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10.4.1913 Erstes Blatt
 
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harrte, da löste Herr Dr. ^ran? Herrn Ledebour ab, um solcheAnmaßung" militärischer Kreise gegenüber dem Parlament noch einmal feft^mageln. Auch im Zentrum hatte der General mit seiner Bemerkung lebhafte Entrüstung hervorgerufen, aber die Freunde Herrn Häuslers zogen es doch vor, sich in Schiveigen zu hüllen. Dagegen stimm­ten sie jeweils in den Lärm der Genossen träftig ein und begleiteten die Worte Ledebours und Franks mit dröh­nenden Bravos. Nach diesem Vorfall ging die Vorlage an den Budgetausschuß.

Nunmehr schlug Herrn Kühns Stunde, und alsbald breitete der Schatzsekretär vor dem Haufe seine Steuer­vorlagen aus. Eine undankbare Aufgabe. Fast will es scheinen, als ob niemand die begründenden Worte des Reichssäckelmcistcrs hören wollte, da doch jeder schon sein Urteil fertig hat. Mit anerkennenswertem Fleiß arbeitete sich aber Herr Kühn durch die Unruhe des Hauses hin­durch. Nachdem ar geendet, vertagte man sich auf Donnnerstag.

Nach derTäglichen Rundschau" haben wegen des Zwischen­falls zwischen dem Zentrumsabgwrdneten General Häusler und dem Laherischen Bundesratsbcvollmächtigten Generalmajor W c n- ninger Besprechungen zlvischen Vertretern der Zen­tra m s f r a k t i o n und dem bayerischen Bundes rats- bevollmächtigten stattgefunden. In der nächsten Sitzung wird Generalmajor Wenninger in einer kurzen Erklärung noch einmal auf die Angelegenheit zurückkommcn und sie damit beilegen.

Die Meöenrfrage.

In Wiener Kreisen wird die Lage seit g e st c r n optimistischer beurteilt. Die Ausschiffung der serbischen Truppen in Saloniki erfolgte auf die Initiative der serbischen Regierung, welche auch weitere Nachschübe von Truppen und Munition nach Skutari nicht incbr machen will. In der Antwort auf die Vorstellungen der Großmächte ersuchte Serbien auch um eine genaue Bekanntgabe der festgesetzten Grenzen Albaniens. Ter Wunsch soll erfüllt werden. Man knüpft daran die Er­wartung, daß Serbien dann auch die Konsequenzen ziehen und Albanien räumen wird. Es wird bestätigt, daß die montenegri­nische Regierung die offene Order der Pforte an Essad Pascha über den Abzug "der Zivilbevölkerung von Skutari mit denr Hinweis auf militärische Gründe nicht d u r ch l i e ß.

Entschädigung" Montenegros?

Wien, 10. April. Die Meldung, daß Mo n t en e g r o durch 20 Millionen Francs und ein Stück der al- b an e fisch en Küste entschädigt werden solle, wird hier in AbrcQe gestellt. Oesterreich werde weder einer Aenderung der beschlossenen Grenzen Albaniens zu Gunsten Montenegros zustimmen, noch sich an der Stlboention be­teiligen.

Ein Handschreiben des Zaren an König Nikita.

Petersburg, 10. April. Ter Zar sandte an den König von Montenegro ein Hands ch reibe n, worin er ihn, wie an autoritativer Stelle versichert wird, zur Nach- giebung rät.

Die neue Note der Mächte an die Valkanstaaten.

London, 9. April. Das Reuter-Bureau erfährt: Tie Note, welche die Mächte den Balkan st a a t e n in Er- wid-errmg ihrer Vorschläge für die Gruubtagen der Ver­mittlung überreichen werden, und deren einzelne Punkte in der gestrigen Sitzung der Botschaftervereinigung fest- grsetzt worden ist, wird folgenden Wortlaut haben:

Erstens. Tie Müsste sind einverstanden, die gerade Linie Enos-Midia als Grundlage für die Verhandlungen über die neue türkisch-bulgarische Grenze anzunebmen.

Zweitens. Die Entscheidung des Schicksals ber ägäischen Inseln, deren Mehrzahl Griechenland zufallen soll, wird den Mächten überlassen.

Drittens. Die Kriegsentschädigungsfrage wird zusammen mit allen aus dem Kriege hervorgehenden finanziellen Fragen in der Finanzkommission in Paris erörtert.

Viertens. Betreffend Albaniens wird erllärt, daß die Nord- und Nordostgrenze von den Mächten, die auch über den übrigen Teil der Grenze beraten werden, bereits bestimmt ist.

Schließlich werden die Mächte den verbündeten Regie­rungen empfehlen, die Feindseligkeiten einzustellen.

Ein Armeebefehl des Zaren

bestätigt ein Verbot für Militärpersonen aller Rang­klassen, an Kundgebungen aller Art ein'chließlich solcher, wie sie am 6. April ftattfanden, sich zu beteiligen.

Eine Denkschrift über die türkischen Finanzen.

Petersburg, 10. April. Die Balkan st aaten be­absichtigen, den Mächten eine T e n k s ch r i f t zu überreichen, in der sie nachzuwei'en versuchen, das; die Türkei ihre ganze Staatsschuld aus den Einkünften ihrer asiatischen Provinzen vergeben und amortisieren kann.

Bei Tfchataldscha keine Veränderung.

Konstantinopel, 9. April. Nach b*em gestrigen Kriegsbericht ist in der militärischen Lage bei Tscha- taldscha keine Aenderung einge'reten. Infolge oegen- seitiger Vereinbarung wurden auf dem linken Flügel die Toten bestattet. Türkischerseits wurden allein mehr als 400 gefallene Bulgaren begraben.

Arrs

Zur Hessischen Besoldungsvorlage

ist soeben im Verlage von Oskar Schneider in Mainz unter dem TitelGleiches Recht für alle?" eine Schrift erschienen, deren Verfasser, einNicksturist", die Frage untersucht, wie weit die beute wohl allgemein anerkannte Ebenbürtigkeit aller Beamten mit gleid/cr Vorbildung in der neuen Besoldimgsvorlage zum Ausdruck gekommen ist. Er stelll fest, daß die neue Vorlage gegenüber dem Besoldungsgesetze von 1898 eine Verschärfung der llntersck/iede bringt und einen starken Schritt rückwärts bedeute. Verschärft seien die Unterschiede noch dadurch, das- mau mich einzelnen Vorständen der Finanzämter zum Teil recht hohe Zu­lagen sestsetzt uns einen neuen, kostspieligen^Beamteuvosten, fünf ArNtsflericktsdirektoren, schafft. Der Verfasser der Schrill, der dem Oberlehrerstande eng ei,ihren dürfte, zerpflückt die Begrün­dungen der Regierungsvorlage und ntieint, nur bei der Fest­setzung der Gehalte der Oberlehrer. Oberförster und Bcminsptzk- koren habe die Regierung sich die Mahrmng des Fincmzministers zusteter sorgsamster Vorsicht und sstücksicht auf die nachhaltige Finanzkraft des -Landes" zur Richtschnur genomhnen, während die Stellen der Juristen freigebig mit neuen Gehaltsklassen und Zu­lagen bedacht worden seien.

preuMcher Abgeordnetenhaus.

Berlin, 9. April.

Tie beim KapitelHöhere Lehranstalten für die weibliche Jugend" vorgebrachteu Wünsche unb Magen ver­anlaßten heute den Kultusminister von Trott zu Solz zu folgenden Ausführungen:, Die Unterrichtsverwaltung ist zu dem Ergebnis gekommen, daß bie in her Mädchenschulreform auf- gestellten Grunbsätze und Ziele richtig mären und daß 'daran sestzuhallen sein wird. Die Unte-cricktsverwollung ist keineswegs eine Gegnerin der Studienanstalten, aber sie ist auch für die Lyzeen und Oberlyzeen. Wir werden prüfen, ob es möglich ist, daß auch LlbHurseptiunen von Sberlyzeen nach bent Bestehen einer

Ergänzungsprüfung bie Universität zum Stubium anderer Fächer besuchen können als der Philologie. Die Schulreform bezweckt, unserer heranwachsenben weiblichen Jugenb eine tiefere Bilbung zu «geben. 'SJen jungen Mäbchen soll gleichzeitig bie Möglichkeit gesckjaffen werben, sich aus eigener Kraft einen Eriverb zu ver­schaffen. Eine besonders vom Abg. Lippmann (Vp.) befürwortete gesetzliche Regelung des Privatschulwesens kann der Minister vorläufig nicht in Aussicht stellen. Abg. Bartscher (Zentr.) klagt über Schwierigkeiten, die den Lehranstalten der Ordensniederlassungen gemacht würden. Dann ging das Haus zum KapitelElementarunterricht und Schulaufsicht" über. Abg. Dr. Heß (Zentr.) gab seiner Antipathie gegen denDeutschen Lehrerverein" Ausdruck, derseit Jahrzehnten in politischfrcisin nigem Fahrwasser" geführt wird. Tie autonome Schule lehnt er ab, weil sieder kürzeste Weg zur religionslosen Schule" sei. Ter freie Liberalismus führt nach Herrn Heß zum Unglauben und der Unglaube ist der Mntterbobcm der Sozialdemokratie nsw. Ter nationalliberale Abg. Dr. v. Campe übte an diesen Behaup hingen scharfe Kritik. Er bezeichnete die Rebe bes Abg. Heß als einen Sturmlauf gegen bie Staatsschule unb protestierte gegen bie Jbentisizierung bes religiösen Liberalismus mit Un­glauben.

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Der verstärkte Agrarausschuß des preußischen Abge- orbnetenhauses bewilligte einstimmig bie in ber Regierungsvorlage angeforderten 12 Millionen Mark zur Urbarmachung fiskalischer Moore und drei Millionen für Meliorationen auf Domänen.

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Der Haushaltsausschuß des Abgeordnetenhauses beriet die Denkschrift über die Tätigkeit des Ansiedelungsausschusses 1912. Die Beratung des Gesetzentwurfs über Maßnahmen zur Stär­kung des Deutschtums in Westpreußen und Posen wurde vertagt. Nach dem Bortrage des Berichterstatters wurde die Vorlegung eines Parzellierungsgesetzes gefordert. Der Minister erwiderte, daß die Nichteinbringung des Gesetzes nicht aus Ver­schleppung beruhe; es wäre in der nächsten Session zu ver­abschieden. Ueber die Enteignung äußerte der Minister, daß vier Güter, die ihren Besitzer gewechselt hätten, mit einem Gesamt- areal non 1700 Hektar enteignet worden seien. Die Arbeiteransiede- lmrg, bereit geringer Umfang bemängelt wörben sei, sei schwierig. Man sei bemüht, Arbeiter anzusiebeln. Der Ausschuß nahm einen Antrag an, bie Staatsregierung zu ersuchen, Vorsorge zu treffen, baß im Geschäftsverkehr ber Ansiebelungsausschuß für Westpreußen unb Posen, soweit Posen in Betracht kommt, nicht einseitig bie Raiffeisenorganisation bevorzugt wirb, sonbern auch besonders bei der Zivi scheu vor Wallung der zur Aufteilung erworbenen Güter die anderen deutschen genossenschaftlichen Or­ganisationen und sonstigen deutschen Gewerbetreibenden der Pro­vinz entsprechend berücksichtigt werden.

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Das Herrenhaus wird seine nächste Sitzung ant 24. April abhalten. Das P l e n u m beabsichtigt bis 30. April Sitzungen abznhalten, um den Staatsvoranschlag und die übrigen noch zu verabschiedenden Regierungsvorlagen, die bis zu dieser Zeit vom Abgeordnetenhause erledigt worden sind, endgültig zu ver­abschieden.

Arrs Stadt nnd Land.

Gießen, 10. April 1913.

** Tageskalender für Donnerstag, 10. Avril: Zwei Frauenvorträge von 7srau Lola Bernhard; nachmittags 4 und abends 8l/ Uhr in Steins Garten.

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** Ordensverleihung. Der Großherzog hat das Komturkreuz 1. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen dem Generalmajor Noeldechen, Inspekteur der I. Fußartillerie-Jnspektion, seither Kommandeur der 25. Feldartillerie-Brigade (Großh. Hess.), und daS Allgemeine Ehrenzeichen mit der InschriftFür Verdienste" dem Vize­feldwebel a. D. Riemann, seither Hoboist im Infanterie- Regiment Kaiser Wilhelm (2. Hess.) Nr. 116, und dem Ge­heimen Oberrechnungsrat Dr. Gust. Siebert die Krone zum Komturkreuz 2. Klaffe des Verdienstordens Philipps des Groß­mütigen verliehen.

** Geh. Oberschulrat i. P. Greim f. Wie wir gestern meldeten, ist der Geh. Qberschulrat i. P. Friedr. Will). Grcim, der sich bis zuletzt einer guten körperlichen und geistigen Rüstigkeit erfreute, am Dienstag abend im Alter von nahezu 89 Jahren in Darmstadt gestorben. Greim war am 12. Mai 1824 in Mommenheim, Kreis Oppenheim, als Sohn des dortigen Pfarrers geboren. 1849 legte er seine theologische Staatsprüfung ab, war dann von Januar bis November 1850 Pfarrvikar zu Feil in der bayerischen Pfalz, März bis November 1851 Pfarr­verweser zu Dorn-Dürkheim, März 1852 bis April 1857 Pfarrvikar in Selzen, Januar bis Dezember 1858 Lehrer an der höheren Töchterschule zu Offenbach, Januar 1859 bis Oktober 1860 provisorischer Lehrer an der Realschule zu Offenbach, November 1860 bis Mitte Oktober 1863 erster Lehrer und Dirigent der Real­schule zu Alsfeld und Oktober 1863 bis Juli 1874 Direktor der Realschule zu Offenbach. Im August 1874 wurde er vortragender Rat im Ministerium des Innern, Abteilung für Schulangelegenheiten, mit dem Amtstitel Oberschulrat. Im Jahre 1880 erhielt er den Charakter als Geh. Ober­schulrat. Seit dem 1. April 1895 lebte Greim im Ruhe­stände. Er war Inhaber 1. des Komturkreuzes zweiter Klaffe des Verdienstordens Philipps des Großmütigen und 2. des Militär-Sanitätskreuzes und der Kriegsdenkmünze für Nichtkombattantcn.

* Zum 1. Le hrknrsus der Jnfanterie-Schieß- schnle wurden für die Zeit vom 5. bis 25. April die Haupt­leute Wagner (4. Hess. Jnf.-Regt. 118) und Graf von Büdingen (1. Hess. Jnf.-Regt. 115) kommandiert.

** Zur Nationalspende für das Kaiser- jubilänm zum Vesten der christlichen Missionen in den deutschen Schutzgebieten ist von Pfarrer a. D. Leyd- hecker in Auerbach eine Gabe von 10000 Mark gezeichnet worden.

** Die Krankenpflege auf hem Land. Im Anschluß an die Notiz der gestrigen Nr. über die Ein­führung einer neuen Dekanatsschwester in Treis sei noch bemerkt, daß das evangel. Dekanat Gießen mit seiner muster­gültigen Fürsorge für die Krankenpflege auf dem Lande an der Spitze sämtlicher hessischen Dekanate steht. Neben 14 Gemeindeschwestern, die aus Mutterhäusern kommen, hat es 7 Dekanatskrankenschwestern, die vom Dekanat angestellt sind, und die in enger Verbindungmitdem Pfarramt ihres Ortes arbeiten. Sie sind dienstlich nächst dem Ge­meindepfarrer, dem Leiter der Dekanatskrankenpflege, Pfarrer Schwabe-Gießen unterstellt, der mit ihnen jährlich mehrere Konferenzen abhält, bei denen die religiöse Förderung und Vertiefung der Schwestern Hauptzweck ist, aber auch eingehende Besprechung von mancherlei Berufsfragen statt­findet. Daß diese Konferenzen von den Schwestern selbst

für sehr wertvoll gehalten werden, beweist der Umstand, datz sich daran zur Zeit außer den dazu verpflichteten Dekanats- Schwestern noch 19 andere in der Nähe non Gießen wohnende Schwestern mit wachsendem, inneren Interesse beteiligen.

** Ter Oberhessische Verein für die Baseler Mission hielt gestern nachmittag hierum oberen Gemeinde- saal, Kirchstraße 9, seine 3. Iahre § vcrfa m m l n n g ab. Der Vorsitzende, Kirchmrat O. Schlosser, eröffnete di. Versammlung mir Gebot und einer kurzen Begrüßungsansprache auf Grund von .Jesaias 40, V. 4 und Offenbarung 22, 3 unb 4. Der hierauf vorgetragene Jahresber i cht konnte von mannigfacher Arbeitsleistung berichten, bie der Ausbreitung des Missionsinter­esses in Oberhessen biente. Vom 2. bis 6. Juni findet in Basel ein MissionSIürsus für Theologen aus Hessen .statt; es ist dort für 40 Personen für freie Unterkunft gesorgt. Tie Mechnungs- ablage ergab eine Einnahme von 387,42 Mark unb eine Aus­gabe von 282,52 Mark. Von 129 ober hessischen Gemeinden, bie nur für Basel arbeiten, haben sich 75 denk Verband angeschlossen. Die Auswahl beS Ortes' für das diesjährige Missionsfest wird bent Vorstand überlassen, lieber bie Bedeutung der Organisation der 'heimischen Missionsgemeinde für das Werk der Mission sprach Missionsprebiger M ül l er-Hersfelb. Er wies auf die große Wichtigkeit bien er Organisation hin, die nicht nur dazu beiträgt, größere Mittel für die Mission beschaffen, sondern auch eine nähere Verbindung der Missionssreimde mit der Missionsanstalt bewirkt. Daraus wies much ein Schreiben der Baseler Missions- gescllschasc hin, das den großen. Wert einer heimffchen Missions- gem'cinbe betonte, das von dem Vorsitzenden verlesen wurde. Inr Auftrag der Baseler Missionsanstalt sprach noch Missionar Dr. Vömel, ber auf verschiedene Wege hinwies, das Missions- interesse zu fordern. Zu der in die Wege geleiteten National- spcnde für die Mission bemerkte Kirchenrat D. Schlosser, daß die Anregung dazu nicht von besonderen Missionsfreunden, son­dern aus Koiouialkreiseu gekommen ist, die den hohen Wert der Erziehungsarbeit erkannt haben, die die Mission leistet. Es ist Ehrensache eines feben Evangelischen, sich an dieser Spende zu. beteiligen unb dafür Stimlnnmg zu machen. Auf dem Lande wird das der Pfarrer besorgen, in den Städten! »vird ein Ausschuß die Sache in die Hand nehmen müssen. Tie hessische Missions- konserenz beabsichtigt ein Flugblatt zu diesem! Zweck herauszu­geben, das hoffentlich bald erscheinen wird. Ueber die Bedeutung der Gemeindebildung der evangelischen Mission in China be­richtete Missionar Dr. V ö m'el - China. Der Missionar ist jetzt mehr Pfarrer als Reiseprediger, so führte ber Redner aus. 'Die Gemeindebildung ist ein Mittel, um auf den Einzelnen zuZvirken unb ihn mit dem Evangelium begannt zu nrachen. Sodann dient sie zur Erziehung ber einzelnen Christen unb zu ihrer Stärkung int Glauben. Sie tritt auch hervor in Zeiten ber Not, bei Krankheit, Tob unb Beerdigung. Auch für die Mssion an sich hat die Gemeinbebilbung großen Wert durch die hierdurch er­möglichte Veranstaltung von Gottesdiensten und Erbauungsstuuden, sowie die §)eranbilbnng eingeborener Prediger unb Lehrer. Auch bie Errichtung höherer Schulen und Universitäten ist nur durch beit Zusammenschluß mehrerer ober vielmehr vieler Gemeinben möglich. Aus bie Gemc-indckildung setzt bie Mission ihre ganze Hoffnung, sowohl bei killturlosen Völkern, wie bei solchen mit aller Kultur. Wo Missionen aus änderen Gründen auf Gemeinde­bildung keinen Wert leg eit, weisen sie ihre Gläubiger schon be­stehenden Gemeinden zu. Mit einem von dem Vorsitzenden ge- sprockenen Gebet wurde die Versmnmlung gegen 61/3 Uhr gb schlossen.

** Der Ausschl a g und die Erhebung der Beiträge der Vieh besitz er in Gemäßheit des Reichsviehseuchengesetzes unb des Gesetzes über die Entschädigung für an Maul-- und Klauenseuche gefallenes Rindvieh. Für R i ub v i e h ist zur Deckung ber Ausgaben für das Rcchnungs-jahr 1912 der geringste jähr­liche^ Beitrag mit 15 Pf. für ein Tier mit cingetretenem Zahnwechsel und mit 5 Pf. für ein Tier ohne Zahnwechsel zu erheben. Die Heb'gebühr für die Vereinnahmung und Ablieferung der Beiträge wird auf 6 v. H. bestimmt. Für- Pf erde fällt die Erhebung von Beiträgen für das abgefaitfeite Rechnungsjahr aus.

** Bezirks-Tierschauen. Wie allgemein bekannt ist, mußte die im vergangenen Herbst angcsetzte Kreis-Tier­schau infolge Seuchengefahr plötzlich abgesagt werden. Als Ersatz sollen deshalb im Kreis Gießen eintägige Bezirks- Tierschauen abgehalten werden. Sie finden statt: in Grün berg am 13. Mai für Vogelsberger 011S dem Be­zirke Grün berg und Ziegen aus den Bezirken Grünberg und Geilshausen-Londorf; in Gießen (Hardt) am 15. Mai für Vogelsberger aus dem Bezirke Gießen und Ziegen ciuS den Bezirken Gießen und Alten-Buseck-Lollar; in Lich am 2 3. Mai für Simmentaler, Schweine und Schafe aus dem ganzen Kreis und für Ziegen aus den Bezirken Hungen, Lich und Ober-Hörgern-Lang-Göns. Die Züchter, die sich an den Schauen- beteiligen, müssen ihre Tiere unter Angabe der Herdbuchnunmier, bezw. Jungvielmunimer unb der betreffenden Klaffe beim Lanbwirtschaftskaimner-Ausschuß anmclbcn. An­meldeschluß für Grünberg ist der 5., für Gießen der 8. unb für Lich der 10. Mai. Am Tage der Schauen findet vor­mittags die Prämiierung statt, nachmittags, erfolgt Bericht­erstattung und Auszahlung der Preise.

** Bahnpersonafien. In den in der Dienstagsniim- mer veröffentlichten Personalien muß es stattHilfsrvageuführci zu Wagenführern" die Hilfswerkführcr Jung unb Schlesier zu Werkführern heißen; weiter Hilfsheizer zu Lokomotivheizern unb nicht Hilfslokomotivführer zu Lokomotivführer (bie falschen Be­merkungen entstauben daburch, baß in bem Bericht eine Reihe mwerstänblicher Mkürzungen enthalten war. Reb.)

Landkreis Gießen.

-i. Inheiden, 9. April. Daß auch Spar- und Darlehenskassen, e. G. m. u. H. finanziell noch recht gut stehen, bewies die Hauptversammlung unserer Spar- unb Darlehenskasse. Die Jahresrechnung ergab einen Rein­gewinn von 840 Mk so daß 6 Proz. Dividende verteilt werden konnten. Die Versammlung beschloß, davon abzu­sehen, die Kaffe in eine e. G. m. b. H. umzuwandeln. Von der landw. Genossenschaftsbank in Darmstadt besaß die Kasse nur zwei Aktien. Die Mitglicderzahl ist 99. Ilmgesetzt wurden im letzten Jahr über 250 000 Mk.

Kreis Friedberg.

(L) Friebb!erg, 8. April. Der heutige Markt war von auswärts sehr gut besucht! Der Viehmarkt war schi- stark mit Schweinen befahren. 400 Tiere waren auf getrie­ben, lauter schöne Tiere. Die Preise waren hoch, ^kleine Ferkel kosteten 35 bis' 40 Mk, größere Läufer 50 bis 70 Mr das Paar. Springer kam'en auf 80 bis 90 Mk. Der Handel war lebhaft, viele Käufer waren erschienen. Gegen 1 Uhr, nachdem beinahe alles verkauft war, wurde abgeräumt. Auch der Gemüsemarkt war recht lebhaft. Kartoffeln koste­ten: Steckkartoffeln 5 Mk. ber Zentner, Speisekartoffelu 3,50 Mk. Aepfel bas Pfund 15 Pf., Butter 1,50 Mk., Eier 7l/2 Pf. bas Stück, Käse bas Stück 7 Pf. Der Krämermarkl war mittelmäßig.

F r i e b b e r g, 9. April. Der hiesige, vor mehirereu Jahren gegründete Beamten-Konsum-Verein, ber sich feit einiger Heit in Zahlungsschwierigkeiten befand, sieht sich genötigt, um einem Konkirrs aus dem Wege zu gehen, seinen Glaiibigem einen Vergleich anzubietcn. Man spricht

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