Ausgabe 
10.10.1913 Zweites Blatt
 
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Aus Stadt und Land»

Gießen, 10. Oktober 1913.

Die GroKhcrzoqliche Prüfungskommission für das Font fach erläßt eine Bekanntmachung, wonach i»:c schriftliche Staatsvrüfun g für den höheren Forst­dienst am 6. November d. Js., vormittags 81/» Uhr, zu Darmstadt im Prüfungslokal beginnt. Gesuche um Zu- lassung zu dieser Prüfung sind unter Verwendung des Ein- gabcstemvels von 1,50 Mk. spätestens bis zum 20. Oktober Ifi). Js. bei der Ministcrialabteilung für Forst- und Kameral- verwaltung einznreichen.

** Der Hauptausschuß des 9llice-Frauen° Vereins für Krankenpflege im Großherzogtmn Hessen teilt mit, daß die Groß Herzogin Eleonore auf die von der Kaiserin Auguste Viktoria an sie gerichtete Bitte zugesagt hat, den vom 13.17. Oktober in Darmstadt stattfindenden Verbandstag der Deutschen Frauenvereine vom Noten Kreuz unter ihren Schuh zu nehmen. Es wird noch besonders darauf aufmerksam gemacht, daß der Zutritt nur gegen Ein­trittskarten gestattet ist, die vom Hauptausschuß des Alice- Fcauenoereins in Darmstadt ausgegeben werden.

**Samoa, unsere schönste Kolo nie" lautete das Thema eines öffentlichen Vortrages von Professor Dr. Georg Wegener-Berlin, des zweiten Vortrages von der Reihe derer, die der Kaufmännische Verein und der Orts­gewerbeverein für den Verlaus dieses Winterhalbjahres planen. Die große Universitätsaula war am Donnerstag abend bis auf den letzten Platz besetzt. Mit Interesse folgten die Hörer dem gehaltvollen Vortrage, der dank den gründ­lichen Studien des Vortragenden an Ort und Stelle ein klares, sachliches Bild von Samoa entrollte. Nicht genug zu danken ist dem Redner dafür, daß er seine Meinung und Er­fahrung in einer volkstümlichen, leicht verständlichen Form zum Ausdruck brachte, so daß jeder den Ausführungen mühe­los folgen konnte. Der Vortragende ging zunächst auf die äußere Lage der Samoa-Inseln und auf ihre Entstehung ein, die bekanntlich in vulkanischer Tätigkeit und dem Bap von Korallentierchen zu suchen ist. Das Klima hat neben starken Niederschlägen einen ausgesprochen tropischen Cha­rakter (25,7° 6). Die Vegetation ist kolonial, d. h.eingewan­dert", desgleichen die Fauna. Sehr unterhaltend wußte Pro­fessor Wegener über den als Leckerbissen hochgeschätzten, sel­tenen Palolo Wurm zu plaudern. Den Hauptreiz des Landes bildet jedoch die Bevölkerung selbst in ihrer unbegrenzt lie­benswürdigen Höflichkeit gegen Fremde ein sittlich hoch­stehender, schöner Menschenschlag. Bon ihrem Leben, ihrer Geschichte und ihren Sitten sprach der Vortragende und ver­stand, seine Hörer durch humorvolle Episoden zu fesseln. Treffliche Lichtbilder gaben dem Vortrage einen an­mutigen Abschluß.

** Das Lichtspiel-Haus Bahnhofstraße 34 hat von morgen, Samstag, an wiedergroße Tage". Es wird der KunstfilmJone oder die letzten Tage von Pompeji" vor­geführt. Bei etwa 2V» stündiger Spieldauer wird den Be­suchern ein Schauspiel in 6 Akten vorgeführt, das auf dem bekannten Roman von Edward Bulwcr aufgebaut ist. Das Werk zählt zu den besten Erzeugnissen auf dem Gebiete der Kinokunst, da es den bekannten FilmQuo vadis weit über­trifft. Aus dem Inhalt entnehmen wir eine Reihe packender Szenen wieDer Ausbruch des Vesuv", der Brand der : Stadt, die Flucht des Volkes, die gewaltige Arena, sowie die herrliche Darstellung der Naturbilder. Wie ein Wunder wirkt es, dieses prunkvolle Bild der alten Welt, in dem die menschliche Tragödie, düster durch die Künste der Zauberer, herrlich durch Jones Liebe, zuletzt von dem majestätisch ge­bieterischen Bilde der vom Vernichter Vesuv entfesselten Ele­mente gekrönt wird. Bei der Aufnahme des Films wirkten über 3000 Personen mit. Der gute Ruf, den dieses Theater in Gießen genießt, wird wieder durch Vorführung dieses Kunstfilms aufs neue bestätigt, zumal die allseitig anerkannt vorzügliche Musik die Films weit über den Rahmen der sonst üblichen Vorführungen erhebt.

Landkreis Gießen.

** Treis a. b. L., 8. Okt. Gestern abend fanden sich vmr Einladung der hiesigen Bürgermeisterei die Vorstände der hiesigen Vereine, des Kirchen- und Schulvorstandes zu­sammen, um über eine gemeinsame Feier des 100. Jahres­tages der Schlacht bei Leipzig zu beraten. Man kam dahin überein, am Nachmittag des 19. Oktober die vom Obstbauverein angebotene Eiche in feierlicher Weise auf einem geeigneten Platze in der Nähe von Villa Felseck zu pflanzen und am Abend in Mills Saal einen Familienabend abzu­halten, zu dem ein eingehendes Programm, bestehend ans Vorträgen, Deklamationen, musikalischen und turnerischen Darbietungen, aufgestellt wurde. Nächsten Sonntag wird hier das Erntedankfest gefeiert.

= Steinbach, 8. Okt. Am letzten Sonntag abend sand in der Gerlachschen Wirtschaft eine Besprechung der Ver­treter der hiesigen Gemeinde und Vereine unter dem Vorsitz des OrtSgeistlichen über die Jahrhundertfeier statt. Hiernach soll sie auch in unserer Gemeinde entsprechend ge­feiert werden. Am 18. Oktober wird nach der Schulfeier in Gegenwart sämtlicher Schüler mit ihren Lehrern und dem Schul- und Ortsvorstand auf bem Lutberberge eine Ge - dächtniseiche gepflanzt und zwar während des kirchlich angeordneten Festgeläutes. Abends V38 lUjr findet Fackel- §» g der hiesigen Vereine nach dem Lutherberge statt, wo­selbst ein Freudenfeuer abgebrannt werden soll. Hiernach gibt es eine Nachieier der beteiligten Vereine im Gerlachschen Saale. Am 19. (Sonntgg) halten sämtliche Vereinc K irchenva rade. Die beiden Gesangvereine haben ihre Mitwirkung an dem Festgottesdienst zugesagt.

L i ch, 9. Okt. Gestern abend tagten auf Anregung des Bürgermeisters Dörmer die Vorsitzenden der hiesigen Vereine im GasthausHolländischer Hof" zu einer Be­sprechung über Abhaltung einer Jahrhundertfeier in Lich. Die Anwesenden brachten reges Interesse zu einer ge­schmackvollen Veranstaltung zum Ausdruck. So mürbe z. B. am Samstag, 18. ds. Mts., mittags von 12 bis 12'> Uhr das Läuten der Kirchenglocken und die feierliche Anpflanzung der von dem Kreisobst- und Gartenbauverein Gießen zu diesem Zweck unentgeltlich gelieferten Erinne­rungs-Eiche auf dem Adlerplatz vorgesehen. Für den Abend wurde die Abbrennung eines Freudenfeuers auf dem nahen Galgenbcrge, danach ein Fackelzug durch die Stadt nach Steins Saal und dort ein gemütliches Zusammensein vor geschlagen. Das Ende der Veranstaltungen würde am Sonn­tag morgen eine Kirchen Parade sämtlicher Vereine bil­den. Alan hofft, daß die Gemeindevertretung den Vorschlä­gen der Versammlung die Zustimmung erteilt.

Kreis Lauterbach.

~ Freienstein a u, 9. Okt. Am 1. November b. I- tritt ans ber hiesigen Ge n d a rm er i e st a t i o n ein Wechsel der Beamten ein. Fnßgendarm Wachtmeister Wulff ist für den 1. November nach Nieder - Ohmen unb Fußgendarm Wachtmeister Steuernagel von da nach Freiensteinau ver­setzt worben.

~ Grebenhain, 9. Okt. Am 18. Oktober finbet ans Anlaß ber Jahrhundertfeier eine von sämtlichen hiesigen Vereinen geplante größere Festlichkeit statt, wobei eine Linde zum Andenken an die Befreiung Deutschlands vom franzö­sischen Joch gepflanzt werden soll. Das Gelände dazu hat die Kreisstraßenverwaltung zur Verfügung gestellt.

Kreis Friedberg.

L. Friedberg, 8. Okt. Ende dieses Monats be­ginnen in unserer Umgebung, Friedberg, Bad-Nauheim, Ober-Nosbach usw. die Gastspiele des Nhein-Main- Verbandes. Sehr interessant sind eben die in Buchform erschienenen Aufsätze Friedberg und Bad-Nauheim vor 50 Jahren.

Kreis Wetzlar.

w Wetzlar, 9. Okt. Am Sonntag feierte zum zweiten Male in größerem Kreise der hiesige evangelische Jung­frau en verein im Saale des Schützengartens sein Jahres­fest. Die Begrüßungsansprache hielt Pfarrer Lühl; Pfarrer Wieber-Garbenheim sprach über Eph. 4,2021.

r. Naunheim, 9. Okt. Im Gegensatz zu anderen Gemeinden hatte unser Dorf eine ü berreiche Obsternte. Wurden doch an einem einzigen Apfelbaume 1213 Pfund Aepfel geerntet.

Hessen-Nassau.

A Bieber bei Nodheim, 8. Okt. Die neu zu er­richtende dritte Sch ul stelle wird durch Lehrer Fr. Sommer auS Oberscheld besetzt. Es fehlt einstweilen an dem erforder­lichen Unterrichtsraum; die Zahl der Kinder ist auf 150 ge­stiegen. In früheren Jahren gingen die Kinder nach Rodheim zur Schule.

X 91 u§ dem Sche ldetal, 8. Okt. Der Gruben­betrieb des Fiskus erfährt fortgesetzt eine Einschränkung. GrubeEisenzeche-Steinberg" ging durch Kauf an die Firma Grün-Dillenburg über, aufBeilstein" ruht der.Betrieb und nun wird auchPrinzkessel" stillgelegt. Es wird somit nur noch aufNinkebach",Königszug" undSchöner Hoffnung" gearbeitet. Im Interesse unserer vielen Bergleute ist diese Betriebseinschränkung sehr zu beklagen.

sj Diarbürg, 7. Okt. Das unter der Direktion des Herrn Hermann Steing o etter stehende hiesige Stadt­theater begann heute seine diesjährige Spielzeit in den Stadtsälen mit Heinrich v. KleistsPrinz von Homburg".

,= Frankfurt a. M., 9. Okt. Der Störenfried im Damen- ^teiL Während der Fahrt des fahrplanmäßigen Personenzuges 1110 Uhr abends ab Hauptbahnhof Frankfurt a. M. nach Darm- i^vt sprang plötzlich ein bis jetzt noch Unbekannter in ein Frauen- abtell 3. Klasse, in dem sich drei Damen von Buchscblag und Langen befanden. Auf Verhangen der einen Dame, das Abteil zu verlassen, benahm er sich äußerst roh und auf der Station Lonösa rief die Dame den diensttuenden Schaffner zu Hilfe. Da der Mensch auch dem Schaffner kein Gehör schenkte, rfog der Schaffner die Notbremse, wodurch der Zug zum Stehen gebracht wurde. Ms nun das Bahn­personal herbeieilte, um seiner habhaft zu werden, sprang er auf der anderen Seite des Wagens hinaus und verschwand.

wandern und Reisen, Söder.

Rund um Gießen.

Gießen Waldhaus Sauwasen Schmelz. (Mitgeteilt vom V. H. C. Gießen.)

Diese Wanderung kann als eine der schönsten in der Um­gebung von Gießen bezeichnet werden. Der Aufmarsch zum Wald­haus (Gleiberger Forsthaus) kann durch drei verschiedene Täler: das Wißmarbach- lschlvarze Striche), das Gleibach- (gelbe Punkte) und das Fohnbachtal (grüne Punkte) erfolgen. Sämtliche drei Täler, die sich untereinander durchaus nicht gleichen, sind von eigenartiger Schönheit. Während das Wißmarbachtal, das wegen der vielen Dornschlehhecken durch seinen Vogelreichtum bekannt ist und das Fohnbachtal mit prächtigem Rückblick auf Burg Glei­berg von hohen bewaldeten Bergen eingeschlossen sind, haben die Berge im Gleibachtal mildere Formen. Sämtlichen drei Tälern aber ist eine erquickende Ruhe und friedliche Stille eigen, die nur durch Vogelsang und die langgezogenen Schreie der in den Lüften schwebenden Habichte, die dort stets anzutreffen sind, unter- brocken wird. Der Weg von Wißmar, wo das erste Tal bezw. .fkrofdorf, wo die beiden anderen Täler ihren Ausgangspunkt haben, dürfte ungefähr U/s Stunden beanspruchen. In der gast­lichen Försterei ist einfache, aber gute Einkehr. Von hier aus gehen wir den gelben Punkten nach den Kärchverser Weg entlang, den wir nach geraumer Zeit verlassen, wo uns ein dunkler Fichten­wald aufnimmt, der nur ein kurzes Stück von Buchenwald unter­brochen wird und den wir bis zu seinem Rande durchwandern. Beim Austritt aus dem Wald genießen wir ein überraschendes Panorama. Dicht vor uns eine hübsche Heidelandschaft mit Erika, Wachholder und Fichten bestanden, daran anschließend das breite Verstal mit freundlichen Dörfern und Mühlen und im Hinter­grund bic, hohen Berge der Gladenbacher Gegend. Der Weiter- marsch erfolgt zuerst am Waldrand entlang über einen tief ein­schneidenden Wiesengrund, den sogen. Sauwasen, den ein lustig plätscherndes Bächlein durchfließt und hierauf in mäßiger Stei­gung durch Buchenwald auswärts zu einem Höhenweg, der am Rande einer tiefen und langgestreckten Mulde herführt und wie­derum entzückende Ausblicke bietet. Von fern her grüßen Amöne­burg, Frauenberg und Spiegelslust, während bei einer Wege­biegung der Totenberg b. Allendorf, das hochgelegene Climbach, der Staufenberg, Altenberg usw. sichtbar werden. Rach ungefähr 1'/-stündiger, überaus genußreicher Wanderung gelangen wir am Endpunkte der Markierung, bei der Schmelz an, von wo man Zur Bahn nach Fronhausen (3A Std.) den sckyvarzen Punkten nach oder durch das Salzbüdener Tal nach Station Friedelhausen (1 Std.) gelangen kann.

Gießen Wieseck Hangelst ein Hohe Berg Großen-Buseck.

(Mitgeteilt vorn V. H. C. Gießen.)

Einen hübschen Nachmittagsausflug, der etwa 3 Stunden Zeit veanipriicht, hat uns der V. H. (X. Gießen erschlossen. Wir sclgen den Hauen Dreiecken, die am Justizgebäude beginnen. Diese fuhren über die Wiesen, am Rande des Philosophenwaldes her, em Stuck durch Wie,eck und gehen an der Ludwigsburg in den Langel)tcm, deflen hervorragendste Punkte, wie Schöne Aussicht, Felumkanzel, eufelskanzel, Unionslinde sie berühren und nuu- mehr abwechselnd bald durch prächtigen Wald, bald über Heide öv . lbn Daubrmger Paß den die Wegebezeichuuug über- WAtet, man einen schönen Blick zur rechten in das ^nieder -tat, wahrend lich 5ur linken dieRabenau" mit dem Totenberg herzieht. Nach ungefähr 2- , stündiger Wanderung trifft mau auf die von Climbach kommende rote Punktmarkierung Am Schnittpunkt der beiden Zeichen verlassen wir oie seither begangene Markierung und folgen den roten Punkten, die unöi in s/4 Stunden über den Hohe Berg nach Großen-Buseck bringen.

Gießen Forstl> aus Hock)wart Ganseburg Großen-Buseck.

(Mitgeteilt vom V. H. C. Gießen.)

Ein ebenfalls lohnender Nachmittagsgang, der namentlich, weil er viel durch Wald führt, zur heißen Jahreszeit empfehlens­wert ist, ist folgender: Hinter der Universitätsbibliothek beginnt die klaue Punktmarkierung. Dieser folgen wir dem Schreiber­weg entlang durch dasNizza" und den Gießener Stadtwald zum Forsthaus Hochwart. Das Wegezeichen gebt durch das An­wesen hindurch, verfolgt einen kleinen Waldpfad, um hierauf in einen breiten, schönen Weg zu münden. Prächtiger Buchen­wald begleitet uns zu beiden Seiten und breitet seine schützenden' Aeste über uns aus, ringsum feierliche Ruhe atmend. Nach einiger Zeit treffen wir im Distrikt Fernewald auf die gelben Striche, die nach £aubad) führen und uns ein kurzes Stück das Geleite geben. In der Nähe der Ganseburg verlassen wir den Wald, überschreiten die Reiskirchener Landßraße und kommen auf einem Feldweg, der kurz vor dem Endziel noch einen kleinen Wald zu passieren hat, nach Großen-Buseck, das sich von dieser Seite besonders malerisch ausnimmt. Auch dieser Gang nimmt ca. 3 Stunden in Anspruch.

Beide Wanderungen lassen sich auch zu einer genußreichen Tagestour vereinigen.

Sports

Der Deutsche Sportlehrer Dr. Alvin Kränze lein wird vom 20. Oktober bis 20. Dezember 1913 in Berlin einen Kursus für Sportlehrer abhalten. Kränzlein ist von deutschen Eltern in Amerika geboren und lange Zeit der beste Weiispringer und Hürdenläufer Amerikas und einer der besten Mehrkämpfer seines Landes gewesen. Bei den Olympischen Spielen in Paris 1900 ge­wann er vier Weltmeisterschaften, eine Leistung, die bisher nicht wiederholt wurde.

th. Gießen, 10. Okt. Militärisches Stankge - richt. Gestern tagte in der alten Kaserne ein Standgericht. An­geklagt war der Küfer P. E. R. E. Sch. von Gardelegen, der zuletzt in Attendorn in Arbeit gestanden hat, wegen Entziehung von vier Frühjahrs-Kvntrollversammlungen in den Jahren 1910/13. Sch. hat des Königs Rock nie getragen, sondern wurde als Train-Hand- wercker der Reserve zugeteilt. Dw 36jährige Mann befindet sich in militärischer Untersuchungshaft unL> trägt jetzt die Uniform der 116 er. Er ist wegen gleicher Vergehen zweimal mit einem und zwei Tagen Mittelarrest vorbestraft, hat auch kürzlich vom Bezirks- kommando Siegen, iveil er sich von 191013 bei den Bezirkskom­mandos nicht vorschriftsmäßig an- und abgemeldet hat, sieben Tagt Arrest bekommen, die er schon verbüßt hat. Sch. erklärt, er sei in den Jahren, wo er die Kontrollversammlungen nicht besucht hat, immer ohne eigentliche Arbeit auf Wanderschaft gewesen. Der Ge, richtshos erklärte den Bersäumnisgrund zwar als einen Milderungs­grund, erkannte ober trotzdem auf eine Strafe von acht Tagen Mittelarrest, auf die zwei Tage der Untersuchungshaft als verbüßte Strafe in Anrechnung kommen.

vermiete».

* Riaub. DieBossische Zeitung" meldet aus Berlin: Heute vormittag erschien in dem Baubureau des Architekten Endel am Kurfürstendamm ein junger Mann und fragte die allein an­wesende Kontoristtn, ob der Architekt zu sprechen märe. Auf die ver­neinende Antwort schlug er das Mädckfen nieder, daß es bewußtlos liegen blieb. Sodann erbrach er im Kontor sämtliche Behälter. Der Täter wurde bisher noch nicht ergriffen.

* Indische Eh ehindernisse. Daß in Indien Heiraten zwischen Angehörigen verschiedener Kasten ausgeschlossen sind, ist allbekannt. Aber nicht jeder weiß, was für lächerliche Anlässe oft zur Bildung neuer Kasten führen, und aus was für unglaublichen Gründen deshalb Eheverbote zwischen jungen Leuten entstehen können. Nicht nur jeder einzelne Beruf, jedes einzelne Handwerk stellt eine streng abgeschlossene Kaste dar, so daß z. B. der Schnei- derssohn nur eine Schneiderstochter freien darf, sondern auch die geringsten Abweichungen in der Ausführung der zünftigen Arbeit zerklüften sofort wieder die (Mde in neue Kasten, die sich gegenseitig verachten und sich gegenseitig ihre Kinder zum Ehe­bunde vorenthalten. So gibt es in einem Teile Indiens zwei Kasten von Fischern, deren ganzer Unterschied darin besteht, daß die einen beim Herstellen des Netzes die Maschen von links nach rechts arbeiten, während andere dies von rechts nach links tun. Heiraten können sich infolgedessen nur Fischerskinder, deren Väter dieselbe Richtung" einhalten. Ein Abweichen von der herkömm­lichen Arbeitsweise hat auch die Kaste der Milchmänner in zwei Klassen gespalten: die einen kochen nämlich ihre Milch vor dem Buttern auf, die anderen aber sparen sich diese Muhe. Beide Klassen wollen nun voneinander nichts wissen, und Hymens Bande können sich nur dort schlingen, wo die gleiche Methode des Butterns befolgt wird. Nach Angabe des Jndienkenners Richard Garbe läßt sich etwas ähnliches auch bei oen Töpfern in Süd- Bengalen beobachten. Wer kleine Töpfe on fertigt und beim Drehen der Scheibe sitzt, der darf sich keine Hoffnung machen, je in eine Töpferkaste ein heiraten zu können, in der große Töpfe im Stehen hergestellt werden! Vor diesen Beispielen fragt man sich un­willkürlich, wie Menschen es fertig bringen, sich solchem Zwang zu unterwerfen. Aber der Verlust der Kaste, der mit einer ungleichen Ehe verbunden ist und ein jammervolles Dasein zur Folge hat, läßt eben für jedermann, der nicht vom Hauche europäischer Kultur angeweht ist, die Kastenheirat selbstverständlich erscheinen. Ein in der Ehe unglücklich gewordener Inder, der zu einem Europäer Vertranken gefaßt hat, äußert ihm gegenüber wohl Klagen über die Sitte der .Kinderheiraten und meint, besser wäre es gewesen, wenn er sich in reiferem Alter hätte selbst ein Mädchen wählen dürfen; charakteristischerweise aber sagt er stets dabei: Ein Mädchen aus meiner Kaste!

Märkte.

fc. Frankfurt a. M. D i e h h 0 i-Ma r k t b e r i ch t vom 9. Okt. Austrieb: Rinder lio, Ochsen 2?, Bullen 8, Kühe und Färsen 86, Kälber hi3, Schale 307, Schweine 1240.

Tendenz: Kälber, Schafe und Schweine geräumt.

Preis für 100 Pfd. Lebend- Schlacht gewicht

Kälber. Mk. Mk.

Feinste Mastkälber 7072 117 120

Mittlere Mast- und beste Saugkälber . . . 63-68 107115

Geringere Mast- und gute Saugkälber . . . 5862 98105

Schale.

Ctallmastschche:

Mastlämmer und jüngere Masthaininel . . 4345 9296

Acltere Masthammel, gut genährte junge Schafe

und geringere Mastlämmer...... 36-38 8690

Schweine.

Vollfleischige Schweine non 80-100 kg

Lebendgewicht 63.0065.03 82.00-8403 Vollfleischige Schweine unter 80 kg

Lebendgewicht 62.5065.00 81.0083.0) Vollfteischige Schweine von 100120 k»

Lebendgewicht . 63.0066.00 80.0082 04

Vollfleischige Schweine von 120150k?

Lebendgewicht........ 63.0066.00 81.0083.0)

95cim Automobilsport, beim Reunsport mtb vielen anderen Sportsarten hängt der Erfolg und oft das Leben von der ruhigen und sicheren Hand und von höchster körperlicher Leistungsfähigkeit ab. Da das Eoffein Herz, Nerven nnd fonstrge Organe schwächt, so bevorzugen wissende Sportslcute den koffeinfreien Kaffee Hag.