Ausgabe 
10.10.1913 Erstes Blatt
 
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Telegrammwechsel zwischen Puanschikai und dem deutschen Kaiser.

Aus Anlaß der Wahl B u a n s ch i k a i s und der An­erkennung der Republik China wurden zwischen dem Prä­sidenten und dem deutschen Kaiser freundliche Telegramme gewechselt.

Neue Greuel in Mexiko.

Privatnachrichten aus Mexiko bestätigen das Gerücht, daß die Aufständischen in T o r r e o n ein großes Gemetzel unter den Spaniern angerichtet haben. 175 Spanier sollen angeblich getötet worden sein.

Ans Stadt rind Land.

Gießen, 10. Oktober 1913.

** Tageskalender für Freitag, 10. Olt. Stadt- theater:Rater 2 a m p e". Abends 8 Uhr.

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An unsere Mitarbeiter richten wir das dringende Ersuchen, auf ihren Einsendungen ihren Namen und Wohnsitz zu vermerken.

* * Lehrerpersonalien. Uebertragen wurde am 6. Oktober d. I. dem Lehrer Julius Gremm zu Romrod eine Lehrerstelle an der Volksschule zu Neu-Isenburg; dem Lehrer Friedrich Herth zu Maar eine Lehrerstelle an der Volksschule zu Erzhausen; dem Lehrer Friedrich Kranß- müller zu Wingershausen eine Lehrerstelle au der Volks­schule zu Ober-Ramstadt: dem Lehrer Adolf Scbultheis zu Ulrichstein -eine Lehrerstelle an der Volksschule zu Gräfen- hausen.

* * S chu l a n g e l e g e n h e it e n. Erledigt sind eine mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende Lehrerstelle in Groß-Eichen und eine Leyrerstelle für einen evangeli­schen Lehrer zu Ober-Beerbach. Mit dieser Stelle kann die Hälfte /des Orga.nistendienstes verbunden werden.

* * Erledigt ist die Stelle des Bezirkskassiers der Großh. Bezirkskasse Bingen vom 1. November d. I. ab.

* Gießener Eisenbahnfragen. Der Oberbürger­meister teilt uns unterm 9. Oktober mit: Mit Bezug auf den ArtikelGießener Eisenbahnfragen" in der heutigen Nummer Ihrer Zeitung ersuche ich ergebenst möglichst bald mitzuteilen, daß nach der letzten Stadtverordneten-Sitzung. nämlich am 24. September, die von der Königlichen Eisen­bahndirektion erbetene Auskunft eingegangen ist. Danach hat die Eisenbahndirektion Entwürfe für eine umfangreichere Er­weiterung des Bahnhofs Gießen nicht aufgestellt und von einer Verlegung eines Teils des Rangier­geschäfts von Gießen nach Wetzlar und Lollar i st ihr nichts bekannt.

* * Kinderlähmung ist eine eigenartige Form der Lähmung, bei der in den ersten Lebensjahren ganz plötzlich unter Delirien, Krämpfen und hohem Fieber vollständige Lähmung der Beine eintritt, die weiterhin zu fettiger Ent- orhtng und Schwund der Muskulatur und zu mannigfachen dauernden Verkrümmuug-en der Fußgelenke führt. Das Wesen dieser Krankheit besteht in einer herdweise auftretenden Entzündung der vorderen grauen f/r»e" des Rückenmarks, aus denen die Bewegungsnerven entspringen. Wir kommen demnächst ausführlich auf die Krankheit zurück.

Stempelpflicht bei Zwangsversteigerungen. Der Deutsche Handelstag hat die Handelskammern zur Stellungnahme über einen Antrag der Aeltesten der Kauf­mannschaft von Berlin aufgefordert, der eineAbänderung des Stempelgesetzes dahin erstrebt, daß bei Zwangsversteigerungen jede Stempelpflicht fortfällt, jedenfalls aber die Stempelpflicht für den Fall beseitigt wird, wenn ein Hypotheken- und Grund­schuldgläubiger zur Rettung seiner Forderung das Grundstück in der Zwangsversteigerung erwirbt.

** Landwirtschaftliche Haushaltungs- schulen. Die .Landwirtschaftskammer Darrn- st a d t eröffnet am 3. Januar 1914 den ersten fünfmonat­lichen Haushaltungskursus für das Jahr 1914 an ihren Haushattungsschulen zu Langen und Lind heim. Ter praktische und theoretische Haushaltungsunterricht erstrecki sich auf die Anleitung im selbständigen Kochen mit Rück­sicht auf die Bedürfnisse des ländlichen und bürgerlichen Tisches, Zubereitung und Aufbewahrung der Speisen, in der Küsebeveitung, Federviehpflege, Gartenwirtschaft, im Waschen und Bügeln, Reinhalten des Hauses, Buchführung. Da in diesem Kursus auch ein sehr gründlicher Handarbeits­unterricht, hi welchem das Stricken', Wäsche-Schnittzeichnen, Wäschezuschneiden, Hand- und Maschinennähen, Ausbessern erlernt wird, da ferner auch allgemein bildende Fächer wie Aufsatz, Rechnen, Singen, Gesundheitslehre und Kranken- pslege gelehrt werden, ist die Teilnahme an dem Unterricht nicht nur Tächtern von Landwirten, sondern auch denen des Mittelstandes sehr zu empfehlen. Für Unterricht und Logis sind 'für 'ben Mirsus für Hessinnen 25 Mark, von Nicht- hessinnen 40 Mark zu bezahlen. Die Kosten für Verpflegung berechnen sich nach der wirklichen Aufwendung. 2lnmel- dungen zur Teilnahme an dem am 3. Januar 1914 be­ginnenden Kursus sind an die Ortsschulkommissionen der Haushaltungsschulen zu Langen und Lindheim zu richten.

**Der städtische Seefisch-Markt, welcher gestern nachmittag wieder eröffnet wurde, war um 3 Uhr zu Beginn des Verkaufs wieder von unseren Hausfrauen stark

germanischen Ansiedelung 'auf die Spur gebm'nicn zu fein. Diese Vermutung sand dieser Tage mfit der Aufdeckung einer altgcrma- nischen Gräbcrstätte ihre Bestätigung. Pros. Römheld stieß in einem Grabe aus nicht weniger als vier große, gut erhaltene Aschcnurnen, die nach der Ansicht des Gelehrten aus dem dritten oder vierten Jahrhundert vor Christi stammen. Namentlich zwei der Urnen erregen in holdem Maße wissenschaftliches Interesse. Sie be- stellen aus schön gemustertem schwarzem Ton und haben amphoren­artige Gestalt. Man fand in ihnen nochenreste, Asche und h.ilb- verkohlte Holzstticke, die auf die Bestartungsart durch den Scheiter- tzansen hinwiesen. Auch Schmuckstücke der Toten, die aus Bronze an gefertigt waren und zumeist durch die Gttck des Feuers zu sammengeschmolzen waren, befanden sich in den Urnen. Eine äußerst fein gearbeitete Fibel blieb jedoch von der Flamme unversehrt. Die Nachgrabungen sollen fortgesetzt werden.

3 ii in Neubau des deutschen Botschafter-Pa l a is in Washington erfährt dieBauwelt" an unterrichteter Stelle, daß eine Entscheidung über die Gestalttmg des Neubaues noch nicht getroffen ist und daß es noch keineswegs feststeht, ob der bei dem Wettbewerb preisgekrönte Entwurf des Professors Bruno M ö h r i n g die Grundlage für die endgültigen Pläne ab­geben wird. Im Auswärtigen Amte wird zurzeit eine Denkschrift ansgearbcitct, die dem Kaiser, der sich sehr für die Frage inter­essiert und an allen Entscheidungen persönlich mitwirken dürfte, vorgelegt werden wird. Dabei sollen auch die Wünsche des gegen­wärtig in Deutschland weilenden Botschafters in Washington Graf Bernstorfs Berücksichtigung finden. Nach alledem wird die Wahl des bauleitenden Architekten erst nach Ablauf einiger Wochen zu erwarten sein. _ ,

bedrängt. Zum Verkauf kamen Bratschellfiscbe, Schellfische in allen Größen, Kabeljau, Seelachs und Schollen, zusam­men 13 Zentner. Tie Ware bestand aus vorzüglichen, ganz frischen Nordseefischen. Die Preise, die bezahlt werden muß­ten, waren nach dem Urteil der Käuferinnen in Bezug auf die Güte der Fische sehr mäßig. Wie wir bei 9 Firmen fest­stellen konnten, waren gestern schon die 25 Zentner Fische, die sie bezogen hatten, bis auf einen unbedeutendim Rest verkauft worden. Die Ladeninhaber stellen den Preis ihrer Ware zum Teil billiger, zum Teil höher als die Preise auf dem städtischen Fischmarkt. Jedenfalls ist nicht in Abrede zu stellen, daß das Verkaufen von Seefischen auf öffentlichen? Markt eine bedeutende Anregung zu Gunsten von Fischnah­rung gebracht hat, trotzdem der zufällige israelitische Festtag ,,dcr Versöhnungstag" für den Fischkonsum einen Ausfall bedeutet, denn unsere israelitischen Mitbürger, die,zu den regelmäßigsten Käufern von Fischnahrung gehören, sind als Abnehmer ausgeblieben. Jedenfalls ist ein Fischverbrauch von 38 Zentnern ein starker Konsum, um welchen der Fleifch- bedarf entsprechend herabgemindert wird.

** Anton Erkelenz über Staats arbeitsrecht. der im Lenzfchen Felsenkeller von zahlreichen Eisenbahnbeamten und -Arbeitern besuchten Vexsammlung sprach gestern Sekretär Erkelenz in ausführlicher Weise über Staatsarbeitsrecht. Er warf dabei einen kurzen Ilückblick über die Entwicklung der Kom­munal- und Staatsbetriebe, Die heute schätzungsweise mehr als lv-2 Million Menschen beschäftigen. Die Staatseifenbahnen allein etwa 700 000 Arbeiter und Beamte. Während nun die Rechte und Pflichten der privaten Arbeiter durch die Gewerbeordnung reichsgefetzlich geregelt find, trifft dies bei den im Staatsdienst arbeitenden Angestellten nicht zu. In Hessen gelten immer noch die durch die Verfasfungsurkunde vom Jahre 1820 festgesetzten Bestimmungen, die aber, iveil veraltet, für unsere heutigen Ver­hältnisse nicht mehr passen und auch, eine Folge der int Lause der Zeit hinzugefügten Einzelbestimmungen und Zusätze, durchaus unübersichtlich und uneinheitlich geworden find. Preußen hat überhaupt bis heute noch kein Beamtengesetz. Noch schlimmer als bei den Beamten ist es mit der gesetzlichen Festlegung der Rechte und Pflichten jener 600 000 Menschen, die als Staatsarbei- t e r beschäftigt sind. Sie hängen rechtlich betrachtet in der Luft, welchem Schicksal seit 1906 auch die in Eisenbahnwerkstätten be­schäftigten Eifenbahnarbeiter, die vorher nach den Bestimmungen der Gewerbeordnung behandelt wurden, verfallen sind. Wenige Paragraphen des Bürgerlichen Gesetzbuches ausgenommen, besteht für sie keine gesetzliche Bestimmung. Sie sind also ganz und gar auf das Wohlwollen ihres Arbeitsgebers Staat angewiesen, ein Zu stand, der auf die Dauer unhaltbar ist, umsomehr, als man in gerechter Würdigung der ungeheuren Schädigung des Staats- und Wirtschaftslebens in den Kreisen der staatlichen Arbeiter frei­willig auf das Streikrecht verzichtet. Dafür muß ein Ersatz ge­schaffen werden durch ein Staatsarbeitsrecht. Die fortschrittliche Bolkspartei hat dazu den ersten Anstoß gegeben, und die vor kurzer Zeit in Wiesbaden tagende nationalliberale Partei will bei Er­öffnung des Reichstags ebenfalls einen dahingehenden Antrag ejiibringcn. Mit der Schaffung eines solchen Gesetzes würde der Staat sich den größten Dienst erweisen und allen umstürzlerischen Bestrebungen den Boden entheben. Nach Ansicht des Vortragenden muß bei Ausarbeitung dieses Gesetzes auf folgende Punkte Rücksicht genommen werden: 1. Vollständiges Koalitionsrecht mit Ausschluß des Streikrechts, 2. Einsetzung geregelter, auf, den, Bestimmungen der Selbstverwaltung beruhender Arbeitercmsschüsse, 3. Arbeits­kammern, als Vertreter der Staatsarbeiter dem Staat gegenüber, 4. Arbeitsgerichte, die objektiv über beiden Parteien stehen, 5. Re­gelung der Lohnzahlung, des Urlaubswesens, des Strafwefens, der Ruhegehalte und der Hinterbliebenenversorgung, 6. Bedingun­gen, unter welchen das Arbeitsverhältnis aufgelöst werden kann, 7. Arbeiterschutz und Regelung der Kontrolle in den Betrieben. Sodann gab Landtagsabgeordneter Professor Urftabt feiner Freude darüber Ausdruck, daß am heutigen Abend den .ideellen Gütern der Vorrang eingeräumt sei, obwohl er ja sehr gut wisse, daß die Lohn- und Gehaltsverhältnifse noch nicht vollkommen gelöst seien, denn, wenn auch die Löhne in die Höhe gegangen wären, so seien die Lebensverhältnisse doch' noch teurer geworden. Er machte dann Mitteilung über seine Tätigkeit im Landtage gerade inbezug auf die Bahnangestellten, die ihm ihre Wünsche nur recht­zeitig unterbreiten möchten. Eingehend svrach er sich dann über das Steuervrivileg aus, wonach aus dem Bahnunterstützungsfonds an solche Bahnangestellten Vergütungen in Höhe der ihnen in Preußen erlassenen Kommunalsteuer ausbezahlt werden, die aus Preußen nach Hessen versetzt werden, wahrend ein umgekehrtes Verfahren nicht stattfindet. Die zu verschiedenen Malen seitens der hessischen Negierung bei dem Eisenbahnminister gemachten Vorstellungen führten bis jetzt zu keinem Erfolg. An die mit Beifall aufgenommenen Ausführungen der beiden Redner schloß sich eine rege Aussprache an, aus der hervorging, daß man mit den Vorschlägen einverstanden war, zur Durchführung aber eine große, durch bessere Craanifation geförderte Stoßkraft der in Betracht kommenden Angestellten für nötig erachtete. Die weitere Förderung dieser Sache wurde dem Ausschuß der liberalen Beamten und Ar­beiterschaft übertragen. Nach einem Schlußwort des ersten Vor­tragenden schloß der Vorsitzende die Versammlung.

* * Bakoss-Kammerlichtspiele sind von S. Gottselig-Frankfurt a. M. käuflich übernommen worden. Un­ter der neuen Direktion wird in der kommenden Woche eine besonders glanzvolle Eröffnungsvorführung ftattfindcn. Ba- kos wird in Gießen bleiben, er wird seine Tätigkeit außer in der von ihm begründeten Rebekunstschule auch in Gastspielen, besonders als Reuterdarsteller, an auswärtigen Bühnen aus-t üben.

Eine Burleske Schillers. Pros. Dr. H. Hir schreibt uns: In Ihrem heutigen Familienblatt bringen Sie unter der Ueberschrist:Eine unveröffentlichte Burleske Schillers" ein Gedicht, das bereits in der Eottaschen Scikular-- AuSgabe (1905), Band II, S. 44 ff., abgedruckt ist. Es ist uns leider nicht immer möglich, einen derartigen Irrtum, der von einer weitverbreiteten Korrespondenz gemacht wurde, sofort festzustellen. Wir nehmen von der Richtigstellung gern Notiz und haben auch Veranlassung genommen, die Korre­spondenz von ihrem Irrtum zu unterrichten. Die Red.

* * P osts checkv erkehr. Im Reichspostgebiet ist die Zahl der Kontoinhaber im Postscheckverkehr Ende September 1913 auf 83 367 gestiegen (Zugang im Monat September 822). Auf diesen Postscheckkonten wurden im September ge­bucht 1435 Millionen Mark Gutschriften und 1438 Mil­lionen Mark Lastschriften. Das Gesamtguthaben der Konto­inhaber betrug im September durchschnittlich 183,4 Mil­lionen Mark. Im Verkehr der Reichspostscheckämter mit dem Postsparkassenanit in Wien, der Postsparkasse in Budapest, der luxemburgischen und belgischen Postverwaltung sowie den schweizerischen Postscheckbureaus wurden 7,5 Millionen Mark umgesetzt und zwar auf 2990 Uebertragungen in der Richtung nach und auf 14 520 Uebertragungen in der Rich­tung aus dem Auslande.

Landkreis Gießen.

Alten-Buseck, 9. Okt. Dieser Tage verließ unser treuer Seelsorger Pfarrer Jakob Fischer nach beinahe zehnjähriger Wirksamkeit unsere Gemeinde. Er hat es ver­standen, während der Dauer seiner hiesigen Tätigkeit die Sympathien aller zu erwerben und man sieht ihn ungern scheiden. Tie besten Wünsche begleiten ihn.

Langsdorf, 9. Okt. Bei der G e m e ind e ra ts° wähl uiachten 132 Wähler von ihrem Wahlrecht Gebrauch. Es wurde Sparkasfenrechner Wilhelm Schiel II. mit

99 Stimmen wiedergewahlt, Heinrich Kramer I., Landwirt, mit 77, und Wilhelm Roth IV., Landwirt, mit 70 Stimmen neugewählt.

-A- Linden st ruth, 9. Okt. Gestern abend erstrahlte unser Dorf zum ersten Male im Glanze des elektrischen Lichtes. Außer den Straßenlampen sind die meisten Häuser angeschlossen. Wenn die Anlagen alle fertig sind, die bis jetzt noch angemeldet sind, werden nur noch wenm Häuser übrig bleiben.

Kreis Büdingen.

# Nidda, 9. Okt. Nach längeren Verhandlungen und vielseittgen Erörterungen scheint nun die Errichtung einer größeren Holzschneiderei hier durch die Firma I. Him­melsbach in Freiburg i. B. beschlossene Sache zu sein. Die Stadt Nidda hat der Firma etwa 120000 Quadratmeter Gelände zwischen der neuen Dauernheimer Straße, der Nidda und der oberhessischen Eisenbahnlinie südlich vom hiesigen Bahnhof zu einem sehr billigen Preis verkauft. Um das Zustandekommen dieser bedeutenden Industrieanlage hat sich unser Bürgermeister Erk schon grofjc Verdienste erworben und eine Reise nach Freiburg nicht gescheut, um dort mit dem Chef des Hauses Himmelsbach persönlich zu verhandeln und die Angelegenheit zum Abschluß zu bringen. In gleichem Sinne waren auch das Kreisamt Büdingen.' sowie die Feldbereinigungsbehörde eifrig bemüht. Als Vor-' tretet der Firma Himmelsbach hat hier ehr Ingenieur' bereits ein Bureau gemietet, und mit den Erdarbeiten zum Bau von Arbeitsräumen für die Bauleitung des Werkes ist begonnen worden. Die Dauernheimer Straße wird ver­legt und an der Mdda entlang geführt werden müssen. Tas Himmelsbachsche Sägewerk bei Eichelsdorf, das dort schon beinahe 30 Jahre besteht, soll auch ferner im 93c- triebe bleiben.

Kreis Schotten.

h. Schotten, 9. Okt. Ein nach hier spielender Prozeß gegen das keimende Leben wurde vor der Frankfurter Strafkammer verhandelt. An der verehelichten Lina S. von hier wurden von zwei Masseusen unerlaubte Eingriffe gemacht. Später hielt sich bann die Frau bei einem Kauf­mann mehrere Monate verborgen auf. Der Bruder der Angeklagten bekundete in der Verhandlung, wenn seine Schwester bestraft würde, dann müsse auch der Bürger^ meister S. aus D. bestraft werden, da dieser mit der Schwester intim verkehrt habe. Darauf beschloß das Gericht die Vertagung, um feststellen zu lassen, ob den Bürger­meister ein Verschulden treffe. Äe Frau, eine Masseuse und der Kaufmann wurden in Haft behalten.

~ Dirlammen, 9. Ott. In unserer Gemarkung; wurde durch Obersteiger Nau ein großes Eisenerz­lager sestgestellt, das nach einem Abraum von 2 Metern eine Tiefe von 12 Metern aufweist und sich etwa 1000 Meter lang und 500 Meter breit erstrecken soll.

~ Rebgeshain, 9. Okt. Seit einiger Zeit haben uns die Köhler verlassen, die den ganzen Sommer im Oberwalde in der Nähe des Dorfes Rebgeshain mit dem Kohlen von Nadelholz beschäftigt waren. Sie haben un­gefähr hier 1000 Raummeter Holz sür eine große Firma aus Westdeutschland verkohlt. Früher war bei uns das Herstellen von Holzkohlen überall verbreitet. Heute braucht man die Holzkohlen nur noch sehr selten.

Kreis Friedberg.

L. Friedberg, 9. Ott. Gestern abend wurde das Theater eröffnet. Das Aschaffenburger Stadtthcater wird bis nach Ostern allwöchentlich hier eine Vorstellung geben. Mch in unserer Wetterau, im Dorfe Bisses, sind zwei Erkrankungen von spinaler Kinderlähmung aufgetreten.

L. Bad-Nauheim, 9. Ott. Auf der Registrattir der hiesigen Bürgermeisterei liegt von heute an eine Liste offen für alle Unterhaltungen während des Winters. Diese vertritt gleichfalls die Kurliste.

8 Bad-Nauheim, 9. Ott. Am 18. Oktober wird in der Nähe der englischen Kirche, am Fuße des Johannis- bevges von der Stadt eine Eiche gepflanzt. Den Schul- ttuder werden am Gedenktage Brezel überreicht.

r. Vad-Nauheim, 10. Okt. Der hiesige De- tailisten-Vercin beschloß, amSamStag, den 18. Oktober, während des Festzuges und Pflanzen der Erinnerungs-Eiche die Geschäfte in der Zeit von 1 bis 4 Uhr nachmittags g e- schlassen zu halten.

(rj B ad-N anheim, 9. Okt. In der heutigen Stadtverordnetensitzung kamen folgende Angele­genheiten zur Verhandlung: Für das Anfang November stattfindende Gauwettschreiben des Gabelsbergerschen Steno­graphenverbandes wird ein Zuschuß von 30 Mark bewilligt. Die Bauvorschriften für den Eleonorenring vom Sohlgraben bis zur Frankfurter Straße werden unter der Bedingung genehmigt, daß auf der Südseite, an den Gradirbanten, nur niedrige Häuser errichtet werden dürfen. Der Verkehrskom- mifsion wird ein Kostenzuschuß von 2000 Mark als erste Rate bewilligt. Im ganzen sind 5000 Mark für die Kommis­sion vorgesehen. Die Gemeinde Ock stadt ist einverstan­den, daß Bad-Nauheim die Ockstädter Gohl als Müllablage­rungsplatz benützt, wenn die Gemeinde Bad-Nauheim für etwa entstehende Schäden aufkommt. Die von der Hom­burger Straße auf die Gasanstalt verlausenden neuen Stra­ßenzüge werden zur Erinnerung an das Befreiungsjahr 1813 Blücher-Gneisenau- und Scharnhorstftraße benannt. Die neue Kreisstraße Bad-NauheimFriedberg erhält den Namen Friedberger Landstraße. Für Außenarbeiten am Gebäude des Amtsgerichts werden 320 Mark bewilligt. Der in der vorigen Sitzung vertagte Tiefbautechniker wird in Ab­wesenheit der beiden Beigeordneten und fünf Stadtverord­neten, die sich entschuldigt hatten, mit den anwesenden zehn Stimmen einstimmig bewilligt.

Starkenburg und Rheinhessen^

Darmstadt, 10. Okt. Gegen die Bürgermeifterwahl in Götzenhain, Kreis Offenbach, die am 15. März d. I. zum zweiten Male vorgenommen werden mußte, und die mit dem Sieg des sozialdemokratischen Kandidaten Len­tz ard endete, während sein Gegenkandidat Heinrich Mül­ler unterlag, war von drei Wählern Widerspruch erhoben worden, weil der Führer der dortigen Sozialdemokraten von dem Kandidaten 300 Mark für Agitationszwecke erhalten, und die sozialdemokratische Turngemeinde ebenfalls mit 100 Mark beschenkt worden sei. Auch zahlreiche andere Un­regelmäßigkeiten, Nichtoffenlegung der Wählerliste, Freibier usw. wurden gegen die Gültigkeit der Wahl vorgebracht. Das Kreisamt zu Offenbach hatte jedoch die vorgebrachten Be­schwerden für unbegründet erachtet und die Wahl bestätigt. Dagegen erhoben die drei Wähler Rekurs beim Provinzial­ausschuß, und dieser entschied in seiner heutigen Sitzung ba^ hin, baß ber Rekurs gegen bic Kreisgmtsentscheibung zu ver­werfen unb bic Beschwerdeführer zur Tragung sämtlicher Kosten zu verurteilen seien.