Ausgabe 
9.9.1913 Zweites Blatt
 
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über Frankreich und eine schwer erkaufte Lehre unserer Geschickte Der Kaiser fr. nicht Mandatar des Bolkswillcns, sondern M'.l- träger der Reichsgewalr.

Dem VoNragc folgte eine leühaste Besprechung.

politijcbc Lagcsscbatt«

Zur Masfenstreiksrage wird der sozialdemokratische Parteivorstand dem Parteitage in Jena die folgende Entschließung vorlegen, die im ..Vorwärts" bckanntgegeben wird:

Nach dem vom Mannheimer Parteitag 190^ bestätigten Be­schluß des Jenaer Parteitages 1'105) in die umfassendste .'In Wendung der Massenarbeit-«instellung gegebenenfalls als eines der wirksamsten Mittel zu betrachten, nicht nur um Angriffe aus bestehende BolkSrechtc abzuwehren, sondern um Volks- rechte neu zu erobern

Die Eroberung des allgemeinen, gleichen, direkten und ge­heimen Wahlrechts zu allen Bcrtretungskörr.'rn ist eine der Vorbedingungen für den Befreiungskampf des Proletariats. Tas Dreiklassenwahlrecht entrechtet die Besitzlosen nickt nur, sondern hemmt sic in allen ihren Bestrebungen aus Verbesserung ihrer Lebenshaltung: es macht die schlimmsten Feinde lewerkschait lieber Betätigung und sozialen Fortschritts, die Junkerkaste, zum Beherrscher der Gesetzgebung.

Darum fordert der Parteitag die entrechteten Massen aus, im jwmpfe gegen das TreiNassenunrecht alle Kräfte anzu - spannen in dem Bewusstsein, daß dieser Kamps ohne große Opfer nicht siegreich durchgcsührt werden kann.

Indem der Parteitag den Massenstreik als unfehl­bares undje derzeit anwendbares Mittel zur Be­seitigung sozialer Schäden im Sinne der anarchischen Auffassung verwirft, spricht er zugleich die Ueberzcugung aus, daß die Arbeiterschaft für die Erringung der politischen Gleichberechtigung ihre ganze Straft einsetzen muß. Der politische Massenstreik kann nur bei vollkommener Einigkeit aller Organe der Arbeiterbewegung von klassenbcwußten, für die letzten Ziele des Sozialismus begeisterten und zu jedem Opfer bereiten Massen geführt werden. Der Parteitag macht es deshalb den Partei genossen zur Pflicht, unermüdlich für den Ausbau der politischen und gewerssckwftlichen Organisation zu wirken."

Das Kaifermanöoer.

(Bon unserem Sonderberichterstatter.) (Erster Tag.)

S t r i c g a u, 8. Sept.

Jahre hindurch hat derkilometerfrcssendc Infanterist" mit seiner glänzenden Leistung auch die widcrwilligstc Kri­tik des Auslandes bezwungen. Als anno 1907 die Lynckerschc 19. Division von nördlich Pyrmont her bis nach.Höxter und der Diemel über 70 Kilometer marschierte, hielt man das für den Rekord, llnd doch schlugen badische Grenadiere zwei Jahre später diese Höhenmarke spielend, und auch vor zwölf Mona­ten haben einzelne sächsische Regimenter unschwer an zehn- einhalb deutsche Meilen hintereinander bewältigt. Ist nur der Himmel einigermaßen gnädig, so schrecken solche Entfer­nungen die Schlachtcnhauptwaffe nicht. Viel eher hört man den Kavalleristen die besorgte Frage stellen, ob's nicht zuviel Pferdebeine kosten wird. Diesmal aber, wo die Anfangsent­fernungen zwischen der blauen (Nord- und Heim-) Armee und dem roten Angreifer, der gestern abend mit den Reiterschützcn bei Schweidnitz stand, nur 50 Kilometer betrugen, ist es von vornherein klar gewesen, daß die Taktik des wirklichen .Kamp fes mehr als die Strategie des HeranführenS großer Massen der Grundton der Uebung sein würde, daß also im G e f e ch t, nicht vorher, die stärkste Anforderung an Führer und Mann­schaft käme.

Die von der Beuthencr Gegend nach Nordweften vor gestoßene rote Armee hat bis zum Sonntag nut ihrem linken Flügel erst das Heuscheucr Gebirge erreicht, während der Marsch in der Oderebene den rechten roten Flügel schon bis nahe der (blauen- Festung Breslau gefördert hat. Blaue G r c n z s ch u y t r u p p e n, die aus 5. Jägern, 3. Gardisten aus Berlin, Pscrdcjägcrn aus Posen, Militscher Ulanen und etwas Fcldartillerie bestehen, haben gestern, bisher zurück weichend, am Striegauer Wasser Halt gemacht. Wohl um das schnell Zusammengerasfte dieses Behelfs gegen den vor läufig übermächtigen roten Gegner zu kennzeichnen, führt diese kleine bewegliche Schar ein bayerischer Oberst. Dem roten Eindringling ins schlesische Land wird von Nordwestcn her, aus der Linie BunzlauHaynau Lüben eine blaue Armee entgegcngcworsen. Um sie aufzuspüren, ihre Spitzen und zugleich den Verbleib des Grenzschutzes festzustellen, ist heute in aller Herrgottsfrühe eine rote Kavallericdivision unter Generalleutnant Brecht vom Zobtcn her nord­wärts aufgebrochen.

Die beiden übenden .Korps V und VI sind Teile der blauen und roten Armee. Nur ihr Kampf wird wirklich durch geführt. Die rechts und links davon marschierenden und kämpfenden Korps von Blau und Rot bestehen in der An­nahme allein. Damit aber keine zu große BrcitcnauSdehnung der für morgen und übermorgen zu erwartenden Schlacht unwillkürlich erfolgt, hat die Oberleitung die äußersten Flü­gel der dem V. und VI. benachbarten Korps durch West- und Ostanschlußtruppcn wirklich aufgestellt.

Freiburg in Schlesien, 8. Sept.

Dort, von wo die Hohenfriedberger Höhe in die fchlesisclx.' Ebene hinausschaut, nach Striegau hin, zog sich an demWas- jer, das seinen "Namen von der Stadl hat, seit dem frühen Morgen eine dünne, lange, graugrüne Kette entlang. Kaum zu unterfcheiden von den saftigen Farben der Wiesen bewe­gen sich im Vorgelände Streifpatrouillen der Jäger aus Hirschbcrg und des 3. Garderegiments zu Fuß, dazwischen ein paar Reiter in grauer Ulanka und in dem Koller der Po­sener Königsiägev Was Oberst Zöllner, der hier komman­diert, wirklich in der Hand hat, ist schwer zu erkunden. Es mühen sick zwar hoch oben im glänzenden Sonnenschein sur rend und schwimmend einige rote Tauben und ein schlanker Zeppelin redlich ab. ^Doch ,n die Ställe und Scheunen der Hobenfriedberg Striegauer Straße, wo 8 Kompag­nien Grenzschutz!ruppen stecken, gibt selbst auch das beste Luft­fernrohr keinen Einblick. So muß die rote Kavallerie erkunden und abstreifen.

Die Division B recht hatte beim Anreiten aus Schn'cid nitz das Jägerbalaillon « auf Kraftwagen gesetzt, und es deshalb beinahe auf die Minute zur Hand, als es galt, bie Striegau e r W a i serü b er gänge zu nehmen. Es war ein militärisch-ästhetischer Genuß, den Musterangriff der Oels'er grünen Elitetrnppe gegen die schnell aufgeworfene blaue Feldbefestigung am Fuchsberge bei Striegau zu be­obachten. Hatte nicht ein vom naben Oberschiedsrichter schnei vom - Pferde heruntergeholter Häuptling neben der Schützenlinie gestört, so wäre das Bild vollkommen kriegs­mäßig gewesen. In der gleichen Stunde etwa um 9 Uhr rückten die drei Kolonnen der roten Kavallerie aus der Freiburger Gegend ab auf die rechte blaue Mitte und östlich von Hodenfriedeberg, so daß bis 10 Uhr der blaue Ruck zug bis aus ganz vereinzelte Teile allgemein war. Viele Ja aenschakos bei Blau zeigten durch die adgonommenen grauen Ueberzüge, daß die Truppen außer Gefecht gesetzt waren Der Erfolg von Rot war allgemein durchschlagend Äcker lich aber hatte Rot Fliegermcldungen über starke blaue Trup

pen erhalten, die von Liegnitz herkamcn Tenn anstatt ab;u drängen, blieb General Brecht einen Kilometer nördlich des Striegauer Wassers stehen, fuhr seine vorher wenig benutzte reitende Artillerie in eine Bereitschansstellung auf und war­tete, sehr richtig, zunächst ab, was Blau weiter tun würde.

Blau ließ nun auch nicht mehr allzu lange aus sich warten. Was zu Fuß sich schnell genug für die Absicht des blauen Oberkommandos hatte schaffen lassen, mußte die Eisenbahn erreichen. Ein Teil des 5. Korps war früh morgens auf die Achse gesetzt worden und langte gegen 3 Uhr nachmit­tags auf dem Babnhof G r o ß - R o s e n , ein paar Kilometer nördlich von Striegau, an. Damit kam in der dortigen Ge­gend jegliches Vordringen von Rot zum endgültigen Stehen. (General Brecht wird danach wahrscheinlich von einem roten Oberkommando de facto von der Manöveroberleitung einen Funkenspruch erhalten haben, kurz zu treten und nur noch den Aufmarsch des roten Gros' zu sichern. Um l^Uhr waren nämlich erst die Regimenter 51 und 11, die 6. Feld­artillerie, später die in der Stadt selbst heimischen 10 er Gre­nadiere und die 38 er bis nach Schweidnitz gelangt, sind also zu der Stunde, als sich blaue Truppen bei Striegau sehen ließen, noch reichlich 20 Kilometer von dem morgendlichen Gefechtsfelde fern gewesen. Die ganze 11. Division des Ge­nerals v. Torrer hat ihren strengen Kriegsmarsch von Gnaden frei her vorzüglich bestanden. Die Leute trugen ihr Gepäck gerade wie die Lichter, waren voll -fröhlichen Sol­datenulks und werden sich beute abend und morgen, wenn es zum großen Tressen bei Freiburg kommt, sicherlich vorzüg­lich schlagen. Daß sie vorher das nachmittägliche Biwak auf dem Sckweidnitzer alten Exerzierplatz an der Striegauer Straße ehrlich, ehrlich ermüdet, nur allzugern über sich er­gehen ließen, versteht sich wohl von selbst.______________________

Sozialer Kurfus in Gießen.

Als Einleitung zu dem von mehreren Evang. Arbeitcr- fccrctncn in Gießen veranstalteten Sozialen STurfuss sand am Samstag ein Begrüßungsabend statt, der einen außerordentlich zahlreichen Besuch anfzuweisen hatte. Nach einer Begrüßung der Gäste und Kursusteilnehmer durch Oberbibliothekar Tr. Heu­er (Gießen) hielt Professor Tr. Bogt- Gießen einen sehr beifällig auf genommenen Dortrag über:Bedeutung von Heer uni) Flottc für unser Bol kswohl". Nachdem der Redner die Notwendigkeit einer ausreichenden Wchrmaclst zu Wasser und zu Lande ausführlich besprochen hatte, hob er be­sonders hervor, daß sowohl Heer wie Marine als Erziehungs- schule für Arm und Reich in sozialer und körperlicher Hinsicht wesentliche Dienste leisten. Im Anschluß an den Vortrag, durch den eine sehr anregende Aussprache herbeigeführt wurde, boten die Herren Musiklehrer Gernhardt und H. Krug, letzterer Schuler des Konservatoriums Frankfurt a. M, musikalische Bor- träge, die ebenso wie Darbietungen der Gesangsabteilung des Ver­eins wesentlich zur Verschönerung des Abends beitrugen. Am Sonntag vormittag fand ein gemeinsamer Kirchgang statt, wobei Pfarrer Schwabe eine dem Charakter der Veranstaltung ent- vreckende Predigt hielt, während der Gemischte Chor durch feine Gesangsvorträge dem Gottesdienst eine besondere Weihe verlieh. Um 11 >12 Uhr sand bann im Vereinslokal ein sehr gut besuchter Vortrag über die B o l ks ve r si ch e r u n g statt, zu dem neben Volksverfickerungsbeamten Lindner (Berlin, Verbandssekretär Schmitt (Höchst -als Redner erschienen waren.

Der erste Vortragende, Herr Lindner «Berlin) wies nach, daß der C-edanke der Reform der Volksversicherung, wie sie die Deutsäx' Bolksversicheruug Aktiengesellschaft nunmehr in die Praxis um gesetzt hat, seit mehr als 10 Jahren von bürgerlichen National­ökonomen eindringlich gefördert wurde. Der zweite Redner, Ber- bandsfekretär Schmitt Höchst, wies auf die Einrichtungen bei Gesellschaft bin, die durchweg volkstümlich seien, da den Vet> icherten nickt nur im Aufsichtsrat, sondern in einem besonderen Verwaltungsbeirat und der Hauptversammlung der wengchendste Einfluß ömicrnb gesichert sei. Besonderes Interesse erregten die Tarife, die ganz abgeselien von der Möglichkeit ocr Znsatzvcr- icherung, als äußerst günstig zu bezeichnen sind^ Nack einer außerordentlich lebhaften Ausfpradie fand unter Führung von Verwalter Weiß eine Besichtigung deS BolkSbades statt, »voran ich ein gemeinsames Mittagessen im Vereinslokal anschloß.

Weiter wurden im Laufe des Nachmittags noch besichtigt das Säuglingsheim, wobei Pros. Dr. Böttcher interessante Er­läuterungen über den Zweck der Einrichtungen gab, sowie die Lesehalle unter freundlicher Führung von Prof. Tr. Belke und zuletzt noch die HäuSckeu der Baugenossenschaft des DereinS unter Leitung von Svarkasfcnkontrollcur Haas. Nach den Besichti­gungen wurde ein Spitziergang zur Liebigshöhe unternommen, während am Abend ein Fa m i l i c n a b e n d mit öffentlichem Vortrag im Cafö Leib stattfand. Bei dieser Gelegenheit begrüßte Oberbibliothekar Tr Heuser die erschienenen Gäste, unter denen and) Provinzialdirektor Gcbeimerat Dr. Usingcr war, woraus Werkmeister Bärn» Frankfurt a. M.) in einfacher, schlichter aber begeisternder Weise über Zweck und Ziele der Evang. Ar­beitervereine sprach Der SchristAhrcr deS Mittelrbcinischen Ver baudes Evang. Arbeitervereine, Herr Wilhelm (Höchst) beleuch­tete die nationalen und sozialen Ausgaben der Vereine, »vährrmd Oberbibliothekar Tr Heuser (Gießen) einen Toast auf Kaiser und Großbi'rzoq ausbrachte.

Als letzter Redner des Mends sprach Verbandst ekretär Sckmitt Höchst, der besonders die Frauen zur Mstarben aufforderte. Tie Tarbietungen der Gesangsabteilung deS Vereins, die unter Leitung von Muiiklebrer Gernhardt Gießen, Ge­mischte und Frauenchöre zu Gehör brachte, verliehen der Ver­anstaltung ebenso wie die Tellamation von Frl. Bergnerl Unser Wahlsornch", ein besonderes Gepräge. Am Montag fan­den noch zwei Borträge statt, und ztoar hielt Oberlehrer Tr. S lein Gießen am vormittag einen Vortrag über Alkohol und Volkswohl, der besonderes Interesse sand. Ter Redner erläuterte insbesondere die großen Gefahren, die der Alkoholgenuß in ge­sundheitlicher, nwralisckcr und sitllicher Hinsicht in sich birgt Seine Aus'übrungen gilben Veranlassung zu einer crnsfülirlicken, sehr anregenden Aussprache. Ten Scklutz der Vortragsreihe bil­dete ein Vortrag des Vereinsvorsitzenben Oberbibliothekar Dr. H e u I e r überNeuere Normen der Jugendpflege". Ansgehend von den ältesten Formen brr kirchlichen Jugenbpslege, ber Jüng- lingsvereine. ließ er bie übrigen kirchlichen Formen Revue pas­sieren. erwähnte bann bie Turnvereine, Wandervogel, Pfadpfinber und 3ugcnbmebrpcreinc, ben 3ungbeul)d)lanbbimb, bie jetzt staatlich gesörderten Formen, um bann zum Schluß ausführlicher bie sozialistische Jugendbewegung zu beipretben. Die sich an ben Vortrag anscklietzenbe eingebenbe Aussprache lieft er kennen, welches Unterere man ganz besonders ber Jiigcnbmlege nttav-nrnbrinat. Den Schluß bes Kursus, an bem etwa 30 hiesige unb fast ebensoviel auswärtige Personen von Butzbach, Hörnsheim. Friedberg, Frank- "irt. Höchst, Homburg v. d. H. Oberursel, Wetzlar usw.) leih genommen haben, bildete eine Besprechung allgemeiner Verems- iraqen. wobei Verbanvsiekretär Schmitt- Hockst sehr beachtens­werte Anregungen bot.

Aus Statt uttt Can&»

Dieß en, 9. September 1913.

Das Borgunweien

Von einem bic'igen Kaufmann wird uns geschrieben: cd»on gar on tu von offiziellen Handelsvertretungen aus bie nachteiligen Folgen des Borgunwesens binqcmiefrn worden Die ungesunde Borgwirtschan bringt ja auch auf die Dauer den Konsumenten wie den Gewerbetreibenden gleich schwere morgen Beim Stonfumenten bat das Borgen ui der Regel eine Verschlechterung seiner wirtschaftlichen Lage zur Folge, namentlich ivenn von ihm schon die Bedarfsartikel des täglichen Ledens wie Kleidungsstücke. Kolonialwaren, Fleisch und Brot auf Kredit entnommen werden.

Der barzahlende Konsument bezw. die barzahlende Haus­frau kauft nur, was sie bezahlen kann. Tas Wirtschaftsgeld wird für alle Bedürfnisse planmäßig eingctcilt und erst der überbleibende Rest wird für weniger dringende Bedürfnisse und Vergnügungen vcrwandt.

Dadurch bleiben ordentliche Wirtschafts' und Farnilien- verhältnisfe erhalten. Anders ist es beim Borgsystcm. Ist sozusagen das tägliche Brot auf Kredit entnommen worden, so mutz Gebalt bezw. Lohn zunächst dazu herhaltcn, um die Schulden zu bezahlen. Gleichzeitig werdet» aber wieder Schul­den gemacht und die Hausfrau ist gar zu leicht versucht, mehr aus Borg zu entnehmen, als sie am Ende der Gehalts- oder Lohnveriode bezahlen kann, und so geht ihr bald die lieber- sicht für ein richtiges Haushalten verloren. Kommt dazu noch ein Gehalts- ober Lobnausfall, vielleicht auch Krankheit, so ist das Unglück da. Die Hausfrau ist zu der übermäßigen Borgwirtschafl häufig ohne Wissen des Mannes gekommen. Ist sie nun gezwungen die Schuld einzugcstchcn, so führen, nur allzuleicht Vorwürfe und Zänkereien zu unliebsamen Fa­milienzerwürfnissen. Um alles dies zu vermeiden, liegt es im Interesse teder vernünftigen Hausfrau, das Borgen zu unterlassen und »venigstens die Bedarfsartikel des täglichen Lebens, wie Kleidungsstücke, Kolonialwaren, Fleisch und Brot, gegen bar einzukaufen.

Ebenso unliebsam macht sich die Borgwirtschast bei den heutigen schwierigen Geldverhältnissen für die Gewerbetrei­benden bemerkbar. Durch die schleppende Zahlungstvcise ber Konsumenten erleiden die Gewerbetreibenden nicht unerheb­liche Zinsverluste, sondern sic sind auch infolge des Festlie­gens ihrer Kapitalien oft gezwungen, zur Befriedigung ihrer Gläubiger fremde Mittel in Anspruch zu nehmen. Das ist aber besonders mißlich, weil gegenwärtig dafür ganz (infter- orbentlid) Hohe Zinsen bezahlt »ocrden müssen. In den meisten Fällen aber ist es bem Kleingewerbetreibenden überhaupt nicht möglich, den nötigen Kredit bei Bankinstituten zu be­kommen, »voburch dann die Lage geradezu eint ganz ver­zweifelte wird.

Die Geschäftsinhaber werden von ihren Lieferanten und Fabrikanten an immer kürzere Zahlungsfristen gebunden, so­daß sic schließlich gezwungen werden, ihr Geschäft auf Bar- .Zahlung einzurichten. Unter solchen Verhältnissen können De­taillisten und Gewerbetreibende ihren Kunden keine langen Zahlungsfristen mehr gewähren. Die Käufer dürfen cs daher bem Kaufmann und Handwerker nicht verargen, wenn diese an die bestehenden Zahlungsverpflichtungen erinnern, die außenstehenden Forderungen cintrcibni und die Barzahlung mehr einzuführen suchen. Wenn Konsumenten und Haus­frauen sich klar machen, daß Borgen schließlich nur zu neuen Sorgen führt, so »verben s»c cinsehen, daß sic nur in ihrem eigenen Interesse handeln, wenn sie künftig ihre täglichen Bedarfsartikel, wie Kleidungsstücke, Kolonialwaren, Jleifch und Brot gegen Barzahlung einkaufen.

** Das Rcserve-Jnfantcrie-Rcgimcnt bes 18. Armeekorps wirb am 2*. September zu einer 1-häfligcn Uebung, bis 9. Oktober b. I., auf bem Truppenübungsplatz Darm­stadt ettrgczogen werden. Führer des Referve-Regimenks ist Herr Oberstleutnant Toerr vom Leibgarde-Infanterie Regiment Nr. llö. Das Reserve-Regiment wird im Lause der Uebung auch ein ge­fechtsmäßiges Schießen auf dem Truppenübungsplatz ab halten.

** Tic Lu flschiffcrkomvagnie Darm stabt. Am 1. Oktober wird bie von biefem Zeitpunkt ab in Darmstadt norm- sonierende Luftschisserkompagnie auf dem Truppenübungsplatz ein- treffen Die Luftjchiperkoulpagnie wird jolange auf bem Truppen» Übungsplatz luttergebracht werden, bis die für sie bestimmten Aüfenrenbautcn usw. fcrtuTfltftdlt sind

"Weitere Erleichterungen sürDehrpflichtige beim Auslxbungsgeschäft. Ausu.'r den bereite- oeröffenb liebten Bestimmungen gesetzlicher Art, bie wesentliche Erleichterun­gen für Wehrpflichtige beim Anshebungsgcsck>aft bringen, sind wei­tere bcrarttge iliorschriften in ber jetzt verfügten Abänderung zur Heerordnung" bekanntgegcbcn worben. So barf mit Genehmigung der Brigabekvmmanbenrc ober Lanbwehr Inspekteure von ber per* f ö n l ich c u Bo r st el l u n g beim A u s hcb u ng s g e s chäst ab. gesehen iderben, wenn nach niilitärärztlichem OKnachien bie Ticnst- unbraud,barfeit ohne weiteres aus üorbanbenen Unterlagen mili- iärärztlichen Zeugnissen usw.) hervorgcht. Ferner sind Mannschaf­ten des Beurloubtenstandes, über die in demselben Jabre beim Prümngsgesdiäft hinsichtlich ihrer Versorgung unb außerdem beim Aushebungsgeschäft hinsichtlich ihres Militärbienstderbältnisses im Veurlaubtcnstande zu cntschciben ist, nur beim PrüfungSge- sckäst vorzustellcn. Neu ist »ociter bic Bestimmung, baß bie bem Beurlaubtenstandc angehöreubcn Studierenden ber M i l i l ö r- B e - terinär-Äkabcmie von ber Teilnahme an Kontrollversamm­lungen befreit ssnb, und baß Mannschaften des Beurlaudtemiandes onDcrcr Dassen, bic zu Uebungen bei ben Krastsahrttuppen einbe- nifen sinb. nach Beenbigunq ber Uebung durch bic Bezirk»- tommanbo-3 zum Beurlaubtenstanbe ber Kraftfabrtruppen überge­führt werben, ^irannschaften bes Bcurlaubtenskande sber Vcrkcbrs- inippen üben, wie auch neu bestimmt worben ist, im allgemeinen bei diesen. Tie Einberufung erfolgt durch bic ltzeneralkommondos auf Ansuchen ber General-Fnivektion be- Mttitär Verkehrswesens, ben Autos hulffch langsani und sehr behutsam durchfahren kverden.

'* Der ProvinzialauSschußder Provinz t a r - Ten bürg verhandel lc heute über bic Klage des Müdlenbefitzers Bo ? o auf der R< ichel»heimer Erdleihmühle in brr Wrllerau gegen die Provinz Oberheffen auf eine Gut» schäbigung für entgangenes Wasser infolge des LberheffifcheN Wasserwerkes in Höhe von etwa 250000Mk. nebst -I Proz. Zinsen feil Avril 1912. In späteren Berhanblungen hat er verschiedene Nachgaben gemacht, besteht aber im Prinzip auf seiner Forderung, da nach ben Bestimmungen bes BachgefetzeS die Provinz für den ihm erwachsenen Schaben aufzukommen habe. Tie Provinz Cbrr» heften bestreitet zunäcks^ oaß sic sdrabem-riatzpflickttg sei unb darauf­hin wies der Kreisaus,chuß die Klage wegen rvriPätcter Geltend- inadmng der Forderung ab. Ter BcrioaltungsgericktShof be­fummle bann ben Provinzialausschutz als nächste Instanz und blcfcr hob bic Borcntfcheibung auf unb verwies bie Zache an die Bonnstanz zurück. Auch eine Enteignungsklage einiger Land­wirte in Birklar wegen ber Höbe der Entschädigung für bie Tulbung einiger für bas Elektrizitätswerk Wölfersheim zu errichtender Holzmastm wurde verhandelt. Die Entscheidung soll aber erst demnächst erfolgen.

Di e Fr e i w. San i t ät skol on ne wird, wie aus dem Anzeigenteil ber geftr Nr. ersichtlich ist, auch in diesem Jahre einen durch einen Arzt geleiteten Äusbrlbung-kursus veranstalten, der am 15. Oktober beginnen soll. Tie Teilnahme ist jeder männlichen Person int Alter von über 20 Jahren gestattet Ter Unterricht irfolgt unentgeltlich unb soll die Teilnehmer in den Stand setzen, bei U.iglückSfällen die erste sachgemäße Hilfe zu leisten^ Tie ZanttätSkolonne erblickt in ber »vcncttcn Verbreitung dieser Fähig- teit eine ihrer £>03irtmifgaben, unb befindet sich babei in lleber- ustimmung mit allen Behörden, bie sich mit Unglücksfällen und hren Folgen zu befaften haben. Tas Reichsversicherungsamt brängt in n euerer Zeit besonders bar auf, daß in allen Betrieben mindestens ein Äusseder oder Arbeiter auSgcbilbet ist Der AusbildungskursuS Lictct daher allen Arbeitgebern eine günstige Gelegenheit ur kostenlosen Ausbildung ihres Pcrionals.

Landkreis Gicben. '

lc. Slein'Linben, 8. September. Der hiesige Kaninchen- und Gestügelzuchlverein hat beschlossen, am Y Oktober in derDeutschen Eiche" eine Ausstellung für Kaninchen und Gcftügcl abzuhalten.

k. Lollar, 8. September. Ein unvorsichtiger Rad« fahrer fuhr in schnellstem Zeitmaß die Staufenberger Straße