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10.2.1913 Erstes Blatt
 
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Line Sitzung öts Zentralvorftander der natisnalliberalen Partei.

DieNationalliberale Korrespondenz" berichtet über die Sitz­ung des Zentralvorstandes der Nationalliberalen Partei, die cm gestrigen Sonntag unter überaus starker Beteiligung aus alle» Teilen des Reiches in Berlin ftattfand. Reichstagsabg. Basser-- mann als Vorsitzender hieß die Versammlung willkommen und gedachte dann zunächst in warmen Worten der Toten, der noch im vorigen Jahre verstorbenen Aby. Äobrecht und Hackenberg, ohne des eben in Darmstadt verschiedenen Geheimrats Haas, zu bereu Andenken sich die Erschienenen von ihren Plätzen er­hoben hatten. Zum ersten Punkt: Auswärtige Politik, Landesverteidigung und Kostendeckung hatte dec Abg. Basser mann selbst das Referat übernommen. Der Redner gab ein den Ernst der Zeit auszeigendes Bild unserer auswärtigen Lage. Tie ganze internationale Lagenötige nnS zu gewaltigen militärischen Anstrengungen, wie sie vielleicht einzig daständen in der Geschichte". Tas deutsche Volk sei reis genug, ür sich in Anspruch zu nehmen., selbständig zu prüfen, ob bic Vorschläge der Regierung für die Erhaltung der Schlagfertigkeit unserer Wehr ausreichend sind. Was die Deckungsfrage anlange, so sei der Weg vorgezeichnet durch den im Vorjahre angenommenen De'itzsteuerantrag Bassermann-Erzberger. Greise die Regierung mit fester Entschlossenheit zu, dann, aber aulh nur dann werde sie die vorhandenen Schwierigkeiten überwinden.

In der sich anschließenden Aussprache, an der sich br*

Der Balkankrieg scheint doch noch etwas länger dauern zu foffen, als man , in den letzten Tagen angenommen tyattc. Bei recht spär­lichen, und dazu wenig verläßliche Me'.dnngen aus Sofia und Konstantinopel kann man sich nur schwer ein Bild über die nächsten Aussichten machen. In die Türken ist Bewegung gekommen, sie verstärken ihre Truppen in Galli­poli um ein Armeekorps und landen, wie es scheint, auch an dem andern Kriegsschauplatz neue Truppen. Die Bul­garen ziehen sich von der Tschataldschalinic weiter zurück. Der Berichterstatter derF-rankf. Ztg." in Konstantinopel, der sonst über die türkischen Aussichten meist pessimistische Stimmungsbilder schrieb, berichtet vom 9. d. M. über einenbesseren und übersichtlicheren Zug in der Armee­leitung"'. Fünf Transportdampfer mit 8000 Mann seien unter dem Schutze zweier Torpedoboote in die Gegend von Mydia im Schwarzen Meere abgegangen. Man glaube, daß sie sich vielleicht nach Burgas oder Warna begeben.

Tic Annahme dürfte kaum zutreffen. Die Pforte '.veiß, daß in einem solchen Falle eine russische Intervention unvermeidlich ist, dagegen wird heute nacht mit der Landung des in Jsmid konzentriert gewesenen Armeekorps sowie einer Kurdendivision an verschiedenen Punkten bei Rodosto gerechnet. 3 2 Transport dumpfer sollen diese Ladung bewerkstelligen. Sie wird unter dem Schutze der Flotte vor sich gehen. Zu dem Zwecke erwartet man heute nacht das Bombardement R o - d o st o S. Daß das gestrige Gefecht mit der bulgarischen Nachhut eine ziemlich ernste Ausdehnung annahm, geht aus dem Ein­treffen von mehr als hundert Verwundeten hervor."

Aus Sofia werden wieder Siegesnotizen verbreitet; die Türken seien vor Bulair zurückgetrieben worden. Es tvird dabei aber auch bestätigt, daß dir Türken am Sams­tag abend, als Dunkelheit eintrat, unter Hilfeleistung von ttvanzig Kriegsschiffen Truppen zu landen versuchten. Daß ^ies gelungen sei, wird zwar bestritten, aber es jft eben eine bulgarische Meldung. Ihr stehen kurkische Be­richte, die von 'Erfolgen sprechen, gegenüber.

Wir geden noch folgende Me'ldungen wieder:

Ein neuer Kampf bei Tschataldscha.

DerBerliner Lokalanzeiger" meldet aus Konstan­tinopel: Bei einem neuen Kampfe in der Tschataldscha- lrnie ließen zurückgehende Bulgaren 40 Tote und 45 Verwundete zurück. 81 Bulgaren, darunter ein Oberst, wurden gefangen genommen

Konstantinopel, 8. Febr. Eine amtliche Ver­öffentlichung besagt: Der Feind setzt die Rückwärts- bewegung bei Tschataldscha fort. Es erfolgten mehrere Zusannnenstöße, die mit dem Rückzug des Feindes endeten. Insbesondere bei dem Dorfe Plafa war der Kampf ziem­lich erbittert Tas KriegsschiffJdjlalije", das vor Bue- juek-Tschekmedje liegt, richtete ein Geschützfeuer gegen die feindlichen Stellungen. Die Beschießung Adria­no pol s dauert Tag und Nacht fort, ohne bedeutenden Schaden anzurichten. Tie feindlichen Streitkräfte sind be­schäftigt, auf beit Höhen südlich des Torfes Kannlo und in der UnuTcbintg von Ckifttpoli Befestigungen und Verschan­zungen zu errichten: sie werden von den Geschützen unserer Landtruppen und Flotte beschossen. Die Konsuln von Adrian opel erneuerten bei den hiesigen Botschaftern ihre Bitte, es möge entweder eine neutrale Zone geschaffen, die es den Ausländern ermöglicht, außer Schußweite zu bleiben, oder deit Ausländem gestattet werden, Mrianopel zu verlassen.

Sofia, 8. Febr. Die türkischen Truppen rück­ten gestern ans der Tschataldscha.Linie in drei Richtungen vor. Eine aus sechs Bataillonen be­stehende Kolomte marschierte, unterstützt von der Artillerie des Forts Giaur-Bajir und den Kanonen zweier .streu,ser und zweier Torpedoboote, welche vor Bujuk-Tschekmedschc verankert waren, morgens um 9 Uhr gegen die bulgarischen Truppen, welche die Positionen bei Amautkoej besetzt hiel­ten. Diese warfen den Feind durch einen energisckun An­griff gegen die Brücke von Bujuk-Tschckmedsckx zurück.

Erne zweite aus zwei Bataillonen bestehende >do- lonne rückte twrgeftem von Baktscheichkoej vor, zog sich aber vor dem Infanterie- und Artilleriefeuer der Bulgaren über Karasu zurück, ohne den Gegenstoß abzuwarten, zu tvelchem sich die Bulgaren anschickten.

Endlich setzte sich ein türkisches Regiment mit einer Mitrailleusen-Abteilung und Gebir-isbatteric voll dem Dorfe Guktscheli her in Bewegung, wurde aber von den bulgarischen Truppen mit dem Baionett angegriffen nnb

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zu einem Rückzug in größter Unordnung gezwungen, wobei es die Toten und Verwundeten auf dem Schlachtfeld suruck- ließ. Außerdem sind alle Versuche der Türken, auf der ~mte Zenidzekoej-Larakoej in der Gegend von Terkos zur Offen­sive überzugehen, gescheitert. Der Feind zog sich Serail in seine ursprünglichen Stellungen zurück. Wahrend des ganzen Tages machten bulgarische Flugzeuge Er- cundungspslüge über der Tschataldscha-Linie.

Tic Beschießung von Adrianopel eingestellt?

Konstantinopel, 10. Febr. Nach Meldungen hie­siger Blatter haben die Bulgaren gestern abend die Beschießung von Adrian opel eingestellt.

Sofia, 9. Febr. Nach hier eingetroffenen, nicht amt­lichen Meldungen unternahm ein türkisches Regi­ment heute einen Ausfall an der Ostfront von Adrianopel, wurde jedoch zurückgeschlagen. An der Küste des Marmarameeres führten die Türken heute keine Aktionen durch. Ties wird dahin ausgelegt, daß sie infolge des gestrigen Mißerfolges die Absicht, eine Lan­dung durchzuführen, aufgegeben haben.

Konstantinopel, 8. Febr. Wie verlautet, pro­testierten die Konsuln in Adrianopel energisch bei den Botschaftern gegen die Art der Beschießung der Stadt, die gegen das Prinzip der Mensch- lichkeit verstoße. Nach einer Blattermeldung haben die Minister gestern gleich nach dem Selamlit in der Moschee über die Sage der türkischen Flotte beraten.

Bon» Kriegsschauplatz auf Gallipoli.

Tie WienerNeue Freie Presse" schreibt aus Kon­stantinopel: Die türkischen Bewegungen nach Gallipoli wurden von zahlreichen griechischen Ban­den beobachtet und belästigt. Infolgedessen wurden die griechischen Bürgermeister und die Notabeln aus den ge­räumten Ortschaften als Bürgen nach Gallipoli mitge­nommen und die Ortschaften selbst durch Be­schießung seitens der Kriegsschiffe gänzlich zerstört. Alle Einwohner flüchteten in wil­der Panik nach Gallipoli, zum Teil auch auf die dorthin bestimmten Truppentransportdampfer. Dabei kam es nach Erzählungen hier angekommener Flüchtlinge wiederholt zu Schreckensszenen. Zahlreiche Boote kenterten in­folge von Ueberlastung. Hunderte von Per­sonen ertranken, darunter viele Soldaten. Erst dicht vor Gallipoli gelang es dem türkischen Kvm-- mandanten, die Massenflucht zum Stehen zu bringen und

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Herren Dr. Arning, Prinz zu Schönaich-Carolath, Restn»v.^. Dr Röchling, Dr. Leidig, Dr. Stresenumn, Dr Bogel und ' Rechtsanwalt Falk beteiligten, wurde von allen Seiten mit nach­drücklichem Ernst auf die Mißstimmung aufmerksam gemacht, die ob des Mangels an jeglicher Initiative in der auswärtig« Politik an der verantwortlichen Stelle draußen im Volke herrscht. Es greife allmählich eine Erbitterung darüber um sich, daß vom Volke fortgesetzt die schwersten Opfer für unsere Rüstungen ge­ordert werden, daß wir aber bei allen Gelegenheiten, wo dir Welt verteilt wird, zurückweichen und zusehen, wie die ander« Völker ihre Machtsphären ausbreiten und ihrer Industrie und ihrem Handel den Weg ebnen. Bezüglich der Deckungsfrage kam von verschiedenen Seiten zuni Ausdruck, daß die Fraktion an der Erbansallsteuer als der unter den gegebenen Ver­hältnisse geeignetsten Besitzsteuer festhalten möge. Dos Ergebnis der Aussprache wurde in nachstehender, von den Abg. Basfermann, Dr. Friedberg und Schiffer eingebrachten, einstimmig angenom­menen Entschließung niedergelegt:

Der Ernst der Zeck erfordert mehr als je zum Schuh unserer nationalen und wirtschaftlichen Interessen eine kraß- volle, stetige und zielbewußte auswärtige Politik. Zu ihrer Durchführung bedarf es zunächst einer zeitgemäßen Reform der auswärtigen Dienstes, der durch Beseitigung der herncbend« Exklusivität allen dazu geeigneten Kräften unseres Volkes zu- gänglich zu machen ist. Vor allem ist aber eine schleunige und gründliche Verstärkung unserer Wehr unumgänglich notroenbif. Im Einklang mit dem Standpunkte, welchen die Reichstags- li frattion bei der Quinguennatsvorlage des Jahres 1911 und II bei der Militärvorlage des Jahres 1912 eingenommen hat II fordert der Zentralvorstand die Durchführung der allgemeintn j Wehrpflicht und aller Maßregeln, welche zur Beschleunigung I der Mobilmachung und der Sicherung einer kraftvollen Offen- I sive dienen, und begrüßt mit Genugtuung den Entschluß der I verbündeten Regierungen, dem Reichstag eine diesen Gesichts- 1 punkten entsprechende Vorlage zu unterbreiten. (Verstärkung I der Kaders der Artilleriebespannung und Formierung vM I Kavalleriedivisionen im Frieden, ferner Schaffung einer dem- I schen Luftflotte für Heer und Flotte.) Zur Aufbringung dS Kosten fordert der Zentralvorstand die Ausführung der durch I das Gesetz vom 8. Juli 1912 von den verbündeten R«ic- I rungen Nipp und klar übernommenen Verpflichtung zur Eic- I bringung einer Vorlage übet eine allgemeine B e s i tz st e u c i. > als die nach den eigenen Erklärungen der Regierung nun | eine Vermögens- oder Erbschaftssteuer tn B tracht kommen kann. Er erwartet von der Reichstagsftaktior- daß sie jedem Versuch, von dieser Richtung abzuweicheu, nr.i 1 rückhaltloser Entschiedenheit entgegentreten wird

Bei dem nächsten Punkt, Erstattung des Jahresbericht wurden die inneren Angelegenheiten der Partei erörtert. Der I Zentralvorstand beauftragt den Geschäftssührenden Ausschuß, ein« Ausschuß einzusetzen, welcher Vorschläge für eine zweckmäßü " Regelung der Beziehungen zwischen dem Zentralbureau und bm . Geschäftsstellen im Lande im Interesse einer wirksamen AmN rechterhaltung der Parteidisziplin auszuarbeiten und dem Zentral' j Vorstand bei seinem nächsten Zusanrmentreten zu unterbreiten h« I Den letzten Punkt der Tagesordnung bildete ein Vortrag I Reichstags- und Landtagsabgeordneten Schiffer über die Fleh« 8 teuerung und die innere Kolonisation. Es wurde einstftmn'! I folgende Entschließung angenommen:

Der Zentralvorstand warnt davor, dieFleischteuerur.I als eine mir vorübergehende Erscheinung zu betrachten ur.' 1 zu behandeln, und fordert Maßregeln, die ihr unter ÄufteaL' I erhaltung des bestehenden Zoll- und Seuchenschutzes bauen > | abzuhelfen oermögen. Er verlangt die innere Kolon' f a t i o n aber nicht bloß als das wichtigste und ersolgv^ 1 beißendste Abhilfsurittel gegen die Fleischteuerung, »onbern aiO um ihrer selbst nullen aus nationalen, wirtschaftlichen, sozialcn und kulturellen Gründen. Er erblickt in ihr und einer jeE; genraßen Beschränkung und Neuordnung des Fideikommi' wcscns ein Problem, das dem politischen Streit entzog« und durch gemeinsame Arbeit aller Parteien gelost werd« konnte und sollte.

den nadjrücfeiibcn Bulgaren bei Bulair entgegenzutreten.

Ein Brand in Konstantinopel.

Konstantinopel, 8. Febr. (10 Uhr abends.) Seit zwei Stunden wütet im Stadtteil Beghakechen (Vor­stadt Top Hane bei Pera) ein Brand. Tas italie­nische Hospital war vorn Feuer bedroht, doch ist es dank des tätigen Eingreifens der Mannschaften der frem­den Kriegsschiffe außer Gefahr. Bis jetzt sind etwa dreißig Holzhäuser verbrannt.

Ter Exminister Nora düng hi an ist nach Europa abgereist.

Ein abeirds erschienenes Jrade verfügt die Durch­fahrt des französischen KreuzersVictor H u g o" durch die Dardanellen, der als dritter Sta­tionär für Konstantinopel bestimmt ist.

Das ökumenische Patriarchat beschwerte sich bei der Pforte, daß von"dem PanzerMessidije" ans während des Bombardements von Myriv-ohito auch auf Frauen und Kinder, die auf der Landungsbrücke war- teten, geschossen wurde, wodurch angeblich einige ge­tötet und verwundet wurden.

Die zusammeixgelegte Alte Brücke vom Goldenen Horn ist nach Rodostv geschleppt worden, um als Landungs­steg zu dienen.

Die Bemühungen der Verbündeten am Tarabofch.

Cetinje, 9. Febr. (Amtliche Meldung.) Der rechte Flügel des Generals Martinowitsch besetzte das Dorf Dionysis unterhalb der Befestigungen des Tarabofch. Der linke Flügel, der am Ufer des Skutarisees vorrückte, gelangte fa.st Ibis Siroka. Die Truppen des Zentrums rückten bis 200 Meter gegen d i e Verschanzungen am Tarabofch vor, nachdem die Aufklärungsabteilungen die Stacheldrahtzäune an zwölf Stellen zerstört hatten. Von Sirotagora unb Oblika aus werden die Befestigungen am Tarabosch unausgesetzt bombardiert. Eine serbische Truppenabteilung unter dem Kommando des Ober­sten Popotviffch und drei montenegrinische Bataillone mit Maschinengewehren rückten gegen Brdica vor und griffen den Feind heftig an. Nach von der Armee des Kronprinzen eingetroffenen Nachrichten wurden die Türken auf derganzenLinieigeschlagen. D|ie montenegrinischen Trirppen rückten vor und besetzten den kleinen Bardonjolt. Der große Bardonjolt ist bereits besetzt. Gestern gefangen­genommene Türken bestätigen das Gerücht, daß Hassan Riza gefallen ist. In Skutari macht sich Mangel an Lebensmitteln fühlbar. Munition ist im Ueberfluß vor­handen.

steuer in einen Kvnflikt mit der narionaltiberalen Reichs­tagsfraktion, aus der er deshalb ausschied. 1874 wurde er von Großherzog Lttdwig IV. in die hessische Erste Kammer berufen, in der er durch seine Tatkraft und unermüdliche Arbeitskraft bald die unbestrittene Führung erlangte und in vielen großen Fragen gegen Regierung und Zweite Kammer seinen Willen durchsetzte. Seit 1908 ist von Hehl Vizepräsident der Ersten Kammer. Auch sonst hat er sich um die soziale Hebung der Minderbemittelten manche Verdienste erworben; z. B. als Vorsitzender des hessischen Wohnungsvereins für Minder­bemittelte. Lange Jahre ist von Hehl Mitglied der Wormser Handelskammer und der hessischen Land­wirt s ch af t s kam m e r. Seine Vaterstadt ehrte ihn durch seine Ernennung zum EhrenbürAer und zahlreiche gemein-! nüCigc Stiftungen werden sein Gedächtnis in Worms wacherhalten. Auch Oppenheim hat ihn zum Ehrenbürger gemacht.

Am heutigen Tage werden dem verdienten Manne zahllose Ehrungen dagebracht werden. Eine der wertvollsten wohl widmet ihm unsere Landesuniversität, deren juristische Falultät ihn zum Doctor juris honoris, causa ernannt hat.

Festlichkeiten in der Firma Cornelius Hehl.

Zur Feier des 70. Geburtstags des Freiherrn Heyl zu Herrnsheim hat die Firma Cornelius Hepl ihre Arbeiterschaft nebst Frauen zu festlichen Veranstaltungen am Montag nachmittag eingeladen. Mittags um 12 Uhr werden die Werkstätten ge­schlossen. Nachmittags und abends begeben sich die älteren Ar­beiter mit ihren Frauen ins stäbttsche Spiel- unb Festhaus, wo durch daS Mainzer Stabttheater ztveimal das vaterländische Schau­spielPrinz Friedrich von Homburg" aufgeführt wirb. Für die jugendlichen Arbeüerinnen und Arbeiter findet im Ber- einshause der Fabrik Spenerbenn eine festliche Veranstaltung von 2l _> bis 5 Uhr und von 6_ bis 10l/2 Uhr statt. Wertere Festlichkeiten werben in ben großen Sälen bes Festhauses, bet ,Zwölf Apostel", des Konzerthauses zum Karpfen, des Worret- chen Lokales, des Kolosseums unb des Saalbaues Neuhausen abgehalten, wobei die Regimentskapellen der 118 er, bet 1 er Mannheim) und der 117 er (Mainz), sowie die Stadtkapelle Hitzig konzertieren werben.

Gott". Da kam das Echo aus den Herzen des akademischen Publikums. Von dem gewalttgen eisernen Kanzler haben wir auch Bekenntnisse seiner religiösen Denkart. Er würde dem Walten Gottes vielleicht aber mcht so lebhaft deutend und auslegend gefolgt sein. Auch wir meinen, man kann, tvas göttlich ist, nicht immer präzise begreifen. Auf der andern Seite darf cntch der Ausspruch des Kaisers, daß wir mit unserem Glaubensschildeunbekümmert um rechts und links" geradeaus gehen wollten, nicht miß­verstanden werden. Wir werden, das weiß der Kaiser natürlich so gilt wie wir, die Engländer, Russen und Franzosen genau beobachten müssen. In diesem Sinne waren die kaiserlichen Worte ein weiterer wertvoller. An­sporn zu mutigem Weiterschaffen.

Eine plötzliche Abreise der kaiserlichen Familie nach Karlsruhe

DieBerliner Morgenpost meldet, daß der Kaiser, die Kaiserin, Prinzessin Viktoria Luise nnb Prinz Oskar Sonntag abend 9 Uhr unerwartet nach Kaisruhe abgereist seien, wo sie im Residenz- schloß als Gäste der Großherzoginwitwe absteigen würdest. Prinz Ernst August von Cumberland, so wird aus Karlsruhe berichtet, werde Montag vormittag dort eintreffen unb bei seinem Schwager Prinz Max von Baden Wohnung nehmen. TieBer­liner Morgenposf" erinnert uns anläßlich dieser Melbung daran, daß eingeweihte Kreise schon längere Zeit wissen wollten, es werde nach demnächst erfolgter Aussöhnung zwischen ben Häusern Hohenzollern und Gümberlanb Prinz Ernst von Cumberlanb die Regierung des Herzogtums Braunsst)weig übernehmen.

Der Berliner 'Lokalanzeiger" meldet die unerwartete Ab­reise ebenfalls unb fügt hinzu: Tie Rückkehr des Kaisers nach Berlin, der gestern noch beabsichtigt hatte, dem heutigen Fest des Ersten Garbe-Feldartillerie-Regiments beizuwohnen, sei Tür den 12. Februar in Aussicht genommen. Man dürfe annehmen, daß diese unerwartete Reise des Kaiserpaares und der Prin­zessin Viktotta Luise durch ganz besondere Gründe veranlaßt worden ist, die vermutlich aut privatem Gebiet liegen werden unb dringlicher Natur sind, denn sonst hätte die Kaiserin, die nod) in der vorigen Woche gegen ihre ursprüngliche Absicht in Berlin zurückblieb, als der Kaiser zur Jahrhundettseier nach Königsberg fuhr, sich kaum zur Rückreise ^entschlossen.

Eine Zusammenkunft bes Kaisers mit König Viktor Emanuel?

DasBerliner Tageblatt" meldet ans Rom: Wie in Ve­nedig verlautet, werden Kaiser Wilhelm und König Viktor Emanuel am 15. ober 16. Februar in 93 en eb t g zusammen treff en. Ter Kaiser reift von Venebig unmittelbar nach Korfu. Laut bet Beliebiger ZeitungAdridico" ist der lo. Fe­bruar als Tag der Zusammenkunft festgesetzt.

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Ein slawisches Bankett.

Petersburg, 10. Febr. Unter dem Vorsitz des Geirerals Skugarewski fand heute ein v o n 2 0 0 P e r - f oite n besuchtes slawisches Bankett statt. Die Teilnehmer beschlossen, an den Kaiser ein Ergebenhetts- telogranim zu richten und den Herrschern der Balkan- staaten telegraphisch zu ilfrem Kainpfe Erfolg zu wünschen. Es wurden Reden gehalten, in denen mehr­fach den Wünschen für einen Sieg der Balkanverbündeten Ausdruck gegeben wurde.______________________________

Zum 70. Geburtstag des grefyem von hei)!.

Heute begeht der Seniorchef des Hauses Heyl in Worms, Wirklicher Geheimerat Cornelius Wilhelm Freiherr Heyl zu Herrnsheim, seinen 70. Geburtstag. Damtt tritt eine der markantesten Persönlich kett en des Hessenlandes in das biblische Alter, aber in ungebrochener Rüstigkeit und Geisteskraft steht er noch 'heute im öffentlichen Leben. Freiherr von Heyl ist in Worms geboren. besuchte das Gymnasium seiner Vaterstadt und das Realgymnasium in Neuwied und bereiste dann Europa. Später wurde er Mitinhaber der Weltfirma Cornelius Heyl, die er später selbständig übernahm. Er war als Fabrikherr ftir seine zahlreichen Arbeiter ein ftirsorgender Arbeitgeber, der schon lange vor dem Inkrafttreten der Reichsgesetze für die Arbeiterfürsorge mustergültige sozialpolitische Einrichtungen schuf. Herr von Heyl erwarb in Rheinhessen (Hernsheim und Gimtersauc) und im Algäu (Gerstrüben) großen Grund­besitz.. In das politische Leben trat von Heyl 1874 »tls nationalliberaler Reichstagsabgervdneter für Worms-Heppenheim-Wimpfen ein. Er 'übte das Mandat bis 1881 und bann wieder von 1893 ab aus. Heyl, der auch im Reichstag sozialpolitisch sehr tätig war, ge­hörte dem äußersten rechten Flügel seiner Partei an. In­folgedessen geriet er durch die Ablehnung der E r b s ch a k t s.