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10.10.1913 Erstes Blatt
 
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Erstes Blatt

163. Jahrgang

General-Anzeiger für Oberheffen

Rr. 238 Erstes Blatt 163. Jahrgang Freitag, 10. Moder $9(3

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wir lschastttche Zeitfragen n m Bi Mr B»S Mk MA Chefredakteur: ^l 61oetz.

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für die Redaktion 112, IVäf polit. Teil: Aug. Goetz;

MW General-Anzeiger für Oberheffen

bis üornühogT^iuS Rotationröruck und Verlag der Brühl'schen Univ.-Buch- und Lteindruckerei R. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Lchnlstrahe 7. Anzeigenteil: H. Beck.

Die heutige Nummer umfaht 12 Seiten.

Zur Lösung der landwirtschaftlichen Eenossenschastrkrisis.

Von mehreren Mitgliedern der hessischen Ersten Ständekammer, den IS) er rett Exzellenz Frhr. v. Hehl zu Herrnsheim, Fürst I s e n- o u r g - Birstein und Graf Kuno Stolberg-Roßla ist heute folgender Antrag cingebracht worden:

Hohe Erste Kammer wolle beschließen, Großh. Regierung zu ersuchen um Vorlage eines Gesetzentwurfs, der yunt Gegenstände hat:

I. Die Errichtung einer Zentralgenossen- schaftskasse nach dem Vorbild der preußischen Zentralgenossenschaftskasse, die unter Aufsicht und Leitung der Großh. Negierung steht und folgende Aufgaben hat:

1. Eine Kreditquelle und Ausgleichsstclle für die Erwerbs- Und Wirtschastsgenossenschasten im Großherzogtum Hessen ;,,i sein: in dieser Eigenschaft den genossenschaftlichen Personalkredit fördert, sich aber Vor. Immobilien- und Kreditgeschäften vollkommen frci- halt.

2. Den Gläubigergenossenschaften der Landwirtschaftlichen Ge­nossenschaftsbank ein Darlehen zu geben von 50 Prozent ihrer For­derungen an die Landwirtschaftliche Genossenschaftsbank gegen eine mäßige Verzinsung, sowie gegen Verpfändung der Forderungen an die Landw. Genossenschaftsbank und des Stimmrechts auf den Aktienbesitz.

3. Die Förderung der Liquidation der Genossenschaftsbank durch Ausübung der Gläubiger- und Aktionärrcchte.

II. Die für diesen Zweck erforderlichen Mittel durch Inanspruch­nahme des Staatskredits zur Verfügung zu stellen.

Diesem Antrag ist eine sehr ausführliche Begründung bei­gegeben. Es wird darin auf die in der Gläubigerversammlung der Landwirtschaftlichen Genossenschaftsbank vom 1. Sept. d. I. ge­faßten Beschlüsse hingewiesen, den Beschluß einer Abschreibung von 50 Prozent, die Zahlung von IVe Prozent des Guthabens usw., so das; also in nächster Zeit überall von den Genossen Barzahlungen zu leisten seien. Was dies für das Land in einem Augenblick be- bcutet, in dem die weinbautreibende Bevölkerung auf einen nahezu völligen Verlust der Ernte gefaßt sein muß, die Steuerlasten außer­ordentlich hoch seien und die Getreidepreise eine sinkende Tendenz' zeigten, lasse sich kaum ermessen. Es müßten von den 14 Millionen rund 7 Millionen als voraussichtlich verloren bezeichnet werden, ebenso das ganze Aktienkapital von 2V» Millionen. Die im Jahre 1883 gegründete Landwirtschaftliche Genossenschaftsbank habe 1910 einen Gesamtumsatz von nahezu 316 Millionen gehabt; von den Genossenschaften ivaren ihr in diesem Jahre rund 46 Millionen Mark zugeflossen, rund 3Ve Millionen waren ausbezahlt worden. Die LGB. sollte ursprünglich ein Geldcrusgleichsinstitut sein, ähnlich mie die Preußenkasse und sie habe in dieser Beziehung zweifellos ihre großen Verdienste gehabt. Während aber für die Preußen- Zeiltral-Genossenschaftskasse ausdrücklich das Verbot von Jmmo- biliar-Kreditgeschästen bestehe, habe sich gerade die LGB. durch ihre Verbindung mit der Verwaltungs- und Verwertungsgesellschast und mit der Reichsgenossenschaftsbank, die ihrerseits wieder mit der landwirtschaftlichen Kreditbank in Verbindung stand, in die ge­wagtesten Immobilienkreditgeschäfte eingelassen. Es wird dann weiter auf dieerstaunliche Personalunion" hingcwiesen, die in der Person der Herren Haas und Ihrig bei den genannten Geldinsti­tuten bestand. Aehnlich wie diese Personalunion bestanden auch enge finanzielle Beteiligungen der verschiedenen Institute unter­einander, und gerade diese Beteiligungen hätten den Uebcrblick über den Stand der verschiedenen Banken außerordentlich erschwert und

schließlich zum Zusammenbruch des ganzen Systems geführt. Es sei auffallend, daß sich diese auf rein genossenschaftlicher Grundlage errichteten Zentralkassen bezw. Zentralbanken nicht bewäl)rt haben, während die 1895 gegründetePreußische Zentralgenosfenschafts- kasse", die ähnlich wie die Reichsbank unter staatlicher Aufsicht und Leitung steht, eine erfreuliche Entwickelung genommen hat und ihre Aufgaben in vollem Umfange erfüllt.

Die geschilderten Ereianisse hätten unabweisbar den Gedanken nahe gelegt, eine ähnliche Kasse auch für Hessen ins Leben zu rufen und damit den landw. Genossenschaften eine Ausqleichsstelle und Kreditauelle zu schaffen, die ihren Bedürfnissen Rechnung trägt und ihnen die Vorteile gewährt, die ihnen die großen Banken, welche im wesentlichen industriellen und gewerblichen Unternehmen dienen, nicht geben können. In Hessen habe sich ein Eingreifen des Staates und eine Staatshilfe in diesem Auaenblick als gerechtfertigt er­wiesen: es müsse der Wiederkehr solcher Zustände vorgebeugt wer­den.Die Interessen des Landes stehen auf dem Spiel: der Wohl­stand des selbständigen Mittelstandes, jenes Trägers des Staates, hängt davon ab, daß ein Institut geschaffen wird, welches nicht unkundigen oder gar vcrbv'ck'erischen Händen einzelner Leute iiber- '1 assen wird. Auch die ins Leben gerufene Zentrakkasse der hessischen landw. Genossenschaften kann, wie es sich jetzt schon gezeigt hat, ohne Hilfe des Staates ihre Aufgaben nicht erfüllen. Die Versuche, mit der Preußenkasse in eine enge Verbindung zu treten, scheinen auf einen raschen Erfolg dieser Bestrebungen nicht rechnen zu lassen. Dagegen haben wir für den vorliegenden Antrag ein Vorbild in der Preußenklasse, welches volle Nachahmung verdient und welches sich im Sturme der Zeiten bewährt hat." Zur Entwirrung der heutigen Situation bedürfe es der energischen Unterstützung Sach­kundiger, über den Parteien und Einzelinteresscn stehender Per­sonen. Das Direktorium der neu zu schassenden Kasse hätte auch die Liquidation der Landw. Genossenschaftsbank zu fördern, und dazu erfcheint es den Antragstellern zweckmäßig, daß die neue Kasse die Mtionär- und Gläubigerinteressen der einzelnen Genossenschaf­ten zur Förderung der Liauidation wahrnimmt. Um aber der schwer betroffenen landwirtschaftlichen Bevölkerung und den zahlreichen von ihrem 'Wohlergehen abhängigen Erwcrbsständen in diesem Augenblick flüssige Mittel zur Verfügung zu stellen, die es ihr ermöglichen, den Genossenschaftsbetrieb ohne sofortige Zubuße ihrer­seits weiterhin zu erhalten, ist in Aussicht genommen, 5 0 P r 0 z. der Forderungen an die Genossenschaftsbank den Genossenschaften nach Prüfung ihrer Kreditwürdigkeit gegen Ver­pfändung ihrer Forderungen und Äktionärsrechte an die L. G. B. als Darlehen zu mäßigem Zinsfuß zu geben, damit die Ge­nossenschaften in der Lage wären, ihrerseits ihren Mitgliedern Geld zur Bezahlung der jetzt angeforderten Einzahlungen aus den Ge­schäftsanteil ebenfalls zu mäßigem Zinsfuß zur Verfügung zu stel­len, damit diese in der Lage wären; ihren GeschäftÄetrieb auf­recht zu erhalten < > f

In der Begründung wird dann betont, daß das Darlehen durch Inanspruchnahme des Staatskredits zu einem Zinsfuß zu beschaffen fein würde, der für den Staat Aufwendungen nicht er­forderlich macht. Eine derarttge Tätigkeit des Staates würde, so meinen die Antragsteller, nicht nur die landwirtschaftliche Be­völkerung von einer Katastrophe befreien, sondern auch für das ganze Land von größtem Vorteil fein. Zum Schlüsse heißt cs: Der wesentlichste Teil der der L. G. B. angeschlossenen Landw. Genossenschaften sind die Spar- und Darlehnslassen. Diesen ge­hört aber nicht nur der landwirtschaftliche Mittelstand an, auch alle sonstigen Kreise des ländlichen Mittelstandes sind in diesen Genossenschaften zahlreich vertreten. In dem Maße, in welchem es durch die vorgeschlagcncn Maßnahmen gelingen würde, den katastrophalen Zustand auf dem Lande zu beseitigen, wird man aber nicht nur den schwer betroffenen Kreisen der ländlichen Be­völkerung geholfen nnb die derzeitige Krisis beseitigt haben, man wird vielmehr auch dem städtischen Handel und Gewerbe und damit also auch dem ganzen Lande erhebliche Vorteile zuführen. Bei dem engen Jneinandcrgreifen von Handel und Verkehr zwischen den Städten des Großherzogtums und dem Lande, und bei der großen Bedeutung, welche die Kaufkraft der ländlichen Bevölkerung und deren Gedeihen für Handel und Verkehr in den hessischen Städten hat, kann von den vorgeschlagenen Maßnahmen nur eine große

Förderung des allgemeinen Wohls erwartet werden. Nur nebenbei sei bemerkt, daß eine solche staatliche Genosscnschaftskasse, welcher, wie schon gezeigt, sehr bedeutende Summen zufließen, auch bei der Hebung der Rente der Staatsanleihen eine erhebliche Rolle spielen könnte."

Die türkisch-griechischen Verhandlungen.

Saloniki, 9. Ott. In hiesigen maßgebenden Krei­sen wird die in den tür kis ch-griechischenVerhand-» lungen eingetretene Pause als Zeichen eines gewissen Abflauens der scharfen Krise betrachtet. Es herrscht die Ansicht, daß die Aussichten für eine friedliche Austragung der Meinungsverschiedenheiten gestiegen sind. Es wird her- vorgehoben, daß der Ernst der Lage noch nicht aanz ge­schwunden ist und daß Ueb'erra-schungen immerhin noch eintreten können.

Der vejuch des Präsidenten von Frankreich in Spanien.

Madrid, 9. Okt. Nach der Rückkehr von Toledo speisten die Majestäten und Präsident P 0 i n c a r 6 gestern abend in intimem Kreise und begaben sich sodann in das dingliche Theater, wo zu Ehren des Präsidenten ein Fest-- konzert stattfand. Der König von Spanien und der Präsi­dent Poincare sind Donnerstag abend von Madrid nach Carthagena abgereist.___________________________________

Deut-ches Reich.

Der Kaiser

wird mit seinem Jagdbesuch bei dem Erzherzog Franz Ferdi­nand in Konopischt einen Abstecher nach Wien verbiw den und wahrscheinlich am 26. Oktober den Kaiser Franz Josef in Schönbrunn besuchen. Die Dauer des Aufenthalts in Schönbrunn steht noch nicht fest.

Der Bundesrat

hat bent An t r,a g! Sachsen s fretr. die weitere Prägung vonDenkmünzenzu.rEinweihungdesVölker- s chlachtdenkmals in Leipzig zugestimmt. Ferne'' wurden angenommen: Die Vorlage betr. den Zollverwal tungsetat für Elsaß-Lothringen, den Entwurf einer Bekannt­machung betreffend den Begriff von vorübergehenden Dienst­leistungen im Sinne des Paragraphen 434 der RVO., die Vorlage betr. die Vorschriften für die Rechnungsführung der Krankenkassen und die Vorlage betreffend die Prägung vor weiteren Zehnpfennigstücken in Höhe von fünf Millionen Mk.

Amtsrichter Knittel

hat gegen das Urteil der Gleiwitzer Strafkammer Revi­sion beim Reichsgericht eingelegt.

AuslairS.

.Churchill über die deutsch-englischcn Beziehungen.

Aus London wird berichtet: Der erste Lord der Admb ralität Churchill, hielt in Dundee eine Rede, in der er ausführte: Während die Entwicklung der britischen See­macht fortschritt, besserten sich unsere Beziehun- g e n zu dem m ä ch t i g e n D e u t s ch l a n d bis heute ständig. Wir stehen auf einer durchaus befriedigenden Grund­lage. Für die Nationen und die Weltnationen drohte die Gefahr, daß zwischen ihnen Feindschaft entstehe, vielmehr von der Panik als von der ruhigen Sicherheit ihrer Stärke.

Neue Sprengversuche mit flüssiger Lust.

Beim Bau des Simplontunnels (18981905) ist flüssige Luft als Sprengmittel in größerem Maßstabe angewandt worden, allein die Handhabung dieses Sprengmittels war damals ziemlich schwierig, und deswegen hat man es bei anderen Gelegenheiten kaum angewandt. Neuerdings ist auf dem Gebiete der Sprengung mit flüssiger Luft nun ein bedeutender Fortschritt erzielt koordcn und feit den Versuchen, die unlängst in den Rüidersdorfer Kalk­steinbrüchen erfolgreich ausgeführt worden sind, kann man sagen, baf; flüssige Lust als Sprengmittel ein gefährlicher Nebenbuhler Eer übrigen Sprengmittel geworden ist. Früher ging durch Ver­dampfung sehr viele flüssige Lust verloren, und die Vorbereitungen auf die 'Sprengungen waren sehr zeitraubend. Gegenwärtig ist die Handhabung sehr bequem, wie aus folgendem Bericht über die Rüdersdorser Sprengungen in denNaturwissenschaftm" heroor- geht:

Als Patronenhülle wurde bei den Versuchen eine Papier­hülse" von 40 Millimeter Durchmesser und ctiva 35 Zentimeter Lärme verwendet: sie wurde mit einer Mischung von .Kieselgur und Petroleum im Verhältnis von 60:40 gefüllt. Durch die Längsachse der Papierhülse geht ein 10 Millimeter weites Rohr aus feinmaschigem Drahtgewebe, das von der Mischung frei bleibt nnb bei der Auffüllung der flüssigen Luft dazu dient, diese durch die ganze Masse hin zu verteilen. Das Besetzen des Bohrloches geschieht nun in der Weise, daß die Patrone, in welche eine Svrenakavfel mit elektrischem Zünder eingeführt wurde m das Bohrloch eingeschoben wird. Befindet sich die Patrone in der Tiefe t>c3 ^oches so wird eine Räumnadel eingebracht und dann der Besatz hinei'ugeschoben und festgestampft. Zieht man jetzt die Raum- nadel wieder heraus, so ist die Patrone mit flüßiger Luft zu laden. Die ftüffige Luft wird in einer nach dem Dewarschen Prinzip getauten Sanne, die mit einem festen -isemen Gesäße umgeben ist an die Sprengstrecke herangebracht Da die.flußige Luft ständig verdampft, darf die Kanne nicht fe>t verichlonen fern. Zum Füllen der Bohrlöcher wird in der Kanne mit Hilfe einer daran angebrachten Handluftpumpe em geri'kger Ueberdruck von 0,4 Atmosphären erzeugt, der genügt, uni die flüssige Luft aus der auf dem Erdboden stehenden Kanne durch eine Papprohrenleitung in das Bohrloch hinaufzudrücken und die Patronen zu futtern Hierbei nimmt die flüssige Luft Warme auf und verdampft anfangs ziemlich rasch. Die entstehenden Dampfe treten aus bw?Tntrcen Enbe der Patrone ans und entweichen ^durch die Oeffnuna zwischen Patrone und Bohrloch. Hierbei umipulen die kalten Dämpfe die Patrone und schützen so die FluNigkeit m der Patrone gegen Wärmeaufnahme vom Gestein her: es wird auf idefe Weise eine sehr gute und für den Erfolg der Sprengung

sehr wcsentlickw Wärmeisolierung erzielt. Bei den Versuchen in Rüdersdorf wurden nach oben ansteigende Sprenglöcher von 1 Zen­timeter Tiefe und her gewöhnlichen Weite gebohrt. Drei Spreng­löcher wurden immer zu gleicher Zeit gefüllt, und die ganze Arbeit zum Laden der drei Patronen dauerte nur ungefähr eine Minute.

Die Wirkung der Detonation mit flüfliger Luft war die gleiche wie bei dem sonst von der Bergwerksverwaltung ver­wendeten Ammon-Cahüeit, was auch mit den früher beobachteten Ergebnissen übereinstimmt. Für einen Schuß wurde etwa 1, Liter flüssige Luft verbraucht, zu deren Herstellung ein Energieaufwand von 2,5 ?8-Stunden erforderlich ist. Bei der Wiederholung der Versuche ergaben sich verschiedene wesentliche Verbesserungen des Verfahrens, so wurde eine Füllflasche konstruiert, die keinerlei be­wegliche Teile besitzt und daher von jedem Arbeiter leicht be­dient werden kann." Das Verfahren ist zwar noch verbesserungs­fähig. Es ist aber bereits selbst wenn eine Transportflasche, zerbrechen sollte vollkommen gefahrlos: die Betricbssicherhett der Gruben wird dadurch wesentlich erhöht, und schließlich kann bet Verwendung in Kohlengruben die flüssige Luft an Ort und Stelle berge stellt werden, so daß Sprengen mit flüssiger Lust auch billiger ist, als das mit anderen Sprengmitteln.

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Ein neues Denkmal für Justus von Liebig. Man schreibt uns aus Darmstadt: In seiner Vaterstadt Darmstadt setzt die chemische Industrie Deutschlands und des Auslandes ihrem großen Meister ein Denkmal, das jetzt feiner Vollendung entgegen­geht und in diesen Tagen enthüllt wird. Die Anregung zu dem Denkmal, gab der am 12. Mai 1903 gefeierte 100. Geburts­tag Liebigs, an dem das bahnbrechend? Wirken Liebigs für die Wissenschaft und für die wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands nicht nur, sondern auch der ganzen zivilisierten Welt anerkannt ward. Es besteht sckwn ein Liebigdenkmal in Darmstadt, eine früher in Anlagen versteckte, jetzt bedingt durch die Ver­legung des Hauptbahnhofes an der Liebig-Oberrealschule aus­gestellte, schlichte Büste, dienach Meinung maßgebender Kreise" der Bedeutung Liebigs nicht entspricht. Es wurden Sammlungen eingeleitet, an denen sich außer Privaten die gesamte chemische Industtie beteiligte und die etwa 50 000 Mark ergaben. Professor Jobst von der Darmstädter Küuftlerkolonie erhielt den Auftrag zur Schaffung des neuen Denkmals und der Künstler hat seine Aufgabe in ebenso eigenartiger wie künstlerisch geschmackvoller Weise gelöst. Das neue Liebigdenkmal ist im ganzen 6,50 Meter hoch. Davon entfallen auf die sitzende Hauptfigur 2,10 Meter. Als Material wurde Cuviller Kalkstein verwendet, welcher aus den Brüchen kommt, die in der Nähe von Commerey, Ostsrankreich, liegen; dieser Stein wurde deshalb gewählt, weil er neben seiner erprobten Metterbeftändigkeit ein so feines Korn hat, daß man

auch kleinere Formen klar darstellen kann; schon die Römer haben ihn dieser Vorzüge wegen gern zu ihren Denkmälern verwendet. Das Denkmal zerfällt in seinem Auflau in eine Standplatte, in einen unteren Sockel, in ein Mittel- und Haupt­stück und in die Bekrönungsfiqur. In das Mittelstück ist der Liebigkops auf der Vorderseite überlebensgroß eingemeißelt: ehern so sind die beiden Seiten mit Neliefdarstelliingen geschmückt, du von vorn gesehen rechts Liebig als Lehrei' in Gießen mit einem feiner Schüler darstellen, links den alten Liebig als Universitäts­lehrer in München, ebenfalls mit einem Schüler dar gestellt, zeigen. Die Rückseite ist mit einem Fruchtkranz geschmückt; das Ganze ist von der Hauptfigur gefrönt, die Wissenschaft darstellend, welche in ihrer Rechten ein entschleiertes, vielbrüstiges Figür­chen hält, ein Symbol auf die Chemie, die uns die Natur und ihre Geheimnisse enthüllt. Das Denkmal steht gegenüber dem Palais des Großherzogs vor der Merckschen Apotheke. Die Merck- sche chemische Fabrik hat bekanntlich am tatkräftigsten Liebigs Errungenschaften die praktisthe Verwendbarkeit geliehen.

Max Streese.

Der Direktor des Nürnberger Stadt­theaters, Hofrat Balder, ist plötzlich schwer erkrankt und mußte in eine Nervenheilanstalt gebracht werden. Sein Zustand gab bereits in der letzten Zeit zu Bedenken Anlaß. Diw Unfall, der­ben Tenor des Stadttheaters, Pennarini, betroffen hat (er wurde durch Absturz in einen Lift verletzt), und durch den Hofrat Balder feinen ganzen Spielplan der Saison gefährdet sah, hat bei dem Hof­rat eine gefährliche Nervenkrifis hervorgerufen. Sein Zustand ist nicht unbedenklich.

Das Rh ein-Mainische Verbandst hea ter hat feine diesjährige Winterspielzeit am 4. Oktober durch eine gut besuchte Aufführung vonKabale und Liebe" in Fechenheim a. M. eröffnet. Am 6. Oktober gelangte das Moliöre'sche LuftfpielDer eingebildete Kranke", übersetzt von Ludwig Fulda, int neuer Ein­studierung und Ausstattung in Frankfurt a. M. vor ausverkaustem Hause zur Darstellung, und erregte stürmische Heiterkeit. Der Spielplan für die erste Hälfte des Winters weist ferner Shake­spearesLustige Weiber von Windsor",Götz von Berlichingen", denMeineidbauer" von Anzengruber,Andreas Hofer" vor. Walter Lutz, eine geistvolle Komödie des vielgenannten Bernard ShawDer Teuselsschüler", sowie endlich als Weihnachtsmärchen Hänsel und Gretel" auf.

Ein altgermanische Gräber st ätte entdeckt. Aus E s ch w e g e wird uns geschrieben: Von Prosessor N ö m b e I b werden gegenwärtig in iber Umgebung des Dorjes Niederhone archäologische Ausgrabungen vorgenommen, da man nach verschie­denen zufälligen Funder Grund zu der Annahme hatte, einer alt-