das Gerücht über die Möglichkeit her Ersetzung Izzet Paschas unt> Hadi Paschas durch unternehmungslustigere Militärs verbreitet worden sei. Der Bericht soll im vorgestrigen Minisrerrat beraten worden sein. Der Generalissimus Izzet Pascha hat sich gestern nach Gallipoli begeben.
Der Minister des Innern Hadschiadli Bei erscheint seit zwei Tagen nicht im Ministerium. Wie verlautet, hat der Minister, der die extreme Äomitcerichtung vertritt, Meinungsverschiedenheiten mit dem Großwesir lieber die Frie- densfrage wird behauptet, daß trotz der Opposition einiger sungtürkischer Faktoren der Großwesir entschlossen sei, Frieden zu schließen.
Rumänien und Bulgarien.
Wie das Reuterbureau erfährt, ging dem Minister des Aeußeren Sasonow und den Botschaftern in Petersburg von den Gesandtschaften Rumäniens und Bulgariens ein Memorandum zu, welches die Ansichten der beiden Staaten in den schwebenden Fragen auseinandersetzt. Bulgarien, das für einen Schiedsspruch war, während Rumänien nur einer Vermittelung zu- ftimmte, nimmt nun, um diese Verschiedenheit zu beseitigen, die Vermittelung der Mächte an. Die Prüfung dieser Frage geht somit aus den Händen der Botschafter in London in die der Botschafter in Petersburg über.
Au» Statt Mitt Land.
(Sieben 12. März 1913.
Errichtung einer Studien-Anstalt.
Die Errichtung einer Studienanstalt im Anschluß an die höhere Mädchenschule in Mainz wird nunmehr auf Veranlassung des Ministeriums und im Einverständnis mit dem Kuratorium her Schule zu Beginn des neuen Schuljahres in Angriff genommen werde». Sie soll nach dem Wortlaute der „Richtlinien für die Neuordnung des höheren MädcheiischulwesenS in Hessen" vom 14. Januar 1911 den drei Jahreskurse umfassenden Oberbau der zehnstufigen höheren Mädchenscl)-ule bilden und „ihre Lehrziele iverhen, immer unter Betonung der weiblichen Eigenart, parallel mit denen der Oberrealschule gehen, an die sich die Oberschule anlehnen wird." Zwei wichtige Neuerungen tvird den Richtlinieti zufolge die Gründung einer Studienanstalt für Mainz (ebenso auch für Darmstadt) im Gefolge haben: den Wegfall der sog. Koedukation, die ja stets nur als Notbehelf betrachtet wurde; Mädchen also, die sich ht Mainz oder in Darmstadt das Reifezeugnis für den Universitätsbesuch enterben wollen, können ihr Ziel fortan nur noch durch Besuch der betreffenden Studienanstalt errcidjeu; die andere Neuerung ist die V e r s chm el - zung der drei wissenschaftlichen Klassen des Lehrerinnenseminars mit den entsprechenden Altersstufen des Oberbaus unter dem gemeinsamen Namen „Studienanstalt", deren drei Klassen die Bezeichnung Lber- sekunda. Unter* und Oberprima führen werden. Die Stu- dienanstält wird demnach auch zwei Grupp.en von Schülerinnen umfaffen: die zukünftigen Studentinnen und die zukünftigen Lehrerinnen; beide bleiben zwei Jähre vollständig vereinigt, und erst im dritten Jahre — der Oberprima — findet eine teilweise Trennung des Unter- richts statt, je nach dem gewählten Ziele. Tie Entscheidung für die eine ober andere der sich darbietenden Berufsmöglichkeiten kann also künftighin — und darin liegt wohl der größte Vorteil der angebeutctcii Verschmelzung — bis zum 18. Lebensjahr hinausgeschoben werden. Am Ende des dritten Jahres — zum erstenmal Ostern 1916 — kommt dann für die eine Gruppe die Reifeprüfung, für die andere die wissenschaftliche Mschlußprüftrng. Als Seminar bleibt nur noch die sog. ?-Klafse bestehen, das vierte Ausbildungsjahr der zutünftigen Lehrerinnen, dazu bestimmt, diese in die Unterrichtspraxis einzufuhren.
** TagcSkalender für Mittwoch, 12. Mürz. Stabt- theater: „ DerRevifo r". Anfang 7 Uhr.
Toinierstag von 10—12 und von 3—6 Uhr: Ausstellung der Arbeiten des H a n b a r b c i t s l e h r e r i n n e n f e m i n a r s in der Aliceschule, Kirchstraße 2Ck
•• DaS neue Eifenbahnanleihegesetz ist dem preußischen Abgcordnetenhause zugegangen. ES fordert insgesamt die Summe von 542 520000 Mark. U. a. werben folgende Bahnen vorgeschlagen: Von Olpe nach Kreuzthal 7 147000 Mk., von Haiger nach Gustemhaiu 6110000 Mk., von Stockhausen (Kreis Wetzlar) nach Beil sie in 3 650000 Mk., von Simmern nach Gemünden 4 412 000 Mk. Die Herstellung von zweiten und weiteren Gleisen auf der Strecke Haiger —Dillenburg (drittes und viertes Gleis) 1 705 000 Mk. Ferner werben gefordert 3 1 80 000 Mk. zur Herstellung einer Verbindungsbahn bei Gießen.
*♦ Für den allgemeinen Buß- und B e 11 a g, der nach Palmarum zu begeben ist, bat her Großherzog die itad> folgenden Bibel stellen als Predigllcxte ausgcwälüt: 1. Für den Vormittag: Psalm 95, 6—8: „Kommt, laß uns anbeten und knien und ntcbcrfaUen vor dem Herrn, der uns gemacht hat. Demi er ist unter (Sott, unb wir daS Volk ^seiner Weibe und Schafe feiltet Herbe. Heute, so ihr eine Stimme höret, so verstvcket euer Herz nicht." Für den Nachmittag: 2. Sam. 22. 36: „Tu gibst mir den Schild beines Heils, und lvenn bu mich demütigst, machst du mich groß."
* * Lehrerpersonalien. Ucbcrtragcn wurde dem Schnlamuaspiranten Hari Töhn aus Heldra die Lehrerstellc an der Gemeurdeschnle zu Maulback.
* * RuheftandSdersetzuna. Der Großherzog hat den Oberlehrer an der Cberrealfdxnie zu Heppenheim Prof Tr. Herrn. Reutzel auf sein Nadis» dien, unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste, in den Ruhestand versetzt und ihm aus diesem Anlaß bte Krone zu dem Ritterkreuz 1. Masse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen.
* * Auszei ch nung e n für Dienstboten. Tie Großherzogin bat als am Geburtstage der Prntzessm Elisabeth, folgende Ebrenzeichen für langjährige treu geleistete Dienste in ein und derselben Familie an iolgvnbc Dienstboten verliehen. A.lüi Goldene Kreuz mit Brillanten 1 Elise Arnold aus Alzey, 40 Jahre bei Morl Hch. Knuts in Mainz. 2. Elisabetha Bingel aus Lollar, 40 Jahre bei Fran Professor Tr Tölv Witwe in Lollar. 3. Margarete Sckarmann aus Willofs, 41 Jahre bei der sz-annlie Wild. Frank in Schlitz. I. Margareta I m m erhä u s e r auS Sauer Sänvaden beim. 41 Jahre bei Frau Jos Am end Witwe in Mainz. Katharina Kraut
u r st auS xscbaaflKim, 41 Jahre bei Frau Hch. Hmuck IV SSitroc in Sckaasheim. 6. Elise Neuroth au5 Stahlhofen, 40 Jabrc bei Frau Berta Hamburg Witwe in Mainz. 7. Marie R > n- mann aus »fett en trenn, 40 Jahre bei der Fanulu des verst. ÄndgertchtSrals Laist in Mainz B Da s Golden- Kreuz: Elisabeth E u^t el aus Oder Rosbacl 25 Fahre bei Postmeister a. T. Hck. ^-ckmitz in Sann nabi v.'ik a. « di ans Lollar, 26 Jahre bei Fräulein Luise von Kauft! ut Tarmstaor Matba^ riiKt Kriege! aws Garbentcrch, 2r> Jahre bei '-rau «'• Marx
Witwe in Gießen. 2higuftc Dunkel aus Thulba, 25 Jahre bei Fr. Kaz in £ Farben; Johanna Kock aus Unter-Seibenenrad, 25 Jafrrc bei Hch. Hahn in Merlau: Margarete Lauser von Bingenheim, 25 Jahre bei Metzgermeister Ang. Becker in Ortenberg Gesuche um Verleihung des Goldenen Kreuzes zum 11. März 1914, denen eine Bescheinigung der zuständigen Bürgermeiltern oder Polizeibehörde beigefügt sei» muß aus der hervorgehr, daß die Bedingungen für die Verleihung des „Goldenen Kreuzes" erfüllt sind, muffen bis längstens 15. Februar 1914 bet dem Lbcr» Kmmnerherrn Freiherr Riedesel zu Eisenbach eingereicht sein.
** Bei der Landesversicherungsanstalt Hessen sind im Februar 370 Anträge eingegangen, und zwar:400 Anträge auf Invaliden- und Krankenrente I. u. K.), 20 Anträge auf Altersrente <’2L), 21 Anträge auf Witwen- und Witwerrente <W. , 19 Anträge aus Waisenrente £.), 10 Anträge auf Witwengeld (Wg). Unerledigt wurden übernommen 458 Anträge, so daß 828 Rentengesuche in Bearbeitung standen. ES sanden Erledigung 237 Anträge durch Bewilligung (157 I., 10 K, 11 A, 15 D, 10 Wg, 33 £.), 1 Wk 12 Anträge durch Amvaitschastsbesckeid (§§ 1258 und 1743 RBO.), 45 Anträge durch Ablehnung, weil unbegründet (29 I., 3 A, 7 W., 5 Wg., 1 £).), 14 Anträge durch andere Weise — Zurücknahme usw., (8 I., 3 A., 2 W, — Wg., 1 £).), zusammen 308 Anträge, hiervon wurden 7 durch Umwandlung erledigt, so daß 520 als unerledigt auf Marz über nonTmen werden mußten. — In welchem Umfange die Landes versich-erungsanstalt Heilverfahrenskosten für ihre Versicherten übernimmt, ergibt sich daraus, daß Ende Februar in den Anstalten 253 versicherte Personen unter gebracht waren Außerdem bc fanden sich noch teils auf eigenen Kosten, teils aus Kosten des ^konds der Großherzogin, von Gemeinden oder sonstigen Elis' tungen 91 Personen in Anstalten.
** Prinz-Heinrich-Flug 1913. Der 3. Zuverlässigkeitsflug am Oberrhein, der Prinz-Heinrich--Flug, wird auch Gießen berühren. Zum ersten Male wird hierdurch den Bewohnern unserer Stadt und Oberhessens ein Schauspiel geboten, das wegen seiner Großzügigkeit und seiner Bedeutung für das gesamte Flugwesen in sportlicher, militärischer und industrieller Beziehung Aussehen und Interesse erregt. Rein äußerlich betrachtet, kommt diese Tatsache schon dadurch zum Ausdruck, daß Prinz Heinrich von Preußen die gesck-ästliche Oberleitung der Veranstaltung übernommen hat und sich an den Vorbereitungen beteiligt. Auch unsere Stadt wird die Freude haben, den Prinzen am 1. Psingstseiertag hier begrüßen zu können. Um das Verständnis für den Prinz-Heinrich Flug zu wecken, dürfte es an gebracht sein, über die Zwecke und die Bedeutung dieses Fluges, über die A n f o r b c r u n g e n, bie an Flugzeug und Führer gestellt werden, über die Flugstrecke und über die ganze O r - ganisation des Fluges in großen Zügen unterrichtet zu werden. Wenn man Vergleick?e zieht zwischen den Leistungen, die nodi vor wenigen Jahren von Flugzeugen vollfübrt wurden und die heute vollbracht werden, so muß man dem heute Erreichten unbedingte Bewunderung zollen. Dabei bringt fast jeder Tag Mitteilungen über neue Fortschritte. Nebenher aber lesen wir von neuen schweren Hnglückssällen. Ob sie nun durch sehlerltatte Konstruktionen, durch Maschinendefekte, durch Tollkühnheit oder Nervenüberreizung der Flugzeugführer l-crvorgemsen sind, immer wirken sie auf weite Kreise abschreckend. Es kann nicht geleugnet werden, daß jeder Sport seine Opfer fordert — es sei hier nur an die vielen Unfälle bei Automobilfahrten, Hochgebirgstonren, Rodeln usw. erinnert — denn jeder Sport verlangt-von den Ausübenden Wagemut, starke Nerven, Kaltblütigkeit. Soll nun aber auf dem Gebiete des Lustsports eine im allgemeinen Interesse liegende ruhige Weitereiltwicklung erzielt werden, bann alierbingö kommt es nicht baranf an, Rekorbleistungen zu erzielen. Bon biefem Gedanken ausgehend, sind, wie sclwn daS Wort selbst an- beutet, die „Zuverläftigkeitsslüge" entstanden. Es sollen Flug- zeugkonstruktionen herausgebildet werden, die sähig sind, mehrere Tage in bauerndem Betrieb zu bleiben, bie allen Witterungs- verl»ältnissen gelvachsen sind und allen lriegsmäßigen Ansorde rangen entsprechen, uitd es sollen Flugzeugführer erzogen werden, die für den Ernstfall in der scllweren Kunst der Orientierung Meister sind. Durch Stiftungen, Geld- imb Ehrenpreise will man bie deutsche Industrie und die deutschen Flieger hierzu ermutigen. Bis jetzt stehen zur Verfügung: ein Ekwenvreis des deutschen Kaisers, ein solcher deS Prinzen Heinrich, des Statthalters von Elsass Lothringen, des Fürstetl von Tum und Taxis, einige Zu vcrläjsigkettS- und Aufklärungspreise, sowie 70 000 Mark Geld- entschädigultgen für die Industrie. Der Wettbewerb ist n a t i o n a k. Um möglichst weite Kreise für das Unternehmen zu interessieren, wird der Flug ein wesentlich größeres Gebiet umsassen, als seine beiden Vorgänger. Daß die Heeresverwaltung dem Flug lebhaftes Interesse entgegenbringt, geht aus der Tatsache hervor, daß aktiven Offizieren die Teilnahme gestaltet ist, und daß zwei große militärische Aufklärungsübungen eingeühaftet werden, zu denen der Chef des Geueralstabs die Ausgaben stellt. Der einen Hebung liegt eine strategische Aufgabe — Aufklärung großer im Marsch befindlicher Truppnrntassen — der anderen eine taktiscire Aufgabe — Truppen vor und im1 Gefecht — zu Grunde. An diesen Hebungen werden 25 Flugzeuge und mehrere Lustkreiizer teilnehmen. Die von dem Flug berührten Städte, Wiesbaden, Gießen, Kassel, Koblenz, Neustadt, Spever, Karlsruhe, Freiburg und Straßburg, unterstützen das Unternehmen nach jeder Richtung hin. So bat z. B. dürften zum Garantiesonds 2500 Mark bereit - gestellt. Provinz, Kreis, Stadt unb Militär, sowie sieben hiesige Vereine, bie bereits bei dein letzten Flug fest mitioirften, leihen der Veranstaltung ihre Kräfte. Die Vorarbeiten sind im Gange, so daß demnächst die Einzelheiten des Programms bekanntgegeben werden können. Sdwn freute kann aber gesagt werden, daß ctiva 20 Flieger frier erscheinen werden, mell richt auch ein Zeppelin- freuier mihvijft und daß sich hier unter den Augen des Prinzen Heinrich ein elbaufviel entfalten tvird, wie es (ließen auf diesem Gebiet in glridxrr Großartigkeit noch uidjt gesel»cu hat.
•• Sladttheater. Am nächsten Sonntag finden zwei Vorstellungen ernsten Charakters statt, die zugleich die unbedingt letzten Aufführungen der genannten Werke sind. Am Nachmittag wirb Theodor BirtS vaterländisches Schauspiel „Aus eiserner Zeif bei Volkspreisen gegeben, am Abend deS Dänen Henrn Nathansens intereffante Kontödie .Hinter Manern^ bei kleinen Preisen. Beide Stücke hatten bei den bisherigen VorsteHuugen starken Erfolg. Es fei darauf hin- gewiefen, daß der Reinertrag der heutigen Aufführung von Gogols .Revisor^ der WohlfahrtSkaffe deS deutschen Bühnen- vereinS zuffießt.
** Tic Fortbildungsschule ist geschlossen. Btffncht wor sie vmt durckffchnittlich 122 Schülern, die in fünf Bcrussgruppen unterrichtet wurden. Die Gruppe bestand aus Kaufleuten, Schreibern, Schriftsetzern, Buchhändlern und Gemnetcrn und war besucht von 86 Schülern. Die -weite Gruppe touebe gebildet aus den Metallarbeitern mit 84 odtülent In der dritten Gruppe vereinigten sich Holzarbeiter und im Hausbau beschäftigte junge Leute, zusammen 88 Schüler. Die vierte Wnippe bestand aus Angehörigen des Nahrungsmittel- und Bekleidungsgewerbes mit 90 Schülern Die fünfte Gruppe, die aus ungelernten Arbeitern und schwach befähigten schülern bestand, war die stärkste mit 97 Schülern Die Gruppeneinteilung besteht seit einigen Jahren Seit dieser Zeit ist auch ber Lehrplan und Lelirstosf ennritert Außer Rechnen, Deutsch, Buch- sührung mtb Dechfellchre, wird Versossungskunde, Tlcr- sicherungswesen, Bernfskunbe, Materiatkunde und .Kalku- lation burd>genommcn. Tic Erweiterung bee Unterrichts hat fick beslmkb notwendig gemacht, um das Inetreffe her Lehrlinge für bte Fortbildungsschule und deren llmcrricbt rii wecken Man kann n .ifrrnefrmen, daß der größere Teil des Handwerkernachwilchscs dem enveitarten Lehrstoff mehr '.Aufmerksamkeit aügegenbringt. T>aS Stirn ft crüun will an
regen, daß in der Fortbildungsschule auch Zeichcnunierri-ckck erteilt wird.
" Neue Schuler sind für das Schuljahr 531 an- gemelbrt, von denen 372 auf die Volksschitle 18»^ Mädchen und 192 Knaben) unb 159 auf die höheren Schulen (80 Mädchen und 79 Knaben entfallen. Es treten in die Realschule 43, in das (Kpmnasium 36, in die Höhere Töchterschule 39 und in die Erweiterte Töchterschule 41.
' Die hessische Autom o bil-Zentrale, Kronen- berg & Schilling, eröffnete am Montag abend 7 Uhr ihre Automobil-Ausstellung an der Ecke des SelterSweqS und der Löwcngaffe. Der geräumige und hübsch auSgeflattete Laden enthalt eine Reihe Automobile von den einfachsten bis zu den elegantesten Formen und außerdem eine Menge Fahr- räber. Mit der Einrichtung dieses EtabliffementS ist für Gießen ein neues bedeutendes GefchüftSunterncbmen entstanden, oaS jeder Großstadt zur Zierde gereichen würde.
** Eine Roheit Auf unsere Beröfsenllichung in Nr. 58 erhielten wir gestern folgendes Schreiben: „Ans den Artikel. üben<hrieben „Eine Roheit", wo ein Bierreifender in der Moltkestraffe bei dem Passieren eines Privatweges zwischen den Häusern 26 und 28 einen 7jährigen Jungen mit einem -Spajicr- stock geschlagen haben soll, mochte ich richtig gestellt wissen, da der Verdacht unbedingt auf mich fallen muß. da ick Reifender der Finna A. u. W. Tenningboff bin und auch bte Hauser Moltko st raße 26 unb 28 mein Eigentum sind. Ich teile Ihnen deshalb den wahren Sachverhalt, den ick vom Fenster aus mit angesehen habe, mit. Seit einigen Wochen kann ich wegen.eines Gicktleidcns bas Zimmer nicht verlassen, so kam es, daß td' am Samstag, wo meine ganze Familie in der Kirche zur Beichte war, da meine jüngste Tochter am Sonntag konfirmiert worden ist, allein zu Hause bleiben mußte. Ich stand am Fenster meines Schlafzimmers unb sah mit zu, wie mehrere Jungen durch meinen Garten Nachläufen spielten, zwei größere mit roten Müßen liefen vor unb ein kleiner hinten nack. Als brr Knabe etwa 3 Meter an meinem Fenster vorbei war, wollte er recksts um ein Drahtgitter biegen, rannte aber hiergegen, woburck er burch ben Anprall zu Fall kam, unb auf ein in der Horch haltendes etwa 60 Zentimeter langes kantiges Lattenstück fiel. Im Nu sprang er aber wieder aut, sein Stuck Holz liegen lassend, bie Hand an ben Backen haltend und weinetch lief er so schnell nriv möglich davon Bei diesem Fall Muß er fick diese Verletzung zugezogen haben. Daß also ben Jungen jemanb geschlagen bat, ist vollstanbig ausgeschlossen.
Friedrich Jorban, Moltkestraße 26.
Wir veröffentlichten in gutem Glaubon gestern eine entsprechende Notiz. Heute aber erschien in Begleitung eines Dienstmädchens der verletzte Junge und schilderte uns auf unser Fragen den Sxrgang, der nach einer uns übermittelten Briefnotiz feines Vaters sich doch anders abgespielt hat, als Herr Jordan behauptet. Der Brief lautet:
Bezugnehmenb auf bie beiben Artikel „Eine Roheit", „Keine Roheit" teile ich Ihnen mit, baß es nach ben Aussagen ber Augenzeugen wahr ist, baß der Junge nicht acirftfagrn wurde. Vielmehr hat der Täter ben Kindern von seinem v ücfhii senster aus aufgrfauert unb von dort aus bcml Kinde den Svazielst eck mit voller Wucht an den Kops geworsen. Eine Latte spielt hierbei keine Rolle, wie dieses midi ber Wnnd- befunb behmbet. Hebrigcns ist bieses nickt ber erste Fall, baß baselbst wegen unbefugten Passierens bes Durchganges. Kinder blutig verletzt wurden. Ohne mich an dieser Stelle weiter aus zusprechen, möchte ich dem Täter bringend empfehlen, bn- beiden vcrsä>ließbaren Durchgängstüren hinter bem Hanse zu schließen, woburch ihm unb anberen viel Hnheil erspart werben könnte.
Kreis Schotten.
() Laubach, 9. März. Die Mädchenschule veranstaltete gestern nachmittag in der „Traube" eine hun- bertjährige (.Kedächtuisfeier ber Freiheitskriege, an der die Angehörigen teilnahmen. Im Mittelpunkt ber Feier stand bas Festspiel: „Deutschlands Frauen in Deutschlands großer Zei t", das gut vorgetragcne Deklamationen und Olcfänge brachte Pfarrer Volp hielt eine Aufprackse, bie dem Festspiel angepaßt war, sie endete mit einem Hock auf Kaiser, Großherzog und Vaterland. Ein allgemeiner Gesang „Deutschland, Deutschland über alles", schloß die schöne Feier. — Tic Konzert- und VortragSvereiuigung beschloß ihre diesjährigen Beraustaltungen gestern nachmittag mit einem „Liederabend" der Hofvpemsängerin Frau Elfriede Weift c- Winkel aus Wiesbaden. Tie feinsinnig zusammengestellte Vortragsfolge brachte Lieder von Franz Sckulbert und Franz Liszt. Tarauf folgten einige alte Sangesweifen aus bem 18. und 19. Jahrhundert von Luise Reichardt, I A. B. Schulz und Carl. Ofotttieb Hering. Ten Schluß bildeten neuere Kompositionen von Hildach, V. Holländer, M. Reger und Taubert. Die Künstlerin, die zum ersten UtiH dem hiesigen Publikum bekannt wurde, umßte durch ihre volle, technisch glänzende Stimme, ebenso wie durch die Art ihres Vortrages, ber auch die zartesten Details ber Kompositionen bestens zur Geltung brachte, die Zuhörer zu lebhaftem Beifall hinzureißeu Tie Begleitung am Klavier lag in ben Händen des Hoftapellmeifters Stolz aus Wiesbaden.
Kreis Friedberg.
(9t) Bad-Nauheim, 11. März In der heutiaen Sitzung der Stadtverordneten wurde unter anderem beschlossen: Durch bie starke Inanspruchnahme des Gaswerkes reichen die vertragsmäßig zu liefernden Kohlen nicht und wurden bei der Firma St öckicht u. Fischer- Binaen 30 Waggon Kohlen zum Preise von 156 Mk für die Tonne bestellt. — Der alte Ober-Mörler Pfad — ein Verbindungsweg zwischen Bad-Nauheim und dem Dorf Ober-Mörlen — soll, nachdem ber Höhen weg sertiggestellt ist, nach einer Einspruchsftist von 14 Tagen geschlossen werden — Dem Landes-Hebammen-Derein wird für seine am 24 Mai hier stattftndende Landesversammlung ein Beitrag von 50 Mk. bewilligt.
m. Ockstadt, 11. März Jeder Kriegs Veteran erhält nach einem Gemeinderatsbeschlutz monatlich 10 Mark. Von neun Veteranen haben lechs das Ehrengeschenk der Gemeinde in Anspruch genommen.
m. Nieder-M ör len, 11. März Heute nacht gegen 11 Uhr wurde der auf dein Heimweg befindliche 20jährige Spengler Gg. Rack von hier am Eingang des Dorfes von einem Unberannten überfallen Er erhielt einen McfslTrsticki in die Schulter und als er sich nach dem Angreifer umdrehte. einen weiteren in den Ami Bei Wwchr ocs Angreifers griff der UcberfaUenc in daS gezuckte Messer und zog sich dadurch eine tiefe Schnittwunde der rechten Hand zu. Arzt Dr. Stoll von Ober-Mörleii stellte liefe Stichwunden an Schuller unD Arm fest, doch dürften bie Verletzungen nickt lebensgefährlich sein. Rack, ein braver Iimgcr Mmm, hatte mit niemand Streit und es wirt) allgemein angenommat, daß er das Opfer einer BerivechjeLuug


