internationale Finaiizkonfercnz ein, beten Dauer auf etwa drei Neonate veranschlagt wird. Das Er- ösfnungsbatum wurde neuerdings und zwar auf den 2 7. Mai vers ch oben, doch ist auch dieser Zeitpunkt noch ungewiß, da man befürchtet, daß bis dahin die Friedens-- Präliminarien noch nicht unterzeichnet sein werden.
Aus Athen wird gemeldet, daß die griechische Regierung das lebhafteste Widerstreben dagegen empfinde, ihren Londoner Gesandten die Ermächtigung zu erteilen, die Präliminarien in der von den Großmächten vorgeschlagenen Form zu unt-erAeichnen.
Erklärungen des französischen Ministerpräsidenten über die Einführung der dreijährigen Dienstzeit.
Paris, 15. Mai. In der Sitzung der Kammer wollte das Mitglied der geeinigten Sozialisten Du r a f o ur die Regierung fragen über ihren Beschluß, den Jahrgang, der am 1. Oktober entlassen werden sollte, unter den Fahnen zurückzubehalten Der unabhängige Sozialist Augag- n e u r verlangte, daß die Anfrage mit der Erörterung über den Bericht des Abgeordneten Pate, der gestern der Kammer vorgelegt mürbe, verbunden wird
Der Ministerpräsident erklärte, neben den Ver- antlvortlickfteiten der Kammer gebe es auch solche der Regierung. Die Anfragen hätten ihren Ausgangspunkt in den Erklärungen, die er in Caen abgegeben habe; aber bereits Ende "März habe die Regierung ihren Entschluß angetündigt. Wir beharren darauf, sagte er, sie (st die Erfüllung einer gebieterischen Pflicht. (Sehr gut im Zentrum.) Das Gesetz von 1905 ließ der Regierung die Freiheit, unter ihrer Verantwortung die Umstande und die Stunde der Entscheidung M bestimmen, Gewiß werden bereits heute dringende Umstände im Oktober nicht weniger dringend geworden sein. (Beifall auf verschiedenen Bänken.)
Minisberpräsident Bärthou führte weiter aus: Die Bedürfnisse der Landesverteidigung verpflichten die Regierung, den Artikel 33 des Gesetzes von 1905 anzuwenden und die Beschlüsse rechtzeitig anzukündigen, um die Durchführung zu ermöglichen. Der Artikel wäre unwirksam, wenn er die Regierung nicht berechtigte, für den neuen Jahr ga n g nötige Maßregeln zu treffen. Es ist die höchste Zeit für den Barackenbau und den Reitpferdekauf. (Beifall im' Zentrum und einem Teil der Linkem! Das Vorgel>en der Regierung bezweckt nur, rechtzeitig Material für die Mannsthaftsvermehrung bereitzuhaltem Tie Regierung übernimmt die Verantwortlichkeit dafiir, ohne die Vorrechte der Kammer schmälern zu wollen, welche frei beraten und abstimmen tönne. (Beifall im Zentrum, auf der Rechten und einem Teil der Linken, die äußerste Linke schweigt.)
Augagneur antwortete: Da die Regierung sich nicht acht Tage gedulden wolle, die Aussprache durch Erklärungen versteckter weise eröffne, nähmen seine Freunde sofort den Kampf auf. (Beifall bei einem Teil der Linken und der äußersten Linken. Das Zentrum lacht ironisch bei der von Durafour begründeten Anfrage.)
Durafvur machte dein Ministerpräsidenten Vorwürfe, daß er eine so schwerwiegende Erklärung wie die über die Zurückbehaltung der Jahresklasse in Caen und tricht in der Kammer gemacht habe. Der Redner, der vom Zentrum und der Rechten unterbrochen und nur von einem kleinen Teil der äußersten Linken applaudiert wurde, protestierte gegen die Zurückbehaltung unter den Fahnen um) fragte, ob die Maßregel nicht im Auslande als ein Zeichen der kriegerischen Politik gedeutet werde (Widerspruch auf verschiedenen Bänken). Der Redner nannte die Maßregel ungesetzlich, verfassimgLwidrig und eine Verkennung der Rechte des Parlanrenls und der Ration. Auf wie lange, fragte er, ist die Zurückbehaltung beschlossen? Augenscheinlich für längere Zeit. Tie Demokratie muß sich fragen, ob es sich dabei nicht um einen gegen sie gerichteten Schlag handelt? Uebrigens scheint die Ankündigung der Zurückbehaltung die Annahme des Gesetzes über die dreijährige Dienstzeit zu präjudizieren. Alles was für Frankreich getan ivirb, muß für und durch die Republik geschehen. (Beifall auf denselben Bänken wie vorhin.)
Der Radikale Lach and erklärte es für unmöglich, die Belegung der Kasernen zu fteigeni, ohne in hohem Maße die hygienischen Einrichtungen zu beeinträchtigen und die Sterblichkeit pes Heeres zu vergrößern. Der Kriegsminister unterbrach den Redner und versicherte, keine Kaserne werde 511 stark belegt werden.
Hierauf nahm Ministerpräsident Barthou wieder das Wort.
Barthou erinnerte daran, daß er vor dem Heeresaus- schuß schon vor den Osterferien seine Absicht, eine Johresklasse unter den Fahnen zurückzubehalten, angekündiqt habe und damals klar ausgesprochen habe, er werde im Mai schlüssig werden. Er werde feine pessimistischen Worte gebrauchen und er habe in keiner Weise die Absicht oder das Recht, die äußere Lage schwarz zu malen. Man dürfe sich nicht embilden, daß alle Schwierigkeiten und alle Gefahren sür den Frieden Europas schon überwunden feien. Man müsse demnach von den Erfahrungen, die mit dem (besetze von 1905 gemacht worden seien, Gebrauch macken und besonders die Schaden, die es den berittenen Waffen gebracht habe, heilen. ,L ärmende Unterbrechungen aus der äußersten Linken, beson- devS von I au res, dem von rechts geantwortet wird: „Sprechen Sie doch Deutsch!" Die Sozialdemokraten erwidern die Zurufe.)
Barthou erwähnt das Dementi, das der französischen Berechnung von der U e b e r l e g e n b e i t Deutschlands in der Friedensstärke von 130 000 Mann von deutscher Seite entgegengesetzt worden sei. Er meint aber, daß das Dementi noch kein Beweis sei. Die offiziellen Dokumente beider Länder erlaubten keinen Widerspruch. Angesichts der Lage, wie sie am 1. Oktober sein werde, hätte die Regierung die Pflicht, von deni Artikel 33 Gebrauch zu machen Wegen des Zeitpunktes, wann die Zurückbelxiltung des dritten Falwganges arrzulünoigen ist, beruft sich Barthou. auf die Autorität Frepeinets: betreffend die Dauer der Zurückhaltung erklärte er, das (besetz spreche von vor läufiger Zurückhaltung. Nehme die Kammer den dreijährigen Dienst an, so werde die Znrückl>ehaltung durch das neue Gesetz gedeckt (Lärm links), nehme die Kammer die dreijährige Dienstzeit nickt an, so würde die Regierung traft des Artikels 33 gemäß ihrer Verantivortlichkeit handeln, wie sie bereits angekündigt habe. (Unterbredningen.)
3 au re $ erörterte heftig den Entschluß der Regierung, der die Kammer zu einer v 0 r z e i t i g e n F e st t e g u n g für die drei jährige Dienstzeit bringen wolle Barthou erwiderte mit dem Hinweis ans die nahe bevorstehende Ueberlegenheit eines benack barten Staates. «Beifall im Zentrum und auf verschieden-'!, Bänken. Lärm bei der äußersten Linken.) Jaurßs «ahm die Antwort BartbouS als ein Geständnis auf, daß es sich um eine dauernde Zurückbehaltung des dritten Jahrganges iwtnMe.
Die Abstimmung der Kammer.
Nach lebhafter Aussprache lehnte die Kammer die Priorität der von der Neuerung zurückgewiesenen Tagesordnung Breton mit 315 gegen 241 Stimmen ab Das Abstimmungsergebnis wurde von den Sozialisten und Radikalen mit ftürmifu m Best> 1: ausgenommen, die darin den Bewe, • dafür erblicken, daß N Regierung ihre MOrtzeit mir den Mitgliedern der Rechten, den
Nationalisten und Gemäßigten verdankt. Darauf wurde die Tagesordnung Verlöt und Pvurksuery, in welcher der Erklärung der Regierung die Zustimmung erteilt wird, mit 322 gegen 15-5 Stimmen angenommen.
Die Abreise der pnnzreckentenpaarer von Sayern aas Darmstadt.
bs. Darmstadt, 15. Mai.
Nachdem der Prinzregent Ludwig von Bayern heute vormittag einige städtische Einrichtungen wie das Hallenschwimmbad usw. besucht hatte, erfolgte 12.35 Uhr die Abreise des bayerischen Fürstenpaarcs nach Kissingen. Wie beim Empfange, so hatte sich auch heute bei der Abreise ein zahlreiches Publikum eingeftindeu, das den greisen Prinzregenten und seine Gemahlin lebhaft begrüßte. Das Großherzogspaar gab seinen Gästen natürlich das Geleit.
Aus Anlaß des Besuches finb auch eine Reihe Orden verliehen worden, von denen wir nachstehend einige nennen:
Der Prinzregent verlieh: Dem Staatsminister Dr. von Ewald des Großkreuz des St. Michaelsordens; Prvvinzial- bireftor Feh das Komturkreuz 2. Klasse des Bayerischen St. Michaelsordens: Geheimerat Röm Held das Komturkreuz mit Stern desselben Ordens; Oberbürgermeister Dr. Glässing und Geh. Legationsrat Dr. N e i d h a r t das Elsrenkreuz desselben Ordens, Regierungsrat Genn e s und Generaldirektor Dr. Eger den St. Michaelsorden 3. Klasse, Poliz-eiamtmann Stumpf beit St. Michaelsorden 4. Klasse. Das Verdienst kreuz des St. Micksaelsordens mit der Krone erhielt Revierpolizeikommissar K v - walke, das Verdienstkreuz des St. Michaelsordens die Polizeiwachtmeister Schäfer und Neff, die silberne Medaille desselben Ordens die Schutzleute Kühne und O e chle r. Ten Obermachtmeistern Hch. E i d e m ü l l e r und Ludw. H e l d im Gcn- darmerietorps ivurbe das Militärverdienstkreuz 1. Klasse verliehen.
Der Groß Herzog hat verliehen: dem Generalleutnant ilnd Generaladjutanten v. Walther, dem Hofmarschall Freiherrn v. Laßberg und deni Kabinettschef Staatsrat v. Dandl das Großkreuz des Philippsordens, dem Generaladjutanten Oberstleuttrant Grafen zu Castell das Komturkreuz 2. Klasse, dem Ordonnanzoffizier Freiherrn von der Tann das Ritterkreuz 2. Klasse, dem Obermedizinalrat Leibarzt Dr. v. H 0 e ß l i n das Ehrenkreuz, dem Hofvat Walter das Ritterkreuz 1. Klasse, dem Kgl. Rat Naab das Ritterkreuz 2. Klasse des gleichen Ordens. Ferner erhielt noch der bayerisch ßsesandte am Darmstädter Hof, Gras Moy, das Kmnturkreuz 1. Klasse des Philippsordens mit der Krone.
Bad Kiss in gett, 15. Mai. Prinzregent Ludwig ist heilte nachmittag von Darmstadt zur Einweihung des neuen Regentenbaues hier eingetroffon. Tie Stadt ist festlich geschmückt. Die Entwürfe für das neue Kurhaus entwarf Geheimrat Littmann-München.
Ausland.
Der deutsche Botschafter in London, Fürst Lichuowsky, ist nach Berlin ah gereift.
ALLS StaöL
Gießen, 16. Mm 1913.
** Einfuhr von Pflanzen in den Vereinigten Staaten. Das Ministerium des Innern hat dem landw. Institut der Landesuniversität Gießen, der Wein- und Obstbaus chu le Oppenheim und der La n d wi r t s ch a f t s ka mm er für Hessen die Untersuchung der für die Ausfuhr nach den Vereinigten Staaten von Amerika bestimmten Pflanzen und die Ausstellung der Untersuchungszeugnisse nach § 1 des Pflanzenguarantäge- gesetzes der Vereinigten Staaten.vom 2. August 1912 übertragen. Für die Untersuchung und die Ausstellung der Zeugnisse werden Gebühren nicht erhoben.
"Ernannt wurde der Amtsgerichtsdiener bei dem Amtsgericht Herbstein Gg. Bormuth zmn Kanzleidiener am Landgericht der Provinz Oberhessen.
• • Baugenossenschaft. Die ordentliche Mitglieder- Versammlung der Baugenossenschaft des Evang. Arbeitervereins ffndet nicht, wie irrtümlich mitgeteilt wurde, morgen (17.) statt, sondern erst Samstag, 2 4. Mai. (S. Anzeige.)
** Der Konzertverein beschließt sein Konzertjahr am Mittwoch, 28. Mai, mit einer Darbietung größten Stils. Er wird das „R c g u i e m" von Hektor Berli 0 z zum ersten Male in Gießen zur Aufführung bringen. Für das gewaltige Werk steht ein Ton- und Gesangskörper von nahezu 250 Personen zur Verfügung. Tie aus einem Haupt- und vier Nebenorchestern bestehenden Jnstrumentenmassen, die seine Aufführung erfordert, werden von dem verstärkten Palmengarten orche st er aus Frankfurt, unserer Regimentskapelle und einer Anzahl anderer auswärtiger Musiker gestellt. Diesem Massenaufwand steht eine entsprechende Sängerschar in dem durch den B a u e r s ch e n Männerchor unterstützten und somit beträchtlich vermehrten Akademischen Gesangverein gegenüber. Das Konzert findet am Mittwoch, 28. Mai, in der Stadtkirche statt. Am Tage vorher, abends, ist die öffentliche Hauptprobe.
* * Wie uns Bako f s Kammer-Lichtspiele mit- teilen, ist es gelungen, auch den Prinzieu .Heinrich au^-u- nehmeni. Während dieser dem Operateur sagte, daß er weg gehen solle, drehte dieser rasch einigemal die livurbel und der Prinz war aufgenonimcn.
* * Für die Wand erfreunde veröffentlichen mir von jetzt ab in der Abteilung „W andern und Reisen, Bäder usw", regelmäßig Freitags einige Vorschläge zu Wanderungen in der näheren und weiteren Umgegend.
Landkreis Gießen.
g. Annerod, 15. Mai. Hier findet am nächsten Sonntag, 18. d. Mts., das Jahresfest der Kirchen- gesangvereinc vom Dekanat Gießen statt. Als gemeinsame Chöre werden lauter Pfingstlieder gesungen, deren Leitung in den Händen von Professor Trautmann aus Gießen liegt. Am Vortrag der Chöre beteiligen sich die Uirchengesangvereiue von Beuern, Burkhardsfelden, Gießen, Großen-Linden, Klein-Linden, Langgöns, Leihgestern, Lollar, Treis an der Lumda und Annerod. Der Festgottesdiensl beginnt um 2^ Uhr, die Ansprache hält Dekan Gußm a n n.
Kreis Friedberg.
— Friedberg, 15. Mai. Während der nächsten 14 Tage finden an der Obstbauschule zwei Kurse statt, die Obst- und Gartenbauliebhabern nicht genug empfohlen werden/können. In der Woche vom 19. bis 24. Mai findet der erste Teil deS sogenannten Lieb ha berobslbaukursutz statt. In diesem Kursus werden alle Gebiete deS Obstbaues, die den Liebhaber interessieren, theoretisch und praktisch behandelt, und zwar werden an den Vormittagen Vorträge gehalten, während die Nachmittage ausschließlich zu praktischen Unterweisungen dienen. DaS Honorar beträgt für Hessen 10 Mk., für Nichthessen 15 Mk., während hessische Lehrer wnorarfrei sind. — Ferner findet vom 26. bis 31. Mai der eit einigen Jahren eingerichtete Gartenbaukursus statt, rr soll vor allen Dingen Frauen und Mädchen Gelegenheit geben, sich im Gartenbau, speziell Blumenzucht und Gemüsebau,
weiter auszubilden. Da diese Kurse nur sechs Tage dauern und so eingerichtet sind, daß für entfernt Wohnende die Eisenbahn täglich zur Her- und Rückfahrt benutzt werden kann, so ist der Besuch mit geringen Kosten verknüpft und daher ganz besonders auch für unfere Hausfrauen und jungen Mädchen sehr geeignet, die sonst schlecht abkommen können. Näheres ist durch die Direktion der Obstbauschnle zu erfahren.
r. Bad-Nou heim, 15. Mai. Unser Kurtheater brachte gestern abend als vierte Neuheit in zwölf Tagen — am 2. d. Mts. wurde das Theater eröffnet — das Schauspiel „Hinter Mauern" von Nathanscn zur Aufführung. Die '-Absichten des Verfassers, die große Kluft zwischen Juden- und Christentum zu überbrücken, wurden mit viel Verständnis und Sympathie auf genommen. Durch die vorMgliche Darstellung der Hauptrollen „Levin" Walter Dworkowski, „Sara" Auguste Frenzel und „Esther" Alice Dagny, verbunden mit sehr geschickter Regie, erzielte das Werk einen starken, nachhaltigen (Srfolg. — Mit einer glänzenden Beleuchtung des Kurhauses, bei der etwa 5000 Gasflammen zur Verwendung kamen, erreichte die Tagung des Hessischen Landes- lchrer-Vereins gestern ihren Abschluß. — Heute vormittag versammelten ^»ich die Bürgermeister des Kreises Friedberg zur Besprechung verschiedener Verwaltungskragen in der hiesigen Turnhalle. Ten Vorsitz führte Kreisrat Sckliep- hake. Oberingenicur 0. Stadler von der lleberlandanlagc der Provinz Oberhessen hielt einen Vorttag über die Hock -= und Niederspannungsleitung in Br andf allen. Ein gemeinsames Mittagsessen vereinigte ungefähr 75 Teilnehmer. — Unsere Ortskrankenkasse, die zurzeit ein Vermögen von beinahe 44 000 Mk. anfzuweisen bat, beschloß in ihrer gestrigen Hauptversammlung einstimmig, daß die Kasse als besondere Ortskrankenkasse forthefteben soll: ein dem Beschluß entsprechender Antrag wird beim Oberversicherungsamt gestellt werden. Ms Vertreter des Dersicherungsamtes wohnte Kreisamtmarm Dr. P r 0 b st der Versammlung bei. — Das heute abend veranstaltete 3. Sinfonie-Konzert der Kurkapelle brachte nur Wagnersche Kompositionen. Zum erstenmal in dieser Saison war der große Saal des Kvnzerthauses — einschließlich der Logen — beinahe ausverkauft. — Ein aufregender Vorfall 'spielte sich gestern in einem hiesigen Hotel ab. Der Hausbursche H e m m i n g war wegen Widersetzlichkeit und Trunkenheit von seinem Arbeitgeber entlassen worden. H. weigerte sich, das Hotel zu verlaffen und ein Schutzmann mußte herbeigeholt werden, der den rabiaten Burschen entfernen sollte. Die Aufforderung des Schutzmanns, das Haus zu verlassen, beantwortete Hemming damit, daß er dem Beamten mit einer von der Wand gerissenen Papierschere einen tiefen Stich in den Arm versetzte und ihm Verletzungen an der Nase beibrachte. Der Schutzmann mußte blank ziehen, um sich 'seiner Haut zu weh-ren. Erst als noch zwei Schutzleute zur Hilfe gekommen, konnte der wie wild um sich schlagende Mensch gefesselt dem Polizeiamt zugeführt werden.
Starkenburg und Rheinhessen.
X Darmstadt, 15. Mai. Anläßlich des Geburtstages des Kaisers von Rußland findet am Montag, 19. Mai, vormittags 11 Uhr, in der Russischen Kapelle auf der Mathildenhöhc Gottesdienst mit anschließendem feierlichen Tedeum statt.
RB. Darmstadt, 15. Mai. Die Erziehungsanstalt „O h l y - st i f t" in Grafenhausen begeht am Samstag ihr 2 5 j ähriges Jubiläum. Die Anstalt steht unter dem Schutz der €>tabt Darmstadt und ist ein Werk des Oberbürgermeisters Ohly. Die Anstalt betreibt Landwirtschaft, Biehtzucht und Gärtnerei, muh hat sie ihre eigene Schneiderei und Schuhmacherei. Ihre Einnahmen fließen hauptsächlich aus Pflegegeldern und dem Land' Wirtschaftsbetriebe. Dazu kommt ein Zuschuß aus der städtischen Sparkasse mit zurzeit .4000 Mk. und eine StautÄbrilülse von 1200 Mk. jährlich, sowie Beihilfen ans Bezirkssparkassen usw. Die Einnahmen für 1911 betrugen 59 050 Mk., die Ausgaben 56 149 Mk 1912 wurden 92 Knaben und 49 Mädchen verpflegt Die Durchschnittszahl der Pfleglinge betrug 84. Die Anstalt -a/ seit ihrem Bestehen vielen Hunderten von Kindern eine Heim^ statte geboten, wo ihnen Ordnung und Zucht, Liebe und Verstehen die Wege zn einem pflichtbewußten Leben öffneten.
— Offenbach, 15. Mai. Am Sonntag treten die Vertreter der hessischen Verwaltungsstellen des Bundes der technisch-in dustriellen Beamten hier zu ihrem Gautage zusammen. Aus der reichhaltigen Tagesordnung verdient hervorgchoben zu werden der Vorttag „Die Arbeitszeit im technischen Bo- r u , den Dr. med. W. Hanauer- Franffurt a. M. übernommen hat. Daneben werden die Bertteter den Bericht der Gauleitung sowie der einzelnen Verwaltungsstellen entgegen» nehmen und jne Ergebnisse des kürzlich in Berlin abgehaltenen 9. Bundestages bespveckmi. Der Tag-wrg geht am Vorabend eine öffentliche Versammlung voraus, in der Ingenieur Sandrock- Berlin über das Thema „Ziele und Wege der modernen Angestelltenbewegnng" sprechen wird.
w. Mainz, 15. Mai. Nach einem Begrüßungsabend in der Stadthalle nahmen heute vormittag unter Leitung be3 Direktors der Münchener Hof- und Staatsbibliothek Dr. Schnorr von CarolSfekd die auf zwei Tage berechneten Beratungen des XIV. Deutschen Bibliothekartages ihren Anfang. Es sind hierzu über 100 Teilnehmer auS aller Teilen Deutschlands erschienen. Hauptsächlich l)andelt es sich um interne Berufsfragen.
Hessen-Nassau.
[] Kirchhain, 15. Mai. Bei bet in der Ohm bei Schönbach gelandeten Leiche soll eS sich um einen bei bet Wohratal-Bahn beschäftigten ausländischen Arbeiter handeln. Ob er freiwillig inS Wasser ging ober ob ein llnglücksfall vorliegt, weiß man nicht.
Vvut Feldb-^rg, 15. 9Rai. Seit gestern hat das elektrische Licht auch d-en Feldberg endgültig erobert. Zunr ersten mal erstrahlte der Gipfel mit fernen Gasthäusern int Glanz der Glühlampen und leuchtete durch die Kare Luft tocit in die Ebene hinab.
Prinz-heinrich-Zlug.
K o bl c n z—K arts ruhe.
Den Flug haben in Zivblenz 12 Flieger augetreten: Schlegel, Frhr. v. Haller, Suwelack, Frhr. v. Tbüna, v. Hiddessen, Jolv, Canter, Carganico, Thelen, Kastner und Bearllieu. Die zuerst abgefahrenen Flieger sanden bis Frankfurt leidliche atmosphärische Verhältnisse vor, die mittags gestarteten Herren kamen von vorn herein in stark bewegte, plötzlich auf- oder absttömeude Luftmasien hinein. Alle aber fanden von Frankfurt bis Karlsruhe die denkbar schlechtesten FlugverhÄtniffc vor, da namentlich aus den Seitentälern des Gebirges die katten Luftmassen in die stark erwärmte und daher aufgelockerte Atmosphäre des Rheintals toqrt lich genommen ist neinstürmten. Die Kurven der Höhenmesstr markieren in ihren großen Ausschlägen die Bewegung der Luft- massen deutlich. Tie Feuchtigkeit der Luft bewirkte außerdem einen schlechten Gang der Motoren
In Karlsruhe sind am Mittwoch gelandet: Als 1. Leutnant v. Hiddessen, der als einziger schon am Morgen eintraf. Am Nachmittag und Abend kamen noch: Canter, Schlegel, Jolv und Car ganico. Am Donnerstag früh erschienen iwck: Tl»elen, Coerper und v. Beaulieu. Alle Flieger kamen ziemlich erschöpft an: sie bekundeten übereinftiminend, daß an ihre Ausdauer in Bedirmmg der Steuerorgane die denkbar höchsten Anforderungen gestellt wurden. Tie Anstrengungen seien fast übermenschlich gewesen^ 2uwelack beispielsweise wollte in Heidelberg vorschriftsmäßig <mi 150 Meter heruntergehen, wurde aber von einer Böe direkt bis «N den BK>en in die Bäume hineingeworfen, wobei es natürlich ohne Schaden nicht abging. Der Fluggast wurde ün Gesicht leicht verletzt, der Motor start beschädigt.


