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10.2.1913 Erstes Blatt
 
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M. 7A Erstes Blatt |63. Jahrgang Montag, 10. Februar 1915

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®S- Heneral-Anzeiger für Gberhessen SäMe ""b!"es'g"6nümm" HotafionsOmf ttttöVerlag dervrühl'schen Univ.-Vuch- und Lteindruckerei B. Lange. BedaNion. Expedition und vruckerei- Lchulftratze 7. ."LhE'wr d°n bis vormittags 9 Uhr. Büdingen: Fernsprecher Hr. 269 Geschäftsstelle Bahnhofstraße |6a. Anzeigenteil: H. Beck.

Die heutige Nummer umfaht 12 Seiten.

Frankreichs Gegenvorlage.

Man schreibt uns aus militärischen Kreisen:

Die kommende deutsche Heeresvorlage wirft bereits ihre Schatten voraus in Gestalt einer französischen Gegen­vorlage. Herr Etienne, der neue Kriegsminister wird, das pfeifen in Paris bereits die Spatzen von allen Dächern, dem­nächst die Einführung desautomatischen" Gewehres be­antragen und dafür sowie für die Vermehrung des Fliegetz- korps und für die Wiedereinführung der dreijährigen Dienst­zeit bei der Kavallerie rund 400 Millionen Franken an­fordern. Bekanntlich hat das französische Volk jahrelang, ja eigentlich jahrzehntelang seinemfusil Lebet" eine un­zweifelhafte Uebcrlegenheit über alle anderen Systeme nach­gerühmt und must nun seit einiger Zeit von allen Sach­verständigen hören, dast die Waffe den Anforderungen nicht mehr genügt und deshalb eine Neubewaffnung der In­fanterie vorgenommen werden muß. Das L.belgewehr 1886 Mod. 93 hat unter dem Lauf ein Röhrenmagazin für acht Patronen, die vom Schlost aus einzeln mit der Hand ein­geführt werden. Dieses Ladesystem ist ziemlich umständ­lich, besonders in der Hitze und Aufregung des Gefechts oder wenn der Soldat kälte Finger hat. Man kann das Magazin aber auch abstellen und das Gewehr als Einzel­lader gebrauchen, d. h.1 jede Patrone einzeln einführen. Unser deutsches Gewehr 88 ist viel praktischer. Wir haben immer fünf Patronen in einem Ladestreifen vereinigt, der durch einen einfachen Griff eingesetzt wird. Das deutsche Gewehr besitzt so vor dem französischen den Vorteil größerer Einfachheit unb. höherer Feuergeschwindigkeit. In ent­scheidenden Kämpfen würde sich dieser Umstand bei gleicher Tapferkeit rind gleicher Truppenzahl sicherlich bemerkbar machen. Mer weiter: Die Anfangsgeschwindigkeit des Lebelgewehres beträgt 690 Meter, die des deutschen Ge­wehres aber 900 Meter, ein ganz gewaltiger Vorteil wieder auf feiten der deutschen Waffe. Die Geschoßbahnen unseres Gewehres und infolgedessen auch die Treffgenauigkeit auf den entscheidenden Gefechtsenfernungen unter 1000 Meter sind bedeutend) günstiger als beim französischen Gewehr. Der deutsche Infanterist kann ein kleines Ziel aus nahe und mittlere Entfernungen leichter treffen, als der französische, weil die Scheitelhöhen der Geschoßbahnen beim deutschen Ge­wehr geringer und deshalb die bestrichenen Räume größer sind, als beim französischen Gewehr. Das Spitzgeschost, die Pulverladung und) somit die Durchschlagskraft ist zwar bei beiden Gewehren annähernd gleich. Aber im übrigen ist das deutsche Gewehr mit der 8-Patrone dem französischen Gewehr mit der v-Patrone ballistisch wie auch für den praktischen Gebrauch recht erheblich überlegen.

Das weist man natürlich im Armeeausfchust der franzö­sischen Deputiertenkammer, und reformgenialisch wie der Franzose ist, will er gleich zum nenesten und kühnsten Zystcm, zum Selbstladegelvehr übergehen, das ähnlich wie bei den Maschinengewehren den Rückstoß automatisch zum Laden ausnutzt. Es ist gewist sehr bestechend, sofort zu .sagen, daß ein Repetiergewehr die größten Vorteile bieten werde. Merkwürdig nur, daß. sich zurzeit nur sehr wenige Staaten dazu entschließen können, das Selbstladegewehr einzuführen. Mexico z. B. Hut seine Infanterie damit aus­gerüstet und die Vereinigten Staaten von Nordamerika ver­wenden auch zum Teil den Selbstlader. Aber es must doch zu denken geben, dast die größten Militärstaaten, obwohl es Dutzende von sehr brauchbaren Modellen gibt, sich so schwer zu dieser Waffe entscheiden können. Im Kriege

Patli-Skandale.

In der über fünfzigjährigen Süngerinlaufbahn der am 10. Februar siebzigjährigen Adelina Patli gab cs auch einige sehr bewegte Theaterabende, richtige und eigentliche Theater - ikandalc. Zwei davon waren besonders merkwürdiger Art. Als bie Künstlern int Jahre 1885 in Amerika gastierte, wurde sie in Washington vom Präsidenten eingeladen, eine Soiree durch ihre (Gegenwart zu verherrlichen. Solch eine Einladung in das Weiße Haus wird in Amerika wie die höchste Ehre betrachtet, wie ein Befehl, dem man unbedingt nachzukommcn -hat. Die höchslgestellten Persönlichkeiten bemühen sich deshalb -um solche Auszeichnung. Nichtsdestoweniger befand es Madame Patti für gut. noch in letzter Stunde dem Präsidenten,nitzuteilen, baß sie zu kommen verhindert sei. Die Aristokratie Washingtons war empört über diesen Mangel an Takt und Rücksicht bei einer ^Sängerin, die von ihr auf den Händen getragen wurde. Tic Rache, die man zu nehmen beschloß, war ebenso originell wie f-oshaft. Als Madame Patti einige Tage später neben Ntcoltm -in derLucia" auftrat, war das Haus, wie gewöhnlich, aus- oerkauft. Aber auf den Plätzen, wo sonst dicAristokratie" Washingtons dem Gesang der Diva lauschte, saß der gemeinste Pöbel, dein dic Billette unentgeltlich von unbekannten-Händen ge­wendet worden waren. Tie Patti war außer sich. Jede Arie, bie sie sang, wurde von dem Pöbel unter nicht endenwollcndem Äejohle mitgesuiigcn. Schließlich wollte sie nicht mehr die Bühne betreten. Der Skandal, der sich nun erhob, läßt sich einfach uicht schildern. Man drohte, sie zu lynchen, wenn ste iltcht ihre Rolle zu Ende spielte. So blieb der Patti nichts übrig, als sich in das Unabänderliche zu fügen. Sic, die sich vor einigen Tagen wegen einer schlechten Laune, von der sie sich überkommen 'iihlte, geweigert hatte, in der vornehmsten Gesellschaft Washing- wns zu erscheinen, mußte jetzt ihre schönsten Triller an einen Pöbel verschwendend Der andere Patti-Skairdal spieste sich 'n Spanien ab. Der bekaniite Impresario Jos. I. Schürmann erzählt davon in seinenLebenserinncrungen". Schürmann hatte rin gemeinsames Gastspiel von der Patti und, dem einst berühmten Tenor Roberto Stagno in Barcelona arrangiert.Die Traviata" sollte gegeben werden, aber im letzten Augenblick wagte Stagno i-och nicht, sich in dieser Rolle neben der Patti hören zu lassen vid sagte ab. Schürmann bewog Nicolini, einzuspringcn. So 'and die Vorstellung statt: aber es gab einen Theaterskandal, bie Patti wurde ausgepfiffen. Unmittelbar nach der Vorstellung krfuhrcn Schürmann und die Patti, daß der Skandal bestellte Arbeit Stagnos gewesen war. Er hatte zahlreiche Billetts auf- lekauft, um zu verhindern, daß Nicolini die Nolle singe, auch sollte er seiner großen Nebenbuhlerin einen Streich spielen.

1870/71 war es ein sehr großer Vorteil für uns, daß unsere Truppen eine durchgebildete Feuerdisziplin befaßen, d. h. nur schossen, wenn es Zeit war, und dann nur soviel als nötig, während auf französischer Seite mastlos viel Munition vergeudet wurde, so daß sehr oft Munitionsmangel eintrat. Tarin liegt aber eine austerordentliche Gefahr. Eine Jn- fanterietruppe, die ihre Munition verschoßen hat, ist wertlos. Nun erhält jeder deutsche und französische Soldat 120 Pa­tronen; man wird sich bei der höchsten Feuergeschwindigkeit eines Gewehres, z>. B. unseres deutschen (20 gezielte Schuß in einer Minute) herausrechnen können, dast die mitgenom­mene Menge Patronen nicht weit reicht. Die Frage des Munitionsersatzes bildet daher eine der schwierigsten Fragen der Kriegstechnik. Nun denke man sich die Infanterie durchweg mit Selbstladern au--gerüstet, wodurch die Feuer­geschwindigkeit ungeheuer gesteigert wird. Wie groß, wäre dann die Schwierigkeit der Munitionszufuhr! Man hat gesagt, die Frage der Munitionszüfuhr regelt sich wie früher: Als man den Mehrlader einsührte, waren die gleichen Sorgen vorhanden und sie sind doch überwunden worden. Gewist, aber damals lag die Sache wesentlich an­ders. Damals war der Soldat noch nicht so bepackt wie heute. Auch der Preis der Sclbstlader wird, ganz ab­gesehen davon, dast man vielleicht, wie bei dein Maxim- Maschinengewehr, erst ein Patent kaufen must, bedeutend höher sein, als bei dem jetzigen Mehrlader. Es ist also auch in Frankreich noch nicht aller Tage Abend. Wir können die andern ruhig auspröbieren lassen.

Line Hebe der KcFcrs bei de feier der Friedrich-w helms-Unive Mät.

Am Samstag mittag hielt die Friedrich-Wilhelms-Un.i- versität in Berlin die Feier zur Erinnerung an die Er­hebung der deutschen Nation im Jähre 1813 ab. Unter den geladenen Gästen waren der Reichskanzler, der Kriegs- minister, die Minister Dr. Sydow und Dr. Lentze und der Präsident des Landtags. Der Kaiser in der Uniform der Leibgardehusaren und die Kaiserin wurden im Por­tal vom Rektor der Universität, Grafen Baudissin und dem Kultusminister v. Trott zu Solz empfangen. Tie Feier begann mit dem Vortrag einiger Lieder durch den Akademischen Gesangverein unter Leitung des Geheimrats Friedländer.

Geheimer Rat Dietrich S ch ä f e r hielt die Festrede. Er untersuchte die Ursachen, aus denen.Preußen, bör von Natur am wenigsten begünstigte Kurstaat Deutschlands, der Grundstein des neuen Reiches werden mußte und seine Fürsten Bauherren. Das Geleistete enthalte für uns die Aufforderung zu neuen Taten, zur Erneuerung alter Kräfte, um den Platz zu behaupten inmitten der Völker, mit denen wir Schritt halten wollen und müssen, um deutsch, frei und stark zu bleiben.

Der Vorsitzende des studentischen Ausschusses bekräf­tigte darauf die Verehrung und Begeisterung der akademi­schen Jugend für die große Zeit und ihre berühmten Universitätslehrer. Wenn jetzt wieder der Ruf des Vater­landes an die Studenten ergehe, so werde es einmütig heißen:Burschen heraus!" Der Chor sang dasVater­landslied" von Friedrich Eggers. Dann erhob sich die ganze Versammlung und sang Arndts Lied:Der Gott, der Eisen wachsen ließ". Nun betrat der Kaiser das Ka­theder und hielt eine längere Ansprache.

Eine Rede des Kaisers.

Dic Rede des Kaisers in der Aula der Universität lautete: Kommilitonen! Ich möchte am Schluß dieser erhebenden Feier Euch noch ein kurzes Begleitmort mitgeben. Ich habe in der

Dabei hatte er ausgesprengt, daß durch Jntriguen des Ehepaars Patti-Nicolini er die Nölle nicht erhalten habe, weil sie aus Geldgier die ganze Einnahme hatten haben Mollen. Schürmann erzählt nun:Am Wend nach der Vorstellung, ließ mich, die Patti zu sich bitten.Hören Sic, Herr Schürmann," sagte sic,ich mill nicht mehr von dem gestrigen Wend reden, die .Erinnerung ist mir schmerzlich. Wer ich will mich rächen, ich muß mich an dem Urheber dieser Kabale rächen. Und diese Rache soll ofsen- kundig sein, llebermorgen singe ich imBarbier von Sevilla" mit Stagno. Er hat mir eine schwere Stunde bereitet; wie du mir, so ich dir. Sie werden für meine Rechnung für 2000 Franken Billetts an der Kasse kaufen Und sie unter erstklassige Pfeifer und Zischer verteilen. Und empfehlen Sie diesen Leuten be- sonders den Auftritt unseres Stagno." Ich verbeugte mich und erfüllte auf Wort getreu die Wünsche der großen Sängerin. Noch nie wurde das Auftreten eines Tenors mit so Mildem Pfeifen und Zischen begrüßt. Das weiße Atlaßkoftüm des un­glücklichen Sängers war das Signal, das die Spottsucht des Publikums entfesselte. Man ahmte das Glucksen einer Henne nach, die Geräusche von Küssen, das Gurren von Tauben, kurz die Patti und Nicolini konnten zufrieden sein, sie kosteten alle Süßigkeiten befriedigter Rache."

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Di e Ex p edi ti o n zu r N e 11u n g d er T e i l n eh Me r der Schrödcr-Stranz-Expedition. Wie bereits ge­meldet, bcsindec sich zur Rettung der deutschen Forscher, die an der Nordküste Spitzbergens in gefahrvollster Lage überwintern, eine Hilfsexpedition vom Kohlenbergwerk in der Adventbai aus unter­wegs. Tic Hilfsexpedition, die so güt, wie es sich von der Wventbai eben machen ließ, mit allem Nötigen versehen ist, dürfte vor­aussichtlich die Mitglieder» der überwinternden Expedition er­reichen, welche in Begleitung des Schiffsführers Ritscher in die südlichen Teste der Wijdebucht vorgedmngcn sind. Erst gegen Ende des Monates Februar wird man durch Vermittlung der funkentclegraphi scheu Station in Green Harbour auf Spitzbergen über das Schicksal dieser .Hilfsexpedition Nachricht erhalten. Wenig wahrscheinlich ist es, daß diese immerhin gefahrvolle und durch die klimatisck-en Verhältnisse der Wintcrnacht in hohem Maße behinderte Expedition einen vollen Erfolg haben wird. Tas Hilfskomitee hat daher in seiner letzten Sitzung beschlossen, sofort die Organisation einer zweiten Hilfs expedition in dic Wege zu leiten. Bekanntlich haben sich nicht nur in Berlin, sondern auch in Frankfurt und an einigen anderen Orten Männer gefunden, die tatkräftig für die verunglückte Expedition einzutreten bereit sind. Dic letzte Sitzung am 7. Februar fand unter Vorsitz des Hofmarschalls v. Breitenbach und in Gegenwart von Vertretern des Frankfurter Komitees statt, wobei im wesentlichen folgende Be-

alten Preußenstadt Königsberg die Ostpreußen daraus hingewiesen, daß der Kern der großen erhebenden Zeit darin zu suchen gewesen ist, daß das preußische Volk seine sittliche Lebcnsan- s ch a u u n g , begründet auf der Religion, miedergefundcn hat, begründet auf der Religion, die, wie wir missen, das Verhältnis des Menschen zu Gott bedeutet, mit anderen Worten, den Glauben an seinen Gott wiedergefunden hat. Das heutige Gesclstecht, welches in diesem Jahrhundert lebt, welches leicht dahin führt, hauptsächlich das, was man sieht, oder beweisen, oder mit Händen greifen kann, zu glauben, das dagegen für Transzenden­tales geringere Fähigkeit zeigt und dem das Wort Religion" Schwierigkeiten bereitet, dieses Geschlecht be­darf wohl eines Hinweises, wie es zu dem alten Glauben seiner Väter kommen kann. Ter heutige Tag, der Tag von Königs- bern, unh alle die Feste, die wir int Laufe des Jahres noch feiern werden in E i n rung an d e große Zeit der Erhebung des Vater­landes, giot uns dazu die Möglichkeit. Denken mir doch daran, daß kurz nach dem Hintritt des großen Königs das Preußenvolk diesen Glauben verloren hatte. Ausländisches Wesen griff um sich, und als die große Belasttmgsprobc des Jahres 1806 tarn, brachen die Stützen, und ein Zusammenbruch fand statt, wie ihn die Welt kaum je gesehen hatte, und der die Herzen ver­zagen ließ. War das Menschentat? Das war Gottes­gericht! Und ebenso hinterher! -Eine Wendung in der Welt­geschichte! Es ist schon ein wunderbares Ding um die Wieder- geburt eines Menschen, aber bie Wiedergeburt einer ganzen Nation, das ist so gewaltig, daß es wert ist, im Herzen behalten und nicht vergessen zu werden. Tas war auch nicht der Menschen Tat, sondern das war Gottes Tat! So erhob sich, im Glauben an Gott, ein unterdrücktes, zerstückeltes Volk ein Wunder, wie es noch nicht dagewiesen und warf alles vor sich her. Das war auch nicht Tat der Menschen, das war Gottes Tat! Nun, Kommilitonen, ich denke, ihr versteht Mich schon. Wenn wir nur an das Greifbare denken, uns Nur an das Greifbare halten, nm glauben zu können, so haben wir in den Tatsachen der Vergangenheit, in den Ge­schichtstatsachen, die sichtbaren Beweise für das Walten Gottes. Wir haben die sichtbaren Beweise, daß er mit uns war und mit uns ist. Und aus diesen Lehren der Vergangenheit, kann sich auch die gesamte deutsche Jugend den im Feuer bewährten Schild des Glaubens sckmiieden, der nie in der Wäfsenrüstung eines Deutschen und Preußen fehlen darf! Und mit solchen Waffen wollen wir, unbekümmert um rechts und links, unseren geraden Weg gehen, Augen empor, Herzen empor, im Vertrauen zu Gott! Tann können mir alle des gewal­tigen er ste u Kanzlers Worte wiederholen:W i r Deutschen fürchten Gott, und sonst nichts in der Welt!" Und dessen jum' Zeichen wollen wir auf unser deutsches Vaterland und Unser geliebtes Preußen drei Hurras ausbringen. Deutschland und Preußen Hurra! Hurra Hurra!

An der Stalle:Wir Deutsche fürchten Gott" unter­brach ihn laute, begeisterte Zustimmung. Ebenso wurde am Schluß der Rede studentisch getrampelt. Der Rektor brachte das Gelübde unwandelbarer Treue dar und schloß mit einem Hoch auf den Kaiser und die Kaiserin, das jubelnden Widerhall sand. An die Feier schloß sich eine Auffahrt der Studierenden, wobei am Denkmal Friedrich Wilhelms III. im Lustgarten ein Kranz niedergelegt wurde.

Die religiöse Auffassung, die in der neuesten Rede des Kaisers lebt, ist bei ihm nichts Neues mehr. Wer mit noch etwas größerem Nachdruck als früher betont er, daß die großen Katastrophen in der Weltgeschichte, von denen die Völker betroffen wurden, Gottesgerichte gewesen seien. Es war in dieser Hinsicht eine Fortsetzung seiner Königsberger Worte, indem er sagte, daß der sittliche Kern in einem Volke ihm die Zukunft sichere, aber nicht autonome' Entscheidungen mit sich bringe. Diese würden vielmehr sichtbarlich vom persönlichen Gott gefällt. Zur Bekräftigung seiner Worte zog er auch das bekannte Wort desgewal­tig e n e r st e n Kanzlers" heran:Wir Deutsche fürchten

schlüsse gefaßt wurden: Sobald als tunlich geht ein passendes Eisschiff unter kundiger Führung, dem im Süden und Südwesten Spitzbergens vorgelagerten Eise auslveichend, an der Eiskante zwischen Grönland imd Spitzbergen entlang bis zur Nordwcst- ecke Spitzbergens. Die Wärme des Golfstromwassers, läßt es nach allen Erfahrungen aussichtsreich erscheinen, schon zu früher Jahreszeit diesen Punkt zu erreichen und dort eine Schlitten- crpediticm zu landen, wclck>e an der Küste entlang bis zur Nord­ostecke der Redbai Vordringen und über den Richardsee und die Woodbai zur Treurenderg-Bucht vorzudringen gedenkt. Die kurze Entfernung dieses Land- und Eisweges, die günstige Besckmfscnhcit des verhältnismäßig stachen Landes, und die große Wahrschein­lichkeit, die nördlichen Bnchten Spitzbergens auf leidlichem Eise überqueren zu können, lassen die Hoffnung gerechtfertigt erscheinen, daß unter ortskundiger Führung diese Schlittencxpcdition ihr Ziel erreichen wird, daß .sie ferner mit gewisser Aussicht auf Erfolg nach der Nordküste des Nordostlandes und in dessen in Be­tracht kommende Buchten Vorstöße machen und die dort möglickicr- weise noch befindlichen Erpedittonsteilnehmei' anffudien und bergen kann. Alle Vorverhandlungen zur Ausführung der Expedition sind bereits in vollem Gange. Notwendig ist es, daß die Samm­lungen für die Expedition fortgesetzt werden, deren Betrag bis jetzt erst etwa ein Drittel der voraussichtlichen Kosten deckt.

kf.Bedecken Sie sich!" In der italienischen Zeit­schriftOra" wird ein allerliebstes, wenn auch etwas gewagtes Geschichtchen von Theophil Gautier, dem berühmten Dichter und Kritiker der französischen Romantik, und von der nicht minder berühmten Schauspielerin Deiazet erzählt. Gautier befleißigte sich einer musterhaften und vielleicht etwas gesuchten Höflichkeit. Eines Tages patte er eben gebadet und befand sich in einem nahezu adamitischcn Zustandenackt, wie der Vortrag eines Madcmikers", doch trug er auf dem Kopfe das Barett, das er, wie auch viele andere Romantiker, so sehr liebte. In diesem Slugcnblicke und Zustande überraschte ihn die Tejazet, der Stern des Palais Royal, der Abgott des damaligen Paris. Wer weiß, was sie von dem Dichter wollte; vielleicht handelte es sich nm irgend eine Kritik, vielleicht war eS etwas anderes, was die Schml- spielerin in Erregung versetzt hatte kurz, sic sttirmte in seine Wohnung, überhörte die Bemerkung des Dieners, das; Herr Gauttcr augenblicklich nicht zu sprechen und im Bade sei, durchflog: die Zimmer und Prallte so auf den nicht wenig überraschten Dichter. Gautier faßte sich schnell, entschuldigte sein Kostüm, das bei den Eingeborenen in Zentralafrika sehr Mode sei, lüftete sein Barett und hieß dic Künstlerin höflichst wstlkommcn. Die Doiazet wollte sich vor Lachen ansschüttcn und gab ihm die hübsche Antwort: Bedecken Sic sich, bitte, bedecken Sie sich! Sic könnten sich erkälten . .