Ausgabe 
1.10.1913 Drittes Blatt
 
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Zersplitterung und Vergeudung von Mitteln vermieden werde (wobei lokale Eigentümlichkeiten immerhin genügend berücksichtigt lverden können).

Die Ansprache eröffnet Stadtschulrat Tr. Peters (Halle, der die Erwerbstätigkeit der Volksschulkinder behandelt, die für die OK sundheit und die Erziehung außerordentlich 'ch-ädiqende Wirkungen habe. Bürgermeister Mueller Tarmstadi berichtct über die in Darmstadt mit .Hilfe der Sradk veranstalieten Volksschülerwande rungen. Tr. Fürstenheim Miä>elstadti regk an, man möge dafür sorgen, daß aus den llniveriitäten ein S.niinar für Jugendpflege eingerichtet werde. Tr. Pietsch Dresden berichtet über die Jugend pflege in seiner Stadt. Tr. Kolb (Darmüadt> -vünscht, daß man auch für die Mutter forgeir müsse, d. h. also für das Kind schrm vor der Geburt.

TZod) Schlußworten der beiden Vortragenden zu diesem Thema schließt der Vorsitzende, Amtsgerichtsrat Tr. Hoehne (Berlin die Tagung mit den üblichen TaNkesworten. Bürgermeister Mueller dankt der Zentrale dafür, das- sie der Einladung der Stadt Tarin stadt gefolgt sei und die Tagung hier abgehalten habe. Dem Vor sitzenden dankte er für die treffliche Leitung der Tagung.

verernsnachrichten.

25jähriges Stiftungsfest des Turnvereins Rod heim a. d. B.

-a- Rodheim, 29. Sept. Unter allgemeiner Beteiligung der Torchetvohner, sowie zahlreich erschienener Gäste feierte der hiesige ältere Turnverein sein 2öjähriges Stiftungsfest. Schon nm Vorabend wurde des Zubelvereins durch Ansprachen und Lieder würdig gedacht, und gleichzeitig ivurden die noch lebenden Gründer und Ehrenmitglieder durch Üeberreickrung von Diplomen geehrt. Es wurden ausgezeichnet: Sanitätsrat Dr. Klingelhöfer, Steuerinspektor Pitz ljetzt in Marienberg!, die beiden Lehrer Hetz- mann und Höhn, Sparkassenrechner Bender, die Gatzinirte Karl Schlierbad, IV. und Wilhelm Bender, Georg Bender, Konrad Schmidt, Wilhelm Keller, Karl Michel, Karl Hafselbach und Wckhelm Schmidt.

Am Sonntag früh begann unter Leitung von Turnwart Millers häu ser das Wetturnen, an dem 21 Turner beteiligt waren. Nachmittags 3 Uhr bewegte sich unter Voranttitt der KrOdorfer Kapelle ein stattticher Festzug durch die Ortsstraßen, an welchem erfreulicherweise sämtliche riesigen Vereine, sowie benachbarte Turnvereiue aus dem Lahn-TünSbergbund teilnahmen. Im Vcreinslokal lffelt Lehrer E l o e s unter starkem Beifall die Begrüßungsansprache. Der Gesangverein Liederkranz überreichte 'durch seinen Dirigenten Lehrer Höhn eine Fahnenschleife, Fener- wehrkommandant H. Bender einen Fahnennagel und der Gesang­vereinEintracht" durcki seinen Vorsitzenden H. Hofmann ein Bandelier. Vorsitzender W. Keller sprach allen Spendern den herzlichsten Dank des Vereins aus.

In dem nun folgenden gemütlichen Teil trugen die beiden GesangvereineLiederkranz" undEintracht"' abwechselnd Lieder vor, während gleichzeitig der nahe Turnplatz viele Neugierige anlockte. Inzwischen kam auch die tanzlustige Jugend zu ihrem Recht.

Die Preisverteilunq hatte folgendes Ergebnis: 1. Preis Rudolf Keller, 2. Friedrich Bender, 3. Friedrich Leicht, 4. Otto Schmidt, 5. Karl Schmidt V., G. Robert Bender, 7. Karl Schmidt, 8. Wil­helm Schütz, 9. K. Bechlinger, 10. W. Peppler, 11. W. Keller, 12. Gustav Ohlmutz.

Volle Anerkennung verdient es, daß alle OrtSvereine nach besten Kräften die Jubelfeier des Turnvereins unterstützt haben. Ucberhaupt dürfte dieser Tag bei allen Festbesuchern in lebendiger Erinnerung bleiben. Der Iubelverein wurde im Jahre 1888 mtt 25 Mitgliedern gegründet, deren Zahl inzwischen auf 10Q an- gewachscn ist.

Gietzener Strafkammer.

Gießen- 30. Seht.

Zahlreiche Vorstrafen, besonders wegen Bettelns, hat der vom Schöffengericht Vil-Kck wegen Bettelei zu 3 Wockxm Haft verurteilte Dreschmaschinen- arbeitcr M. L. v. St. Seine Berufung richtet sich in der Haupt­sache gegen die erkannte lleberweisung an die Landespollzei- behorde. 'Tas Gericht hielt diese lleberweisung jedoch durchaus für

am Platze, da der erst 34 Jahre alte Angeklagte bereits 50 mal vorbestraft ist, darunter allein 18 mal wegen Bettelns: es reckmetc jedoch die nun schon über anderthalb Monat dauernde Unter­suchungshaft auf die Strafe ganz aus. Ebenfalls

wegen Bettelns

ist der Schornsteinfeger K. D. von W. häufig vorbestraft, zuletzt durch das Schöffengericht Büdingen mit drei Worten Hast. Auch hier ist aus Zulässigkeit der lleberweisung an die Landespolizei­behörde erkannt. Gegen diese Maßregel richtet sich die Berufung des Angeklagten, die aber mit Rücksicht auf seine Vorsttafen vettvvrsen wird.

Wegen G ewerbs u n z u cht

hat das Schöffengericht Bad-Nauheim die 19 Jahre alte O. Z. von F. Wit 14 Tagen Haft bestraft. Sie will vom Berufungsgerickst die auch gegen sie erkannte lleberweisung an die Landest^lizei- beHörde abgenommen haben. Das Gericht verwarf die Berufung, da die lleberweisung nicht in der Absicht ausgesprochen ist, die noch nicht vorbestrafte Angeklagte in das Arbeitshaus zu bringen, sondern um gemäß Msatz 3 des § 3G2 St. G. B. zum Ersatz für die tbci '«der über 18 Jahre alten Angeklagten nicht mehr zulässige eigentliche Zwangserziehung die Möglichkeit zu schaffen, daß sie zur Verhütung ihrer weiteren Verwalwlvsung in einer Besserungs- wder Erziehungsanstalt untergebracht wird.

Gerichtssaal.

bs. Darmstadt, 29. Sept. Der Rechner Plsilipp Adam, der am 14. Juni d. I. wegen Unterschlagungen als Rechner bei der Niedermodauer Genossenschaftskosse von der hiesigen Straf­kammer' zu einer Zuchthausstrafe von 5 Jahren und G Monaten verurteilt wurde, hatte sich heute vor dem Schwurgericht wegen Verbrechen im Amt zu verantworten. Adam war bekanntlich auch Kirchenrechner der Gemeinde Niedermodau. Nach langer Verhandlung wurde ?ldam des Verbrechens im Amt für schuldig befunden unter Versagung mildernder Umstände. Hierfür wurde er mit 1 Jahre Zuchthaus besttaft. Wegen weiterer sieben Fälle erhielt er drei Monate Zuchthaus. Einschließlich der früheren Verurteilung erhielt Adam heute eine Zuchthausstrafe von 6 Jahren 9 Monaten. Der Verurteilte nahm das Urteil an.

Universitäts-NacbLZchten.

Der Staatsbaurat Otto Franz ins in Bremen ist zum etatsmäßigen Professor an der Technisckren Hochschule zu Hannover berufen worden; ihm wurde die Professur für Wasserbau ü6 er tragen. Vom 1. Oktober 1913 ab ist der Privat­dozent an der Universität Münster i. W., Divisionspfarrer Dr, theol. Ludwig Ruland, zum ordentlichen Professor der Moral­und Pastoraltheologie, Homiletik und ckrisllichen Sozialwissen- schast in der theologischen Fakultät der Universität W ü r 5 b u r g als Nachfolger von Prof. Göpfert ernannt worden. In Greifs­wald ist: der Physiker a. 0. Professor an der dortigen Universität Geh. Regierungsrat Tr. Wilhelm Holtz im Alter von 76 Jähren gestorben. Dr. med. Eugen Ludwig, Assistent am ana­tomischen Institut zu Leipzig, ist zum Prosektor an der normal- anatomischen Anstalt der Universität Bafel berufen worden.

vermischte».

* Oesterreichische Denkmäler auf dem Schlacht­felde von Leipzig. Aus Wien wird berichtet: Angesichts des fast vollständigen Mangels von Ehrenzeichen auf dem Schlacht- selde von Leipzig, welche den rühmlichen entscheidenden Anteil der österreichischen Truppest an dem Waffenerfolge der verbündeten Armeen auch äußerlich zum Ausdruck bringen, erhielt die Ver­waltung des M.ilitär-Maria-Theresien-'OrdenS den Auftrag, in jedem von österreichischen Korps- oder Gefechtstruppen einge­nommenen Abschnitte des Schlachtfeldes einen vier Meter hohen Marmorobelisk, gekrönt und von einem mächtigen 'Doppeladler aus Kanonenmetall mit.der Inschrift zu versöhn, welche den betteffenden Heeresteil und seine Kommandanten nennt, an jenen Punkten aufzustellen, welche durch entscheidende Waffen­erfolge oder bedeutende Verluste der Erinnerung bewahrt bleiben sollen. Dank dem Entgegenkommen der Behörden von Leipzig und der betreffenden Grundbesitzer, welche den Baugrund unent­geltlich zur Verfügung stellten, wird es möglich sein, zwei dieser

Denkmäler bis zum 18. Oktober, die übrigen 'drei bis Ende Okwber serttgzustellen.

Kleine Caqerchronik.

In Göttingen ist am gestrigen Dienstag der frühere Lakai des Kaisers und spätere Schutzmann in Hannoversch-Mün- den, Georg Rom ahn, der am 9. April vom hiesigen Schwur­gericht zum Tode verurteilt worden war, weil er seine Frau am 7. Januar absichtlich in die Weser gestoßen hatte, um sich ihrer zu entledigen, hin gerichtet worden.

Ain Montag nachiniltag nach Drei Uhr stießen bc> Vallendar zwei Güterzüge zusammen. Ter Materialschader. ist sehr groß, der Verkehr ist gesperrt. Mehrere Personen des Fahrpersonals sollen schwer verletzt worden sein. Tie Ursache dec Zusammenstoßes ist noch nicht sestgestellt.

Handel.

Wiesbaden, 30. Sept. Tie Handelskammer be­schloß in ihrer heutigen Sitzung, beim Minister der öffentlichen 9lrbcitcn den Antrag des Wiesbadener Magistrats auf Herstellung einer neuen Eisenbahnverbindung "Wiesbaden- Frankfurt durch Erbauung einer zweigleisigen Haupt- bahn von E r b e n h e i in nach Kriftel zu unterstützen, weil die geplante Schnellbahn WiesbadenFrankfurt schwere Nachteile bcm chten lasse. Tie Kammer betonte besonder-?, daß die Ab­kürzung des heutigen Bahnwegs zwischen d»n beiden Städten für Wiesbaden nicht mir für den lokalen Verkehr, sondern auch für die Führung großer internationaler Züge von Bedeutung sei, was schon daraus hervorgehe, daß die Mainzer Interessenten, sc- auch die dottige Handelskammer, den Antrag Wiesbaden scharf bekämpfen.

Eingesandt.

(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publlkum gegenüber keinerlei Verantwortung.)

Gießen, 30 September.

Soeben werden in der We11ergasse und M a r k t st r a ß e zwei alte Lehm du den abgerissen, die schon seit Jahren ein große? Verkehrshindernis gewesen sind. Nachdem die beiden Häuser jetzt niedergelegt worden sind, sagt wohl jeder Vorüber­gehende ,®ott sei Tank, daß hier endlich einmal Luit und Licht geschaffen wird." Tiese Freude soll jedoch nicht von langer Tauer sein, denn es ist ein 1)1 enbau geplant, wodurch der frühere Eng­paß wieder hergestellt werden soll. Gestern besprach ich an der Baustelle diesen Fall mit einem auswärtigen Bausachverständigen der die Frage an mich richtete: lehnen sich denn die Herren Stadt verordneteil nicht dagegen auf, wenn die Baukominisston folcbr Dinge gestattet? Ich gab ihm zur Antwort: die städtischen Diittel sind durch Schafflmg von Anlagen imb Erwerbungen von großen Gebieten an der äußeren Peripherie der Stadt gänzlich erschöpft so daß für die Innenstadt momentan nichts mehr getan werden kann. Ter Baumeister sagte darauf, bann müßten die An­wohner versuchen, die Drittel auszubringen, denn hier wieder einen Bau errichten zu lassen, wäre wirllich em Fehler und eine bedauernswerte Kurzsichtigkeil. Die Anwohner ivürden gewiß gerne ein Opser bringen, um dieses Verkehrshindernis beseitigen zu helfen.

Das Stadtkollegium dürfte sich in einem solch dringlichen Falle aber nicht zuruckziehen, wenn es and) schwer fällt, Mittel zur Verfügung zu stellen, damit es sich von einer spätere,: Gene­ration keine schweren Vorwürfe machen z,l lassen braucht. Noch ist es Zeit, mit dem Besitzer läßt sich reden, die Stadl hat ge­nügend paffende Häuser, um ein Tauschgeschäft machen jv föuuen.

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