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16.5.1913 Erstes Blatt
 
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Erstes Blatt

165. Jahrgang

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Bezugspreis: monatlich 75Pf.,oiertel- 'brlich Mk. 2.20; durch 'jlb()o(e- il Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch die Post Älk.2. viertel« jährl. ausjchl. Besteilg. Zeilenpreis: lokal 15Pf., auswärts 20 Mennig. Chefredakteur: A Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil: August Goetz; für^erntle« ton",Vermischtes" und

Nr. «2

Der Sletzener Anzeiger erscheint täglich, außer Sonntags. - Beilagen: viermal wöchentlich EiestenerKanülienblälter: uvennal wöchentl.Nreis- blatt für den Ureis Stehen (Dienstag und Freitag); zweimal monatl. >'aud- wirtschasiliche Zeitfragen Fernsprech - Aiischlüsse:

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Anzeiger Gießen. d? «2/ 9 HGerichtssaal": K. N?u-

stir^Äe^ETagesnunnner RotationsöruS UN- Verlag btt vrühl'schen Univ.-Vuch- und Steinöniderei R. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Zchulftratze 7. Lmid" ^E.He^-^sür den bis voniiittags 9 Uhr. Büdingen: Fernsprecher Nr. 269 Geschäftsstelle Bahnhofstraße I6a. Anzeigenteil: H. Beck.

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Die heutige Nummer umfahl 12 Seiten.

Lord Morleys Mission.

vever die Mission ßorb Morleys erhalten wjkr von gutimterridjteter Seite folgende Darlegungen:

Es war nicht schwer zu erraten, daß der mehrwöchige Berlin er Aufenthalt des Lord p räs id en ten des Geheinten Staats'rats von Großbritan­nien ähnlichen Zielen intb Zwecken diene, wie die vorig- jährige Reise Lord .Halb an es. Die Mission Viscount Mor­leys ist durch Sir Edward Grey schon int Sommer 1912 offiziell vorbereitet worden, indem der britische Minister des Aeußern im Unterhause erklärte, die Türkei stehe in Unterhandlungen mit England über eine Anleihe für eine Eisenbahn unterhalb Bagdads, die auch Gegen­stand eines Abkominens der Türkei mit Deutschland sei, durch welches die Türkei die Aktionsfreiheit für die Eisen­bahnbauten unterhalb Bagdads wiedererlangt habe. Die deutsche Regierung sei davon in volle Kenntnis gesetzt. Grey fuhr fort:Wenn durch diese Verhandlungen deutsche Interessen berührt werden, dann sind wir natürlich vollständig bereit, die Angelegenheit mit der deutschen Re­gierung zu erörtern!" Dieser Zeitpunkt ist jetzt gekommen! Zwischen Deutschland und England ist die Verständigung über die Bagdadbahn frage so weit gediehen, daß die An­wesenheit eines englischen Mittelsmannes in Berlin not­wendig wurde, und Lord Morley wird ungefähr einen Monat lang hierbleiben, uni Fühlung mit allen Kreisen zu nehmen, die an der Bagdadbahn interessiert sind, in erster Linie natürlich mit der Deutschen Bank und mit dem Auswärtigen Amt. Voraussichtlich wird das deutsch-eng­lische oder richtiger das englisch-türkisch-deutsche Bägdad- bahnäbkommen während der Anwesenheit des englischen Königspaares bei der Hochzeit der Prinzessin Viktoria Luise bekannt gemacht werden.

Durch dieses lAbkommen werden die politischen und diplomatischen Schwierigkeiten fast 15 j ä h r i g e r Mühe n und Kümpfe endlich zu einem befriedigenden Abschluß gebracht werden. Die Deutsche Bank erhielt bekanntlich hrt Jahre 1899 auf Grund eines Vertrages mit der tür­kischen Regierung die vorläufige Konzession zur Fortsetzung der anatoüschcn Bahn nach Mossul Bagdad zum Persischen Meerbusen. In jenem Vertrage blieb die Regelung der Garantiefrage fiir später Vorbehalten. Sie führte in der Folge zu Quertreibereien aller Art gegen das Unternehmen, die von England im Verein mit Frankreich ausgingen, und die den endgültigen Abschluß um nahezu ein Jahrzehnt verzögerten. Man hatte den Engländern, als bte Bahn noch nicht einmal Konia erreicht hatte, die Beteiligung an dem Bau an geb oten, das konservative Ministerium aber lehnte das Anerbieten schlankweg ab, obwohl Deutsch­land, d. h. die deutsche Gesellschaft, eine Internationali­sierung der Bahn in denselben Formen vorgeschlagen hatte, die England jetzt für das 'Schlußstück von Bagdad bis zum Persischen Golf anzunehmcn geneigt wurde. Im Anfang stand also der Bahngesellschaft noch das Recht zu, die Bahn bis zum Perffischen Meerbusen zu bauen. Dieses Rechtes hat sie sich in der Weise begeben, daß sie, um der türkischen Regierung, die von England bedrängt wurde, entgegenzukoimuen, freiwillig darauf verzichtete. Unter­dessen kam es zu der berühmten Zusammenkunft des Deut­schen Kaisers mit dem russischen Zaren zu Potsdam im

Charles Maurice Talleqrand.

(Zu ieinem 75. Todestage.)

Frankreichs größter, überhaupt einer der größten, geistreich­sten und gefürchtetsten Diplomaten aller Zeiten und Länder, hat mit Charles Maurice Tallehrand, Fürst von Benevent, vor 75 Jahren, am 17. Mai 1838, die Augen für immer geschossen. Wohl kein Staatsmann hat seine Gesinnung so häufig gewechselt, so vielen Regierungen seines Landes gedierft, wie dieser, des­sen Einfluß auf den ersten Napoleon die Geschicke Preußens zur Zeit seiner Erniedrigung in hohem Maße bestimmt hat. Ms Bischf von Autin begann er seine politische Rolle beim Aus- bruij) der französischen Revolution, nm sie erst unter Ludwig Philipp wieder auftugeben. Während dieser Zeit hat er jeder Regierimg Frankreich die größten Dienste geleistet und jede, wenn es seinen Vorteil galt, wieder verraten. Es blieb ihm überhaupt zuletzt keine andere Triebfeder mehr als sein per- Mcber Nutzet und so wurde er für diesen Zweck ein Diener dec Bourbons, wie er vorher ein Diener Napoleons gewesen war. Aus diesen Eigenschaften erwuchsen ihm viele Feinde, und selbst diejenigen, die sich seiner Hilfe bedienten, machten aus ihrer Abneigung gegen ihn kein Hehl. So wurde, als Frank­reich in den neunz-iger Jahren des 18. Jahrhunderts von dem sogenannten Direktorium verwaltet ward, im Konseil -vallev- rands Ernennung zum Minister vorgeschlagen: zwei Mitglieder empfahlen sie, da man ihn nicht entbehren könne. Ms Carnot, der spätere Kriegsminister, das hörte, sprang er wütend auf und rief:Was! Diesen .Halunken, diesen Verräter wollt ihr wählen? Er wird ims auf offenem Markte verschachern, wenn er mir im mindesten dabei profttieren kann." Dessenungeachtet ward Tallehrand am 15. Juli 1797 Minister der auswärtigen 2fti- gelegenheiten, aber Carnot behielt recht: Das Direktorium wurde von Tallehrand an Napoleon Bonaparte verraten und am 18. Brumaire (9. November) 1799 gestürzt. Mer auch Napoleon der ihn lauge Zeit benutzt hatte, ward von ihm selbst 1814 an die Verbündeten verraten, und die Bourbons bestiegen, durch Tal- lehrands Einfluß unterstützt, aufs neue den französischen Thron. Als Ludwig XVIII. aus seiner langen Verbannung heimkehrte, wurde Talleprand sein erster- Minister. Später hat man den König einmal in engeren Hofkreisen gebeten, seine Meinung über diesen Staatsmann auszttsprechen. Ludwig wollte erst keine Ant­wort geben, als man aber in ihn drang, antwortete er mit den Versen, die der berühmte französische Dichter Corneille im 17. Jahrhundert auf den Kardinal Nichlieu gemacht hat:

Lobt oder tadelt ihn, den großen Kardinal:

Ich dicht' und rede doch von ihm auf leinen Fall: So Gutes tat er mir, daß ich's nicht tadeln möchte, Unb (oben kann ich nicht, so oft tat er das Schlechte.

Jahre 1910. Die Folge dieser Zusammenkunft war der Abschluß eines neues Vertrages zwischen der Deutschen Bank und der türkischen Negierung. Nach diesem Vertrag ist der Ausbau der Bahn bis Bagdad in den nächsten 5 Jahren unter Führung des deutschen Kapitals gesichert. Tie für Deutschland so überaus wichtige Abzweigung der Bahn nach Alexandrette und damit die Verbindung mit dem Mittelmeer wurde vereinbart. Schließlich erhielt die Deutsche Bank in dem neuen Vertrage die Zusicherung, daß auch bei der End strecke von Bwgdad bis zunr Persischem Golf das deutsche Kapital mit dem gleichen Prozentsatz be­teiligt sein soll, wie jede andere nichttürrische Macht. Da­durch wurde die Mitwirkung Englands gesichert, das infolge der russischen Schwenkung in der Bagdadbahn­politik die deutsch-türkischen Rechte von 1911 anerkannte. Und damit wurde auch die Lösung der Einmündungsfrage der Bahn am Persischen Golf vorbereitet.

Das Schlußstück wird also eine türkische Bahn sein, an der Deutschland dadurch in erster Linie beteiligt ist, da es die Ausführung des Unternehmens behält. Die Eng­länder sehen ein, daß es besser ist, sich zu beteiligen, als weiter in der Ecke zu stehen und das Werk doch nicht hindern zu können. Es ist das Verdienst des liberalen Kabinetts Asquith, das eingefehen zu haben. Die Bagdadbahn soll im Jahre 1917 fertig sein. Sie wird aber erst dann von großer Bedeutung für das Wirtschaftsleben und den Handel des Kontinents werden, wenn Mesopotamien durch die Bewässerungsprojekte der Engländer zu großer Fruchtbar­keit gekommen sein wird. Mag die Bahn schließlich nicht allen Erwartungen gerecht werden, die man an ihren Aus­bau geknüpft hat, so wird sie doch unter allen Umständen der Kultur dienen und zu einer Konsolidierung der um ihren europäischen Bestand gekürzten Türkei führen. Der kranke Mann vom Bosporus kann daran wieder gesunden und die Mitwirlüng der rivalisierenden Nationen an einem so wichtigen internationalen Unternehmen stellt ein neues politisches Gleichgewicht her, das dem Weltfrieden und ganz besonders der Anbahnung eines besseren Einvernehmens zwischen England und Deutschland dient.

Em bulgarisch-serbischer Krieg in Sicht!

lieber die ernsten Hindernisse, die der zweiten Friedenskonferenz drohen-, berichtet bkEvening News", es sei die Absicht Serbiens und Griechen­lands, die bulgarische Armee vor den türkischen Linien festzuhalten, während sie aufs eiligste Truppen in Sa­loniki konzentrieren fiir den Fall, daß es zwischen den Ver­bündeten zum Kampfe komnit. Falls Serbien und Grie­chenland mit Bulgarien nicht einig werden könnten, würden diese auf eigene Faust einen Friedcnsvertrag mit der Türkei abschließen.

LautPrawda" erläßt die serbische Regierung von neuem ein Verbot der Weizenausfuhr aus dem ganzen Lande.

Belgrad, 16. Mai. Wie informierte Kreise bestä­tigen, hat Serbien Bulgarien einen Termin von acht Tagen gestellt zur bündigen Erklä­rung, daß es die serbischen Erklärungen zur Kenntnis nehme.

DieDeutsche Tageszeitung" meldet aus Wicu: Nach Berichten aus Belgrad und Sofia sei der Au s b r u ch

des serbisch-bulgarischen Krieges jeden Au- genblickzuerwarten. Die beidenseitigcn Heere stehen sich völlig schlagfertig gegenüber.

Das BerlinerTageblatt" meldet aus Sofia: Ein Minister erklärte, Bulgarien werde nicht zulassen, daß die Verbündeten irgendwelche Kritik an dem vorbereiteten Ver­trag üben. .Bulgarien fordert von den Verbün­deten, daß sie ohne Debatte den Vertrag unterzeichnen und sonstige mit dem Vertragsinhalr verbundene Fragen erst nach der Unterzeichnung des Präli­minarfriedens diskutieren.

Russische Finanzhilfe für Montenegro!

Petersburg, 15. Mai. Der Minister des Aeußern, Sasonow, hat der Reichsduma einen Gesetzentwurf unterbreitet, durch den eine Summe von 2 150OO0 öfter- rdichischer Kronen zur Hilfeleistun g für die Be­völkerung Montenegros an gefordert werden.

Die Besetzung der Insel Ada Kaleh.

Das WienerFremdenblatt" veröffentlicht folgendes Kommunique: Wie wir erfahren, ist am 13. Mai auf der Insel Ada Kaleh ein ungarischer Verwaltungs­beamter eingesetzt worden. Diese Maßregel ist darauf zurückzuführen, daß nach dem Abschluß des Friedens zwi­schen der Türkei und den Balkanstaaten die Abberufung des dort anwesenden türkischen Zivilgouverneurs zu erwarten ist und daß es daher geboten war, schon jetzt dafür Sorge zu tragen, daß in der Verwaltung dieser schon seit mehr als 30 Jahren von Oesterreich-Ungarn besetzteir Insel keine Störung eintrete.

Aus Skutari.

Cet in j e, 15. Mai. (Amtlich.) Zwischen dem Ad­miral Durney und dem General Betschir ist über Skutari folgendes vereinbart worden: 1. Die monte­negrinischen Offiziere, die für den Transport des die monte­negrinische Beute bildenden Kriegsmaterials Vorkehrrm- gen treffen, dürfen in der Stadt wohnen, das Seitengewehr tragen und ihre Ordonnanzen behalten. 2. Die monte- negrinisck>en Soldaten, welche den Transport des genannten Materials bewerkstelligen, betreten die Stadt ohne Waffen und 3. bis zur Beendigung des Materialtransportes üben einige montenegrinische Offiziere ^gemeinsam mit Offizieren des internationalen Detachements Polizeibefugnisse aus. 4. Bis zur Anwerbung der Poft-, Telegraphen- und Zoll­beamten werden montenegrinische Beamte dafür verwendet. 5. Montenegrinische Soldaten, die seit den Transporten beschäftigt sind, können vom Admiral im Bedarfsfälle zur Hilfeleistung herangezogen werden.

Bei der gestrigen Ankunft des Admirals war auch das Konsularkorps zugegen, dessen Mitglieder durch den Doyen vorgestellt wurden.

Gilt Mordairschlag aus Enver Bey.

Berichten aus Konstantinopel zufolge ist am letzten Freitag in der Nähe der Stadt aus einer Entfernung von 200 Metern aus einer Soldaten gruppe auf Enver Bey geschossen worden. Enver Bey sei ver­wundet vom Pferde gefallen.

Die Pariser Finanzkonsercnz.

Paris, 15. Mai. Die Regierung brachte in der Kammer eine Kreditvorlage voir 50000 Francs zur Deckung der Kosten für die in P a r i s st a t t f i n d e n d e

Rcttungserpeditlon für Lchröder-Stranz.

Kristiania, 15. Mai. Kapitän Staxrud sandte an das Ministerium des Auswärtigen aus Spitzbergen am 14. Mai folgendes Telegramm: Bin mit Rüdiger und Raabe in der Adventbai an gekommen. Wir kamen am 20. April mit elf Renn Heren und vierzehn Hunden in der Treurenbergbar an und fanderr die Verhältnisse und das Wetter ungünstig. Die Reise nach dem Nordostland zur Nachforschung nach Sckrroeder- Stranz tmtrbe deshalb vorläufig aufgeschoben. Rüdiger und Raabe wurden nach Green-Harbour in Sicherheit gebracht. Am 2. Mai gingen mir über Inlandeis nach dem Ostsjord und der Jijdebai ab. Rüdiger wurde liegend über das In­landeis gezogen. Die RennHere wurden infolge Futter­mangels geschlachtet. Wir erreichten das Depot in Korspvnt Hhtta am 10. Mai. Nachforschungen ergaben, daß D e t t m c. r s und Möser im Oktober in der Wijdebai "ertrunken sind. Eber­hard von Norwegern verlassen, war in der Weilmachtsnacht zehn Kilometer westlich vom Hause an der Mosselbai erfroren. Koch und Stave sind am 24. Februar an Tuberkulose erlegen. An Bord des Schiffes ist massenhaft Proviant vvr- hairden. Schröder und S t r a n z werden noch immer v e r - in i ß t. Es wird ein Unglück befürchtet. Ich gehe sobald als möglich von Treurenbergbai nach Nordostland ab. Lerner traf am 30. April in der Mosselbai ein und wollte mit uns zusammen­arbeiten, was uns aber nicht zusagte. Seine Expedition ist eine kombinierte Rettungs- und Fangexpedition.

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K.-K. Das Hegau in Gefahr! Wer kennt das Hegau, die Reihe der stolzen Berge Lioheirtwiel, Hohrnstosnln, Hohen krähen, Mägdeberg und Hohenhöwen? Sie steigen im Angesicht des Bodensees aus der iSbene auf, sie sind ein natürlicher Bergkranz von milder Schönheit. Wer sie keimt, wird erschrecken, weam er erfährt, daß an einem' von ihnen, dem zweikuppigen Hohen- stoffel, ein schlimmer Streich verübt tverden soll. Es wird ein Basaltwerk errichtet, an sich eine l>armilos aussehende Anlage. In der Höhe werden die alten Felsen gebrochen, zerkleinert und auf einer Schwebebahn ins Tal befördert: über deal schönsten Teil des Hegaus, zwischen Weiterdingen unb Mühlhausen, führt diese Drahtseilbahn vom Hohen staffel herunter, mit vielen eisernen Masten bis zu 23 Meter hoch, mit Schtwebewagen voll Basalt. Schon ist ein großes Stück Wald gefällt. Es ist keine gewöhn­liche Unternehmergesellschaft, die hier anfängt, das .Hegau an­zubeißen. Der Eigentümer des einen Bergteils, Freiherr von Hornstein in Muirchen, geht mit fürsteirbergiftlnem Kapital dem Berg seiner Väter zu Leibe. Gewiß, auf bein' Papier gehört der Berg bent Freiherrn von Hornstein. In Wahrheit gehören

sie dem Volk, dem Land, nicht dem Groß Herzogtum Baden, sondern Deutschland. Wir alle haben ein Recht, daß diese Berge in ihrer Oiesamtheft unalkgetastet bleiben. Fragt die Maler, die Forscher, die Dichter, die Leute, die es wissen nmssen; es würde leicht sein, in kurzem tausend Unterschriften von Männern, die Geivicht haben, in scharfem Einspruch vorzulegen, wenn es nötig wäre. Wem? Welche deutsche Bel/ürde gibt heute rwch die Er­laubnis zu solchen Dingen, die nicht etwa im öffentlichen Inter­esse geboten sind, sondern aus privatein Ewwerbsgeist entspringen? Weiß sie sich nicht als Sloilyrmn und Hüterin ihrer Natur- denimale? Wenn der Anfang mich imbcbcntaib scheint, was werden moderne Maschinen in 20 Jahren aufgeftessen haben? Man macht aus Burg und Berg 5)vhenstoffel keinen Straßen­schotter, otync baß die Lebenden, die ihre Augen kvackMchaften haben, ihr Recht geltend wachen. Dr. Ludwig F i n ck h.

Hk. Die Handschrift des hamburgischen Stabt rechts von 1 497. Die Gesellschaft ber Bücher­freunde zu Hamburg hat in ^Aussicht genommen, die im Staats­archiv befindliche Handschrift des hamburgischen Stadtrechts von 1497, bereit Miniaturen für die Erkenntnis de§ Rechtslebens und der Kultur und Kunst im Hamburg am Ausgange des Mittelalters eine einzigartige Bedeutung haben, mit allen Mitteln neu seitlicher Vervielsältigungskunst als Drei färb eulichtdruck weiteren Kreisen zu erschließen, denn das kostbare Original kann nur wenigen zu behutsamer Einsichtnahme zugängig gemacht werden. Der ge- nannten Gesellschaft soll zur Herausgabe ber Handschrift von der Hamburger Bürgerschaft ein Zuschuß von 8000 Mark be­willigt werden.

Neue etruskische Funde. Aus Rom wird berieil­tet: Zur Mfdeckung bisher unbekannter wertvoller Wahrzeickxm altetruskischer Kultur führten in diesen Tagen Ausgrabungen in Veji bei Rom. Es gelang die Freilegung des unteren Teiles eines amplsttheatralischeit Bauwerkes, das aus gewaltigen Tuff- steinguadern errichtet war und bis zu einer Diese von' 4 Metern in die Bergoberstäche eingegraben war. In dem Bauwerk fand man eine Reihe interessanetr keramischer Arlwiten, vorwiegend Hausgeräte aus ber späteren etruskischen Periode. Zugleicl^ ent' deckte man den uiwersehrten Teil einer Nekropole mit alten Gräbern. Die Nekropole geht nach bent Urteil der Gelehrten auf das 9. vorchristliche Jahrchindert zurück, weist aber in seinem nordöstlichen Teile Gräberstätten späteren Datums auf. Hier ent - deckte man eine rechteckige Anlage ber Gräber und Särge, die reichen Schmuck aus Sbtodjien und Bronze zeigten, sonne präch tige Schmuckstücke, Halsketten aus einer glasartigen Masse und aus Bentstein.