten auf die vier Punkte der Note der Verbündeten in folgender Weise: Ter erste Punkt begegnet keiner Einwendung; was den Meilen Punkt betrifft, machen die Mächte daraus aufmerksam, daß, da das Schicksal der Aegäischeu Juseln der Ent­schließung der Mächte Vorbehalten sei, bi ei er Punkt nur unter dem Vorbehalt zugelassen werden könne, daß be­züglich einiger dieser Inseln noch Beschluß zu fassen sei; bezüglich des dritten Punktes erklären die Mächte sich bereit, schon, jetzt den Verbündeten die Nord- und Nordoft- grenze Albaniens bekannt zu geben, die Südost' und Süd­grenze werden den Verbündeten mitgeteikt werden, sobald sie festgesetzt sein werden; was den vierten Punkt an­betrifft, so sind die Mächte, da die Lösung aller Finanzfragen einem technischen Ausschuß in Paris Vorbehalten worden ist, an welchem Delegierte der Krieg­führenden teilnehmen werden, der Ansicht) daß für den Augenblick kein Grund vor liegt, das Prin­zip der Kriegsentschädigung zu erörtern. Ministerpräsident Geschow erwiderte, er werde sich mit den Verbündeten ins Einvernehnren setzen.

Gerüchte über einen Kamps der türkischen Flotte.

Konstantinopel, 12. April. Hier siird unkontrol­lierbare Gerüchte im Umlauf, nach denen der griechische PanzerkreuzerAweroff" vorgestern bei Tenedos geschei­tert sei. Die türkische Flotte sei gestern'aus beit Dardanellen aus gefahren und hätte mit den griechischen Kriegsschiffen einen Kampf begönnern Bei ber Pforte liegt leine offizielle Bestätigung bief-er Gerüchte vor.

Konstantinopel, 13. April. Der amtliche Kriegsbericht besagt: Gestern fand auf dem linken Flügel der Tschataldschalinie außer einem leichten Ar­tilleriegefecht kein Wafsengang statt. Gestern nach­mittag stießen zwei türkische Torpedoboote süd­lich Se.dilbahr auf zwei feindliche Torpedoboote. Nack einer beiderseitigen viertelstündigen Ka­nonade tauchten zwei weitere feindliche Torpedoboote auf. Ter türkifche KreuzerMedschidije" kam den türkischen Torpedobooten Zu Hilfe und gab einige Kanonenschüsse auf deu Feind ab. Die feindlichen Torpedoboote zogen sich .zurück, vou den türkischen Kriegsschiffen eine Zeitlang ver­folgt. Dor Bulair ist keine Aendarung eingctreten.

Türkische Grausamkeiten?

DieTeutsche Tageszeitung" meldet aus Rom: Rack) Athener Meldungen hätten die Türken auf der Insel Kafte- loryzo alle Christen massakriert und deren Frauen ver­gewaltigt und mißhandelt, nachdem das italienische Tor­pedoboot abgefahren war. Die griechische Negierung habe Maßregeln zum Schutze der griechischeu Bevölkerung ge­troffen.

Ans dem serbischen Parlament.

Belgrad, 12. April. In der heutigen Sitzung nahm die Skupschtina eine Gesetzesvorlage an, nach der mit Rücksicht auf ium erhöhten Bedarf an Offizieren in her Militär­akademie statt dreißig von nun an hundert Zöglinge jährlich aus­genommen werden. DaS Haus ging hierauf in die Verhandlung über die Gesetzesvorlage betreffend den von der Regierung an- geforberten NachtragSkrebit von 90 Millionen D i - ii a r s ein. Finanzminister Dr. Patf ch u führte aus, baß bie im Oktober vorigen Jahres angefovberten Kredite für ein.' Kriegs- bauer Don brei Monaten berechnet waren und zwar für einen Kriegsstand von 320 000 Mann und 100 000 Tieren. Die un­erwartete Verlängerung des Krieges und die außerordentliche Aus­

breitung der serbischen Kriegsoperatioucn auf den Schlachtfeldern der Verbündeten verursachte jedoch iveit größere Auslagen, zumal sich tatsächlich der Kriegsstaub auf 402000 Mann und 150 000 Tiere erstreckte. Ter Minister fuhr fort: Die serbifck>en Waffen erneuerten ihren alten Ruhm und Glanz und der serbischen Armee wurde die Satisfaktion zuteil, daß ein militärischer reichsbeut- s ch e r Fach nt a n n die von den Serben gewonnene Schlacht von Monastir als bie glänzendste militärische Leistung des ganzen Krieges bezeichnete. Herr v. Bethmauu-Hollweg konstatierte eine Tatsache, wenn er sagte, daß bie Balkanstaaten ihre Lebenskraft bewiesen hätten. Seit bem Beginn des Krieges sind 190 Tage vergangen und Serbien konnte alle Bedürfnisse selbst decken /Beifall und Händeklatschen rechts).

Tie Führer der oppositionellen Patteien erklärten, daß sie. Kredite bewilligen würben, da diese für das nationale Werk notwendig seien. Hierauf wurde bie Gesetzesvorlage in erster Lesung angenommen.

Das Testament des verstorbenerr Königs Georg.

Athen, 13. April. In seinem politischen Testa­ment trifft der König zunächst Bestimmungen über sein Eigentum; er bittet dann seine Kinder, stets einig zu sein. An den König Konstantin richtet er folgende Bitte: Liebe Dein teures kleines Vaterland unb diene ihm ebimso wie Deinem teuren Volle. Habe Vertrauen zu ihm, damit Deine Brüder dem gleichen Beispiel folgen. Er fährt daun mit bem Ratschlag fort, mutig zu sein, aber auch geduldig, beim er regiere ein südliches Volk, dessen Zorn und Erbitterung leicht entflammt sind, bas bann in einem solchen Augenblick Dinge sagen ober tun kann, die es wahrscheinlich am nächsten Tage vergessen werde. Der König muß es vorziehen, lieber selbst innerlich zu. leiden, als daß Volk und Land leide. Das Interesse des Landes und des Volkes gehe jedem anderen Interesse voran. Der König legt sodann seinem Sohn ans Herz, seine geliebte Mutter zu lieben und sie zu schüßen und seinen Kindern eilte gesunde griechische Erziehung zuteil werden zu lassen. Sie ntüßten vor allein 5)ellenen sein und nichts anderes. Der König bittet dann jeden, dem er ein Unrecht zugefngt haben sollte, um Verzeihung und erklärt, seine teuere Gattin bis zum letzten Atemzuge geliebt zu haben. Er segnet zum Schlüsse alle und- bittet Gott, sein kleines geliebtes Griechenland zu -erhallen.

nationaifpenöe zum Kaiferjubiläum.

Daß einem Herrscher aus besonderem Anlaß eine Spende für WohlsahttSzwecke dargebracht wirb, ist nichts Seltenes. Aber baß solche Spende für bie ch r i st l i che n Missionen be­stimmt würbe, ist noch nicht bageweseu. Wahrscheinlich wirb das auch unter denen, die der Misiion fern stehen, manches Kopf­schütteln erregen. Wenn es nur der Wunsch des Kaisers wäre, auf den diese Zweckbestimmung zurückginge, so würde mancher den Gedanken nicht loswerben: ein anderer Zweck, der allen Deutschen gleichmäßig am Herzen läge, wäre zugkräftiger ge­wesen. Wer wenn auch der Kaiser seine Freude über den Plan geäußert hat, so hat doch nicht er öen Ziveck festgelegt. Das haben auch nicht etwa die deutschen Missionsleute getan; ihnen hätte schon der nötige Einfluß gefehlt. Es wird vielmehr für alle Aeit denkwürdig bleiben, daß'der Gedanke, wie authentisch festgestellt ist, aus Kreisen hervorgegangen ist, die mit dem heimat­lichen Missionsleben Deutschlands nur in loser Beziehung stehen. Und, was bat diese Kreise dazu bewogen? Die Sorge um unsere deutschen Kolonien und Schutzgebiete und die Erkenntnis, baß die Mission einer der wichtigsten Faktoren f ü r eine g c f u n b c n n b zukunftsreiche Entwicklung bie f er Gebiete i st. Leiber ist gerade diese Erkenntnis bei uns in Deutschland iwch her 0ich wenig verbreitet. Man über­läßt bie Fürsorge für die Mission den Kirchenleuten im engeren Sinn, den Missicqrsvereineu, denen man nur dann eine Gabe reicht, wenn man sie nicht gut abweisen kann. Die Missions­sache gilt vielen noch heut als die Sache der Pietisten, der Stillen im Lande", von denen der moderne Kulturmensch sich geschieden weiß. Ganz anders steht eS in England und Amerika. Längst haben die Engländer eingcsehen, baß ihre Missionen ein ungeheuer wichtiger Faktor für ihre weltpolitische unb wirt- sckjastliche Entfaltung sinb. Längst wissen bie weitbiickenben Bürger ber Vereinigten Staaten, daß die Weltstellung ihres Handels, zumal in Ostasien, auf bem Verständnis jener großen Volker für amerikanisches Wesen uird auf dem Vertrauen zu amerikanischen Einrichtungen beruht, und daß die Missionen dazu wesentliche Hilfe leisten. Wir hätten in Deutschland wahrhaftig Grund ge­nug, uns gleichfalls allmählich zu dem Verständnis dafür durch- zuringen, baß bie Mission in unseren Kolonien eine Sache des ganzen deutschen Volkes ist. Wer sich mit ihr einigermaßen näher beschädigt, weiß, welche gewaltige Kulturarbeit sie leistet. Die sich immer stärker entwickelnde ärzt!ick>e Mission nimmt den Kampf mit den verheerenden Krankheiten, die unter den Eingeborenen grassieren, aus; es ist Arbeit zur gesundheitlichen Kräftigung, zur Mehrung ber Bevölkerung, bie sie tut, also eine Wirksamkeit, die die Arbeits­kräfte nachhaltig verstärkt. Was bie Mission für die intellek­tuelle Hebung ber Eingeborenen-tut, sollte allmählich bekannt sein; bie törichten Vorurteile, als ob sie ihre Schützlinge lebtglim Gebetsübungen wachen lasse, sind es wirklich wert, baß selbst ber Gegner des Christentums ihnen -endlich den Abschied gibt. Tas Schulwesen der Missionen in unseren Kolonien zählt für bie evangelische Mission 1760 Schulen nut 86 000 Schülern, für bie katholifche 1280 Schulen mit 74 000 Schülern, für bie Missionen zusammen also 3040 Schulen mit 160 000 Schülern! Ein Blick auf bie Proben bar Arbeit in den Missionsschulen der Baseler Mission, wie ihn die zurzeit in Gießen tagende völker­kundlich Ausstellung ermöglicht, genügt, um den verhältnismäßig hohen Stand der Bilbimg zu erfennen, den die Missionsschulen ihren Zöglingen vermitteln. Aber damit ist die kulturell Eüi- wirkung ber Mission noch keineswegs zu Ende. Jede Missions- ftatiou in der heidnischen Wildnis ist ein An­schauungsunterricht großen Stils. Der Missionar Imtt,

wenn er feine Siedlung errichtet, selbst die Ziegelstreichcr, Holzsäger, Handlanger uitb Maurer aii. Die primitive Wirtschafts­form gerät auch in jenen Gebieten infolge des EinMgs weißer Ansiedler ins Wanken. Ta ist cs von hoher Wickftigkeit, daß die Ptission den Stämmen, unter denen sie arbeitet, den Ueber- gang zu den neuen Wirtschaftsformen erleichtert. Der Mission ist es gelungen, auf der Golbküste die Kakaokultur als Einge-- borenen-Bauernlulcur so sehr rinnt bürgern, daß die Golbküste jetzt mit einem Export von 20 Millionen Mark bas erste Kakap- laud der Welt ist." Tie Mission hat im Sübwesten von Deutsch­ostafrika ben Wrizenbau in größerem Umfang, in Uganda die Banmwollenknltnr eingebürgert. Das sind nur einige von den durchschlag enden Gründen, die bas ganze bentsche Volk als solches innerlich nötigen müssen, der Mission in unseren Schutzgebieten beizuspringen. Daß für den Christen noch viele andere, noch tiefer liegende Motive dafür vorhanden sind, ist selbstverstäiibltch. Tie Mifsioneu sollten aber auch vom ganzen Volk Anerken uiing für die sittliche Hebung erwarten Dürfen, die sie den Ein­geborenen bringen, für die Bekämpfung des Werglaubeus, der von allen anderen üblen Wirhmgen abgesehen sogar unter bem Gesichtspunkt ber Volksgesundheit einen sclstveren Schaden bedeutet: Mso: hier wirb einmal bem deutschen Volk als einem Kulturvolk im Zusammenhang mit einem nationalen Anlaß Ge icgenl)cit geboten, etwas für die Hebung seiner Koloiiicn zu um. Ta sollte Niemand, ber es irgenb vermag, zurückftehem fonbmi seinen Beitrag spenben. Auch in Hessen hat sich ein Komitee gebildet, daS zu Beiträgen aufforbert; Fürst zu Solms- Hov?nsolms-Lich führt den Vorsitz, alle Drei Minister gehören ihm an Die Bank für Handel unb Industrie in Darmstadt ilt HaupWm'melstelle. Tas deutsche Boll,möge beweisen, baß es über ben materiellen Interessen die ibccUcn nicht vergessen will!

Aul

zu berichten:

1910/11 191112 1912/13

Grob

35-

33

32

Bullen 204 172 217

1910/U 191102 1912/13

Dtt Verbrauch-n

über den beibcn W boä von dmen BevöstcriMg und der rund 300 Tiere s Ausfall, der durch mehr verbraucht wurt ^Beider raschen 6n

geUtaSM flkijch unb mgcMtinttimri««

Ta die devolierinil lichen Preisen, der Lei vermehren muiieit

Zu all dielen lahac in Kefm, mddlti dur hat zabenmahiq beroei gang de-1 Smnchl-alle' btn tiere. Turch bi sonders bei (üchvieh kleinere Fleifchmengcn, betressenden liergattu wurden in dm lebend

1910/11 1911 12 191'H3

Bullenflcisch wir Wurstfabrüaiion Vern iit im Verhältnis z gering, da das Fleij Tiere als solches und besonders nach Indu von Zicgen/ieisch rein, nabe bie boppcltc Zahl 3M

...

** Sieben ö Nacht von öorgefter unter Null gesunkc < Olrad Kälte. T Gärtner wird inil ersten Hälfte des ' kehrungen treffen ?-n Gluck sehr sei natteii die ^ahre ^/.ßrost angerich '-bltbaumbiütc ist M eine Ernte vr Edelpslaumen (<RCii ;eeicn nt ebenfall fei 2, dm Wochen A svni: glitten. K?«?. 'rodurck

flberbie^ a chu

all

Jr1912/13 ( gange des n miteinam naturgemäß sichtig!

1910/U 1911/12 1912/13

, Denn Achtet, "k