Ausgabe 
10.3.1913 Erstes Blatt
 
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Aus Hessen»

Reorf.Uisa<on der Berwaltuuz der Waldungen.

Der Abg. Joutz frat in her Zweiten Kammer folgenden Antrag gestellt:

Die Kammer wolle Mdjlicr.cn, Großherzogllcke Regierung zu ersuchen, baldigst einen Gesetze n tw u r 1 vorzulegen, welcher eine billigere Verwaltung der fiskalischen und (Mneinte Waldungen dadurch brr bei führt, daß 1 an Stelle der durch den Besuch einer Universität hoch bezahlten £berförfrcr, vor herrschend in der Praxis heran gebildete und durch den Besuch einer Forstschule, welche an bestehende L'anbroirtidjort schulen ungegliedert werden kann, weitergebildete Beamte 'Forster), wie auch in anderen Staaten eingeiührt, zur Verwaltung deZ Waldes angdteüt werden und akademisch gebildete Forstbeamtc, die vorher einen längeren Kursus in der Praxis des Forstbetriebes aut einer, wenn auch ausnahmswenc nicht hessischen Forstschule durchgemacht haben müssen, nur für größere Waldkomplexe zur Lberleitung und Ueberwachung des Forstbetriebes Verwendung finden;- 2. daß den Bürger- m e i st e r n der Ctem einten, zu deren Gemarkung ein Wald ge hört, die Versteigerung ter Waldernten und den Gemcrnte- rechnern das Rechnungswesen bezüglich der (Einnahmen und Aus­gaben des Waldes übertragen wird, wie auch gleicherweise das bei fiskalischen Gütern.

Reichstagsabqeordneter Kopsch in Bad Nauheim.

sR.) Bad-Nauheim, 9. März Auf Einladung des Freisinnigen Vereins sprach Reichstagsabg. K o p s ch-Berlin gestern abend im Saale der Turnhalle überDie gegenwärtige politische Lage". In der .Hauptsache beschäftigte er sich in seinen beinahe zwei­stündigen Ausführungen mit den Gegensätzen, die sich zwischen Negierung und Zentrum gebildet Haden und deutete an, daß das Zentrum auf eine Reichstagsauflösung hin­arbeite. Die Stellungnahme der Fortschrittlichen Volks­partei zu der neuen Militärvorlage präzisierte der Redner dahin, daß die Partei eine Verstärkung unserer Wehrmacht besaht, aber verlangt, daß nicht nur hie ein­maligen Kosten, sondern auch die laufenden Ausgaben von den besitzenden Klassen getragen werden. Dem Redner wurde von den ungefähr hundert Teilnehmern an der Versammlung stürmischer Beifall zuteil. An der Aus­sprache beteiligten sich in her Hauptsache dre politischen Freunde des Redners, Dr. Strecker und Dr. Brücher. Dr. Strecker bedauerte, daß ein Teil der Fortschrittler bei der Abstimmung über die Wahl des Dr. Becker-» Bingen-Alzey leider versagt hätte.

Ans Stadt «nd Land.

Gießen, 10. Marz 1913.

Abhaltung von Fettviehmärktcn.

Man hat sich hier neuerdings mit der Frage beschäftigt, ob die Abhaltung von Fettviehmärkten in hiesiger Stadt einzurichten wäre, um auf die Gestaltung der Fettvieh­preise günstig einzuwirken und um unseren Metzgern bessere- und vorteilhaftere Einkaufsverhältnisse zu schaffen, wie sic z. B. naheliegende große Märkte wie Frankfurt und Wies­baden haben und mit denen wir noch nicht konkurrieren können Tatsache ist, daß die Landwirtschaft in unserer und der weiteren Umgebung, namentlich auch, im Vogels­berg, nicht allein in Rücksicht auf die letzte Dürre mangel­hafte Futterernten auszuweisen hatte, sondern auch durch große Seuchenvcrluste die Viehbestände sehr ver­ringert sind und die Landwirtschaft daher den Anforde­rungen des Fleischmarktes nicht mehr gerecht zu werden vermag. Wir sind hier auf die Viehzufuhren von vieh- reicheren Gegenden oder anderen Hauptmärkten angewiesen und es liegt für die gedachte Einrichtung wohl Bedürfnis vor und die Anregung dazu ist mir zu begrüßen. Wenn nun der richtigen Durchführung nur nicht zu große Schwierigkeiten im Wege stehen, anderenfalls sie durch einiges Entgegenkommen von Staat und Gemeinde hin- weggcräumt werden kann. Als Hauptpunkt käme zunächst ehr den örtlidyen Verhältnissen entsprechender Eisenbahn- gleisanschlnß des Schlacht Hof es in Betracht, wodurck) einer­seits den Marttbeschickern das Geschäft wesentlich crlcidytert wäre, andererseits bei nicht genügendem Absätze an hiesigem Markte eine leichtere Durchfuhr bewerkstelligt werden könnte. Auch würde bei erlriesterten Transportmöglich­leit en der hier gedachte Fettviehmarl't zweifelsohne auch, von den Metzgern naheliegender Plätze lvic Wetzlar, Weil­burg, Friedberg nsw. zu Einkäufen benutzt werden.

Bei zweckmäßiger Durchführnug der Sache könnte man dem hier gedachten Fettviehmarkte wohl eine gute Zukunft prophezeien, da gerade Gießen vermöge seiner zentralen Lage die besten und schnellsten Zufuhrmöglichkeiten hat.

"Die evangelische Konferenz für Hessen hält Dienstag, den 11. März, nachm. 3V2 Uhr, im Hotel Viktoria dahier eine Be zirksvcr sam mlun g ab. Professor Lic. Mat he 8-Darmstadt wird dabei einen Vortrag halten über: Der Weg zum Glan ben an den l c den dig en Gotf. An den Vortrag soll sich eine Besprechung anschließen. Gäste sind willkommen.

** Der Provinzialausschuß für Starkenburg batte sich heute mit einer oberhesfchchen Angelegenheit zu besassen, die nach Darmstadt verwiesen morden ist, nacktem der obcrbrifiidx Provinzialaussctmß sich für befangen erklärt batte. ES handelt fick um das Gesuck ter Gewerksäxm Friedrich in Hungen, die aus dem Riedback, der in die Horloff fließt, durch eine Pumpanlage größere Mengen Wassers entnimmt, ohne hierzu die Genehmigung zu tefiCcn. Das Kreisamt zu Gießen bat die Gewerkschaft zur Einreiärung eines <>fefuckes veranlaßt. Eine ganze Anzahl Interessemen, darunter auck die Pronin zialdirektion von Ober Hessen, baten Einspruch erboten, lichtere teionten) wegen des Wasserwerkes .^Inheiden", dos durck die starke Wafferentnahme benadxeiligt würde, so daß die Provinz unter Umstanden für den Täraden auskommen müßte. Der Xreisaussckuß in Gießen hat das Gesuch der (tewerlitt»ft abgelehnt, hiergegen bat die Gewerk schon Einspruch erhoben. Tie Efewerkschaft behauptet, daß das Bachgesetz uicln in '-betracht kommen könne, da lebiglut die Berg belwrden hie rüber zu nttfd eiten hätten Eine Konzession sei nicht nötig Der Proviuzialmisschuß cnncbieb, daß di - Einrede ter Unzuständigkeit als undt^gründet abgeiviesen ivirb, so daß demnächst über die Sache die Entiäntdung zu treffen ist

* Der Landesverband der hessischen Militär ­anwärter ui Darmstadt tagte unter iVai Bor ich des Herrn Rößler Tannfloht Rack dem vou dem Borschenteu erstatteten

Jahresbericht beträgt die Mitglieder zahl, bei einem Zuwachs ovn 143, jetzt 947 Kasseuterichr und Voramcküag wurden qftirbmigt Angenoinmeu wurde folgender Antraa: Vorbehalt ter besser c r m i ttfer en ®ea nt t enfkell en iur die Militäramvärler; Ein reihung der Divisionskister in die Reil» ter mittleren Beanven Aenderunaen der Bestimmungen über die Ausbildung der Schaf' tret, Zugiichrer usw. Einreibung ter Lademeister in Die fltap der jnitttrren Beamten: Bildung eines Ausschüsse-- ins fte'u beamten, der sich mit den Boston soitalverteiltnisscn befassen soll den 'Poil und Telegrapbeuaffifdentcn 'Uv ?tn 1 htt ireumär: rn soll ein Teil der Bctteauüelleu vorbcbalter n> Den den ?J?tüt aumärtcni soll bei ünett Kommando zu mfor- r.ct . ' gungai keine SchvuerigkcUcn bertüri roetixn : dte a..

anroätferftano hervvrgegangenen Untnbeamten chllen bei geng- neter Befähigung in die mittlere Beatmenlanwohn anfruaen können.

* Dc r Lahnkanalverein hielt geitrm seine Haupt­versammlung in Wetzlar ab. Syndikus Dr. Mclscke - Wetzlar bnichtete über den gegenwärtigen Stand der Markierungsfrage, während Direktor Bausa von Limburg über das Lahmcki^ sprach. Tie nächste Hauptversatnmlung soll in Nrederlahnstein statt finden.

* Ter Ga uturntag des Gaues & ff ^Eltr gestern den Fabrikänten Dilh. Metzger von Marburg < *um Gmivrrtreln und Kirchhain als Ort des Gauturntestes 1.114.

* Der Buuevsche Gesangverein hielt gestern nachmittag aus Anlaß seines 49. Stiftungsfestes in der neuen Universitätsaula ein sehr gut betuchtes Konzert ab. Den Hauptanteil des reichhaltigem Programms hatte der stattliche Ehor des Vereins. Wohl 100 Mann start betrat er das Podium und sang mit gleicher Sicherheit schwierige Kunstchvre und anmutige Volkslieder. Die Ein­sätze erfolgten tadellos sicher und gleichmäßig und nament­lich der Tenor sang mit frisckzer klangschöner Stärke. Mupk- lehrer Gör lach kann mit dem Erfolg, den er mit seinen Sängern erzielte, vollauf zufrieden fern. Als Solisten hatte der Verein den Konzertfänger Lllbert M ii n dt^au-5 Frank­furt gewonnen. Er sang mit feiner hübschen Tenorstimme einige Lieder warm und herzlich und zeigte in der Arie aus demTroubadour" seine glänzenden Stimmittel, die namentlich in der Höhenlage wunderbar schön und kräftig klangen. Herr Julius Hahn von hier führte die Be­gleitung der Gesänge verständnisvoll durch und bot selbst einige Stücke auf dem Klavier, die er mit gewohnter Meister- schast in Auffassung und Technik durchführte.

** Die Feldschützen der Provinz Ober Hessen baten nunmehr auch einen Verband gegründet. Gestern tagte eine gut befuckte Versammlung im Lenzschen Felsenkeller. Hauptsächlich wurden die mißlick>en GehallSverhältnisse ter Gemeinteslunckützcn besprochen. Es gibt Flurschützen mit 100 Mark Iabresgehalt. In einer Eingabe soll die Regierung um Abhilfe gebeten werten, die Gehälcer fallen nach Größe der Gemarkung unb ter Gemeinde behördlich festgelegt werten und zum mindesten soll der ortsübliche Tagelohn gesordert werden. Die Einreibung sämtlicher Flur- schützen ins Beamtcnfürsorgegesetz wird aiigestrebt.

** Eine Roheit. Am Samstag mittag schlug ein Bier reisender in der Mcsttkestraße einen 7jährigen Jungen, der den Prioatgang zwischen den Häusern Mvltkestraßc 26 und 28 passierte, so mit einem icbrocren Spazierstock auf die Backe, öaii das Fleisch in Lappen herunter hing und nur noch die innere Schleimhaut ganz war. Die Wunde wurde von einem Arzt mehrfach zugenäht. Rur einem glücklichen Zufall ist es .zu ver­danken, wenn der Hieb nicht 2 Fingerbreit höher iaß, das Kind wäre sonst bei dein wuchtigen Sckstage sofort tot gelvesen. Der rohe Mensch ließ das schwerverletzte Kind liegen, er wurde trotz seiner schnellen Flucht in fein Haus von mehreren Zeugen er­kannt und der Staatsanwaltschaft ängstigt.

Landkreis Gießen.

3. Lollar, 9. März. Ein d reif a ches seltenes Familienfest feiern die Eheleute 2. Frank IIL, Eifen­bahnassistent hier, am Dienstag, nämlich ihre silberne Hochzeit, den fünfzigsten Geburtstag des Ehemanns und die Taufe des ersten Enkelkindes.

Lich, 9. März. Durch verschiedene Zeitungen ging kürzlich die Notiz, daß die Aufhebung und Verlegung deS l)ieftgcn VorscminarS schon in nächster Zeit bevorständc, da für das neue Schuljahr für die unterste (6.) Klasse noch kaum Anmeldungen eingelaufen seien. Diese Nachricht ent» pricht nicht den Tatsachen Für die Aufnahmeprüfung liegen, rotzdem sie erstmalig schon vor Ostern im Laufe dieser Woche iattfinbet, eine schöne Zahl Anmeldungen vor, so daß der Fortbestand der Anstalt nicht gefährdet erscheint. Auch haben die letzten Kammerverhandlungen erwiesen, daß man an eine Verlegung deS Vorseminars noch nicht denkt.

Starkenburg und Rheinhessen.

m. Offenbach, 9. März. Unter zahlreicher Beteiligung fand heute mittag die Beisetzung des Reallehrers a. D. Luowig Stahl statt, der sich namentlich auf dem Gebiete des Turn wesens Verdienste erworben hat. Das Sanitatskorps, dessen Ehrenvorsitzender der Verstorbene luar, eröffnete den Leichenzug. Nach dem letzten Scheidegruß der Offenbacher Turnersänger Stumm schläft der Sänger" hielt Pfarrer Palmer eine ein­drucksvolle Grabrede. Geh. Sckulrat Jäger legte im Auftrage der Oberrealsckule am Friedrichsring einen Kranz nieder. Der Vertreter des Mittelrteinkrerses Krcisturnrat B o t z e-Frankfurt überbrachte deu Scheidegruß der Turner des 9. Turnkreises Weitere Kranzspenden widmeten dem Verstorbenen unter ent­sprechender Ansprache, ein Sextaner, dessen Ordinarius der Ver­storbene war, ein Mitglied des VereinsEcres", ein Mitglied des Feldbergansschusses, Gustav Danckruch namens der Offen­bacher Turnerschaft, ein Vertreter ter Turngcnreinde Ufingen, der Heimatstadt des Verstorbenen, Fritz Cloos namens des Vereins ehemaliger Oberrcalschüler, Zugführer Vogel- Darmstadt im Auftrag der Hauptkolonnc vom DHotcn Kreu^-Darmstadt, Kolonnen führet Wolf von ter Sanitätskolonne; ferner ließen Kränze niedcrlegeu Turngemeindc Hanau, Turngemeinde Offenbach, der evang. K-irchengcsangvcrnn, ter Turnverein Bieber, die städtische Oberrcalschule am Rathaus und der Turnverein Offenbach.

Kreis Wetzlar.

Wetzlar, 8. März. Ucber eine höchst seltsame Erbtet schiebung wirb aus bent benachbarten Wctdorf berichtet. Dort l»t fick ein mit Fichten bcivacksener, gegen 21Morgen großer Walbdistriktin zickzackförmigen, unregelmäßigen Grenzen aus feiner Lage berart verschoben, baß mau der Ansicht zuneigt, bic Erbbemegung sei durch vulkaiüsche Eimvirkung erfolgt. Der Erbboben (»t sick plötzlich von dem umliegenden Ge läute gelöst, so daß sick stellenweise 2vollen vou 12 Meter Tiefe und Breite gebildet baten, wobei sich noch verschiedene un natürlidx Erholungen und Senkungen ter ganzen Bodenfläche gezeigt baten. Datz bic Erdbewegung infolge gewerblicher Unter Höhlung entstanden sei, ersckcint ausgeschlossen, ebenso daß ein Erdrutsch stattgesunden haben könnte. Aus Ergebnisse der iach- ncännischen Untersuchung dieser Erbbttoegung ist man hier gespannt.

Hkssen-Rassau.

(1 Marburg, 8. Mär; Der orbent I idi c Voran­schlag der Stadl ter mit 1534 700 MT absckstießt, wurde in zwei Sitzungen der Stadtverordneten burthteratm und ge­nehmigt Die vor zwei Jahren auf 182 Proz. ter Realsteuern und 160 Proz ber Ein kommen steuer herabgesetzten Zuschläge bleiben diesmal testeten, trotzdem die Ausgaben um rund 90000 Mark gestiegen sind. Unter bat Ausgaben steten bic für Bil- c ungsanstaltcn nrii 488 592 MI. an der Spitze Die Vermögens­verwaltung erfordert 390 126 Mk., die Bauverwaltung 90 288 Mark, die Steuer Verwaltung 162 550 Mk. Diesen Ausgaben steten an Einnahmen gegenüber aus Bilbungsanstaltcn 203 452 Mark, aus der Vermögeusverwallung 197 890 Mk., aus der Bauverwaltung 87 107 Mk., aus Gemcindevustalten 169 418 Mk und aus Steuer-rträgcn 726 800 Mk. Von bem Nebenvoranschlag eien erwähnt ter der Ejasanstalt. ter nul .378 ROO M7 ab schließt. Das städtische Dafferwe-.k sckließr ab mit 133 260 Mk das Elektrizitätswerk nut 206100 Mk , bu Straßenbahn mit 185 000 Mk , bic städtische Oberrealschnle mit 137 800 'IRt tes . Lyzeum mir 75 400 Mk und bic Volkslckulen mit 205 000 Mk

Ter Voranschlag ter außerordentlichen Einnahmen and Lusqatet

. 1 t 5637M Mk. 3Gt allgemeinen tetgri bette Vrnau' r 1 ein Bild gesunder Entwuklnug ünvriüten ttanr.nroefir.

fc. Frankenberg, 9. März. Die älteste Frau unserer Stadt, Witwe Wetter, ist, 91 Jahre alt, ver­storben.

fc. Hattersheim, 9. März. Dem Landwirt Wilhelm Schlockcr von hier wurde gestern von einem Auto ein wertvoller deutscher Schäferhund (Wert 200 Mk.) über- fahren und getötet.

X Hanau, 9. März. Ein aus Hailer bei Gelnhausen 'lammender getvisser Konrad Römer hat der KretSzeitung einen Brief übermittelt in dein er miiteilt, daß er mit siebzehn anderen Deutschen in Marseille für die Fremdenlegion an- geworben, aber zur Nachtzeit toieder entkommen und mit Interstützung eines deutschen Landsmannc« nach Metz gereist sei. Unter den für die Fremdenlegion angeworbenen Deutschen habe sich ein desertierter Unteroffizier befunden, der einem französischen Offizier eine Zeichnung über die Festung Ebren- breitenftein übergeben habe und dafür mit Geld belohnt worden sei.

w Frankfurt, 9. März. Der Kronprinz und die Kronprinzessin wohnten heute früh dem Preisreiten im Hippodrom bei. Nach dessen Beendigung folgten sie einer Einladung des Prinzen und der Prinzessin Friedrich Karl von Hessen, wo sie zu Abend speisten. Um 10 Uhr 23 Minuten erfolgte die Abreife nach Berlin, wo die Herr­schaften morgen früh um 7 Uhr 35 Min. auf dem Anhalter Bahnhof emtreffen werden. Trotzdem die Zeit der Abfahrt nur wenigen bekannt war, hatte sich eine zahlreiche Zuschauer- mengc am Hauptbahnhofe eingefunden, die dem Kronprinzen- vaar herzliche AbfchiedSgrüße darbrachtc. Am Zuge hocken sich zur Verabschiedung Prinz und Prinzessin Friedrich Karl von Hessen und General v. Bissing eingefunden.

w. Wiesbaden, 8. März. Der erste besoldete Bei­geordnete und zweite Bürgermeister Karl Glaessinq-Wies­baden ist als erster Bürgermeister der Stadt Wiesbaden für die Dauer von 12 Jahren bestätigt und ihni der Titel Ober­bürgermeister verliehen worden.

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vereinrnachrichten.

** Die Hauptversammlung des Lesehallen» Vereins findet am Mittwock abend im Hotel Schütz statt.

** Der Vogelsberger Höhenklub, Zweigvcr- ein Gießen, hielt am Samstag abend sein 5. Stifungs» f c st in Steins Garten ab, das bei sehr gutem Besuch in bester Weise verlief. Das sehr reickhalttzze Programm bestand aus Musikvorträgen, gemeinsamen (tesängsn und humoristiscken Bor- trägen Das SingspielGuten Morgen, Herr Fisches wurde reckt flott gespielt Der Vorsitzende, Redakteur Heß, hielt die Festansprache und nahm auch später die Dekorierung der fleißig­sten Wanderer vor, die er sämtlich mit Wandersprüchen bedachte. Es erhielten die Auszeichnung: Zum erstenmal: Klara Becker mit 12 Wanderungen, W. Sckwalb mit 12, Liesel Hainbach mit 11, E. Fciser mit I I, Fr. Heger mit 11, F. Laukhard mit 11, H. Will mit 11 und 4 Mar kierungswanderungen, Anna Bender mit 10, E. Birnbaum mit 10, F. Eorvinus mit 10, O. Guckahr mit 7 und 10 Markierungswandernngen, O. Jung mit 10, Th. Mergelt mit 10, Theo Nauheimer mit 10 Wanderungen. Zmn zweitenmal: I. Wcisbauvt mit 11 Wanderungen, Emmy Kohlcrmann mit 10, Aug. Kohn mit 10, Ferd. Schütz mit 4 mtb 9 Markierungswanderungen, Earl Wenzel mit 6 Wande­rungen und 10 Markierungswanderungen. Zum drittenmal: Anna Mühlenbein mit 12 Wanderungen, Aug Hauck mit 11, Adam Reinig mit 10, Rud. Hahn mit 10, Emma Wagner mit 10, Earl Gaul mit 8 Wanderungen und 2 Markierungswunderungen Zum viertenmal: Louis Ma bl mit 12 Wanverungen, E. Andrea mit 11, Gg. Matthaei mit 5 Wanderungen und 6 Markierungs­wanderungen. Zum fünftenmal: Ehr (Seorg mit 12 Wande­rungen und 5 Markierungswanderungen, E. Faber mit 10 Wande­rungen und 6 Markicrungswandcrungcn.

X Großen-Lindcn, 9 März. Letzten Samstag battt« sich unsere Vereine zu einem gemeinsamen Unterbot- tungs abend in der Turnhalle zusammengefunden Lehrer O ß w a l d - Bad-Nauheim hielt einen Vortrag über die hessi­schen Truppen in Rußland 1812 und die damaligen Erlebnisse des von hier stammenden Leutnants Pepplcr. Bürgermeister, Leun verglich jene Zeiten mit beute und forderte auf zu Bei­trägen zum Bismarck Natwnaldcnkmal: eine Sammlung ergab einen ansehnlichen Betrag. Schülerinnen der Obcrklassc trugen geschichtliche Gedichte vor, Hch. Bichmann humoristische Dialekt- gedickte, Jul. Menges ein Seemannsgedickt Hufen- beiden Ge sangvereine erfreuten durck schöne (Ebene, der Turnverein durch zwei Riegen. Pb. ftrcntt bot ein kleines Festspiel, Georg Klingelhöfcr einen Frühlingsreigen, Lehrer Blaß erntete Beifall am Klavier. Bürgermeister Leun sprach dem Ver­anstalter des Unterhaltungsabends, Hauptlehrcr Bach, ebenso allen Müwirkcndcn, den Dank der Versammlung aus.

-? Dad-Nauhcim, 9. März. Der Jubiläa msver-- cinigung ehemaliger 116er für Bad Nauheim nnb Umgegend gehören jetzt auch die Orte Ober- und Nieder- Mörlen, Wisselsheim imd Rödgen an. Zusammen zählt der Bezirk 170 Mitglieder, die alle an der Gießener TVetcr teil» nehmen wollen. Ta Schwab cher zum Bezirk ,,Wet»

tciou" ;ählte, noch der Bad Nauheimer Bereinigung bei treten wird, dürfte sich die Zahl ter Mitglieder auf 20Ö erhöhen. Vorsitzender ist Polizcikommissar Sckildwäckter, der dem engeren Vorstand der Gesamtvereinigung angel-ort.

Bad-Nauheim, 10. März. Der Gründung einer Ortsgruppe ber Deu ts che n Kolon ralgescll sch ast gedenkt man hier näher zu treten. Am Mittwoch abend wird aus diesem Grünte Hauptmann Leszncr vom Jni Regt. Nr. 168 einen Lichtbildervorttag über koloniale Grund- und Tagesfragen halten^

Reichsgerichtsbrief.

js. Leipzig, März 1913. Die lustige Witwe" vor dem Reichsgcricht.

Mit der Frage, ob die bekannte OperetteD i e lustige Witwe" ein Plagiat ist und deshalb ihre Aufführung ver­boten werten kann, hatte sich am 8. März das Reichsgericht zu beschäffigen. Es handelte sich um folgenden Sackverhalt:

Der frairzosischc Dickster Henry M c i l h a c bat im Jahre 1861 ein LustspielL'Attache d'Ambassade" geschrieben, daS 1871 in deutscher Uebcrictzung von Förster rm Rcclamschen Ver­lag erschien Das Lustspiel wurde am 21. April 1882 am Ham­burger Stadttheater zum erstenmal in Deutschland aufgeführt, ver­schwand dann aber bald von ter Bildfläche Meilhac starb im Jahre 1907. Sein Erbe, der Schriftsteller Louis Ofranberaj in Paris, behauptet nun, der von Victor Leon und Leo Stein geschriebene Tert ter Leharschen OperetteDie lustige W i t w e" stelle sich als eine unbefugte Benutzung ter deutschen Uctersctzung des Mcithacschen Lustspiels dar. Tic Firma Felir Block Erben in Berlin hat von den Dicktcrn und dem Komponisten derLustigen Witwe" das aus­schließliche A u f f ü b r u n g s r c ck l erworben. Ganderar strengte nun ;unäckst vor den Pariser Gerichten erneu Rechts­streit gegen die Firma Block an Dieser Prozeß endete mit einem Verglcick über Ausführungen in Frankreick, ber Schweiz, Belgien und Monaco Später erhob dann Ganterax vor dem Landgerickst I w Berlin eine Klage gegen die Firma Mock nrit oem Anträge: der Beklagten zu untersagen, einer deut­schen Bühne die Erlaubnis zur A u f f ü h ru n g d er OperelteDie luftige Witwe" zu erteilen, ferner dem Kläger iur die bisherige unberechtigte Aumrhruag Schadensersatz i zahlen nnb über die bisher erzielten Gennnne Rcchtmng zu legen.

Das Lavdgeri<r bat die Klage abgewiesen und das 5l amm erge r tdjt Berlin gelangte ebenfalls zur Ab-