Ausgabe 
11.1.1913 Erstes Blatt
 
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Die heutige Nummer umfahr 16 Seiten.

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iigli4 der Firma Ernst 'igniederlassung Gießen: ^inslagc aus Gießer ild persönlich haftender en. Lie ofirne Handel 1. November 1912 be a des Kaufmanns Dtti t erloschen.

^lichderFimaJMsen- ' ,Firma ist erloschen.

byliglich der Fi« jer von liegen: 'Otm vhrurgrr in Gießen ist

-1- die Firma Hotel lnhabtt Heinrich Beck,

ristriki Enlenpfuhl.

»M Dm. mit 57,07 Fm.

3 , 54,70

um Beiträge für das Wilhelm-Busch-Tenkmal bittet, da cs nach dcni bisherigen Ergebnis der Sammlung nicht in würdiger Weise ausgesübrt werden kann. Sammelstellen sind die Bank fm Handel und Industrie in Hannover und der Kassierer des Denk malansschusscs, W. Ronnenberg in Wiedensahl (Hannover). Hierzi bemerkt dasB. T." sehr richtig: Wir wünschen, das; recht viel Geld zu Ehren des unvergeßlichen Wilhelm Busch einkommc, und das; ihm dann kein Denkmal errichtet werde, wenigstens keines aus Stein oder Erz. Er war bei Lebzeiten nicht sehr für das Monumentale, der Alte von Mechtshausen Wollt ilxr ihn ehren, dann kaust von den cingegangenen Beiträgen seine Werke und verteilt sie unter die Traurigen; und wo einmal fein nachdenklicher Frohsinn eine dunkle Stunde erhellt hat, da steht ein Denkmal für Wilhelm Busch, und zwar ein schönes.

Ein neuer Motor. Aus Nied a. M. wird uns gemeldet: Graf Zeppelin traf heute früh in Begleitung meh­rerer Herren vom Reichs-Patcntamte hier ein, um einen von dem hier wohnhaften Ingenieur B o s z h a r t erfundenen neu» artigen Motor zu besichtigen. Dieser Apparat soll seinen nötigen Betriebsstoff selbsttätig der Erdelektrizität und dem Erdmagnetis­mus cntnehnten. In zivei Leitungsanlagen für die Stroment- zichung aus der Luft und der Erde sind die Motore eingebaut, die zu arbeiten ansangen sollen, wenn sie zwei Stunden in den Stromkreis eingeschaltet sind, lieber die stattgefundcnen Ergeb­nisse verlautet bis jetzt nichts.

Zum Mißgeschick der deutschen Spitzbergen Ex Ped i t io n.wird aus C hri st iania, 10. Ian., depescincil. Aus Spitzbergen lvar gemeldet, daß eine Expedition §ur Rettung der Teilnehmer an der deutschen Spitzbergen-Expedition von der Adventsbau nach der Wiidebucht abaehen werde. Darm hm hl: graphierte das Ministerium des Aeußern nach Spitzbergen, die norwe7gische Negierung garantiere die Ausrüstnngskosten einer derartigen Expedition. Auch der hiesigen deutschen Gesandtfchast stand das Ministerium des Aenßern in dieser Angelegenheit zur Seite Die deutsche Regierung sprach der norwegischen Regie­rung für die unternommenen Schritte ihren Tank aus. Sach­verständige bezeichnen es augenblicklich als unmöglich, von Norwegen eine Hilfsexpedition auszusenden.

Kurze Nachrichten aus Kunst und Wissen- s eh a f t. Der einer, ordentliche Professor für Moraltheologte und Pädagogik am Kgl. daher. Lyzeum zu Passau Dr theol. Fried­rich Eberl beging onr 10. Januar seinem 70. (Geburtstag.

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des Stadttheaters am geeignetsten sein.

C h r i st i a it R auch.

E i u W i l h e l,m - B u s ch D e u t m a l. Ter Aus- zur Errichtung eines W i l h e l m - B u s ch - D e n k - in Wiedensahl erläßt einen Aufruf, der erneut

Der Nestor der deutschen philosop'en.

(Zum 80. Geburtstag Eugen Dührings, 12. Januar).

In der ländlichen Zurückgezogenheit seines Heims in N e u e n - dors bei Potsdam begeht Eugen Dühring feinen 80. Geburts­tag. Tic Geschichte seines Lebeits ist reicher bewegt, als dies bei der Mehrzahl deutscher Gelehrter der Fall zu sein pflegt. Ein Berliner Kind, widmete er sich zunächst dem Rechtsstndinrn, ging aber später zur Philosophie über und habilitierte sich, nachdem er seinen philosophischen Doktor gemacht hatte, als Privatdozent in Berlin. , _ , ,

Seine wissenschaftlichen Arbeiten galten yuerft hauptsächlich den theoretisck-eu Grundlagen der Bolkswirtsck>aft; er ist u^a. der erste, der den amerikanißyen Nationalokonom Earcy in s.eutich- land eingesührt hat. Mit seinerKritisck>eu Geschichte der all­gemeinen Piinzivien der Mechanik", einem noch heute keines- ioegs veralteten Werke, errang er den Erfolg, daß die Göttinger llniversität die Arbeit unter den ehrenvollsten Ausdrücken m.t dem Preise der Benete-Stistung auszeichnete: allein eben dieses Werk sollte dann den Anlaß zu jenem Konflikte Dührings nut )einer Berliner Fakultät bilden, der für sein ganzes Leben entscheidend geworden ist. Der Anlas; war an sich geringfügig genug: Luhruig hatte den Vermerk der Göttinger Preiskrönung auch aus den teil- weise veränderten Neuauflagen des Buches veröffentlicht, und darin sahen seine Gegner ein illoyales Verfahren. Es entspann s,ch ein äußerst heftiger Streit, der xumteil die sck>arfste Person liche Färbung annahm, und der mit der Entfernung Duhnngs sus der Fakultät endete, obgleich damals schon besonnene Manner fieser Entscheidung nur selir widerwillig ziistcmmten. Es ist wohl fein Zweise', daß durch diese Vorgänge Dühring verbittert ivorden ist. Zählte er ohnehin von Hause aus mehr zu den kritischen, als zu den aufbauenden Naturen, w fand er letzt Ge fallen an l-cftigen Feldzügen gegen dieVerlehrtew, wie ei wohl spottweise zu sagest Pflegte, ober auch gegen lieber schatzung und Verkennung auf allen anderen Gebieten de-, geistigen ^^bens, wo er solch- zu erblicken glaubte. So ist er ui einem schonen Buche tapfer für Carl Mayer, den er den.Galilei des 19. Jahrhundert!- nannte, eingetreten und hat zugleich in Jdtäqfter Form gegen Helmholtz die Anklage erhoben, daß er Mayer plagiiert habe. so hat er ferner in einem neueren Werke ein großes und all gemeines Strafgericht über die Größen der modernen Literatur abgel-alten, und ein anderes Buch hat er dem Erweise gewidmet, baß Lessing in der Literatur und Geistesgeschichte unseres Volkes ganz unendlich überschätzt sei. , r£ . , ,

Wie man aber auch über Dührings Leistungen sonst denken

politische Wochenschau.

Gießen, 11. Januar.

Der Reichstag hat am Mittwoch seine Beratungen wic- der ausgenommen und zwei Tage der Besprechung des Wagenmangels im rhünisch-westfälischen Industriegebiet ge­opfert. Und dann folgte eine Besprechung der Vorgänge bei der Schwetzer Reichstagswahl, wobei den Wastttvm- missaren, die mit Unrecht zwei polnische Stimmen nicht mitgezählt hatten und aus diese Weise die Stichwahl aus­schreiben konnten, mit großer Einhelligkeit ein Rüssel er­teilt wurde. Es kann natürlich niemand die Hand da­für ins Feuer legen, daß die betreffenden Beamten be­wußtes Unrecht getan haben: aber die Annahme liegt dort) nahe, daß sie das Vaterland vor dem Polen hatten retten wollen. Hier die Gewissen zu schärfen, dem Reichskanzler strenge Aufsicht zu empfehlen, war eine Pflicht des Reichstages. Alle Parteiinteressen haben zu schweigen, wo es sich darum handelt, die Gesetze zu achten und Gerechtigkeit auch nach der Seite zu üben, die man im übrigen bekämpfen muß. Das kam in der kurzen Be­sprechung vorgestern gut zum Ausdruck. Daß zur selben Zeit der Ausschuß, die Wahl Dr. Beckers in Alze"-Bingen für ungültig erklärte, darf wohl auch als ein Gebot der Billigkeit angesprochen werden, wenn auch bei der Ab­stimmung parteipolitische Befangenheit nicht gerade aus­geschaltet war, denn die Rechte stimmte für die Gültig­keit. Die zwei nationalliberalen M tgtted^r erklärten sich mit der Linken gegen die Anerkennung der Wahl. So wird, da nach einer Meldung aus Bingen Dr. Becker schon vor der Entscheidung des Plenums sein Mandat nieder­legen wird, in nächster Zukunft noch einmal der harte Kampf um Mzey-Bingen unser Hessenland durchzittern. Nach den gesetzlichen Bestimmungen müssen, da bis zur bevorstehenden Neuwahl seit der letzten Wahl, die bekannt-

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und urteilen möge, so ist ihm jedenfalls Kühnheit und Originalität des Denkens nicht abjuftreiten. So ist er z. B. einer der Ersten, der das heute von der Wissenschift so heiß nmftrittcnc Rassen Problem aufgeworfen tat. Die allgemein: Richtung seiner Philo­sophie ist in scharjcm Gegenfav.e zu der Schopenhauers start opti­mistisch, was immerhin bei einem Manne, der seit langem dem barten Schicksal der Erblindung venollcn ist, merkwürdig ist. Er leitet den Pessimismus aus der Religion ab, und er bat daher auch einenErsatz de>- Religion durch Vollkommeneres" unter Abstreifung allen Asiatismns zu geben versucht. Bedeutend end­lich ist Dührings Talent zu mathematischeu Untersuchungen: wie es heißt, hat er im Vereine mit seinem Sohne 111 nd; den so lange vergebens gesuchten Beweis des Fei'matschen Satzes gefunden, geben ff ihn aber erst nach seinem Tode zu veröffentlichen.

O b er h e ss i sch c r Kunst verein. lUbbelohde- Ausstellung.' Unser hessischer Meister Otto Ubbelohde ist als virtuoser und dabei feinempfindender Zeichner weiten Kreisen bekannt. Wenige aber nur kennen den Male r Ubbe­lohde. Darum glauben wir, daß der junge oberhessische Kunst- verein seine Tätigkeit schwerlich besser einleiten konnte, als mit dieser ersten Gesamt - A n s st e l lnng des Künstlers. Tic künstlerische Bedeutung und eigentümliche technische Dvppclbe- gabung dieses Mannes, der Stichel, Radiernadel und Feder spitz und den Pinsel breit und dekorativ zu führen versteht, habe ich an anderer, jedem zugänglicher Stelle zu würdigen versucht. Hier möchte ich noch einmal besonders auf die wundervollen Still­leben Hinweisen. Und noch eine Anregung: Immer wieder hören wir von klugen und weiter ausschaucuden Mitbürgern den Rat, in unserer StadtAnziehungspunkte" zu schaffen. Ein solcher Anziehungspunkt vornelmifter Art, für Fremde nnd Einheimische, wird die ständige hessische Galerie sein, die der oberhessische Knnstverein hier bei uns schaffen will. Ich möchte Vorschlägen, daß wir unsere Ankäufe mit einem Werke von Ubbelohde beginnen. Vielleicht leisten uns unsere kunstsinnigen wohlhabenden Mit­bürger ihre Unterstützung dabei. Dos Weib ist gut angelegt, denn nste jeder weiß, ft eigen gute Kunstwerke sehr int Preise. Solange wir noch (einen eigenen Raum für diese ständige Bilder­sammlung haben, müssen wir die Kunstwerke an einem der All- gemciiiheit zugänglichen Orte nntevbriiigen. Dafür dürfte das

2lu$ den Neichrtägsausschüffen.

:: Berl in, 10. Jan.

Im Ausschuß für den Entwurf über die Zollerleichterung bei der Fleischeinsuhr

wurde heute von sozialdemokratischer Seite eine heftige Polemik gegen das Zentrum geführt, das bei der Vertretung der Regierungsvorlage blieb. Die Mitglieder der Volkspartei be­antragen, dex Forderung, betr. die Auslyebung des § 12 des

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lich am 10. Januar v. I. ftattgefunben hat, länger als . ein Jahr verstrichen ist, die Wählerlisten neu ausgestellt . werden. So wird die lÄitscheidung über das Geschick des Wahlkreises doch nicht schon in den nächsten Wochen fallen. Ein Darmstädter Blatt hatte schon gemeldet, statt Dr. Becker werde Dr. Osann bei der Neuwahl kandidieren. Dieser hat indessen einem Berichterstatter erklärt, daß dies-' Neuig-- kett auf einer Erfindung beruhe.

Aus der Wagenmangeldebatte war wenig Lehrreiches M entnehmen. Der Vergleich mit dem Verhalten eines Hausbesitzers war nicht unzutreffend. Mancher scheut die Herstellungsarbeiten der Wohnungen, möchte aber die Miete doch gerne einstecken. Preußen will aus seinen Bahnen den größtmöglichen Profit herausschlagen. Die Anschaf­fungen werden auf das Allernotwendigste beschränkt, Perso­nal und Material bis an die äußerste Grenze ausgenutzt. Das sind Grundsätze, die man nicht schelten kann. Aber es gibt eben Grenzen, die nicht überschritten werden dürfen. Man^macht der preußischen Verwaltung den Vorhalt, daß sie das unvermeidliche Kommende nicht rechlzeiüg voraus­geschaut habe. Sie hätte noch glänzendere Mieten ein­nehmen lönnen, wenn sie ihr Gebäude besser ausgebaut hätte. 9hm hat sie sich mit ihrer fiskalischen Engherzig­keit, so sagen viele, vor dem ganzen Reiche. schuldig ge­macht, denn es steht in dem großen Verfassungsmietver­trag, daß für den Zustand der Eisenbahnen unter allen Umständen gut gesorgt sein muß. Zwei Tage der Buß­predigt genügen indessen, und wir wollen uns mit der Hoffnung trösten, daß der preußische Fiskus in Zukunft

Dm. mit 34,04 Fm.

49,07

etwas großzügiger Aus- und Umschau hält. Trotz der Versicherung des ReichseisenbahnpräZdeitten Wackerzapp, daß für den Fall der Mobilmachung alles aufs Sck)önste geordnet werden könnte, wird die Herstellung eines aus­reichenden Wagenparks auch im Interesse der Mili.äi- verwaltung liegen. In diesem Punkte haben uns die Er­klärungen des Regierungsvertreters doch nicht hinreichend belehrt. Daß an den Verkehrsstockungen militärische Vor­sichtsmaßregeln nicht die Schuld trugen, müssen wir Herrn Wackerzapp glauben. Hoffentlich aber wird der Reichskanz­ler in den Äuslandssorgen eines Tages nicht ähnlich über­rascht wie der preußische Staat von den Verk h.sschwierig- keiten. Wir haben diese Parallele früher schon einmal gezogen. Eine neue W.hrvorlage kommt, so hat ein halb­amtliches Blatt vorsichtig angezeigt, indem es die Ein­zelheiten einer anderen Zeitung dementierte. Welches ist ihr Inhalt? Alles schwebt noch im Dunstkreise des Ge­heimnisses, ebenso wie die Form jener Besitzsteuer, über die der Bundesrat beraten hat, wobei es Meinungsver­schiedenheiten gegeben haben nnd namentlich Sachsen die Erbschaftssteuer verlangt haben soll. Wann wird der Schleier gelüftet?

Vom Reichskanzler war dieser Tage wieder einmal behauptet worden, er sitze nicht mehr fest im Sattel; er habe seinen Kandidaten für den S'aatssekretärposten, Herrn Zimmermann, nicht durchgebracht, und der Kaiser jabc seinen Mann, den Herrn v. Jagow, ihm an die Seite gestellt. Das soll, so erzählte wieder ein anderer Bericht­erstatter, nur ei.:c Fabel fein; der Kanzler habe dem Kaiser beide Namen gcnannß und der IIn erstaatss.kre.är Zimmermann habe wegen seines schwankenden Ge'und- heitszustandes abgelehnt. Die Folge wird'lehren, ob an den Gerüchten viell-eicht doch etwas wahres ist. Augen­blicklich ließe sich keine Ursache dafür denken, daß §err v. Bethmann-Hollweg in Ungnade gefallen fei.

Zu den Vorkommnissen auf dem Balkan bezeugt ein Mitarbeiter derKöln. Ztg." aus Saloniki, daß die chei S lidjen Serben und Bulgaren neuerdings in dem Orts­bezirk Doizan die abscheulichsten Sck)audtaten verübt haben:

Doiran wurde von 200 serbischen Reitern und 500 Infan­teristen sowie von zahlreichen bulgarischen B a n d e n nr i t - gliedern besetzt. Man bemächtigte sich sofort der türkischen Aemtcr, dann begann eine Reihe von Erpressnu en. Jen. die nid)?. geben wellten C> To^ütut, ivnrdew >">t dem -Ei'hc be­droht, nachts brach man in den Häusern ein, wobei man mit Vorliebe die Häuser der türkischen Offiziere wählte, wo die Frauen vergewaltigt wurden. 64 Personen, welche sich ohne jede Bewaffnung nach Saloniki auf den Weg gemacht hatten, wurden bei Madenjeri niedergemacht. Die hervorragendsten Mohammedaner, 59 an der Zahl, wurden nach grausamen Foltern getötet. Alle Häuser der Moham­medaner wurden geplündert, dasselbe Schicksal widerfuhr den Häusern der Türken in der 'Umgebung. Zahlreiche Ortschaften wurden 'n'i e d e r g e b r a n n t, die mohammedanische Be­völkerung a b g e s ch l a ch t e t. Tie Mohammedaner der Dör­fer Kirbatsch Bala und Kirbatsch Sir, ferner von Sineniktscheh und Palmesch, die man ebenfalls mit dem Tode bedrohte, find zum Christcnium übergetreten. Als die griechischen Truppen dorthin (amen, horten die Grausamkeiten.gegen die Bevölkerung auf. Auf der Straße zwischen Doiran und Gcwegelü wurden sechzehn Mohammedaner durch Gcschützfcuer getötet. Aus Ur­gandschilar wird berichtet, daß dort 90 Mohammedaner mit Stricken von Hals zu Hals a n e i n a n d e r g e f e s s e l t und dann mit dem Bajonett n i e d e r g c st o ch c n wurden. Alle früher zum Islam übergetretenen christlichen Frauen sind wieder getauft und ihre Männer vor ihren Augen um geb rächt worden. Zahlreiche Personen sind Hungers ge­storben, da ihnen alle Lebensmittels und das gesamte Getreide weggeno-mmen worden war. Im Sandschak Serres sollen von

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Hr. 9 Erstes Blatt 165. Jahrgang Samstag, 11. Januar 1913

Der Sietzener Anzeiger vT FM Beznnsvrei

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einer inohammedanischen Bevölkerung von ungefähr 134 000 Seelen an die 20 000 Männer umgebracht worden sein. Die bulgarische Landbevölkerung hat das Vernichtungswcrk der Mo> hammedaner besonders betrieben, ebenso die bulgarischen Banden, die sich überall mit reicher Beute beladen haben."

Da sich gegenwärtig die Bvischafter in London amt­lich über die Balkanschwierigkeiten unterhalten, müßte auch diese Angelegenh.it geordnet werden. Es wäre ein Verdienst, das wir Herrn v. Bethmann-Hollweg stoch am rechnen würden, wenn er hier die Initiative ergreifen würde. Die Türkei soll gezwungen werden, ihr Haupt unter das Joch jener Ballanstaaten zu bmgen. Die 23er= Handlungen werden geh im gehalten. Könnten die 23er- treter des Dreibundes nicht eine später der Oeffentlich- keit zu übergebende Erklärung abgeben, daß Bedenlen ent­standen sind, Mazedonien ganz in die Hände solch.rKul- turstaalen" zu überliefern ? Wenn die Londoner Konferenz der Bbtschafter kein 2Vort zu jenen fkandalö en Vorkomm­nissen findet, dann wird sie in der Geschichte eine sehr rühmlose Rolle spielen.

Die Beratungen der Botschafter in London dauerten am gestrigen Freitag zwei Stunden. Die nächste Sitzung findet am Montag statt. Tie Botschafter redigierten den Entwurf der Kollektivnote, die der Pforte überreicht werden soll und ihr zum Abschluß des Friedens rät. Ter festgestellte Text wird noch nicht als definitiv betrachtet. Man weiß auch noch nicht, wann die Note überreicht wird. Wie das Reuterbureau erfährt, wird eine weitere Zusammenkunft der Botschafter am 31. Januar stattfindcn.

Die Note der Mächte an die Pforte wird nach Konstantinopeler Meldungen farblos sein und zwar zur Preisgabe Adrianopels raten, aber keinerlei Druck in dieser Richtung ausüben. Llllem Llnschein nach wird die Pause in den Friedensverhandlungen ziemlich lange dauern. Dr. D a n e w bezeichnet die Meldung über das Angebot französischen Kapitals für Neu-Bulgarien als verfrüht imb erklärte, Bulgarien würde hoffentlich auch in Deutsch­land Geld finden.

In diplomatischen Kreisen Wiens wird beitätigt, daß die Mächte von der Pforte über die Erfolglosigkeit des beabsichtigten Kollcktivschrittes verständigt seien. In Konstantinopel hofft man jetzt, daß der Schritt unterbleiben wird. Für den Wiederbeginn des Krieges soll Mahmud Schcfket Pascha oder Gencralstabsches Pertew Pascha zum Oberbefehlshaber ausersehen sein.

Bulgarien nnd Rumänien.

(Das Reutcr-Burecm erfährt von dem,-Minister ^Tak daß die Londoner Verhandlungen zwischen Ruma n i e n und Bulgarien wieder aufgenommen worden seien. Der rumänische Gesandte Mishu verhandelte am Donnerstag mit Dr. Danew, der nach der Unterredung nach Sofia depeschierte. Jonescu erklärte, er könne Einzelheiten über die Unterredungen nicht mittcilen, da derartige Besprechungen den Unterhändlern strengste Verschwiegenheit aiiferleaten.

DieVossische Zeitung" berichtet aus Konstantinopel: Der rumänische Minister Filipescu erFlärte, er sei nur wegen seiner Passion für orientalische Teppiche hierher gekommen. Rumänien und die Türkei seien seit langem einig, daß die Türkei in einem bulgarisch-rumänischen Konflikt Ru­mänien unterstützen werde. Die biilgarisch-minänischen Bezieh­ungen feien gespannt, aber es bestehe noch Hoffnung auf eine friedliche Lösung.