163. Jahrgang
viertes Blatt
Kr 18S
Erlcheint ILgllch mtt Ausnahme deS Sonntags.
schlagen' denjenigen
Aus der eisernen Zeit: Der „Mann der Koalition!*
Ter Waffenstillstand ging zu Ende, Oesterreich war endlich für die Verbündeten gewonnen, der Entscheidungskamm mit dem Eroberer nahte. Wer aber sollte die ungeheuren ^trcitmancn, die nun aus den verschiedensten Ländern unter die Fahnen der Napoleon-Gegner zusammenströmten, befehligen, wer tollte die oberste Führung übernehmen gegen diesen größten Feldherrn seiner Zeit und vielleicht aller Zeiten? Zn diesen Augusttagen vor 100 Fahren trat eine neue Erscheinung aus den weltgelckichtlicken Plan: .stark Philipp Fürsst zu Schwarzenberg, der „Mann der Koalition", wie ihn Zar Alexander genannt hat.
Ein Günstling des Franzosenkaisers, der ,einer ,yuriprad)c die Feldmarschallswürde verdankte, war dazu auserkoren, den Vernichtungskrieg gegen ihn zu führen Er war kaum vier Monate hier, da hatte der schöne hoäigewachsene Mann im vollen Glanz
Tie „Gletzener $amtlienbl8tttr“ werden dem „Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, dar „Kreisblatt für den Kreis Liehen" zweimal wöchentlich. Tie „Landwirtschaftlichen Seit« fragen" erscheinen monatlich zweimal.
Samstag, 9. August 1915
Rotationsdruck unb Verlag der Br übliche» Universität-- Buch- und 6ttinbru<feteu
R. Lange, Sieüeiu
Redaktion, Expedition und Truckerei: Schul« straste 7. Expedition unb Verlag: 51.
Redaktion:«^ 112. Tel.-Adru AnzeigerGieben.
es serbische, bulgarische und rumänisch« Ornamente, die man allgemein als Aufputz ucrroenbete und nun hat man sich in letzter Zeit die Erzeugnisse der Schwedinnen als Vorwurf für diese oder jene Landarbeit erwählt. An und für sich wäre die schwedische oder ^ardanger Strhrei eigentlick nichts neues, man sah ste bei Tii'ch.läufern, an Handtüch.m, an Bett- und Tischwäsche, mit einem Wort für tzaushaltungswäsä ziemlich häufig Ihre gute dekorative Wirkung aber veranlaßte in jüngster Zeit „die für bart Neueste maßgebenden Kreise" die schwedische Stickerei mit gutem Erfolg für Gürtel- und .straflcngarmtureii und für Handtaschen zu verwenden Tic schwedische Stickerei ift nid# rillzu- (f)n>cr zu erlernen, und man must sich nickt davon verblüffen lassen, wenn man etwas von den vielen verschiedenen Stidxirten, wie einfacher Würielstick, Pyramidenstich, durchbrochener Pyramiden« stick usw hört Es lästt sick zwingen. Besonders sei darauf aufmerksam gemacht, dast kräftiges Garn zu verwenden nt. Im übrigen ist die sanftere Farbenzusammenstellung wohl ein Vor- zeichen dafür, das der allzugrosen Grellheit demnächst der Lauf- past gegeben werden wird.
— Frau enn achrichten. In München hat sich unter dem Namen Wirtschaft! ck.er Verband bildender Künstler eine Vereinigung gebildet, die bestrebt sein wird, die oft schwer gefährdeten Interessen der Künstler in der Leffentlichkeit - vor allem die Verwertung der künstlerischen Produktion - wahrzunehmen. Es ist sehr erfreulich, dast auch die Künstlerinnen zur tätigen Mitwirkung aufgefordert wurden und durch ein Mitglied des Kunst- lennnenvereins, Rela Königsmann, im Ausschuß vertreten sind. Viele Münck-cner Künstlerinnen haben sich dem Verein tornts angeick losscn. — Emma Meyer in Dachau bei München hat die Meisterprüfung für Färberei mit bestem Erfolg abgelegt. T»e Stümtlerin, aus Altona gebürtig, hat vor einigen Jahren ernt sehr i.urückgegangene Tackauer Färbeanstalt übernommen und mit Hilfe einer einzigen Arbeiterin wieder in die Höbe gebracht. — Eine Männerliga für Frauenmmmredt nt in Dänemark gegründet worden. — Eine Bestimmung von grundlegender Lsttou- runa ist die Gewährung des Wahlrechts zum sudwestamlanlichen Landwirtsch-aftsrat. Es ist damit indessen nickst gemeint, daß icde Frau für den Landschaftsrat wahlberechtigt in, sondern es handelt sich nur um folcke Fälle, wo eine Frau an der,Lpiy- der Farmwirtsckaft steht, wie das v B. bei ffiinwn %utnnt. -- Gkr.lant find zwei neue ^emrnare uir Latidwirtichastslebrerinnen. E« sind dies die noch vor wenigen Wochen von der Kanerin von .Homburg aus durch einen Jtoü cf) ausgezeichnete ^aurn'chwK Wnl- hack bei Flörshcim im Taunus und Die Frauemckule Mallink rotrtb3; auf -Vaus Porchern bei Paderborn — ,-tcr Vnein der bavenichen Berkehrs'oeamtinnen^ E^ V wird ,emc. bi^ahnge ackte Hauptversammlung am (. eeptember in Katierslaickeim abhalten.
Laufbahn, die ihn in einem Vierteljal rhundert alle stufen vom Leutnant bis zum Feldmarickall durcheilen liest, weniger seinen kriegeriichen Taten, als seinem gewandten diplomatischen Wcten. Er ist viel verkannt worden, und seiner liebenswürdig gewandten 9?atur fehlte die Größe der Persönlichkeit. Aber wie edel' und gütig. wie bescheiden und gewissenhaft er war, das wissen wir erst beute, da uns der ganze Mensch in seiner machtvollen Herz- lichkeit durch die Briefe an seine Frau, seine geliebte Nanni, offen- bar geworden ist. Diese freimütige Cficnbcit und ^otiidMuie Gewandtheit seines Auftretens erwarb ihm auch die obmiMtbie Napoleons, an dessen Hofe er lange Fahre Gesandter war. Durch den entsetzlichen Brand seines Pariser Palastes, bei dem die Gattin seines Bruders in den Flammen umkam, war ein tragucker Schatten der Melancholie um die lichte, heitere Erscheinung gelegt, und seit jenem Unglückstage, da das glänzende Fest zu Ehren der Kaiserin sich in die grausigste Feuersbrunst verwandelte, hatte Napoleon zu dem hochherzigen, sein Unglück stolz tragenden Beaune eine ungewöhnliche Neigung gefast. So ward durch ihn her Ober* feldherr der Verbündeten recht eigentlich zur Höhe emporgehoben. „Ich bin es, der Ihren Kaiser den Wert Schwarzenbergs würdigen lehrte," sagte er am ersten Tage der Leipziger Völkerschlacht zu dem gesangenen (Menerol von Meerveld, und er fttgte anerten- nenb hinzu: „Er macht seine Sache nicht übel." <oäüvarzenberg aber verehrte in dem Kaiscr, den er näher und von einer bezaubernderen Seite lernten gelernt hatte als die meisten andern, den größten und glücklichsten Heerführer, und es gereicht seinem Eharakter zur Ehre, dast er ihm Bewunderung und Dankbarkeit bis zum letzten Atemzug bewahrt hat.
Wie fern stand dieser Mann einem Blücher ober Borck in ihrem wilden Hast, in ihrer mastlosen Erbitterung gegen den (Erbte inb, wie sremd klang diesem zögernden ungewissen Diplomaten daS brauseitde „Vorwärts, Kinder, vorwärts!" des Preußenuckd luarschall-s! Zum grosten Feldherrn aber gekört leidenschaftliche Erregung, und das ausgeprägteste Pflichtgefühl, der srömmstc Glauben an das Walten einer höheren Macht, die jedem am dem Posten auszuhalten zwingt, der ihm zugeteilt, konnte nicht den grimmigen Berserkerzorn, die eiserne Willenskraft enetzen, die allein über alle Hindernisse Hinwegstürmen. Mit fatalistischer Ergebung nahm der Fürst die Last auf sich, die sein Kaiser aut ihn gelegt. „Mein ganzes Wesen so wie mein Leben weihe ick dem hohen, heiligen Zweck," schrieb er kurz nach der Ernennung an ferne Frau. „Nicht gesucht, nickt erschlichen habe ich den )o gefährlichen wie ehrenvollen Posten: es ift mein böser Genius ober die weise Vorsehung, die mich mit gewaltigem Arm dahin setzte — das wird die Zukunft lehren." „Bei Gott, ich habe ein Riesenwerk zu be stehen," meinte er ein paar Tage spater, „mein Mut nimmt in gleichem Verhältnis mit der Beschwerlichkeit zu loenn ich unter * liege, so ist es nickt meine Schuld, denn rein bin ich an Ehrsurckst, und mit ganzer Seelenkraft erfasse ich mein grosses Tagewerk." Er war sich seiner Schwächen voll bewußt, hielt sich selbst für einen „anmassenden Toren", aber da Kaiser Franz, der sich die Stellung des Oberseidherrn über die verbündeten Armeen vorbe halten hatte, nun einmal ibn gewählt, verscheuchte er auch immer Wieder die Gedanken, von der schweren Verantwortung zurückzu treten, obwohl er bereits gleich nach der Uebernahme sagte: „Wenn ich die Fäden des ganzen Gewebes, wie sie jetzt in meiner Hand liegen, hinübertragen könnte in eine fremde, ich tat' es und ginge."
Aber gerade in feiner geschmeidigen, nachgiebigen, fast demütig ruhigen Art war er der rechte Mann am rechten Platze. Boyen nannte es eine besondere Gunst des Schicksals, das gerade im entscheidenden Augenblick den Mann vorschob, den das Bedürfnis des Augeiiblicls forderte, und Gneiienau schrieb ihm, bau et : „durch liebreiches und sanftes Betragen die Mistgunst, die Scheel- , sucht, den unruhigen Ehrgeiz, die stolze Unwi'senheit, die ver-
entölItc und md '..men hat — nicht nur für seine touifax« L inds lerne und „Nachläufer", sond.ru awck tut die amerilanürt e und englische Touristenwelt. Vier z. B. Molde: Früher ein irniziges Törilein mit e:nas Wilderei und Fisck ausfuhr, ist es letzt ein an sehnlictos Stabilem gen irden, dos einzig und allein durch und f u r den Fremdenverlehr gewad ien ist.
Es ist weiter eine Tatsache, dast diese einzige Woche Autenttolt der bcutfd n Flotte in den norwegischen niorbcn für das Land unb icine Bevöllerung den Zuftui von rund 1 Million Mark bedeutet 3()O()(i Mensden sind ;u verpflegen: 26 Kriegsschine kaufen Kohle, Wasser und aud. Proviant: 30000 Menseben Offiziere, Beamte unb Mannschaften — macken eine Wocto lang Ausflüge, macken Einlaufe für die Lieben in der Heimat, kurzum, verausgaben ein ganzes Monatsgehalt, und womöglid aud) Erspartes dazu. (toller n traf ich in Nees einen einiad-en rdiufter, her von Bord d.s dort atikernden Lmienick iffeS zurükkam: Er hatte dort - auf dieser idroimmenten Bant — <20 beutidy Reichsmark in norwegisches Geld eingewechselt! Dazu soll man nid t vergessen, dast jeder Tmti'dte, ob Tourist oder Kriegsscktti matrose, tock aud' norwegisches Geld in der Hand tot. Rrtn Wunder, das- der Gemeinderot von Loen das .Leutfd e Konsu at auffjrbert, ein beutsd.es Kriegssckiff nach Loen zu bn argen. „Es bürfc des herzlid.sten Empfanges sicher sein." . .
Und das Leben ist die wahre (tosinnung der n o r w e g i, ck e n Bevölkerung, nid;t iene politische Stimmungsmacke eines ge wissen Teiles der norwegischen Presse. Eine l.eine Ent ickräntting ist allerdings zu machen: der narwegisdst Bauer, F'lckcr ober Sckifser ist fromm und so ernst, wie seine schroffen Berge, seine dunklen Waldseen und sein schiveres Leben. Wir in -^utid' land kennen ja diese verschlossenen ^iunicrer durck' ihre XanDd [eute Fbfen unb Björnson. Dieser fromme unb ihlle Ernst ces l^lteb nnrb durch bie singende Heiterkeit unserer Matroien, durch die luftigen Weisen unserer Borbkapellen zunächst aufgeickrelp Aber die vertrauende Gastfreundschaft ist dann bad) bald da, lobali bie stramme Disziplin unserer Leute — auf die man als Reuender stolz blickt — und ihr naiver Naturfrohsinn erlannt werden: dann kann es allerdings Vorkommen, dast selbst Norweger eö auswrechen, das; dieses deutsck; Auftreten auch der norivegiichen Miliz im benachbarten Barackenlager als Muster dienen könnte.
2i.. Millionen Einwohner hat dieses nordische Bergland, und eine jährliche Auswandererzift'er von 20 000 Menschen, «ho fo grost wie das Ausw'andererloniingent unseres deutfchen i,5-Mil lionen-Bolles. Norwegen ist arm, und der Norweger tot Ickwok zu arbeiten: aber eine „deutsche Invasion" hat er nicht zu befürchten, sondern nur deutschen Gewinn zu erwarten.
Die Schwedin Ellen Key tot in diesen Tagen von der Kultur gemcimd.aft der germaniidx« Staaten, Deutschland, Dänemark, Norwegen, Sd-weden und Holland gesprodien, bat emmt gegenseitigen Gedankenaustausch das Wort geredet, damit Vorurteile versch winden, damit sich findet, was durch) Geschickte, Glauben und Kultur zusammengehört. Vielleicht mag dann das gesamte norwegische Volk dock einmal der neuesten Frithjos-Hymne ziMimmen, die ein nonvegiscker Komponist und Major jetzt dem Deuftchen Kaiser gewidmet tot: . „ .
„Sie grüßen den Häuptling mit Geigenklang Und kommen zu Haus, wo er stand. Sie harren am Weg, sie winken vom Hang, Denn sie wissen, er liebte ihr Land, Er ist Norges, der Norweger Freund."
— Das Recht der Fran auf die — Guillotine. Das Recht, guillotiniert zu werden, wird als eins der unver- äusterlichen unb wichtigsten Rechte der Frauen von einer nippe französischer Frauenrechtlerinnen prottamiert Eine lange Reihe von Jahren Linburd? ist ein Todesurteil an Frauen^m Frankreich nicht vollstreckt worden, und das erscheint diesen -tarnen, tnc e^ in allem den Männern gleich tun wollen, als eine Ungerechtigkeit und Zurücksetzung. „Beide Gesck^echter müssen gleick fttn vor der Wahlurne unb — vor der Guillotineschreibt eine der Wortführerinnen Mme. Auclert, und die Herzogin von Iheö erNart für; und bündig auf die Umfrage, die nber dielen itrittigen Tunkt erlassen worden ist: „Es scheint mir, datz d,e dlntwort au) ihre Frage sehr einfach ist: das Verbrechen totstem Geickleckt. Aus Gründen der Gerechtigkeit treten einige -tarnen jur die Lopes strafe bei Frauen ein, 'n Mme. Lddo Deslou, die meint, toi: eine Frau, die ein todeswürdiges Verbrechen begeht, stark genug ici, nun auch die gereckte Strafe zu empfangen: ,,to bie >trau tos moralische Element in der Gesellschaft repräientiert', ici es direkt eine Beleidigung der Frauen, sie weniger Meng zu itrarcn aly bie Männer. Die Gegnerinnen der Guillotine laten zum grorm Teil ihre Abl hnung der Todesstrafe von der untergeordneten Stellung des Weibes im Staate her. „So lange d.e .rrau innen Antal an der Gesetzgebung bat," urteilt bie -Maudentm der Vereinigung für Frauenmmmred t in Frankreich, Mme. Vincent, ist eÄ nur reckt unb billig, bar sie auch uidn die volle Strenge pes Gesetzes fühlen rauf." Eine Sonderstellung nimmt die Lick terin Daniel Lesneur ein, die mant, dar sie niemals daran ge backt habe, Glackkert für beide Geschleckter zu fordern, und tost sie daher aud nicht einsehe, weshalb diese Gleichheit gerade aur dem Schafott zuerst durchgefühn werden müsse.
— Schwedische Stickerei. Fn jüngster Zeit befaßt man sick mehr und mehr mit jenen Handarbeiten, die volkstüm- lidxii Charakter tragen. Man beginnt Beobachtungen aiizustellen und Vergleidv.' ?u ziehen, und man kommt zu dem Ergebnis, daß in manchen Völkerschaften von Namr aus ein feinkünstlerischer Trieb vorhanden ist, der üdi in den verschiedenartig aufgnaßten Ausführungen von öaaitorbatcn usw. am ausgeprägtesten in den Stickereien, die zumeist zur Verzierung der Kleioung verwendet werden, deutlich zeigt. Man kann auch herauslesen, welche Völker- idxiftcn im allgemeinen mehr künstlerischen Gefckmack besitzen und welche weniger, und wie manche mehr der Buntheit huldigen und andere wieder Meister im Zui'arnmenstcllen fein _abgeitimmter Farbentöne sind. Naturgemäß beschäftigen sich die Frauen jener Völker, zumeist im Winter, mit derartigen Arbeiten, die recht abgeschieden von der Welt Haufen, wo die Natur ihnen nur kärglich das zum Leben nötige bietet und die Leute, um ihre Lebens- bedinqnisse zu verbessern, zur Heimarbeit" greifen, -tos ist w in allen Ländern der Welt. Natürlich unterliegt die Beliebtet dieser oder jener Art von Stickereien der Mode. Zuletzt waren
bedeutet auf Deutsch „schlaken" bahre
bin Sie vor fid) haben." „Faivohl, Sire," ontivortetc Ldmnir,ei». berg, „es handelt sich nur darum, ob man es aud) kann." Keiner von beiden ahnte damals, ivie rasch der Fürlt in bie Lage gebrockt werben würde, den zu schlagen, „den er vor jid> hotte." — -.er 42jährige Sd,warzenberg verdankte seine glanzende inthtärifdic
seiner neuen Würbe von Napoleon Abschied geitommcn, nachdem er oergebhd) im Auftrag Lesteneichs zwischen den kammenben Lcrrfd eru einen Frieden zu vermitteln gesucht. „<sic ha ton to den Marickallstab," so wies Napoleon auf das Zeidien des Raines hin, das Sckivarzentorg in berjöanb trug, unb beutete im Ton seiner Worte an, daß der Fürst ibn btefen stab verdanke. „Le biton!" fuhr er m einem unübersetzbaren Wortspiel fort, ..das
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Gberheffen
Frauen-Nundschau.
— Die Hochschule für Frauen in Leipzig versendet ihr Borlesungsverzeickmis für das Winter Semester 1913 14. Besonders interessant daran ist bie bedeutende Erweiterung, die oZ m de-.'.ig auf „Gcsundheits- und Krankenpflege" erhalten hat. Die vochschule tot jetzt Kurse für staatlich geprüfte Kranken schwestern zur Vorbereitung auf Oberschwestern- unb Oberinnen poften cingerid'.tet, bie sich lebhafter Teilnahme erfreuen. Baratt ist zum erstenmal in Deutschland das ins Leben getreten, was an per Columbia Universität in New Ä'rk bereits seit dem ^abrclb.u befiehl. Weiter ist an dem Vorlesungsverzeichnis neu hinzu- gekommen eine Zusammenstellung der späteren Beruismoglick feiten der Stttdierenden der L»ochschulc. Das Verzeidmts ist unentgeltlich von der Kanzlei Königstr. 18) zu beziehen.
ff. Aus türkischen Frauens di u l c n. Einen tiefen Ein hUck in das Wesen der türlisd'.en Frauensckulen erhält man durck pie Schilderung, die Mareelle Tinayre soeben ftn , Gaulois ver pfsentlickt tot Interessant ist, was sie über ^ben Religionsunter richt in tür1iid?en Frauensckulen berichtet Sie beobachtete, toi: die Mädchen Koranstellen ohne jedes Verständnis herlerertem Auf ihre Frage, ob man ihnen den Sinn nid t erklärt habe, erhielt sie die Antwort: „Nein, das wäre fehr schwierig und 1 ogar mi- möglid)." „Weshalb denn?" — „Dir Koran ist in arabiutor $5dirift geschrieben: die Kinder haben mit dem Leien genügend zu tun/' „Sie lernen also den Koran ausn ndig, ohne ibn zu verstehen?'' „Das genügt aud : bi: Frauen l aben das nickt notig. 'Huf bie Frage, ob die Mädchen nad; eine besondere m ?rali)dc Anrtbilt'ung erhielten, die ihre weiblichen Fähigkeiten und ihren Etorak.er speziell ausbildeten, antwortete eine der Lehrerinnen:
-mir sagen ihnen, das- sie zuerst ihrem Hatcr, tonn ihrem Ketten ;u gehorchen haben, dast sie keine eigene Meunytg unb feinen eigenen Willen haben dürfen Ihre idealen Lugenden feilen die Milde, die Entsagung und die lliuenvcnung mn. L is Ernehnngsprogramm der tirrkiicken (vrauetifduilen steht folgern c käd'cr tor: Lesen, Schreiben, Okagranhicjinb Geickickte, ctroat, --Rechnen und Grainmatil, Koran-Lektüre, Stickerei, Platten und, man erschrecke nickt — Zeitungslettüre. rvraulein Ti nähre mahlt, dast in den türkischen Frauensckulen di? Zeitung mit Leidenictost gelesen werde. Aus ihre Frage, ob die Kinder denn etwas von der Politik verständen, antwortete mir eine Lehrerin mit leuebtenton Auaen- Cb ja, das inte re «'fiert sic sehr; wir erklären ihnen die Venassun'g, und obwohl wir selbst nicht allzuviel tovoiiwinen, suchen mir doch die Heranwachsende Jugend für die Geich.ckte de^ Vaterlandes und seiner Verfassung zu begeistern. Wrr Lehrerinnen sind beinahe alle mtt Offizieren verheiratet, die uns die A^cm über die Notwendigkeit und die Bedeutung der Pollttk gönnet haben."
Norwegische Stimmung.
Ein sonniger Sonntag strahlt über dem herrlichen Land Heute ist doppelter Feiertag, denn Norwegen feiert den Geburts tag seines Königs. Mit dem norwegischen Volk 'eiert auch die deutsche Hochseeflotte, die seit 8 Tagen über 20 Häfen und Fjorde verstreut hier zu Anker liegt. Schon die ganze Woche über grützt jeden Morgen um 8 Uhr, wenn toi „Flaggenparade" die deut scheu F-arben am .Heck des Schiffes langsam und majestätisch hock) gehen, nach Präsentiermarsch und „Heil Dir im Siegertranz" auch Die norwegische Nationalhymne von Bord aus die gastlichen Berge. Heute aber haben die Schifte fröhlichen, bunten Schmuck angelegt, sie haben „über die Toppen geflaggt", d 1: alle ihre Flaggen und Wimpel von Mast zu Mast^vereinigt; unb mittags nut dem Glockenschlag zwölf künden 21 Salutschüsse jedes einzelnen der 26 deutschen Kriegsschiffe dem König des Landes ihren maicstätifchen HuldigiingSgrust. Von 546 deutschen Kanonen schössen hallen die norwegischen Gleticherberge und Wiesentäler wieder, und ängftlid)e, argwöhnische Gemüter mögen in diesem dröhnenden Donncrgrust bereits wieder einmal eine „deutsche Invasion" hören.
Bereits tot ja aus Anlast der Heber gäbe des Frith! os Denkmals durch den Tcutidien Kaiser an den norwegischen König in diesen Tagen ein Drontheimer Blatt gemurrt und gemäkelt: „Wir nninfdKii keine deutsche Siegesallee in den norwegischen Fjorden!" Das soll nickst etwa eine künstlerische Kritik am kaiserlichen Geschmack fein, sondern die Bekundung politischen Mißtrauens gegen deutsche Abfickten.
„Deutsche Geschwader behandeln norwegische Fjorde unb Häfen wie ihr heimisches deutsches Fahrwasser" — wird dann weiter geklagt und zugleich verleumdet. Tenn es ist 'unumstrittene Tatsackxe, daß leine einzige Schießübung, ia nicht einmal ein strategisches oder taktisches Manöver innerhalb der nonvegi scheu Hoheitsgewässer, geschweige denn in den Fjorden und Häsen vorgenommen wurde, ebensowenig natürlich ein „Landungsma nötor", bei dem bewaffnete Truppen fremdes Territorial-l»ebiet betreten müßten. Wie mir der Kommandant eines Tepeschenbootes erzählte, geht die deutsche Korrektheit sogar soweit, daß ein Torpedoboot, das für etwa eine Stunde in den Hafen von Bergen einläuft, um dort die Post der Flotte abzuholen, erst die Erlaubnis dazu bei der norwegischen Hafenbehörde beantragt.
„Alle norwegischen Fahrstraßen werden untersucht und die deutscheii Seekarten berichtigt" wird dann weiter verdächtigt. Mit Verlaub: Wer könnte, wer kann etwas Derartiges besser unb er folgreicher tun — ein deutsches Kriegsschiff in einer einzigen Wecke und mit Leuten und Booten, die durck Ülltssehen und Tracht jeber mann weithin kenntlich linb? £tor die unzähligen englischen Dampf unb Segel-Jachten, die während der vielen Monate des langen Sommers in jebene Fjord, in jeber Bückst, in jedem Hafen anzutreffen find'? Wohin man auch einen Ausflug unternehmen möge, überall weht irgendwo in diesem Land eine englische Fahne — toi englischen Mietern oder Besitzern, von Haus und Boden herab, aus Farmen oder Fischerei Revieren Aher diese Engländer find sch.nnbar über den norwegischen Argwohn erhaben. Wie es imr Deutschen auch fein sollten — noch mehr fein sollten.
„Die Invasion des Großkapitals" wird dann schließlich beklagt und beargwöhnt — auch wieder mit einer Spitze gegen Deutschland. Unb doch ist es bekannte Tatsache, daß das deutsckje Kapital aus Norwegen fcrnbleibt; daß gerade in diesen Tagen wieder eine englische Gesellschaft einen der größten Wasserfälle Norwegens, den Aura Voß, erworben hat, um die 700 000 Pferdestärken feines Gefälles für eine Industrieanlage zu verwerten. _ , . , .. .
Freilich: die „Invasion des Groß Kapitals" tst es, die in Norwegen eine antideutsche Stimmung beabsichtigt und mit Erfolg vertreibt - aber in anderem Sinne, als tos Trontheimer Blatt es wahr haben will. Tic Invasion des engliscton Großkapitals nämlick in der norwegischen Presse^ Und das nt der wundeste Punkt, auf den mich Norweger selblt auimerliam machten— unb zwar Norweger, die es wissen könnten —: daß in einem reckt bedeutenden Teil der norwegischen Pre,se recht beträchtliches englisches Kapital tätig ist. Sollte das nickst mancherlei erklären'? .. . ..
Worin besteht nun aber eigentlich die „deutlcke Invaiion ? Es ist Tatsache, daß der Deutsche Kaiser als einer der Ersten norwegisch? Abgelegenl eit und Abgesckl.issenh.it überwunden, daß


