Ausgabe 
9.9.1913 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

herunter und überrannte eine alte Frau und ein Lind. Frau und Nadler wurden verletzt.

f. Geilshausen, 7. Sept. Bei der Gemeinde ratswahl am 6. September wurden gewählt: Gastwirr Konrad Becker mit 72, Landwirt Heinrich Wagner UI mit 68 und Gastwirt Ludwig Hofmann II mit 61 Stimmen. 96 Wähler gaben von 120 ihre Stimmen ab.

ll. Treis, 7. Sept. Die hier seit etwa 3 Wochen arbei­tende Dreschmaschine wird mit einem an die Ueberlandzen träte angeschlossenen Elektromotor getrieben Es ist hiermit, ein durchschlagender Beweis für die Verwendbarkeit der Elek- trizität im Dienste der Landwirtschaft erbracht. Der Betrieb ist, bei geringen Mehrkosten im Vergleich zur Dampfma­schine, in jeder Hinsicht vorteilhafter als diese.

Kreis Büdingen.

Salzhausen bei Nidda. Das Kaufmanns-Er­holungsheim erfreut sich eines fortgesetzt regen Besuchs. Die Sonntagskonzerte und die Theatervorstellungen bieten eine angenehme Abwechslung für die Gäste, die Ruhe und Stille zur Erholung suchen.

Kreis Friedberg.

r. Bad--Nauheim, 8. Sept. In der heutigen Stadt­verordnetenversammlung kamen u. a. folgende An­gelegenheiten zur Verhandlung: Von der Anleihe von 1902 werden auSgelost die Nummern 7, 94, 155, 336, 444, 563, 570 zu je 1000 Mark, 78, 128, 223, 243, 313, 361, 445 zu je 500 Mark, 51, 175 zu je 200 Mark. Der Vorsitzende, Bürgermeuter Tr. Kayser teilt mit, daß ihn« der Italienische ftlub für das städtische Krankenhaus 312,40 Mark übersandt habe. Dem Klub wird herzlicher Dank ausgesprochen. Tu- Iahrhiindertsci-.-r der Schlacht bei Leipzig will die Stadt durch einen Festzug, Pflanzen einer Gidtc an der englisclien Mrche und eine allgemeine Feier der Bürgerschaft begehen. Die Schulkinder scülen Brezeln empsangen. In den Festausschuß wurden gewählt die Stadtv. Seb äs er, KNnkerfuß, Kissel und Stamm I. Da verschiedentlich Versuche gemacht werden, Diesel-Oelmotoren ein- zuführen, beantragt die Bürgermeisterei, diese Motoren wegen ihr..' Geruches und Geräusches durch Ortssatzung zu verbieten. Die Versammlung ist einstimmig der Ansicht, daß man für un sere Handwerker usw. billigere Elektrizität liefern müsse, als fic die Stadt, gebunden durch Vertrag mit dem Staat, abgeben kann. D^ Gewerbe in der Umgebung beziehe den Strom viel billiger und könne unserem eingesessenen Handwerk gefährliche Konkurrenz machen. Die Bürgermeisterer wird Versuche, die schon oft gemacht sind, wiederholen, um eine Herabsetzung des Elek­trizitätspreises zu erreichen. Ein Anlieger des Spielplatzes, den der Sportverein benützt, fordert wegen verschiedener Beschädi­gungen seines Besitztums von der Stadt als Eigentümerin des Platzes 40 Mark Schadenersatz. Der Anspruch wird als nicht be­rechtigt abgelehnt und der Gefuchsteller Christ. Hartmann II. an den Sportverein verwiesen. Dem Verein fall mitgeteilt werden, das-, die Stadt die Erlaubnis zur Benützung des Platzes zurück­zieht, wenn der Verein sich nicht in entspreckxmder Weise mit den Anliegern abfindet. Um die Arbeiten für die Herstellung des Eleonvrenringes beginnen zu können, muß der Gärtner L. Linkmann die von der Stadt gepachteten Grundstücke bis zum 15. d. Mts. räumen. Er fordert 349 Mark Entschädigung für Pflanzen, Blumen usw. Die Versammlung ist bereit 120 Mart zu zahlen, da das Gelände nur für landwirtschaftlichen Betrieb verpachtet war. Gesuche von Dr. Graf, dem Mieter ber alten Sprudel Apotheke, um Erlaß der Miete für Monat März, wo er angeblich in Benutzung der Räumlichkeiten behindert war, und der Frau L. Genzel Wwe. wegen zu hoher Anforderung von Kosten für Herstellung eines Fußsteiges werden nach ein­gehender Prüfung der Verhältnisse abgelehnt.

k. Rockenberg, 8. Sept. Die Staatsanwaltschaft weilte zur Untersuchung eines Sittlichkeitsverbrechens hier, das von einem jungen Menschen an noch schulpflichtigen Mädchen begangen wurde.

h. Münzenberg, 7. Sept. Bei der gestrigen Ge­meinderatswahl siegten die 4 Kandidaten der bürger­lichen Parteien mit großer Mehrheit über die sozialdemokra­tischen Gegner. Gewählt wurden die seitherigen Gemeinde­ratsmitglieder Ludwig Karl mit 127 Stimmen, Konrad Benner mit 9 Stimmen?, neu gewählt wurden Wilhelm Reis mit 111 Stimmen, Heinrich Grib mit 93 Stimmen.

Starkenburg und Nheinhessen.

w Mainz, 7. Sept. DeutscherWeinbau-Kongreß. Nack einer heute vormittag stattgehabten Sitzung des Gesamt- Ausschusses fand beute nachmittag unter zahlreicher Beteiligung bic erste öffentliche Kongreß-Sitzung statt. Offizielle Vertreter hatten entsandt das Reichsamt des Innern, das preußische Land- lvirtschaftsministeriilm, ferner die Ministerien von Bayern, Baden, .Hessen und Elsaß-Lothringen, der deutsche Landwirtschastsrat, die Laudwirtschastsräte von Bayern und Elsaß-Lothringen, mehrere Landwirtschastskammeni, Landwirtschaftliche Vereine, die Handels­kammern von Mainz, Bingen, Mannheim, Trier, Koblenz Karls­ruhe und Würzburg, die Stadt-Magisttate von Würzburg und Main; u a. Der Präsident des Deutschen Weinbau-Verbandes Reickisrat Buhl begrüßte die Versammlung, voraus sprachen zunächst für die Stadt Mainz Oberbürgermeister Dr. Goetteb- maiin, für das Reichsamt des Innern Geh. Reg.-Rat Dr. Jung, für die hessische Regierung Ministerialrat Hölzinger, welcher gleich­zeitig im Auftrag des Großherzogs Ernst Ludwig dem Präsidenten Reichsrat Buhl das Komturkreuz vom Verdienstorden Philipps des Großmütigen überreichte. Im Namen des Kgl. preußischen Ministeriums für Landwirtschaft, Domänen und Forsten sprach Geh Reg.-Rat Frhr. v. Hammerstein-Loxten und für die hessische .Handelskammer Geh. Kommerzienrat Dr. Bamberger-Mainz. Hier­auf hielten Vorträge der Vorsitzende des hessischen Weinbauver­bandes, Weingutsbesitzer Sittmann-Oppenheim überdie Bedeu­tung des hessischen Weinbaues und Weinhandels" und Prof. Tr. Kroemer-Geisenheim a. Rh. überNeuere Forschungen über das Wurzelwachstum der Reben und seine Bedeutung für die Boden­bearbeitung und Düngung der Weinberge". An den Kaiser und den Großherzog von Hessen wurden Huldigungstelegramme ab­

gesandt.

Kreis Wetzlar.

X Wetzlar, 7. Sept. Ucber das Vermögen des Glaser- nreisters Lißner, der in seinem Betrieb 1012 Gesellen be­schäftigt hatte, ist Konkurs verhängt worden. Lißner hat die Fensterverglasungen für die umfangreichen Kasernenbauten aeliefert und infolge der verlangten zahlreichen Nacharbei­ten bei dem Geschäft Geld zugcsetzt, statt dabei zu verdienen.

Hessen-Nassau.

X <o a n a u, 7. Sept. Im Jahre 1912 sind von der Lan- desversicherungsanstalt Hessen-Nassau zum Bau von Arbet- terwobnunaen folgende Darlehen zur Auszahlung gekommen, a) zu 31 9 Prozent: 84 200 Mark an die Cassel-Bettcnhäu- scr gemeinnützige Baugcsellschaft in Cassel-Bettenhausen, 40 800 Mark an den Eschweger Bau- und Sparverein in Eschwege 30 600 Mark an den Bauvcrein für den Kreis Fulda in Fulda, 3400 Mark an die gemeinnützige Bauge­nossenschaft des ev. Arbeitervereins in Steinbach-Hallenberg, 13 000 Mark an die Spar- und Baugenossenschaft des ev. Arbeitervereins in Schmalkalden, 50 250 Ntark an den Ä7ar- burger Spar- und Bauverein in Marburg, 621000 Mark an den Volks-Spar- und Bauvercin in Frankfurt a. M., 300 000 Mark an die Aktienbaugesellschaft für kleine Woh­nungen in Frankfurt a. M., 30000 Mark an den Lber- taunuskreis, 11 940 Mark an die Kreissparkasse in Fritzlar, 16 400 Mark an die Kreissparkassc in Hofgeismar, 40450 Mark an die Kreissparkasse in Witzenhausen, 23 500 Mark an

die Kreissparkasse in Schlüchtern, 282 350 Mark an 70 ein­zelnen Arbeiter unter Bürgschaft von Darlehnskassenverei nen und Gemeinden; b) zu 33,1 Prozent: 70000 Mark an den Obertaunuskreis, c) zu 4 Prozent: 80000 Mark an die Frankfurter Wohnungsgenossenschaft in Frankfurt a. M., insgesamt 1 697 890 Mark. Bis Ende 1912 sind Darlehen zum Bau von Arbciterwohnungen überhaupt gezahlt: aj an Baugenossenschaften usw. 12 890 225 Mark, b) an landwirt schaflliche Arbeitgeber 9000 Mark, c) an einzelne Versicherte 4 346 446 Mark; zusammen 17 245 671 Mark. Von dem Betrage unter c) sind an 1028 industrielle Arbeiter 3 739 291 Mark und an 211 landwirtschaftliche Arbeiter 607 155 Mark ausgeliehen.

h. Cronberg, 7. Sept. In den prachtvollen Edelkastanien- bainen der Stadt und ihrer Umgebung tritt seit etlicher Zett eine epidemische Erkrankung der Bäume auf, die fast regelmäßig mit dem Abfterben des befallenen Baumes endet. Bisher find nahezu 100 Bäume der Krankheit zum Opfer gefallen. Welcher Art die Krankheit ist, konnte bisher nicht festgestellt werden. Zu ihrer Erforschung, mit der verschiedene Gelehrte und Forstakademien betraut wurden, stellte Herr von Guaita der Stobt 1000 Mk. zur Verfügung. Die Edelkastanienhaine Cronbergs sind welt­berühmt und bilden ein Glanzstück in dem Landschaftsbilde der Stabt. Die Pflanze ist zweifellos, wie Funde in Mainz dartun, schon von den Römern in das Taunusvorland eingefübrt. Urkund lich wird dieMste", so heißt hier die Kastanie, für Cronberg im 11. Jahrhundert sestgestellt. In der bekannten Schlacht zwischen Frankfurt und Cronberg am 14. Mai 1389 schälten die Frank­furter die wertvollen Kastanienbestände ab, wodurch die Waldungen fast völlig eingingen. Sorgsame Kulturarbeit führte die Pflan­zungen dann wieder auf die alte Höhe, wie aus mancherlei ur­kundlichen Belegen l)ervorgeht. Es wäre schade, wenn biefc_ stolzen Wahrzeichen der Cronberger Gemarkung jetzt einer heimtückischen ftranHjcit zum Opfer sielen, nachdem sie den Stürmen von nahezu 2000 Jahren trotzten.

h. Bad Homburg V. d. H., 7. Sept. In großer Frische eierte gestern Kaufmann Jakob Küchel seinen,70. Geburtstag. Dem itm die Förderung des Turnwesens in Nassau und die tou^ ristische Erschließung des Taunus hochverdienten Manne wurden reiche Ehrungen zuteil. Herr Studier, der geborener Butzbacher ist, gab auch die Anregung zum Bau des Herzbergturmes.

h. Cronberg, 5. Sept. Eine für die Bewohner recht er­wünschte Warnung erläßt die neueste Ausgabe der Chausieur- Zeitung. Mese bezeichnet die Stabt als Autofalle ersten Ranges und warnt jeden Kraftwagenfahrer, mit äußerster Vorsicht durch die Straßen zu fahren, zumal auch die Polizeibeamten wie die Schießhunde hinter den Fahrern her seien. Die Warmmg hat bisher für die Lenker günstige unb für bic Bewohner recht an­genehme Erfolge gehabt, indem die Straßen neuerdings von

X. Wiesbaden, 7. Sept. Ueber die Lage des Spa r- und Bauvereins Wiesbad-en wurden int Vcrwal- tungsbericht der Landesverficherungsanstalt Hessen-Nassau folgende Angaben gemacht: Der Spar- und Bauverein in Wiesbaden befindet sich in erheblicher finanzieller Schwie­rigkeit und zwar einmal infolge der augenblicklichen un­günstigen Lage des Wobniingsmarltes in Wiesbaden und Biebrich und sodann auch durch Verschulden eines untreuen Vorstandsmitgliedes (Unterschlagungen sowie Bücher- und Wechselfälschu'ngen). Der Vorstand der Landesversicherungs­anstialt Hessen-Nassau ist bemüht gewesen, durch geeignete Maßnahmen, insbesondere durch zeitweisen Erlaß der Kapv- talabträge, der Genossenschaft über ihre Bedrängnis hin­wegzuhelfen und den Mitgliedern den Verlust ihrer Ge­nossenschaftsanteile und die Heranziehung zur Haftpflicht zu ersparen. Die Versuche sind jedoch gescheitert, da immer neue und vorher nicht bekannte Verpflichtungen der Ge­nossenschaft aus den Verfehlungen ihres Vorstandsmitglie­des zutage treten. Infolgedessen hat der Vorstand zunächst eine Zwangsverwaltung der Genossenschaftshäuser erwirken müssen. Ob diese SNaßregel ausreicht, und ob nicht schließ­lich doch noch eine Zwangsversteigerung der Hauser sich als notwendig erweisen wird, läßt sich zurzeit nicht übersehen. Es ist nicht ausgeschlossen, daß die Landesversicherungs­anstalt einen Teil der rückständigen Zinsen (etwa 10000 Mk.) einbüßt und vorübergehend die Hauser in der Zwangsver­steigerung erwerben muß.

sc. Schlüchtern, 7. Sept. Brennendes Auto. Ein mit vier Engländern besetztes Auto geriet bei Zündersbach in Flammen, wahrscheinlich infolge zu starken Bremsens. Bis auf die 9täber und einige Teile des Motors wurde der Wagen voll­ständig zerstört. Die Insassen konnten sich mit knapper Not retten.

Universitäts-Nachrichten.

Dem Privatdozenten fiir Geschichte und Geographie ber Landwirtschaft an der Berliner Universität Dr. phil. Eduard Hahn ist der Profesiortitel verliehen worden.

Tie Gründung einer Internationalen ortho- p a d i f ch e n Vereinigung ist von der Sektion für Orthopädie des 17. internationalen medizinischen Kongreßes auf Antrag von Dr. N. W. Lovett beschloßen worden. Ter Vorsitzende der Sektion, Robert Jones, und je ein Vertreter der verschiedenen Nationalitäten, für Deutschland Prof. Vulvius - Heidelberg, rourben mit der Bildung des Organisationskomitees beauftragt.

Aus Würzburg wird un§ geschrieben: Dem ordentlichen Professor des Strafrechts und Strafprozeßrechts sowie des Rechts der freiwilligen Gerichtsbarkeit an der Universität Würzburg Dr. Friedrich Oetker ist der Titel und Rang eines Geheimen

Mittag unb informierte sich über die Räume des Hauses, begrub in einem Stalle 300 Patronen und erbat sich die Schlüssel, da er spät Nacht roiebertomme werde. Seine Festnahme in Mühlhausen verteilte diese Pläne.

Die grausige Bluttat des nnirttcmbergiidjen Lehrers Wa g n c r, ber 15 Menschen ermordet, zahlreiche scluvor verletzt und ein Dorf in Brand gesteckt hat, erfüllt nicht nur die beiden vorher so fried­lichen Ortschaften, die der Unl-old hcimgefiictit, sondern auch jeden, der bavon hört, mit einem Gefühl lähmcnben Entsetzens, liniere Menschenwürde sträubt sich dagegen, in einem solchen Verbrecher ein gleichgeartetes Wesen zu erblicken, unb wir retten uns hinter die Ausflucht, baß nur ein gestörtes Hirn solche Greuel ausbcnken, nur eine entmenschte wahnsinnige Natur so Uirgebeuerliches voll­bringen konnte. Doch biese zuerst so bestimmt auftretenbe Nachricsit von bem Wüten eines Irrsinnigen ist balb erschüttert worben, unb matt muß annehmen, ba ßman cs nicht mft erneut Cseisteskranken, sondern mit einem Menschen zu hin hat, dessen Geist zwar nickst normal, aber doch auch nickst krank ist, sondern sich in jenem ge­fährlichen Zwischenzustonb befinbet, aus bem bic grausigsten Ver­brechen geboren werben.

Einen Einblick in biese Abgrünbe ber Mcnschcnsccle, bic in tiefe Schatten gehüllt dem Mitmenschen zumeist verborgen bleiben und nur in unbegreiflichen Sckwußlichleitcn sich bisweilen blitzschnell enthüllen, gewähren bic Untersuchungen des hervorragenden Psycho­logen ber Harvard-Universität Prof. Hugo Münstcrbcrg, der zwei solcher Massenmörder, einen männlichen unb einen weib­lichen, genau beobachtet unb auf Grund seiner mannigfackmt Studien eine Psychologie dieser Verbrechen ausgestellt hat. Die Ursachen für solche dem normalen Empsinden ganz unverständlichen Bluttaten findet der Gelehrte in einem eigenartigen Scelcnzustand, den er , emotivnally bcab",gcfühls101" genannt hat. Solch eine Gemütslage, die Münstcrbcrg in wechselnder Stärke bei den meisten Kapitalverbrechen feststellen konnte, zeigte sich besonders deutlich bei dem amerikanischen M assenmörderOrcharbson, mit dem ber Professor eine Reihe bemerkenswerter Versuche vornahm, bic sich auf sein Gedächtnis, Aufmerksamkeit, Urteil, die Gefühls­betonung bes Assoziatioiisprozcsses unb bic Suggestibilität bezogen. Ich fanb, baß ergefühlstot" war, womit jedoch keineswegs gesagt ist, baß er Gefühlsregungen sich völlig unzugänglich zeigte. Nur stand seine Empfindungssähigkeit wie bei den meisten Mördern tief unter dem Durchschnitt. Ein starker Nabefitich z. B. ergab keinerlei Reaktion; sein Tastsinn zeigte sich abgestumpft, währenb Gesicht unb Gehör sehr gut entwickelt waren. Er zeigte auch burchaus bie Fähigkeit, bic Leiben anberer wahrzunchmen; aber wenn er seine Höllenmaschinen unter Türen unb Treppen legte unb bic entsetzlichsten Explosionen verursachte, so buchte er' babei ebensowenig an bic Leiben seiner Opfer, wie etwa ein ^>piel- Warenfabrikant an bie Freuden, die seine Waren den Kindern be­reiten. Er war gefühlstot." . . ,

Ein weibliches Gegenstück zu dieserBestie in Mensckxmgestalt _ war Mrs. Guineß, derweibliche Blaubart", die nur ihrer einsamen Fann jahrelang Verbrechen auf Verbrechen häufte unb gegen 180 Menschen ermorbete unb versck>arrte. Der Psycho­loge fand bei ber Untersuchung dieser Fran deutliche Anzeick>cn einer ausgebildeten Hysterie; sie besaß nicht die normalen Hem' mnngsvorstellungen, bie beim Austcmchen eines verbrecherischen Ge- bankens von bcssen Ausführung zurückhalten, fonbem sie hanbelte unter einem Zwange, bessen gefühlsmäßige Bebingungen ihr völlig unbekannt waren. Pros. Münstcrbcrg wiberspricht ben Anschau­ungen Lombrosos; er glaubt nicht an ben geborenen Verbrecher. Irgend ein Gefühl, das wir nicht kennen, hat vielmehr bic Tätig - feit bes gefunben Organismus, bes Fühlens unb Handelns gestört; der Gehirnweg, durch den bie gefühlsbetonten Empsinbungen ein* bringen, ist gesperrt. Der Verbrecher fühlt nicht bie nonnalen Erregungen von Mitleid und Schrecken beim Anblick des Blutes, weil er gefühlstot ist. Dieser Zustand, der tausend Entstehungs- Möglichkeiten bat, ist die Quelle der meisten Verbrechen. Die Hemmungsvorstellungen schwinden, dasGleichgewicht ocr Ge­fühle" ist aufgehoben. Verbrecher werden nichtgeboren", sondern es sind Menschen mit schwach arbeitendem Geist."

Eingesandt.

(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung!

Gießen, 6. Sept. Tie Herren Hausbesitzer aus der Stein-, Eder- unb Weserstraße, bie sich Hühner halten, sollten boch biese so einsperren, baß man nicht schon morgens um vier Uhr durch bas Geschrei ber Hähne gestört wirb. Diese Rüclsicht- nahme sinb bic Herren Hausbesitzer ihren Mietern schulbig. Es gibt in ber Stabt Leute, bic burch ihren Beruf gezwungen sinb noch abenbs spät zu arbeiten, unb bic ihre Tätigkeit durchaus nicht auf bic frühen Morgcnstunbcn verlegen können. Diese Leute müssen morgend etwas länger Ruhe haben unb können verlangen, baß bic Herren Hausbesitzer hierauf Rücksicht nehmen.

Lollar, 6. Sept. Die steil abfallenbe Straße in Lollar Am Stein", und bie sehr steile einmünbenbe Straße von Staufen­berg, kann man täglich Radfahrer, Autos unb sonstige Fuhrwerke in rasenbcm Tempo durcheilen sehen. Die Straße ist stark be­wohnt und hat außerdem einen starken Verkehr burch Ausflügler nach Staufenberg, bic Arbeiter ber Lollarer Hütte unb noch be- sonberS burch bic sehr kinderreichen anliegenden Bewohner der Kolonie. Hier wäre doch bringend nötig, wenn sich die zuständige Behörde einmal energisch ber Sache annehmen würbe. Vcrschiebcnc Unfälle follen in letzter Zeit roieber vorgekommen sein.

Mehrere Interessenten.

Meteorologische Beobachtungen der Station Sietzen.

Hofrats verliehen worben. Prof. Oetker ist am 6. Mai 1854 zu Kassel geboren.

Tie Ernennung des 0. Professors Dr. med. Ewald Heinrich Hering von ber deutschen Universität in Prag und des Privat- dozenteu Prof. Dr. Reiner Müller von der Universität Kiel zu ordentlichen Mitgliedern und Professoren für pathologische Anatomie unb für Hygiene und Bakteriologie an ber Kölner Akademie für praktische Medizin ist bestätigt worden.

Sport.

Hu n b e - A ns st e l l u n g. Bei der am Sonntag, den 7. d. Mts. in Frankfurt a. M. abgehaltenen großen intern. Aus­stellung der 4 Polizeihund-Raffen: Airedale-Terrier, Dobermann- Pinscher, Deutsche Schäferhunde und Rottweiler Hunde erhielt Hera: Volk hier für seine beiden Dobermann-Pinscher in der Schönheitskonkurrenz die höchste Bewertungvorzüglich", sowie für das beste Dobermann-Pinscherpaar, in schwarz-rot, der Ans-

Sept.

1913

Barometer aus 0° reduziert

Temperatur 1 der Luft

Absolute Feuchtigkeit

Relative Feuchtigkeit

Wind­richtung

Windstärke

Grad der Bewölkung In Zehntel der slchtb. tziinmelbfl

Wetter

8.

2r"i|

752,8

21.0

7,9

8,3

43

NE

2

0

Sonnenschein

8.

9

752,6

14,2

69

NE

2

0

Klarerbimmel

9.

n

f)öcf

750,8

9,2

7,4.

85

N

2

0

Sonnenfchein

sie Ter

nperati

r am

7. btt

8. Se

ptei

nber -=

+ 21,3' C.

Niedrigste , » 7.

Niederschlag: 0,0 mm.

8.

n

+ 8,9' C.

Verantwortlich fürAus Stobt unb Lcmb" i. 23. : K. Neurath.

stellung zwei Ehrenpreise.

Fußball. Am Sonntag spielte bie 2. Mannschaft des SportvereinsMerkur' in Offenbach gegen die Spielriege des Turnvereins Offenbach und entschied das Spiel mit 5: 2 Toren für sich.

Das Blutbad in Mühlhausen.

Mühlhausen, 8. Sept. Heute nachmittag fanb in Gegenwart eines großen Trauerfolges die Beisetzung ber Frau und vier Kinder Wagners in demselben Grabe statt, in welchem gestern die anderen Opfer beerdigt wurden. Der Ortsgeistliche hielt die Trauerrede. Schul­kinder aus Mühlhausen begleiteten den Trauerzug und sangen am Grabe.

Der BerlinerLokalanzeiger" meldet aus Stuttg art: Der Massenmörder Wagner plante dem Orte Egolsheim bei Ludwigsburg dasselbe Schicksal zu bereiten, wie Mühl­hausen. Er besuchte seinen Bruder, einen Egolsheimer Klempnermeister nach der Ermordung seiner Familie am

Füll nicht zu sehr den Darm" ist eine der Mah­nungen, die Luther an jene richtet, die ein hohes Alter erreichen wollen Es wird also jeder, wes Alters, Standes unb Geschlechtes er auch sei, diese goldene Regel zu beachten haben und wird alles Vorkehren müssen, damit er nicht an habitueller Obstftration Ver­stopfung ober Hartleibigkeit, leide, bie stets lästig ist, bisweilen sogar ernst unb bedrohlich wirb. Spiclenb leicht schafft man sich täglich beim Erwachen am Morgen bic gewünschte Erleichtern ng und Reinigung ber Därme, wenn man vor bem Schlafengehen ein Weinglas bes echten Hunyabi Jäiws Bitterwassers nimmt, das in jeder Apotheke, Drogerie unb Mineralwasserhanblung er- hältlich ist. ________________________________________________________ 0°/->

In verantwortungsreicher Stellung klarbenken, im rechten Moment richtig hanbeln, geistig und körperlich immer auf der Höhe sein, dazu verhelfen 2 Stück der echten Kola-Pastillen Marke Dallmann (Dallkolat). 1 Schachtel Dallkolat Mk. 1 in Apotheken u. Drogenhandl.

Jedenfalls in der Umveriitäts- u. Hirsch-Apotheke. Ferner: Adler- Drog, Central-, Kreuz-, Löwen- u. Germania-Drog, wwie ErnstNoll

11