Nr. 26t
Der Siebener 2Ui$frgA erscheint täglich, außer Sonntags. — Beilagen: viermal wöchentlich Eiehei.er^amUienttätter; zweimal wöchentl.Nreir- blatt ör den Xreis Sieben (Trr rstag und Freitag); zweimal inonatt. Landwirtschaftlich« Zejtftagen Feruknech-Anschlüsse: snr die Redaktion 112, De ,lag u. Expedition 51 Ad reffe iür Depeschen:
Anzeiger «ießen.
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Erstes Blatt
165. Jahrgang
Donnerstag, 15. November 1915
Siehener Anzeiger
General-Anzeiger für Gderheffen
Rotations^nitf und Verlag der vrühl'fchen Univ.-Such- und Zteindruckerei R. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: 8chulftrahe 7.
Bc;nqSvr7t-: monatlich 75Vi.,vienel- iährlich Mk. 2.20; durch Abhole- il Zweigstellen monatlich 65 Ps.; durch diePost Alk. 2.—viertel» jährl. ausschl. Beilellq. Zeilenpreis: lokal 15xVu auswärts 20 Pkenniq. Ehesredakteur: A Goetz. Perantivortlich für den polit. Teil: Aug. Goetz; für „Feuilleton', .Vermischtes'und „Gerichts- scial": Karl Rcuralh; iür .Stadt und Land" : Kurt Beudt; für deu Anzeigenteil: y. Beck.
Die heutige Nummer umsaht 12 Seiten.
Tagcskalender aus dem Jahre 1813.
>13. November. Die Franzosen unter Davoust verlassen Ratzeburg. — König Friedrich Wilhelm III. von Preußen kommt durch Hanau und reist nach Frankfurt weiter.
Var Geheimnis von Malta.
In den Häsen von Malta haben sich ungefähr 70 britische Kriegsschiffe, 8 Dreadnoughts, 3 große Schlachtkreuzer und das übrige Torpedojäger und Torpedoboote zusammengesunden, eine Flottenmacht von solcher Stärke, wie sie sich noch nie im Mittelmecre aufhielt. Und jeder, der über diese gewaltige Flottenentsaltung Englands nachsinnt, muß zu dem Schlüsse kommen, daß diese vielen Schisse bei Malta nicht ankern, um Kohlen zu verbrauchen und ihren Matrosen Gelegenheit zu geben, sich die interessanten Küsten von Groß- La Valetta oder wie man wohl auch sagt, von Malta anzusehen.
Natürlich sind in der internationalen Presse bereits eine Reihe von Vermutungen darüber aufgetaucht, was wohl die englische Flotte jetzt so spät nach der Balkan-Liquidation im M^ttelmeere zu suchen habe. Man spricht von den schwebenden Fragen der wirtschaftlichen Aufteilung Klein-Asiens, man spricht von der ägäischen Jnsel- srage, von einer Sicherung des gefährdeten Cypern usw. Aber olle diese Probleme können doch nicht den Grund zu einer so umfangreichen und kostspieligen Konzentration englischer Kriegsmacht fern von den Gestaden der Nordsee ab- gebcn. Man weiß, Malta ist für Englund nicht nur der Grundpfeiler seiner Machtstellung im Mittelmeer, sondern mns der wichtigsten, wenn nicht das wichtigste Glied in der Kette maritimer, militärischer und kommerzieller Stützpunkte die das Mutterland mit Süd- und Ostasicn verbinden. Die Entfernungen Maltas sowohl von Gibraltar wie von Port Said und dem Suezkanal betragen rund 1800 Kilometer. Die als Flottenstation für alle Vorgänge im Orient so wichtige Suda-Bai auf Kreta ist 900 Kilometer entfernt, das ebenfalls englische Cppern, das die Ausmündung der Landwege und der künftigen Eisenbahnen nach Mesopotamien und Indien beherrscht, 1700 Kilometer. Von Malta aus kann Italien in Schach gehalten werden, ja eine solche Flottenmacht, wie sie jetzt bei Malta liegt, vermöchte mit Leichtigkeit die Vereinigung der österreichischen und italienischen Flotte beziehungsweise ihr Hervorbrechen aus dem adriatischen Meere zu verhindern.
Aber es ist im Augenblick und auch für die nächste Zukunft kein plausibler Grund zu finden, warum sich die Spitze der jetzigen Flottenaktion Englands gegen die mit Deutschland im Dreibund verbündeten Mächte Oesterreich-Ungarn und Italien richten sollte. Das Geheimnis von Malta liegt wo anders. Ter tiefere Grund der englischen Flottenkonzentricruno ergibt sich aus dem Verhältnis Frankreichs zu England, aber nicht etwa, wie geschäftige Federn zu verkünden wußten, aus einem englisch-französischen Geheimabkommen und Komplott, gerichtet gegen Deutschland, sondern aus einem verborgenen, aber immer mächtiger und deutlicher werdenden Mittelmeergegensatz Frankreichs gegenüber England. Die Stellung von Malta ais Beherrscherin der Straße des Weltverkehrs ist durch die Besetzung und Be
festigung von Biserta durch die Franzosen tatsächlich in den letzten Jahren arg geschädigt worden. Denn Biserta besitzt einen ausgezeichneten, sozirsagcn unangreifbaren Hafen mit einem unbegrenzten, reichen Hinterland, unter dessen Kanonen diese Weltverkehrsstraße liegt, ähnlich wie die Einfahrt in Weser und Elbe unter denen von Wilhelmshaven. Frankreich glaubt sich heute dem Ziel seines Ehrgeizes, das Nordwestbccken des Mittelmeeres zum französischen See zu machen, wesentlich näher gekommen. Dieser Glaube soll trotz aller Freundschaft und Verbrüderungsfeste zerstört werden. Es ist anzunehmen, daß England gemäß oen Geheimverträgen mit Spanien, die der englischen Flotte die Benutzung der spanischen Häfen gestatten sollen, bei'Verwickelungen mit Frankreich sofort, von Malta und Gibraltar aus, wenn Frankreich nicht zuvorkommt, den herrlichen Hafen Mahon auf Minorka, den cs schon einmal, 1713 bis 1783, besetzt hatte, besetzen wird. Italien ist auf diese letzten geheimen Dinge vorbereitet. Es kann sich in Zukunft einmal die herrlichen Häfen von Syrakus, mit dem Malta heute im engsten Verkehr steht, oder Trapani, das zugleich den Eingang in das italienische (Tyrrhenische) Mittelmeer decken würde, zu Trutz-Maltas ausbauen.
Und Deutschland? Wir im Deutschen Reich haben angesichts der englischen Flottendemonstration keinen Grund zur Nervosität. Wenn England seine Schiffe nach dem Mittelmeer abkommandiert und so den furchtbaren Panzerring vor Deutschlands ^Lordseekästen lockert, so ist dies nur ein gutes Zeichen, das die deutsche Marineverwaltung ja auch bereits damit beantwortet hat, daß sic zwei ihres stärksten Schiffe auf Reisen über den Atlantischen Ozean entließ. Deutschland kann vielmehr der Demonstration von Malta fast als tertius gaudens zusehen.
Die Sonnta muhe im han-elsgewerbe.
Dem Reichstage ging der Entwurf eines Gesetzes betreffend die Sonntagsruhe im Handelsgewerbe zu. Der grundlegende Paragraph 1 lautet:
Im Handelsgewerbe dürfen Gehilfen, Lehrlinge und Arbeiter, vorbehaltlich besonderer Vorschriften, am ersten Weih- nachts-, Oster- und Pfingsttag überhaupt nicht, im übrigen an Sonn- und Festtagen nur wie folgt beschäftigt werden. Im Betriebe mit offenen Verkaufsstellen ist die Beschäftigung bis drei Stunden zulässig. Die höhere Verwaltungsbehörde kann für die Orte, in denen die Bevölkerung aus der Umgegend an Sonn- und Festtagen die offenen Verkaufsstellen aufsucht, eine Beschäftigung bis vier Stunden zulassen. Die Gemeinde oder ein weiterer Kommunalverband kann durch statutarische Bestimmung die dreistündige Beschäftigung für alle oder einzelne Gewerbezweige auf kürzere Zeit einschränken oder ganz untersagen. Die Polizeibehörde kann für jährlich sechs, mit Genehmigung der Höheren Verwaltungsbehörde für weitere vier Sonn- und Festtage, an denen besondere Verhältnisse den weiteren Geschäftsverkehr erforderlich wachen, die Beschäftigung bis zehn Stunden zulasscn. Im übrigen Handelsgewerbe kann die höhere Verwaltungsbehörde sowie durch statutarische Bestimmung die Gemeinde oder ein weiterer Kommunalverband die Beschäftigung bis zwei Stunden zulassen. Für das Speditions- und Schiffsmaklergewerbe sowie andere Gewerbebetriebe, insoweit in ihnen Güterversendungen mit Seeschiffen vorgenommen werden, kann in gleicher Weise die Beschäftigung bis fünf Stunden zugelassen werden. Die höhere Verwaltungsbehörde kann für jährlich höchstens sechs Sonn- und Festtage, an denen
Deutsche Heldinnen in den vesreiungskriegen.
Gießen, 12. Nov.
Die Gießener Frauenvereine, der Allgemeine \beutfdye Frauenverein' Ortsgruppe Gießen, und der evan- «gelische Gemeinde-Frauenverein, hatten am Mittwoch zu einem für jedermann freien Vortragsabend geladen. Der Einladung hatten denn auch nicht wenige Damen entsprochen, so daß die neue Aula der Universität recht .flut besucht war. Zum Vortragenden hatte man Pfarrer D. Preuschen aus Hirschhorn gewonnen, der über das Thema „Deutsche Heldinnen in den Befreiungskriegen" sprach. Die Gießener Frauenwelt hatte sich damit die Möglichkeit geschaffen, auf eigene Faust eine Hundertjahrfeier zu begehen. Und daß bic, Frauen Deutschlands volle Berechtigung haben, das Fest der hundertjährigen Befreiung aus vollem Herzen mitzufeiern, das ging aus dem Vortrage hervor, der in begeisterten Worten die segensreiche Mitwirkung der Frau an der Erlösung Deutschlands schilderte:
Man kann sehr im Zweifel sein darüber, wo eigentlich der Heldenmut der Frau zu suchen sei. Es gibt einen Heldenmut, der zur mannhaften Streitbarkeit führt, der auch den deutschen Frauen in der Zeit der Not nicht fehlte. Manches Mädchen zog als Mann verkleidet mit in den Krieg, wie Eleonore Prochaska, die durch ihren tragischen Heldentod bekannt wurde, und manche glich einer Johanna Stegen, die im ärgsten Kugelregen den Soldaten die Patronen zutrug. Das ist treue Kam ercü) schäft zum Mann, wie sie auch von den Frauen der Germanen erzählt wird. Doch ist dies nicht das größte Heldentum der Frau.
Weit größer ist ein anderer Heldenmut, von dem die Öffentlichkeit nichts erfahren hat, denn er blieb im Schoße der Familie verborgen, wenn eine Mutter zum letzten ihrer Sühne sagte: „Es ist nicht nötig, daß du wicder- kommst, aber es ist nötig, daß du deine Pflicht tust. Das ist der wahre Heldenmut der Frau und der Grundstein des deutschen Heldengeistes. Als alle, auch die Rtutigsten, verzagten, da war es die Frau, die den Funken der Begeisterung wach erhielt und ständig schürte.
Gerade in diesem Sinne steht die Königin Luise als Muster da, denn immer wieder sprach sie dem verzagenden und schwankenden Gemahl Mut zu. Sie war es auch-
die dem Freiherrn von Stein, auf den das Vaterland als Retter blickte, solange aufrecht hielt, wie es ihr möglich war.
Noch segensreicher war die Wirksamkeit der hessischen Fürstentochter Wilhelm Marie von Hessen-Homburg, die, in kleinen Verhältnissen unter der Obhut eines verbitterten Vaters ausgewachsen, mit ganzer Seele an ihrer hessischen Heimat hing und dann 1803 als Vertraute der Königin Luise nach Berlin kam und hier im „goldenen Käfig" eine lange Leidenszeit zu bestehen hatte. Sie mußte mit der Königlichen Familie flüchten, ihr ältestes Kind starb am Anfang der Fahrt, ihr zweites unter den Unbilden der Reise; dazu sah sie das Vaterland im Staube, ohne helfen zu können. Und doch suchte sie zu tun, was sie schuldig zu sein glaubte. Mit ihrem Gemahl, dem Prinzen Wilhelm, zusammen wollte sie sich dem großen Eroberer als Geisel stellen. Der Plan mißglückte, doch eine andere Aufgabe wartete ihrer: die Königin starb, und der Prinzessin gelang es, den ganz gebrochenen König wieder aufzurichten und ihm seine Pflichten ins Gedächtnis zurück- zurufen. Dann schlug die Schicksalsstunde, die die Entscheidung bringen sollte. Wieder war es Prinzessin Wilhelm, die zuerst erkannte, was nottat. Sie erließ einen Aufruf an die deutschen Frauen, in dem sie die Gründung eines Frauenvereins vorschlug, der den Kämpfern 'ein Helfer sein sollte; sie selbst wollte an der Spitze stehen.
Das war der Anfang jener großen Opferwilligkeit der Frauen: „Gold gab ich für Eisen", wodurch auch die Männer die moralische Kraft zum Streite fanden. Da blühte der weibliche Heldenmut und zagte nicht, angesichts der furchtbaren Kriegsgreuel und der entstandenen Seuchen. Das schwache Weib stellte sich in den Dienst der Nächstenliebe und nahm die Verwundeten ins eigene Haus, um sie dem Vaterland zu erhalten. Solcher Heldenmut ist weit höher zu bewerten als sellrst der auf dem Schlachtfelde.
In unseren Tagen ist er verschwunden, meint mancher, und doch wird er zur rechten Stunde wiedeo glühen, denn die deutsche Frau wird stets dieselbe bleiben. Aber eins lehrt uns die Erinnerung: „Der Geist, der ein Volk groß und stArk macht, muß ausgehen von der Frau."
K. B.
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besondere Verhältnisse einen weiteren Geschäftsverkehr er- forderlich machen, die Beschäftigung bis vier Stunden zu- lassen.
Italienische Spione im Dienste Frankreichs.
Rom, 12. Nov. Gestern wurde hier ein gewisser Tullio M e - nozzi verhaftet. Den Blättern zufolge handelt es sich um einen Spionage fall. Menozzi war seinerzeit wegen Fahnenflucht und Diebstahls vom Mailänder Gericht verurteilt worden. Seit Mai begab er sich zweimal von Rom nach Genf. Sein Helfershelfer war der Kavallerieseldwebel Robert Petrigli aus Rom. Dieser entwendete wertvolle Schriftstücke, die Menozzi photvgra-- phierte und dann zurückstellte, um nicht entdeckt zu werden. Nach dem „Giornate d' Italia" betrieb Menozzi die Spionage für Rechnung eines französischen Funktionärs, mit dem er vor einigen Monaten ein Uebereinkommen getroffen hatte. Auch Pe- triglia wurde verhaftet. Man sand bei ihm auf beit Dienst ber Kavallerie bezügliche Schriftstücke, welche er Menozzi übersenden, sollte. Dieser gestand ein. daß er für Rechnung einer geheimen» Agentur handelte, die ihren Sitz in Gent habe und ihn beauftragte, Manuskripte zu photographieren und die Photographien ihr zu übersenden. Bei Menozzi wurden außer Mobilmachungsplänen für Kavallerie auch ein Code fürden Kriegsfall gesunden. Man nimmt an, daß Me- mozzi außer Petriglia keine Mitschuldigen habe.
Der „Tribuna" zufolge hatte eine französische Agentur, welche die Spionage organisierte, an Menozzi geschrieben und ihn aufgefordert, ihr Abschriften gewisser Toftrmente zu verschaften und ihm 4—5000 Franks versprochen.
Deutsches Reich.
Die Feier der Thronbesteigung! König Ludwigs III. von Bayern
begann am Mittwoch früh in München mit einem Gottesdienst in der Metropolitan-Kirche zu Unserer lieben Frau, an dem der König und die Königin sowie die Prinzen und Prinzessinnen des Königlichen Hauses tellnahmen. In der Kirche hatten sich mit einer großen Zahl anderer Geladenen auch die Mitglieder der beiden Kammern des Landtages eingefunben. Nach Beendigung ber gottesdienstlichen Fcicr fuhren der König und die Königin unter Ge- schützfälut und unter dem Jubel ber begeisterten Volksmenge zur Königlichen Residenz. Auch in allen übrigen Kirchen fanden Festgottesdienste statt. Nachmittags fand im Großen Dhronsaale des Festbaues der Königlichen Residenz eine L an d e s huld ig uitg statt. Um 2^2 Uhr betraten der König und die Königin unter Vorantritt des zronrglichen großen Dienstes den Thronsaal und begaben sich an den Dhron. Geschutzsalut und Fanfaren verkündeten den Eintritt der Majestäten. Nachdem der König und die Königin am Throne Platz genommen hatten, brachte Gras Karl Ernst Fugger von Glött, der Präsident der Kammer der Reichsräte, die Huldigung des Landes bar, bie in ein Hoch auf ben König ausklang. Darauf spielte die Musik bie Nationalhymne. Der König bankte in bewegten Worten.
Ein Vertrauensvotum für Lanbrat a. D. Rötger.
Das Direktorium bes Zentralverbanbes beutscher Jnbu- striellcr beschloß in seiner Sitzung am Mittwoch, an ben Vorsitzcnben, Lanbrat a. D. Rötger folgenbes Telegramm zu senben: „Das Direktorium bes Zentralverbanbes beut- scher Jnbustrieller nahm in ber heutigen Sitzung Gelegenheit, sich mit ben Vorgängen im B r a n b t -P r o z e ß zu beschäftigen, insoweit sic ben Vorsitzenben betreffen. Das Di-
Hk. Entdeckung eines neuen Kometen. Der „Umschau" infolge ist auf der Remeis-Sternwarte zu Bamberg von dem Astronomen Dr. E. Zinner ein neuer Könnet; entdeckt worben, der bereits eine deutliche Schweifentwicklung zeigt, vorläufig aber nur im Fernrohr als Gestirn von der 10. Größenklasse sichtbar ist. Der Komet steht gegenwärtig nahe beim Stern Beta im Sternbild Sobieskischer Schild. Dieser Komet 1913 e ist der fünfte in diesem Jahre aufgefunbene, aber, da der vorige 1913 d sich identisch mit dem bekannten periodischen Kometen von Westphal erwiesen hat, kann 1913 e nur als vierter, neu entdeckter Haarstern in diesem Jahre gelten.
— Die operativ e Behandlung von Lungen- blutungeu. Unser medizinischer Mitarbeiter schreibt uns: Von Jahr zu Jahr erobert sich die Chirurgie immer mehr Gebiete, die vordem ausschlleßlich von ber internen Medizin behauptet wurden. Vor allem ist es jetzt bie Lungentuberkulose, unb zwar die schweren Fälle, die allen medikamentösen Behandlungen trotzen, die ein beliebtes Arbeitsfeld ber Chirurgen geworden ist. Tic Tendenz aller chirurgischen Eingriffe ist die, die erkrankte Lunge ruhig zu stellen, aus ber Erfahrung heraus, daß nicht funktionierende Organe schneller ausheilen. Am bekanntesten unb zurzeit am meisten im Vordergrunb stehenb ist bie Anlegung eines sogenannten künstlichen Pneumothorax, indem man in ber Brustsellraum über einer Lunge Stickstoff einströmen läßt. Ter Ueberdruck, ber dann hier entsteht, bringt augenblicklich die Lunge zum Zusammenschrumpfen. Neben dieser Operation, die früher für sehr gefährlich angesehen wurde, jetzt aber durch Verbesserung der Technik für relativ harmlos gilt und gute Erfolge aufzuweisen hat, gibt es noch mehrere andere Methoden, bie ähnliche Wege geben. So hat man vorgeschlagen, ben Zwerchfellnerv zu durch- schneiden, um durch Lähmung des wichttgsten Atemmuskeks auch die Atemtätigkeit der Lungen zu beseitigen. Neuerdings wird auch, besonders bei häufigen unb schweren Lungenblutungen, ein von dem Königsberger Chirurgen Friedrich angegebenes Verfahren angewandt. Bei diesem werden bie Rippen, an deren Hiitter- wand sich bas Brustfell ansetzt, entfernt. Darauf fällt bie Lunge zusammen. Das Maß ber Lungenschrumpfung ist um so größer, je mehr Rippen fortgenommen werden. In einem Falle wurden sogar die oberen neun Rippen von der .Knorpelknochengrenze bis 5 um Rippen winkel „reseziert". Es versteht sich von selbst, daß diese Ruhigstellung nur auf einer Seite vorgenommen werden kann, mir daß bie andere Lunge ziemlich intaft sein muß, um das Atemgeschäft genügend besorgen zu können. Natürlich wirb man sich nicht entschließen, diese operativen Eingriffe früher anzuwenden, als die anderen Behandlungsmethoden versagt haben Aber es ist keineswegs sicher, daß sich in absehbarer Zeit ein Umschwung vollziehen wird, und man versuchen wird, gerade im Anfang auf düse Weise des Uebels Herr zu werden.


