Pams, 107 Sencrtspräsibent Dub ost, 83 Kammerpräsi- bent Des chanel, 52 Ribot.
S en atspräs ident Dubost hat zu.gun.sten be§ Ackerbau- Ministers Pams auf die Kandidatur zur Präsidentschaft verzichtet. Kammerpräsident Deschanel hat bedingungslos verzichtet. Ribot kandidiert nich-t für den zweiten Wahlgang, behält sich jedoch die Freiheit seiner Entschließung vor.
Bei der zweiten A b st i m m u n g der Vollversammlung der Republikaner erhielten Ackerbaunnnister P a m s 283, Ministerpräsident Poincare 272, Ribot 25, Kammerpräsident Deschanel 22, Senatspräsident Dubost 8 Jean Dupuy 7, D e l c a s s 6 3 Stimmen. Da kein Kandidat die absolute Mehrheit erlangte, findet morgen eine -ritte Abstimmung st a t t.
Line neue Auswanderer-Statistik.
Die Zentral-Auskunstsstelle für Auswanderer in Berlin W. 35, Am Karlsbad 10, hat im vierten Vierteljahr 1912 (1. Oktober bis 31. Dezember) in 5778 Fällen Ans tunst an Auswanderunsts- lustige erteilt und zwar in 4948 Fällen schriftliche und in 830 Fällen mündliche. Beantwortet wurden insgcscnnt 8173 Anfragen über die verschißenen Auswanderungsgcbictc. Davon bezogen sich 3584 auf die Deutschen Kolonien intb zwar auf Teutsck-Süd- westafrika 1303, Deutsch-Ostafrika 849, Kamerun 120, Togo 36, Samoa 89, Kiautschau 49, Deutsch-Neuguinea 71, aus die afrikanischen Kolonien im allgemeinen 215 usw.
Unter den fremden Ausivanderungsgebieten steht Argentinien mit 887 Anfragen an der Spitze: dann folgen Süd-Brasilien mit 676, Mittel-Brasilien mit 469, Kanada mit 431, die Vereinigten Staaten von Amerika mit 421, Chile mit 123, Brasilien im allgemeinen mit 77, Niederländisch-Jndien mit 65, Rußland mit 62, Paraguay und der Südafrikanische Bund mit je 49, die Türkei mit 44, Uruguay mit 43, Neu-Südwales mit 41, England mit 32, Japan mit 28, Mexiko, Peru intb Neu-Seeland mit je 26, Aegypten, China und Frankreich mit fe 25, Queensland mit 24, Italien mit 21, Guatemala, Kolumb'en und Spanien mit ic 19, Nord-Brasilien, Britisch-Jndien, Süd-Austra lien und Oesterreich-Ungarn mit je 17, die Schweiz mit 15, Panama, Marokko und Spanisch-W estairika mit je 13, Bolivien und Rumänien mit je 12 und Britisch-Ostafrika und Viktoria mit je 10. Ter Rest verteilt sich auf Costarica, Ecuador, Haiti, Honduras, Kuba, Ricaracma, Venezuela, West-Indien. Zentral- Brasilien, Abessinien, Algier, Belgisch-Kongo, Britisch-Westafrika, Franz^sisch-Ost- und Westafrika, Portugiesisch-Ost- und Wcstafrka, Tripolis, Hongkong, Persien, die Philipvinen, Siam, Tasmanien, West-Australien, die Fidschi- und Gesellschafts-Inseln, Belgien, Bulgarien, Dänemark, Griechenland, Montenegro, die Niederlande, Norwegen, Portugal, Schwede,: usw. usw.
Von dey 3351 Anfragenden, die ihr Alter angaben, waren 402 weniger als 20 Jahre, 2138 zwischen 20 und 30, 617 zwischen 30 ünd 40, 174 zwischen 40 und 50 und 20 über 50 Jahre alt, und von den 4346 Fragestellern, die Angaben über ihren Personenstand machten, waren 2850 ledig, 1465 verheiratet und 31 verwitwet.
Nach dem Berufe waren unter den Anfragcnden am stärksten die Kaufleute, Handwerker und Landwirte vertreten.
Von den Anfragcnden bezeichneten sich 221 als mittellos, während über 1300 zum Teil über recht erhebliche Summen verfügten: z. B. 50 über 10 000 Mark, 28 über 15 000 Mark, 35 über 20 000 Mark, 15 über 25 000 Marl c>0 über 30 000 Mark, 18 über 50 000 Mark, 14 über 100 000 Msark.
Von den Anfragen kamen aus Preußen 3084 und zwar aus Brandenburg mit Berlin 1090, aus der Rheinprovinz 460, Schleswig-Holstein 292, Westfalen 252, Schlesien 212, Hannover 209, Sachsen 165, Hessen-Nassau 157, Ostpreußen 75, Westpreußen 63, Posen 56 und Pommern 53.
An der Spitze der .übrigen Bundesstaaten stellt das Königreich mit 481, es folgen Sachsen mit 390, Baden mit 256, Hamburg mit 237, Württemberg mit 200, Elsaß-Lothringen mit 78, Hessen mit 65, Bremen mit 41, das Großherzogtum Sachsen und Herzogtum Braunschweig mit je 40, Mecklenburg- Schwerin mit 33, Oldenburg mit 26, Anhalt mit 21, Sachsen- Meiningeu mit 16, Sachsen-Koburg-Gotha mit 12 und Schwarzburg-Rudolstadt mit 10.
Aus den deutschen Kolonien kamen 24 Anfragen, aus dem Auslande 675, davon 335 aus Rußland, 164 aus Oesterreich-llngcrrn, 37 aus der Schweiz, 21 aus England, 14 aus den Vereinigten Staaten von Amerika, je 11 aus Belgien und Brasilien, je 10 aus Aegypten und Frankreich usw.
Die Zentral-Auskunstsstelle für Auswanderer erteilt kostenlos schriftliche und mündliche Auskunft.
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Deutscher Reich.
Stiftung ein er Halben Million für die Veteranen.
Die Leipziger Stadtverordneten haben beschlossen, im Hinblick auf das Regierungsiubiläum des Kaisers für die deutschen Teilnehmer an den Feldzügen der Jahre 1864, 1866 und 1870/71 und für deren Hinterbliebenen 500 000 Mark Mr Verfügung zu stellen, derart, daß alljährlich von 1913 an außer den von der Stadtverwaltung bereits bewilligten 50 000 Mark wertere 50000 Mark aus dem Htuthaben bei der Städtischen Sparkasse gewährt werden. Gegen die Vorlage stimmten 18 Sozialdemokraten.
Eine Pensionskasse für Postagenten?
Eine Denkschrift über die Frage der Errichtung einer Pensionskasse für Postagenten ist dem Reichstage zugrgangen. Ter Reichstag hatte bekanntlich im vorigen Jahre den Wunsch geäußert, über diese Frage Erwägungen anzustellen. Die Denkschrift untersucht eingehend die einschlägigen Verhältnisse und kommt zu dem Ergebnis, daß ein Bedürfnis zur Gründung einer solchen Pensionskasse nicht anerkannt werden kann.
Die Alsfelder vahnhofssrage.
lw) Alsfeld, 15. Jan. (Stadtvorstands'sitzung.) Anwesend: Als Vertreter der Eisenbahnverwaltung: Geh. RegierungSrat Ruegenberg, Regierungsrat Drescher, sowie Eiscn- bahn-Bau- und Betriebsinspcktor Westphal: als Vertreter der Stadt Alsfeld: Bürgermeister Dr. Bölsing als Vorsitzender, die Beigeordneten Weitz und Reh, die Gemeinderatsmitglieder Koch, Müller, Guirdrum, Klingel Höffer, Bastian, Ramspeck, Braun. Jakob, Eder und Arnold.
Zu Degiirn der Sitzung gibt der Vorsitzende zunächst ein Entschuldigungsschreiben des Herrn Bücking bekannt, in dem dieser ausdrücklich betont, daß alle Vorkommnisse der letzten Zeit seine Ueber^eugung immer mehr befestigten, daß die einzig richtige Lösung das von ihm wieder aufgegriffene Projekt der Kölrv-Min- dencr-Gesellschaft gewesen märe. Er erwähnt den Automvbil- zusammenstoß, die Wagenkollision, beide direkt hintereinander au der Leusclcr Straße, den Dammrutsch im Leuseler Feld, an dem eine ganze Kolonne Arbeiter schon wochenlang arbeite. Nachdem durch den Brand des Wallachschen Sägewerks die Wahrscheinlich keit eine für Stadt und Fiskus günstigere vorteilhaftere Lösung der Bahnhofssrage gekoimnen zu sein schien und ^war okme an dem grundsätzlichen Standpunkt der Eisenbahndireltion auch nur den Schein einer Aenderung herbeizuführen, bedauere er, daß die Stadt gezwungen werde, die Wallachsche Brauerei für 70 000 Mk. zu kaufen, um eine entsprechende Zufuhrftraße zum Empfangsgebäude zu bekonrmen. Er würde seine Ueberzeugung verleugnen, wenn er zu diesem Preise dem Kauf zustrmmen werde, andererseits möchte er im Interesse der ganzen Sache eine endgültige Lösung der Bahnhofsfrage mit herbeiführen helfen. Ein monu mentales Empfangsgcbäude könne ihn dabei nicht verlocken.
Weiter verliest der Vorsitzende eine Eingabe der Firma Sondermann u. Bücking, worin sic die Frage zu lösen bittet, ob der Weg zwischen der Marburger Straße und der Leuseler Hohl bestehen bleiben soll, oder ob die Stadt bereit sei im Interesse der Bahn auf die Wiederherstellung dieses teueren Weges verzichten uni) dafür, wenn nötig, die Hochstraße auszubauen.
Die Firma Sondermann u. Bücttng führt ihre Eingabe darauf zurück, es sei von interessierter Seite an sie die Anfrage ergangen, welche Forderungen sie stellen mürben, falls die Bahn doch ein Stück von ihrem Gelände benötige. Sie führt in ihrer Eingabe aus, daß der Weg Fast kaum oder dock sehr wenig benutzt werde und der Verkehr aus ihm gänzlich fortsalle, wenn der Güterschuppen des Bahnhofs an den alten Zellerweg verlegt werde, da sich dann doch der .Hauptfuhrverkehr in der Alicestraße usw. abwickele. Außerdem sei noch zu beachten, daß die Bahngleisanlage 30 Zentimeter tiefer gelegt werden solle, was zur Folge haben werde, daß auch der horizontal gelegene Test des Weges entsprechend tiefer gelegt werden müsse, wodurch erhebliche Kosten entstünden, die man sparen lönne. Außerdem sei dieser Weg für ihr Geschäft außerordentlich schädigend. Die Firma Sondermann u. Bücking ist gegebenenfalls bereit, das Weggelände selbst käuflich zu erwerben.
Hierauf führt Geh. Rat Ruegenberg zu dem vorliegenden neuen B a h n h 0 f s p r 0 j c 11 e etwa Folgendes aus:
Es bestehe keine Absicht, wieder auf das alte, erste Projekt znruckzukommen: der Brand des Wallachschen Sägewerks habe für den Bahnhof sum bau nicht die Bedeutung, die ihm bei- gcmessen werde. Tas Ereignis könne nicht Ursache sein, auf den ersten Entwurf zurückzukommen, oder einen neuen, ähnlichen Grundsätzen entsprechenden aufzustellen: denn die Ansicht, der erste Entwurf sei „zweckmäßiger und schöner" als das vorliegende Projekt, sei nicht zutreffend, und die Schwierigkeiten, die früher seiner Ausführung infolge der bedeutenden Grunderwerbskost en entgegenstanden, seien durch den Brand mir teilweise beseitigt. Der vorliegende Entwurf habe gegenüber dem ersteren den großen Vorzug der Trennung des P e rs 0 n en z u g s v e r k e h r s vom Güterverkehr und der Entlastung des P l a n ü Hergangs in der Marburger Straße vorn R a n g i e r v e r - k e h r. Die Gefahren seien an dieser Stelle nicht mehr so groß wie früher und bei dem ersten Projekt. Neben den hieraus entstehenden, hauptsächlich für dort Betrieb ins Gewicht fallenden Vorteilen besitze der vorliegende Entwurf auch für die Allgcmcin- heit weitere ins Auge springende Vorzüge: die Errichtung eines neuen Empfangsgebäudes und eines neuen Güterschuppens mit Nebenanlagen, sowie die Schaffung neuer ge- r ü u in i g e r Anlagen für den F r e i l a d e v e r k e h r. Gerade der Neubau eines der Neuzeit entsprechenden Empfangs- gebäudes, das für den Reisenden im allgemeinen die Hauptsache der gesamten Bahnhossanlage darstelle, sei für die Stadt von großem Werte. Bei der Ausführung des ersten Entwurfs sei das alte Empfangsgebäude, ein keineswegs hübsches Gebäude, stehen geblieben, und es wäre fraglich geblieben, ob und wann es zu einem erheblichen Umbau oder gar zu einem Neubau gekommen wäre. Anlaß zur Aufstellung eines neuen Entwurfs haben allerdings in erster Linie — jedoch nicht ausschließlich — die hohen Forderungen der Fa. Gebr. Wallach gegeben. Wenn auch jetzt deren Gelände billiger zu haben sei, so sei dies allein nicht ausschlaggebend. Falls auch das ganze in Dreiecksform an das Bahngebiet anstoßende Wallachsche Grundstück zu erheblich ermäßigtem Preise zur Verfügung stände, wäre dies noch kein Grund, den ersten Entwurf auszuführen, da hierzu ein breiter Geländestrei'en von großererLäirgenausdelstrung notwendig sei, der zum Teil das wertvolle Geände des Sägewerks der Fa. Sondermann und Bücking umfasse, so daß die Kosten immerhir für den Grund- erwerb noch bedeutend hoch wären. Ferner erhalte auch das Kornhaus einen geordneten Anschluß, was bei Ausführung des ersten Projektes nicht der Fall gewesen wäre.
Am Personenbahnhöfe selbst sei eine Turmelanlage, ähnlich wie in Hornburg v. d. H. und Bad-Nauheim, projektiert.
Sein Antrag geht dahin: Die Stadt Msfeld führt in der Verlängerung der Lindeugasse eine neue Straße durch das Wallachsche Brauereigrundstück usw. nach dem neuen Empfangsgebäude aus. Vor dem neuen Empfangsgebäiide will die Eisenbahnverwaltung einen Platz anlegen, zu dem die Stadt Alsfeld das erforderliche Gelände stellt. Ta durch die neu zu schaffende Zufuhrstraße die alte Zufnhrstraße von der Marburger Straße her an Verkehr verlieren wird, und deshalb eine Einschränkung der letzteren, die in dem unterm 27. April 1911 landespolizeilich genehmigten Plan in einer Breite von 14,10 Meter vorgesehen, angängig ist, wird diese auf 9,10 Meter Breite ermäßigt. Die Stadt Alsfeld erhält als Entschädigung für das zu stellende Gelände den Betrag von 24 000 Mark von der Eisenbahnverwaltung überwiesen. Sollte sich die Breite der alten Zufnhrstraße von 9,10 Dieter als nicht hinreichend ergeben uni) eine Verbreiterung notwendig werden, so ermäßigt sich dieser Betrag dementsprechend. Ter Vorplatz wird so angelegt werden, daß die beiden Zufuhrstraßen in einer Steigung von 1: 18 einmünben können. Anlage, Unterhaltung usw. des Bahnhofsvorplatzes trägt die Bahnverwaltung, die der neuen Zufnhrstraße die Stadt. Sollte die alte Zufuhrstraße, d. h. die jetzige Verbindung der Marburger Straße mit dem Empfangsgebäude, infolge steigender Verkehrsverhckltnisse später verbreitert werden müssen, so erfolgt dies auf Kosten der Stadt. Alle etwa erforderlich weichenden Rechtsstreite, sowie eventuelle Enteignungsverfahren führt die Eisenbahnverwaltung auf Antrag und Kosten der Stadt Alsfeld. Der Erwerb des zu dem ein- geschräntten Bahnhofszufuhrweg von der Marburger Straße her erfolgt durch die Bahn. Alles unter Vorbehalt der Zustimmung des Konsortiums der geländestellenden Gemeinden sowie der Landespolizeibehörde und des Ministers der öffenttichen Arbeiten zu Berlin.
Nach hierauf ergangener eingehender Beratung des Stadt- vorstandes kommt dieser zu dem Beschluß: Die Stadt Alsfeld erklärt sich gegenüber der Eisenbahnverwaltung bereit, einen Vertrag nach den Grundzügen des in der heutigen Sitzung vorgelegten Vertragsentwurfs abzu- schließen unter der Bedingung, daß die Verhandlungen über den Geländeerwerb für Schaffung eurer neuen Zufuhrstraße von dem Lieden herauf und des freien Bahnhofsvorplatzes in einem für die Stadt annehmbaren Sinne erledigt werden können, worüber der Eisenbahndirektion Frankfurt bis morgen abend Bescheid gegeben wird. Sollten die Verhandlungen zu keinem Ziele führen, so soll das unterm 27. April 1911 landespolizeilich geprüfte Bahnhofsprojekt zur Ausführung gelangen. Weiter wurde beschlossen, in nichtöffentlicher Sitzung alsbald in Verhandlung bezüglich des zu erwerbenden Geländes zu treten. Hier wurde nach längerer Verhandlung folgender Beschluß gefaßt: Dem Brauereibesttzer Karl Wallach wird von der sogen, alten Brauerei das Gelände mit Gebäude usw., das nörlich von der Veckertschen Besitzung und in Fortsetzung der Veckertschen Grenze (von der Alicestraße aus nach dem Bahnhof rechts gesehen) liegt, am Bahnhof beginnt und an der Alicestraße endet, abgekauft, vorbehaltlich der Genehmigung des vorgelegten Bahnhofsprojektes durch den preußischen Minister der öffentlichen Arbeiten zum Preise von 50 000 Mk. Außerdem tritt die Stadt kostenlos an Herrn Wallach ab das Stück des Weges zwischen Möbelfabrik und der sogen, alten Brauerei beginnend an der Alicestraße und endend da, wo die Beckertsche Besitzung beginnt. Kauf- und Erwerbskosten trägt die Stadt Msfeld.
Der Genreinderat beschließt ferner von der Firma Beckert u. Co. das Gelände zu kaufen, das die Bahnverwaltimg zum Vorplatz des Bahnhofs nach dem neu vorgelegten: ^Projekt benötigt, zum Preise von 20 Mk. für den Quadratmeter — es sind etwa 400 Ouadratmeter erforderlich —. Kani- und Erwerbskosten trägt die Stadt Msfeld. .Der letztere Kauf wurde unmittelbar nach dem gefaßten Beschlüsse notariell prowkolliert.)
Provinzial-Ausschutz der Provinz Oberheffeir.
L Gießen, 15. Januar.
Anwesend: Provinzialbirektor Geheimerat Dr. Usinger nnb 6 Mitglieder.
Beginn 9, Ende 1 Uhr.
1. Klage des Ortsarmenverbanbes Wetzlar gegen ben Landarmenverband Gießen wegen Unterstützung des Heinr. Ortmüller zu Wetzlar. Der Kläger begehrt die Ucbernannte der Familie O. in Fürsorge des Beklagten und Anerkennung der bisher von ihm geleisteten Unterstützungen als rechtsgültig, weil diese landarm ist, während der Beklagte Ersatz der von ihm dem Kläger ersetzten Unterstützungskosten mit Ausnahme eines Falles als irrtümlich geschehen ver-1
langk und die Uebernahme ableHnt. Dies trnrb darauf gestützt daß bie Familie währenb des Zeitraums twm 11. Juni bis 1. November 1909 und vom 1. Mai bis 24.. Juni 1910 nickt unterstützt worden ist. Die Hilfsb-ckürftigkeit lei demnach Sittich aetrennt und es wären mehrere Pflegefälle geschoßen, was Kläger bestreitet. Der Prvvinzialansfcknß traf folge nbc Entscheidung: Die Klage des Ortsarmeiwerbandes Wetzlar wird, insoweit es 'ich um die Uebernahme der Famitie O. in unmittelbare Fürsorge handelt, als unbegründet znrnckgcwiesen und, insoweit es sick um Anerkennung der Rechtsgültigkeit der bisher von dem Kläger gezahlten Kosten handelt, als unzulässig verworfen unter Der- urtciluna des Klägers in die Kosten des Verfahrens.
2. Klage des Heinr. Deubel Mir. m Rudingshain gegen Gr 0 ßh. Kreisamt Schotten wegen Versagung des Wandergewerbescheins. Das Kreisamk Schotten hatte die Ausstellung des beantragten Wandergewerbescheins abgelehnt, weil D. nicht aut beleumundet und ein Trinker sei. D. erhob deshalb Klage. Auf 'Grund der heutigen Beweisaufnahme entschied der Vroviuzialaussckmß, daß die Klage begründet "nd der Wanderaewerbeschein zu erteilen sei. Die Kosten des Verfahrens hat Kläger zu tragen.
3. Gesuch des Ludwig Fissinger bon Unter- Schmitten um Erlaubnis zum Betrieb einer G a st- wirtschaft Gleickzeitig mit dem Frltinqerfcben Gesuch wurde >'n der Gemeinderat-sitzung in Unterschmitten über ein anbereg Wi'tschgstsgesuch verend"!t. Ter Gcmttnderat erkannte ein Bedürfnis für eine Wirtickast an, überließ aber die Entscheidung darüber, wer von den beiden Gesuckstellern die Erlaubnis erbosten sollte, dem Kreisaussckniß. Dieser lehnte btide Gesuche ab Wah- ’vnb der andere Gesticksteller sich hierbei beruhigte, hat Fissinger Beruning an den Provrnzialmrsschuß erhoben. Sie wurde heute F'iftcniäUig zurückgewiesen mit Rücksicht darauf, daß Unter» Schmitten bei einer Einwohnerzahl vpn 500 schon 4 Wirtschaften besitzt, das Bedürsms also gedeckt sei.
Aus Stadt und tanv.
Gießen, 16. Januar 1913.
Die Saalbaufrage.
die der Bürqerverein auf die Tagesordn'Mg feiner gestrigen Versammlung gesetzt hatte, hat nur schwache Anziehungskraft ausgeübt.' Dafür waren aber einige „Spitzen", bat* unter der Oberbürgermeister, unter den Besuchern vertreten. und die Unterhaltung, bie sich sehr angeregt bis nach Mitternacht hin^og, wäre norfj um vieles gemütlicher und angenehmer gewesen, wenn im Sale des Cafe Leib nicht winterliche Kälte geherrscht hätte. So nahm denn auch die Desprechung einen nüchternen, die Saalbanfreunde enttäuschenden Verlauf, die Schwingen der Phantasie schie* 11 en gelähmt, und von den Schwänen des Herrn Adalbert , Bindewald ertönte es nur wie ein richtiger Schwanen- gesang. Gleich nachdem die Mitglieder des Saalbauvereins, j bie Herren Dr. Spohr, Baurat Becker imb Architekt Meyer ihre optimistischen Ansichten entwickelt hatten, trat eine etwas angriffslustige Opposition auf ben Plan, bie mit manchmal ""nötiaer Schärfe bie Schaffung- bes „neuen A ztihungspunktes" bekam 'fle. Ingenieur Burme fter und Herr Gustav Wohlmuthi lehnten sich bagegen auf, daß die Stabt später ben unvermeiblicheu Zuschuß auch für bas neue Institut leiste unb meinten, bie Kosten bes Banes und ber Unterhaltung würben sich viel HHHer stellen, als bie Saalbaufreunbe annähmen. Es wurde ihnen von Baurat Becker und Prof. Dr. Leu tert entgegnet, unb bald gingen die Wogen höher. Als GeheimratDr. Sommer bie mittlere Linie zwischen bem reinen Nichts unb dem großen Saalbauplan zeichnete unb empfahl, sich mit einem einfachen Konzerthaus, ohne kostspielige und unrentable Wirtschaftsräume zu begnügen, da entspann sich noch einmal eine lebhafte Unterhaltung darüber, welches, nun eigentlich das allgemeine Interesse der Bürgerschaft an der Saalbausache sei. Der Bahnhofsrestaurateur Niemann beleuchtete die Rentabilität des neu zu schaffenden Wirtschaftsbetriebes und z-weifelte daran, daß sich ein Unternehmer finden würde, der sein Vermögen für eine ungewisse Sache aufs Spiel fetzen möchte. Bei den weiteren Auseinandersetzungen wurden die Nützlichkeit der Kongresse unb Ausstellungen sowie ber größeren Veranstaltungen näher untersucht, die dem Saalbau Mgewiesen werden können. Die Streiflichter, die dabei über ber Zukunft Gießens aufginqen, waren nur von schwacher Leuchtkraft. Illusionen sollte man sich nicht hingeben, unb was am Schlüsse der Herr Oberbürgermeister unter allgemeiner Spannung ausführte, war auch nicht z-u sofortigen großen Taten ermutigend. Er gab ehre Kostenaufstel- lurrg, die auch ben größten Freunb eines Saal- baues' — unb auch Herr Meeum bezeichnete sich
als Freunb bes Saalbaues — bebenklich stimmen müssen. Ein Konzertsaal nach bem Vorschläge Sommer bebeute für bie Allgemeinheit nicht das Wilnschens" werte. Diese wolle vielmehr auch angenehme Wirtschaftsund womöglich hübsche Gartenanlagen. Heizung und Beleuchtung dürfe man bei den Berechnungen nicht übersehen. Seine Ansprache klang in die Vertröstung auf bie Zukunft aus.
In der Tat meinen wir, baß auch bie lebendige unb bebürftrisreiche Stabt Gießen die Entwickelung zur Großstabt nicht mit einem Schritte erreichen kann. Hohe Steuern sinb fein Anziehungspunkt. Wenn am 1. Juli 1914 noch nicht mit bem Bau begonnen sein sollte, so wirb der eble Stifter ber 50 000 Mark vielleicht darum an der Zukunft Gießens doch noch nicht verzweifeln, unb man braucht ben Grunbstein bes Saalbaues noch nicht verloren zu geben.
♦
* * Tageskalender für Donnerstag. 16. Jan. Letztes Ab 0 nnements 5 0 nzert der Regimentsmuftk in StemS (»arten. LUckaug abends 8V« Uhr.
Vereinigte Kriegervereine. Dortrag deS Obersten a. D. von Wunsch: Tie sozialen Verhältnisse in x?lmerifa; die Vorteile der Kinder- und Sterbiallversicherung. Abends 8H Uhr im Einhorn.
Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde: Privatdozent Dr. Bruck-Gießen: Die Kolonisierung der Ptiilivpmen durch die Amerikaner. Abends 8'/* Uhr in der Nellen Aula.
• • Lehrer Personalien. Uebertra gen wurde dem Lehrer Adam Eckel in Oppenrod die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Raibreitenbach. — Erledigt ist eine mit eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Odenhausen. Mit der Stelle ist Organistendienst verbunden.
• • Der KreiSoerband der Gemeinde-Einnehmer des KreiseS Gießen hält nächsten Mittwoch in Äruningen bei Gastwirt Arnold seine Hauptversammlung ab. Auf der Tagesordnung stehen Fursorgekasie, bie Unter* erheberüellen, Gehalts- und Anstellungsoerhaltnisse.
♦* Der Ortsgewerbeverein hielt am Dienstag abend im Caft Ebel seine 3. Monats-Versammlung für diesen Winter ab, die sehr gut besucht war. Der Vorsitzende gab u. a. bekannt, daß der Kaufmännische unb Ortsgewerbeverein kürzlich eine Lehrstellenvermitto« , lung eingerichtet habe. Die Liste der Lehrstellensuchend« |
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