Ausgabe 
10.5.1913 Erstes Blatt
 
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Das nc«8e0tldete mottienegrinr^che Ministerium »etzt sich wie folgt zusammen: Vorsitz und Krieg General Serdar Ianlo W u ko t i t s ch, Ministerium des Innern her f räche re Präsident des höchsten Gerichts Goinitsck, Justiz das Mitglied des höchsten Gerichts Ljnba Ba kitsch, Aus- wärkiges der frühere montenegrinische Geschäftsträger in Konstantinopel Peter P l a m e n a tz, Unterricht und Kultus Gymnasialdirektor Mirko Miuschkowitsch, Finanzen und öffentliche Arbeiten Rechtsanwalt Risto Perovitsch

Cctinje, 9. Mai. Die Einberufung der Skupsch- tina, der die Lkntari frage unterbreitet werden sollte, ist durch das Nachgeben Montenegros überflüssig geworden. Die Skuvschtina wird durch einen königlichen Utas, den das neue Kabinett unterzeichnet, vertagt. Der König empfing alle Mitglieder der Skupschtina in seinem Schlosse und setzte ihnen die Gründe für das Nachgeben Montenegros auseinander. Die Ausführungen des Königs fanden lebhaften Beifall.

Konstantinopel, 9. Mai. Hauptmann Nazun, der Adjutant Niazi Beys, der nach einer früheren Nachricht mit diesem am 29. April in Valona ermordet sein sollte, ist hier eingetroffen.

Ket^sfagscrfatoobl in Ost- und We^SfernbcrG.

Zielenzig, 9. Mai. Bei der heutigen Rcichstags- ersatzwabl im Kreise Ost- und West-Sternberg erhielten Rittergutsbesitzer B o h tz - Sehmagorei (Kons.) 9295, Redak­teur Heile-Schöneberg (Vpt.i 1722, Fabrikant Fröh- l i ch - Lichtenberg (Reformpartei' 1029, Ge Werts cha f ts an ge­stellter Sch üni n g-Lichtenberg (Soz.) 2364 Stimmen. Zer­splittert waren 32 Stimmen. Bohtz ist somit gewählt. (1912 hatte der konservative Kandidat 9142, der Reformparteibw 3427, der Sozialdemokrat 3333 und der Fortschrittler 607 Stimmen.)

PrmfrtriKriMIua.

Dve morgen in Wiesbaden startenden Flieger tu erben von den Automobilen der Oberleitung begleitet, dem Prinzen Heinrich mit den Ordonnanzwagen, Begleitwagen und Sportwagen, bie etwa die Zahl 60 erreichen dürften. Sie fahren von Klein-Linden kommend durch die Frank­furter Straße, W i l h e l m st r a ß c, Ludwig- srraße, Kaiser-Allee nach dem Trieb und nach Mar­burg weiterfahrend durch Kaiser-Allee, Moltke- straße, Ost-Anlage, Marburg er Straße. Am zweiten Pfingstfeiertage kommen die sämtlichen Wagen von Kassel wieder über Gießen, um nach Wetzlar, Limburg, Koblenz zu fahren. An diesem Tage werden die Mar­burger Straße, O st - A n l a g e, Süd-Anlage, Frankfurter Stra ß e durchfahren. Es wäre außer­ordentlich erwünscht, wenn die Häuser dieser Straßen F la gg en s ch m u cf anlegen wollten, zumal aller Voraus­sicht nach mit dem PrinzenHernrich auch unser Groß­herzog die Strecke durch fahren wird. Der Groß Herzog hat ebenfalls für den Prinz-Heinrich-Flug einen Ehren­preis gestiftet, der im Begrüßungszelt mit den Ehren- prrisen her Stadt Gießen und des Vereins für Luftfahrt ausgestellt werden wird. Die Verleihung des Preises hat der Großherzog in das Ermessen dee Prinzen Heinrich ge­stellt. Die Preise der Stadt und des Vereins werden für gute Leistungen auf der Strecke WiesbadenGießen zur Verleihung kommen. Ta bei dem guten Wetter auf einen Massenandrang gerechnet werden kann, wird noch­mals im Interesse Ker glatten Abwicklung des Verkehrs an den Eingängen gebeten,' sich die Karten im Vor verkauf zu sichern. Am Flugtage selbst findet kein Verkauf zu billigeren Preisen statt.

Wiesbaden, 9. Mai. Die Wiesbadener Ftugtage, die dem PriirzAH<wnrich-Fluge vorausgehen, begannen heute nachmittag bei schönstem Frühlingswetter. Es starteten fast alle an dem Prinz-Heinrich-Flug beteiligten Piloten zu kürzeren oder längeren Flügen. Der Tag war in der Hauptfack>e der Abnahme der nicht der Heeresverwaltung gehörigen Flugzeuge durch die Oberleitung des Prinz- Hemrich-Fluges gewidmet. Prinz Heinrich trifft morgen früh 8 Uhr in Wiesbaden ein.

Der .Großherzog «wird morgen früh direkt von Darmstadt auf dem Trieb ankommen, wo auch seine Sicher Verwandten, der Fürst von Lich nebst Gemahlin, Sohn und Bruder -eintreffen werden.

Vom Polizei amt wird uns mitgeteilt, daß alle Automobile, hie grüne Karten fyaben oder sich solche am Festplatz lösen wollen, über Wies eck fahren müssen.

Es sei auf Anfragen hin ausdrücklich daraus hin­gewiesen, daß der zweite und dritte Platz nicht hinter dem ersten Platz liegen, sondern alle Platze direkt an dein Flugplatz Kegen.

Auf dem Zeppelin Luftschiff sind noch vier Plätze frei.

Die augenblickliche Wett er läge ist dem Rund­flug sehr günstig, d-a nicht nur lästige 'Windströmungen fehlen, sondern auch strahlende Sonne, die zum Fliegen nicht besonders günstig ist. Da das Barometer nur langsam steigt, ist keine rasche Aenderung zu erwarten.

Der Eisenbahnfruhverkehr nach Gießen.

Sonntag früh verkehren folgende Sonderzüge:

$1 n y b u r fl G} i e 6 e n: Marburg ab 4^, Marburg-Süd E, Riederweiinar ab 4, Niederwalgern ab 5^, Ironhausen ab b^, Lriedelhausen ab 522, Lollar ab 5££, Gießen an o^.

M ü ck e Gießen: Mücke ab 42!, Grünberg ab 4^2, Göbelnrod ab 422, caaien ab 4^2, Reiskirchen ab 4^2, Großen- Buseck ab 5, Rödgen ab 522, Gießen an 5£2

$) u n g c n - G i c ß e n : Hungen ab 422, Langsdori ab 4^2, Lich ab 522, GW r beute ich ab 522, S.chlsfenberg ab 522, Gießen an 522. Die Zuge halten nn allen Stationen.

Ans Stadt nnv Land.

Gieß er:, 10. Mai 1913.

Pfingsten»

lieber die Tatsachen, die sich zu Jerusalem auf dem merkwürdigen Pfingstfeste des Jahres 33 und darin in den rrächsteu Jahren in den christlickwn Gemeinden zu- getragen haben, über die Geistesmitteilung, das Zungen­reden und das Weissagen, sind sich die Gelehrten nicht ganz llar, eins aber ist gewiß: ein neues Leben, Leben ans Gott, Leben durch Christus gewirkt, hat sich damals den Christen mitgeteilt, und dieses Leben hat eine solck>e Kraft gehabt, daß es im Laufe der folgenden Jahrhun­derte seinen Siegeszug über die ganze Welt angetreten und sonrohl die antike Kultur wie die rnorgenländisckw Lebens­weisheit durchdrungen hat Solche Bewegungen kommen nickst allzu häufig. Vor hundert Jahren hat ein neuer Geistesodem unser Voll durchzogen: einer der damals Lebenden und Kämpfenden, mim lieb Eichendorfs, lm! dar über gesagt:Sv brach gewalttq und mit kühnem Grausen ein rnächt'ger Frühling in die Welt 1 verein.' Wir wissen freilich, daß der Geist Gottes sich auch in der Stille, imb zwar hauptsächlich -in dar Stille, au:

wirkt. Wo ein Mensch in Cwtt Frieden gefunden hat, .vo er reines Herzens ist, erfiillt von Nächstenliebe, wo -r, auf festem Glaubens gründe stehend, für andere segens­reich wirkt und die Hemmungen des Lebens so überwindet, - er dadurch reifer und besser wird, da hat der heilige Geist in ihm Wohnung gemacht. Aber die Menschheit braucht, soll sie nicht alt und welk werden, von Zeit u Zeit eine Geistesmitteilung, die nicht dem sanften Wehen ?e5 Abendwindes, sondern dem schwellenden Frühlings sturme gleicht. Es scheint uns, als ob unsere Zeit einer neuen, großen Mitteilung des Lebens aus (^ott, des Geistes, der, wie Paulus sagt, ein Geist der Ära ft, der Liebe und der Zucht ist, besonders bedürftig fei. Wir brauchen den Geist der Kraft. Zwar an Menschen, die anderen gegenüber kraftvoll ihren Willen Lurchgesetzt haben, hat es in der Zeit, die hinter uns liegt, nicht gefehlt. Erdbeherrscher, . ic sich wie Napoleon I. auf den Knauf ihres Schwertes gestützt haben, Kolonialpolitiker, die wie Cecil Rhodes fremde Völker unterjocht, Industrielle, die nach arneri- ianischem Muster die .ganze Welt zur Abnahme eines Artikels gezwungen haben, dessen Preis sie selbst be­stimmen, hat es genug gegeben, und in Nietzsche hat dieses Herrenmenschentum seinen Apostel und Dichter gefunden. Wir brauchen jedoch die Kraft der Persönlichkeit, die Kraft des Gottesmenschen, der ein reiches Innenleben führt und anderen davon mitteilt, wir brauchen Menschen, die dem Baume vergleichbar sind, der seine Wurzeln tief in das Erdreich schlägt und weithin Schatten spendet. Ter heilige Geist ift auch ein Geist der Liebe. Das Gebot, daß wir unseren Nächsten lieben sollen wie uns selbst, wird nicht dadurch erfüllt, daß wir immer neue Wohl­tätigkeitsvereine gründen und Beiträge einsammeln, wahr­lich auch nicht dadurch, daß wir Leuten, die die ehrliche Arbeit scheuen und es nie lernen, sich in die Verhältnisse zu schicken, die Mittel geben, ihr unnützes Leben fort­zusetzen. Liebe üben heißt: dem Nebenmenschen gerecht werden, feine berechtigte Eigentümlichkeit schonen, feine Würde nicht antasten. Wie läßt der Kampf in unserem öffentlichen Leben die Liebe vermissen, die alles glaubt, alles hofft, alles duldet, wie hat er vielfach die Ge­hässigkeit im Gefolge, der es nur darauf an kommt, den Gegner zu tränken funb ihn zu Boden zu treten. Wir brauchen endlich den Geist der Zucht. Damit ist die Zucht gemeint, die der Mensch über sich selbst ausübt, die heil­same Selbstzucht, der sittliche Takt im Umgang mit Men­schen, die Fähigkeit, den Freuden und Leiden der Welt gegenüber nie das rechte Maß zu verlieren. Jedenfalls hat die Christenheit unserer Tage allen Grund, sich das kraftvolle Psingstgebet der alten Kirche anzueignen: Komm, heiliger Geist, erfüll' die Herzen deiner Gläu­bigen und entzünd' in ihnen das Feuer deiner göttlichen Liebe, der du durch Mannigfaltigkeit der Zungen die Völ­ker der ganzen Welt versammelt haft zur Einigkeit des Glaubens: .Halleluja! Halleluja!" H. B.

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** Tageskalender Biograph-Lichtspiele: Täg­lich Vorßelluna.

B a k o s s K a in m e r - L i ch t s v i o l e: Täglich Vorstellung. Lichtspielhaus: Täglich Vorstellung.

O b e r h e s s i s ch e r K u u st v e r e i n. Gemäldeausstellung im Turmhaus am Brand. Geöffnet täglich (mit Ausnatune von Samstag) von 111 Uhr, Sonntags von 113 Uhr, Mittwoch nachmittag von 3-5 Uhr.

Oberhessisches Muse u m u n d G a i l' s ch e S a m m - l u n g e n. Geöffnet Sonntag vormittags 11 1 Uhr unentgeltlich.

Museum für Völkerkunde. Geöffnet an Sonntagen vormittags von 111 Uhr unentgeltlich.

M i l i t ärk o nze rt in Steins Garten. 1. Pfingstselcrtag 8% Uhr abends.

Militär ko nzert aus der Liebigshöhe am 3. Feiertag, nachmittags 41/, Uhr.

* * Vom Grobh. Hos. Der Prinzregent von Bayern nebst Gemahlin luitb nunmehr am Dienstag nachmittag 5 Uhr zu seinem Antrittsbesuche am hiesigen Hofe auf mehrere Tage cintreffen.

Ober hessisch er Kunstverein. Neu aus­gestellt sind Sammllingen von Prof. E. Liebermann, Prof. G. Kamp mann, W. Witting und farbige Sil­houetten von F. Kuhlmann. Die Ausstellung ist täglich, mit Ausnahme des Samstags, geöffnet.

* * Hundertjahrfeier des I n f. - Re g t. 116. Zu dem Fest haben sich jetzt rund 700 Veteranen gemeldet. Von den zur llebernaditung An gemeldet en werden 1000 in Gießen selbst und ungefähr ebensoviel in der näheren Umgebung untergebracht. An dem gemeinschaftlichen Mittagessen am Sonntag nach der Parade werden 7000 Personen leilnehmen, zu deren Verpflegung das Regiment für jede Festhalle drei fahrbare Feldlüchen zur Verfügung gestellt hat. Es wird eine bepnberc Festteilnehmerliste gedruckt werden, die nach Jahrgängen und Kompagnien geordnet ist und jedem Angelchrigen der Iubiläumsver- dnigung lostenlos anS<ge händigt wird. Der preußische CiseNbahnminister hat Hern Verband mitgeteilt, daß die Eisenbahlldirettioneu angewiesen sind, allen Beamten zur Teilnahme an dem Fest Urlaub zu gewähren. Der Staats­sekretär des Reichspostamtes hat geantwortet, es möchten die Beamten bei ihrer zuständigen Direktion Urlaubsgesuckw einreichen. Die letzte Verbandssitzung findet am Sonntag, 18. Mai, vormittags 10 Uhr, auf der Liebigshöhe statt, zu der die Vertreter' aller 52 Vereinigungen erwartet wer­den. Die Festdenttnünzen ft eben beim Regiment zur Ver­fügung und sind von einzelnen Vereinigungen fdyon ab- gerrommen worden. Am Festmontag findet ein Festessen zmn Preise von 2 Ml. für das Gedeck - statt, zu dem auch auf eine rege Beteiligung aus hiesigen Bürgerkreisen ge­rechnet wird. Einzeichnungslisten liegen bei den Vorver- kaufsstellen offen. Die Festbücher mit vollständigem Pro­gramm sind vom 15. d. Mts. ab zum Preise von 10 Pfg. in den Vorvertäufsstellcn erhältlich, ebenso die offiziellen Festpostiarten und die Regimentsgeschichten. Nach Mit- leilung des hiesigen Postamts wird auf dem Festplatz eine Zweigpostanstalt errichtet mit Freimarlenverkauf, Fern sprech und Telegrammverkehr und Ausgabe von Brief­schaften, die postlagernd Festplatz gesandt' werden können.

Unser Regiment ist heute um die Mittagsstunde ein getroffen.

* * Tierschau zu Gießen am 15. Mai. Wie bereits mitgeteilt wurde, veranstaltet der Landivirlschaitskammer Aus- sckmß für Oberbeilen als Ersah für die im Vorjahre bei Abhaltung der Kreisschau iniolgc herrschender Maul und Klauenseuche ab-= gesagte Prämiierung ' von Mauenvieh örei Heinere Schauen, die nur von den Viehbesipern beschickt werden können, die Tiere für die Kreisschau angemeldet hatten. Am 15. Mai findet eine solche Tierschau auf Bichlers Hardt für Vogelsberger aus dem Bezirk 'G i e ß e n und stir Saanenzieqen ans den Bezirken Gießen und Alten -Bus eck Lollar statt. Der Austrieb zu der Schau beginnt vormittags 'MO Uhr und muß um 10 Uhr beendet fein. Angemeldet für Abteilung Vogelsberger imb Ins ießt 17 Kühe und eine Familie; für Abteilung Ziegen

ein Bock und 47 Ziegen. Ist diese Schau nach der angegeben« Beschickungszisfer auch von kleinerem Umfange, so dürfte i'ie doch manches von Interesse bieten, weshalb ihr Besuch empföhlet: wird.

Bleuenzüchterverein Gießen und Um­leg e n b. Der für den 1. Juni geplante Gang nach den Bienenständen soll schon am 18. Mai stattfinden.

Landkreis Gießen.

A Watzenborn-Steinberg, 9. Mai. Die Ge­meinde und der,\rriegen>erein wollen ein äticgerbenf- m a l errichten. Zwei Akodelle waren hier ausgestellt. Das Denkmal soll in den Schulhof an der Kirche kommen.

ArnSburg, 9. Mai. Tas (Soang. Rettung8- () a u § feiert, wie herkömmlich, am 3. Pfingsttag, nach, mittags 2 Uhr, sein Jahresfest, zu dem jedermann ein- geloben ist. Festredner sind die Pfarrer Jul. Werner und Tr. B u s ch.

, + Ettingshausen, 8. Mai. Die Preise der fetten Schweine sind gegenwärtig sehr niedrig im Ver­gleich zu den Ferkeln und auch zum Verkaufspreis des Fleisches. Bieten doch die Metzger und Händler den Bauern für fette Schweine nur 48 Pfg. das Pfund Lebendgewicht, nehmen aber für das Pfund Fleisch noch 8085 Pfennig. Ties veranlaßte den Landwirt Ludwig Jox hier heute zum Schlachten eines Schweines, daS lebend 252 Pfund und ge­schlachtet 212 Pfd. tuog. Er verkaufte das Psund zu 65 Pfg. und sand gut seine Rechnung. Ja, die Nachfrage nach Fleisch war so stark, daß er an demselben Tage ein zweites Schwein schlachtete. Trotzdem konnte er die Abnehmer nicht alle be­friedigen; in kurzer Zeit war auch dieses Fleifeh verkauft.

Lollar, 8. Mai. G e me i uder a t s si tz u n g. Ludwig Geißler V. beabsichtigt auf feiner Hofreite ein Stallgebäude zu errichten. Da an der Hofreite noch keine Baulinie festgelegt ist, wird- sie nach dem vom Kreisamt vorgelegten Plan genehmigt. Tas Gesuch der israelittschen Religions gemein de um Bewilligung eines Z u - s ch u s s e s zum R eli g io ns u n t c rr ich t wird ab- gelehnt, mit der Begründung, daß Ausnahmen für ge­wisse ReligionSrichtuugen von der Gemeinde nicht unter­stütz t werden. Das Gesuch des Kegelttnbs Gut Holz um Ucberlaffung des Turnplatzes zum Festplatz wird genehmigt. Eine Abgabe wird nicht verlangt. Tas O^esuch des Hch. Deibel II., die Kosten des H a n p t k a n a l s in der von ihm projeltierten Straße auf die Gemeinde zu übernehmen, wird einstimmig abgelehnt, dagegen das z.veite Gesuch wegen Verlegung des Weges einstimmig genelMigt. lieber die Anschafsnng eines Kan al wage ns wird der Bürgermeister beauftragt, verschiedene Angebote einzu­ziehen, in einer späteren Sitzung soll über diesen Punkt nochmals verhandelt werden.

Kreis Büdingen.

h. Büdingen, 10. Mai. Heute hat die Glasfabrik ihren Betrieb eingestellt. Zahlreiche Arbeiter sind durch die Maßregel brotlos geworden.

Kreis Lauterbach.

Landen hausen, 9. Mai. Vor etwa 3 Jahren wurde für die hiesige Gemarkung das Feldbereinigungs- v erfahren eingeleitet und schließlich auch nach langen Ver­handlungen von der Mehrzahl der Grundbesitzer unterzeichnet. Aber bis jetzt ist so viel wie gar nichts geschehen. Woran die Verzögerung liegt, ist den Bewohnern unverständlich; in der benachbarten preußischen Gemeinde Müs ift die Feld« bercinigimg ein halbes Jahr später beschlossen worden und jetzt schon beendet.

Kreis Friedberg.

v. Bad-Nauheim, 9. Mai. In der heutigen Sitzung der Stadtverordneten wurde folgendes verhandelt: Tie Versammlung stimmte den Bauvorschriften über folgende Straßen und Plätze zu: Dunker-, Otto-Weiß-, Luisen- und Uhlandstraße, sowie des Fußweges an der Stadtschule und des freien Platzes südlich am Ernst-Ludwig-Ring. Letztgenannter Plc^tz wird zur Erinnerung an den Kirraufenthalt der 'Kaiserin von Oesterreich im Iabre 1898 den Namen Kaiserin-Elisabeth-Platz erhalten. Bezüglich der Einfriedigung von Vor­gärten werden neue Besttmmungen erlassen. Die Einfriedigung muß leicht und lustig sein, Schaukästen und Schilder dürfen nur vereinzelt angebracht ivertan. Die Versammlung genehmigt einen Vertrag mit den Hebammen, nach dem diesen bei Armengeburten eine Mintafteinnahme garantiert wird und ihnen die nötigen Medikamente und Desinfektionsmittel gestellt ioerden. Für die Teilnahme an einem H e b a m m l e h r k u r s u s wird an jede Hebamme eine Beihilfe von 25 Mk. gezahlt. Wegen Ein­kauf tar Hebammen in die Fürsorgekasse oder Zahlung der Beiträge für die Alters- und Invaliditäts-Verficherung wlll sich die Versammlung noch nicht binden, sondern soll über diese Frage erst bei anderen Gemeinden Auskunft eingeholt werden. Der Spar und Vorschuß-Verein, der sein goldenes. Jubi­läum am 31. Mai feiert, ladet die Versammlung zu dieser Feier ein. Bei drei Wirtschastskonzessionsgesuchen wird die Bedursnis- srage bejaht. Unter guter Beteiligung fanden heute die ersten G e s e l l s cl) a f t s - A u t o m o b i l s a b r t e n in die Umgebung statt. Die Fahrten sind Vont Kurdirektor ins Leben gerufen und erregen bei den Kurgästen lebhaftes Interesse.

= Bad-Nauheim, 9. Mai. Bis zum 8. Mai sind 48 7 5 Kurgäste angekommen, wovon an genanntem Tage noch 3261 anwesend waren. Bäder wurden bis zum 8. Mai 42 247 abgegeben.

h. Nie der-WöNstadt, 9. Mai. Der hiesige Bür« germeister We i t h tyit seine Entlassung b^t dem Bürger­meisteramt beantragt.

h. Melbach, 9. Mai Ein hiesiger Arbeiter wurde auf dem Wege nach Friedberg von einem Automobil um gefahren und so schwer verletzt, daß er dem Fried­berger >irantenhause -ugeführt werden nrußte.

h. Vilbel ,9. Mai. Tie Rechnung des .H ospitals schließt für 1912 mit einem Ueberschnß von 4495 Mark ab; die Einnahmen beliefen sich auf 25 551 Mark.

Starkenburg und Rheinhessen.

Da r m stadt, 8. Mai. Auf Veranlassung des Hessischen Bundes für H e i m a t s ch u tz hielt gestern abend Amtsrichter Sch w a b e Hochheim einen Lichtbilder­vortrag überDer Retlam e u n f u g in Stadt und Land", zu dem sich zahlreiche Zuhörer, darunter Ministerialrat Dr. Str al,, Kreisrat Tr. Wagner Dieburg und verschiedene Abgeordnete der Zweiten Kammer der Stände eingefunben hatten. Der Vorsitzende, Finanzminister Tr. Braun, dankte für das rege Interesse, das man den Bestrebungen des Hessischen Bundes für Heimatschntz entgegen bringe, der zum ersten Male an die Oefsentlichkeit trete. Der Redner betonte, daß sich der Heimatschutzbund nicht gegen die Inter^ essen der Geschäftswelt, sondern nur gegen den in ganz T eutschland grassierenden Reklameunfug wendet, zum Besten tar Allgemeinheit. TaS Mittel zu einer Besserung bleibt bie Beschränkung der Reklame In der Stadt werde die Architektur und das Straßenbild und auf dem Land die Natun'chönheiten burtb die aufdringlichen Reklameschiltnn' verunstaltet. Tie historische Tradition des Städte- und