■flrfetfchbZchaugesetzcs, Einfuhr von Gefrierfleisch nicht ohne innere Organe, die Vovaussetzung hinzuzufugen, „sofern in dem Produk tioTtSlanbe eine den in DeutscUand geltenden Bestimmungen ent sprechende Untersuchung des .zur Ausfuhr nach Deutschland bc stimmten Fleisches durch deutsche beamtete Tierärzte gestattet wird". Die Regierung gab die Erklärung ab, daß der äußerste Termin für die Zollcrleich lerung auf Fleisch und Vieh der 31. März 191-5 bleiben müsse. Sollte in der Zwischenzeit genügender Auftrieb im Jnlande möglich sein, so würden die Zollerleichterungen auch schon früher aufgehoben werden.
Der Wahlprufuugsausschuß
führte heute die Prüfung der Wahl des konservativen Abgeordneten Siebenbürger lRaugard-Regenivalde) zu Ende. Tic Zählung der Stimmen ist noch nicht beendet, doch ist die Gültigkeit der Wahl so gut wie sicher. Auch über die Wahl des sozialdemokratischen Abgeordneten Haupt, der in Jericho gegen den früheren konservativen Wgeordneten v. Byern gewählt ist, ist das Zählungsergebnis noch nicht beendet, dock darf wohl die G ü l t i g- Feit ber Walst als sicher angenommen werden
Ter Budgelausschuß
begann heute seine Arbeiten. Es wurde in Aussicht genommen, nochmals in eine Erörterung über, das P o st s ch e ck g e s e tz einzutreten; insbesondere ist eine Verständigung über den Tarif der Einzahlungen erzielt worden, dahin, daß entgegen dem Entwurf, der den Satz auf 10 Pfg. erhöhen will, es bei 5 Pfg. bleibt. Sodann fand eine eingehende Anseinanderser,ung über,die Organisation des Reichsamtes des Innern statt. Von sozialdemokratischer Seite wurde die Organisation, insbesondere für Arbeiterangelegenheiten, als unzureichend beanstandet; Staatssekretär Delbrück wies die Vorhaltungen zurück.
Der Berichterstatter regte eine Aussvrache darüber an, ob es nicht zweckmäßig sei, die im Jahre 1906 festgesetzte Grenze von 300 Millionen für die Ausgabe von kleinen Banknoten fallen zu lassen. Ter Staatssekretär des Innern empfahl dringend, dieser Anregung Folge zu leisten und der Reichsbank- präscdent H a v e n st e i n begründete den Wunsch der Reichsbank auf eine Vermehrung der kleinen Noten in Ausführungen, die größtenteils vertrauliche Mitteilungen enthielten. Tie Beratung wird Dienstag fortgesetzt.
Aus Stadt und Land.
Gießen, 11. Januar 1913.
** Tageskalender. S t a d t t be a t e r. Sonntag nachmittag 31', Uhr: .Nmder-Vorsteklung : „Ter gestiefelte Kater"; abends 7*/t Uhr: „Parkettsitz Nr. 10*.
Kinematogravb: Täglich Vorstellung.
B i o g r a v b-L i ch t s v i e I e : Täglich Vorstellung.
B a k o s s K a in m e r - L i ch t s v i e l e: Täglich Vorstellung.
L i ch t s p i e l h a n s : Täglich Vorstellung.
Gießener Karneval-Gesellschait 1911. Sonntag abend 5 Uhr: Fremden- und Damensitzung im Kath. Vereinshaus.
Evangel. Arbeiterverein: Vortrag von Gericbts- rekerendar Locher: „Was muß der Laie von: Erbrecht wissen?" Sonntag abend 8V, Uhr.
Kostümfest ni i t Ball im Cafe Ebel. Samstag abend 8 Uh'-.
Museum des oberhessischen Geschichtsvereins. Geöffnet Sonntag vormittags 11 — 1 Uhr unentgeltlich.
Di ii f e n m für Länder- u n d Völker kund e. Geöffnet Sonntags von 11 — 1 11 br unentgeltlich.
Museum für Völkerkunde. Geöffnet an Sonntagen vormittags von 11 — 1 Uhr unentgeltlich.
Ober hessischer K u n si v e r e i n. Gemäldeausstellung im Turmhaus am Brand. Neue Ausstellung. Geöffnet täglich (mit Ausnahme von Samstag) von 11—1 Uhr, Sonntags von 11—3 Uhr, Mittwoch nachmittag von 3 — 5 Uhr.
** Ordensangelegenheit. Der Großherzog ljat dem Wirkt. Geheimerat .Krug vpn Nidda in Darmstadt die Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen des ihm fron dem König von Preußen verliehenen Kronen-Ordens 1. Klasse und des ihm von dem Kaiser von Rußland verliehenen St. Annen-Ordens 1. Klasse und dem Hofrat H. A. Marx zu Neckarsteinach die Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen des ihm von dem Großherzog von Oldenburg verliehenen Ehren-Ritterkreuzes 1. Klasse des Haus- und Verdienstordens des Herzogs Peter Friedrich Ludwig erteilt und dem Forsttvart der Kommunalforstwartei Röthges, Förster Wilh. Em rich zu Röthges, das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift „Für 50- jährige treue Dienste" am Bande des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen.
** Voir der Darmstädter H o f k i r ch e. Die Organistenstelle an der Hofkirche zu Darmstadt ist dem Reallehrer Hch- Müller in Darmstadt übertragen worden.
** Lehrerpersonalien. Ue'bertragen wurde dem Schulamtsaspiranten Adam Armbrust aus Bauschheim eine Lehrerstelte an der Gemeindeschule zu Schwabsburg, dem Sck)ulamtsaspiranten Friedr. Erle aus Friedberg eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Crumstadt. Erledigt ist die erste katholische Knabenschulstclle zu Bensheim. Dem Kreisrat des Kreises Bensheim, dem kath. Pfarramt und dem Stadtvorstand zu Bensheim steht das Präsentationsrecht zu.
** Erledigt ist eine Oberlehrer st eile an der Oberrealschule am Stadthaus in Offenbach. Gefordert wird Lehrbefähigung und Lehrerfahrung im chemischen Unterricht in den oberen Klassen. Meldungen sind bei dem Präsentator, dem Fürsten zu Isenburg und Büdingen in Birstein, einzureichen.
" Die 'Anlagemusik fällt morgen aus.
’• Stadttheater. Die morgige Aufführung des Kindermärchens „Der gestiefelte Kater" von Dr. Hermann, das heute in der Frankfurter Zeitung wieder eine besondere Würdigung erfährt, ist die letzte des Werkes. __
TieOperette „G r i gri" von Paul Lmcke, die am nächsten Freitaa als erstes Gastspiel des Wiesbadener Operettentheaters ausgeführt wird, hat im vergangenen Jahr u. a. auch am Darmstädter Hoftheater großen Erfolg und zahlreiche Wiederholungen erlebt.
** Die neun Hassia-Militärvereine Gießens veranstalten nächsten Donnerstag im Hotel Einhorn einen gemeinschaftlichen Vortragsabend, zu dem Oberst a. T. von Wunsch, der früher als Bataillonskornmandeur im hiesigen Regiment gestanden hat, als Redner gewonnen worden ist. Ober? von Wunsch wird zunächst über die soziale n B e r h ü l t n i s s e in Nord-Amerika sprechen, die er aus eigener Anschauuno und Erfahrung kennt. Im Anschluß daran soll das Vertrags Verhältnis besprochen werden, in dein die hessische Landes kr ieg er- Kameradschaft Hassia zu den einzelnen V e r s i ch e r u n g s - G e sell schäften in Bezug auf Sterbe-, Unfall-, Haftpflicht- und Feuerversicherungen steht. Gerade über die Unterschiede dieser einzelnen Bersicherungsarten und darüber, in welcher Form sic den Verhältnissen des bürgerlichen Mittelstandes arn Besten an gepaßt sind, herrscht noch große Unkenntnis, die durch den Vortrag beseitigt werden sott. Der Zutritt ist für die Mitglieder dtt Hassia--Vereine nebst deren Angehörigen frei. (Näheres wirt noch durch Anzeige bekannt gegeben.t
" Die hiesige bayerische Vereinigung feiert dieser Tage im Casö Ebel den Geburtstag des Prinzregenten Ludwig. Auf das an den Prinzregentcn ab=
gesandte Glückwunsch-Telegramm sandte dieser ein herzliches Tanktclearamm.
**FreiwilligefürdieMaschinengewehr-Kom- pagnie. Jungen Leuten, die beabsichtigen, hier bei dem Jnf.- Reg. „Kaiser Wilhelm" Nr. 116 und bei der am 1. Okt. dieses Jahres zu errichtenden Maschinengewehr-Kompagnie im Herbste als Freiwillige einzutteten, wird dringend geraten, sich den Meldeschein vor der Musterung zu besorgen, weil ihnen nachher Schwierigkeiten entstehen. Die Meldung auf dem Rcgiments- geschäftszimmer kann an jedem Dienstag vormittag unter Vorlage des Meldescheins und Führungszeugnisses vom letzten Arbeitgeber erfolgen. Schuhmacher, Schneider, Hufschmiede, Schlosser, Mechaniker und sonstige Handwerker werden für die Maschinengewehr-Kompagnie bevorzugt.
Landkreis Gießen.
b. Watzenborn, 11. Jan. Ter Gesangverein „Harmonie* beneht moracn abend im Vereinslokal .zur Ludwigshöhe" die Feier seines Stiftungsfestes. Ein recht abwechslungsreiches Programm, das sich aus theatralischen, hmnoristlschen und Gekangs- und Konzertvorträgen zusammensetzt, wird zur Verschönerung der Feier beitragen.
= Lich , 11. Jan. Der Vo 1 ksb i 1 d un g s v e rei n hat im Saupe Her Woche wieder mi/ seinen Vortragsabenden eingesetzt. Jeden Montag spricht Vorsteher Lorentz im Stiftschen Gemeindesaal über „Elektrizität und ihre Anwendung" mit Experimenten. Am nächsten Donnerstag wird im Saale des Herrn Glöckner ein „Diskussionsabend" stattfinden, in dem mehrere Redner über die „I n n b d e u t s ch 1 a n d b e w e g u n g" sprechen werden zwecks Gründung einer Ortsgruppe. Hoffentlich zeigt die Bevölkerung unseres Städtchens ebenfalls das rege Interesse, das dieser Bewegung allerwärts entgegen- georacht wird. Vor allem ergeht der Ruf an rcnsere Vereine, voran Krieger- und Turnverein, und unsere Jugend zwischen 14 und 20 Jahren. Die kinematographi'chen Vorführungen beginnen am 19. Januar wieder und finden je nach Möglichkeit Samstags und Sonntags statt.
— Climbach, 11. Jan. Am 15. Januar wird der erst seit einigen Monaten hier tätige Lehrer Schäfer unsere Gemeinde wieder verlassen. Was die Schulbehörde bewog, den vom hiesigen Gemeindevorstand vorgeschlagenen tüchtigen Lehrer schon wieder zu versetzen und einem jüngeren Lehrer die Stelle endgiltig zu übertragen, ist hier nicht bekannt. Man sieht Lehrer Schäfer nur ungern von hier scheiden.
Kreis Friedberg.
L. Friedberg, 10. Jan. Hier wurde ein Gewerbe- gericht eingerichtet, das in der nächsten Woche seinen Vorstand wählen wird.
△ Friedberg, 10. Jan. Der Obst- und Gartenbauvereien hielt im „Hotel Trapp" seine Hauptversammlung ab. Der Verein hatte eine Vogels chutzaus st ellung eingerichtet. Die eine Abteilung umfaßte Nistkästen und Futterhäuschen aller Art, die andere zeigte ein Vogelschutzgehölze. Nistkästen für die verschiedensten Vogelarten waren zu sehen. Sehr nett und vor allem praktisch waren die Futterhäuschen, die auf Balkonen, in Gärten und im Freien ihren Platz finden können. Zugleich wurde gezeigt, wie man diese Gegenstände selbst hinstellen kann. Reich bedacht waren auch die Gegenstände für Winterfütterung, wie Futtersteine, Futterküchen, Dosen aus Holz, Meisenfutterglocken, Futterringe u. dgl. nt. Das Vogelschutzgehölze zeigte die ver- schickiensten Holzarten, vor allem Rotbuchen, wilde Stachelbeeren, Weißdorn, Fichten und einzelne Eichen, Wacholder und als Einfriedigung wilde Rosen, die den besten Schutz gegen Raubzeug bieten. Bäume sind mit stacheligen Blechringen gegen Katzen zu schützen. Vogelschutz-Literatur war zum Verkauf ausgestellt. Oberlehrer Balser hielt einen Lichtbilhervortrag über „Vogelnutzen und Vogelschutz". — Herr Billasch, der einen Berlepschen Vogelschutzkursus besucht hat, sprach dann über Vogelschutzpflanzungen und deren Schnitte". Dr. Hoffmann zeigte die Herstellung von Winterfuttersteinen und schildert deren Zusammensetzung. Tr. Hoffmann fordert zum gemeinsamen Bezug von Nisthöhlen durch den Verein auf, der einen günstigen Vertrag abgeschlossen habe. Im Herbst soll die erste Obst- und Gartenbau- Ausstellung abgehalten werden.
Starkenburg und Rheinhessen.
h. Darmftad 1, 10. Jan. Getteru abend starb hier Geh. Justizrat Ernst Schmeck. Er wurde geboren am 5. Januar 1845 zu Walldorf als Sohn eines Pfarrers Schmeel war einer der gesuchtesten hiesigen Anwälte. Der Verstorbene war Mitglied der Zweitrn hessischen Kammer von 1897 bi? 1900. Er vertrat eins der zwei Mandate der Stadt Darmstadt. Der Stadtverordnetenversammlung gehörte der Verstorbene von 1887 bis 1901 an. Nach einer Unterbrechung von vier Jahren wurde er 1905 wieder- gewählt. Während seiner Tätigkeit im Landtage war Schmeel Vorsitzender der nationalliberalen Fraktion.
w. Worm s, 10. Jan. Der Rangierer Müller aus Alzey wurde im hiesigen Bahnhof überfahren und getötet.
Hessen-Nassau.
)( Marburg, 10. Jan. Im ab gelaufenen Jahr betrug hier die Zahl der Geburten 816 (gegen 769 1911). Davon waren 411 (393) männlichen und 405 (376) weiblichen Geschlechts. Auf die hiessen Anstalten (Frauenklinik) entfielen 514 Geburten. Gestorben sind 424 (437) und zwar 227 (240) männliche und 197 (197) weibliche Personen. Miteinbegriffen sind die 245 Todesfälle in den hiesigen Kliniken. .In den Stand der Eh e traten 148 (132).
W. Hanau, 10. Jan. Der Kranken st and beim hiesigen Eisenbahnregiment beträgt heute 165, davon befinden sich 28 Kranke in hohem Fieber. Gestorben ist heute der Pionier Nees aus dem Dillkreis. Die Gesamtzahl der Toten beträgt 16.
h. Fran kfurt a. M., 10. Jan. Wie der Magisttat mitteilt, nrnrben dem Wasserwerke zu Inheiden im ersten Betriebsjahre 1911 2 568 800 Kubikmeter Wasser entnommen und den übrigen Quellwerken des Vogelsbergs 4 824 100 Kubikmeter gegen 6 255 700 Kubikmeter im Vorjahre.
w. Höch st a. M., 10. Jan. Aus Anlaß des Jubiläums der Höchster Farbwerke hat ein ungenannter Wohltäter 30 000 Mark für den Freibertfonds des hiesigen städtischen Krankenhauses gestiftet.
Wiesbaden, 10. Jan. Ein frecher Ladenraub wurde gestern abend in dem .Kolonialwarengeschäft von Tausch, Scharnhorststraße 37, ausgeführt. Tort erschien ein Mann und kaufte eine Kleinigkeit. Nach wenigen Mimiken kam er mit zwei anderen jungen Leuten wieder und zwang die Verkäuferin, die sich gerade allein im Laden. befand, mit vorgelstlltenem Revolver zur Herausgabe der Ladenkasse. Er drohte gleichzeitig zu schießen, iremt die Verkäuferin Lärm schlage:: würde. Nach Leerung der Kasse entfernten sich die Räuber und sclstossen, um oorjzitige Hilferufe zu verhindern, den Laden ab. Eine Stunde vorher ist auch ein ganz ähnlicher Ueberfall, wahrscheinlich von denselben Männern, in einem Kolonialwarengeschäst in der HeÜmuthstr 34 ausgesührt worden. Auch in einem Geschäft in der Scknersteiner- Straße hielten bte drei Räuber der Ver.'uferin mit dem Ruf' »ände hoch! einen Revolver vor die Stirn und raubten die Ladenlasse aus. An den unrechten kamen sic aber, als sie auf offener Strafte einen Raubanfall versuchten, indem sie im Villenviertel 'm en Offizier unter Vorlalrung von Dolchen und Revolvern zur Herausgabe seines Geldes uird seiner Wertsachen zu veranlassen achten. Ter Offtzler versetzte einem der Täter einen kräftigen
Schlag an den Kopf, woraus alle drei die Flucht ergriffen. Tie sofort aufgenommene Verfolgung hatte keinen Erfolg. Tie drei Räuber werden als Burschen im Alter von etwa 20 Jahren ge« schildert.
Lanörvirtscbaft.
Landwirtschaftlicher Vortragskursus.
Mainz, 10. Jan. Ter dritte Tag des VortragSkursus der Landwirtschastskammer hatte ungefähr 300 Landwirte hierher geführt. Professor Tr. Kraemer - Hohenheim sprach über F o r - m alis m ii s in der Tierzucht. Ter Redner betonte zunächst, daß die Rasse als Grundlage, die Rcinzucht aber als Hilfsmittel der Tierzucht anzusehen sei. Neben diesen die Abstammung berührenden Faktoren müsse man jedoch noch eine Prüfung der Leistungen wie auch eine Prüfung der Formen verlangen. Leistungsprüfungen seien jedoch nicht,mir für die Nutz-, sondern ebenso auch für die Zuchtleistungen erforderlich. Eine sachliche Prüfung bei- Formen müsse den Leisttingsprüfungcn dabei ebenwürdig zur Seite stehen, dürfte jedoch nicht in Formalismus ausarten Aus den Formen könne unzweifelhaft auch auf die Leistungen geschlossen werden und dieses V-'Nahren habe in den letzten Jahrzehnten zu den so sichtbar großen Erfolgen der Deutschen Tierzucht beigetragen. Professor Tr. K ro e m e r Gonsenheim sprach über die .Kulturbedingungen des Weinstockes unter den Verhältnissen der Neuzeit.
Kiel, 10. Jan. Das Marinekriegsge'richt verurteilte den Maschinistenmaat Grünov vom großen Kreuzer „von der Tann" wegen Straßenraubes zu zwei Jahren Gefängnis, vier Jahren Ehrverlust und Entfernung aus der Marine. Der Angeklagte hatte nacksts auf ber Straße in Kiel einer Dame eine Handtasche mit zwölf Mark geraubt.
vermischtes.
Der dreifache Raubmord in Ortwig.
Der dreifache Raubmord an dem Ehepaar Callies und dem Dienstmädchen Anna Philipp in Ortwig ist jetzt vollständig aufgeklärt. Der 40 Jahre alte Knecht Otto Schoene ist der Mörder. Er hat drei Komplizen gehabt. Einer von ihnen, ber 16jährige Arbeiter Willi bersten aus Adlershof ist in einem Berliner Gasthaus verhaftet worden. Nach fernem Geständnis hat Schoene die drei Mordtaten allein begangen, nachdem er zuvor mit Hilfe der drei Komplizen das Ehepaar Callies und das Dienstmädchen gefesselt und aus dem Gcld- schrank 480 Mark geraubt hatte. Die Verhaftung des einen Burschen gelang dadurch, daß einem Wirt drei Gäste im Alter von 16 bis 18 Jahren auffielen, die alle mit einem Bündel in der Hand erschienen waren, und sich nacheinander in einem! 9? eben raum vollständig umkleideten. Als der herbeigcrufenc Poli- zeibeamtc erschien, fand et nur noch einen der Burschen vor. Der Verhaftete leugnete anfänglich. Nach längerem Verhör gab er aber zu, mit zwei weiteren Berlinern dem Knecht bei der Ausführung des Verbrechens behilflich gewesen zu fein. Seiner Schilderung nach sei er und seine Kameraden iwn dem Knecht in einer Herberge in Müncheberg angesprochen worden. Ter Knecht habe ihnen ein Nachtlager auf dem Gutshofe seines Herrn angeboten, was sie annahmeu Am Morgen habe er ihnen erzählt, er beabsichtige, den Gutsbesitzer unschädlich zu machen und sich 5000 Mark ans dem Geldschrank anzueignen. Der Knecht habe dann nacheinander den Gutsbesitzer, dessen Frau und das Dienstmädchen niedergeschlagen, gefesselt und geknebelt nno den Geldschrank erbrochen. Jttrem der Berliner habe er '120 Mark gegeben. Der Verhaftete will sich dann mit seinen Kameraden entfernt haben.
*
* Ueberfall. Am Freitag nachmittag erschien bet einem Postbeamten in der Grenadiersttaßc in Berlin ein Bücher- kolpotteut und überreichte der allein anwesenden zwanzigjäh-rlse^ Tochter eine Rechnung. Nachdem er auf die Aufforderung dcS Mädchens die Wohnung betreten hatte, würgte er es, bis es bewußtlos Msammenbrach, und flüchtete mit hundert Mark. Wahrscheinlich handelt es sich um einen ehemaligen Kolporteur einet Buchhandlung, mit der der Postbeamte in Verbindung stand.
* Zusammenstoß zwischen v-Zug und Automobil. Am Freitag abend 6V2 Uhr fuhr ein schweres Lastautomobil auf ber Bahnstrecke Hamm-Ahlen durch die ge- chlossene Schranke unmittelbar auf den durchfahrenden Berlin- Kölner v-Zug auf. Ztoei Insassen des Automobils sprangen rechtzeitig ab; sie blieben urwerletzt. Ter Chauffeur erlitt einen Beinbruch. Das Automobil ist vollständig zertrümmert. Tie Maschine des O-Zuges entgleiste. Tie Strecke ist zurzeit gesperrt. Ter O-Zug wurde nach Wien zurückgeholt. Personal und Passagiere des v-Zuges blieben unverletzt.
*Der Untergang des Tampfcrs „St. A u g u st i n" Der Postdampser „St. Augustin", der „Co. Generale Trans- atlantique" gehörig, ist auf der Reise von Marseille nach Bone untergegangen. Das Schiff bekam plötzlich ein gröfter^ Leck, und da die Pumpen bas cinbringeitbe Wasser nicht bewältigen konnten, blieb schließlich Üichts übrig, als das Schiff zu verlaffen. Die Passagiere und die Besatzung bestiegen bie Rettungsboote, und hielten sich in ber Nähe des „St. Augustin", indem sie von Zeit zu Zeit durch Signale Hilfe verlangten. Der englische Dampfer „Thpria" bemerkte die NotzeickM und nahm bie Be- atzung und die Passagiere, insgesamt etwa hundert Personen, an Bord. Der „Thyria" versuchte auch den ..,St. Augustin" nach Bone zu scksteppen, aber ivährend der Nacht lief der ,,St. Augustin" gänzlich voll Wasser und man mußte die Haltetaue lösen. Bald darauf sank der Dampfer in eine Seetiefe von über 2000 Meter. Die Waren und die Post, die noch nicht geborgen waren, sind also endgültig verloren. Bei seiner An/unft in Bone hat der Kapitän einen Bericht erstattet, demzufolge man anscheinend auf ein schwimmendes Wrack gestoßen sei, welches das Leck verursacht habe. Tie Passagiere haben aber hiergegen entrüstet protestiert; sie stellen dies in Abrede. Zur Erklärung dieser Tatsache muß man rvissen, daß der „St. Augnsttn" ein ganz alter Dampfer ist, der schon über vierzig Jahre läuft. Daß die Gesellschaft ein solches Schiff zur Personen' und Post- besördernng verwendet, ist die Ursache der Erregung des Publikums. Daß der „St. Augustin" keine Einrichtung für drahtlose Telegraphie besaß, bedarf wohl keiner besonderen Erwähnung. Man kann sich also nur dazu beglückwünschen, daß der Uw'all nicht bei schlechtem Wetter erfolgte, da alsdann wohl die Passagiere ver loten gewesen wären.
Kleine Tageschronil.
Der Großindustrielle August Thyssen in M ü l h e i m (Ruhr) stiftete 150000 Mk. für kirchliche Zwecke.
Aus A u s b u r g wird gerneldet: Der vor einiger Zeit aus Mindelheim in Bayern verschwundene Bankier Schellhorn, der wegen Depotunterfchla.gungen von 300 000 Mark steckbrieflich verfolgt wurde, stellte sich der Staatsanwaltschaft in Gemmingeri. Er hat die Unterschlagungen eingestanden.
Die TreptowerGemeindevertretung hat sich gestern für die Eingemeindung n a<h Berlin entschieden, vorbehaltlich der zu vereinbarenden Bedingungen.
Der Leiter der Arbeiten an dem neuen Hafen in Buenos Aires Ingenieur Wash ist infolge eines schlages i ns Meer g estü rz t und ertr unken.
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Tabakernte und Tubakbefteuemng.
Das 4. Bierteljahrsheft zur Statistik des Deutschen Reichs, Jahrgang 1912, bringt u. a. auch die Statistik der Tffbafernft* unb Tabakbesteuerung im deutschen Zollgebiete für das Ernte*


