Ausgabe 
10.4.1913 Erstes Blatt
 
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schäften würden im Kriegsfälle auf die Unteroffiziere schienen. Diese f?U,u6cnmgen waren ut derselben 91 acht durch vier Geschailsreiscndc ans der Hannlwache angezeigl worden. In der heutigen Berufungs­instanz stellte sich heraus, daff die vier Geschäftsreisenden an dein fraglichen Abend so stark belrunien wareii, das; ihnen kein Bier mehr verabreicht nnivbe. Deut Zahlweisteraspiranten Pospiech wurde von drei Hauptleuten das denkbar beste Zeugnis nu§gcfte(lt. lieber- baupt fotmlcn seine s2(cuBerungen nicht ciniunubfrei festgestellt wer­den. Gr ivurde dann aiich nach kurzer Beratung freigesprochen. Bemerkenswert ist, das; deut Kompaaniechef des Pospiech verbalen ivurde, dieseit vor Gericht zu uerteibigen. Ter Vertreter der An- klagebebörde batte eine Erhöhung der Strafe aus drei Monate verlangt. Nach der Verkündung de? Urteils ivurdeit Beifallsrufe int Gerichtssaale laut. TaS Publiktiin nahm gegen die VelastungS- zeugeii eine drohende Haltung an.

w. Gelsenkirchen, 9. April. Auf dem Flugplatz Gelsenkirchen- Essen-Rotthausen ist heute nachmittag der Flieger Lichte infolge Absturzes tödlich verunglückt.

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** Dte oberhessischen Jungviehwerdcn werden Ende April und Anfang Mai wieder eröffnet. Da sie noch nicht aanz bci'et>r sind, können noch einige Tiere aufgenommen wer­den: die Anmeldung hat bis spätestens sunt 20. April zu er­folgen. Den Züchtern, die Tiere auf die Weiden bringen wollen, ist zu empfehlen, das Vieh jetzt schon auf den Weidegang vor­zubereiten, indem sie ihnen alltäglich etwas Bewegung im Freien verschaffen.

Amtlicher Wetterbericht.

£) e f f c n i I i rh p r Wetterdienst, Gießen.

Wetteraussichten in Lessen für Freitag,, den 11. April 1913: Wechselnd bewölkt, einzelne Neciensibauer, kühl.

Eiatelm-FäMBasita-teei8 ftta

Samotag, den 12. April, abends 8 Uhr, findet das

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Naturheilverein Gießen Wir warnen unsere Mitglieder vor dem Besuche der von Madame Lola Bernhard augekündigten beiden Damen-Vorträge. v<7 Ter Vorstand.

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Ms Hauptursachc der Katastrophe gilt ein brefrfiägtger Wol­kenbruch.

* Gefälschte S checks. Nach einer MÄdnng aus Brenz lau wurden von einem unbekannten Betrüger vom .Konto der Firma 'A. Goldschmidt-Leipzig 20000 Mark auf gründ zweier gefälschter Kassenscheine über, je 10 000 Mark abgehoben. Die Auszahlung des Geldes erfolgte in 20 Tausendmarkscheinen. Die O b e r Po std i r c k t i 0 n setzte auf die Ermittelung des Schstnndlcrs und die .Herbeischaffung des l^ldes eine Belohmmg von 800 Mk. ans.

Kleine Tageschrontt.

In der vergangenen Nackt entstand in Unterhaun bei Königsee ein Feuer. Es brannten sechs Wohnhäuser und zehn Nebengebäude nieder. Der angerichtete Schaden ist sehr groß. Die Ursache ist unbekannt.

In Aschaffenburg schoß sich der 82 jährige Landgerichts direktor a. D. Maurer gestern eine Rckvolvcrkugcl in die Brust und liegt jetzt hoffnungslos darttiedor. Die Ursache der Tat wird in einem schweren Leiden gesucht, unter dem der allgemein hock'- geschätzte Beamte schwer gelitten haben soll.

von Mindestverchust von 14000 Mk. Wenn ein länd­licher Konsnmverciil in eine derartige Lage kommt, so ist -man geneigt, die schlechte Wirtschictft damit KU entschuldigen, g> geschästsunkundige Landwirte an der Spitze des Unter­nehmens standen, die es nicht besser gewusst hättet:. Diese lEntschnldignng länn man im vorliegendeit Falle nicht gelten lassen, denn üt der Leitung des hiesigen Konsumvereins Sitzen erfahrene Beamte, lind trotzdem dieser Misterfolg, der um so bedauerlicher ist, als dadurch zahlreiche kleine .Beanrte um ihrett Geschäftsanteil kommen und mit der ganzen .Haftsumme heratige^ogen werden sollen. Bedauer­lich ist, daß man auf Stimmen, die zur Besonnenheit ge­mahnt hatten, nicht gehört hat.

Starkenburg und Rheinhessen.

m N umpen heim, 9. April. Heute hatte der hiesige Hof zahlreichen fürstlichen Besuch. Es lauten in Auto­mobilen an: Herzog voit Cumberland, Prinz Friedrich Karl non Lessen, Prinz August von Braunschweig-Lünebura, Prinz Wolfgang von Hessen, Prinz Max von Baden, die Herzogin Tym von Cumberland, die ihre Jugendzeit int Nnmpcnbeimer Schloß verlebt bat, die Prinzessin Viktoria Luise, die Prin° zessin Friedrich Karl und die Prinzessin Max von Baden. Die Herrschaften nahmen t;n Schloß den Tee ein unb unter­zogen es einer eingehenden Besichtigung. Nach längerem Aufenthalt fuhren die Gäste im Slutouiobit wieder nach Frank­furt zurück.

Veremsnachrichttn.

*° Der ä N g e v k r a n z", der in diesem Jahre auf ein fünfzigjähriges Bestehen zurückblickcn kann, rüstet sich jetzt schon, um sein Jubiläum in ivürdiacc Wecke begehen zu können. II. a. soll in einem arößeren RomertParadies unö P er i" gesungen werden Bei der regen Beteiligung und dem allgemeinen Interesse, das die Mitglieder der Feier entgegenbringen, sowie in Anbetracht der ieitberigen Leistungen desSängerkranzes" dürfte ein sehr irböncS Jubiläums-Konzert zustande kommen. Tie Sing­stunden sollen schon nächste Wocke beginnen.

Der Schutzmann als Gattenmörder.

A Göttingen, 9. April

Nach Eröffnung der heutigen Sitzung wurde ivährenb der Vernebnnmg eines Architekten für eine kurze Zeit die Oeffentlickkeit ausaeschlosscn. Nach dem Gutachten der ntedizinischen Sack- verständlgen ist der Tod der Frau durch Ertrinken erfolgt. Tie den Geschworenen vorgelegte einzige Schuldfrage lautet auf Mord; in ihr ist die Schuldfrage nach Totschlag enthalten, mildernde Um­stände kommen bei Totschlag gegen einen Ehegatten nicht in Frage. T--r Staatsanwaltschastsrat Hitze beantragt in seinem Maidoyer, die Schnldfrage in vollem Umfange zu bejahen. Der Verteidiger hebt hervor, daß die Geschworenen nur nach der Beweisaufnahme rimten dürsten, die keinen Anhaltspunkt für die Schuld des An­geklagten ergeben habe.

In später Abendstunde wurde Romahn zumTodever- urteilt.

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Hinsichtlich der deutsch-amerikanischen Handelsbeziehungen

wird von sachverständiger Seite in New Bork erklärt, ,ba& die vor- aescklagenen Zollcrmiffiaungen für Textilwaren, Baumwolle, Wolle und in eitrigen Fällen der Seidenwaren im allgemeinen bessere Aussichten für die deutsche Einfuhr er­öffnen. Als am wenigsten sind die Zollcrmäffigungcn für Pa Pier­ro hstvffe und Bapienabrikate zu bezeichnen. In einigen Fället, sind bessere Absatzbedingungen für Eisenwaren, Walzwerkprvonkw und weiter verarbeitete Produkte wie Maschinen und ferner für gewöhnliches Steingut und Porzellan gegeben. Vic! hängt von der Fähigkeit der Amcnilaner ab, die. ausländische Konstirrenz zu unterbieten. Ms ungünstig für Deutschland ist au- znseben, dast einzelne stofflcittccrproduktc, wie Kreosot und die Zwischenprodukte der F-arbcnindnstrie itunmclyr zollpflichtig wer- den Das wichstigste ist die ReziMozitäts-Bestrmpmng, welche eine vollst'indi"e Ilmwandluwg der amerikanischen Handelspolitik be- den'e'- Abgesehen von de?r Kvntrollbefngnissi'n der Spezialagen.tetr h-'S SrhatzÄntes sind die Zollansführungsbcstimmungcn nicht vcr- scklcckstcrt.__

Tie Wchrftlmen in Frankreich.

Paris, 10. April. Ein Artillerieoberst verlangt im Malin", das Parlament möge beit Offizieren der tech­nischen Truppen, die ans der Armee austreten, durch ein Gesetz die Annahme von Anstellungen in privaten Waffenfabriken verbieten. Es gehe nicht an, ddff diese Offiziere ihre in der Armee erworbenen Kenntnisse und Erfahrungen dazu verwendeten, beispielsweise (3e* schütze zu erfinden, die dann an fremde Staaten verkauft und im Kriegsfall gegen die französische Armee verwen­det würden. ' Wenn diese Offiziere in die Privatindustrie eintreten wollten, so tonnten sie sich der Eleltrizitäts- industrie, der Erzmgnng landwirtschaftlicher Maschinen und dergleichen, aber nicht der Erzeugung von Kriegsmaterial widmen. Man solle die technischen Offiziere durch be­sondere Belohnungen an die Armee fesseln, erforderlichere falls aber durch einen Zusatzartikel zum Spionagegesetz verhindern, ihr Wissen, in den Dienst der Privatgesellschaften zu stellen. *

EntschädigungfürMontenegro.

:/: Köln, 10. April. (Privat-Telegramm.) Die.Köln. Ztg." bestätigt, daß König Nikita für den Ber.zicht aus Skntari eine Entschädigung durch die Ge­währung einer internationalen Anleihe dort 20 M i l l i 0 n e n und eine geringfüg ge Territorialentschädi- gung an der Küste zunächst des Skutarisees erhalten soll.

Prinz .Heinrich in London.

London, 10. April. P r i n z H e i n r i ch v 0 n P r c u - sten ist gestern abend hier eingetroffen. Der Besuch trägt privaten Charakter.

.Hessen-Nassau.

ch. Oestrich, 9. April. Es scheint jetzt festgestellt zu sein, daß der Raubmörder St er nickel auf feinen Irrfahrten durch Deutschland auch im Rheingau wenn auch nur für kürzere Zeit geweilt hatte. Zu einer vom UntcnuchungSrlchtw aus Main; vorgenommenen Feststellung waren in Oestrich 13 Zeugen geladen worden. Die Ermittlungen ergaben, daß Sternickel int Spätherbste 1910 auf dem sogenannten Mapper ftiofc als Knecht in Dienst getreten war. Sein Dienstherr fckstckte ihn dann einmal mit einem Wagen Frucht zu einem Händler in Oestrich. Statt dessen verkaufte der Knecht in .Hallgarben die Frucht für 140 Mk. In Oestrich versuchte er dann auf einen gefälschten Brief hin für feinen .Herrn 2000 Mk. abzuheben. Als ihm dieses mitzlang, flüchtete er. Der Gutsbesitzer will nach einer Photographie Stcruickels seinen früheren Kneckst mit Bestimmtheit wieder erkennen. Auch versckiedette andere Zeugen wollen den Knecht in der Photographie Stcruickels scheu. Bon hier aus soll sich Sleruickel nach Mainz gewandt haben.

Straßburg, 9. April. Bor dem O b e r k r i e g S g e r i ch t des 15. Armeekorps fand heute die Berufungsverhandlung gegen bett Bizeteldwebel unb Zahlmeisteraspiranten Pospiech statt, der am 26. Februar zu zwei Monaten Gefängnis u. De gradatton 1 urgen Beleidigung des Offizierkorps und der Mannschaften ver­urteilt worden war. Pospiech sollte in einem hiesigen Bterlokal geäußert haben, das Offizierkorps sei demoralisiert ,-h dieMann-

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* Ni i t einer rätselhaften Geschichte, die noch dringend der Nachprüfung bedarf, ist die Polizeibehörde von Eh ar lottcnburg beschäftigt. Unter dem Verdacht, an der Ermordung eines 15 Jahre alten Gymnasiasten beteiligt gewesen zu sein, ist das' Dienstmädchen Elise H e i n r i ch aus Rummcls- butg in Pommern verhaftet worden. Ende Oltobcr wurde der Ooersekundaner Ernst Tiemaun in der Wohnung seiner Mutter in der Kandstraffe erhängt vorgcsundeu. Irgendwelche Anzeichen für ein Einschreiten der Behörde ^ergaben sich aber nicht, die Fa­milie betraute jedoch in aller Stille einen Privatdetektiv mit weiteren Nachforschungen. Der Detektiv stellte fest, daß sich das Dienstmädchen Heinrich ungefähr 14 Tage nach dem Tode des Schülers in seine Heimat nach Rummelsburg in Pommern begeben hatte. Er reifte dem Mädchen nach und trat zu seiner Familie in nähere Beziehungen. Schließlich verlobte er sich mit dem Mädchen. 'Eines Tages zeigte er ihm dann einen Brief eines Freundes, in dem er gewarnt wurde, sich mit dem Mädchen einzulassen, da es einmal des Mordes verdächtigt worden sei. Er bat. ihm alles 511 erzählen, er werde cs doch heiraten. Darauf­hin soll das Mädchen dem Detektiv eine etwas romanhafte Er­zählung gemacht haben. Sie habe früher ein Verhältnis mit einem gewissen Schultz unterhalten, der bei ihrer Herrschaft einen Einbruch beabsichtigte. Als dieser ausgeführt werden sollte, fei der junge Tiemaun erschienen. Ihr damaliger Bräutigam habe den Knaben am Halse gewürgt, ihm ein Pulver in den Hals geschüttet und als er tot war, an die Tür gehängt. Der Detektiv sorgte dafür, daff das Mädchen ihre Aussagen in Anwesenheit eines versteckten Zeugen wiederholte, und machte dann Anzeige, worauf 'die Heinrich in Hast genommen wurde. Sie soll auch vor der Polizei ihr Geständnis aufrecht erhalten haben. Nähere Angaben über ihren früheren Geliebten Schultz konnte sie, nickst machen, gab aber von dem Manne eine genaue Personalbeschrei­bung. Der Detektiv macht nun in Rummelsburger Blättern bekannt, daff cs ihm gelungen sei, die Mordaffäre Tiemanu auf­zuklären, und teilte mit, daff er seine Verlobung mit Fräulein Heinrich auflöse. .

* Zwei Menschen verbrannt. Aus Altensteig, 8. April, wird gemeldet: Gestern nachmittag brach in der von vier Familien bewohnten sogenanntenallen Kaserne" Feuer aus, das so rasch um sich griff, daff nichts mehr gerettet werden konnte. Eine alte lahme Frau, die bei einer in dem Hause NMlmendeu Familie in Pflege war, konnte nickst mehr das Freie erreichen und kam in den Flammen um. Auch der Hausbe­sitzer Karl Tafel ist bei dem Versuch, noch etwas zu retten, vcr- brannt. Zwei andere Personen erlitten schwere Brandwincken. Eine von ihnen schwebt in höchster Lebensgefahr. Nach kurzer Zeit hatten auch die beiden Häuser des Schuhmackers Birklc unb des Glasers Lutz Feuer gefangen. Das des Schuhmachers brannte bis auf den Grund nieder, während das andere noch zum Teil gerettet werden konnte. Durch die groffe Hitze Tratten in dem vcrhältnismäffig engen Gebietsviertel sechs weitere Hauser Feuer gefangen und auck das Stadtpfarrhaus war in groffcr Gefahr. Der Schaden ist bedeutend. Das Feuer soll durch spielende Kinder entstanden sein.

* Einbruch in einem Bankhause. In der Nacht zum Mrttwock wurde in der Verkehrsbank Schöneberg ein Eürbruch verübt. Die Diebe erbeuteten etwa 12 000 Mark bares Geld und 37 Wechsel int Gesamtbeträge von 30 000 Mk. Die Bank setzte für die Ermittelung der Täter und Wiederherbetichafsung des geftoblenen Gutes eine Belohnung von 1000 Mk. aus.

* Im Zirkus Earr6, der in Neukölln Vorstellungen gibt, sprang ein Pferd in den Znsckmuerraum hinein. Bei dem entstehenden Gedränge wurden etwa 30 Personen verletzt.

* D c r in das amerikanische Ueberschwem- mungsgebiet entsandte Vertreter derKöln. Ztg." telc graphiert seinem Blatte, daff im Staate Ohio, wo das beut)a;c Element außerordentlich zahlreich ist, allein 3 0 Städte unb Dörfer unb zahllose Bauerngehöfte furchtbar zugcrtchtet wurden.

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